Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Wie finde ich raus, ob ich trans* bin? - # 5

Lebensplanung, Standorte
Knäckebrötchen
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 61 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Hallo Lana,
Lana hat geschrieben: Sa 14. Dez 2024, 20:44 Erstmal versuche ich, diese Leute ernst zu nehmen und das was sie mitteilen wollen. Das heißt ja nicht, dass ich der selben Meinung sein muss, aber ich respektiere ihr Empfinden, ihre Gedanken, ihre Entscheidungen und ihren Weg. Wertfrei. Ich nehme das zur Kenntnis.
Was die Personen aus Jaddys Post angeht: eine Krankheit ist eine Krankheit und da ist nichts lächerlich dran. Natürlich nehme ich diese Menschen ernst. Und gerade weil ich sie ernst nehme und ihre Geschichten nicht mit "ach, das ist doch Quatsch, stell dich nicht so an!" Oder "geht halt arbeiten, dann haste gar keine Zeit mehr, dich mit so einem Unsinn zu beschäftigen" quittiere, mache ich mir da um einige ernsthaft Sorgen.

An keiner Stelle habe ich gesagt, dass ich ALLE Berichte so einschätze. Aber es gibt mindestens 3, die ich kritisch sehe. Und ja, da ist auch einer, der sich sehr differenziert mit dem ganzen beschäftigt und sogar die eigene Therapie benennt.

Warum sehe ich das kritisch?
Lana hat geschrieben: Sa 14. Dez 2024, 20:44 Gegen Ende geht es auch darum, wie ich selbst diese emotionale Amnesie empfinde, wie sie sich in meinem Alltag äußert. Ich finde den Begriff für mich passend (auch wenn ich ihn nicht aktiv verwenden würde) und sehe nicht, dass ich mich in Therapie begeben sollte, um meine alten Traumata zu bearbeiten oder mir von fremden Menschen mein Leben erklären zu lassen. Selbst wenn die "das gelernt" haben sollten. Die mögen Experten für Psychotherapie und Traumaheilung sein, aber nicht für mich. Niemand kennt mich besser als ich selbst. Und zwar, weil ich mir sehr viel Zeit genommen habe zur eigenen Nabelschau. Für mich ist das eine Möglichkeit, mich zu entwickeln und zu erkennen. Es ist mühsam, dauert lange, aber das entspricht meinem Naturell.
Bitte entschuldige, aber das sehe ich entschieden anders. Das ist dieser Unsinn von "jetzt stell dich mal nicht so an!" und "jeder kann, wenn er sich zusammen reißt, seine Probleme in den Griff kriegen!" Nein. Nein. Nein. Ich weiß gar nicht, wie oft ich den Mist gehört habe - zu mir oder über andere. Und es ist NIE gut gegangen. Nie.

Ich habe Freunde verloren, die nicht aus eigener Kraft den Weg raus gefunden haben. Und es ist einfach :poop:, am Grab eines 20-jährigen zu stehen. Oder vom Freitod eines Bekannten zu hören, der Frau und Kinder zurück lässt.

In einer Therapie erklärt dir niemand dein Leben. Das darfst Du schon alles schön selber. Aber Du hast jemanden, der dich mit Fragen an die wunden Punkte heran führt. Und der dir damit einen sehr geschützten Rahmen schafft, um dich zu entwickeln und erkennen. Nichts anderes ist in meiner Therapie passiert. Ich durfte meine Erinnerungen durchwühlen, hinterfragen, mich und meine Motivation hinterfragen und dadurch Stück für Stück Gewissheit erlangen. "Niemand ist Experte für mich außer ich selbst" ist eine Binse. Das behauptet auch niemand. Und schon gar kein Therapeut würde so einen Unsinn jemals von sich geben. Ich vermute, Du hast ein sehr negativ gefärbtes Bild ohne es zu wissen und ohne eigene Erfahrung.
Lana hat geschrieben: Sa 14. Dez 2024, 20:44 Ich möchte dich wirklich darum bitten, anzuerkennen, dass auch andere Standpunkte und Wege ihre Gültigkeit haben. Nimm sie einfach erstmal nur zur Kenntnis. Setze sie nicht unmittelbar in Bezug zu deiner Wahrheit. Vielleicht kannst du ja irgendwann mal die Offenheit aufbringen, dich versuchsweise intensiv auf die Perspektive einer anderen Person einzulassen. Und dann einfach mal schauen, wie sich das anfühlt. Und gar nicht werten. Nur spüren.
Liebe Lana,

vielleicht glaubst Du mir nicht, aber ich habe schon ernsthaft nach Erklärungen gefragt. Und ich habe mir Jaddys Link und die Beiträge mit großem Interesse mehrfach durchgelesen. An Respekt vor den Standpunkten und den Individuen mangelt es mir gewiss nicht. Hinter jeder Person steht eine Geschichte, ein Versuch, sich im Leben zurecht zu finden. Wie kommst Du darauf, dass ich das nicht respektiere?

