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Re: Einfach sein...

Verfasst: Mo 22. Aug 2022, 05:43
von Yvette.85C
"To bee or not to bee" sagte die Biene

Re: Einfach sein...

Verfasst: So 11. Sep 2022, 20:40
von Marcia V
Hallo ihr Lieben,

Aus Mangel an Möglichkeiten schwelge ich mal wieder in Erinnerung und hab mir meine Fotos angeschaut.

Dieses Bild, eines bei meinem ersten Outdoor Ausflug, hab ich irgendwie gut erwischt. Ich erinnere mich wieviel Tode ich gestorben bin - das Wegschleichen aus dem geschützten Bereich, mit dem Auto in die Natur, die Kamera positioniert und immer wieder das Gefühl erwischt zu werden und das man etwas verbotenes macht, das werde ich wohl nie vergessen.
Scheint alles schon so lange her dabei war das erst letztes Jahr. Enorm wie sich das fortgesetzt hat bis heute.

Und nun kann ich es kaum erwarten ... aber Planungen laufen schon langsam an.
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Kuss💋 Marcia

Re: Einfach sein...

Verfasst: Sa 29. Okt 2022, 21:29
von Marcia V
Hallo ihr Lieben, da das Wetter weiterhin so gut ist, habe ich nochmal meine Jamaha XSR 900 geschnappt und bin die Weinstrasse entlang das Frankenland erkundet. Eine Gepäcktasche ist dann immer Marcia vorbehalten den der Abend gehört ihr.
Es ist wieder ein Erlebnisreicher Tag mit einem schönen Ausklang in Bad Mergentheim morgen geht's noch etwas weiter und dann wieder nach Hause.
Es ist schon Genial den ganzen Tag raue Kleidung und dennn Fahrtwind um die Nase und Abends Kleidchen und Nylons. Ich liebe 🤟 es
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Nein ich hab nicht mit Zitronen 🍋 gehandelt.
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Mein Schätzchen...

Re: Einfach sein...

Verfasst: Sa 29. Okt 2022, 21:32
von Marcia V
Noch Eins, mein Bild des Tages:
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Bis (hoffentlich) bald
MARCIA 💋

Re: Einfach sein...

Verfasst: Di 1. Nov 2022, 23:54
von Marcia V
Hallo ihr Lieben,
ich möchte meine Gefühlswelt heute etwas genauer beschreiben, nicht nur mit den kurzen Post"™s der letzten Zeit.
Eigentlich habe ich irgendwie Frieden mit mir gemacht. Einige tolle Ausflüge unternommen die immer eine Verbindung zu meiner Fraulichkeit (komisches Wort, gibt es das eigentlich) haben. Und das waren einige Touren, meist zwei Tage selten auch drei, in dem letzten halben Jahr.
Meine Frau lässt mich machen und obwohl sie von Marcia weiß, stellt sie keine Fragen oder ist neugierig ob sie aktuell noch aktiv ist"¦..ich gehe als Mann und so komme ich auch wieder.
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Wir haben sowieso eine merkwürdige Beziehung, wir halten zusammen und ziehen an einem Strang und streiten so gut wie nie (war schon mal anders) aber jeder lebt irgendwie sein Leben und von Erotik überhaupt keine Spur und das seit 2-3 Jahren. Ich kann sie auch in den Arm nehmen sie stößt mich dann nicht weg trotzdem fühlt es sich distanziert an, vielleicht hätten wir auch Sex doch mich hemmt die fehlende Nähe und spüre keine Leidenschaft oder Lust bei ihr und obwohl mir körperliche Nähe immer sehr wichtig war — was soll ich sagen, man gewöhnt sich an alles.
Immer wenn ich Reiselust bekomme und frage sie zuerst ob wir etwas gemeinsam machen wollen und es ergibt sich dann hin und wieder ein Ausflug, da hatten wir schon einige schöne Erlebnisse, zwar nicht mit dem Moped denn Motorradfahren ist ihr nicht geheuer.
Aber wenn sie abwinkt fahre ich alleine, meist mit meiner Yamaha, das macht ungeheuer viel Spaß und ich lass mich treiben, wenn es dann genug ist, suche ich mir eine Unterkunft und dann kommt Marcia ins Spiel — das ist echter Luxus...ich weiß. Von unterwegs habe ich Kontakt mit meiner Frau, schick ein paar Eindrücke schreibe wo ich gerade bin. Oft habe das Gefühl das sie sich mit und für mich freut.
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Mit dem Make-up klappt es auch langsam besser, auch dank euch und dem Forum indem ich den ein oder anderen Tipp aufgeschnappt habe. Mit ARTDECO - Camouflage Cream habe ich ganz gute Ergebnisse beim Thema Bartschatten erzielt, nur der Farbton passt noch nicht, mit meinen ausgewählten zwei Varianten Light und Deep Whiskey ist das Ergebnis, meiner Meinung nach, etwas zu gelblich geworden — kommt natürlich auf die Lichtverhältnisse an.
Aus der Nähe betrachtet ist noch die Großporigkeit meiner Haut ein Problem aber damit muss ich mich wohl abfinden genauso wie ich sicherlich niemals Gazellen-gleich durch sie Städte wackeln werde.
Als nächstes werde ich mich intensiver dem Augenmake-up widmen — Schlupflieder sind auch nicht so der Hit, aber da gibt"™s doch den ein oder anderen Trick zum auszuprobieren.

