Silke auf dem Weg
Silke auf dem Weg - # 6

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Whoopy Highfly
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Re: Silke auf dem Weg

Post 76 im Thema

Beitrag von Whoopy Highfly »

Hallo Silke,
vielen dank für deine Offenheit.
Meine Frau sieht das mit den Kosten sehr genau, da die Schule, Ihr neues Auto und der letzte gemeinsame Urlaub die Kosten z. Zt. etwas hoch sind.
Ansonsten kann ich meinen Traum schon ausleben. Mich stört halt unser kleiner Ort und mein Handicap.
Mal schauen, was auf mich zu kommt. Ich halte mich weiterhin hir im Ort zurück. Heute morgen war ein weiterer Test zum Brötchen holen.
Hat mal gut funktioniert.
Ich müsste mich bei meinem Verein outen, da ich als Mädel besser mit meinem Handicap umgehen kann. Ich traue mich nicht. Mal abwarten, was da nocj so kommt.

GLG
Steffi
Bin auf dem Weg. Bitte sucht mich nicht.
Melde mich demnächst wieder.

Bye
Silke61
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Re: Silke auf dem Weg

Post 77 im Thema

Beitrag von Silke61 »

Ich merke, daß ich als Schriftstellerin wohl verhungern würde, so selten wie ich schreibe, allerdings empfinde ich meine Entwicklung auch eher schubweise und möchte Euch gern an diesen Schüben teilhaben lassen. Die Zeiten dazwischen wären eh ziemlich langweilig.

In der Tat ist lange Zeit kaum etwas passiert. Die Männerklamotten spielen fast keine Rolle mehr, die Damenkleidung ist aber nach wie vor nahezu unisex. Ab und zu mal eine etwas gewagtere Variante aber alles sehr im Rahmen. Dazu kam, daß ich beruflich und privat ziemlich viel Streß hatte (viel Arbeit und Dinge, um die ich mich kümmern muß, zum Glück kein Beziehungsstreß).

Doch nachdem vor ca. zwei Wochen ein größeres Projekt abgeschlossen war und damit etwas Ruhe in mein Leben kam, hat sich Silke sofort mit Macht zurückgemeldet. Irgendwie konnte ich den ganzen Einheitsbrei nicht mehr sehen und habe mich mal für meine Verhältnisse richtig schön fertig gemacht -- obwohl ich nicht raus gegangen bin, sondern zuhause arbeiten mußte. Kleid, das nur mit Sillis aussieht, Perücke, FSH, nur mit Schminke stehe ich nach wie vor auf Kriegsfuß, ansonsten das volle Programm und habe so auch den ganzen Tag gearbeitet.
Was soll ich sagen, ich habe mich einfach nur pudelwohl gefühlt, durch und durch eins mit mir. Ok es war alles etwas Aufwand und umständlich, vielleicht auch wegen der fehlenden Übung (daraus ist dann der Impuls für den anderen Thread gekommen, über das Outfit zuhause) und doch war es für mich eine Offenbarung. Ich habe gemerkt, wie gut es mir tut, wenn sich Brüste unter meinem Kleid wölben, wenn ich spüre, wie Haare meine Wangen kitzeln und das Kleid luftig um meine Beine spielt. Es war vom Outfit überhaupt nicht besonders und tat doch so gut.

Irgendwann klingelte es dann an der Tür. Hmm, ganz neue Situation. Bisher hieß en femme immer ausgehen, irgendwohin, wo mich vermutlich niemand kannte. Jetzt konnte es ein Nachbarin sein oder meine Tochter, zu der mir einfiel, daß sie mich tatsächlich noch nie komplett en femme gesehen hatte. Also zur Tür und durch den Spion geschaut -- es war meine Tochter. Einmal durchgeatmet und die Tür aufgemacht. Meine Tochter nahezu ohne Reaktion, kurzes Stutzen, dann war alles gut. Im Kopf wußte sie ja schon alles, um damit umgehen zu können, sie hatte es nur noch nie gesehen. Ein kurzer Moment, sich an den realen Anblick zu gewöhnen, dann war es gut.

