Seite 4 von 8

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 18:50
von NanaVistor
Frauke hat geschrieben: Sa 22. Jul 2017, 15:58
MichiWell hat geschrieben: Sa 22. Jul 2017, 13:16Dieses übertriebene, geradezu zwanghafte Passing hat zur Folge, dass wir als Transmenschen so gut wie nicht wahrgenommen werden, damit praktisch nicht existent sind. Unsere Mitmenschen sind somit auch viel eher geneigt, uns das Recht abzusprechen, unser Dasein frei auszuleben.
Na vielleicht liegt das aber auch daran, wie man/frau sich sieht. Ich z.B. bin kein Transmensch, sondern eine Frau (wenn auch mit einem speziellen Hintergrund). Von daher möchte ich auch als Frau wahrgenommen werden.
ich möchte auch als Frau wahrgenommen werden, bin jedoch zu keiner Zeit eine Frau
wenn ich für eine Frau gehalten werde, freut es mich
wenn nicht, dann kann ich auch nichts machen (ausser mich verbessern)
wie die "Dame" vom EP wahrgenommen werden möchte, müsste man sie fragen
es ist tatsächlich manchmal so, dass sie es nicht besser wissen...

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 23:07
von Nora_7
Natürlich habe am Ende ich allein die Verantwortung. Das bedeutet aber auch, die Konsequenzen ob positiv oder negativ zu akzeptieren, auch über meine persönlichen hinaus. Denn das Erscheinungsbild wird nun mal "schubladisiert".

Nora_7

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 23:51
von Marielle
Juten Abend die Damen und Herren, die Befreiten und die Unentschiedenen,

ick finds ja irjendwie zimmlich abjefahrn. Da jeht inna Schweiz eener über ne Brücke, um von ditt eene Ufer an ditt andere zu kommen, fühlt sich vielleicht ooch noch jut dabei, und zack, machen sich n Haufen Leute hier bei uns inne Bundesrepublik Sorjen um ihre xenocaputokinooptische Reputation.

Also vastehste, wa? Wejen die Art, wie sie von die andern anjekiekt werden und welchen Film die andern denn Im Kopp habn, deswejen machen se sich Sorjen. Sojar in ihre eejene Identität fühlen se sich jestört, wenn da inne Alpen mal eener über ne Brücke marschiert.

Und watt man allet über son Menschen weess, wenner über ne Brücke jeht. Mit nur een mal über ne Brücke jehn legste quasi allet offen, dett janze Sein. Sojar ditt eejene Sexualbefinden. Doch, kannste glooben. Ditt is ... also ... wenn da eener in Feinripp, Socken und Latschen über ne Brücke jeht, neben Muddi im Plissee, denn weesste uff de Jenaue, dett da nix mehr jeht, im Bette. Muddi hat Migräne und Vaddi Märklin. Da staunste, wa?

In Finnland quietscht ne Tür, in China fällt n Sack Reis um und nix passiert. Abba wenn inne Schweiz eener in schicke Schuhe über ne Brücke jeht, denn is Alarm im Karton. Wies wohl erst losjeht, wenn hier in Preussen ma eener in Pömps n Koppstand uff ner Brücke macht und denn ooch noch mitn paar Reissäcken und ner quietschenden Tür jongliert? Den Uffstand mach man sich janich vorstellen. Dett jibt denn bestimmt Revolution. Oder schlimmeret? Normativolution?

Ick gloob, ick mach mir besser ooch langsam Sorjen.

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: So 23. Jul 2017, 08:54
von ExuserIn-2022-05-28
Lina hat geschrieben: Do 20. Jul 2017, 18:30
Es ist doch völlig OK, knallige Farben, Minirock so kurz und eng, dass man eigentlich alles sehen kann, dazu bizarre Plateau High-Heels, die den Hintern und die Länge der Beine hervorheben - wenn man damit sagen will: "Ich will, dass der Betrachter so schnell wie möglich und als erstes an Sex denkt - selbst wenn ich keine Interaktion mit ihm haben werde, will ich seine Phantasien anregen, weil es mir Spaß macht."
Hi
Da man aber gelernt haben sollte, dass es Individuen gibt, die in solchen Fällen keine Kontrolle über sich haben, darf man sich nicht wundern, wenn es dann zu Übergriffen kommt.
Ich spreche hier nicht von normaler Kleidung oder Minirock sondern von solchen, oben zitierten, bewussten Provokationen.