Wo mich das alles hinführen wird"¦..ich weiß es nicht. Nächstes Jahr werde ich 58 da wird es schwer einigermaßen ansehnlich zu erscheinen und dann noch weiblich zu wirken, ein fast unmögliches Unterfangen, da muss man dann doch sehr tief in die Trickkiste greifen.

Wir werden sehen.

Eure Marcia 💋

Re: Einfach sein...

Verfasst: Mi 2. Nov 2022, 08:04
von ExUserIn-2026-04-08
Marcia V hat geschrieben: Di 1. Nov 2022, 23:54 was soll ich sagen, man gewöhnt sich an alles.
Ist das nicht ein anderer Ausdruck für Kapitulation ?

Ich habe das früher ähnlich gesehen. Wir hatten eine "funktionierende" Ehe bis ich dahinter kam, dass meine Frau für sich einen anderen Lebensweg gefunden hat. Das war eine schwierige Zeit für mich bis ich kapiert habe, dass darin ein neuer Anfang für mich liegt.

Ich denke, es ist eine Möglichkeit, sich mit seiner Situation zufrieden zu geben, aber ob es zufrieden macht, steht auf einem anderen Blatt. Vor allem muss man akzeptieren, dass Entscheidungen oftmals von anderen für einen selber getroffen werden. Ich habe in meiner ersten Ehe nicht gestaltet, sondern mich nach den Anforderungen anderer gerichtet. Wenn man damit leben kann und will, ist das ja auch i.O.

Mir sagt ständiges Unzufriedensein aber etwas anderes. Ich will mein Leben gestalten. Ich habe vieles ausprobiert, neue Wege gefunden und vieles ist viel besser geworden. So ganz zufrieden bin ich heute auch noch nicht. Aber das macht nichts, ich bin ja auf dem Weg. Interessanterweise ist Vicky vor allem dann präsent, wenn ich das Gefühl habe, eingeengt zu sein. Vicky zu sein bedeutet für mich zum einen Ausbrechen und Freiheit und zum anderen eine starke Facette in meinem Leben, die gelebt werden muss. Ich kann mich mit Vicky und mit dem Frausein identifizieren, aber eben nicht rund um die Uhr. Je freier ich sie leben kann, um so mehr tritt das Frausein in den Hintergrund und mein Blick weitet sich wieder für die anderen Themen in meinem Leben. Ich fühle mich leichter.

Ist das Frausein, so wie ich es heute lebe, für mich eine Art Ausbruch aus dem Korsett der Lebensumstände ? Vielleicht. Ändern sich die Lebensumstände, ändert sich auch das Gefühl für das Frausein. Das verunsichert mich in meinem Frausein. Ist das wirklich so echt, wie ich es mir denke ? Oder haben die Anderen nicht doch Recht, die in mir einen Mann sehen ?

