Streit um trans-Rechte eskaliert „Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente."
Streit um trans-Rechte eskaliert „Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente." - # 5

MiriamR
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 422
Registriert: Do 30. Apr 2020, 13:27
Geschlecht: MzF
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Dortmund
Hat sich bedankt: 88 Mal
Danksagung erhalten: 81 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 61 im Thema

Beitrag von MiriamR »

Blossom hat geschrieben: Mo 11. Apr 2022, 23:28 Würde ich gerne, aber ... nee, es wird egal in welcher Form nicht durchgehen. Würde mich zwar freuen, stehe dem aber sehr skeptisch gegenüber. Irgendwie tun wir uns in Deutschland ja mit allen Veränderungen sehr schwer ... bloß immer alles schön beim Alten belassen.
Dem schließe ich mich ungefragt einfach mal an......denn, das machen wir schon immer so.
Anne-Mette hat geschrieben: Mi 20. Apr 2022, 08:38 mit der Gesellschaft besser ins Gespräch zu kommen und nicht nur aus einer queeren Blase agieren
Stimmt, es muß für alles und alle eine Schublade geben und die einen sind "besser" oder "authentischer" als die anderen. Ansonsten sind wir alle nicht glücklich.
Anne-Mette hat geschrieben: Mi 20. Apr 2022, 08:38 ... denn ohne Rückhalt in der Gesellschaft wird es ein "Muster ohne Wert".
Allerdings. Denn mit dem Rückhalt in der Gesellschaft, ist auch die Akzeptanz verbunden.
Und ohne die Akzeptanz, ist alles nichts.

weibliche Grüße )))(:

Miriam
Have fun.....always.
Patricia
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 930
Registriert: So 13. Okt 2019, 21:55
Geschlecht: Ökotantenazubine
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 58 Mal
Danksagung erhalten: 100 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 62 im Thema

Beitrag von Patricia »

Allzu verletzend fand ich die Diskussion nicht. Da sind Töne die Herr Feddersen, Herr Amelung und Frau Engelken in anderen Medien/Formaten von sich geben teilweise deutlich schlimmer. Allerdings fand ich das Thema unsachlich diskutiert, denn wie so oft von den Gegnern der Self-ID wurde von der gesetzlichen Transition sehr schnell zur medizinischen Transition gewechselt und die Befürworter haben sich auf das Spiel eingelassen.
Interessant fand ich die Aussage von T.Amelung darüber, dass es vor 10 Jahren besser war mit trans und geschlechtsangleichenden Maßnahmen. Für mich bedeutet diese Aussage, dass sich diese Person die Rückkehr der Zwangsoperationen und der Zwangssterilisation wünscht und ebenso nicht binären Menschen abspricht das Geschlecht angleichen zu dürfen.
Generell wirkt seine Art und Weise auf mich so, als ob er massive Probleme mit seinem Selbstbewusstsein hätte und etwas braucht um sich von der Masse zu unterscheiden. Um sich besser zu fühlen. Es passt wunderbar in die Erfahrung die ich über das Internet mit ihm gemacht habe. Aber das ist nur mein Eindruck, ich mag mich irren...

Störend empfand ich, dass nicht darüber diskutiert wurde wie die Diskussionsteilnehmer ihre Transition erlebt haben, was sie erlebt haben, weil es persönliche Einzelfälle wären und dann aber mit Einzelfällen wie Keira Bell argumentiert wurde...

Ebenso interessant fand ich die Tatsache, dass J.Feddersen und E.Engeken sich dafür ausgesprochen haben, dass Transfrauen nicht in Schutzräume für Frauen gehören. Wenn man das Ganze mal umdreht und behauptet dass T.Amelung nicht in eine Männersauna gehört...Ob er dann immer noch genauso d'accord damit wäre???

LG
Patricia
Helga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1209
Registriert: Sa 9. Mär 2019, 22:07
Geschlecht: m, Feiertagsfrau
Pronomen: fallabhängig
Wohnort (Name): Norddeutschland
Hat sich bedankt: 91 Mal
Danksagung erhalten: 109 Mal
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 63 im Thema

Beitrag von Helga »

Interessant wie kontrovers das Thema geschlechtliche Selbstbestimmung selbst innerhalb einer Community diskutiert wird, die sich nun wirklich nicht nachsagen lassen muss irgendwelchen altmodischen Rollenvorstellungen nachzuhängen.
Patricia_cgn hat geschrieben: Sa 4. Jun 2022, 21:18 Allerdings fand ich das Thema unsachlich diskutiert, denn wie so oft von den Gegnern der Self-ID wurde von der gesetzlichen Transition sehr schnell zur medizinischen Transition gewechselt und die Befürworter haben sich auf das Spiel eingelassen.
Ich schätze, dass einige Befürworter (insgeheim) die Hoffnung hegen über einen geänderten Geschlechtseintrag (einfacher) an Leistungen der Solidargemeinschaft zu kommen.
Die ganze Diskussion erscheint mir aber irgendwie um des Kaisers Bart. Die Frage sollte nicht lauten: "Brauchen wir einen selbstbestimmten Geschlechtseintrag?" sondern "Wozu brauchen wir überhaupt einen Geschlechtseintrag im Personenstandsregister?"
Seitdem die Kreiswehrersatzämter nicht mehr wehrfähigen jungen Männern hinterherspüren müssen, und die Standesämter nicht mehr darau achten müssen dass ja keine gleichgeschlechtlichen Paare verheiratet werden dürfen, ist dieser Eintrag völlig nutzlos geworden. Ob ein Mensch zu einer 50% Anteilsgruppe der Gesellschaft gehört oder zu der anderen, hat auch für erkennungsdienstliche Zwecke wenig Nährwert. Mein Ausweis von 2014 enthält keinen Geschlechtseintrag. Mein Führerschein von 1985, der in altmütterlicher Sitte noch mit der Schreibmaschine ausgefüllt wurde, enthält zwar die Anreden Herr/ Frau- hier hat sich aber niemand die Mühe gemacht irgendetwas zu streichen.
Die pragmatischste Lösung wäre sämtliche Geschlechtseinträge, in welchen Registern auch immer, komplett abzuschaffen.
Wenn wir dann noch dazu übergehen unseren Kindern nur noch genderneutrale Vornamen zu geben, oder Doppelnamen aus männlichen und weiblichen Vornamen (Maria war in früheren Zeiten als zweiter Vorname bei Männern durchaus nicht unüblich) zu bilden, dann können spätere Generationen selbstbestimmt ihr Wunschgeschlecht leben, ohne sich hierfür bei irgendwelchen Ämtern offenbaren zu müssen.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
Mirjam
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1419
Registriert: Do 11. Mai 2017, 12:34
Geschlecht: Ökotante
Pronomen:
Wohnort (Name): Köln
Forum-Galerie: gallery/album/413
Hat sich bedankt: 63 Mal
Danksagung erhalten: 3 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 64 im Thema

