Wie finde ich raus, ob ich trans* bin? - # 4
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Knäckebrötchen
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Hey,
puh, ich hab grad ganz mieses Kopfkino. Deine Vorstellung von "Weiblichkeit" ist schon sehr speziell. Um nicht zu sagen devot, unterwürfig, schwach... In Gegenwart eines "starken Mannes" schwach fühlen, aber gegenüber einer Frau dann den Kerl machen? Auf der Arbeit konzentrieren und Entscheidungen treffen ist männlich, jemandem helfen weiblich?
Sorry, aber die wenigsten Frauen in meinem Umfeld (soweit mir bekannt alle cis) fühlen sich in Gegenwart eines/ihres Mannes "schwach" und hilflos/schutzbedürftig. Umgekehrt treffen viele dieser Frauen sehr konzentriert sehr viele Entscheidungen jeden Tag - und nicht nur um Themen wie "was koche ich heute?", sondern eher sowas wie "wie komme ich an diesen sechsstelligen Betrag um das benötigte Gerät für das Projekt zu kaufen, das mir 2,5M Euro aufs Betriebskonto spült?"
So wie du das beschreibst, in die Kneipe als Frau aber auf der Arbeit und sonst Mann - wer sitzt denn da in der Kneipe? Die Typen, neben denen Du dich ganz devot und klein als Mäuschen fühlen darfst?
Ne, sorry. Ich habe gute Freunde, die seit vielen Jahren in der BDSM-Szene unterwegs sind und wenn die so erzählen, wen sie da so alles treffen und was die Leute so an Vorstellungen haben, dann erinnert mich dein letzter Post sehr stark einfach an einen devoten sub, der leider seine Neigung als "weiblich" fetischisiert. Was, für Frauen (cis wie trans*) eine sehr unangenehme Perspektive ist. Wir sind kein Fetisch. Unsere Alltags-Kleidung ist kein Fetisch. Wir sind nicht devot und schwach, bloß weil wir keinen Penis haben. Wir treffen harte Entscheidungen und arbeiten genauso konzentriert und fokussiert an Herausforderungen wie ein Mann. Wir können sogar Raketenwissenschaft!
Vielleicht verstehe ich Dich an dieser Stelle falsch, aber zusammen genommen, was Du so geschrieben hast, hat sich dieser Eindruck mehr und mehr ergeben. Was wäre denn so schlimm, einfach ein Leben als submissiver Mann in einer homosexuellen Beziehung zu führen? In den Partnerschaften, die meine Freunde da so haben, gibt es klare Regeln dazu, wann D/s eine Rolle spielt und wann nicht. Im Bett ja, sonst nicht, z.B. und dann kannst Du mit deinen "Wie will ich wann wie genannt werden?"-Regeln genau das erfüllen. Das hat halt nur so gar nix mit "weiblich sein" zu tun.
puh, ich hab grad ganz mieses Kopfkino. Deine Vorstellung von "Weiblichkeit" ist schon sehr speziell. Um nicht zu sagen devot, unterwürfig, schwach... In Gegenwart eines "starken Mannes" schwach fühlen, aber gegenüber einer Frau dann den Kerl machen? Auf der Arbeit konzentrieren und Entscheidungen treffen ist männlich, jemandem helfen weiblich?
Sorry, aber die wenigsten Frauen in meinem Umfeld (soweit mir bekannt alle cis) fühlen sich in Gegenwart eines/ihres Mannes "schwach" und hilflos/schutzbedürftig. Umgekehrt treffen viele dieser Frauen sehr konzentriert sehr viele Entscheidungen jeden Tag - und nicht nur um Themen wie "was koche ich heute?", sondern eher sowas wie "wie komme ich an diesen sechsstelligen Betrag um das benötigte Gerät für das Projekt zu kaufen, das mir 2,5M Euro aufs Betriebskonto spült?"
So wie du das beschreibst, in die Kneipe als Frau aber auf der Arbeit und sonst Mann - wer sitzt denn da in der Kneipe? Die Typen, neben denen Du dich ganz devot und klein als Mäuschen fühlen darfst?