Ich glaube, hier steckt ein Dilemma, in dem ich mich bewege und die Beschreibungen von Dir und Anderen im Forum zeigen mir, dass ich damit nicht alleine bin. Wenn ich mir Deine Situation anschaue, würde ich auch nur ausbrechen wollen. Frauen, Eltern, Kinder, Arbeit etc. alle wirken auf Dich ein und erzeugen Druck, weil, so wie sie Dich sehen, Du dem nicht entsprechen kannst. Im Grunde sind die Anforderungen ja auch nicht falsch. Aber da ist auch noch mehr. Deine gefühlte Weiblichkeit ist ein Teil von Dir. Deine Erotik ist nach Deiner Beschreibung auch weiblich geprägt. Mit Deinen "kleinen Fluchten" suchst Du Dir einen Weg, alles unter einen Hut zu bringen, aber Du spürst, dass das nicht funktioniert. Wenn Dich Deine Frau fragen würde, was Du machen würdest, wenn Du alle Freiheiten der Welt hättest, hättest Du eine Antwort ?

Ich hätte für mich keine Antwort. Weiblichkeit offen und frei zuzulassen, wäre sicher wichtig, aber nicht die Lösung. Ich glaube, vieles müsste sich neu einpendeln. Man spricht oft davon, dass es in einer Beziehung auch Freiräume geben muss. Aber was bedeuten "Freiräume" ? Für mich sind das die Bereiche in denen ich so sein kann, wie ich mich fühle. Diese Freiräume sind im Kopf und im Herz. Es geht nicht darum, nur sein Ding zu machen, sondern eine Balance zu finden, für sich da zu sein und sich für Andere einzubringen. Nur wenn ich auch ich sein kann, kann ich mich auch um Andere kümmern. Die Alternative ist, in beidem nur Wischiwaschi zu sein. Damit kann man keine gute Beziehung aufbauen. Nur wer sich selber achtet, achtet auch andere Menschen, nur wer sich selber annimmt, nimmt auch Andere an, nur wer sich selber liebt, kann auch lieben.

Es geht um die Balance zwischen Individuum und sozialem Wesen. Dazu muss man wissen, wer man ist und welche Bedürfnisse man wirklich hat. Dazu muss man in sich hineinhören und aufmerksam für sich selber sein. Paradoxerweise steigert das auch die Aufmerksamkeit für Andere.

Geht es mir darum, ein Kleid, einen BH oder Strumpfhosen zu tragen, um mir mein Frausein zu demonstrieren ? Manchmal ja. Wenn ich genauer hinschaue, geht es mir nich um die Kleidungsstücke, sondern es ist ein Signal, dass ich Druck von außen habe, für den ich ein Ventil brauche. Den Druck muss ich aber anders bewältigen. Die Lösung liegt bei mir nicht in kleinen Fluchten. Und da sind dann die Momente, in denen ich ohne Druck mein Frausein lebe. Sei es, dass ich meinen Gefühlen nachgehe, sei es, dass ich ich mich auch als Frau kleide. Das hat dann eine ganz andere Qualität, weil es sich "echt" anfühlt. Ich bin dann ganz in dem Moment.

Das waren eine Menge Gedanken von mir. Ich glaube nicht, dass wir unser Leben mit wenigen Worten oder Rezepten in den Griff bekommen. Das mag manchmal helfen, ist aber nicht von Dauer. Ich glaube, die Selbstreflexion und das Handeln danach ist eine lebenslange Aufgabe, der wir nie ganz gerecht werden können. Aber ich sehe keine Alternative...

Re: Einfach sein...

Verfasst: Mi 2. Nov 2022, 09:29
von Marcia V
Wow, danke dir Vicky für deine Worte.
Da finde ich sehr viel von mir wieder und neue Perspektiven die ich erst mal für mich wirken lassen muss.

Re: Einfach sein...

Verfasst: Mi 2. Nov 2022, 09:45
von Laila-Sarah
Ich sage mir immer:
Eigentlich ist es doch sehr einfach, oder?

Man muss zusehen unterm Strich glücklich zu sein.

Wann das zutrifft und wie das aussieht ist für jede von uns verschieden. Fakt ist aber das es nicht mit Formeln und Weisheiten von aussen geht sondern unsere individuelle Anforderungsliste erfüllt werden muss.