Beitrag von Mirjam »

Hallo Helga, hallo Rest der Welt,
Helga hat geschrieben: Di 7. Jun 2022, 21:40 Ich schätze, dass einige Befürworter (insgeheim) die Hoffnung hegen über einen geänderten Geschlechtseintrag (einfacher) an Leistungen der Solidargemeinschaft zu kommen.
Der geänderte Geschlechtseintrag wird da aber nicht viel helfen, weil der rechtliche und der medizinische Weg getrennt sind. Das wurde alles schon soo oft hier diskutiert. Es mag ja sein, dass einige trotzdem diese Hoffnung haben, viel bringen wird es ihnen allerdings nicht.
Helga hat geschrieben: Di 7. Jun 2022, 21:40 Die ganze Diskussion erscheint mir aber irgendwie um des Kaisers Bart. Die Frage sollte nicht lauten: "Brauchen wir einen selbstbestimmten Geschlechtseintrag?" sondern "Wozu brauchen wir überhaupt einen Geschlechtseintrag im Personenstandsregister?"
Also ich könnte auch gut ohne Geschlechtseintrag im Reisepass (den ich derzeit sowieso nicht habe) oder in sonstigen Dokumenten leben. Wie das allerdings bei Reisen in andere Länder ist, wenn da kein Eintrag drinsteht, weiß ich nicht. Und was ist zum Beispiel bei Banken, Versicherungen etc., die so einen Eintrag trotzdem wollen oder meinen ihn zu brauchen, egal ob der nun im Melderegister stehe oder nicht?
Helga hat geschrieben: Di 7. Jun 2022, 21:40 Wenn wir dann noch dazu übergehen unseren Kindern nur noch genderneutrale Vornamen zu geben, oder Doppelnamen aus männlichen und weiblichen Vornamen (Maria war in früheren Zeiten als zweiter Vorname bei Männern durchaus nicht unüblich) zu bilden, dann können spätere Generationen selbstbestimmt ihr Wunschgeschlecht leben, ohne sich hierfür bei irgendwelchen Ämtern offenbaren zu müssen.
Mal abgesehen davon, dass es sehr viel Theorie und Wunschdenken ist, dass hier alle mitmachen, hilft uns das allerdings so rein garnichts mehr, die wir unseren Namen schon haben. Und da bin ich dann da, wo es für mich schwierig wird. Wenn jeder "offizielle" Brief an den alten Namen adressiert ist, wenn mir jedes mal ein dröhnendes "Sehr geehrter Herrrrrrrr ..." in die Augen springt, dann tut das einfach jedes mal weh. Und nein, da würde es nicht helfen, den Geschlechtseintrag im Melderegister abgeschafft zu haben. Bei einem als männlich zu erkennenden Namen wird das einfach so sein.

Mirjam
Patricia
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 930
Registriert: So 13. Okt 2019, 21:55
Geschlecht: Ökotantenazubine
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 58 Mal
Danksagung erhalten: 100 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 65 im Thema

Beitrag von Patricia »