Du "nimmst zur Kenntnis und spürst" - ich "nehme zur Kenntnis und wenn ich was spüre das für mich nach "red flag" klingt, dann versuche ich zu handeln".

Ein "ach, hätte ich doch nur was gesagt" möchte ich mir nie vorwerfen müssen.
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 62 im Thema

Beitrag von Lana »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 14. Dez 2024, 23:20 Bitte entschuldige, aber das sehe ich entschieden anders. Das ist dieser Unsinn von "jetzt stell dich mal nicht so an!" und "jeder kann, wenn er sich zusammen reißt, seine Probleme in den Griff kriegen!"
Nein, es ist wiederum nur das, was du rausliest, deine Interpretation. Ich berichte aber von meinen Erfahrungen. Ich spreche an dieser Stelle nur von mir, verallgemeinerne nicht. Da habe ich nicht den Anspruch, dass diese Erfahrungen für jemand anderen außer mir selbst gelten würden.

Das ist aber das, was bei dir ankommt, dass meine Erfahrung Allgemeingültigkeit beanspruchen würde. Ich bemühe mich eigentlich, genau diesen Eindruck zu vermeiden.

Umgekehrt ist es aber das, was ich aus deinen Beiträgen immer wieder heraus lese:
Dass deine Erfahrungen, so wie du sie gemacht hast, und deine Folgerungen daraus, auf andere übertragbar wären. Da ist ein Ungleichgewicht in deiner Argumentation. Nur darauf möchte ich dich hinweisen, da sensibler zu formulieren, falls du tatsächlich ausdrücken möchtest, dass es sich um deine persönlichen Eindrücke handelt. So wie du hier schreibst, wird es sonst leicht missverstanden.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 14. Dez 2024, 23:20 Ich vermute, Du hast ein sehr negativ gefärbtes Bild ohne es zu wissen und ohne eigene Erfahrung.
Wir kennen uns nicht. Ob und welche Erfahrungen ich mit Therapie gemacht habe, weißt du nicht und Vermutungen sollten bei dem Thema bitte nicht gemacht werden.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 14. Dez 2024, 23:20 eine Krankheit ist eine Krankheit und da ist nichts lächerlich dran.
Und das entscheidest du aufgrund von ein paar Zeilen Text, ob eine Krankheit vorliegt? Oder wie stellst du dir das vor? Zudem gibt es das Sprichwort, frag zwei Ärzte, und du wirst drei Meinungen bekommen. Es kommt nicht von ungefähr. Diagnose ist selbst im professionellen Bereich nicht immer eindeutig möglich.

Wie kommst du also darauf, das abschließend einzuschätzen? Oder kennst du die Leute, die dort geschrieben haben, persönlich?

Bitte nicht falsch verstehen, ich stelle damit deine Erfahrungen und Erlebnisse in deinem persönlichen Umfeld nicht in Frage, und relativiere sie nicht. Aber sind sie als Grundlage deiner Einschätzung wirklich ausreichend?

LGL
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 63 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Hallo Lana,

wir drehen uns im Kreis. Und es hat mit dem Thread-Thema nichts zu tun. Wir können das gerne per PN weiter diskutieren, aber hier sollte es doch auch um die Frage gehen, wie jemand herausfinden kann, ob eins trans* ist oder nicht.

Liebe Grüße
Knäckebrötchen
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 64 im Thema

Beitrag von SylviaMz »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 14. Dez 2024, 17:14 Mich würde mal interessieren: Welchen Stellenwert/Relevanz hat die Tatsache, dass deine letzten Postings, in denen Du dich bedankt hast, von "deiner weiblichen, sanften Seite" geschrieben wurden, Sylvia? Darf das deine männliche Seite etwas nicht?
Ich habe kein Interesse, mich weiterhin mit Dir zu unterhalten. Ende des Gesprächs.
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 65 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Zu viewtopic.php?t=28583&start=45#p396358

Hallo Knäckebrötchen,

Lana hat das Problem deiner Statements viel kürzer formuliert, aber ich konnte einfach nicht aufhören, das sehr genau aufzudröseln. Vielleicht auch vieles anzufügen, was dir unbekannt ist.

So sehr ich deinen Wunsch nach Fürsorge und fachlicher Unterstützung für trans Personen und Menschen mit psychischen Problemen schätze, schiesst du hier nach meiner Erfahrung(1) erheblich über das Ziel und die Realität hinaus.

