Liebe Linda,
Linda Hostedder hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 09:52
Ich sitze hier gerade im kurzen Lederkleid. Weil ich es kann und weil ich alleine hier bin. Trotzdem trage ich eigentlich eher lieber etwas unaufdringlicheres, denn wenn hier tatsächlich mal jemand vor der Tür steht und man sich vielleicht sogar outet, dann sollte das Outfit vielleicht nicht direkt mit dem "Arsch ins Gesicht" springen. Gleichzeitig sagt meine Frau manchmal zu mir, dass ich mich zu altbacken anziehe.
Du trägst ein kurzes Lederkleid, weil du allein bist. Aber eigentlich ist es dir zu aufdringlich. Es könnte ja jemand an der Tür klingeln.
Ich finde das interessant, weil es auf mich fast so wirkt, dass du an deinem Lederkleid keine so rechte Freude hast, schließlich möchtest du mit deiner Kleidung niemanden überfordern.
Bitte korrigiere mich, wenn ich falsch liegen sollte, ich möchte dir nichts unterstellen
Warum greife ich das auf?
Weil es wahrscheinlich Vielen so ähnlich geht. Sie haben ein schönes Outfit, das aber aus irgendwelchen Gründen unpassend erscheint.
Hier wurde ja schon viel geschrieben über Anlass, Umgebung, und wie das alles mit der "passenden" Kleidung zusammenhängt. Grundsätzlich gehe ich da mit, auch wenn ich sicherlich eine andere Einstellung dazu habe, was angemessen ist und was nicht. Aber zu Hause? Da hast du doch alle Freiheiten und musst auf niemanden Rücksicht nehmen, außer auf deine Frau. Und die findet dich manchmal eher "altbacken". Ich muss sagen, so recht verstehe ich deine Bedenken nicht.
Ich trage selbst gerne Leder, inzwischen auch vermehrt Kunstleder. Zu meinem Glück wird das von der gängigen Mode unterstützt. Leggins, Röcke, Hosen aus diesem Material sieht man viel mehr als noch vor ein paar Jahren. Das macht es mir leichter, mich damit rauszutrauen. Ich fühle mich wohl, stelle aber fest, dass ein Lederrock immer noch viele Blicke auf sich zieht. Bei Leggins ist das nicht so, bei Hosen kommt es auf den Schnitt an. Lederkleider sind tatsächlich immer noch recht selten im Alltag. Auch ich kann die Anlässe an einer Hand abzählen, wo ich draußen mal eins anhatte. Sie sind nicht wirklich alltagstauglich, sondern eher für die Party, den Club, oder festliche Anlässe geeignet und bleiben daher was besonderes,
"Altersgerecht" bin ich ohnehin selten gekleidet. Meine Partnerin sagt dann gerne, dass ich doch keine 20 mehr sei...
Ihr ist es zu auffällig, wie ich unterwegs bin. Allerdings ist es stimmig, und passt auch meist zu mir. So bekomme ich das zumindest gesagt.. Manchmal passt es auch nicht so gut. Teilweise ist mir das vorher schon klar, aber ich will es dann so und fühle mich hoffentlich wohl damit. Ab und zu gibt's auch mal einen Fehlgriff - am ehesten, wenn ich den Anlass nicht einschätzen kann und dann overdressed bin. Nun gut, immer noch besser, als andersrum
Ob es meinem Umfeld unangenehm ist, interessiert mich hauptsächlich dann, wenn mir die Leute bekannt sind. In der Anonymität der Fußgängerzone nehme ich da wenig Rücksicht auf vermutete Befindlichkeiten. Im Bekanntenkreis ist das anders, schon weil ich die Befindlichkeiten kenne. Aber im großen und ganzen verfahre ich auch da nach dem Motto:
So lange es keine Beschwerden gibt, ist wohl alles in Ordnung. Und das kommt so gut wie gar nicht vor.
Also alles gut?
Nein, komischerweise nicht, sonst hätte ich ja nicht so viel geschrieben.
Ich wundere mich immer wieder über mich selbst, wie dieser Gedanke
Linda Hostedder hat geschrieben: Di 6. Feb 2024, 09:52
Am Ende ist die Quintessenz tatsächlich, dass man sich selbst wohl fühlen sollte, es aber für den Gegenüberstehenden nicht zu unangenehm wird
mich viel zu sehr beschäftigt. Viel mehr, als ich eigentlich möchte. Dabei geht manchmal die Freude an der Sache verloren und ich ziehe dann doch was Langweiliges, Unauffälliges an, und nicht das, was ich ursprünglich wollte. Und wieder ist ein Farbtupfer weniger im Einheitsgrau unterwegs.
Manchmal bleibe ich bei meiner Entscheidung, aber es fühlt sich dann an, wie die Trotzreaktion eines zornigen Kindes.
wenigstens eine/r hat hier mal einen Rock an
Auch kein guter Ausgangspunkt, um zufrieden unterwegs zu sein.
Und manchmal passt einfach alles. Ich ziehe an, was ich möchte, und fühle mich einfach nur wohl damit draußen zu sein. Nicht als Provokation, sondern als Selbstverständlichkeit. Auch mal im Ledermini beim Einkaufen, mal im langen Kleid beim Kaffeetrinken...
LGL