Wenn ich mich in eine Horde Schalke Hooligans Stelle und über Schalke herziehe
brauche ich mich auch nicht zu wundern wenn es brenzlig wird.

Ich finde entsprechende aggressive Reaktionen absolut nicht OK, würde aber auch nie auf die Idee kommen so etwas provozieren zu wollen.

Wir sollten in unserem Handeln also immer bedenken, welche Reaktion man damit hervorrufen könnte und erst dann handeln, darf mich dann aber auch nicht über die Reaktionen wundern. Weiterhin sollte man bedenken, ob das eigene Handeln anderen schaden könnte und dann nicht so egoistisch sein es dennoch zu tun.

Beispiel: es gab mal ein Video unter YouTube mit dem Stichwort Transsexuell. Da stieg ein Mann am hellen Tag nur mit einer Sexpuppe bekleidet aus dem Auto. Anhand der Kommentare konnte man gut erkennen, dass so wieder einmal erhebliche Vorurteile über die Gruppe der Transsexuellen aufgebaut wurde.

LG Chrissie

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: So 23. Jul 2017, 10:22
von Michi
Marielle hat geschrieben: Sa 22. Jul 2017, 23:51 Juten Abend die Damen und Herren, die Befreiten und die Unentschiedenen,

ick finds ja irjendwie zimmlich abjefahrn. [...]
Hallo Marielle,

ich hatte anfangs etwas Mühe, den Dialekt zu "lesen", habe dennoch herzlich gelacht. Vielen Dank dafür. (yes)

Zwar befürchte ich dass das Verständnis bei den Adressaten eher nicht am geschriebenen Dialekt scheitert,
aber in diesem Falle würde ich mich liebend gern irren.

Liebe Grüße
Michi

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: So 23. Jul 2017, 10:38
von Michelle_Engelhardt
Liebe Marielle.


"xenocaputokinooptische"


Nicht mal Google kennt dieses Wort......bitte lass mich nicht dumm sterben )))(:


Liebe Grüße vom ausn Ruhrpott

Michelle

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: So 23. Jul 2017, 11:03
von Michi
Chrissie hat geschrieben: So 23. Jul 2017, 08:54 Da man aber gelernt haben sollte, dass es Individuen gibt, die in solchen Fällen keine Kontrolle über sich haben, darf man sich nicht wundern, wenn es dann zu Übergriffen kommt.
Ich spreche hier nicht von normaler Kleidung oder Minirock sondern von solchen, oben zitierten, bewussten Provokationen.
[...]
Ich finde entsprechende aggressive Reaktionen absolut nicht OK, würde aber auch nie auf die Idee kommen so etwas provozieren zu wollen.
[...]
Beispiel: es gab mal ein Video unter YouTube mit dem Stichwort Transsexuell. Da stieg ein Mann am hellen Tag nur mit einer Sexpuppe bekleidet aus dem Auto. Anhand der Kommentare konnte man gut erkennen, dass so wieder einmal erhebliche Vorurteile über die Gruppe der Transsexuellen aufgebaut wurde.
Hallo Chrissie,

völlig richtig! Es gibt diese Menschen, die sich nicht oder nur schwer unter Kontrolle haben.
Ebenso ist es richtig, dass sich eigentlich jede(r) bewusst sein sollte, dass es diese Menschen gibt.

Das Problem ist aber: Wo willst du die Grenze ziehen? Für die einen ist es noch völlig "normal", wenn die Strumpfhalter unter dem Rock herausschauen, und die anderen finden schon einen "Minirock", der eine Handbreite über dem Knie endet schon extrem nuttig. Selbst hier im Forum sind so unterschiedliche Positionen keineswegs selten.

Zu dem Video: Ich kenne es nicht, und kann dementsprechend auch die Kommentare nicht beurteilen.
Nach meiner Erfahrung werden Vorurteile aber in erster Linie "gepflegt" - will sagen: Die, die sich dazu berufen fühlen, verächtliche Kommentrare abgeben, haben diese Vorurteile bereits, und sind nur auf der Suche nach deren Bestätigung. - Das macht es freilich nicht besser.

Was man dagegen machen kann? Schwer zu sagen!