Es erinnert mich ein wenig an einen Freund, studierter Mediziner aber nach dem praktischen Jahr in der Klinik abgebrochen. Er hatte viel gesehen und gelernt und war in BDSM Kreisen berüchtigt für seine Sicherheits-Regeln, mit einer sehr festen Meinung, was geht und was nicht - und zwar generell und für alle. Ein anderer Mediziner-Freund mit jahrelanger Berufspraxis kommentierte damals: "Er hat gelernt, woran Menschen alles sterben können, aber noch nicht die Erfahrung, was Menschen alles überleben".

Also tl;dr es ist in der Praxis eigentlich nicht so dramatisch, wie du es dir offenabr ausmalst. Dafür ist häufig anders schlimm.

Thema Hormone

Erst mal: Bei Hormonen kannst du rein körperlich-medizinisch fast nichts kaputt machen. Die Risiken für echten Schaden sind gering, ebenso die Quoten und treten idR langsam beginnend und nach Monaten oder Jahren falscher Medikation auf, und quasi nie bei den körperidentischen Hormonen in gängiger Dosierung.

Hint: Jeweils eine Hälfte der cis Bevölkerung lebt mit dem jeweiligen Hormon ziemlich gut. Das sind schon mal ca. 96% der Menschheit. Ca. 80-90% der trans Bevölkerung(2), ca. 1-3% absolut, wollen genau die "unter Umständen irreversiblen Veränderungen". Die anderen wollen keine HET.

Ich kenne keine trans Person, siehe (1), die sich keine Gedanken gemacht hätte, was eine HET körperlich bewirkt. Im Gegenteil sind die meisten Fragen genau danach wann, was, wie viel. Zu den anderen Folgen weiter unten.

Den meisten Körpern ist es ziemlich egal, ob sie auf Estradiol oder Testosteron laufen. Die Hauptaufgaben bei Knochenbau, Blut, etc machen beide. Das bedeutet, dass eine transgeschlechtliche Hormonersatztherapie (tgHET) keine einmal-für-immer Entscheidung ist. Sie kann begonnen, moduliert, unter- oder abgebrochen werden.

Leider ist das medizinische Fachwissen zu tgHET ziemlich dünn. Die Sample für Studien sind klein, es gibt kaum Finanzierung und die Settings sind kaum vergleichbar. Noch dünner ist das Fachwissen bei den Ärztys. Auch bei den Endos. Es gibt wenige, die längere Erfahrung haben und noch weniger, die sich fortbilden.

Die meisten arbeiten einfach nach Leitlinie und Empfehlungen. Das bedeutet: Mach ne Baseline, starte mit diesen Medis (Hormon als Gel, ggf Blocker) und Dosierungen, geh nach dieser Referenztabelle, bis x ng/ml erreicht sind. Und das erst alle drei Monate, dann sechs und bei einigen sogar nur einmal pro Jahr.

Das führt regelmässig zu schlechter Betreuung. ZB zu viel Blocker und gerade im Beginn (Titrationsphase) zu wenig Estradiol. Folge: Depressive Schübe, Antriebslosigkeit etc. Und es gibt nicht wenige mit der Meinung, gerade bei transfemininen Personen die Östrogenlevel senken zu wollen. "Weil das bei cis Frauen ja auch so ist, mit der Menopause". Das ist genauso völliger Unfug wie die "Pillenpause".

Ach ja, die Bluttests. Die sind vor allem zur Absicherung. Zwei trans erfahrene Endos haben es mir so erklärt: Wir gehen hier eine jahrelange Verpflichtung ein. Im Leben kann alles mögliche aus allen möglichen Ursachen passieren. Die Kassen und Versicherungen gucken dann nach "Abweichungen" vom Normal und versuchen Verantwortliche zu finden, die Schuld und Kosten übernehmen. Wenn ich die Tests nach Leitlinie mache, kann ich sagen "ich bin nicht schuld, ich hab alles nach aktuellen Vorgaben gemacht". Funktioniert bei vielen anderen chronischen Patientys übrigens genauso.

Ansonsten kannst du nur feststellen, ob und wie viel von den Hormonen tatsächlich im Blut ankommt. Das ist aber bei "alle paar Monate" nur ein Schnappschuss.

Fazit: tgHET ist kein Hexenwerk. Die gesundheitlichen Risiken sehr begrenzt. Die Profis haben häufig nicht mehr Ahnung als ihre Klientys und können bei individuellen Bedarfen keine angepasste Behandlung anbieten. Tatsächlich ist das Community-Wissen häufig besser und war schon etliche Mal nötig, um "Profis" zum Update ihrer Vorgehensweise zu nötigen. Unzählige trans Personen fangen selbstbestimmt eine HET an, weil persönliche Umstände nicht zum System passen. Ich kenne viele. Allen geht es gut.