Wenn ich etwas gelernt habe dann nicht starr zu denken sondern sich immer neu zu orientieren. Denn Menschen ändern sich im allgemeinen. Ich meine bei unserer Art ist die Änderungsrate noch viel höher als sonst.

Denke bitte immer daran: es geht um dich und deine Idee vom Leben.

Was ist der unterschied zwischen einem Leben welches von der "normalen" Gesellschaft bestimmt wird und dem welches von der trans Community bestimmt wird? Beides nicht deins.

Ich denke du findest schon deinen Weg und wirst glücklich. Wie es aussieht wirst nur du wissen.

LG

Re: Einfach sein...

Verfasst: Mi 2. Nov 2022, 18:51
von Marit
Marcia V hat geschrieben: Di 1. Nov 2022, 23:54 Nächstes Jahr werde ich 58 da wird es schwer einigermaßen ansehnlich zu erscheinen und dann noch weiblich zu wirken, ein fast unmögliches Unterfangen, da muss man dann doch sehr tief in die Trickkiste greifen.
Da redest du dir selbst etwas schlecht, was nicht schlecht ist. Das Bild mit den Zitronen im Hintergrund zum Beispiel finde ich sehr ansprechend und weder alt noch unansehnlich. In einem Jahr wirst du noch fast genauso aussehen und im Jahr darauf auch. Also wo ist das Problem? Falls du dir vorgenommen hast, mit 60 noch so auszusehen wie du mit 50 ausgesehen hast, dann ist das Problem in deinem Kopf und du wirst dich immer schlechter fühlen, weil niemand, auch die Frauen nicht, die Zeit aufhalten können.
Vielleicht ist es besser, du versuchst so alt oder etwas jünger auszusehen als du gerade bist, das wäre authentisch und macht nebenbei auch sehr zufrieden. Ich weiß, wovon ich rede, gehe ich doch selbst auf die 60 zu und das ist OK für mich. Also, mach dich nicht verrückt und sei wie du bist, alles andere ist eine Anleitung zum Unglücklichsein.

Re: Einfach sein...

Verfasst: Do 3. Nov 2022, 07:21
von ExUserIn-2026-04-08
Marit hat geschrieben: Mi 2. Nov 2022, 18:51 Da redest du dir selbst etwas schlecht, was nicht schlecht ist.
So sehe ich das auch. Ich bin 61 und gestern war ich nach langer Zeit spontan im Werksverkauf bei Heine shoppen. Da ich nach dem Büro dort hin ging, war ich en homme. Meine Scheu als ich den Laden betrat, dauerte nur ein paar Sekunden. Ich wollte knackige Lederjeans und Abendkleider probieren, welche davon mir stehen. Es hat sich wieder einmal bestätigt, dass es für mich nur darauf ankommt, ob ich in und mit der Kleidung "aufgehe". Viele schöne Abendkleider standen mir nicht und nur ein einziges war genau richtig. Da passten Farbe und Schnitt genau so, dass ich mich in meiner Weiblichkeit fühlte, wie es sein soll. Es ergänzte das, wie ich mich fühlte. Der Blick in den Spiegel und das Gefühl am Körper waren einfach nur richtig. Dazu brauchte ich kein Makeup oder sonstige Maßnahmen aus der Trickkiste, sondern nur einen freien Kopf.