Helga hat geschrieben: Di 7. Jun 2022, 21:40 Ich schätze, dass einige Befürworter (insgeheim) die Hoffnung hegen über einen geänderten Geschlechtseintrag (einfacher) an Leistungen der Solidargemeinschaft zu kommen.
Die ganze Diskussion erscheint mir aber irgendwie um des Kaisers Bart. Die Frage sollte nicht lauten: "Brauchen wir einen selbstbestimmten Geschlechtseintrag?" sondern "Wozu brauchen wir überhaupt einen Geschlechtseintrag im Personenstandsregister?"
Seitdem die Kreiswehrersatzämter nicht mehr wehrfähigen jungen Männern hinterherspüren müssen, und die Standesämter nicht mehr darau achten müssen dass ja keine gleichgeschlechtlichen Paare verheiratet werden dürfen, ist dieser Eintrag völlig nutzlos geworden. Ob ein Mensch zu einer 50% Anteilsgruppe der Gesellschaft gehört oder zu der anderen, hat auch für erkennungsdienstliche Zwecke wenig Nährwert. Mein Ausweis von 2014 enthält keinen Geschlechtseintrag. Mein Führerschein von 1985, der in altmütterlicher Sitte noch mit der Schreibmaschine ausgefüllt wurde, enthält zwar die Anreden Herr/ Frau- hier hat sich aber niemand die Mühe gemacht irgendetwas zu streichen.
Die pragmatischste Lösung wäre sämtliche Geschlechtseinträge, in welchen Registern auch immer, komplett abzuschaffen.
Wenn wir dann noch dazu übergehen unseren Kindern nur noch genderneutrale Vornamen zu geben, oder Doppelnamen aus männlichen und weiblichen Vornamen (Maria war in früheren Zeiten als zweiter Vorname bei Männern durchaus nicht unüblich) zu bilden, dann können spätere Generationen selbstbestimmt ihr Wunschgeschlecht leben, ohne sich hierfür bei irgendwelchen Ämtern offenbaren zu müssen.
Liebe Grüße
Helga
Es geht bei der Self-ID nicht nur um den Personenstand, sondern ebenfalls um das Recht zur Änderung des Vornamens. Und das ist für viele von uns schon fast wichtiger. Was nutzt es mir, wenn ich keine Post mehr bekomme die an Herrn so und so adressiert ist, wenn dann trotzdem immer noch mein alter Vorname steht???
Der Personenstand spielt überall eine Rolle, versuch dich mal irgendwo anzumelden und beantworte die Frage nach Mann/Frau/divers nicht und schon streikt (fast) jedes verdammte Anmeldeformular oder irgendjemand ergänzt der Personenstand anhand deines Vornamens.
Erkennungsdienstliche Zwecke spielen meiner Erfahrung nach im Alltag so gut wie keine Rolle und ob das Geschlecht im Ausweis steht oder nicht ebenso wenig. Wenn ich meinen Ausweis oder Führerschein mehr als einmal im Jahr vorzeigen muss, dann ist das schon eher eine Ausnahme. Aber sämtliche Post von der Bank, der Krankenkasse etc. benutzt meinen Personenstand und den Vornamen. Die Geschlechtsinkongruenz bzw. Dysphorie können eben schon durch ein Schreiben oder sonstiges durchaus auch getriggert werden. Ich denke das werden dir einige Betroffene bestätigen. Deswegen ist es wichtig dies unbürokratisch ändern zu dürfen.

Die Behauptung, dass einige Befürworter der Self-ID sich leichteren Zugang zu medizinischen Leistungen erhoffen ist an der Stelle auch eher ein Argument aus dem TERF-Lager, denn der rechtliche und der medizinische Weg sind getrennt. Du kannst die Transition komplett durchführen OHNE eine VäPä. Ausschlaggebend ist da eben die Begleittherapie und die sich daraus ergebenden Indikationen.

Sicherlich wäre es besser den Geschlechtseintrag komplett zu streichen, allerdings hilft es wie erwähnt nicht bei der Geschichte mit dem Vornamen und dann müssten auch andere Sachen wie z.B. die vergaben der Rentenversicherungsnummer ebenso überarbeitet werden da die beiden Ziffern nach dem Buchstaben ein Geschlechtsmarker sind. (Mann 00-49, Frau 50-99).


Die Geschlechtsinkongruenz bzw. Dysphorie können eben schon durch ein Schreiben oder sonstiges durchaus auch getriggert werden. Ich denke das werden dir einige Betroffene bestätigen.

LG
Patricia
Lavendellöwin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3263
Registriert: Do 6. Sep 2018, 15:56
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Hat sich bedankt: 552 Mal
Danksagung erhalten: 912 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 66 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Helga hat geschrieben: Di 7. Jun 2022, 21:40 Maria war in früheren Zeiten als zweiter Vorname bei Männern durchaus nicht unüblich

Hey...

soweit ich weiss, war Maria der einzige weibliche Name, der aus der christlichen Tradition her
und nur als Zweitname erlaubt war.

Das hier ist der Sachstand zum Namensrecht..

https://www.bundestag.de/resource/blob/ ... f-data.pdf

und tatsächlich finde ich inzwischen manche neutrale Namen ganz schön wie
Kaya, Lean oder Jules..wenn man genau hinschaut gibt es super viele Möglchkeiten ohne
weitere Diskussion eine gute Umsetzung hinzubekommen.
Ich selbst habe Emmi als Name ja von einem sehr guten Freund bekommen und irgendwie
auch eher neutral wahrgenommen.

Ja, und rein theoretisch ist es ja schon eine ganze Weile möglich zu sagen das Kind entspricht
nicht einer rein "weiblichen" oder "männlichen" Biologie und deshalb wird divers eingetragen oder kein Eintrag vorgenommen.
Eine Entscheidung für weiblich oder männlich ist einfach nicht mehr nötig. Ja und kein Standesamt schaut sich
das nochmal physisch an...
Ich hab es schon x mal gesagt, bei mir stand auch kein "Geschlecht" in der Geburts- oder Abstammungsurkunde.
Es wurde aber auf Grund des männlich konotierten alten Vornamens später so angenommen.

Ich mochte meinen alten Vornamen sogar ganz gerne-er ist aber halt männlich konotiert gewesen.

Das nochmal "leicht" erklärt

https://www.bundestag.de/resource/blob/ ... 9-data.pdf

ich melde mich gleich nochmal, weil ich gerne noch was zu Miri und Patricia schreiben möchte..

