Moin,
Es ist schon interressant wie sich auch meine Wahrnehmung verändert.
Sind Gefühle nicht Reaktionen auf Wahrnehmungen ? Und ändert sich die Wahrnehmung, ändern sich die Gefühle. Und was ich wahrnehme, wird durch meine inneren Einstellungen und Werte gesteuert. Und hier liegt für mich die Kernfrage:
Gibt es einen Bereich in mir, der unveränderlich ist ?
Wenn ich das richtig überblicke, habe ich den Eindruck, dass die meisten die Identität dieser Ort sein könnte. Aber selbst die ist mMn nicht unveränderlich. Sie verändert sich z.B. mit dem Alter. Als Bild würde ich einen Fluss nehmen, der in seinem Verlauf nie der gleiche ist.
Nur weil wir nicht willens oder in der Lage sind, in unserem Kopf die Veränderungen herbei zu führen, die wir uns wünschen, heißt das nicht, dass wir in diesen tiefen Bereichen nichts ändern können. Im Gegenteil, es wäre verwunderlich, wenn wir in uns etwas "hardwaremäßig" Verdrahtetes haben sollen, wenn alles andere veränderlich ist.
Vergessen sollte man nicht, dass man auch den männlichen Körper nicht zu dem einer Frau machen kann. Die Gene ändern sich nicht, der Hormonhaushalt muss ständig medikamentös angepasst werden und die Organe sind auch nicht die einer Frau. Es ist eine Anpassung äußerlicher Gegebenheiten.
Nicht falsch verstehen, ich respektiere jeden Menschen, der sich dieser Prozedur unterzieht und wünsche jedem/r, dass das richtig für ihn/sie ist. Aber ich denke, wir diskutieren unter annahmen, die vielleicht plausibel scheinen, mMn aber nicht zwangsläufig sind.
die Geschichte der entsprechenden Änderungsversuche der Psyche ist eine Geschichte der Fehlschläge, weshalb man aktuell bevorzugt den Körper anpasst.
Das ist auch richtig. Aber die Anpassungsversuche entstehen unter der Annahme, dass etwas falsch ist und korrigiert werden muss. Aber stimmt denn das überhaupt ? Viele TS verweisen immer wieder auf den inneren Konflikt Identität - Körper. Das kann ich nicht nachvollziehen und versuche es zu verstehen. Aber immer wieder lande ich dabei bei der Annahme, dass die Identität unveränderlich sei. Das entspricht der Erfahrung vieler Menschen in dieser Frage, kann aber u.a. aus o.g. Gründen auch in Frage gestellt werden. Damit will ich nicht sagen, dass das Empfinden falsch ist. Es könnte ja auch richtig sein. Aber wenn man in der Frage weiter kommen will, muss man diese Annahmen hinterfragen dürfen.
Die Annahme, dass im Bereich Körper - Identität etwas falsch ist, hat für mich auch noch eine andere Dimension. Sie erlaubt mir nicht, mich anzunehmen, wie ich bin. Oder anders gesagt, man ballert sich ständig mit negativen Impulsen voll. Das dürfte ziemlich ungesund sein und könnte den Widerspruch noch weiter anheizen. Was passiert, wenn ich mich in diesem vermeintlichen Widerspruch als "richtig und wertvoll" erachte und ihn damit auflöse ? Gibt es dann noch den Wunsch nach Veränderung, egal ob physisch oder psychisch ?