Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...
Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ... - # 6

Lebensplanung, Standorte
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Franziska
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 76 im Thema

Beitrag von Franziska »

Liebe Vicky,

Deine Zeilen haben mich sehr berührt. Du hast Deine inneren Gefühle, die Spannungen in Dir, mit sehr viel Herz beschrieben.
Es sind Situationen, die viele von uns, mehr oder minder ausgeprägt, wohl schon erlebt haben. Die jeweiligen Umstände sind aber immer verschieden.

Ich unterlasse es auch, Dir einen bestimmten Ratschlag zu geben, weil Du am Ende vielleicht so viele verschiedene Ratschläge bekommen könntest,
die Dir dann auch nicht weiterhelfen. Es sind sicherlich intensive Gespräche mit Deiner Frau erforderlich,
Am Ende ist es dann vielleicht für Dich eine Entscheidung zwischen Kopf und Bauch (oder besser Herz).
Welches die Bessere ist, kann ich auch nicht beurteilen.

Aber egal wie Du Dich entscheidest, ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute (auch für die anstehende Reha) und viel Glück.

Liebe Grüße
Franziska
Genieße Deine Zeit, denn du lebst nur jetzt und heute. Morgen kannst Du gestern nicht mehr nachholen.
Und später kommt früher als Du denkst.
Albert Einstein
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 77 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Franziska hat geschrieben: Di 2. Jan 2024, 21:40 Ich unterlasse es auch, Dir einen bestimmten Ratschlag zu geben
Hallo Franziska,

vielen Dank für Deine Zeilen. Was ich geschrieben habe, bedarf keines Ratschlags. Es ist eine emotionale Selbstreflexion. Ich weiß, dass ich hier Verständnis und Akzeptanz erfahre unddas ist für mich wichtig, denn dadurch kann ich mit dem Schreiben ein Stück weit selber verarbeiten. Auf der anderen Seite ist gerade die emotionale Auseinandersetzung mit dem Thema für viele von uns wichtig. Ich kann nur dazu ermutigen, sich den eigenen Gefühlen zu stellen und sei es noch so schmerzhaft. Frausein ist für mich ein wichtiges Gefühl und die Selbstakzeptanz unheimlich wichtig. Ich habe ein Recht auf dieses Gefühl und wenn mir danach ist, will ich es auch leben. Auf diesem Weg mache ich immer wieder ein paar Schritte. Wenn das so viele berührt bin ich dankbar, zeigt es mir doch, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und vielleicht hilft es ja auch anderen, ihren Weg zu finden. Es soll aber auch keine Blaupause sein, denn jede ist anders und steckt ineiner an deren Situation, aber den Mut aufzubringen, sich selber zu erforschen und zu leben, führt nach meiner Erfahrung zu tiefen inneren Ruhe. Bis zu den nächsten Gefühlswallungen und neuen Einsichten.

Das wichtigste für mich: Das Leid, das ich durch mein Transsein erfahren habe, war zu größtem Anteil selber gemacht. Und daraus kann ich mich nur selber befreien. Andere haben mir dabei "nur", wenn auch in hohem Maße, geholfen.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 78 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

Hallo Vicky,
danke für das Teilen deiner Gedanken und Gefühle. Ich stecke in einer ähnlichen Situation, wie du sie zuletzt beschrieben hast.
Auch ich durchtrenne zur Zeit immer mutiger meine Fäden, indem ich mein Frausein vor meiner Frau schrittweise immer offener auslebe. So präsentierte ich mich größtenteils ihr gegenüber im Hoodykleid, Finger- und Fußnägel im dezentem glitzer rosa und Mascara aufgetragen (he).
Dies führte nach ein paar Tagen dazu, dass sie mir gegenüber äußerte, sie liebe mich auch im Damen Hoodykleid. ))):s
Aber ähnlich wie bei dir ist nicht alles Gold was glänzt, denn meine Frau hat sich in einen Mann verliebt und würde ihn wohl, m.M. nach auch am liebsten "behalten". So wurde auch geäußert, als ich die Augen "dramatischer" mit Mascara in Erscheinung setzte, dass sie dies nicht so toll findet.
Zwar bin ich noch nicht so weit wie du, dass ich mich vielleicht in kürzester Zeit komplett oute, aber auch mein Gefühl sagt mir, dass ich mich am wohlsten als Frau fühle, die ich bin, wenn ich sie auch nach außen tragen kann.
Also besteht auch in meiner Beziehung noch reichlich Redebedarf.

Liebe Grüße
Sophia
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 79 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Sophia,
Sophia69 hat geschrieben: Do 4. Jan 2024, 08:44 Zwar bin ich noch nicht so weit wie du,
Das sehe ich nicht so klar. Ich lebe neuerdings zwar relativ offen mein Frausein, aber wie das mit uns weiter geht, ist nicht so klar. Und so wie Du sehe ich auch den Redebedarf im Vordergrund. Wenn ich Deine Sätze lese, insbesondere den Absatz, dass Deine Frau sich in einen anderen Mann verliebt hat, läuten bei mir alle Alarmglocken. Ihre Liebe bedeutet nicht, dass sie damit gesagt hat, dass sie bei Dir bleibt. Ich habe schon oft den Satz gehört, dass jemand (im Zweifel ich) geliebt werde, aber ein Zusammenleben nicht möglich ist (nicht wg. Trans). Was meinst Du, wäre es sinnvoll, den Punkt anzusprechen ?