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Lavendellöwin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3263
Registriert: Do 6. Sep 2018, 15:56
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Hat sich bedankt: 552 Mal
Danksagung erhalten: 912 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 67 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Patricia_cgn hat geschrieben: Mi 8. Jun 2022, 19:44 Sicherlich wäre es besser den Geschlechtseintrag komplett zu streichen, allerdings hilft es wie erwähnt nicht bei der Geschichte mit dem Vornamen und dann müssten auch andere Sachen wie z.B. die vergaben der Rentenversicherungsnummer ebenso überarbeitet werden da die beiden Ziffern nach dem Buchstaben ein Geschlechtsmarker sind. (Mann 00-49, Frau 50-99).
Hey...

so im Nachgang könnte man fragen, warum hier im Zuge der Einführung der Steuer-ID nicht auch
die "geschlechtliche" Zuordnung über den Zahlencode aufgehoben wurde. Es ist ja nur eine
eindeutige Zuordnung nötig. Die mit der Steuer-ID verknüpften Daten kommen vom Bundeszentralamt.
Welche Daten welche Behörde braucht könnte da ja auch übergreifend geregelt sein,
es sind Sperrvermerke möglich womit ehemalige Namen und ja das "Geschlecht" belegt werden könnten.


Ich hatte eine 006, irgendwie fand ich das witzig..

Mhm..ja der Datenschutz und möglicher Identitätsdiebstahl sind aber schon ein Thema dabei.
Patricia_cgn hat geschrieben: Mi 8. Jun 2022, 19:44 Der Personenstand spielt überall eine Rolle, versuch dich mal irgendwo anzumelden und beantworte die Frage nach Mann/Frau/divers nicht und schon streikt (fast) jedes verdammte Anmeldeformular oder irgendjemand ergänzt der Personenstand anhand deines Vornamens.
Mal unter uns-legst du neue Accounts immer noch mit deinem Deadname an?
Mirjam hat geschrieben: Mi 8. Jun 2022, 19:37 Wenn jeder "offizielle" Brief an den alten Namen adressiert ist, wenn mir jedes mal ein dröhnendes "Sehr geehrter Herrrrrrrr ..." in die Augen springt, dann tut das einfach jedes mal weh. Und nein, da würde es nicht helfen, den Geschlechtseintrag im Melderegister abgeschafft zu haben. Bei einem als männlich zu erkennenden Namen wird das einfach so sein.
Patricia_cgn hat geschrieben: Mi 8. Jun 2022, 19:44 Erkennungsdienstliche Zwecke spielen meiner Erfahrung nach im Alltag so gut wie keine Rolle und ob das Geschlecht im Ausweis steht oder nicht ebenso wenig. Wenn ich meinen Ausweis oder Führerschein mehr als einmal im Jahr vorzeigen muss, dann ist das schon eher eine Ausnahme. Aber sämtliche Post von der Bank, der Krankenkasse etc. benutzt meinen Personenstand und den Vornamen. Die Geschlechtsinkongruenz bzw. Dysphorie können eben schon durch ein Schreiben oder sonstiges durchaus auch getriggert werden.
Seid mir nicht böse-aber viele Banken und Versicherungen kommen den Kundys da schon entgegen.
Dann steht da vielleicht auch noch der ehemalige Name irgendwo-so war es bei mir z.B. im Kundenstammvertrag
meiner Hausbank. Der ehemalige Name fand aber nach aussen keine Verwendung mehr.
Sicher man muss dann mit denen reden, dafür bekommt man aber auch Anerkennung.

Spannend war mal ein Gespräch

Mitarbeiterin: "kann ich ihren Mann sprechen, in den Kundendaten steht ein Herr.."
ich: "nein, nein, das bin schon ich, ich bin trans*"
Mitarbeiterin: "achso, ich dachte Sie wären eine Frau"
ich: "ja, bin ich ja auch"

Bei mir hatte auch die Krankenkasse keine Probleme (wer zahlt nochmal die Hormone?)
und die Agentur für Arbeit wegen Nahtlosigkeitsregelung.
Sogar die Meldungen ans Finanzamt gingen mit meinen richtigen Namen raus und nie hat eine Person nachgefragt.
Und das zeigt wenn die Nummer eindeutig ist, interessiert sonst ein Eintrag dazu kaum noch-nur
gings mir damit besser...

und wenn mal noch irgendwo ein "er" oder "Herr" kommt oder draufsteht weil es alte Schaltjahrkontakte
sind ist mir das inzwischen sowas von egal oder ich änder es dann wenn ichs nochmal brauchen könnte.
Als persönlichen Angriff sehe ich es jedenfalls nicht mehr..von dem Menschen von früher hab ich mich
mental völlig abgelöst..

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Mirjam
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1419
Registriert: Do 11. Mai 2017, 12:34
Geschlecht: Ökotante
Pronomen:
Wohnort (Name): Köln
Forum-Galerie: gallery/album/413
Hat sich bedankt: 63 Mal
Danksagung erhalten: 3 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 68 im Thema

Beitrag von Mirjam »

EmmiMarie hat geschrieben: Do 9. Jun 2022, 12:19 Seid mir nicht böse-aber viele Banken und Versicherungen kommen den Kundys da schon entgegen.
Dann steht da vielleicht auch noch der ehemalige Name irgendwo-so war es bei mir z.B. im Kundenstammvertrag
meiner Hausbank. Der ehemalige Name fand aber nach aussen keine Verwendung mehr.
Ja Marie, einige Versicherungen machen das wohl, vielleicht ja auch viele. Ich habe es bei allen meinen Versicherungen versucht — da war rein garnichts zu machen. Ich müsste da eine offizielle Namensänderung vorlegen, vorher sei das nicht möglich. Und bei meiner Bank ist es schon rein deswegen schwierig, weil die dort ist, wo ich ursprünglich herkomme, und das sind von hier aus um die 500 Kilometer. Da fahre ich nicht einfach mal eben so hin und versuche es, nur um dann wahrscheinlich nicht wirklich was zu erreichen.

