EmmiMarie hat geschrieben: Mi 19. Jan 2022, 11:49
MichiWell hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 17:50
Sorry, aber seit wann ist Bauchgefühl der Maßstab dafür?
Jaddy hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 21:32
betrifft dein Bauchgefühl
doch genau, im gesamten Prozess der Transition geht es genau darum, um Bauchgefühl,
um Selbstwahrnehmung und um Empfindungen und um das Sein an sich.
Es geht um wie wurdest du sozialisiert-in meinem Fall eher nicht sozialisiert.
Aber gibt es ein wirkliches Hardfact was mich erklärt und warum ich bin wie ich bin?
Nein, gibt es nicht...
[...] Es heisst immer wieder: rede mit den Leuten, sei sichtbar, zeig dich damit die grosse
Masse uns (be)merkt...was zum Henker sollte dann der Grund sein, das ich nicht noch
2, 3 oder 4 Gespräche führe um zu bekommen was ich aus ganzem Herzen möchte?
Welcher? Hab ich was zu verbergen, nein, habe ich nicht!
Ich rede auf dem Weg mit zig Fachpersonen und es stört mich kein bisschen,
ja, ich finde das sogar gut..weil die was lernen und ich auch.
[...] Was mir aber aufgefallen ist-seit das die Self-ID im Raum steht ist die Tonart härter
geworden. Seit dem gibt es TERFs und andere Menschen die immer kritischer werden.
Menschen die negative Bilder zeichnen, obwohl sie weder eine Ahnung noch Kontakt
hatten..das sind verdammt nochmal deren Gefühle die genauso wenig anzuzweifeln sind
wie meine..
So, und die wären wieder ruhiger, wenn die Self-ID etwas entschärfter, kontrollierter
rüberkommen würde-meinetwegen mit einer Art von "das ist zertifiziert"...
also keine Gefahr zu erwarten, es ist gut und richtig so...
Auf jeden Fall sollte es mehr Sichtbarkeit, mehr Kontakt, mehr Beispiel geben und auch mehr offen als trans auftretende Menschen. Bin ich voll bei dir. Praktiziere ich auch. Einerseits weil ich quasi muss - auf nicht-binär kommen 95% der Leute nicht von selbst - anderseits weil ich kann. Sprich: Ich habe ein supertolles Umfeld, bin sozial und materiell so abgesichert, dass ich keine Nachteile zu erwarten habe. Jedenfalls keine, die ich nicht bewältigen könnte. Und ich habe keine biografischen Altlasten in meiner Seele. Keine Ausgrenzung deswegen, kein Mobbing, keine strikt binäre Sozialisierung. Ich bin so dermassen unfair privilegiert, dass ich sogar Vorträge halten,
Flyer verteilen und meinen ganzen Kram selbst bezahlen kann.
So geht es aber bei weitem nicht allen. Es kann deshalb auch nicht von allen verlangt werden, sich gleichermassen offen zu zeigen und ständig zu intervenieren, zu argumentieren und zu erklären, wenn mal wieder Unfug über trans, inter, nicht-binär verbreitet wird.
Gerade _weil_ es keinen "messbaren", "beweisbaren" Grund für unser Selbstgefühl gibt, sollten alle Ansätze, da irgendwas testen oder nachweisen zu wollen abgeschafft werden. Auch wenn viele die Prozeduren irgendwie schaffen, sowohl emotional, als auch die Kosten, die Nerven, die Zeit. Sie sollten abgeschafft werden, weil sie eben willkürlich sind und nicht funktionieren. Sie sind Theater. Gutachtende können nur auf Stereotypen-Kompatibilität "testen" und Klientys tanzen ihnen die Stereotype vor. Nicht-binär geht gar nicht, weil gar nicht definierbar. Alles vollkommen subjektiv, fehlerhaft, dysfunktional und unsinnig teuer.
Abgesehen davon gibt es bekanntermassen immer wieder vollkommen unangemessene "Tests", wie Beurteilung des Gangs, Fragen nach sexuellen Phantasien und Praktiken, sexueller Orientierung, optische Kontrolle des Intimbereichs, usw. Für keinen Erkenntnisgewinn, sondern im ungünstigen Fall traumatisierend. Ganz nebenbei geht es auch ein Gutachty überhaupt nichts an, zu welchen Bilder irgendwer masturbiert hat. Es hat null Bezug dazu, ob und welchem Gender ich mich zugehörig fühle.
Und noch mal: Rechtlich gesehen hat der Geschlechtseintrag keine Bedeutung mehr. Mit dem Wechsel sind keine anderen Rechte oder Pflichten verbunden. Er hat kein rechtliches Missbrauchspotenzial.
So, warum wird die Diskussion scheinbar heftiger? Weil Ängste (durch fehlende Information und Erfahrung) und offene Feindlichkeiten dadurch zutage kommen
die es eh schon gibt. Die werden jetzt nur
auch im Diskurs sichtbar. Die Ängste und Feindlichkeiten sind aber seit langem tagtäglich aktiv und werden auf trans Personen abgeladen, die irgendwo sichtbar werden. Tagtäglich.
Keine Schein-Zertifizierung, kein Gutachten-Theater wird etwas daran ändern. Die meisten Menschen da draussen wissen ja nicht mal, welche
Hürden und Regeln trans Personen überwinden müssen.
Appeasement ist wie bei Homosexualität und anderen Themen gruppen- bzw merkmalsbezogener Menschenfeindlichkeit nie zielführend. Es funktioniert einfach nicht.
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(https://www.reddit.com/r/PoliticalHumor ... for_unity/)
Die Auseinandersetzung muss - dosiert - geführt werden. Mit Offenheit, mit Beispiel, mit Sichtbarkeit von allen, die es sich leisten können, auch für jene, die es sicht nicht leisten können.
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