Dazu Albert Einstein: "Es ist einfacher ein Atom zu zerstören, als ein Vorurteil."

@all

Es ist und bleibt sehr schwierig. Ich kann wohl jene verstehen, die als TV/TS möglichst unauffällig leben wollen. Aber man muss sich auch der Konsequenzen bewusst sein. Wie soll etwas erkennbar und damit Normalität werden, was sich immer nur versteckt und allein im Verborgenen existiert?

Wenn wir uns immer nur verstecken, dann haben jene gewonnen, die uns vorverurteilen, und wir haben zugleich unsere Freiheit verloren.

Wir sollten Jenen dankbar sein, die den Mut oder auch nur die Naivität haben, aufzufallen, anstatt sie ebenso zu verurteilen.

Und das schreibe ich als Teilzeitfrau, die ebenfalls überwiegend bemüht ist, möglichst wenig als biologischer Mann erkennbar zu sein.


Liebe Grüße
Michi

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: So 23. Jul 2017, 21:22
von Britt
MichiWell hat geschrieben: Sa 22. Jul 2017, 13:16 Hallo Britt,

im Grunde genommen tust du auch nichts anderes als andere Menschen. Diese Freiheit würde ich dir niemals absprechen, auch wenn es mir selbst viel lieber ist, wenn die Frauen freundlich interessiert gucken, und vielleicht auch mal bissel neidisch.

@all: Das Grundproblem am "Passing-Wahn" ist doch, dass wir, um so mehr wir uns der grauen Masse anPASSEN, auch um so weniger in Erscheinung treten.

Dieses übertriebene, geradezu zwanghafte Passing hat zur Folge, dass wir als Transmenschen so gut wie nicht wahrgenommen werden, damit praktisch nicht existent sind. Unsere Mitmenschen sind somit auch viel eher geneigt, uns das Recht abzusprechen, unser Dasein frei auszuleben.


Liebe Grüße
Michi
Hallo Michi,
vergesse doch bitte mal das Passing. Womit die Frage übrig bleibt, warum rennt Frau so rum? Also ich ziehe an wozu ich Lust habe, wonach ich mich fühle.

Britt

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: So 23. Jul 2017, 21:36
von Marielle
Hallo Michelle, Nabend zusammen,
"xenocaputokinooptische" Nicht mal Google kennt dieses Wort......
Das ist ein Quatschbegriff mit ernstem trans-Hintergrund. Als der Beitrag noch ein Entwurf war, wurde er mal als ernstes Wörtchen geboren. Ich find ihn aber witzig und bin eh so langsam der Ansicht, dass ich diesem Thema möglichst nur noch mit Humor begegnen sollte.

Zusammengebastelt isser aus

xeno = fremd- ; (Xenos = der Fremde)
Caput = der Kopf
Kino = Kino (Raum für Filmvorführungen)
optisch = mittels Licht übertragen, sichtbar
Reputation = das Ansehen einer Person

Der Quatschbegriff meint also die gefühlte, abwertende Wirkung (auf die eigene Reputation) eines vermuteten Films, der im Kopfkino (caputokino) eines Fremden (xeno) über andere Fremde (auch xeno) laufen könnte. Das Drehbuch dieses Films beruht auf nichts weiter als der von aussen (optisch) sichtbaren Information über jemanden.


Zum Beispiel so:

Jemand sieht mich mit Bart, Rock und Pumps in der U-Bahn sitzen (oder über eine Brücke gehen, wenn die Geschichte im Ausland spielt). Dieser Mensch weiss nichts weiter über mich, als dass ich grade in der U-Bahn sitze, Pumps, Rock und Bart trage und was er sonst noch (optisch) sehen kann; eine Handtasche aus der ein Trans-Pinguin rausguckt, ein besticktes Top, stark behaarte Arme, rasierte Beine, ein Blumen-Tattoo, die Halskette, das bunte Armband, breite Hände usw.. * (siehe Fussnote)

Der Fremde (xeno) weiss also ungefähr nichts über mich und meine Selbstbestimmung. Und auch ich hab in dem Moment absolut keine Ahnung, was in seinem Kopf (Caput) vorgeht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass er einen Film im Kopf hat (Kino), in dem Menschen mit behaarten Armen und in Pumps halbnackt um ein Feuer tanzen, schmutzige Lieder singen und rothaarige Jungfrauen opfern (Himmel, hat der 'ne Phantasie :P ).