Ne, sorry. Ich habe gute Freunde, die seit vielen Jahren in der BDSM-Szene unterwegs sind und wenn die so erzählen, wen sie da so alles treffen und was die Leute so an Vorstellungen haben, dann erinnert mich dein letzter Post sehr stark einfach an einen devoten sub, der leider seine Neigung als "weiblich" fetischisiert. Was, für Frauen (cis wie trans*) eine sehr unangenehme Perspektive ist. Wir sind kein Fetisch. Unsere Alltags-Kleidung ist kein Fetisch. Wir sind nicht devot und schwach, bloß weil wir keinen Penis haben. Wir treffen harte Entscheidungen und arbeiten genauso konzentriert und fokussiert an Herausforderungen wie ein Mann. Wir können sogar Raketenwissenschaft!
Vielleicht verstehe ich Dich an dieser Stelle falsch, aber zusammen genommen, was Du so geschrieben hast, hat sich dieser Eindruck mehr und mehr ergeben. Was wäre denn so schlimm, einfach ein Leben als submissiver Mann in einer homosexuellen Beziehung zu führen? In den Partnerschaften, die meine Freunde da so haben, gibt es klare Regeln dazu, wann D/s eine Rolle spielt und wann nicht. Im Bett ja, sonst nicht, z.B. und dann kannst Du mit deinen "Wie will ich wann wie genannt werden?"-Regeln genau das erfüllen. Das hat halt nur so gar nix mit "weiblich sein" zu tun.
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SylviaMz
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Das ist ein Missverständnis. Ich bin nicht devot, sondern dominant. Aber nicht zu den Menschen, die ich liebe. Denen begegne ich auf Augenhöhe. Auch würde ich mich niemals einem Menschen unterwerfen. Wenn mir ein dominanter Mann begegnet, packe ich häufig das "Kriegsbeil" aus und er bekommt eine Abfuhr.Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 18:31 puh, ich hab grad ganz mieses Kopfkino. Deine Vorstellung von "Weiblichkeit" ist schon sehr speziell. Um nicht zu sagen devot, unterwürfig, schwach... In Gegenwart eines "starken Mannes" schwach fühlen, aber gegenüber einer Frau dann den Kerl machen? Auf der Arbeit konzentrieren und Entscheidungen treffen ist männlich, jemandem helfen weiblich?
Es geht mir um die Situation, in der mich er Mann z.B. umarmt und ich mich dann anlehnen kann. Vielleicht ist "geborgen" der bessere Begriff.
Nein, ich bin auch gerne in der Stadt unterwegs, nicht nur in Kneipen oder auf Partys.Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 18:31 So wie du das beschreibst, in die Kneipe als Frau aber auf der Arbeit und sonst Mann - wer sitzt denn da in der Kneipe? Die Typen, neben denen Du dich ganz devot und klein als Mäuschen fühlen darfst?
In der Kneipe natürlich sitze ich, die Frau.
Das scheint ein Missverständnis zu sein. Ich bin dominant und habe eine Crossdresser-Zofe, die mir dient.Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 18:31 Ne, sorry. Ich habe gute Freunde, die seit vielen Jahren in der BDSM-Szene unterwegs sind und wenn die so erzählen, wen sie da so alles treffen und was die Leute so an Vorstellungen haben, dann erinnert mich dein letzter Post sehr stark einfach an einen devoten sub, der leider seine Neigung als "weiblich" fetischisiert.
Ich bin weder sub, noch möchte ich als Mann mit einem Mann zusammen sein. Das habe ich bereits ausprobiert.Vielleicht verstehe ich Dich an dieser Stelle falsch, aber zusammen genommen, was Du so geschrieben hast, hat sich dieser Eindruck mehr und mehr ergeben. Was wäre denn so schlimm, einfach ein Leben als submissiver Mann in einer homosexuellen Beziehung zu führen?
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Susi T
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
So finde ich es gut ausgedrückt, hab mir das zwar vorher auch schon so gedacht, aber so finde ich es klarer.SylviaMz hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 19:01 Es geht mir um die Situation, in der mich er Mann z.B. umarmt und ich mich dann anlehnen kann. Vielleicht ist "geborgen" der bessere Begriff.
Nur wenn ich es liebe auch mal feste gedrückt zu werden, mich in den Armen meines Schatzes reinkuschel, heißt das nicht das ich eine schwache Frau bin, aber einfach mal die Geborgenheit genießen ist schön. Genau so hat mein Schatz damals mein Herz im Sturm erobert. Ich mag manchmal auch Schnulzen und Klischees
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Knäckebrötchen
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Ich hab mal meine Textteile gestrichen, um das alles zu kürzen.SylviaMz hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 19:01 1. Das ist ein Missverständnis. Ich bin nicht devot, sondern dominant. Aber nicht zu den Menschen, die ich liebe. Denen begegne ich auf Augenhöhe. Auch würde ich mich niemals einem Menschen unterwerfen. Wenn mir ein dominanter Mann begegnet, packe ich häufig das "Kriegsbeil" aus und er bekommt eine Abfuhr.