Manche haben eben Glück und andere nicht. Und manchmal kommt dann auch noch Pech dazu ...

LG, Mirjam
Patricia
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 930
Registriert: So 13. Okt 2019, 21:55
Geschlecht: Ökotantenazubine
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 58 Mal
Danksagung erhalten: 100 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 69 im Thema

Beitrag von Patricia »

EmmiMarie hat geschrieben: Do 9. Jun 2022, 12:19

Hey...

so im Nachgang könnte man fragen, warum hier im Zuge der Einführung der Steuer-ID nicht auch
die "geschlechtliche" Zuordnung über den Zahlencode aufgehoben wurde. Es ist ja nur eine
eindeutige Zuordnung nötig. Die mit der Steuer-ID verknüpften Daten kommen vom Bundeszentralamt.
Welche Daten welche Behörde braucht könnte da ja auch übergreifend geregelt sein,
es sind Sperrvermerke möglich womit ehemalige Namen und ja das "Geschlecht" belegt werden könnten.
Hallo Marie,

irgendwie verstehe ich das hier nicht ganz. Die Steuer-ID ist meines Wissens ja unabhängig vom Geschlecht und beinhaltet keine Daten, die sich irgendwie aus den persönlichen Daten ableiten lassen. Das ist bei der Rentenversicherungsnummer ganz anders.
EmmiMarie hat geschrieben: Do 9. Jun 2022, 12:19 Mal unter uns-legst du neue Accounts immer noch mit deinem Deadname an?
Nein, tue ich schon lange nicht mehr, wenn ich es nicht muss. Es ging mir in diesem Zusammenhang nur um das, was Helga vorgeschlagen hat, denn oft ist es die Privatwirtschaft, die diese Daten als unbedingt notwendig ansieht.
EmmiMarie hat geschrieben: Do 9. Jun 2022, 12:19 Seid mir nicht böse-aber viele Banken und Versicherungen kommen den Kundys da schon entgegen.
Dann steht da vielleicht auch noch der ehemalige Name irgendwo-so war es bei mir z.B. im Kundenstammvertrag
meiner Hausbank. Der ehemalige Name fand aber nach aussen keine Verwendung mehr.
Sicher man muss dann mit denen reden, dafür bekommt man aber auch Anerkennung.
...
Meine Bank stellte mir zwar eine passende Bankkarte aus, aber das Konto wird dennoch weiterhin auf den Deadname geführt und jegliche Post wird ebenso an Herrn ... geschickt. Angeblich geht es nicht anders. Ich sehe meinen Deadname jedesmal groß, rot und fett, wenn ich mich im Bankingportal einlogge.
Meine Krankenkasse sagt ebenfalls, den Namen kann man ändern, wenn die VäPä durch ist. Es gibt etliche andere Stellen, wo es ähnlich ist.
Ja, das Arbeitsamt und das Jobcenter sind da sehr kulant, da reichte ein Schreiben dazu aus und schwupps wurde es umgestellt.
Bei der Rentenversicherung ist es aber immer noch Herr ... Beim Vermieter ist es ebenso, kann man erst nach der VäPä ändern.

Ich sehe es nicht als persönlichen Angriff, aber es tut mir einfach weh. Ich kann damit einigermaßen leben, wobei ich mich frage was passieren wird, wenn ich mal zum polnischen Konsulat muss, die sind da echt unentspannt. Es gibt aber Menschen, die damit wesentlich größere Probleme haben, und für diese Menschen finde ich es enorm wichtig, dass ein Selbstbestimmungsgesetz kommt. Mich selbst betrifft es ja nicht mal, da ich polnische Staatsbürgerin bin.

LG
Patricia
Lavendellöwin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3263
Registriert: Do 6. Sep 2018, 15:56
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Hat sich bedankt: 552 Mal
Danksagung erhalten: 912 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 70 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Patricia_cgn hat geschrieben: Do 9. Jun 2022, 15:36 Die Steuer-ID ist meines Wissens ja unabhängig vom Geschlecht und beinhaltet keine Daten, die sich irgendwie aus den persönlichen Daten ableiten lassen. Das ist bei der Rentenversicherungsnummer ganz anders.
Mhm..die Steuer-ID hat einen verknüpften Dateninhalt und beim BZSt sind für die Identifikation
einer steuerpflichtigen Person erforderliche Daten und die zuständige Finanzbehörde,
also das Wohnsitzfinanzamt gespeichert.

Für eine natürliche Person steht das im -§139b Absatz 3 der AO Abgabenerordnung.
Da steht also zum Beispiel, das Geschlecht an Nummer 7 des verknüpften Datensatzes.
Da steht sogar Tag und Ort der Geburt oder Doktortitel..

so hatte ich das zumindest mal verstanden.

Miri, Patricia..ich weiss es nicht, warum wir da unterschiedlich behandelt wurden.
Ich wollte nur zeigen, das es anders geht und dabei hatte mir der DGTI Ausweis dann
doch sehr geholfen..sorry es war nicht mehr Absicht, euch da zu verletzen..

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Patricia
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 930
Registriert: So 13. Okt 2019, 21:55
Geschlecht: Ökotantenazubine
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 58 Mal
Danksagung erhalten: 100 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 71 im Thema

Beitrag von Patricia »

Liebe Marie,
wir beide fühlen uns durch Dich definitiv nicht verletzt, nicht im Mindesten. (dr)
Wir wollten beide auch nur aufzeigen, dass es da durchaus Probleme im Alltag geben kann, die für manche scheinbar unüberwindbar sind.
Wir befürworten beide das Selbstbestimmungsgesetz, da es sich hierbei um einen reinen Verwaltungsakt handelt, der jederzeit wieder rückgängig gemacht werden kann und wenig Schadenspotential hat.
(Diesen Absatz habe ich mir Mirjams Zustimmung geschrieben.)

