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Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: Sa 26. Jul 2025, 19:15
von Knäckebrötchen
Lana hat geschrieben: Sa 26. Jul 2025, 18:07
Das ist also der aktuelle Zustand. Nun kann ich das als Realität anerkennen, ohne es damit gutzuheißen, und mein Verhalten darauf einstellen. Das bedeutet eine Einschränkung meiner Freiheit, aber welche Alternative habe ich? Damit meine ich nicht perspektivisch, in irgendeiner Zukunft, wo das hoffentlich besser ist. Sondern akut, hier und heute.
LGL
Das ist wohl der aktuelle Zustand. Deine Alternative besteht also darin, Modezar*in zu werden, dann hast du Narrenfreiheit.
Ich hab vorhin nicht mehr auf deine Antwort reagiert weil zuviel dazwischen kam, sorry. Ich verstehe dich so, das es dir nicht um das Ausdrücken von Individualität geht, sondern um das Auffallen an sich?
Sonst könnte es ja auch ausreichen, Flohmärkte und Boutiquen abzugrasen, um seltene Einzelstücke zu schießen.
Aber wenn das Programm "möglichst extravagante, auffällige und garantiert unikate Kleidung" sein soll, und das dann auch noch gefeiert und nicht abgestraft werden soll, dann musst du schon die Stufe eines Glööckler oder Lagerfeld anstreben.
Sobald du aber im "normalen" Leben so rumlaufen willst, wirst du mit den bekannten negativen Reaktionen rechnen und klar kommen müssen. Das ist die Realität, wie du sie anerkennen möchtest. Ich bin darin Zuhause und darf mir den Kram fast täglich anhören. Und ein Leben, so wie du es weiter oben beschrieben hast wird auf Dauer auch langweilig. Immer der exotische Paradiesvogel sein ist aufreibend, ermüdend, teuer und zerstörerisch.
Ahso, oder natürlich sich den Gegebenheiten fügen, die Extravaganz ein wenig zurück schrauben und auf glatt(eren) Wogen durchs Leben cruisen. Aber so wie ich dich und Violetta verstehe, ist das keine Option.
Gegen den Wind, mit Aller Kraft und nie aufgeben
Verfasst: Sa 26. Jul 2025, 22:25
von Violetta-TransFlower
Meine Lieben, die Ihr bisher soviel kommentiert, kritisiert und auch Anderes geschrieben habt.
Erst einmal an dieser Stelle Vielen Dank dafür.
Manche schreiben sich hier echt die Finger wund, soviele Reaktionen hätte ich echt nicht

erwartet.
Ich kam noch gar nicht zum Lesen der ganzen Beiträge, hatte heute mit meinem PC Probleme um die ich mich kümmern musste, jetzt geht´s erst mal wieder.
Ich werde mich später dazu noch äußern, also zu Euren Beiträgen, hihi
Na, jedenfalls hörte ich heute Nachmittag folgendes Lied:
STRATOVARIUS - Against the Wind
kennt bestimmt keine/keiner von Euch.
Ich mußte, mal wieder, plötzlich weinen,

da mich der Text wirklich sehr an mich selbst erinnert.
Ich hörte es gleich mehrere Male hintereinander, da mich das dann seelisch so tief berührt.
Und mitsingen tu ich dann auch meist.
Habe den Text mal übersetzen lassen.
Und da ich sehr gerne mit Musik höre und hier auch damit arbeite, könnt Ihr es Euch mal anhören und keine Angst, ist musikalisch feinster Speed Metal aus Finnland, glasklarer Gesang und echt nicht hart.
Gegen den Wind
Wieder einmal versuche ich, die Dinge zum Laufen zu bringen,
und stelle mich der Macht der Gesellschaft entgegen
Ich suche nach allen Antworten des Lebens,
aber alleine schaffe ich es nie.
War ich dazu bestimmt, jedes Mal zu scheitern?
Es scheint mir, als sei das mein Schicksal.
Ist das alles, was mir bleibt?
Verwirrung und schlechte Erinnerungen.