Zwischendurch mußte ich kurz mal vor die Tür zur Mülltonne und in den Garten Blumen gießen. Alles nur kurz aber wenn gerade in dem Moment Nachbarn aus dem Fenster schauten, hatten sie einen 1a Blick auf Silke. Mir war es in dem Moment egal, auch wenn ich doch zusah, schnell wieder im Haus zu verschwinden. Es gibt halt doch nach wie vor das Ringen zwischen Mut und Vorsicht.

Jedenfalls war der Eindruck, mich auch im Alltag voll und ganz als Frau zu fühlen so überwältigend für mich, daß ich mich entschloß, die praktischen Probleme des weiblichen Outfits anzugehen. Ich werde mir neue, auch etwas größere Sillis kaufen, die auch besser haften sollen, eine Echthaarperücke in mittlerer Länge und dann mit den neuen Sillis auch in ein Fachgeschäft gehen und mich bzgl. des BHs vernünftig beraten lassen und dort dann auch ein hoffentlich einwandfrei passendes Exemplar kaufen. Wird alles nicht billig und vermutlich auch nicht jedes Problem lösen aber hoffentlich doch einen Alltag als Frau (dazu gehören für mich nach der geschilderten Erfahrung und damit zumindest vorerst die diversen "Anbauteile") angenehmer gestalten.

Was die genannten Dinge betrifft, muß ich mich erst noch für jeweils ein konkretes Modell entscheiden, auf den Paketboten warten usw., sprich es wird noch ein paar Tage dauern. Eins habe ich aber nicht weiter aufgeschoben: Ich habe endlich meine Ohrlöcher! (fwe3) Die habe ich mir schon so lange gewünscht und es aus diversen Gründen immer wieder verschoben, heute war es dann aber soweit. Ab zum Juwelier, ein paar Formalitäten, zwei Schüsse und die ersten Stecker sind drin. Etwas nervig finde ich, daß ich erst nach ca. sechs Wochen richtige Ohrringe tragen kann, aber sei's drum. Die Zeit werde ich auch noch warten können. Mir war es einfach wichtig jetzt und gleich Fakten zu schaffen, die meine innere Entwicklung widerspiegelten.

Ich finde es jedenfalls faszinierend, wie mich äußerlich eher unscheinbare Erlebnisse immer wieder nach langen Zeiten, in denen scheinbar nichts passiert so massiv prägen und voran bringen. Das sind dann echte Glücksmomente, wie ein lange schlafender Vulkan, der plötzlich wie aus heiterem Himmel ausbricht und sein Feuer versprüht.

Was wirklich noch fehlt, ist die Schminke, mit der ich wie gesagt nach wie vor auf Kriegsfuß stehe, die ich mir aber in dezenter Form sowohl fürs Passing als auch für mein weibliches Selbstbewußtsein wünsche. Die hebe ich mir dann für den nächsten Ausbruch auf (flo)

Euch allen ganz liebe Grüße von einer glücklichen
Silke
Silke61
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Re: Silke auf dem Weg

Post 78 im Thema

Beitrag von Silke61 »

Irgendwie habe ich im Moment Schwierigkeiten meine Gefühle richtig zu sortieren. Momentan erlebe ich Vieles so widersrüchlich. Mal ein paar Beispiele:

- Es treibt mich, Silke raus zu lassen, auszugehen, selbstbewußt zu meinem weiblichen Ich zu stehen. Gleichzeitig habe ich enorme Hemmungen genau das zu tun, weil mein Passing nach wie vor nicht besonders ist und ich als eher schüchterner Mensch nicht gern Aufmerksamkeit auf mich ziehe. Neulich war ich mal raus, fühlte mich auch eigentlich ganz wohl, fand es dann aber schrecklich, als ich von zwei Frauen, die an einer Engstelle sehr nah an mir vorbei gingen, entsetzt angestarrt wurde. Und schon war mit die Freude vergangen. Ignorieren fällt mir schwer.