Es geht mir um die Situation, in der mich er Mann z.B. umarmt und ich mich dann anlehnen kann. Vielleicht ist "geborgen" der bessere Begriff.
2. Nein, ich bin auch gerne in der Stadt unterwegs, nicht nur in Kneipen oder auf Partys.
In der Kneipe natürlich sitze ich, die Frau.
3. Das scheint ein Missverständnis zu sein. Ich bin dominant und habe eine Crossdresser-Zofe, die mir dient.
4. Ich bin weder sub, noch möchte ich als Mann mit einem Mann zusammen sein. Das habe ich bereits ausprobiert.
Zu 1: Dein Vokabular vermittelt einen anderen Eindruck. Sich geborgen fühlen ist keine genuin weibliche Empfindung. Das geht einem Mann, der sich bei seiner Frau einkuschelt genauso.
Zu 2: Und auf der Arbeit und im Home Office sitzt dann "ich, der Mann"?
Zu 3: Und bist Du da als Mann/Meister unterwegs oder als Frau/Herrin?
Zu 4: Ok, Du willst also als Frau mit einem Mann zusammen sein? Gleichzeitig aber Mann sein, wenn es Dir gerade passt und dein Partner soll das dann aber ignorieren und dich weiter wie eine Frau behandeln (nach deinen Regeln weiter oben). Aber auch nur im Privaten - in der Öffentlichkeit dann doch wieder als Mann?
Ich muss gestehen, da komm ich nicht mit. Das jemand mit seiner trans* Identität kämpft, mit der (gefühlten oder tatsächlichen) Unvereinbarkeit von Empfinden und Leben - okay. Been there, done that. Aber was Du da schreibst überzeugt mich nicht. Ja, einem Partner oder einer Partnerin dieses Regelwerk aufzunötigen klingt eher dominant, eigentlich halt aber eher nach Safe-Word.
Du bist als Frau unterwegs, lernst als Frau Menschen und potentielle Partner*innen kennen, aber wenn es um Entscheidungen geht muss das "der Mann" erledigen? Bitte, ganz ernsthaft: wenn Du dich als Frau wahrnimmst, so gesehen und behandelt werden möchtest, warum um alles in der Welt sitzt Du dann im Arbeitsleben als Mann? Ich verstehe das nicht. Kein
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Jaddy
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Ich möchte Sylvia nicht vorgreifen und genderfluid ist eine sehr individuelle Sache, aber gerade heute gibt es einen neuen Artikel dazu im Queer-Lexikon mit Statements verschiedener genderfluider Menschen: https://queer-lexikon.net/2024/12/12/wi ... d-zu-sein/Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 20:16 Ich muss gestehen, da komm ich nicht mit. Das jemand mit seiner trans* Identität kämpft, mit der (gefühlten oder tatsächlichen) Unvereinbarkeit von Empfinden und Leben - okay. Been there, done that. Aber was Du da schreibst überzeugt mich nicht. Ja, einem Partner oder einer Partnerin dieses Regelwerk aufzunötigen klingt eher dominant, eigentlich halt aber eher nach Safe-Word.
[...]
Aber vielleicht kannst Du (oder jemand anders) mal erklären, wie das empfindungstechnisch läuft.
Kurz gefasst: Genderfluide Menschen empfinden Geschlechtsidentität, aber nicht immer die gleiche. Es kann mal mehr männlich, mal mehr weiblich, mal etwas ganz anderes sein oder auch mal gar nichts. Bei manchen ändert es sich über die Zeit, bei einigen mit der Situation. Einige haben längere Phasen, bei anderen kann es innerhalb eines Tages kippen - was sehr übel sein kann, wenn damit auch Dysphorie hoch kommt.
Genderfluid zu sein ist, wenn eins es für sich akzeptiert, auch kein Kampf um Identität, sondern eine ganz eigene innerhalb des nichtbinären Spektrums.
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manchmal_melissa
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Hallo Knäckebrötchen,
war bestimmt nicht böse gemeint, ich möchte aber trotzdem darauf hinweisen, dass dieser Satz
Liebe Grüße,
Melissa
war bestimmt nicht böse gemeint, ich möchte aber trotzdem darauf hinweisen, dass dieser Satz
für einige Menschen diskriminierend ist. (Nicht vorhandene) Geschlechtsorgane reichen für die Charakterisierung einer Frau nicht aus.Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 18:31 Wir sind nicht devot und schwach, bloß weil wir keinen Penis haben.