In meiner Situation sehe ich das ähnlich, wenn meine Frau sagt, sie liebe mich und gleichzeitig betont, dass sie nicht lesbisch sei, wird das für sie zum inneren Konfliktpunkt. Sich dem zu stellen ist nicht einfach und wenn es eine Ausweichmöglichkeit gibt (z.B. ein Mann), kann das dazu führen, dass sie eine Bewältigung des Konflikts ablehnt und die vermeintlich einfachere Lösung wählt. Für mich ist klar, ich kann meine Weiblichkeit nicht meinen Ängsten unterordnen, was nicht heißt, keine Rücksicht zu üben. Das ist eine Situation, in der wir beide wachsen können, aber wir müssen es wollen. Es hängt viel davon ab, welche Angststrategien gewählt werden. Du kennst wahrscheinlich die 4 F (fight, flight, freese, fawn). Ohne sie im Detail zu diskutieren, denke ich aber, dass hier mit fight (im Sinne der Auseinandersetzung) mehr erreicht werden kann als mit flight (wie bei Dir zu einem anderen Mann). Aber die Wahl liegt bei ihr. Ich habe dieses Problem nicht, aber hätte ich es, wäre Flucht oder Erstarren nicht richtig. Auch ich würde kämpfen. Ziel wäre es, zu wachsen, neue Einsichten zu gewinnen. Das geht nur gemeinsam. Aber sicher nicht, sie an mich zu binden, weil ich Angst habe.

Als ich meinen Mut zusammen genommen habe, habe ich die Bereitschaft in Kauf genommen, dass es zu einer Trennung kommt. Ich vertraue darauf, dass wir an der Situation uns entwickeln können und ich hoffe, dass sie auf Dauer bei mir bleiben wird. Sicher ist das nicht. Ich muss die Möglichkeit ins Kalkül nehmen, sonst fressen mich meine Ängste auf. Nur damit habe ich die innere Stärke, das durchzustehen. Für mich ist es wichtig, dass nicht Macht und Durchsetzung die Motivation sind, denn darin liegt der Wunsch nach Kontrolle und die ist Angst getrieben. Es gehtmir gerade darum, durch Vertrauen und Öffnung, Ängste zu verkleinern und neue Räume zu eröffnen. Ob meine Frau das will ? Wir werden sehen ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 80 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

Das sehe ich nicht so klar. Ich lebe neuerdings zwar relativ offen mein Frausein, aber wie das mit uns weiter geht, ist nicht so klar. Und so wie Du sehe ich auch den Redebedarf im Vordergrund. Wenn ich Deine Sätze lese, insbesondere den Absatz, dass Deine Frau sich in einen anderen Mann verliebt hat, läuten bei mir alle Alarmglocken.

Hallo Vicky,
da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Sie hat sich in mich ursprünglich als Mann, hatte mich damals noch nicht als (Trans-) Frau zu erkennen gegeben, verliebt, nicht in eine anderen Mann, Wir lieben uns beide sehr und ich hoffe. dass wir beide einen gemeinsamen gangbaren Weg finden.

Liebe Grüße
Sophie
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 81 im Thema

Beitrag von Aria »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 4. Jan 2024, 10:57 Sich dem zu stellen ist nicht einfach und wenn es eine Ausweichmöglichkeit gibt (z.B. ein Mann), kann das dazu führen, dass sie eine Bewältigung des Konflikts ablehnt und die vermeintlich einfachere Lösung wählt.
Diesen Standpunkt sehe ich, ehrlich gesagt, problematisch. Du schiebst damit die Schuld deiner Frau in die Schuhe, wenn das zwischen euch nicht klappt. Sie kann doch ihre Begehren nicht einfach so ausrichten wie du es dir evt. wünschst. Sie hat damals einen Mann kennengelernt und sich in ihn verliebt. Aber dieser Mann weicht sein Mannsein mehr und mehr auf und übernimmt Attribute, die ihr gleich sind. Heterosexuelle Partner können aber nicht automatisch gleiche Attribute anziehend finden, wenn du verstehst was ich meine. Meine Ex-Partnerin sagt mal zu mir, dass sie es nicht anziehend findet, wenn ich ihr immer ähnlicher werde. Sie bräuchte den Gegenpol um ihre Begehren gestillt zu wissen. Ich kann das mittlerweile extrem gut nachempfinden. Niemals könnte ich mir vorstellen, etwas mit einer Frau anzufangen - weder trans* noch cis.
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 82 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 4. Jan 2024, 10:57 In meiner Situation sehe ich das ähnlich, wenn meine Frau sagt, sie liebe mich und gleichzeitig betont, dass sie nicht lesbisch sei, wird das für sie zum inneren Konfliktpunkt. Sich dem zu stellen ist nicht einfach und wenn es eine Ausweichmöglichkeit gibt (z.B. ein Mann), kann das dazu führen, dass sie eine Bewältigung des Konflikts ablehnt und die vermeintlich einfachere Lösung wählt.