Heute weiß ich oftmals bereits beim Auswählen am Kleiderständer, was mir steht. Als ich die knallrote Lederjeans sah, wusste ich, dass sie perfekt war. Und so war es auch. Ich habe mich damit total sexy gefühlt und wäre damit am liebsten damit den ganzen Tag herum gelaufen. Was hat das mit meinem physischem Geschlecht oder mit meinem Alter zu tun ? Nichts, aber auch gar nichts. Das ist ein Stück Freiheit in meinem Kopf, die ich mir im Laufe der Jahre, ja der Jahrzehnte erarbeitet habe und sie fühlt sich total schön und gut an. Meinen ersten Badeanzug habe ich mir 1982 oder 1983 im Laden ohne Anprobieren gekauft. Natürlich war er zu klein :-), aber es war mein Einstieg in eine eigene Garderobe. Damals hatte ich in meinem Kopf ambivalente Gefühle: Gewissheit, etwas falsches zu tun und gleichzeitig Gewissheit, etwas richtiges zu tun. Ich musste nur das eine Gefühl weglassen und das war so schwer. Da passt der Satz dazu:
Laila-Sarah hat geschrieben: Mi 2. Nov 2022, 09:45 Man muss zusehen unterm Strich glücklich zu sein.
Jemand sagte einmal, es reicht, das Unglück aus dem eigenen Leben zu nehmen, um glücklich zu sein. Ich denke, da ist etwas wahres dran. Seneca sagte einmal:
Nicht weil etwas schwierig ist, wagen wir es nicht, sondern es ist schwierig, weil wir es nicht wagen
Das ist so wahr, wenn wir merken, dass wir nur nach dem schauen müssen, was uns unglücklich macht und das dann weglassen, kommt das Glück von alleine. Man muss nur das scheinbare Unwagbare wagen. Und das immer wieder ... :()b

Re: Einfach sein...

Verfasst: Fr 4. Nov 2022, 11:57
von Marcia V
Die Antworten hier haben mich zum Nachdenken gebracht und ich habe mich versucht etwas zu reflektieren. Wo komme ich her wo will ich hin und warum ist es heute so wie es ist. Die GROßEN Fragen des Lebens, sollte man meinen.

Ich bin ein Mensch der eher in die Schublade "graue Maus" passt der sicherlich Anerkennung sucht aber nicht auf der großen Bühne sondern eher in den hinteren Reihen und hofft das er hin und wieder glänzen kann.

Keine Ahnung wann ich meine Fraulichkeit entdeckt habe, ich war auf jeden Fall noch sehr jung so mit 6 oder 7 Jahren habe ich den ersten Kontakt mit Nylons gehabt und von da an hat es mich nie wieder losgelassen. Danach hat es sicherlich auch mit Erotik zu tun, in jungen Jahren weiß man ja eh nicht wohin mit der erwachenden Sexualität.
Dann diese vielen Jahre ständige Achterbahnfahrt mit verstecken"¦.Schuldgefühlen"¦.der Drang auszubrechen, dann wieder alles auf null zu fahren - nur um kurze Zeit später wieder von vorn anzufangen, so wie es vielen in diesem Forum ergangen ist.

Und ja, ich kann nicht sagen wie es wäre wenn ich diese Freiheit hätte täglich als Marcia zu leben ob sich der Drang nach Weiblichkeit mindern würde aber das werde ich wohl nie erleben.
Da kommt meine Frau ins Spiel, natürlich ist es mein Leben und es ist Endlich. Deswegen sollte man es so einrichten wie man möchte"¦.soweit klar.
Meine Frau kommt aus Jugoslawien, sie hat mich hier als Kriegsflüchtling kennen und lieben gelernt. Ein offener und geradliniger herzensguter Mensch der sich in den Hintergrund stellt und für jeden da ist. Als bosnische Muslimin hat sie sich zu mir bekannt obwohl ich eine andere Religion habe, was ja egal sein sollte aber nach den Vorfällen im Bosnienkrieg auch nicht selbstverständlich.
Das ist der Hintergrund, was wir, oder ich wohl unterschätzt hatten ist der kulturelle Unterschied der sich in Kleinigkeiten und Facetten unterscheidet und ständig die Werte oder die erwartenden Lebensvorstellung untergräbt, wenn auch am Anfang nicht wahrnehmbar und man schiebt es weg.
Da wir aber beide treue Seelen sind hat man irgendwann resigniert und macht einfach weiter. Nichts desto trotz lasse ich auf meine Frau nichts kommen, denn sie hat nicht verdient jetzt allein gelassen zu werden vor allem in dieser schwierigen Zeit wo viel bei ihr wieder hochkommt.