- Ich hatte einige für mich sehr tiefe Erfahrungen meiner Weiblichkeit. Komischerweise ist die Erfahrung nicht gleichmäßig, sondern kommt besonders intensiv in Schüben. Meist ohne besonderen äußeren Anlaß, einfach ein Erleben, daß ich so ganz bei mir selbst bin. Trotzdem fühle ich mich aber sehr klar auch als Mann. Ich bin nicht einfach Frau, die leider noch allzu sehr wie ein Mann aussieht, ich bin Frau aber doch auch nach wie vor ganz Mann.

- Offensichtlich ist das, was sich in mir abspielt aber noch komplizierter. Das hat mir ein Mißverständnis eben in einem Gespräch klar gemacht. Meine Frau sprach von ihrem Vater, der in irgendeiner Runde der einzige Mann sei. Ich hatte den Zusammenhang nicht ganz mitbekommen und dachte, sie spreche von mir. Alles in mir schrie "Nein! Ich bin doch kein Mann, wie kann sie mich so bezeichnen und dann noch als Gegenpol zu den Frauen darstellen?" Zum Glück bemerkte ich dann doch sehr schnell, daß sie nicht von mir sprach aber meine innere Reaktion hat mich in ihrer Heftigkeit selbst überrascht. Gerade weil ich mich nach wie vor als Mann sehe, habe ich mich nie gegen diese Titulierung gewehrt, bzw. jetzt erstmals eben doch. Der innere und sehr spontane Protest zeigt mir, daß es alles so einfach doch nicht ist.

Das ist für mich nicht nur ein Streit um Worte. Letztlich hängt daran für mich die Frage, wie ich in Zukunft leben möchte. Ganz als Frau, kein Mann mehr sein? Und dabei doch immer wieder von anderen als solcher identifiziert werden? Oder weiterhin beiden Geschlechtern ihren Raum geben? Wäre das nur feige und einfach (zu jeder Situation das passsende Geschlecht) oder ist das nach wie vor meine innere Realität? Ich weiß es wirklich nicht, habe aber das Gefühl, daß es in mir auf eine Klärung hin arbeitet. Ich bin selbst gespannt, wie es ausgeht...

Es hilft mir jedenfalls schon sehr, das was mich umtreibt mit Euch teilen zu können und auch wenn ich nicht so häufig schreibe habe ich das Gefühl, von Euch wohlwollend begleitet zu werden. Das tut einfach gut und gaaanz langsam meine ich, auch mit Eurer Hilfe, voran zu kommen. Danke dafür Mädels!

LG
Silke
Engelchen
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Re: Silke auf dem Weg

Post 79 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Silke61 hat geschrieben: So 1. Sep 2019, 20:29 Irgendwie habe ich im Moment Schwierigkeiten meine Gefühle richtig zu sortieren. Momentan erlebe ich Vieles so widersrüchlich
Ich kann vollständig nachvollziehen.
Es ist der innere Kampf mit sich selbst.
Es hat bei mir über 60 Jahre gedauert bist ich soweit war mich als Frau zu sehen und akzeptieren.
Bis dahin der tägliche Kampf mit mir selber über Fetishe, wie ich glaubte.

Wie dein weiterer Weg geht - das kannst nur du selber bestimmen.
Dieses negative Passing wird mit der Zeit besser. Übung macht die Meisterin.
Mein größtes Passing-Problem die Stimme - daran arbeite ich gerade.
Und was ich dir auch noch sagen wollte - dein Passing verbessert sich immens durch Selbstbewusstsein.
Kopf hoch - Schultern zurück - Krone richten - Augen zu und durch
Liebe Grüße
Lisa
Liebe geben und offen sein für Neues
Silke61
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Re: Silke auf dem Weg

Post 80 im Thema

Beitrag von Silke61 »

Der Weg geht immer weiter, langsam, aber erstaunlicherweise ziemlich gerade in eine Richtung und so möchte ich Euch mal wieder schreiben, wie es bei mir steht.

