Hallo Manuela Alena Donner,
(ich respektiere es genauso, wie du deine Beiträge unterzeichnest - und das ist nun mal nicht "Manu"

), erst einmal herzlichen Dank für die stets erschöpfende und informative Berichterstattung!
Manu.66 hat geschrieben: Mo 2. Jul 2018, 14:07
Ich bin bav, was für eine "... apart gekleidete selbstbewusste sympathische Frau, die weiß was sie will und es gewohnt ist, ihre Ziele mit Intelligenz und Überzeugungskraft zu erreichen" (Gutachten Frau Dipl.Psych. Brigitte Junaedhy, Seite 3) ich doch bin!
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Im zweiten Absatz schreibt sie "da die Geschlechtsindentität eindeutig weiblich ist und das Rollenverhalten diesem Muster entspricht, wird im Folgenden durchgehend die weibliche Sprachform verwendet."
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Und Dr. Weiss, Bremen, schreibt: "Zum Gespräch erschien eine mittelgroße schlanke Frau mit rotblondem Pagenschnitt. Sie war mit einem altsorefarbenen Rolli, Perlonstrümpfen und Stiefeletten sehr feminin gekleidet und dezent geschminkt." (Gutachten Dr.med. Konrad Weiss, Seite 2)
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Und weiter schreibt der selektiv wahrnehmende Psychodoc aus Bremen: "Vom gesamten Erscheinungsbild, Mimik, Gestik und auch Stimme (Alt) wirkte Frau Donner überzeugend und authentisch als Frau."
Bei diesen Zitaten kommt mir schlichtweg die Galle hoch. Ich bewundere deine Ausgeglichenheit, die staatlich verordneten lächerlichen und sinnlosen, obendrein teuren Prozeduren auch noch mit Humor zu quittieren. Chapeau! Selbiger geht mir beim Lesen des "fach*männischen*fraulichen" Geschwafels quasi ab durch die Decke. Assoziationen zu
Fleischbeschauung,
Kindergartenfasching,
erlernter Umgang mit psychisch Kranken gehen mir unweigerlich durch den Kopf. Wenn ich mich in deine Situation versetze: Da lebe ich zum angenommenen künftigen Gutachtertermin seit Jahren Vollzeit als Frau, habe unzählige Coming Outs hinter mir, hab mich einer 300-köpfigen Belegschaft mit ihren zig Chefs gestellt, hab Vorträge gehalten, Sitzungen geleitet, meine gesamte Familie verloren, weil ich einfach leben muss wie ich bin - und da kommt so ein kluger Onkel Doktor / eine kluge Tante Doktor doch tatsächlich zu dem Schluss: "Sie wirkt authentisch als Frau."
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Jetzt musste ich erstmal durchatmen vorm Weiterschreiben. Es gibt wenige Themen, die mich seit meinem glücklichen (trotz der Opfer) neuen Leben dermaßen aufbringen. Aber das bestehende schikanöse Unrecht aus den finstersten 80ern schafft es regelmäßig. Inzwischen komme ich täglich mehr zur Überzeugung, mich dem Irrsinn
nicht zu beugen. Im nächsten Jahr ist mein neuer Perso dran. Dann klebt wenigstens ein Frauenbild drin - ist besser als jetzt mit dem abgeschafften Kerlsfoto.
Ansonsten trete ich überall für meine Identität ein. Nicht mit Geschrei und Halsstarrigkeit, sondern m.E. so diplomatisch wie möglich ohne -§-§ und Drohgebärden. Die -§-§ - die wenigstens im hoheitlichen Bereich eine gewisse Grundlage auch ohne richterlichen Beschluss darstellen - erwähne ich erst bei Verweigerung. Komme ich nicht weiter, laufe ich kein Amok, sondern warte erstmal ab. Ich bin zwar eine zähe Kämpferin, aber mit dem Kopf durch die Wand ist nicht mein Stil.
Klar - der leidige Perso bleibt auf diese Art ewiger Makel, aber immerhin konnte ich mich auf die sanfte Tour arbeitsmäßig von unten nach oben binnen einiger Monate integrieren, bewarb mich kürzlich ganz selbstverständlich als Frau auf eine neue Stelle, werde zu den Frauenveranstaltungen eingeladen usw.
Bei meinen behandelnden nicht-Trans-befassten Ärzten tauchte ich als äußere Frau auf, da der Mann ohnehin abgeschafft war. Problemlos werde ich dort als Patient
in geführt und dementsprechend aufgerufen. Es gab keinen Versprecher!
Wenn ich privat mit Firmen zu tun habe, vergebe ich als Frau Aufträge, empfange entsprechend adressierte Rechnungen und bezahle dann dummerweise als Mann, weil das Kreditinstitut eben keine Namensänderung ohne Beschluss durchführt. Wieder so eine Wand, die nicht umfallen wird, wenn ich dagegen laufen würde.
Sogar das Finanzamt hat meine Identität nach einem freundlichen Anschreiben anerkannt - ohne VÄ/PÄ! Anrede und Vornamen sind sogar ohne Nachweise geändert worden. Demnächst beantrage ich aus anderem Anlass eine neue Lohnsteuerkarte - als Frau.
Die Sache mit der Paketabholung - arbeitsbedingt muss ich immer an einen Shop versenden lassen - hab ich so gelöst, dass ich mich bei einem einzigen Hermes-Paketshop meiner Wahl geoutet habe, der mir auf meinen Perso zunächst die Sendung verweigerte. Seit diesem Gespräch nebst Vorlage des DGTI-Ergänzungsausweises (auf dem ich übrigens auch ganz anders aussehe als heute) ist alles geklärt. Ich lasse dort von sämtlichen Versendeunternehmen die Pakete abwerfen und hole von DHL bis DPD alles an genau einem Ort ab
Ich hab keine Ahnung, wie lange ich diesen Kurs noch durchhalte. Zum Glück muss ich mich z.B. um keine Wohnung bewerben, wo dann naserümpfende Vermieter_innen bei einer Diskrepanz von Person und Papier wohl lieber auf Nummer sicher gehen und CIS den Vorzug geben. Auslandsreisen außerhalb der EU hab ich nicht auf dem Schirm. In Polizeikontrollen gerate ich eher selten
Zweifellos würde auch ich lieber das Doppelleben auf dem Papier komplett beenden - so schnell wie das Doppelleben in der Realität. Aber ich bin einfach nicht dazu bereit, mich den bestehenden Zwängen zu beugen und auch noch teuer dafür zu bezahlen.
LG
Semele