Hmmm...

also Liebe und jemanden sexuell attraktiv finden ist doch nicht das Selbe, oder findest du? Es kann sich aber auf die gleiche Person beziehen.

Deine Frau muss nicht lesbisch sein um dich weiterhin zu lieben, du musst aber vielleicht damit klar kommen,
das sie ihre Sexualität an anderer Stelle leben möchte. Für mich ist das auch kein Grund eine langjährige Beziehung
zu beenden wenn sie sonst auf einem guten Fundament steht, wenn man sich ergänzt und gerne die Zeit miteinander hat.

Ich denke da aber auch anders weil Liebe für mich nicht anhaftend sein darf, würde ich dann loslassen müssen würde ich leiden.
Das ist nicht gut, für keine Person. Den Konflikt den du, sorry, mal wieder aufbaust, müsste nicht sein, wenn man eine andere
Haltung einnimmt und sich nicht mehr als die solitär wichtigste Person im Leben einer anderen Person betrachtet.
Das bedeutet Freiheit-zumindest für mich.

Hab es gut und ja, deine Fortschritte freuen mich von Herzen

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 83 im Thema

Beitrag von Susi T »

Ein sehr interessanter Gedanke Marie, Danke dafür.
Viele Menschen verknüpfen das allerdings und wenn nur einer das so in einer Beziehung macht, kann der andere das nur schwerlich ändern.
Aber vieleicht ist das der erste Ansatzpunkt, bei dem es sich lohnt ins Gespräch zu kommen?
Wie ich selber (re)agieren würde weiß ich nicht, da für mich Sex ohne Liebe nur schwer vorstellbar ist, umgekehrt aber Liebe ohne Sex schon.
Da fällt mir auf, das wir in unserer besonderen Beziehung tatsächlich schon das ein oder andere vorsichtig angesprochen haben. Aber das ist vieleicht normaler, da eh mehr Herausforderungen zu begehen waren, als es üblich ist.
Wünsch dir Vicky und allen Anderen viel Erfolg mit euren Beziehungen, es braucht bestimmt viel Zeit, Geduld und Einfühlvermögen.
Liebe Grüße, Tira (flo)
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 84 im Thema

Beitrag von Wally »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 4. Jan 2024, 10:57 Für mich ist es wichtig, dass nicht Macht und Durchsetzung die Motivation sind, denn darin liegt der Wunsch nach Kontrolle und die ist Angst getrieben. Es gehtmir gerade darum, durch Vertrauen und Öffnung, Ängste zu verkleinern und neue Räume zu eröffnen. Ob meine Frau das will ? Wir werden sehen ...
Liebe Vicky,

Die Ausgangssituation bei uns - meiner Frau und mir - war ziemlich ähnlich. Wir haben uns zwar vor 19 Jahren schon unter diesem Aspekt kennengelernt: ich habe mich gleich zu Beginn als transsexuell geouted (und hatte ja damals auch schon meine Brustimplantate). Aber geheiratet haben wir uns dann trotzdem als Mann und Frau; öffentlich und im Beruf blieb ich bis vor ein paar Jahren immer noch in der männlichen Rolle, als Waltraud habe ich mich nur sehr sporadisch gezeigt. Meine Frau versteht sich ebenfalls als klar und eindeutig heterosexuell. Obwohl ich sie eigentlich schon von Anfang an darum gebeten hatte, mich als "die" Wally anzusprechen, war ich für sie allermeistens "der" Wally. Ich hab's schweren Herzens akzeptiert, weil ich es immerhin verstehen konnte: äußerlich hatte ich mich ja auch vorwiegend als Mann präsentiert.

Als ich vor drei Jahren dann endlich komplett in die weibliche Rolle wechselte, war das für Barbara kein Problem: sie kannte mich ja auch schon von dieser Seite her, und ihr war auch längst klar, dass ich mich damit nur äußerlich veränderte, aber psychisch derselbe Mensch blieb. Sie unterstützte mich, gab mir Tips, sagte mir auch, was ihr gefiel und was nicht - wobei sie mich gelegentlich damit überraschte, dass ihr Sachen besonders gefielen, bei denen ich mir eigentlich sicher war, sie würde sie ablehnen :-) Ein Problem gab's nur mit der Anrede: in komplett weiblicher Rolle wollte ich natürlich auch endlich konsequent als Frau angesprochen werden. Barbara sah das zwar durchaus ein, hatte aber nach 14 Ehejahren mit "dem" Wally verständlicherweise Probleme damit, sich da umzugewöhnen.