Mittlerweile trage ich wirklich nur noch Damenkleidung bis auf ganz wenige Ausnahmen: Ölzeug fürs Segeln, das eh eher Unisex ist und eine Jeans, die ich dafür hasse. Es ist aber die einzige Jeans, die weit genug geschnitten ist, daß ich die nötige Bewegungsfreiheit beim Segeln habe. (sagte ich schon, daß ich kürzlich segeln war? Trotz des Wetters eine Wohltat für die Seele!)
Ich erzähle die eigentlich nebensächliche Geschichte von der Jeans, weil ich daran zwei Dinge merke: Erstens, daß ich mich mittlerweile fast zwingen muß, Männersachen anzuziehen und sei es auch nur so etwas neutrales wie eine Jeans und zweitens, wie viele kleine praktische Deatilprobleme es noch gibt, mich ganz selbstverständlich rein im weiblichen Raum aufzuhalten. Was die Jeans angeht habe ich schlicht bisher keine etwas weiter geschnittene Jeans gefunden, die nicht gleich wie ein Sack aussieht. Es wird sie sicher geben aber momentan sehe ich überall nur "slim fit" oder Übergrößen.

Mein Passing hat sich mittlerweile auch stark verbessert. Ich bin noch lange keine Expertin aber auch das Schminken klappt jetzt schon ganz gut. Manchmal bin ich etwas faul und ohne Brille meine Augen gut und exakt zu schminken ist auch noch nicht so toll aber insgesamt kann ich mich wirklich sehen lassen (ich muß unbedingt mein Profilbild mal aktualisieren).
Vorgestern war ich mit meiner Frau in der Stadt shoppen und bin wirklich überhaupt nicht aufgefallen, jedenfalls habe ich niemanden gesehen, der verwundert oder sonstwie erkennend geschaut hat.

Mit dem Outing ist es außerhalb der Familie allerdings noch nicht sehr weit. Draussen trage ich zwar Damenkleidung aber im ziemlich neutralen Bereich, im Hause und auch im Garten allerdings fast ausschließlich Rock. Es würde mich wundern, wenn die sehr neugierigen Nachbarn es nicht gesehen hätten. Vielleicht ging es darüber auch schon etwas weiter rum, da wir aber kein besonders enges Verhältnis zu den Nachbarn haben, ist mir das eher egal. Bei Freunden und bei der Arbeit ist noch nichts passiert. Ich leide darunter, traue mich aber nicht, auch weil ich immer noch nicht weiß, wie ausschließlich ich Frau bin. Ich erwische mich allerdings immer wieder dabei, daß ich Mails mit "Silke" unterschreiben möchte, bleibe dann aber doch bei meinem Geburtsnamen.

Um selber noch mehr Klarheit zu gewinnen, habe ich in unserem kommenden Urlaub (noch in diesen Ferien) vor, wirklich 24/7 als Frau zu leben, also nicht Unisex-Klamotten, in denen ich als Mann wahrgenommen werde und auch nicht wie in einem vergangenen Urlaub nur mit weiblicher Kleidung, sondern das volle Programm, so daß jeder, der mir den Weg zur Toilette zeigt (eigentlich doofes Kriterium macht es aber anschaulich), mich ganz selbstverständlich zur Damentoilette leitet und nicht erst groß überlegen muß, was ich denn für ein Vogel bin.
Kurz: Brüste, Perücke, minimale Schminke sollen Standard werden. Wenn ich künftig vollständig als Frau leben möchte, ist es das ja auch. Keine Ahnung, wie das am Strand funktioniert, ich will aber auch dort immer in Bikini oder (da ich keine tolle Bikini-Figur habe) im Badeanzug sein.
Ich sehe das als Experiment. Wie fühle ich mich, wenn ich durchgehend als Frau agiere? Wie stark nerven immer noch die kleinen praktischen Schwierigkeiten? Wie geht es mir, wenn nach dem anfänglichen Glücksgefühl Gewöhnung und Normalität einsetzen?

