Erich_Erika hat geschrieben: Di 23. Jun 2020, 12:41
Aus einem solchen Loch komme ich nur heraus, wenn es mir gelingt mein Leben so zu verändern, dass ich mehr positive Eindrücke oder Empfindungen erhalte.
!EmmiMarie! hat geschrieben: Mi 24. Jun 2020, 13:09
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Guten Morgen liebe Erika
Entschuldige es mir bitte, weil ich dir jetzt erst reagiere. Aber manchmal lasse ich das gesprochene/geschriebene Wort einfach gerne noch in mir wirken bevor ich darauf reagiere. Und manchmal fordert mein reales Leben mich einfach zu sehr, und ich finde keine ruhige Zeit um meine Gedanken runter zu tippen.
Ich erlebe es auch hin und wieder, dass es in unserer Gesellschaft nicht so gern gesehen wird, wenn man sich mit seiner Antwort etwas Zeit nimmt. Oft genug spricht es mein Gegenüber auch zu mir aus, dass es ihn nervt, weil man immer auf meine Reaktion/Antwort warten müsse. Für mich selbst ist es dann immer und immer wieder Training, diesen Druck der Neugier meines Gegenübers auszuhalten und mich nicht drängeln zu lassen, vor allem, wenn er sich schon getraut hatte mir zu sagen, ich solle doch nicht immer so lange für eine Antwort überlegen, sondern einfach spontan drauf losquatschen, wie alle anderen halt auch.
Warum erzähle ich dir das? Nun ja, ich bin der Meinung wir werden durch unsere eigene Unachtsamkeit, dazu verführt, dazu verleitet so zu sein, wie Andere, egal bei welchem Thema. Ich bin mittlerweile der Meinung, dass wir es uns selbst antrainieren so zu sein, wie die breite Masse. Gewohnheiten, Sichtweisen, Einstellungen werden quasi mit vererbt. Uns von den schlechten Gewohnheiten zu lösen, die wir förmlich mit der Muttermilch in uns aufgesaugt haben, scheint für viele Menschen unrealistisch, allerdings für manche auch vollkommen unnötig. Meiner Meinung nach aus zwei Gründen. Zum einen haben wir es so verinnerlicht und es ist zu "unserer" Wahrheit geworden und zum anderen, falls wir doch an den Punkt kommen, wo wir die nicht so vorteilhaften, alten, elterlichen Gewohnheiten erkennen und ablegen wollen, scheitern dann viele trotzdem an der Umsetzung. Warum? Weil das echte Arbeit an sich selbst bedeutet und das mit einer beständigen Ausdauer.
Es ist ja nun nicht so, dass mir selbst dies und das einfach so im Schlaf über Nacht so zufällt. Von mir verlangt das genauso beständige Einsicht und Arbeit an und mit mir selbst , wie bei jedem anderen Menschen auch. Ich habe aktuell nur den kleinen Vorteil, dass ich schon etwas länger im Training stecke, und es mir demzufolge etwas leichter fällt, mich selbst zu erkennen und zu korrigieren, zu lenken.
Mir ist es auch oft genug unangenehm darüber (vor allem) öffentlich zu sprechen, weil ich zu oft missverstanden werde. Dieses Thema hier "Null Promille" ist doch gerade wieder ein Beispiel. Ich bin EmmiMarie sooo dankbar, weil Sie es wiederholt geschafft hat, viel mutiger, viel direkter hier zu reagieren. Ich selbst bin dann vorzugsweise eher der Denker, und denke dann lieber über die anderen Sichtweisen nach. Das bedeutet nicht, dass ich keinen eigenen Standpunkt habe. Aber all zu oft unterscheidet sich meine Meinung, Sichtweise von dem der breiten Masse.. sry. Und Marie ist da dann etwas gefestifter als ich (in meiner Wahrnehmung) und Sie steht öffentlich mutiger zu ihrem Denken und Tun. Denn im aktuellen Fall hier, hat Sie im Post Nr. 54 mir extrem aus dem Herzen gesprochen. Ich fühle mich da einfach blind verstanden. EmmiMarie empfindet zB meine Worte auch nicht als Gängelung, eben, weil wir uns im Denken oft genug ähneln. Warum? Weil Sie aus (sry) einem Elternhaus kommt, die von Anfang an eine herzliche, offene und warme Einstellung als Eltern vorgelebt haben. Marie hat hin und wieder hier erzählt, wie weltoffen Sie erzogen wurde, und wie unkompliziert Sie erzogen wurde trotz und vielleicht auch eben darum, weil Sie Trans ist. Marie's Erzählungen beweisen es doch, welche gravierenden Auswirkungen unsere Kinderstube auf unser ganzes Leben hat.
Und wenn man nun in ein Elternhaus hinein geboren wurde, was das ganze Gegenteil von dem ist, was Marie uns bisher so erzählt hat, dann liegt es nicht an dem Elternhaus welches man hat, warum man heute nix ändern könne, sondern einzig und allein nur an einem selbst.. sry. Die Voraussetzung zur Veränderung ist Einsicht, beständige Kraft und Wille sich selbst verändern zu wollen. Nicht mehr und nicht weniger.
Es bringt uns nicht weiter, uns in dem Strudel der Hilflosigkeit gefangen zu halten. Unsere eigenen Gedanken sind es die wir lenken können und diesem Fall auch müssen. Einstein hat es uns doch auch schon gesagt, dass wir niemals Veränderungen erreichen, bzw erleben werden, wenn wir alles beim Alten lassen. Wenn wir selbst merken, dass wir Leiden, gibt es nur zwei Wege. Den leichten Weg der Gewohnheit der uns tiefer und tiefer mit dem elterlichen Strudel abwärts zieht. Oder der beschwerliche Weg aufwärts.
Wir wissen es Alle welcher Weg der leichtere ist. Wir wissen es aber auch, welche Belohnung am Ende auf jeder Seite auf uns wartet
Es ist nicht so, dass die Welt nur positiv, oder nur negativ ist. Es gibt keine Wahrheit darüber. Die Welt ist einfach nur. Wir selbst sind es, die wir uns unsere Welt dunkel und düster, oder hell und strahlend denken. Es ist eine Frage des Trainings, wie wir denken. Der eine übt es Tag ein Tag aus zu jammern, zu nölen, zu meckern und der andere halt nicht. Der Eine übt es halt lieber das Schöne zu sehen. Sein Fokus sucht halt immer das positive, und dass wird irgendwann genauso zur Gewohnheit, so wie beim Nörgler das Gemecker, das Klagen, das Jammern.. sry
Liebe Erika verzeih mir bitte meine sooo vielen Worte.
Und danke für deine Geduld mit mir, falls du mich echt bis zum Ende hier her gelesen hast.
Namaste