Aber jetzt ist meine Zeit gekommen
Kein Laufen mehr in der Dunkelheit
Ich will viel mehr als das
Ich will wirklich alles
Gegen den Wind laufen wir
zu jedem Ort unter der Sonne
Wir haben so viel Kraft in uns
Wir werden niemals aufgeben
Gegen den Wind gehen wir
auf das neue Ufer zu
Zusammen werden wir den Kummer vergessen
Er ist für immer vorbei
Großes Dankeschön an Timo Tolkki, den Songschreiber
Gegen Alle Widerstände, gebe ich auch niemals auf !
Eure Violetta 
Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: Sa 26. Jul 2025, 23:43
von Claudia
Wow! Was für ein Text.
Ich will wirklich alles
Ansporn und Herausforderung für alle, die noch viel erleben, erledigen wollen oder müssen. Trotz schlechter Erfahrungen, Ängste oder Widerständen.
Aber ebenso Herausforderung für all die, die schon viel erlebt und/oder erledigt haben. Denn deren Unterstützung ist gefragt. Stärken, Mut zusprechen, Wege schaffen.
Gegen den Wind gehen wir
auf das neue Ufer zu
Gemeinsam gegen den Wind, gemeinsam gegen Kummer, gemeinsam das Ufer erreichen.
LG
Claudia
Re: Gegen den Wind, mit Aller Kraft und nie aufgeben
Verfasst: So 27. Jul 2025, 00:15
von Violetta-TransFlower
Claudia hat geschrieben: Sa 26. Jul 2025, 23:43
Wow! Was für ein Text.
Genau, und was für eine großartige Musik !
Metallerin
Deine Violetta

Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: So 27. Jul 2025, 00:55
von Lana
Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 26. Jul 2025, 19:15
Ich verstehe dich so, das es dir nicht um das Ausdrücken von Individualität geht, sondern um das Auffallen an sich?
Dann hast du mich nicht ganz verstanden. Auffallen ist nur ein kleiner Teilaspekt. Mit dem spiele ich nur dann, wenn mir danach ist. Vielleicht hattest du das übersehen:
Lana hat geschrieben: Sa 26. Jul 2025, 00:17Wenn es nach mir ginge, würde ich jeden Tag diese Vorlieben ausleben und Entsprechendes aus meinem Schrank holen und anziehen. Aber das mache ich nicht, weil ich nur manchmal die Motivation und auch die Kraft habe, mich der Konfrontation da draußen zu stellen, die durch entsprechendes Verhalten von Anderen (Blicke, Gekicher, Sprüche) entsteht.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 26. Jul 2025, 19:15
Sobald du aber im "normalen" Leben so rumlaufen willst, wirst du mit den bekannten negativen Reaktionen rechnen und klar kommen müssen. Das ist die Realität, wie du sie anerkennen möchtest. Ich bin darin Zuhause und darf mir den Kram fast täglich anhören.
Wie gesagt, ich komme mit den Reaktionen in der Regel klar und stelle mein Aussehen und mein Verhalten darauf ein. Insofern bin ich "darin Zuhause", ebenso wie du, vielleicht mit dem kleinen Unterschied, dass ich mir nicht "den Kram fast täglich anhören" muss. Auch kenne ich solche Situationen wie die von Violetta beschriebenen bisher eher vom Hörensagen.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 26. Jul 2025, 19:15
Immer der exotische Paradiesvogel sein ist aufreibend, ermüdend, teuer und zerstörerisch.
Wie gesagt, von "immer" kann bei mir keine Rede sein. Ob das für Violetta zutrifft, weiß ich nicht.
Ansonsten kenne ich die Paradiesvogelperspektive sehr gut aus anderen Bereichen meines Lebens. Irgendwie bin ich damit groß geworden, dass ich von Anderen als "exotisch" wahrgenommen werde. Das habe ich lange nicht verstanden, weil mein Leben für mich normal war, so wie es war. Es war halt in vielerlei Hinsicht anders als das der meisten Menschen, völlig unabhängig von meiner Transidentität und auch schon vor meinem Coming out.
Insofern kenne ich es nicht anders und habe mich damit längst arrangiert, nicht in ein 08/15-Schema zu passen. Ja, das ist anstrengend. Aufreibend ist es aber nur dann, wenn man sich zu sehr an den allgemeinen Gegebenheiten reibt. Wenn man es schafft, sich selbst nicht zu wichtig und die Welt um einen herum nicht zu ernst zu nehmen, dann kann das sehr interessant sein. Teuer muss das auch nicht sein, warum das denn? Individualität ist doch nichts, was man für Geld kaufen kann.