Die Idee ist schon, daß dieses Urlaubs-"Experiment" mir hilft, die Entscheidung für ein breites Outing anzugehen. Wenn es sich "richtig" anfühlt, will ich auch nicht mehr dahinter zurück und will dann auch überall dazu stehen und mich nirgends mehr verstecken.

Ein Standard-Passing-Problem habe ich allerdings noch, die Stimme. Ich versuche daran zu arbeiten, da ich aber kein Rezept habe und Logopädinnen teuer sind, muß ich sehen, ob ich es allein schaffe oder doch den Preis zahle. Vor dem offiziellen Weg über die Kasse schrecke ich vorerst noch zurück, da ich die dazu erforderlichen (?) Tests vermeiden möchte. Muss irgendwann vielleicht doch sein, eine "offizielle" Diagnose zu bekommen, das Prozedere soweit ich darüber bisher gelesen habe, hört sich aber nicht an, als wollte man das freiwillig.

Also, schaun wir mal, wie es weitergeht, hoffentlich nach dem Urlaub mehr...

LG
Silke
Nobbi56
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Re: Silke auf dem Weg

Post 81 im Thema

Beitrag von Nobbi56 »

Hallo Silke,

es ist schön zu erfahren - und hoffentlich auch eine Ermutigung für jene, die noch ganz am Anfang ihres Weges stehen und von Selbstzweifeln, Sorgen und Ungewissheit geplagt werden -, wie weit Du nun mittlerweile schon gekommen ist, auch wenn es wahrlich kein leichtes und schnelles Unterfangen war - eher könnte man fast sagen "Der Lohn der Angst"...

Okay, vielleicht magst Du - nach Deinen eigenen ambitionierten Maßstäben - noch nicht den ultimativen Status einer "Mrs. Perfect" erreicht haben, aber erstens, welche "Bio-Frau" hat den schon :lol: und zweitens, verglichen mit dem Punkt, an dem Du gestartet bist, liegen doch Welten dazwischen.

Der Rest wird bestimmt auch noch, da bin ich zuversichtlich! Und übrigens, falls Du Silikonbrüste trägst: Es gibt einige Hersteller, die bieten Badeanzüge - und ich meine, sogar Bikinis - mit innen eingenähten Taschen an, in die man die "Sillis" unauffällig so einlegen kann, dass sie von außen nicht sofort als künstlich auffallen! Gedacht ist das primär für Frauen nach einer Brust-OP, die Epithesen nutzen, aber was denen recht ist, sollte Transfrauen doch nur billig sein, oder? :mrgreen:

Schau Dich bei Interesse mal bei Anita Care, Amoena oder auch der "Schlankstütz"-Kollektion vom Teleshoppingsender HSE 24 um, vielleicht findest Du da etwas Passendes!

Ich wünsche Dir weiterhin toi, toi, toi auf dem restlichen Weg und bin sicher: DU SCHAFFST DAS! (ap)

LG N.

edit: hier gibt's auch noch besagte Badeanzüge: https://www.albamoda.de/prothesen-badeanzuege/
Silke61
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Re: Silke auf dem Weg

Post 82 im Thema

Beitrag von Silke61 »

Hallo Nobbi,

sind wirklich ganz schön, aber um die 100 Euro sind mir ehrlich gesagt doch etwas viel für einen Badeanzug.

Ja, ich bin wirklich schon weit gekommen, das sehe ich auch so. Wie der Titel schon sagt, es ist für mich ein Weg, auf dem ich einen Schritt vor den anderen setze und obwohl die Schritte oft klein sind, ist es erstaunlich, was sich in der Summe alles getan hat.
Es ist schon was dran, daß ich immer nach "Mrs. Perfect" strebe, das mache ich sonst aber auch. Finde ich auch nicht so schlimm, solange mir klar ist, daß es immer eine Annäherung bleibt.
Ich bin voller Sehnsucht und doch auch so dankbar für alles Erreichte.

LG
Silke
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Re: Silke auf dem Weg

Post 83 im Thema

Beitrag von Silke61 »

Nach langer Zeit mal wieder ein kleines Update von mir.