Thema Psyche

Gleichzeitig sind die emotionalen, seelischen und sozialen Folgen einer tgHET nicht zu unterschätzen. Aber auch dazu braucht es nicht unbedingt eine Therapie. Zumal - wie oben - nur die wenigsten Therapeutys wirklich Ahnung haben, wie es sich wirklich als trans lebt. Selbst wenn sie viele trans Personen auf ihrer Listen haben/hatten, sind sehr viele in cis, binären und hetero-orientierten Mustern verhaftet(3).

Trans zu sein ist keine Störung. Es lässt sich auch therapeutisch nicht beseitigen. Trans als Scheinausweg aus anderen psychologischen Gründen ist sehr selten und erledigt sich in der Regel innerhalb der eigenen Testphase. Lange bevor HET richtig einsetzt oder gar OPs passieren. Mal abgesehen davon, dass vor OPs zwingend psych. Indikationen stehen.

Der eigentliche Bedarf besteht in der Begleitung durch die Transition und im Ankommen in einem neuen Normal. Die Schwierigkeiten ist nicht trans zu sein, sondern mit der cis Umwelt und ihren Verständnismängeln für uns klar zu kommen.

Die wirkliche Begleitung findet deshalb zumeist in trans und peer Beratungen, SHGs und Online-Gruppen statt. Weil da Leute sind, die die Situationen wirklich kennen und nachvollziehen können. Siehe hier im Forum zB die Threads zum Thema "ich bin bis jetzt in einer hetero-Beziehung. Was wird da jetzt draus. Mein Partny ist doch hetero". Auch "wann und wie oute ich mich auf der Arbeit?", "Ab wann benutze ich die andere Toilette/Dusche?", "dieser eine Mensch misgendert und deadnamed mich ständig", usw. sind typische, wiederkehrende Themen überall.

Das hat aber alles nur begrenzt mit tgHET zu tun. Ein Therapiezwang ist daher ziemlich überflüssig. Aufklärung und Beratung sind prima, und informed consent nachweislich ausreichend.

Fazit: Trans Personen wissen in der Regel was sie wollen. Sie kennen normalerweise auch die Konsequenzen und stellen sich die richtigen Fragen. Leider haben die meisten "Profis" weder die Kompetenz noch die Erfahrung und das Einfühlungsvermögen, diese Fragen qualifiziert zu beantworten. Das meiste Wissen ist in den Communities und Verbänden.

Thema Eigenverantwortung

Dann: Uns allen wird im normalen Leben ziemlich viel Eigenverantwortung zugetraut und abverlangt. Wohnung, Nahrung, Gesundheit und genug Geld, um das alles zu bezahlen. Wenn du dich nicht selbst kümmerst, tut es kaum wer anders. Es sei denn, du beeinträchtigst deren Leben. Dann wollen sie dich eher aus dem Weg haben.

Aber keinein wird dich zwangsbeschützen, wenn du einen Job annehmen willst, heiraten, ein Kind in die Welt setzen, deine Ersparnisse ausgeben, eine gefährliche Sportart machen, in der Fremdenlegion anheuern, in eine Sekte gehen oder ne Menge ungute Substanzen konsumieren.

Also warum sollte das ausgerechnet bei Menschen passieren, die eine andere Wahrnehmung von Geschlecht haben und ihr Leben deshalb anders origanisieren? Mit oder ohne HET oder anderen Massnahmen?

Woher käme das Recht dazu und wo ist der Unterschied zum früheren "Homosexuelle Menschen sind psychisch krank und müssen deshalb zwangstherapiert werden"?

Wir haben die Freiheit, auch "Dummheiten" zu machen. Fehlentscheidungen zu treffen. Viele davon erzeugen "unter Umständen irreversible Veränderungen"; nicht nur körperlich. Diese Freiheit ist elementar wichtig für Artikel 2(1) GG: " Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt."

In einer idealen Welt gäbe es zum einen leicht zugängliche und qualitativ hochwertige Information und Aufklärung zu allen Themen im Vorfeld, und zum anderen ebenso leicht zugängliche und qualitativ hochwertige Hilfe und Beratung, wenn was schief geht.

In der Realität gilt sowohl für seelische Probleme, als auch für TIN*, dass weder das Vorfeld noch die Krisen von "den Profis" ausreichend abgedeckt wird. Der Großteil wird von ehrenamtlichen und Selbsthilfe geleistet, die häufig genug "die Profis" auf den aktuellen Stand des Wissens und der best practices einnorden müssen.

Thema Umgang mit Vielfalt

Ich erlebe immer wieder, dass Menschen anderer Leute (Selbst)Wahrnehmung sofort und ausschliesslich auf sich anwenden, ihre eigene begrenzte Weltsicht und internen Bewertungen und reflexartig entscheiden "oh wie schlimm, da muss eins doch was gegen tun". Nein. Die hauptsächliche Frage ist, ob und wie die Person mit sich klar kommt. Geht es ihr gut bzw sogar besser oder empfindet sie einen Leidensdruck? (DSM: B-Kriterien)

Gute Therapeutys lernen ziemlich früh, ihren Behandlungsauftrag zu definieren. Erste Frage: Habe ich überhaupt einen? Hat die Person mich explizit gebeten, mich mit ihr und dem Thema zu beschäftigen? Nächste Frage: Was möchte diese Person verändern und habe ich möglicherweise geeignete Vorschläge und Methoden anzubieten?