Was ich wegen der Sozialversicherungsnummer meinte ist, dass jede beliebige Person aus der Sozialversicherungsnummer dein Geschlecht direkt ableiten kann. Aus der Steuer-ID ist dies nur möglich, wenn die Person Zugang zu den gespeicherten Daten hat. Das ist für mich ein großer Unterschied.

Der dgti-Ausweis ist in der Tat sehr hilfreich, da die Leute oft annehmen, er hätte eine rechtliche Aussagekraft, was aber definitiv nicht so ist.

LG
Mirjam und Patricia
Helga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1209
Registriert: Sa 9. Mär 2019, 22:07
Geschlecht: m, Feiertagsfrau
Pronomen: fallabhängig
Wohnort (Name): Norddeutschland
Hat sich bedankt: 91 Mal
Danksagung erhalten: 109 Mal
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 72 im Thema

Beitrag von Helga »

Mirjam hat geschrieben: Mi 8. Jun 2022, 19:37 weil der rechtliche und der medizinische Weg getrennt sind.
Patricia_cgn hat geschrieben: Mi 8. Jun 2022, 19:44 denn der rechtliche und der medizinische Weg sind getrennt.
Im Grundsatz ist das zunächst einmal völlig richtig. Aber denkt bitte mal einen Schritt weiter. Auch nach Einführung eines Selbstbestimmungsgesetzes wird es weiterhin Menschen geben, die eine körperliche Angleichung anstreben. Für diese und über diese müssen Gutachten erstellt werden. Die mit der Gutachtenerstellung beauftragten Fachpersonen werden einen selbstbestimmt geänderten Geschlechtseintrag dankbar als Argument aufgreifen, müssen sie doch nicht mehr ausschließlich mit diffusen Empfindungen und schwer meßbarem Leidensdruck argumentieren, sondern haben ein hartes Faktum an der Hand, dass sich auch noch durch behördliche Dokumente belegen lässt. Um dies verkürzt darzustellen: "Frau XY trägt bereits seit dem 31.02.2023 die selbstgewählte Geschlechtsbezeichnung Frau. Jetzt ist es konsequent und dringend dies auch auf körperlicher Ebene umzusetzen."
Auch wenn der rechtliche und der medizinische Wege klar getrennt sind, wird es immer wieder Menschen geben, die hier Verbindungen herstellen, weil sie sich daraus Vorteile erhoffen.
Patricia_cgn hat geschrieben: Mi 8. Jun 2022, 19:44 oder irgendjemand ergänzt der Personenstand anhand deines Vornamens
In der Regel nicht irgendjemand sondern irgendetwas, nämlich ein Computerprogramm. Es ist schon hahnebüchen, dass einem Logarithmus die Prokura verliehen wird uns ein Geschlecht zuzuweisen. Ich bekomme regelmäßig Nachrichten beginnend mit "Sehr geehrte Frau B...", und das auch von Absendern, bei denen ich mich nicht mit weiblichem Vornamen angemeldet habe. Auch die netten kleinen Werbeeinblendungen, die mich dazu verführen wollen dieses Kleid oder jene Kosmetik zu kaufen tun ihr übriges dazu. Jetzt bin ich in der glücklichen Lage mich weder auf die eine noch auf die andere Weise mißgegendert zu fühlen. Aber auch sonst würde ich solchen Ansprachen keine Bedeutung beimessen, denn Maschinen haben kein Geschlecht. Ich würde mir für euch wünschen, dass ihr euch soviel Resilienz zulegt von außen kommende Geschlechtszuweisungen einfach abprallen zu lassen, insbesondere wenn diese nur auf Nullen und Einsen basieren.
Niemand kennt dein Geschlecht besser als du selbst, also lass dich nicht verunsichern!
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
Lavendellöwin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3263
Registriert: Do 6. Sep 2018, 15:56
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Hat sich bedankt: 552 Mal
Danksagung erhalten: 912 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 73 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Helga hat geschrieben: Do 9. Jun 2022, 21:09 Ich würde mir für euch wünschen, dass ihr euch soviel Resilienz zulegt von außen kommende Geschlechtszuweisungen einfach abprallen zu lassen, insbesondere wenn diese nur auf Nullen und Einsen basieren.
Hallo Helga..

da gebe ich dir vollkommen Recht! Das wünsche ich mir auch für viele..die kommt aber auch nach
und nach und irgendwann steht man da drüber...
Helga hat geschrieben: Do 9. Jun 2022, 21:09 Im Grundsatz ist das zunächst einmal völlig richtig. Aber denkt bitte mal einen Schritt weiter. Auch nach Einführung eines Selbstbestimmungsgesetzes wird es weiterhin Menschen geben, die eine körperliche Angleichung anstreben. Für diese und über diese müssen Gutachten erstellt werden. Die mit der Gutachtenerstellung beauftragten Fachpersonen werden einen selbstbestimmt geänderten Geschlechtseintrag dankbar als Argument aufgreifen, müssen sie doch nicht mehr ausschließlich mit diffusen Empfindungen und schwer meßbarem Leidensdruck argumentieren, sondern haben ein hartes Faktum an der Hand, dass sich auch noch durch behördliche Dokumente belegen lässt. Um dies verkürzt darzustellen: "Frau XY trägt bereits seit dem 31.02.2023 die selbstgewählte Geschlechtsbezeichnung Frau. Jetzt ist es konsequent und dringend dies auch auf körperlicher Ebene umzusetzen."
Auch wenn der rechtliche und der medizinische Wege klar getrennt sind, wird es immer wieder Menschen geben, die hier Verbindungen herstellen, weil sie sich daraus Vorteile erhoffen.
Eben hatte ich so grosse Fragenzeichen in den Augen, das mir das Sehen schwer gefallen ist.
Der ganze Absatz ist zumindest maximal seltsam.
Für die körperliche Angleichung braucht es keine "Gutachten" das sind "indikationsschreiben"..