Irgendwie hat sich für mich ein Alltag hart an der Gender-Grenze eingespielt, den ich einerseits als sehr bequem empfinde, andererseits merke ich, daß ich aus dieser Bequemlichkeit heraus wichige Fragen nicht konsequent genug angehe.

Die offene Frage ist nach wie vor die der eigenen Verortung. Gerade läuft ein anderer Thread, den ich nicht zu meinem machen möchte, deshalb dort nur ein Beitrag und hier der Fokus auf das, was mir zu schaffen macht.

Letztlich geht es um die grundlegende Frage, wie viel Frau in mir steckt. Rein äußerlich bin ich wie gesagt eher an der Grenze, sogar mehr auf der männlichen Seite: all meine Kleidung ist aus der Damenabteilung aber Hosen statt Rock oder Kleid, Sneaker statt High Heels und Pulli statt Bluse.
Im Home-Office bin ich auch meist zu faul, Perücke usw. anzulegen oder mich zu schminken. Ich habe gerade Sprech-Ausbildung bei einer Logopädin, setze die weibliche Stimme, soweit bisher erreicht, aber nur gelegentlich ein -- ist mir meist auf Dauer zu anstrengend.

Ich kann einfach nicht beurteilen: Ist das wirklich "nur" Faulheit oder scheue ich den Schritt, endgültig die Grenze zu überwinden?

An anderer Stelle dasselbe Problem (so erlebe ich es jedenfalls): Meist spricht mich meine Frau mit meinem männlichen Vornamen an. Ich zucke jedesmal innerlich leicht zusammen, fühle mich aber nicht so schlecht damit, daß ich protestieren würde. Was will ich eigentlich? Will ich auf dem weiblichen Vornamen bestehen?
Was es nicht leichter macht ist, daß ich mich eindeutig sehr gut damit fühle, wenn ich weiblich angesprochen werde und auch, wenn ich äußerlich (innerhalb der Grenzen meines Passing) voll und ganz als Frau auftrete. Trotzdem laß ich es im Alltag meist. Warum?

Ich erlebe es auch nicht als Hilfe, mich als nicht-binär zu sehen. Klar, ich lebe irgendwie "dazwischen", empfinde aber dieses Niemandsland nicht als Lösung oder Realität, sondern als mangelnde Selbsterkenntnis. Ich weiß einfach noch nicht, wo ich wirklich stehe.
Oft gibt es zu solcher Unsicherheit Antworten, die darauf hinauslaufen, es nicht auflösen zu wollen, keine Schubladen, das Kontinuum annehmen usw. Das mag für viele UserInnen hier im Forum richtig sein, ich selbst möchte aber einen Ort für mich finden. Der kann dann immer noch Elemente des anderen Geschlechts enthalten, es soll aber ein für mich klarer Ort sein, wo ich sicheren Stand habe.

Auf den Punkt gebracht: Will ich wirklich (ausschliesslich?) mit Silke angesprochen werden oder ist mein männlicher Vorname auch ok? Wie sehr bin ich bereit, dafür zu kämpfen?

Klar, daß auf diese Frage niemand anders als nur ich selbst eine Antwort geben kann. Ich hoffe einfach auf Anregungen, die mir helfen, mir selbst klarer zu werden.

LG
Silke
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Re: Silke auf dem Weg

Post 84 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Die Frage nach deinem innerlichen Ich kannst nur du selbst beantworten. Jedoch sehe ich keinen Grund dafür, dich nicht als Frau zu bezeichnen, weil du nicht ultra weibliche Klamotten trägst. Ist doch bei mir ähnlich. Frausein zeichnet sich mM. nach doch nicht davon ab, dass man hohe Pumps, sexy Röcke oder Kleider usw. trägt.
Anders sehe ich das mit deiner hin und wieder vorkommenden Anrede mit männlichen Namen. Da würde ich auf alle Fälle schon darauf bestehen, korrekt angesprochen zu werden.
Liebe Grüße
Christina
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