Für die amtliche Vornamens- und Personenstandsänderung habe ich Barbara um Erlaubnis gefragt: für mich war klar, dass ich das nur mit ihrem Einverständnis tun würde. Unsere Ehe war mir entschieden wichtiger als diese behördliche Bestätigung, und praktisch/alltäglich lebte ich ja so oder so bereits als Frau. Barbara gab dann nach reiflicher Überlegung auch ihr "okay" dazu. Ich denke, für sie war es schon auch wichtig, auf diese Weise in den Entscheidungsprozess mit eingebunden zu sein - und es nicht bloß nolens volens so nehmen zu müssen, wie es kommt. Schließlich ist es auch ihr Leben...

Mit der Anrede gibt's auch jetzt noch gelegentlich (allmählich seltener werdend) Ausrutscher. Ich habe da nie eine Staatsaffäre draus gemacht - habe nur beiläufig darauf hingewiesen, damit sie es überhaupt merkt. Gerade mit diesem Anredeproblem ist mir auch wieder klar geworden, dass ich ja immer schon auch männliche Anteile in mir hatte und nach wie vor habe. Dadurch, dass ich jetzt durchgängig als Waltraud lebe und um die Anerkennung dieser Seite nicht mehr ständig kämpfen muss, kann ich es jetzt auch besser für mich annehmen, dass Barbara diese männlichen Anteile besonders an mir schätzt und liebt und sie gelegentlich halt auch explizit ansprechen will. Insgesamt ist unsere Beziehung auch über die Jahre meines Rollenwechsels hinweg unverändert liebevoll, vertrauensvoll und von gegenseitigem Respekt getragen geblieben; aber im Vergleich zu früher ist es jetzt deutlich entspannter. Mein Rollenwechsel hat hier unterm Strich zur Klärung einiger, anfänglicher Missverständnisse beigetragen.

Ich schreibe das alles jetzt nicht, um irgendwelche Tips zu geben; bei jeder von uns ist die Situation einzigartig, Patentrezepte gibt's da sicher nicht. Aber anhand meiner Erfahrungen möchte ich Dir gerne ein wenig Mut machen: es IST möglich, es KANN gutgehen - auch unter Erhalt und sogar Festigung einer gut funktionierenden Partnerbeziehung.
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 85 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Aria hat geschrieben: Do 4. Jan 2024, 20:20 Du schiebst damit die Schuld deiner Frau in die Schuhe, wenn das zwischen euch nicht klappt. Sie kann doch ihre Begehren nicht einfach so ausrichten wie du es dir evt. wünschst.
Hallo Aria,

genau das ist eigentlich nicht mein Bestreben. War es nicht und wird es auch nicht sein. Das wäre auch keine Beziehung auf Augenhöhe. Ich meine auch etwas anderes. Wenn in einer Beziehung eine Krise auftritt, mache Schuldzuweisungen keinen Sinn. Sie vertiefen den Konflikt. Für mich ist ein Hinterfragen der eigenen Glaubenssätze, jeder für sich selber, ein Weg zu neuen Sichtweisen und ein Wachsen wird möglich. Aber ob man diesen Weg beschreiten will, muss jede/r für sich selber ausmachen. Ich habe die Entscheidung meiner Frau für sich selber zu akzeptieren.

Ich habe natürlich Hoffnungen, aber ich muss mich selber genau der gleichen Frage unterziehen. Wie sehe ich meine eigenen Glaubenssätze ? Welche Glaubenssätze habe ich ? Wie wichtig ist mir mein Leben als Frau ? Oder ist es "nur" ein Spiel im Frauenmodus ? Und so, wie ich nicht von meiner Frau fordern kann, sich meinen Wünsche zu unterwerfen, kann sie es auch nicht, dass ich mein Leben als Mann lebe, obwohl es mir nicht gut tut.

Ich versuche für mich selber Klarheit zu finden. Dazu habe ich jetzt eine SHG besucht, um meine Gefühle für das Frausein klarer zu sehen. Ich werde das auch fortsetzen, Aber wie Wally schon schreibt, ein Leben als Frau ist vielleicht auch in meiner Beziehung möglich. Es hat keiner gesagt, dass das einfach wird. Das kläre ich mit meiner Frau.
EmmiMarie hat geschrieben: Do 4. Jan 2024, 22:49 Den Konflikt den du, sorry, mal wieder aufbaust, müsste nicht sein, wenn man eine andere
Haltung einnimmt und sich nicht mehr als die solitär wichtigste Person im Leben einer anderen Person betrachtet.
Hi Marie,

der Satz hatte mich zu einer Antwort gereizt, die ich geschrieben, aber dann verloren habe, weil ich versehentlich den Browser geschlossen habe. Für mich ist das immer ein Zeichen, noch einmal darüber nachzudenken. Ich denke, das war auch sehr gut, da es bedeutet, mich zu hinterfragen. Ist dieser Satz wirklich richtig ? Ja und nein. Ich habe Gefühle und ich habe Bedürfnisse. Vor allem bei den Gefühlen entdecke ich immer mehr an mir, was meine Frau auch fördert. Das Ergebnis ist offen, aber je mehr ich meine Gefühle erforsche, um so mehr stelle ich fest, das mir ein Leben als Frau im Alltag deutlich wichtiger wird. Ich denke daran, auch mein Outing auszuweiten.