Obwohl ich ganz sicher weiss, dass ich das mit den Jungfrauen nicht tue und auch nicht tun will, könnte ich mir wegen des möglichen Kopfkinos des Anderen aber vielleicht trotzdem Sorgen um mein Bild in der Öffentlichkeit machen. Wer will schon gerne für jemand gehalten werden, der Jungfrauen opfert? Ich rasiere mir also den Bart ab und auch die Arme werden rasiert. Ich setze mir eine Perücke auf, schminke mich und schicke den Trans-Pinguin in die Wüste Antarktis. Das alles in der Hoffnung, dass andere Leute in einer anderen U-Bahn dann einen ganz anderen Film im Kopfkino haben, wenn sie mich sehen. So einen wie die Waschmittel-Werbung von damals vielleicht; treusorgend, sauber, adrett (und mit 'nem leicht penetranten Geruch nach chemisch imitierter Frische).

Das kann man so machen und es ist auch OK. Der Clou daran ist aber: Der Kopfkinofilm des Fremden hätte schon kaum eine vernünftige Informationsbasis und obendrein weiss ich selbst absolut gar nichts über diesen Film. Vielleicht gibt es ihn, vielleicht nicht. Vielleicht kommen darin weder Jungfrauen noch ich selbst vor. Womöglich starrt der Fremde einfach nur so Löcher in die Luft und denkt leise schluchzend an den letzten Kontoauszug. Dann wären seine finanzielle Schieflage und meine Fehleinschätzung über einen nie gelaufenen Film der Grund dafür, dass ich mich anders verhalte, als ich es eigentlich möchte. Na super, da geh ich doch lieber gar nicht erst ins Kopfkino.

Richtig kurios wird die Sache, wenn ich mir nicht selbst Gedanken über das Kopfkino des Fremden mache, sondern eine dritte Person (auch xeno) dies tut, die zufällig auch in dieser U-Bahn sitzt. Diese Person könnte sich dann zusammenphantasieren, dass die Sicht des Fremden auf meine Person (also die Sache mit den Jungfrauen) irgendetwas mit ihr selbst und ihrer Reputation (Reputation) zu tun hätte. Und wenn sie dann, wegen ihrer Fehlinterpretation des vermeintlichen Kopfkinos des Fremden, das wiederum auf keiner vernünftigen Information über mich basieren würde, mir ein normiertes Äusseres verpassen will, ist die Sache komplett dem Wahnsinn anheimgefallen.

Wenn der Fremde auch noch aus Hollywood käme, sähe man Im Abspann des Films die Reste der individuellen Selbstbestimmung, umtanzt von rothaarigen Jungfrauen, auf dem Altar der Normierung verglühen und in die Nase stiege ein Geruch, der irgendwie an Persil erinnert.


Fazit: Ich stülpe mir keine Normierung über, nur weil ich zufällig in der gleichen U-Bahn sitze wie ein Typ, der kein Kopfkino, sondern ein notleidendes Girokonto hat. Und schon gar nicht lass ich mich durch die Fehlinterpretation nicht gelaufener Filme durch Dritte normieren, zumal ich nicht sicher sein kann, ob diese Person nicht doch des Nächtens, ganz adrett, um ein Feuer tanzt und die freie Selbstbestimmung oder gleich die Jungfrauen, opfert. Man weiss es ja nicht.

Habt es gut

Marielle


*) Na? Wer hat jetzt welchen Film im Kopf? :wink:

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: So 23. Jul 2017, 21:38
von Britt
Chrissie hat geschrieben: So 23. Jul 2017, 08:54
Lina hat geschrieben: Do 20. Jul 2017, 18:30
Es ist doch völlig OK, knallige Farben, Minirock so kurz und eng, dass man eigentlich alles sehen kann, dazu bizarre Plateau High-Heels, die den Hintern und die Länge der Beine hervorheben - wenn man damit sagen will: "Ich will, dass der Betrachter so schnell wie möglich und als erstes an Sex denkt - selbst wenn ich keine Interaktion mit ihm haben werde, will ich seine Phantasien anregen, weil es mir Spaß macht."
Hi
Da man aber gelernt haben sollte, dass es Individuen gibt, die in solchen Fällen keine Kontrolle über sich haben, darf man sich nicht wundern, wenn es dann zu Übergriffen kommt.
Ich spreche hier nicht von normaler Kleidung oder Minirock sondern von solchen, oben zitierten, bewussten Provokationen.

