Lukretia hat geschrieben:Dann bin ich aber froh, dass es anderen auch so geht. Besonders froh bin ich, von anderen zu erfahren, dass es ihnen mit Frauen ähnlich ergeht: Sie finden oder fanden als Mann eine Frau sexuell attraktiv, wollten aber gleichzeitig diese Frau selbst sein bzw. so sexy wie diese Frau war, selbst auftreten. Bei mir war es nur so, dass ich den Mechanismus jahrelang nicht richtig durchschaut habe. Ich dachte, ich sei ein verklemmter Heterosexueller, der sich nicht an Frauen ran traut. Dass in mir selbst eine Frau bzw. starke weibliche Anteile steckten, habe ich nicht begriffen.
Sehr interessant!
Dies kommt mir auch sehr sehr bekannt vor, wobei ich allerdings andere Schlüsse draus ziehe.
Ich führe dies weder auf den sexuellen Drang zurück, "Damenwäsche" zu tragen, noch auf eine transsexuelle Störung, viel mehr auf den Neid auf Frauen.
Ein Blick in meine Vergangenheit könnte dazu vielleicht hilfreich sein. Im Alter von 5 - 6 Jahren erzählte mir meine Schwester ( 2 Jahre älter) ganz stolz, dass sie eine Feinstrumpfhose trage. Dieses dünne transparente Gewebe gefiel mir so sehr, dass ich es auch tragen wollte. Nach anfänglichen nicht heimlichen Versuchen (meine Eltern akzeptierten es), wurde ich dann allerdings ziemlich bald von meiner Umwelt in die Schranken verwiesen. Übrigens von einem sexuellem Verlangen nach Strumpfhosen kann man zu der Zeit definitiv nicht sprechen.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus dem unterdrückten Wunsch, ebenfalls so schöne aufreizende Kleidung zu tragen ein Neid auf Frauen, der ab der Pupertät häufig sexuell abreagiert wurde. Sexuelle Aktionen können häufig ein Weg sein, Frustration abzubauen. Man möge sich vorstellen, es wäre ganz normal und akzeptiert, dass Männer Feinstrumpfhosen tragen, es gäbe vermutlich (fast) keine Strumpfhosenfetischisten.
Man möge sich vorstellen, man erkenne diesen Wusch, sich sexy zu kleiden, erst später zu einem Zeitpunkt in der Pupertät, wenn man schon sexuell aktiv ist, und man schon seine Frustration sexuell kompensieren kann.
So kann es zur Verwechslung von Ursache und Wirkung kommen. Die sexuelle Aktion ist vermutlich nicht die Ursache, sonder die Wirkung. Zuerst war der Wusch da, sich sexy zu kleiden. Die sexuelle Aktion kam erst danach als eine Folge des unterdruckten Dranges/Wunsches.
Desweiteren bringt es eine große Erleichterung sich aus der krankhaften Ecke zu befreien, indem man erkennt, dass es nichts Krankhaftes ist, sich als Mann aufreizend kleiden zu wollen und auch zu kleiden. Warum soll ein Mann nicht das Recht haben, sich sexy zu kleiden. Hier sollte man auch nicht den Fehler begehen, aufreizend mit weiblich zu verwechseln. Es ist richtig, dass in der heutigen Zeit aufreizend für Weiblichkeit (und umgekehrt) steht, dies ist aber nur eine Zeiterscheinung. Geht man einige Jahrhunderte zurück, da haben die Männer die kurzen Röcke und die Strümpfe dazu getragen.
http://www.fashionhistory.ch/modeeinstu ... ssance.htm
Damals war es Männerkleidung. Heute ist es eben Frauenkleidung, da es fast nur noch Frauen tragen. Männer- oder Frauenkleidung gibt es somit generell gar nicht, ist immer nur eine Frage der Zeiterscheinung, wer es zu der Zeit trägt.
Insofern sollte man nicht von einem Drang sprechen, "Damenwäsche" zu tragen, sondern von einem Wunsch, sich sexy und aufreizend zu kleiden, was Männern in der heutigen Zeit nicht zugebilligt wird. Das heißt aber nicht, dass es krankhaft ist. Es hat auch nichts damit zu tun, dass man weibliche Anteile in sich hat, wenn man gerne aufreizende Wäsche trägt oder man sich gerne aufreizend kleidet. Genau so könnte man davon sprechen, Frauen hätten männliche Anteile wenn man die Renaissance als Referenz nimmt.
Der Neid auf Frauen, der dadurch entstehen kann, kann es sehr schwer machen, Beziehungen zu führen. Denn Neid kann auch einen sexuellen Umgang mit Frauen sehr kompliziert machen. Diese Erfahrung musste ich machen.
Grüße von der Biene