Das bedeutet für meine Frau natürlich Stress. Frage an Dich, wie kann ich damit umgehen ? Soll ich meine Bedürfnisse hinten an stellen oder sie damit konfrontieren ? In letzterem Fall stelle ich mich tatsächlich dem Vorwurf aus, dass ich meine Bedürfnisse auf ihre Kosten leben will. Im ersten Fall vergewaltige ich mich selber. Ist das nicht der Konflikt, in der viele von uns stehen, wenn sie in einer Beziehung sind ? Nur in den seltensten Fällen wird der Partner/die Partnerin "hurra" rufen.

Den einzig gangbaren Weg sehe ich darin, dass wir uns aus unseren jeweiligen Positionen ins Gespräch kommen und jeweils, wie oben in meiner Antwort an Aria beschrieben, verständigen. Aber selbst dieser Weg ist ein Weg, den wir einvernehmlich beschreiten müssen. Für mich ist genau das die Freiheit, die wir haben. Und ja, es ist ziemlich schwierig: für uns beide. Wie Wally schrieb: es kann gelingen.

Unser Leben wird sich zwangsläufig verändern. Nichts wird bleiben, wie es war, da wir uns in einer tiefen Krise befinden, die fruchtbar, aber auch furchtbar werden kann. Wenn wir da gemeinsam heraus wollen, müssen wir es gemeinsam wollen, Jede für sich muss diese Frage beantworten. Jede hat ihre Bedürfnisse. Auch die werden dabei Thema sein. Vielleicht sind sie unvereinbar, aber wie Du schreibst, kann eine Beziehung trotzdem gelingen. Freunde von mir haben ihre Ehe, die über 25 Jahre besteht, geöffnet, ohne sie zu beenden. Ob für uns das ein Weg ist weiß ich nicht. Ich strebe es nicht an. Und nicht jedes Bedürfnis muss befriedigt werden. Aber auf meine Bedürfnisse habe ich ein Recht. Wie meine Frau auch.

Ich danke Dir für Deine kritischen Anmerkungen. Sie haben mir weiter geholfen. Vielleicht kommen meine Beiträg wirklich etwas egozentrisch rüber. Aber mein bisheriger Weg und gerade die Entwicklungen in meinem Inneren in en letzten Tagen und Wochen zeigen mir, wie sehr ich mich vernachlässigt habe. Ich zweifle an vielem an mir und so betreibe ich Nabelschau, um mir selber näher zu kommen. Vor fast 15 Jahren war nach einer Trennung ich in einer depressiven Krise. Die wichtigste Lektion, die ich aus dieser Phase mitgenommen habe, war die Erkenntnis, dass ich meine Gefühle lernen musste und zwar von Anfang an. In mir hat alles rebelliert und ich habe mich oft nicht gut verhalten. So musste ich lernen, was sich für mich gut anfühlt und was schlecht. Selbst das habe ich vorher nicht hinbekommen. So nach und nach kommt immer mehr hinzu. Scham, Angst, Freude, Zufriedenheit und immer stärker auch das Gefühl für meine Weiblichkeit und was sie für mich bedeutet. Es war immer da, wollte gesehen werden und gleichzeitig habe ich es unterdrückt. Es darf nicht sein, was nicht sein darf. Ich drehte mich im Kreis und heute weiß ich, dass ein Leben ohne meine Weiblichkeit nicht möglich ist. Aber auch dabei muss ich noch lernen, was meine Weiblichkeit wirklich ist.

Ich gebe zu, das ist vielleicht egozentrisch. Aber welche Wahl habe ich, wenn ich das nicht frei hier äußere ? Lösungen findet man manchmal einfach auch dadurch, dass man sie ausspricht. Ist das nicht oft der Wunsch von Frauen, wenn sie ihrem Partner etwas erzählen ? Oftmals wollen sie keine Hilfestellung, sondern nur ein offenes Ohr. So ähnlich geht es mir hier. Und die Antworten lasse ich mir durch den Kopf gehen, kritische wie auch Mut machende ...
Wally hat geschrieben: Fr 5. Jan 2024, 16:22 Aber anhand meiner Erfahrungen möchte ich Dir gerne ein wenig Mut machen: es IST möglich, es KANN gutgehen - auch unter Erhalt und sogar Festigung einer gut funktionierenden Partnerbeziehung.
Hallo Wally,

vielen Dank für Deine ermutigenden Worte. Ich weiß sie sehr zu schätzen. Sie machen Mut, aber sie zeigen auch, dass es auf dem Weg eine Menge Probleme geben kann, die bewältigt werden wollen. Aber auf diesen Weg setze ich.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 86 im Thema

Beitrag von Aria »