ich stelle dir mal eines Beispielsweise hier rein, damit du siehst wie da die Wortlaute sein können.

Indikation zur Hormonbehandlung

Klientin: xxx *22.08.1973


Diagnose: Transsexualität (ICD-10 F64.0)

Anmerkung: Da sich die Klientin eindeutig als Frau fühlt und den weiblichen
Vornamen wünscht, wird im folgenden Bericht die weibliche
Form benutzt.

Aktuelle Anamnese:
Frau xxx befindet sich seit dem Datum bei mir in therapeutischer
Begleitung. Insgesamt fanden bisher acht Gespräche statt. Anlass der Beratung war
eine deutlich ausgeprägte Geschlechtsdysphorie, die seit ihrer Kindheit bestehe.
Diese sei in der Pubertät zunehmend stärker geworden, und sie wünsche sich nun,
endlich voll und ganz als Frau zu leben. Die Klientin unternahm während der
mehrmonatigen Begleitung konsequent Schritte im Sinne einer Alltagserprobung. So
informierte sie ihre Partnerin, ihre Freunde und ihren Arbeitgeber über die
Transsexualität. Sie begann eine kosmetische Behandlung zur Haarentfernung und
ein Stimmtraining zur Stimmanhebung. Sie brachte deutlich zum Ausdruck, dass sie
den Weg der Geschlechtsanpassung gehen wolle und sie sich absolut sicher sei,
dass dies für sie die einzig richtige Entscheidung sei. Die Klientin ist über die
Diagnose Transsexualität informiert und sehe für sich keine alternativen Optionen zu
einer körpermodifizierenden Behandlung, um die Geschlechtsdysphorie zu
verringern.

Frau xxx befindet sich seit Datum bei Frau xxx in
Psychotherapie, nachdem im Frühjahr eine leicht depressive Stimmungslage
vorherrschte. Diese habe sich jedoch gebessert und es ergaben sich in der
bisherigen therapeutischen Begleitung keine Hinweise auf eine komorbide
psychische Störung.

Zusammenfassende Bewertung:
Frau xxx konnte im Rahmen der acht therapeutischen Sitzungen glaubhaft
versichern, dass bei ihr seit der Kindheit eine tiefgreifende gegengeschlechtliche
Identifikation und ein deutliches Unbehagen hinsichtlich der biologischen
Geschlechtszugehörigkeit existieren. Die Klientin konnte weiterhin glaubhaft machen,
dass sie den starken Wunsch habe, im weiblichen Geschlecht zu leben. Im
Behandlungsverlauf zeigte sie eine konsequente Übernahme der weiblichen
Geschlechterrolle in verschiedenen sozialen Kontexten.

Es ist zum jetzigen Zeitpunkt mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
sich ihr Zugehörigkeitsempfinden zum weiblichen Geschlecht nicht mehr ändern
wird.

Eine hormonelle Behandlung ist somit indiziert und wird empfohlen.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

das war mein Indikationsschreiben für die HRT von vor 4 Jahren.
Wie du siehst kommt da ein rechtlicher Bezug gar nicht vor und die einzige
die einen Vorteil hatte, war ich weil ich die HRT starten konnte..

das Einzige was ich mir heute wünschen würde, wäre stellenweise ein
etwas anderer Wortlaut, ich musste damals keine schwierigen oder
belastenden Fragen an der Stelle beantworten-für die 2te Indikation schon.
Und ich schätze immer noch die Zeit die ich mit meiner Begleitthera hatte.

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Patricia
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 930
Registriert: So 13. Okt 2019, 21:55
Geschlecht: Ökotantenazubine
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 58 Mal
Danksagung erhalten: 100 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 74 im Thema

Beitrag von Patricia »

Helga hat geschrieben: Do 9. Jun 2022, 21:09 Im Grundsatz ist das zunächst einmal völlig richtig. Aber denkt bitte mal einen Schritt weiter. Auch nach Einführung eines Selbstbestimmungsgesetzes wird es weiterhin Menschen geben, die eine körperliche Angleichung anstreben. Für diese und über diese müssen Gutachten erstellt werden. Die mit der Gutachtenerstellung beauftragten Fachpersonen werden einen selbstbestimmt geänderten Geschlechtseintrag dankbar als Argument aufgreifen, müssen sie doch nicht mehr ausschließlich mit diffusen Empfindungen und schwer meßbarem Leidensdruck argumentieren, sondern haben ein hartes Faktum an der Hand, dass sich auch noch durch behördliche Dokumente belegen lässt. Um dies verkürzt darzustellen: "Frau XY trägt bereits seit dem 31.02.2023 die selbstgewählte Geschlechtsbezeichnung Frau. Jetzt ist es konsequent und dringend dies auch auf körperlicher Ebene umzusetzen."
Auch wenn der rechtliche und der medizinische Wege klar getrennt sind, wird es immer wieder Menschen geben, die hier Verbindungen herstellen, weil sie sich daraus Vorteile erhoffen.
Liebe Helga, bitte verzeih mir, aber das ist so nicht richtig. Bereits jetzt ist es möglich und auch des Öfteren der Fall, dass die VäPä bereits vor jeglichen medizinischen Eingriffen stattfindet, teilweise sogar noch VOR der Hormonersatztherapie. Auch in diesem Fall müssen die entsprechenden Ärzte belegen, dass die Patienten unter Geschlechtsdysphorie/-inkongruenz leiden und sich der Leidensdruck durch therapeutische Maßnahmen nicht auf ein erträgliches Maß mindern lässt. Ebenso sind aktuell mindestens 12 Sitzungen à 50 Minuten (alternativ 24 Sitzungen à 25 Minuten) Begleittherapie dazu notwendig und werden von den Krankenkassen verlangt. Die Krankenkassen verlangen auch oft, dass du dich bereits ein Jahr in der Alltagserprobung befindest und dazu reicht die eigene Angabe nicht aus, es wird die Zeit gerechnet, die du dich in der Begleittherapie befindest.