LGL
Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: So 27. Jul 2025, 07:49
von Knäckebrötchen
Kalimera, Lana,
ne ich hab das nicht übersehen. Im Gegenteil: so wie du schreibst, du würdest gerne heißt das für mich, du willst, kannst/tust aber nicht. Das hat aber nichts damit zu tun, ob du eigentlich dauerhaft Aufmerksamkeit oder schlicht Individuell sein willst.
Solche Reaktionen wie Violetta sie beschrieben hat, habe ich noch nie erlebt. Aber ich kenne einfach auch genug Menschen, bei denen ein "zu" schrilles Outfit eben zu Ablehnung und entsprechenden Kommentaren führt. Und darum weiß ich schon Recht genau, was "diese Menschen" stört und wie man das also vermeiden kann (wenn man die Reaktionen nicht will).
Ich weiß aber auch, wie weit ich gehen kann, um mich ausreichend auszutoben ohne anzuecken. Dafür muss man aber bereit sein, auch die Bedürfnisse der anderen ein Stück weit zu respektieren. Denn auch der Wunsch nach nicht-schrillen Farben ist ja ein Bedürfnis.
Das ist so wie im Hawaiihemd auf die Beerdigung gehen. Kann ich machen, ist im Sinne der bedürfnissorientierten individuellen Freiheit total legitim. Hierzulande drücken die Menschen ihre Trauer aber halt über dunkle, gedeckte Farben aus und da erscheint das bunte, farbenfrohe eben störend, respektlos. In anderen Kulturkreisen ist das wieder anders. Ich bin aber nicht in Japan, auf Hawaii oder in New Orleans.
Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: So 27. Jul 2025, 08:52
von Rusza
Hier wird mir zu viel philosophiert.Zu viel Theorie.In der Praxis ist es doch so...man sollte sich möglichst saissonmäßig und zweckorientiert kleiden um kein Aufsehen zu erregen.Ich habe schon manchmal völlig unpassend gekleidete Leute gesehen.Dazu gehört auch die neue Mode im Winter draußen in knielangen Hosen zu gehen.Weitere merkwürdige Fälle waren, ein Herr trug Franselederjacke und Cowboystiefel in der Oper Chemnitz.Ein Elternpaar kam in Bodybilderhosen zum Elternabend und ein Rentner in ausgeboddelten Parteihosen zur Schulanfangsfeier.Da habe ich gesagt,kein Geld für eine Hose,aber einen neuen Lancia fahren.Ich lästere aber nicht über solche Leute,im Gegenteil,ich finde es witzig und muß schon auch ein bischen drüber lachen.
Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: So 27. Jul 2025, 10:01
von Knäckebrötchen
Rusza hat geschrieben: So 27. Jul 2025, 08:52
Hier wird mir zu viel philosophiert.Zu viel Theorie.In der Praxis ist es doch so...man sollte sich möglichst saissonmäßig und zweckorientiert kleiden um kein Aufsehen zu erregen.Ich habe schon manchmal völlig unpassend gekleidete Leute gesehen.Dazu gehört...
Und mir wird vorgehalten, ich würde meine Meinung ganz oberlehrerinnenhaft als allgemeingültige Wahrheit anderen vorschreiben. Kannste dir echt nicht ausdenken, sowas.
Ein wenig Oberlehrerin möchte ich aber trotzdem kurz loswerden: Ich weiß nicht, aus welchem Kulturkreis du stammst, aber ich finde deine Texte aufgrund der falschen (fehlenden) Leerzeichen bisweilen sehr schwer zu lesen, Rusalka.
Zum inhaltlichen: wäre es so simpel und banal, wie du schreibst, gäbe es diesen Thread nicht. Ein bisschen mehr als nur "kuscht halt und passt euch an" sollte es schon sein.
Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: So 27. Jul 2025, 10:16
von Rusza
Knäckebrötchen hat geschrieben: So 27. Jul 2025, 10:01
Ich weiß nicht, aus welchem Kulturkreis du stammst,
Slowenisch
Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: So 27. Jul 2025, 11:02
von Martina-NB
Ich antworte jetzt nicht mehr auf einzelne Aussagen. Das wäre irgendwo sinnlos, da gibt es einfach grundsätzlich verschiedene Meinungen.