Vicky_Rose hat geschrieben: Sa 6. Jan 2024, 11:40 Ich habe natürlich Hoffnungen, aber ich muss mich selber genau der gleichen Frage unterziehen. Wie sehe ich meine eigenen Glaubenssätze ? Welche Glaubenssätze habe ich ? Wie wichtig ist mir mein Leben als Frau ? Oder ist es "nur" ein Spiel im Frauenmodus ? Und so, wie ich nicht von meiner Frau fordern kann, sich meinen Wünsche zu unterwerfen, kann sie es auch nicht, dass ich mein Leben als Mann lebe, obwohl es mir nicht gut tut.
Was mir hier, bei dir und auch bei anderen, immer wieder auffällt, dass solche Fragen sehr oft sehr rational betrachtet werden. Ausserdem schreibst du es so, als ob deine Frau eine Wahl hätte, ihre Begehren entsprechend der Wertigkeit eurer Beziehung umzupolen, auf Eis zu legen oder anderweitige Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, indem du sagst, dass sie das für sich abwägen muss. Für einige Paar mag das auch zutreffen - und ist auch der geheime Wunsch von ganz vielen, die vor solchen Entscheidungen stehen, aber die Mehrheit muss sich auf kurz oder lang doch der Aufgabe geschlagen geben.

Natürlich sprechen viele Jahre Partnerschaft immer gegen schnelles handeln. Für mich kommt dieses Entscheidungen hinauszögern aber immer einem Sterben auf Raten gleich. Eine Zeit, in der alle Betroffenen nur dahinleben. Dabei ist unsere Lebenszeit doch endlich und wir sollten immer versuchen, jede Sekunde das beste aus ihr zu machen.
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Post 87 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Aria hat geschrieben: Do 11. Jan 2024, 19:19 Für mich kommt dieses Entscheidungen hinauszögern aber immer einem Sterben auf Raten gleich. Eine Zeit, in der alle Betroffenen nur dahinleben.
Ja, so sehe ich das auch. Aber aus meiner Warte denke ich, dass Entscheidungen ihre Zeit benötigen. Sie fußen auf persönlichen Entwicklungen, die ich nur langsam akzeptieren konnte und kann. Und sie kommen immer in Schüben, wenn die Zeit reif ist. Ich habe bei meiner Rationalität lange gebraucht, um an meine Gefühle her zu kommen. Dann fand ich die "Fuck-It-Liste" für Dinge, die ich nicht mehr haben wollte. Im Kontexte der Gefühle für meine Weiblichkeit waren das Scham und Angst haben, Unnützes tun und mich so verhalten, was andere Menschen von mir erwarten. Das war vor etwa 2 Wochen und seit dem lebe ich en femme. Meiner Frau zuliebe mache ich noch ein paar Einschränkungen, aber ich spüre schon heute, dass da noch mehr kommen wird. Dieser Weg fühlt sich, gerade vor dem Hintergrund der Endlichkeit, für mich sehr gut an. Deshalb lege ich meine Rationalität aber nicht ab ... ;-)
Aria hat geschrieben: Do 11. Jan 2024, 19:19 als ob deine Frau eine Wahl hätte, ihre Begehren entsprechend der Wertigkeit eurer Beziehung umzupolen,
Ich denke, die Wahl hat sie, aber nicht in dem Sinn, friss Vogel oder stirb. Das wäre eine sehr ungesunde Machtfrage. Wichtig ist für mich, dass sie die Wahl hat, sich damit auseinander zu setzen. Das alleine führt schon zu Veränderungen. Sie kann auch sagen, dass sie das nicht will. Dann stellt sich aber die Frage, ob und wie wir die Beziehung weiter führen wollen. Denn ich habe meine Schritte gemacht. Das klingt brutal, ist aber letztlich nichts anderes, als eine Aufforderung zum Wachsen.

Es geht nicht um eine Machtfrage. Es geht nicht darum, wer sich durchsetzt. Es geht um die Frage, ob wi uns jeweils dafür entscheiden, an Krisen zu wachsen oder nicht. Ich muss für mich auch entscheiden, wie ich mit ihren Sichtweisen zurecht komme und ob sie für mich zur Entwicklung beitragen. Die Welt wäre für mich ja nicht automatisch in Ordnung, wenn sie sagen würde, das ich meine Weiblichkeit leben soll, sondern der Prozess geht ja weiter. Die Kernfrage lauten: Können wir am jeweils Anderen wachsen ? Und lassen wir uns auch darauf ein ? Das ist für mich die Wahl, von der Du schreibst.

Worin liegt denn der Sinn einer Krise ? Wenn in einer Beziehung alles problemlos läuft, ist das sehr schön, führt aber nicht zu einem Wachstum. Erst durch die Krise kommen wir an unsere Grenzen. Die Krise in meiner Beziehung führt mich zu der Frage, wie ich denn wirklich zu mir stehe und wo meine Probleme liegen. Das Ergebnis ist die erwähnte Fuck-It-Liste. Damit verbinde ich Konsequenzen. Meine Frau jedoch hat wiederum ihre Probleme mit meiner Weiblichkeit. Sie stößt an ihre Grenzen. Was sagen ihre Gefühle und wie soll sie damit umgehen ? Welche sind Warnungen, die obsolet sind und auf welche will sie hören ? Hier liegt ihre Freiheit. Und so, wie ich die Beziehung in einem ersten Schritt verändere, verändert sie diese mit ihrer Entwicklung. Die Brutalität liegt darin, dass wir durch die Krise so tief in uns gehen mussen, dass es weh tut oder wie Khalil Gibran schreibt, auf dem Dreschplatz Spreu vom Weizen getrennt werden, auf das wir unser Leben leben können.