Liebe Grüße,
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Knäckebrötchen
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Hallo Melissa,manchmal_melissa hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 21:18 Hallo Knäckebrötchen,
war bestimmt nicht böse gemeint, ich möchte aber trotzdem darauf hinweisen, dass dieser Satz
für einige Menschen diskriminierend ist. (Nicht vorhandene) Geschlechtsorgane reichen für die Charakterisierung einer Frau nicht aus.Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 18:31 Wir sind nicht devot und schwach, bloß weil wir keinen Penis haben.
Liebe Grüße,
Melissa
ja, da hast Du vollkommen recht. Es wird halt nur aus der Manosphere gerne so heraus geblöckt: das Ding zwischen den Beinen repräsentiert das Konzept Mann = stark, alpha, Macher, "Beschützer", Staudammbauer, Frauenbesitzer. Darum sind Betas ja auch quasi kastrierte Männchen. Die nichts drauf haben, keine Frauen abbekommen und selbst schon fast zu Opfern sexueller Übergriffe durch die Alphas werden können (was auf gar keinen Fall als homosexuelle Handlung zu verstehen ist, sondern als Demonstration der Dominanz! (Klar...
Und wenn mir jemand mit so Sprüchen kommt wie "relevante Entscheidungen treffe ich selbstverständlich als Mann, der ich eigentlich bin, außer ich bin die schwache Frau in den Armen eines beschützenden Mannes", dann ist das für mich genau die Macho-Attitüde, die eine solche Bildsprache notwendig macht. Glücklich bin ich damit auch nicht.
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SylviaMz
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SylviaMz
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Das mag sein, aber ich fühle mich als Frau anders als ich mich fühle, wenn ich als Mann mit einer Frau kuschle.Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 20:16
Ich hab mal meine Textteile gestrichen, um das alles zu kürzen.
Zu 1: Dein Vokabular vermittelt einen anderen Eindruck. Sich geborgen fühlen ist keine genuin weibliche Empfindung. Das geht einem Mann, der sich bei seiner Frau einkuschelt genauso.
Ja, das Gefühl habe ich. Ich arbeite die ganze Zeit konzentriert. Wenn ich konzentriert bin, dann spüre ich meine weibliche Seite anscheinend nicht.Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 20:16 Zu 2: Und auf der Arbeit und im Home Office sitzt dann "ich, der Mann"?
Ich bin als Frau die Herrin meiner Zofe. In meiner Männerrolle und in der Erscheinung als Mann möchte ich das nicht und könnte es auch nicht.Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 20:16 Zu 3: Und bist Du da als Mann/Meister unterwegs oder als Frau/Herrin?
Ich möchte mit einem Menschen zusammen sein. Das Geschlecht ist mir egal. Es ist aber so, dass ein Mann bei mir anscheinend meine weibliche Seite stärker hervorholt.Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 20:16 Zu 4: Ok, Du willst also als Frau mit einem Mann zusammen sein? Gleichzeitig aber Mann sein, wenn es Dir gerade passt und dein Partner soll das dann aber ignorieren und dich weiter wie eine Frau behandeln (nach deinen Regeln weiter oben). Aber auch nur im Privaten - in der Öffentlichkeit dann doch wieder als Mann?
Ich möchte nicht gleichzeitig Mann sein. Mit "Mann" meine ich mein männliches Erscheinungsbild. Wenn ich morgens neben einem Mann aufwache und es den Mann nicht stört, dass ich keine Perücke aufhabe, dann finde ich das praktisch und lasse sie ab, wenn wir kuscheln.
Würde es ihn stören, dann würde ich sie aufsetzen, denn er soll mich natürlich als Frau wahrnehmen.
Wenn er bei mir in meiner Stadt übernachtet und wir mal kurz etwas einkaufen wollen, dann style ich mich deswegen nicht, wenn er damit klar kommt. Das mache ich ja im Alltag auch nicht. Käme er nicht damit klar, würde ich mich stylen.
Nein, die Entscheidung trifft vermutlich meine männliche Seite. Ich bin ja genderfluid.Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 20:16 Du bist als Frau unterwegs, lernst als Frau Menschen und potentielle Partner*innen kennen, aber wenn es um Entscheidungen geht muss das "der Mann" erledigen?