So wo bleibe ich"¦...bei Marcia, sie ist mein Fluchtpunkt , mein sicherer Hafen da wo ich mich fallen lassen kann und ich Ruhe finde obwohl es meist mit Stress und Ängsten, ertappt zu werden, einhergeht. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor aber ich bin erst letztes Jahr zum ersten mal als Frau Outdoor unterwegs gewesen und es war wie eine Offenbarung. Ich hab so eine tiefe Zufriedenheit gespürt wie selten zuvor in meinem Leben.
Und jetzt muss ich sehen wie ich das alles unter einen Hut bekomme. Wie schon mal erwähnt weiß meine Frau von meinen Neigungen aber es bleibt möglichst unterm Teppich, sie will es nicht unbedingt im Detail wissen und ich habe doch eine gewisse Scham, so auf die Art — "Es ist so viel Krise und Leid um uns herum und ich hab nichts Besseres zu tun als Frau zu spielen!"

Marcia

Re: Einfach sein...

Verfasst: Fr 4. Nov 2022, 14:07
von Malvine
Hallo Marcia,

es ist schon erstaunlich wie viele hier mit dem gleichen Hintergrund und Entwicklung unterwegs sind. Als ich deine Zeilen oben gelesen habe, konnte ich auch mich sehr gut wieder finden. Aus Gesprächen mit anderen CD und TV habe ich auch schon ähnliches Gehört. Für mich ist es erst einmal ein Trost, aber auch ein Hoffnungsschimmer, das ich nicht der Einzige bin, der so tickt.
Die Anfänge in der Jugend, die Selbstverachtung, weil man denkt "ich bin nicht normal", die Abkehr, das erneute Aufflammen, die Partnerschaft, die Verbundenheit zum Ehepartner, das ganze Muster zieht sich bei vielen wie ein Faden durchs leben.
Und dennoch bleiben auch bei mir Zweifel, ob meine Weg mit/als Malvine wirklich richtig ist. Bin ich wirklich auf der falschen Spur als Ehemann? Die Scham gegenüber einer geliebten Frau, die Angst etwas zu zerstören, was mir wichtig ist. Die Befürchtung den Partner zu "ent-täuschen". Wer bin ich, was will ich...was ist meine Verantwortung in der Partnerschaft meiner Frau gegenüber?

Mich quälen da derzeit so viele Fragen, meine Seele leidet , aber da ist immer noch Malvine, die ich nicht wieder hergeben möchte - denn sie tut mir gut....oder denke ich das nur und flüchte in eine Fantasiewelt?

Um deinen Faden hier nicht ganz zu beschlagnahmen, was hälst du von einem eigenen Faden zum diesem Thema?

Gruß
Malvine

Re: Einfach sein...

Verfasst: Fr 4. Nov 2022, 18:33
von Maike
Hallo Ihr Lieben,

es ist wirklich unglaublich, wie sich unsere Biographien und Gefühlswelten ähnlich sind. Viele Eurer Überlegungen hier bewegen mich auch sehr. Ich greife daher den Vorschlag von Malvine auf
Malvine hat geschrieben: Fr 4. Nov 2022, 14:07 Um deinen Faden hier nicht ganz zu beschlagnahmen, was hälst du von einem eigenen Faden zum diesem Thema?
und starte mal einen neuen Thread zum Thema "Gefühlswelten": viewtopic.php?f=16&t=25715

LG Maike

Re: Einfach sein...