Ich habe heute keine Angst mehr, dass sie mich verlassen könnte. Das macht mich in meinem Handeln freier. Aber genau das eröffnet neue Möglichkeiten in der Entwicklung. Denn jetzt kommt die Frage, was bedeuten ihr Missfallen, wenn sie mich en femme sieht ? Würden wir beide in unseren Ängsten verharren, gäbe es keinen Fortschritt. Ich denke, Liebe ist wie Schwangerschaft und Geburt. Es führt zu neuem Leben. Aber wie eine Schwangerschaft und Geburt nicht einfach und schmerzhaft ist ist, ist es die Liebe auch. Deshalb ist für mich das Gedicht von Khalil Gibran "Von der Liebe" so wichtig. Viele Paarberater sehen das ähnlich, nur nüchterner.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 88 im Thema

Beitrag von Susi T »

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 12. Jan 2024, 07:03
Worin liegt denn der Sinn einer Krise ? Wenn in einer Beziehung alles problemlos läuft, ist das sehr schön, führt aber nicht zu einem Wachstum. Erst durch die Krise kommen wir an unsere Grenzen. Die Krise in meiner Beziehung führt mich zu der Frage, wie ich denn wirklich zu mir stehe und wo meine Probleme liegen.
Warum gibt es in einer Beziehung ohne Krisen kein Wachstum?
Das ist wie die Aussage das es eine Revolution für Veränderungen benötigt.
Ist nicht eine gleichmäßige Veränderung mindestens gleichwertig? Sprunghafte Veränderungen sind für die Partnerin oft viel schwieriger mitzugehen, als langsam gleichmäßige.
Vom Sport her kenn ich auch die Thesen der Grenzen überwinden. Vieleicht ist das im Hochleistungssport zielführend, auch wenn es da unterschiedliche Meinungen zu gibt. Aber bei mir selbst hat das durch Überforderung immer schlechtere Ergebnisse gebracht, als gleichmäßiges regelmäßiges Training bei dem sich die Leistung ganz normal mit der Zeit gut erhöht hat.
Das Regelmäßige ist hierbei aber entscheidend und das fällt uns meist so schwer. Ob im Sport oder im Umgang mit unseren Liebsten, bei denen wir immer gerne Kompromisse eingehen und dann garnicht merken, wie wir Rückschritte anstatt Fortschritte machen.
Insofern sind dann Sprunghafte Vorgehensweisen verständlich, aber vieleicht nicht ohne Alternative.
Liebe Grüße, Tira (flo)

P.S: kann dich aber auch voll Verstehen, ich habe ja selber mein Leben von Heut auf Morgen komplett umgestellt und für mich war das genau richtig. Alles Andere hätte es nur unnötig verzögert. War aber auch einfach, da ich recht wenig Rücksicht nehmen musste. Drück dir die Daumen das eure Beziehung überdauert.
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ExUserIn-2026-04-08
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 89 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Tira hat geschrieben: Fr 12. Jan 2024, 08:50 Insofern sind dann Sprunghafte Vorgehensweisen verständlich, aber vieleicht nicht ohne Alternative.
Ich will mich in der Frage nicht aus dem Fenster lehnen. Ich stelle mir nur die Frage, warum sollte jemand an etwas rütteln, wenn er keine Veranlassung hat ? Es gibt ja nicht nur große Krisen, sondern auch kleine Anregungen, die zu Veränderunge führen können. Letztlich sind das auch Meinungsunterschiede und kleiner Streits. Ich habe das hier nur exemplarisch diskutiert, weil ja Trans* für viele Partnerinnen einen besonders schweren Einschnitt darstellt (Anm.: im Falle von Transmännern fehlen mir die Erfahrungen). Wie sieht eine, nicht die einzige, mögliche Reaktion eines Paares aus, die diese Krise überwinden wollen, aus ? Aus meiner Sicht ist das eine Umdeutung der Situation. Aus einem "was wird mir angetan ?" kann ein "wozu nutzt mir das ?" werden. Du kannst Fragen aus anders stellen. "Wieso stellt sich mein Mann so lächerlich dar" wird zu "was sagt mir das über Weiblichkeit und meine Sicht darauf ?". Das funktioniert mMn auch bei kleineren Problemen. Es geht letztlich darum, die Krise/Problem/Streit als Chance zu begreifen. Mein Partner/in zeigt mir meine Grenzen auf. Dafür kann man ihn/sie hassen oder dankbar sein. Die Wahl liegt bei einem selber.

Ich habe für mich verstanden, dass die Haltung meiner Frau dazu führte, dass sich meine Weiblichkeit nicht darin begrenzt, mich mit Kleidung zu begnügen, sondern tiefer in mich zu gehen und das Gefühl für meine Weiblichkeit zu erkunden. Ich glaube nicht, dass ich das alleine geschafft hätte. Umgekehrt macht ihr das natürlich zu schaffen. Das Ergebnis berührt sie jetzt ebenfalls. Die Frage, was sie daraus mitnimmt, muss sie ergründen.