Es es mich nicht stört.Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 20:16 Bitte, ganz ernsthaft: wenn Du dich als Frau wahrnimmst, so gesehen und behandelt werden möchtest, warum um alles in der Welt sitzt Du dann im Arbeitsleben als Mann?
Welche Empfindungen meinst Du speziell in welchen Situationen?Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 20:16 Ich verstehe das nicht. Kein. Meine sehr ausgeprägte Phantasie stößt hier an ihre Grenzen. Aber vielleicht kannst Du (oder jemand anders) mal erklären, wie das empfindungstechnisch läuft.
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Du hast das wieder hervorragend erklärt. *herz* Vielen Dank! (das schreibt gerade meine weibliche Seite mit sanfter Stimmung)Jaddy hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 20:35Ich möchte Sylvia nicht vorgreifen und genderfluid ist eine sehr individuelle Sache, aber gerade heute gibt es einen neuen Artikel dazu im Queer-Lexikon mit Statements verschiedener genderfluider Menschen: https://queer-lexikon.net/2024/12/12/wi ... d-zu-sein/Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 20:16 Ich muss gestehen, da komm ich nicht mit. Das jemand mit seiner trans* Identität kämpft, mit der (gefühlten oder tatsächlichen) Unvereinbarkeit von Empfinden und Leben - okay. Been there, done that. Aber was Du da schreibst überzeugt mich nicht. Ja, einem Partner oder einer Partnerin dieses Regelwerk aufzunötigen klingt eher dominant, eigentlich halt aber eher nach Safe-Word.
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Aber vielleicht kannst Du (oder jemand anders) mal erklären, wie das empfindungstechnisch läuft.
Kurz gefasst: Genderfluide Menschen empfinden Geschlechtsidentität, aber nicht immer die gleiche. Es kann mal mehr männlich, mal mehr weiblich, mal etwas ganz anderes sein oder auch mal gar nichts. Bei manchen ändert es sich über die Zeit, bei einigen mit der Situation. Einige haben längere Phasen, bei anderen kann es innerhalb eines Tages kippen - was sehr übel sein kann, wenn damit auch Dysphorie hoch kommt.
Genderfluid zu sein ist, wenn eins es für sich akzeptiert, auch kein Kampf um Identität, sondern eine ganz eigene innerhalb des nichtbinären Spektrums.
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Manchmal laufe ich z.B. vom Wohnzimmer ins Bad und fühle mich "weiblich", während ich gehe. Ich wackle dann vermutlich ein wenig mit dem Hintern und es ist ein schönes Gefühl.
Einige Sekunden später ist dieses Gefühl wieder weg. Das kann mir häufiger innerhalb eines Tages passieren. Kontrollieren kann ich das nicht. Es kommt einfach. Dieses Phänomen kenne seit etwa einem Jahr.
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Ich findest es prima Sylvia wie du versuchst deine Gefühlswelt darzustellen. Das ist wunderbar komplex und Vereinfachungen helfen da nunmal. Wer sich daran stört und selbst kaum in der Lage ist über seine Gefühle zu berichten, sollte sich mit vorschnellen Urteilen vielleicht zurück halten, denk ich mir da manchmal.
Ob du wirklich eine Schublade brauchst um dein Sein einzuordnen weiß ich nicht, solange du einfach nur Glücklich bist und Wege dazu findest ist doch alles gut, oder?
Wir haben irgendwann aufgehört danach zu suchen. Was wir wissen mussten um miteinander gut klar zu kommen, haben wir raus bekommen und damit ist alles gut.
Wir haben das große Glück, das wir so zusammen sein können wie wir möchten uns das ist am wichtigsten.
Das normale Zusammenleben als Mann und Frau tut uns gut, auch wenn es etwas den Umständen vor Ort geschuldet ist. Aber die Frau an meiner Seite bekommt genug Luft zum Leben um sich auch zu entfalten, wenn das Bedürfnis da ist und das wird umso größer, umso mehr sie zurück stecken muß. Eine ganz normale Sache, find ich, wenn beide Seiten so stark sein können.
Die Frage die da bleibt oder blieb war ob was geändert werden muss und die Antwort lautet mittlerweile Nein, aber ob das für immer gilt, läßt sich so nicht beantworten.
So bleibt nur noch mein eigenes Disphorieproblem, aber das ist dann eine andere Geschichte.
Ob du wirklich eine Schublade brauchst um dein Sein einzuordnen weiß ich nicht, solange du einfach nur Glücklich bist und Wege dazu findest ist doch alles gut, oder?