Da nimmt der Therapeut normalerweise nicht die Gutachten der VäPä und beruft sich auf diese. Im Gegenteil, die Gutachten zur VäPä können sogar in manchen Fällen zur Ablehnung einer OP seitens Krankenkasse/MDK benutzt werden, wenn dort Sachen stehen, die von den Krankenkassen als Ausschlussgrund dienen. So ist es z.B. bei Suizidgedanken in Zusammenhang mit der Geschlechtsdysphorie.
Ebenso müssen für die OPs bestimmte Zeiten erfüllt werden. Für eine Brustvergrößerung werden 24 Monate Hormontherapie sowie Körbchengrösse < A benötigt.
Du kannst evtl. selbst HIER nachschauen was notwendig ist um die geschlechtsangleichenden Operationen genehmigt zu bekommen.

LG
Patricia
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 4108
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 325 Mal
Danksagung erhalten: 1436 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Streit um trans„Rechte eskaliert "Wer die offene Debatte scheut, hat keine Argumente.“

Post 75 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Helga hat geschrieben: Do 9. Jun 2022, 21:09 Auch nach Einführung eines Selbstbestimmungsgesetzes wird es weiterhin Menschen geben, die eine körperliche Angleichung anstreben. Für diese und über diese müssen Gutachten erstellt werden. Die mit der Gutachtenerstellung beauftragten Fachpersonen werden einen selbstbestimmt geänderten Geschlechtseintrag dankbar als Argument aufgreifen, müssen sie doch nicht mehr ausschließlich mit diffusen Empfindungen und schwer meßbarem Leidensdruck argumentieren, sondern haben ein hartes Faktum an der Hand, dass sich auch noch durch behördliche Dokumente belegen lässt. Um dies verkürzt darzustellen: "Frau XY trägt bereits seit dem 31.02.2023 die selbstgewählte Geschlechtsbezeichnung Frau. Jetzt ist es konsequent und dringend dies auch auf körperlicher Ebene umzusetzen."
Auch wenn der rechtliche und der medizinische Wege klar getrennt sind, wird es immer wieder Menschen geben, die hier Verbindungen herstellen, weil sie sich daraus Vorteile erhoffen.
Hm ja. Denkbar. Vielleicht wird das sogar manchmal ein Teil der Indikation sein. Und warum auch nicht. Einen großen Schritt der sozialen Transition bereits getan zu haben wäre ja faktisch eine Art Alltagstest und damit ein Argument, dass die Person Erfahrungen gesammelt hat.


Ich möchte aber noch eine Anmerkung machen zum Thema "wieso diesen Eintrag" und "lasst doch solche Zuweisungen abprallen machen". Gerade ich (und ein großer Anteil der nichtbinären Wesen) hätte auch lieber eine Gesellschaft, in der Gender als Kategorie maximal die Bedeutung der Lieblingfarbe hat. Ja, vielleicht sichtbar, im Ernstfall respektiert, aber eigentlich unwichtig im täglichen Umgang, weil alle mit allen Varianten umgehen können. Dann könnte der Eintrag auch entfallen. Staatlicherseits wird er eh quasi nirgendwo wirklich gebraucht. Verfassungsmässig auch nicht.

Leider steckt aber die ständige Kategorisierung selbst uns allen in den Hirnen. Wir sind auf die blitzschnelle Zuordnung trainiert und schalten zwischen zwei Haupt-Schemata im Umgang um. Also zB Anrede, Vokabular, Abstand, Körpersprache, was wir der Person zutrauen. Es wird noch eine Zeit lang und viel Sichtbarkeit von nicht-cis und auch nicht-binären Menschen dauern, bis sich das ändert. Und so lange ist es nützlich, sich mit einem amtlichen Eintrag und ggf auch Rechtsmitteln die Beachtung der eigenen Zuordnung in der cis(-binären) Welt erstreiten zu können. Ich hoffe sogar darauf, dass die Selbstbestimmung, die manche als Beliebigkeit fehlinterpretieren, paradoxerweise zu mehr Akzeptanz führt. Wenn nämlich durch die Praxis klar wird, dass es wie in den anderen Ländern mit Self-ID keinen "Missbrauch" und keinen Weltuntergang gibt, sondern im besten Fall geschlechtliche Unterscheidungen dort wegfallen, wo sie überflüssigerweise auftauchen, dafür aber tatsächlich beachtet werden, wo sie relevant sind.
Antworten

Zurück zu „Politik - Initiativen - Forderungen“