Verfasst: So 20. Nov 2022, 17:09
von Marcia V
Heute mal wieder etwas von mir,
ich war ja in letzter Zeit eher etwas passiv hier im Forum unterwegs und es ist mir mal wieder aufgefallen wie das Thema "Outing" vielen unter den Nägeln brennt.
Eigentlich bin ich meiner Frau gegenüber geoutet, irgendwie zu mindestens. Da ich zur Zeit irgendwie nicht dazu komme Marcia auszuführen (cry) bin ich auf den glorreichen Gedanken gekommen meiner Frau weitere Fotos von meiner weiblichen Seite zu zeigen. Der Gedanke dahinter war das wir etwas ins Gespräch kommen und ich mich eventuell Schminken und Umziehen könnte um einige Tipps von ihr zu bekommen oder zu mindestens ihre Meinung erfahren könnte was für eine Wirkung ich auf Andere habe (also so etwas wie hübsch, gruselig oder geht ja gar nicht).
Also hab ich im Vorfeld, von meinen hunderten Fotos, einige Bilder, die seriös und für diesen Zweck geeignet waren vorsortiert. Dann nahm gestern meinen Mut zusammen und bin über 15 Kurven auf die Zielfrage zugesteuert ob sie Interesse hätte einige Fotos anzuschauen. Die erste Gegenfrage war, hast du ES schon wieder gemacht. "Nein, es ist schon etwas her und es auch einige ältere Bilder dabei. Mich würde nur mal deine Meinung interessieren wie das auf dich wirkt. Du musst aber nicht wenn du es nicht willst." war meine Antwort.
Sie willigte ein und etwas später saßen wir vor dem PC und es ging los. Meine Frau wurde immer ruhiger am meisten irritierte sie Aufnahmen von Marcia in unserer Heimatstadt. Und sie meinte." Das darfst du nicht wenn dich jemand erkennt..... Irgendwann sagte sie gar nichts mehr und ich fragte ob sie schockiert sei. "Nein", aber irgendwie zog sie sich aus dem Thema heraus sah sich die restlichen Bilder an und verlor kein Wort mehr darüber. Bei weiterer Nachfrage kam so etwas wie." machst du nicht so schlecht" genuschelt als Antwort. Ich begrub dann meine weiteren Pläne da ich den Bogen nicht überspannen wollte und begrub das Thema.

So bin ich jetzt geoutet...ja. Natürlich nur meiner Frau gegenüber aber ich habe kein besseres Gewissen dadurch. Ich weiß meine Frau wünscht sich einen Mann, egal das wir nun schon ein Viertel Jahrhundert zusammen und die Gefühle und erotischen Momente abgeflacht sind. Aber ein Mann soll es sein, nicht so Irgendwas. Es ist von ihr wahrscheinlich nicht akzeptiert sondern nur so hingenommen hat aber, aus ihrer Sicht, nichts mit uns zu tun. Das schlimmste wäre wenn irgendjemand das mitbekommen würde (was ich ja auch nicht will) und die Nachbarn/Familie mit den Fingen auf mich zeigen würden, sinngemäß. Also ziehe ich mich wieder in mein Schneckenhaus zurück und tu so als ob nichts passiert wäre.

Also ziehe ich mein Fazit zu dem Thema Outen, wenn es nur toleriert wird hat man eigentlich nichts gewonnen. Es wird trotzdem heimlich und im verborgenen geschehen. Solange der Partner es nicht mit einen lächeln als deine Persönlichkeit annimmt sondern zähneknirschend hinnimmt wird es nicht nur eine Neigung oder Lebensgefühl sein, sondern es wird immer Reibungspunkte geben die eine junge Partnerschaft extrem auf die Probe stellt (eventuell auch langjährige Beziehungen). Das Problem dabei, und das ist das schwierige, man kann seinen Partner zwar einschätzen doch wie er am Ende reagiert ist offen.

Und so wartet Marcia bis sich irgendwo eine Lücke auftut um in einer abgelegenen dunklen Ecke, ab und zu, zum Vorschein zu kommen.
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Marcia 💔

Re: Einfach sein...

Verfasst: So 20. Nov 2022, 17:59
von Nicole Fritz
Hallo Marcia,

ich bin erst gerade eben auf diesen Beitrag gestoßen. Da kommen Erinnerungen an eine lange vergangene Zeit hoch. Lange vergangen? - 2017 bis 2019. Da erblickte Nicole das Licht der Welt - und wurde dann von den C.. - Maßnahmen unterdrückt und zerstört. Die Fotos lassen mich irgendwie wehmütig zurück blicken. Es war ein Ausblick auf so etwas wie ein neues Leben, heraus aus der Dunkelheit der Nacht und dem Verstecken.

War es aber wirklich eine neue Perspektive, oder nur ein neuer Versuch so etwas wie Anerkennung in einer Welt zu erhaschen, die noch nie die meine war? Nicole, Klaus, oder was auch immer - es ist bedeutungslos geworden.

Wie war es mit Nicole ganz am Anfang? Hier ein Foto:

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Liebe Grüße
Nicole