Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 26. Jul 2025, 09:14
Ich frage mich ja schon manchmal, was es euch "gibt", immer dermaßen auf das Extravagante und Außergewöhnliche zu gehen?
Wir haben ja schon mehrfach festgestellt, dass wir hier unterschiedliche Meinungen haben.
Aber die Frage nach der Motivation ist berechtigt. Warum liebe ich es, genau so raus zu gehen, obwohl mir die Probleme bekannt sind? Ich könnte mich etwas mehr "zurückhalten" und alles wäre einfacher. Und wahrscheinlich hätte auch Violetta dann weniger von diesen unangenehmen Begegnungen, wenn sie etwas dezenter unterwegs wäre.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 26. Jul 2025, 09:14
Mir kommt es manchmal so vor, als seht ihr die Welt als eine Art Bühne, auf der ihr euch präsentieren wollt (und unterstellt den Frauen im gleichen Atemzug, das auch zu wollen).
Ich zumindest empfinde es manchmal so. Vielleicht nicht direkt als Bühne, aber da draußen werde ich von anderen gesehen und bekomme Reaktionen zu meinem "Auftritt". Das hilft mir selbst bei der Einordnung meiner Styles.
Dass manche Frauen dies ganz ähnlich machen ist doch offensichtlich. Inwiefern sie es bewusst wollen oder nur das Gefühl haben, sich irgendwelchen Gruppenzwängen beugen zu müssen, kann ich nicht beurteilen.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 26. Jul 2025, 09:14
Dabei erzeugt ihr bei mir vor allem den Eindruck von "I'm not like the other girls" - oder auch "ich bin was besseres", exklusiv, elitär, "ich kann es mir leisten, so rum zu laufen, während ihr (Plebs) nur Massenware seid".
Das ist schade, wenn bei dir dieser Eindruck entsteht. Beim ersten Teilsatz gehe ich ja gerne mit - ich bin keine gewöhnliche Frau, schon weil mein Körper davon abweicht. Gegen die Wertung, die du dann reinbringst, wehre ich mich aber. Nein, ich bin nichts besseres. Aber ich bin anders. Aus vielen Gründen, nicht nur wegen meines Körpers. An dieser Stelle bin ich mir sehr sicher, dass ich auch als Cis-Frau auffallen wollen würde.
Das war schon als Kind so, dass ich nicht die üblichen Sachen haben wollte, die alle hatten. Sie gefielen mir einfach nicht. Natürlich gab es nur selten etwas, das für mich OK war und so habe ich mich halt notgedrungen mit dem abfinden müssen was es gab. Klamotten Einkaufen war damals einfach nur furchtbar. Das blieb sehr lange so. Freude hat es mir nie gemacht, am schlimmsten war es immer dann, wenn ich neue Hosen "brauchte", das nur nebenbei.
Aber das hat alles nichts damit zu tun, dass ich mich irgendwie als etwas "Besseres" gefühlt hätte. Es war und ist eher umgekehrt - ich fühle hier eher nichts, da ist eine Leerstelle und große Trauer, weil niemand sehen will, dass ich an dieser Stelle anders ticke.
Vielleicht ist es der Versuch, diese Leere zu füllen, was mich heute dazu bringt, meine Andersartigkeit bewusst darzustellen, auch und gerade in dieser Form? Ich kann es nur vermuten. Jedenfalls entspringt es einem tiefen inneren Bedürfnis, mich genau so zu zeigen, wie ich es mache, und das trotz des Wissens, damit erst wieder Vorbehalte bei meiner Umgebung auszulösen. Oder ist es womöglich gerade das - ich suche unbewusst nach Bestätigung für allgemeine Ablehnung meiner Person? Aber warum freue ich mich andererseits über Komplimente, die es manchmal gibt, gerade bei auffälligen Outfits?
Es hat wahrscheinlich auch etwas damit zu tun, dass ich von diesen gesellschaftlichen Konventionen nicht so viel halte und mir denke, wenn sich immer alle nur innerhalb davon bewegen, dann wird sich nichts ändern. So ähnlich, wie Frauen irgendwann im letzten Jahrhundert angefangen haben, Hosen zu tragen, und heute ist es selbstverständlich. Ein kleines bisschen Provokation ist also auch mit dabei.
Aber eine abschließende Erklärung habe ich nicht. Ich weiß, dass es viel einfacher wäre, unauffällig und angepasst unterwegs zu sein, aber oft geht es einfach nicht. Es fühlt sich nicht richtig an, als ob ich einen wichtigen Teil von mir verleugnen würde.
LGL