Alles andere ist übergriffig und unprofessionell. Sogar möglicherweise ein Behandlungsfehler. Auch wenn es in den Fingern juckt und es doch - nach den eigenen Vorstellungen - da diese behandlungsbedürftige Baustelle gibt und so und so viel besser wäre.

Wir sollten dieses Prinzip mMn auch als nicht-Profis anwenden. Menschen sind ungeheuer vielfältig und haben unglaublich vielfältige und persönliche Weisen, mit ihrer Biografie, ihrer Umgebung und sich selbst klar zu kommen. Infinite Diversity in Infinite Combinations. Wir können ein- oder zweimal einen Vorschlag machen oder Beispiel geben, aber einmischen, unverlangte Diagnosen stellen oder Therapiebedürftigkeit zu attestieren, ohne die Menschen genau zu kennen und ohne gefragt worden zu sein ist, wie gesagt, übergriffig. Auch als nicht-Profi.

Wenn wir etwas nicht so richtig verstehen, steht vor der Beurteilung die Pflicht zur Selbstaufklärung. Bis das Thema ausreichend verstanden ist mit Fakten, Hintergründen, Motiven und erlebter Realität. Also erst mal eine Menge Fragen.

Manchmal stellen wir fest, dass bestimmte Konzepte auch nach vielen Fragen einfach ausserhalb unseres Horizonts bleiben. Geht mir mit der Stringtheorie so. Ich weiss nur, dass es sie gibt und ein paar Faktensplitter. Da enthalte ich mich jeglicher Meinung und stelle höchstens ein paar Fragen.

Manche Dinge sind so komplex und veränderlich, dass es unglaubliche viel Zeit und Aufwand braucht, sie qualifiziert zu erschliessen. Geht mir mit "dem Nah-Ost-Konflikt" so. Das lasse ich an mir vorbei gehen. Ich muss keine Meinung haben und es ist mir den Aufwand nicht wert, mich so aufzuschlauen, dass ich tatsächlich mitreden könnte. Kurzgeschlossene Stammtischmeinunngen sind aber mE von übel.

Manches können wir verstehen, nachvollziehen, emulieren, auch wenn wir es innerlich nicht nachfühlen können; höchstens mit Analogien. Geht mir mit Religiosität so - und mit (binärem) Geschlechtsempfinden. Hier kann ich sachlich diskutieren, weil ich viel Zeugs gelesen habe. Hier traue ich mir eine Meinung zu, soweit mich das Thema persönlich betrifft. Den emotionalen Teil, den ich nicht nachempfinden kann, lasse ich bei den anderen. Ich kann ihn für sie wertschätzen, aber jedes Urteil meinerseits wäre unangebracht.

In Kurzform: Äussere dich nur zu dem, was du wirklich verstehst und zwar auf dem Level deines Verständnisses. Ansonsten höchstens Fragen, Offenheit und Lernbereitschaft.

Thema Gendefluidität und andere Formen von Nichtbinarität

Es gibt unzählige Versuche, Geschlechtsidentitäten zu systematisieren. Das einfachste ist noch das Gender Unicorn oder auch die Gender Bread Person. Die können zum Beispiel schon mal die Unterscheidung zwischen Identität, Präsentation, körperlichem und Amtsgeschlecht. Abgegrenzt von der sexuellen und romantischen Orientierung.

Das ist aber für einige Menschen nicht ausreichend. Allein die Frage, ob, wie und was überhaupt Menschen als "Geschlecht" empfinden ist unglaublich komplex. Es spielt interne und externe Körperwahrnehmung rein, emotionale Grundstimmung, situationsabhängiges Verhalten, erlernte und erlebte Muster und die mit ihnen verknüpften positiven und negativen Gefühle, und das alles komplex verwoben mit gesellschaftlichen Konventionen, die alles und alle binär vergeschlechtlichen.

Geschlecht als nur männlich oder nur weiblich ist vollkommen unzureichend für Menschen, die sich nicht eindeutig dem einen oder anderen zuordnen können. Natürlich beschäftigen sie sich dann damit, denn alles, was emotional nicht passt bzw unzufrieden macht, wird dadurch immens wichtig. Geschlecht, Job, Familie, Beziehung, Sex.

Es ist vergleichsweise sehr einfach, in einem binären Geschlecht zu leben, trans oder nicht. Die Welt ist darauf eingerichtet, du kannst dich darin bewegen wie ein Fisch im Wasser. Es gibt unzählige Vorbilder und Vorgaben, Alltagsrituale, Strukturen und Räume, die entsprechend gelabelt sind. Die trans Hauptfrage ist, ab wann du dich traust, die andere zu benutzen und ob das klappt.