Je stärker die eigenen Probleme das eigene Selbst behindern, um so größer sind die Krisen, die es erfordert, diese zu überwinden. Ich kann mich täuschen, aber darum geht es letztlich aus meiner Sicht immer bei Differenzen. Insofern widersprechen wir uns nicht an dieser Stelle. Und ganz ehrlich, so zu leben gelingt mir auch nur begrenzt, aber ich versuche es jeden Tag ein bischen mehr. Und wenn ich meine längeren Beziehungen im Rückblick betrachte, fühlt es sich heute viel besser an. Manche brauchen eben etwas länger ...

P.S. zu Deinem P.S. Vielen DAnk. Auch bei mir hat es gerade in den letzten Wochen einen großen Umschwung gegeben. Nicht ganz so radikal, aber eindeutig. Ich habe auch nicht ewig Zeit ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 90 im Thema

Beitrag von Aria »

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 12. Jan 2024, 07:03 Worin liegt denn der Sinn einer Krise ? Wenn in einer Beziehung alles problemlos läuft, ist das sehr schön, führt aber nicht zu einem Wachstum.
Als ob Beziehungen Krisen bräuchten, um zu wachsen. Das mag evt. noch bei "normalen" Beziehungskrisen möglich sein aber wenn der Partner drauf und dran ist seine Identität zu hinterfragen und vllt. das Geschlecht wechselt, hat das mMn nichts mehr mit diesen "gewöhnlichen" Krisen gemein.
Vicky, ich bin ehrlich, für mich liest sich das alles schon sehr anstrengend. Ich mag mir gar nicht ausdenken, wie schwer gerade eure Beziehungsarbeit ist. Für mich sollten Beziehungen - egal welcher Art - leicht sein. Wenn es anfängt schwer zu werden, kann man die nochmal hinterfragen und für sich eine pro/contra Liste aufstellen: Was gibt/geben mir/wir uns die Beziehung noch und was muss ich dafür opfern?

Ich habe vor gut einem Jahr auch eine Beziehung beendet. Keine Liebesbeziehung, sondern eine freundschaftliche, und zwar die zu einer Arbeitskollegin.
Am Anfang war das prima, wir haben uns super ergänzt. Haben von unseren unterschiedlichen Lebenserfahrungen profitiert und sind dabei gewachsen. Doch nach und nach wurde die Beziehung einseitig. Nicht, dass mich das besonders gestört hat aber ich finde, dass das das essentiellste an einer Beziehung ist. Es muss sich die Waage halten, zwischen Geben und Nehmen. Geben bestand hierbei aus dem Willen gleichen Aufwand zu betreiben, dass man sich regelmäßig sieht. Als ich diese Bereitschaft einschränkte, kam noch weniger zurück. Also habe ich mich auch rar gemacht - in allem. Irgendwann merkte ich, dass sie ihre schlechte Laune immer auf mich projizierte und versuchte, mich damit runterzuziehen, damit sie für sich sagen konnte, dass anderen auch nicht immer die Sonne aus dem Ar*** scheint. Ich habe ihr dann mal richtig die Meinung gesagt und dabei gemerkt, wie sehr mir diese Beziehung eigentlich schon egal ist. Ich sagte noch, dass ich das jetzt habe sagen müssen aber das es dann auch gut ist bei mir, da ich nicht lange nachtragend bin. Es war aber das letzte Mal, dass ich mit ihr Kontakt hatte. Die Tage und Wochen danach, fühlten sich wieder viel leichter an, obwohl ich doch jemanden verloren hatte, der mir eine Zeit lang viel gegeben hatte - nämlich Wachstum meiner Identität.

Ich bin mittlerweile der Meinung, dass unsere Beziehungen immer nur für eine bestimmte Zeit gemacht sind. Wir sind aber sehr oft einfach betriebsblind, hören nicht auf unser Bauchgefühl und hängen an Gewohnheiten, so dass wir diese Beziehungen viel länger ertragen als uns eigentlich gut tut. Dazu haben wir viel zu sehr Angst vor dem allein sein. Diese Angst hemmt uns ungemein, Entscheidungen zu treffen, die unser Bauch schon sehr früh für richtig hält.

Ich kenne eure Beziehung kein Stück und ich möchte dir damit auch keinen Rat geben oder sonstwas. Das ist alleine euer Ding, das ihr für euch entscheiden müsst. Da darf euch keiner dazwischenreden und das möchte ich hiermit auch nicht bezwecken. Und für mich ist nun auch an dieser Stelle gut. Ich wünsche mir für euch, dass ihr bald einen Weg findet glücklich zu sein. Denn so sieht es offensichtlich nicht gerade aus. Gebt euch dafür aber nicht zu lange Zeit. Wenn es nach einem Jahr Arbeit nichts geworden ist, würde ich andere Lösungen suchen, denn - wie ich schon sagte - unsere Zeit ist endlich, und das Ende kommt oft zu schnell. Zu schade, wenn man es nicht geschafft hat vorher glücklich zu werden.
¡no lamento nada!
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