Aber ganz generell sehe ich, dass das Thema Kleidung bzw. Mode insgesamt sehr spaltet. Egal ob hier, sonstwo im Internet und auch auf Modeseiten von "serioösen" Publikationen.
Allein die (häufige) Verwendung des Begriffs "No-Go" im Zusammenhang mit Outfits finde ich anmaßend. Wieso glaubt irgendwer, oder ganz speziell eine Redakteurin, IHRE Meinung als die allgemein gültige darstellen zu müssen und gleichzeitig andere damit schlecht zu reden. Leider ist es ja so, dass viele Leute der "aktuellen Mode" hinterher rennen, ohne sich zu fragen, was sie eigentlich selbst wollen. (Oder sie sind zu feige, einen eigenen Stil zu zeigen.) Und damit wechselt das Straßenbild alle 10 Jahre sich grundlegend. Was vor einigen Jahren der letzte Schrei war, gilt in manchen Augen heute als "No-Go". Warum? Was soll das?
Etwas mehr Toleranz würde uns allen gut tun. Gerade unsereiner, die wir doch so oft (und berechtigt) Toleranz bzw. Akzeptanz einfordern.
Und ja natürlich habe ich auch eine starke Meinung dazu, was mir gefällt und was nicht. Und vieles was ich derzeit auf der Straße sehe, finde ich persönlich abstoßend. Aber das behalte ich für mich, denn ich weiß, es ist MEINE Meinung und MEIN Geschmack.
Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: So 27. Jul 2025, 12:10
von Jaddy
Martina-NB hat geschrieben: So 27. Jul 2025, 11:02
Aber ganz generell sehe ich, dass das Thema Kleidung bzw. Mode insgesamt sehr spaltet.
Etwas abstrakter sehe ich hier generell den Konflikt Konformität vs Individualität. Gruppendruck, Gruppenerwartung, tolerierte Varianz, usw. Mode ist eigentlich immer ein Statement dazu und zwar frontal und unmittelbar. Meinungsbildung durch andere innerhalb von Sekundenbruchteilen.
Gleichzeitig sind wir alle bei der Wahl der Kleidung nicht wirklich frei. Zum einen sind den meisten (aber bei weitem nicht allen) die sozialen Konsequenzen bewusst, wenn eins aus dem Erwartungsrahmen fällt. Andererseits haben wir interne Motive, sich zum Beispiel wenigstens über bestimmte Kleidung sichtbar und selbstwirksam zu fühlen. Selbst wenn es Konsequenzen hat - oder gerade weil: Auch negative Aufmerksamkeit ist wenigstens Wahrnehmung. Für einige von "uns" ist Kleidung eine Möglichkeit, ihr Sehnsuchtsziel wenigstens zeitweise zu erreichen (Crossdressing). Für andere ein Mittel, ihr wahres Sein zu signalisieren. Für wahrscheinlich alle von uns ist Kleidung auch ein Signal nach innen, das unsere nicht-cis Anteile realer macht, wenn wir sie tragen.
Es gibt aber auch Menschen, die bereits desillusioniert sind und haben die Möglichkeit für soziale Teilhabe und Zugehörigkeit bereits abgeschrieben haben. Egal ob per "schlampigem Outfit" oder bewusstem over the top. Motto: "Es ist eh egal, was ich anziehe, ich werde nie akzeptiert werden". Nicht zuletzt gibt es auch Menschen ohne ausreichend Geld (arm sein ist teuer!) und solche ohne jeden Blick für die soziale Wirkung von Kleidung. Sehr viele neurodivergente Menschen haben keinen "ansozialisierten" Blick auf Präsentation, wenn sie ihn nicht bewusst erlernt haben.
Gerade wegen dieser komplexen Zusammenhänge würde ich von den konkreten Symbolen - Kleidung - weg und hin zu den gesellschaftlichen Mechanismen, wie Menschen fremdbe- und verurteilt werden, und dass das weder okay ist noch so bleiben sollte.
Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: So 27. Jul 2025, 12:24
von Knäckebrötchen
Ok, Martina, du verstehst nicht, wie Mode und Trends funktionieren. Aber warum regst du dich darüber so auf?
Oder anders gefragt: was nimmt dir die Redakteur*in weg, wenn sie einen Stil zum No-Go kürt? Und was heißt es, wenn das nicht nur aus einer Redaktion kommt, sondern mehreren?
Darf eine Gesellschaft nicht mehr frei entscheiden, ob sie einen bestimmten Trend gerade schick findet? Müssen wir alle immer individuell und Unikate sein, oder dürfen wir das, was andere toll finden auch schön finden? Du bist auf deine Art genau so übergriffig, wie du es anderen vorhältst.
Und was deine Aussage zu deinem persönlichen Geschmack angeht... Ich finde das bigott. Wenn ich etwas abstoßend finde, dann suche ich auch Abstand. Dann behandele ich Menschen anders, weil sie mir unsympathisch sind, erkläre mich aber nicht. Dann steht die Person da, weiß nicht, warum sie vielleicht weniger freundlich angesprochen wird, oder häufiger alleine gelassen wird. Das ist, finde ich, extrem grausam.
Aber es ist wirklich schön zu beobachten, alle finden Sachen unangemessen, unpassend, sogar abstoßend, aber alle halten den Mund. Bis mal ein*x schreit: der Kaiser ist nackt! Nur das hier nicht über des Kaisers fehlende Kleidung gesprochen wird, sondern die Ruferin verprügelt. Statt sich über die Botschaft auszutauschen und vielleicht auch zu streiten, wird hier die Botin geköpft (im übertragenen Sinne).
Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: So 27. Jul 2025, 12:37
von Knäckebrötchen
Jaddy hat geschrieben: So 27. Jul 2025, 12:10
Meinungsbildung durch andere innerhalb von Sekundenbruchteilen.
Gerade wegen dieser komplexen Zusammenhänge würde ich von den konkreten Symbolen - Kleidung - weg und hin zu den gesellschaftlichen Mechanismen, wie Menschen fremdbe- und verurteilt werden, und dass das weder okay ist noch so bleiben sollte.
Der Mensch ist halt nunmal, so wie alle Tiere mit Sicht, darauf geprägt, visuelle Reize bevorzugt wahrzunehmen. Die Einordnung von Gesehenem innerhalb Sekundenbruchteilen gehört zu den grundlegenden Überlebensmechanismen, genauso die Reaktion darauf.
Darum können wir zwar lernen, unsere Emotionen nicht raus zu lassen, aber nicht, das sie entstehen. Und eine unbewusste Reaktion (zurück weichen, Abstand nehmen, Mimik...) ist auch so gut wie nicht steuer- oder unterdrückbar.
Es ist nicht okay, jemanden für seine Erscheinung auszumachen oder anzugreifen. Eine Einordnung wirst du nicht verhindern können.
Und auch wenn du Konvention hier in Zusammenhang mit Gruppenzwang bringst: die Bubble, oder die Teile davon mit denen du kürzlich Zeit verbracht hast ist am Ende genau so angewiesen auf Konventionen und Gruppenzugehörigkeit. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird vermutlich auch nicht toleriert?
Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: So 27. Jul 2025, 12:45
von Lana
Καλημέρα Αλις,
Knäckebrötchen hat geschrieben: So 27. Jul 2025, 12:24
Nur das hier nicht über des Kaisers fehlende Kleidung gesprochen wird, sondern die Ruferin verprügelt.
ganz so ist es auch nicht. Und die Kritik an deiner Offenheit bezog sich meiner Meinung nach eher auf die Art der Formulierung der dieser Kritik.
Du hast nun mal einen sehr direkten Ton, der mitunter krasse Formulierungen enthält. Damit können nicht alle umgehen, manche fühlen sich dadurch persönlich angegriffen und reagieren dann auf der persönlichen Ebene.
Aber verprügelt, auch im übertragenen Sinne, wirst Du hier nicht.
LGL
Re: Umgang mit negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit
Verfasst: So 27. Jul 2025, 12:59
von Jaddy
Knäckebrötchen hat geschrieben: So 27. Jul 2025, 12:24
Ok, Martina, du verstehst nicht, wie Mode und Trends funktionieren. Aber warum regst du dich darüber so auf?
