Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!
Verfasst: Mo 9. Mär 2020, 22:15
Hallo Verena, Guten Abend zusammen,
Die bisherigen Normierungs- und Definitionsversuche betreffend das Geschlecht sind nach meiner Meinung durchgängig normativ-hierarchisch oder unzulänglich oder (mehrheitlich) beides. Sie werden der Individualität und dem Recht aller Menschen auf freie Entwicklung nicht gerecht oder behindern diese gar.
Ich will kein solches Ordnungssystem für Menschen und ihr Geschlecht*. Ich möchte, dass Geschlecht für jeden einzelnen Menschen ein Teil seiner freien Selbstbestimmung, seiner Selbstbeschreibung sein kann (nicht muss), der für niemanden ausser diesem einen Menschen, allenfalls noch für seine Partner_innen, irgendeine Bedeutung oder gar Wirkung hat.
Nun kann man mir entgegenhalten, dass manche/viele Menschen sehr gern eine überindividuelle Kategorie haben wollen, die Zugehörigkeit generiert oder sogar identitätsstiftend wirkt. Das mag so sein, ich denke aber, dass niemand einen Anspruch auf solch eine Kategorie hat, die andere Menschen notwendig, aber ohne sie zu fragen, vereinnahmt oder ausschliesst. Nicht Weisse, nicht Frauen, nicht Deutsche, nicht Schwarze, nicht Männer, nicht Dänen. Niemand. Der einzelne Mensch soll frei von Kategorien und Fremdbestimmung sein, die nicht ausschliesslich einem verträglichen Zusammenleben dienen, in dem die Freiheit des einen Menschen erst dort beschnitten werden darf, wo sie objektiv die Freiheit eines anderen Menschen berührt oder wo Ungleichbehandlungen dem Ausgleich historischer Fehlentwicklungen dienen.
Hab es gut
Marielle
*) Was immer das sein mag, dieses 'Geschlecht', als umfassende Beschreibung eines Menschen, konnte mir noch niemand erklären
Um Himmels Willen! Ich habe daran keinerlei Bedarf. Die Formulierung sollte meine Ablehnung von Normierungen, Fremdzuweisungen und Pseudo-Merkmalsgruppierungen deutlich machen. Sie war keinesfalls als der Wunsch nach einem Ordnungssystem gemeint, dass mit Menschen so umgeht wie mit Briefpapier, Schrauben oder anderen sinnvoll durchnormierten Dingen. Vielmehr sollte der Satz die Unsinnigkeit und die Unmöglichkeit einer solchen Normierung deutlich machen.Sabrina Verena hat geschrieben: So 8. Mär 2020, 14:33Mit dem Bedarf stehst du nicht allein da.PS: Für Geschlecht hätte ich auch gern so ein toll ordentliches System. Wo kann man da nachlesen, was in welche Lade gehört? Welche Norm gilt da?
Andere sehen sich dadurch aber stigmatisiert oder gegängelt.
Die bisherigen Normierungs- und Definitionsversuche betreffend das Geschlecht sind nach meiner Meinung durchgängig normativ-hierarchisch oder unzulänglich oder (mehrheitlich) beides. Sie werden der Individualität und dem Recht aller Menschen auf freie Entwicklung nicht gerecht oder behindern diese gar.
Ich will kein solches Ordnungssystem für Menschen und ihr Geschlecht*. Ich möchte, dass Geschlecht für jeden einzelnen Menschen ein Teil seiner freien Selbstbestimmung, seiner Selbstbeschreibung sein kann (nicht muss), der für niemanden ausser diesem einen Menschen, allenfalls noch für seine Partner_innen, irgendeine Bedeutung oder gar Wirkung hat.
Nun kann man mir entgegenhalten, dass manche/viele Menschen sehr gern eine überindividuelle Kategorie haben wollen, die Zugehörigkeit generiert oder sogar identitätsstiftend wirkt. Das mag so sein, ich denke aber, dass niemand einen Anspruch auf solch eine Kategorie hat, die andere Menschen notwendig, aber ohne sie zu fragen, vereinnahmt oder ausschliesst. Nicht Weisse, nicht Frauen, nicht Deutsche, nicht Schwarze, nicht Männer, nicht Dänen. Niemand. Der einzelne Mensch soll frei von Kategorien und Fremdbestimmung sein, die nicht ausschliesslich einem verträglichen Zusammenleben dienen, in dem die Freiheit des einen Menschen erst dort beschnitten werden darf, wo sie objektiv die Freiheit eines anderen Menschen berührt oder wo Ungleichbehandlungen dem Ausgleich historischer Fehlentwicklungen dienen.
Hab es gut
Marielle
*) Was immer das sein mag, dieses 'Geschlecht', als umfassende Beschreibung eines Menschen, konnte mir noch niemand erklären