Wenn aber beim besten Willen weder das eine noch das andere passt, dann bist du erst mal auf dich selbst geworfen, dich zu beobachten, zu finden, irgendwie zu positionieren. Sprich: Im Gegensatz zu gender-binären Personen müssen wir nichtbinären an dieser Stelle sehr viel stärker über uns nachdenken. Deshalb kommen wir auch zu vielen individuellen Erkenntnissen, die binäre Menschen gar nicht benötigen.

Einige stellen fest, dass die geschlechtliche Empfindung zwischen und_oder ausserhalb von männlich und weiblich fluktuiert; genderfluid. Einige bemerken, dass die Intensität stark schwankt, also auch die Bedeutung der eigenen Wahrnehmung; genderflux. Einige finden keinen Bezug zu männlich/weiblich sondern verknüpfen ihr Gender anderswo. Zum Beispiel autigender, weil ihr neurodiverses Gehirn die Welt ganz anders wahrnimmt.

Diese Wahrnehmungen sind erst mal valide, Punkt. Es ist die ihnen bestmögliche Beschreibung dessen, was ihnen die Welt als geschlechtliche Positionierung abverlangt. Wenn cis und_oder binäre Menschen damit nichts anfangen können: Deren Problem. Deshalb sind sie noch lange nicht pathologisch oder Folge irgendwelcher behandlungsbedürftiger Störungen.

Binäre Geschlechtsidentität ist ja nun auch nicht besser erklärbar. Nur häufiger und vor allem weniger hinterfragt. Aber bisher ist noch jedes Gespräch ausgehend von der Frage "wie stellst du denn fest, dass du [dein Gender] bist?" über biologisches und Stereotypen schlussendlich bei "ich weiss das eben" gelandet. Also bitte nicht so überheblich.

Wer es nicht nachvollziehen kann: Es gibt Lesestoff und Möglichkeiten zu fragen. Aber Be- und Verurteilungen dürfen wir uns verbitten.

Thema plurale Menschen

Ganz wichtig: Genderfluidität und Pluralität haben erst mal nichts miteinander zu tun. Zwei ganz verschiedene Konzepte, die zufällig gemeinsam auftreten können.

Ich kenne ein paar Systeme. Also mehrere Persönlichkeiten, die sich einen Kopf und Körper teilen. Und klar, der erste Impuls ist Schizophrenie, multiple bzw dissoziative Persönlichkeitsstörung, usw.

Zum einen: In von westlicher Psychologie der Neuzeit unbelasteten Gesellschaften wird/wurde das teilweise ganz anders betrachtet. Nicht als Problem, sondern als Gabe und Bereicherung. Das macht das Leben dieser Systeme erstaunlich viel einfacher, wer hätte das gedacht *SarkasmusFähnchen*.

Heisst: Nicht alle Systeme sind behandlungsbedürftig und vor allem ist nicht "Integration" oder die Fabrikation einer Mono-Persönlichkeit automatisch das Ziel. Erfreulicherweise kommt die aktuelle Psychologie da langsam an. Die Hauptaufgabe ist auch hier wieder Klarkommen mit sich und der Aussenwelt.

Die praktischen Fragen mal beiseite gelassen, sind Systeme faszinierend vielfältig, weil sie in vielen Aspekten variieren können. Geschlechtlich sowieso. Auch in der Orientierung. Sogar körperlich. Es gibt Berichte über Unverträglichkeiten und variable Sehstärke. Unterschiedliche Handschrift und Sprache (im Sinne von Wortwahl, Stil, Stimme, Betonung) sind häufig.

Ja, bei vielen können Traumata in der Vergangenheit gefunden werden. Aber weder sind die zwangsläufig vorhanden, noch zwangsläufig ursächlich.

Die Persönlichkeiten können sich auch "einfach so" entwickeln. Es ist einfach etwas stärker und etwas mehr voneinander getrennt, als bei uns Monopersonen (=scheinbar nur eine Persönlichkeit). Aber wir haben auch häufig im Job, in der Familie, im Verein, im Urlaub ganz unterschiedliche Verhaltensmuster, Gefühlslagen, Auftreten usw. Viele von uns entwickeln Persönlichkeits-(An)Teile, die stark unterschiedlich und sogar widersprüchlich sind, also eigentlich schon Systeme. Nur eben nicht so ausgeprägt.

Viele von uns (Monos) reagieren reflexartig mit Anteilen, die uns gar nicht so angenehm sind, sondern Verhaltensmuster, die irgendwann mal nützlich und sinnvoll waren, heute aber eher nicht mehr. So verschieden ist das gar nicht.