Wir haben irgendwann aufgehört danach zu suchen. Was wir wissen mussten um miteinander gut klar zu kommen, haben wir raus bekommen und damit ist alles gut.
Wir haben das große Glück, das wir so zusammen sein können wie wir möchten uns das ist am wichtigsten.
Das normale Zusammenleben als Mann und Frau tut uns gut, auch wenn es etwas den Umständen vor Ort geschuldet ist. Aber die Frau an meiner Seite bekommt genug Luft zum Leben um sich auch zu entfalten, wenn das Bedürfnis da ist und das wird umso größer, umso mehr sie zurück stecken muß. Eine ganz normale Sache, find ich, wenn beide Seiten so stark sein können.
Die Frage die da bleibt oder blieb war ob was geändert werden muss und die Antwort lautet mittlerweile Nein, aber ob das für immer gilt, läßt sich so nicht beantworten.
So bleibt nur noch mein eigenes Disphorieproblem, aber das ist dann eine andere Geschichte.
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Ich beschäftige mich noch nicht so lange mit dem Thema Identität. Es kann sein, dass das irgendwann bei mir nachlässt.Tira hat geschrieben: Fr 13. Dez 2024, 15:51 Ich findest es prima Sylvia wie du versuchst deine Gefühlswelt darzustellen. Das ist wunderbar komplex und Vereinfachungen helfen da nunmal. Wer sich daran stört und selbst kaum in der Lage ist über seine Gefühle zu berichten, sollte sich mit vorschnellen Urteilen vielleicht zurück halten, denk ich mir da manchmal.
Ob du wirklich eine Schublade brauchst um dein Sein einzuordnen weiß ich nicht, solange du einfach nur Glücklich bist und Wege dazu findest ist doch alles gut, oder?
Zur Zeit bin ich sehr zufrieden. Ich fühle mich einfach prima.
Ich denke, dass es mir irgendwann ähnlich geht. Ich weiss nur, dass ich meine weibliche Seite zur Zeit mehr mag als meine männliche Seite. Ob das so bleibt, weiss ich nicht.Tira hat geschrieben: Fr 13. Dez 2024, 15:51 Wir haben irgendwann aufgehört danach zu suchen. Was wir wissen mussten um miteinander gut klar zu kommen, haben wir raus bekommen und damit ist alles gut.
Was auch nicht so ganz unwichtig ist: Ich bin nicht geoutet, was zur Zeit auch völlig okay ist.
In einer perfekten Welt würde ich vermutlich auch als Frau ins Büro gehen. Ich wäge halt ab, wann etwas unbedingt nötig für mich ist und wann nicht. Wann ist es ein Gewinn für mich, wann nicht?
Ich bin froh, dass ich diese Wahl habe. Andere Leute haben diese Wahl nicht.
Liebe Grüße an Dich *herzlich umarmt* und danke für Deine Worte (das schreibt gerade meine weibliche Seite)
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Ich habe das jetzt mal ein paar Tage in mir arbeiten lassen. Danke Jaddy, für den Link.
Ich muss gestehen: es hilft nicht. Im Gegenteil, da sind Menschen dabei, die aus meiner Sicht dringend therapeutische Begleitung brauchen (was bitte soll denn "emotionale Amnesie" sein?). Argumente wie "ich habe da mal so einen online-Test gemacht" sind so valide wie früher die Persönlichkeitstests in der Brigitte oder Bunte. Das, was da beschrieben wird, ist doch zum einen irgendwie normal - oder klingt verdächtig nach psychischen Auffälligkeiten. Jemand der sich von Minute zu Minute zwischen Klamotten oder Lipgloss umentscheidet hat entweder zu viele Ideen (geht mir bisweilen so) oder AD(H)S. Typischerweise. Natürlich gibt es da noch viel mehr, aber das meiste findet sich im üblichen Spektrum und bedarf meiner Meinung nach keine permanente Nabelschau.
Wenn ich lese, dass da jemand (liest sich wie afab) anscheinend Hormone zur Milderung der Dysphorie nehmen möchte, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Das ist ein medizinscher Eingriff mit unter Umständen irreversiblen Veränderungen. Und dann frage ich mich schon: wissen diese Menschen eigentlich, worauf sie sich da einlassen? Haben die denn niemanden, der Ihnen die Risiken erklärt? Fluide heißt ja, mal so mal so und in Abstufungen. Bartwuchs und Stimmbruch bleiben. Die kann man nicht nach Belieben ausschalten. Und wenn die das wissen, dann sollte das imho auch in solchen Statements kommentiert werden. Sonst liest das jemand, der auch unsicher ist, denkt sich "oh, das ist eine Möglichkeit?" und macht sich am Ende unglücklich. Das ist dann mindestens unlauter. Aber auch gefährlich.
