Ralf-Marlene hat geschrieben: Sa 15. Dez 2018, 22:07
Das ich jede Sicht auf Frauen als benutzbare Sache ablehne ist glaube ich aus meinen Aussagen klar ablesbar. Ein Messestandbetreiber, der einer Hostess signalisiert, dass sie sich nicht so anstellen solle ist nicht besser als der übergriffige Kunde. Immer noch sehe ich hier keine Verantwortung bei der Hostess, die sich zwar als Mensch mit angenehmem Äußeren zu Werbezwecken vermietet, aber damit nicht ihre Persönlichkeitsrechte aufgibt.
Hallo Ralf-Marlene,
schön, dass wir wieder eine Annäherung finden konnten.
Zur Verantwortung komme ich weiter unten.
Wie aber stehst du nun zu "Sex sells"? Ich scheue mich nicht, das intensiver zu beleuchten.
Das Umdenken bei der Formel 1 und den Flugbegleitern ist in meinen Augen ein guter Anfang, und ich persönlich finde, das sollte man in der Breite viel mehr unterstützen. Damit kann man kurzfristig und spürbar etwas erreichen. Ich denke, wir sollten uns nicht selbst und gegenseitig wegen Dingen zerfleischen, wo wir nur mittelbar etwas erreichen können, und die sich eher langfristig ändern werden, wenn gleich wir es nicht aus den Augen verlieren dürfen. Jedoch ist die Signalwirkung einer Verhaltensänderung seitens der Anbieter enorm, da sie als Multiplikatoren wirken. So lange aber im Marketing weiter unwidersprochen "Sex sells" praktiziert wird, werden du und ich und andere Querdenker eher gegen Windmühlen kämpfen.
Ralf-Marlene hat geschrieben: Sa 15. Dez 2018, 22:07
Wie würdest Du es empfinden, wenn Du als Autoverkäufer in männlicher Kleidung von einer vielleicht für Dich nicht sehr attraktiven Kundin gefragt würdest, ob Du im Preis inbegriffen wärst?
Was macht es für dich für einen Unterschied, welchen Geschlechts der Mensch ist, der dort steht?
Was würdest du sagen, wenn dir der Chef vom Autohaus die Weisung erteilt, im Tarzan-Kostüm zu verkaufen?
Was wäre, wenn du die freie Wahl hättest, den Job an den Nagel zu hängen?
Was wäre, wenn deine Existenz davon abhängt, den Job nicht zu verlieren?
Das sind die entscheidenden Punkte für mich:
Weiß ich tatsächlich um die Risiken
und kann ich mich frei entscheiden, den Job anzunehmen oder abzulehnen?
Wenn ja, also bin ich wissend und frei, dann ist es doch auch meine Verantwortung. Ich habe unabhängig davon ganz klar keine Schuld, wenn tatsächlich etwas Übergriffiges passiert, und es darf strafrechtlich auch keinerlei Milderung bewirken. Dafür ist allein der Täter verantwortlich.
Wenn nein, also wenn meine Unwissenheit und/oder Zwangslage ausgenutzt wird, geht die Verantwortung und eine zusätzliche Schuld auf den Arbeitgeber über.
Schuldig und verantwortlich ist der Arbeitgeber so oder so, wenn er offensichtlich nicht genügend Vorkehrungen getroffen hat, mich hinreichend zu schützen. (Sei es dadurch, mich hinreichend zu qualifizieren, meine Eignung zu prüfen, wie auch Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen.)
Anderer Fall, zu dem wir beide wohl eher einen Bezug haben ... und was nicht wenige von uns auch schon so getan haben:
Ich gehe als Frau gestylt nachts durch die dunkle Innenstadt, obwohl ich weiß und in Foren mehrfach gewarnt wurde es nicht zu tun, da dort immer Gruppen von männlichen Jugendlichen herumlungern und insbesondere bei Frauen oft übergriffig werden.
Tue ich es dennoch, setze ich mich bewusst und eigenverantwortlich einer Gefahr aus, ohne mich jedoch schuldig zu machen, wenn mir das Vorhersehbare passiert.
Klar habe ich das Recht, mich jeder Zeit und überall frei zu bewegen. Aber kann ich es erzwingen?
Ich habe alles respektvoll, freundlich und ruhig gesprochen, und hoffe, dass du dies auch so aufnehmen möchtest.
Liebe Grüße
Michi