Natürlich haben etliche Systeme ganz typische Probleme. Immerhin ist das eine Ein-Körper-WG, aus der eins nicht ausziehen kann. Auch eine Ein-Hirn-WG, was bedeutet, dass manchmal Persönlichkeiten nicht mitkriegen, was andere tun, denken, wollen.

Das sind aber praktische Probleme, die auch praktisch gelöst werden können. Systeme haben nicht zwangsläufig einen Leidensdruck oder wollen Teile von ihnen loswerden. Vielfach erfüllen einige auch Aufgaben, die andere oder eine "intergrierte" Persönlichkeit nicht könnten. Oder sie bieten Empfindungen, die nur innerhalb dieser Persönlichkeit möglich sind.

Kurz: Systeme können sich als bereichert empfinden. Auch wenn es uns Monos schwer fällt, das nachzuvollziehen. Heck, ich hab schon Schwierigkeiten eine physische WG als Bereicherung zu empfinden! Aber das ist unser Problem. Nicht per se behandlungsbedürftig.



Gesamt-tl;dr: Nicht so voreilig mit Diagnosen und Behandlungsbedarf. Nicht so übergriffig mit Ratschlägen und Meinungen. Auch wenn die eigenen Erlebnisse belasten und eins andere schützen und bewahren möchte. Die meisten Menschen wissen, was sie wollen und brauchen. Und wenn nicht, dann sind sie in der Regel auf der Suche und brauchen keine Bevormundung. Die meisten Probleme sind nicht so dramatisch, wie sie aussehen. Und die meisten Lösungen sind nicht so einfach, wie sie scheinen.



(1) Disclaimer: Meine Erfahrung beruht auf Beratung und Moderation, die ich in mehreren SHG für trans und nichtbinäre Menschen mache, ausserdem in Online-Selbsthilfeforen. Ich habe etliche Menschen in der Transition begleitet, die von einer dreistelligen Zahl beobachtet und bin in einigen Fachgruppen zu trans Themen. Ausserdem lese ich unheimlich gerne Studien und Fachbücher zum Thema.

(2) Zwei Drittel der trans Bevölkerung sieht sich binär trans. Die meisten möchten eine HET wenigstens beginnen und dann sehen. Ein Drittel ist nichtbinär, da wird häufig sehr lange gehadert, welche Effekte eins eigentlich will und braucht und ob und wie das hormonell oder anders geht.

(3) Ich habe ein paar Konferenzen für Therapeutys erlebt, und selbst bei den speziell auf TIN* ausgerichteten war das Level der "Profis" an Unverständnis, Vorurteilen und auf cis/bin/het basierenden Projektionen in der Regeln unglaublich fern von der Realität ihrer Klientys.
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 66 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Sorry Jaddy, so sehr ich dein umfassendes Wissen schätze, 99% von dem was du schreibst ist mir sehr wohl bewusst.

Ändert nichts an meinen Erfahrungen und macht meine Bekannten nicht wieder lebendig.

Du schreibst "informed consent" - nichts anderes will ich. Wo du die Informationen her bekommst, ist aber in meinen Augen nicht vollkommen gleichgültig.

Egal. Ihr spürt mal schon weiter, akzeptiert alles ungefragt. Ich bin raus. o7
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 67 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Knäckebrötchen hat geschrieben: So 15. Dez 2024, 21:32 [beleidigenden Unfug und haltlose Unterstellungen]
OK, ich hab es höflich mit Information und Aufklärung aus der realen Welt versucht, aber deine Antwort ist zum wiederholten Mal einfach nur beleidigend und voller Unterstellungen. Ich könnte weitere zweieinhalbtausend Wörter schreiben mit Statistiken und Studien.

Dass die Probleme von trans Personen, die zu Depressionen und auch Suizid führen, nicht durch das trans sein oder durch ihre nichtbinäre Identität entstehen, sondern vor allem durch die Widerstände der Umgebung. Durch die Vorurteile und Nichtachtung von Menschen, die sich das einfach nicht vorstellen können. Wie deine.
Dass von "den Profis" sehr viele keine Ahnung von trans haben und noch sehr viel weniger von nichtbinären Identitäten.
Dass sie dann lieber alles mögliche finden und zu pathologisieren versuchen, verhaftet in binären Genderstereotypen, statt sich auf die funktionierende Realität UND auf den Stand der Wissenschaft einzulassen.
Dass wir regelmässig deren Unfug und die seelischen Folgen in der Community auffangen müssen, um Menschen von schlimmen Dingen abzuhalten.

Aber all das würde wohl auch nichts ausrichten gegen deine Voreingenommenheit.

Ich sage dir so viel: Deine Art ist toxisch für Menschen, die nicht in dein Weltbild passen. Menschen wie meine peers. Du hilfst ihnen nicht mit deinen Scheindiagnosen und Vorverurteilungen. Du pathologisierst, was du nicht verstehst, weil du deine Gefühle nicht im Griff hast.