Und das hat auch nichts mit "Gate-Keeping" zu tun. Ich möchte, dass die Menschen eine informierte Entscheidung treffen. So wie kein verantwortungsbewusster Tätowierer alkoholisierte Personen sticht.
Selbstdiagnostik mit Hilfe von Dr. Google und Prof. Dr. med. Forum waren noch nie sichere Nummern. Sie können Anhaltspunkte geben und eine Idee, aber am Ende sollte da professionelle Hilfe/Begleitung stehen. Ich werde auch kein Haus bauen, bloß weil ich mal ein paar Fliesen an ne Wand getackert habe und weiß, wie man mit nem Lot umgeht. Dafür nehme ich mir nen Architekten und andere Profis. Weil: darum lernen die das.
Sich andauernd mit sich selbst beschäftigen, alle paar Minuten abklopfen, ob ich mich auf dem Weg zum Bad eben doch vielleicht ein bisschen weiblich gefühlt habe oder doch eher männlich die Treppe hoch gelaufen bin... das sind die Probleme von Menschen die entweder zu viel Zeit und keine anderen Sorgen haben, oder von Menschen die so traumatisiert sind, dass sie sich mit allem von diesem Trauma ablenken müssen was sich Ihnen anbietet. Und ich weiß, wovon ich spreche, wenn ich letzteres sage. Es ist halt nur auf Dauer eins nicht: gesund.
Mich würde mal interessieren: Welchen Stellenwert/Relevanz hat die Tatsache, dass deine letzten Postings, in denen Du dich bedankt hast, von "deiner weiblichen, sanften Seite" geschrieben wurden, Sylvia? Darf das deine männliche Seite etwas nicht?
Ich muss gestehen: es hilft nicht. Im Gegenteil, da sind Menschen dabei, die aus meiner Sicht dringend therapeutische Begleitung brauchen (was bitte soll denn "emotionale Amnesie" sein?). Argumente wie "ich habe da mal so einen online-Test gemacht" sind so valide wie früher die Persönlichkeitstests in der Brigitte oder Bunte. Das, was da beschrieben wird, ist doch zum einen irgendwie normal - oder klingt verdächtig nach psychischen Auffälligkeiten. Jemand der sich von Minute zu Minute zwischen Klamotten oder Lipgloss umentscheidet hat entweder zu viele Ideen (geht mir bisweilen so) oder AD(H)S. Typischerweise. Natürlich gibt es da noch viel mehr, aber das meiste findet sich im üblichen Spektrum und bedarf meiner Meinung nach keine permanente Nabelschau.
Wenn ich lese, dass da jemand (liest sich wie afab) anscheinend Hormone zur Milderung der Dysphorie nehmen möchte, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Das ist ein medizinscher Eingriff mit unter Umständen irreversiblen Veränderungen. Und dann frage ich mich schon: wissen diese Menschen eigentlich, worauf sie sich da einlassen? Haben die denn niemanden, der Ihnen die Risiken erklärt? Fluide heißt ja, mal so mal so und in Abstufungen. Bartwuchs und Stimmbruch bleiben. Die kann man nicht nach Belieben ausschalten. Und wenn die das wissen, dann sollte das imho auch in solchen Statements kommentiert werden. Sonst liest das jemand, der auch unsicher ist, denkt sich "oh, das ist eine Möglichkeit?" und macht sich am Ende unglücklich. Das ist dann mindestens unlauter. Aber auch gefährlich.
Und das hat auch nichts mit "Gate-Keeping" zu tun. Ich möchte, dass die Menschen eine informierte Entscheidung treffen. So wie kein verantwortungsbewusster Tätowierer alkoholisierte Personen sticht.
Selbstdiagnostik mit Hilfe von Dr. Google und Prof. Dr. med. Forum waren noch nie sichere Nummern. Sie können Anhaltspunkte geben und eine Idee, aber am Ende sollte da professionelle Hilfe/Begleitung stehen. Ich werde auch kein Haus bauen, bloß weil ich mal ein paar Fliesen an ne Wand getackert habe und weiß, wie man mit nem Lot umgeht. Dafür nehme ich mir nen Architekten und andere Profis. Weil: darum lernen die das.