Oder anders gefragt: was nimmt dir die Redakteur*in weg, wenn sie einen Stil zum No-Go kürt? Und was heißt es, wenn das nicht nur aus einer Redaktion kommt, sondern mehreren?
Darf eine Gesellschaft nicht mehr frei entscheiden, ob sie einen bestimmten Trend gerade schick findet? Müssen wir alle immer individuell und Unikate sein, oder dürfen wir das, was andere toll finden auch schön finden? Du bist auf deine Art genau so übergriffig, wie du es anderen vorhältst.
Und was deine Aussage zu deinem persönlichen Geschmack angeht... Ich finde das bigott. Wenn ich etwas abstoßend finde, dann suche ich auch Abstand. Dann behandele ich Menschen anders, weil sie mir unsympathisch sind, erkläre mich aber nicht. Dann steht die Person da, weiß nicht, warum sie vielleicht weniger freundlich angesprochen wird, oder häufiger alleine gelassen wird. Das ist, finde ich, extrem grausam.
Aber es ist wirklich schön zu beobachten, alle finden Sachen unangemessen, unpassend, sogar abstoßend, aber alle halten den Mund. Bis mal ein*x schreit: der Kaiser ist nackt! Nur das hier nicht über des Kaisers fehlende Kleidung gesprochen wird, sondern die Ruferin verprügelt. Statt sich über die Botschaft auszutauschen und vielleicht auch zu streiten, wird hier die Botin geköpft (im übertragenen Sinne).
Die Frage ist wie bei jeder "Meinung" schon, welche Konsequenzen solche Deklarationen haben. Falls keine: Wunderbar. Aber wenn es quasi wie in der Schule dazu führt, dass die coolen kids ständig neu auswürfeln, wer / Gruppe aktuell zu Opfern erklärt und zum Mobbing / Abschuss freigegeben wird, dann ist das nicht mehr okay.
"Eine Gesellschaft" entscheidet ja nicht als Kollektiv und es sind niemals "alle", die etwas unpassend finden (hallo selection bias), sondern in der Regel aufgrund weniger Meinungsführenden, ohne dass diese jemals eine Legitimation erhalten hätten. Es ist auch eine ganz andere Sache, wenn sich Menschen in ihrem persönlichen Stil einer Mode anschliessen, als wenn andere und ihre Art abgewertet werden. Hier wird Mode ein Vehikel, die erklärte Bereitschaft zur Konformität ständig neu einzufordern. Noch mal Beispiel Schulhof: Ständig andere "angesagte" Marken usw, sonst sozialer Ausschluss / Mobbing.
Ja, andere ohne Erklärung auszugrenzen ist mies. Konfrontative (negative) Kommentare sind aber auch eine Form von Übrgriffigkeit, Verletzung, usw. Wohlwollender Dialog sieht anders aus: "Hey, ich schätze dich als Person, aber ich habe Schwierigkeiten mit deinem Auftreten und sehe, dass du aneckst. Ich würde das gerne mit dir klären"
Womit ich ganz große Probleme habe sind solche angeblichen Mehrheitsentscheide über anderer Leute Lebensweise. Da springt meine Warnlampe für merkmalsbezogene Diskriminierung sofort an. Sprich: Es ist aus meiner Sicht vollkommen egal, welchen persönlichen Eindruck irgendwer von anderer Leute Klamotten hat. Auch wenn 99% der Menschheit diesen Eindruck teilen, sollte bei allen quasi der Reflex verankert sein, dass diese Person das gleiche Recht hat ohne Konsequenzen anders zu sein, wie alle anderen das Recht haben, sich der aktuellen Mode anzuschliessen. Es besteht keine Pflicht zur Individualität, aber genausowenig eine zur Konformität. Anderer Leute Kleidung nimmt uns nichts.
Gerade wenn wir Personen nicht sehr genau kennen, haben wir absolut keine Idee, wie und warum sie zu ihrer Art gekommen sind. Ein paar Möglichkeiten habe ich vorhin aufgezählt. Ich bin sicher, dass ein intensives Gespräch darüber sehr viel Einsicht erzeugen würde.