Aber deine Unterstellungen und Entwertung meiner, unserer Realität weise ich auf das schärfste zurück. Dazu fehlt dir jedes Recht und für diese Anmassung und Grenzüberschreitung und Übergriffigkeit ist eine Entschuldigung von dir überfällig.
Lana
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 68 im Thema

Beitrag von Lana »

Knäckebrötchen hat geschrieben: So 15. Dez 2024, 21:32 Egal. Ihr spürt mal schon weiter, akzeptiert alles ungefragt. Ich bin raus. o7
Es ist nicht egal.
Jeder empfindet anders.
Das muss man nicht werten.
Man sollte es am besten gar nicht erst versuchen. Die Gründe wurden ja nun ausführlich dargelegt.

Etwas wertfrei zur Kenntnis zu nehmen bedeutet nicht, dass man es akzeptiert.

Diese Einstellung ist im übrigen sehr hilfreich bei der Suche nach einer Antwort auf die Titelfrage dieses Themas.

LGL
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 69 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ich finde es erstaunlich, wie sehr sich Menschen in die Wolle bekommen, die eigentlich in vielen Grundzügen ähnlich ticken. Für mich sieht das eher danach aus, dass die Form den Inhalt überprägt. Oder der Ton macht die Musik. Menschen, die sich streiten, haben sich etwas zu sagen. Man muss nur die Ohren aufmachen und das wesentliche erkennen. Das liegt mMn nicht in den Worten des/der Anderen, sondern in der eigenen Reaktion. Die Schuld bei jemanden Anderen zu suchen ist einfach, die Verantwortung für die eigenen Reaktionen und Gefühle zu übernehmen zeugt von Weisheit und Reife. Die Kernfrage lautet, was lässt mich WIRKLICH wütend oder aggressiv werden ? Der Mensch gegenüber ist i.d.R. der Auslöser, nicht die Ursache. Der/die Andere legt den Finger in die Wunde, die Wunde aber liegt bei mir...

Ansonsten würde ich mich der versteckten Aufforderung, zum Thema zurück zu kehren, Lana anschließen.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Anne-Mette
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 70 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 16. Dez 2024, 06:36 Menschen, die sich streiten
ja, ich möchte auch noch einmal betonen, dass es sich hier um ein sehr persönliches und hoch emotionales Thema handelt.
Es geht nicht um den angemessenen Preis für ein Pfund Butter.
"Es gibt (fast) nichts, was es nicht gibt - und Vieles kann vielleicht auch nicht verstanden werden und "in Gedanken" flutscht auch mal etwas heraus, was unangemessen ist.
ABER das "geschriebene Wort" bleibt.
Deshalb möchte ich darum bitten, dass es beherzigt :heart: und berücksichtigt wird in weiteren Beiträgen, wenn auf Verletzungen aufmerksam gemacht wird.

Herzliche Grüße
Anne-Mette
Anja61
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 71 im Thema

Beitrag von Anja61 »

Hallo Sylvia,

mir geht es so ähnlich wie Dir, und ich danke Dir deshalb sehr für Deine Beiträge!
Ich habe noch nicht alle Posts zu diesem Thema gelesen. Für mich ist es wichtig, Vielleicht schreibe ich noch mehr dazu - im Home Office muss frau ja auch mal "richtig" arbeiten! (smili)

Tatsächlich muss ich mich auch überhaupt nicht feminin kleiden, um mich als Frau zu fühlen. Das hängt weder von Röcken noch von Schminke ab. Von einem Moment zum anderen fühle ich mich feminin und bewege mich kurz so oder auch nicht.
Ich entscheide oft situativ und spontan, ob ich jetzt eher Anja oder Bio-Mann sein möchte. Berufliche Situationen vielleicht ausgenommen, jedenfalls bei Präsenz im Büro. Selbst dann führe ich gerne "Frauengespräche", wenn möglich (Nagellack, Kleidung etc.), wenn auch erst seit kurzem. Habe keine Hemmungen mehr diesbezüglich. Wahrscheinlich ist das Teil meines Coming Outs.

Also ich weiß, dass ich trans bin! Aber ich habe Probleme mit Schubladenbeschriftungen: vielleicht bin ich ja auch genderfluid, wie Du - oder nonbinär, wie andere? Oder beides? Vielleicht etwas Drittes, Viertes, Fünftes?

Die genauen Unterschiede und Definitionen interessieren mich schon, also keine ironische Bemerkung zuvor. Aber bis dahin - ohne Arroganz - ich bin eben ich. Ich bin mensch - und ich bin einzigartig, wie jede(r).


Liebe Grüße
Anja
"Mein Name ist Mensch"

Rio Reiser
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