Sich andauernd mit sich selbst beschäftigen, alle paar Minuten abklopfen, ob ich mich auf dem Weg zum Bad eben doch vielleicht ein bisschen weiblich gefühlt habe oder doch eher männlich die Treppe hoch gelaufen bin... das sind die Probleme von Menschen die entweder zu viel Zeit und keine anderen Sorgen haben, oder von Menschen die so traumatisiert sind, dass sie sich mit allem von diesem Trauma ablenken müssen was sich Ihnen anbietet. Und ich weiß, wovon ich spreche, wenn ich letzteres sage. Es ist halt nur auf Dauer eins nicht: gesund.
Mich würde mal interessieren: Welchen Stellenwert/Relevanz hat die Tatsache, dass deine letzten Postings, in denen Du dich bedankt hast, von "deiner weiblichen, sanften Seite" geschrieben wurden, Sylvia? Darf das deine männliche Seite etwas nicht?
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Lana
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Tja, ist wohl deine Art, anderer Leute Eindrücke allein an deinen eigenen Maßstäben zu beurteilen. Ich hab dir mal ein *danke* gegeben, weil du mich daran erinnert hast, wie ich früher selbst getickt habe. Für mich wäre es die Höchststrafe, wieder dahin zurück zu müssen. Aber das ist mein Problem, nicht deins.
Zum Thema:
Die Leute, die im von Jaddy verlinkten Beitrag schreiben, haben ihre eigene Vorstellung von der Welt und dem, was Leben ausmacht. Offenbar gibt es da nicht viele Berührungspunkte mit deiner Wirklichkeit, manches mag auch der Ausdrucksweise geschuldet sein, Stichwort "Emotionale Amnesie".
Mich hat der Text stark angesprochen, und wahrscheinlich ist bei mir was ganz anderes angekommen als bei dir. Auch wenn wir den selben Text gelesen haben.
Erstmal versuche ich, diese Leute ernst zu nehmen und das was sie mitteilen wollen. Das heißt ja nicht, dass ich der selben Meinung sein muss, aber ich respektiere ihr Empfinden, ihre Gedanken, ihre Entscheidungen und ihren Weg. Wertfrei. Ich nehme das zur Kenntnis.
Gestern erst hatte ich dies geschrieben (in anderem Zusammenhang, aber es passt hier genauso) :
Das nur am Rande.Lana hat geschrieben: Fr 13. Dez 2024, 21:57 Aber nicht jeder Weg ist für alle geeignet. Manche mögen es kurz und knackig, da darf es auch mal steil und steinig bergauf gehen. Andere brauchen einen bequemen, gut ausgebauten und abgesicherten Weg, wo sie vielleicht zugewandte Begleitung finden, um nicht alle Hürden alleine zu überwinden.
Der Text hat bei mir tatsächlich viel ausgelöst, und um mir klarer darüber zu werden, habe ich meine Gedanken in meinem eigenen Thema zusammengefasst (ist aber nicht wirklich ein Kurzbeitrag). Ich verlinke den Beitrag, um nicht alles zu wiederholen.
Gegen Ende geht es auch darum, wie ich selbst diese emotionale Amnesie empfinde, wie sie sich in meinem Alltag äußert. Ich finde den Begriff für mich passend (auch wenn ich ihn nicht aktiv verwenden würde) und sehe nicht, dass ich mich in Therapie begeben sollte, um meine alten Traumata zu bearbeiten oder mir von fremden Menschen mein Leben erklären zu lassen. Selbst wenn die "das gelernt" haben sollten. Die mögen Experten für Psychotherapie und Traumaheilung sein, aber nicht für mich. Niemand kennt mich besser als ich selbst. Und zwar, weil ich mir sehr viel Zeit genommen habe zur eigenen Nabelschau. Für mich ist das eine Möglichkeit, mich zu entwickeln und zu erkennen. Es ist mühsam, dauert lange, aber das entspricht meinem Naturell.
Ich möchte dich wirklich darum bitten, anzuerkennen, dass auch andere Standpunkte und Wege ihre Gültigkeit haben. Nimm sie einfach erstmal nur zur Kenntnis. Setze sie nicht unmittelbar in Bezug zu deiner Wahrheit. Vielleicht kannst du ja irgendwann mal die Offenheit aufbringen, dich versuchsweise intensiv auf die Perspektive einer anderen Person einzulassen. Und dann einfach mal schauen, wie sich das anfühlt. Und gar nicht werten. Nur spüren.
LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
Blaise Pascal