Wenn ich mich in eine Horde Schalke Hooligans Stelle und über Schalke herziehe
brauche ich mich auch nicht zu wundern wenn es brenzlig wird.

Ich finde entsprechende aggressive Reaktionen absolut nicht OK, würde aber auch nie auf die Idee kommen so etwas provozieren zu wollen.

Wir sollten in unserem Handeln also immer bedenken, welche Reaktion man damit hervorrufen könnte und erst dann handeln, darf mich dann aber auch nicht über die Reaktionen wundern.
Das geht doch jeder Frau so.
Chrissie hat geschrieben: So 23. Jul 2017, 08:54 ...Weiterhin sollte man bedenken, ob das eigene Handeln anderen schaden könnte und dann nicht so egoistisch sein es dennoch zu tun.
Wieso kann ich mit meinem Outfit anderen schaden? Ah ja er sieht mich, glotzt mich an und fährt gegen den Baum. :lol: :lol: :lol:
Chrissie hat geschrieben: So 23. Jul 2017, 08:54 Beispiel: es gab mal ein Video unter YouTube mit dem Stichwort Transsexuell. Da stieg ein Mann am hellen Tag nur mit einer Sexpuppe bekleidet aus dem Auto. Anhand der Kommentare konnte man gut erkennen, dass so wieder einmal erhebliche Vorurteile über die Gruppe der Transsexuellen aufgebaut wurde.
Was soll den der vergleich, ich laufe doch nicht mit einem Schild rum, auf dem drauf steht, das ich Trans bin. Glaubt mir die Kerle merken das üblicherweise gar nicht, Die gucken/laufen einfach nur einer Frau nach.

Liebe Grüße,
Britt

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: So 23. Jul 2017, 23:25
von Lina
Chrissie hat geschrieben: So 23. Jul 2017, 08:54
Lina hat geschrieben: Do 20. Jul 2017, 18:30
Es ist doch völlig OK, knallige Farben, Minirock so kurz und eng, dass man eigentlich alles sehen kann, dazu bizarre Plateau High-Heels, die den Hintern und die Länge der Beine hervorheben - wenn man damit sagen will: "Ich will, dass der Betrachter so schnell wie möglich und als erstes an Sex denkt - selbst wenn ich keine Interaktion mit ihm haben werde, will ich seine Phantasien anregen, weil es mir Spaß macht."
Hi
Da man aber gelernt haben sollte, dass es Individuen gibt, die in solchen Fällen keine Kontrolle über sich haben, darf man sich nicht wundern, wenn es dann zu Übergriffen kommt.
...

LG Chrissie
Das gilt ja nicht nur da, sondern überall wenn man in der Öffentlichkeit ein starkes Statement macht. Vorgestern z.B. wurde ich von irgend einem Idioten - ein richtig obercooler Typ mit Tattoos überall - in der S-Bahn belästigt, weil ich mir erlaubt hatte ein paar umherziehende Musikanten freundlich gebeten hatte, die Lautstärke zumindest auf unter die Schmerzgrenze runter zu drehen. Und wie immer, wenn man auch noch freundlich fragt, kommt irgend ein A******** und glaubt "Freundlichkeit = Schwäche = einschüchtern können". Eine primitive und widerliche Denkweise, die mein ganzes Leben lang immer wieder erlebt habe.

Ich glaube, ich habe schon ausführlich in einem anderen Thread das Thema, schnellen Modus-Wechsel erwähnt.

Dazu muss man aber genau so bereit sein, wenn man ganz normal Damenhaft unterwegs ist - da ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand negativ reagiert, geringer, aber die ist trotzdem da.

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: Mo 24. Jul 2017, 18:49
von Marielle
Hallo Gabi, Guten Abend die Damen und Herren, die Befreiten und die Unentschiedenen,
Bist Du wirklich so cool, dass es Dir ganz egal ist, was andere über Dich denken könnten?

Nein, es ist mir nicht egal, was andere über mich denken. Das wäre auch nicht cool, sondern eher eine Art von Autismus, würde ich sagen. Und wenn es allen egal wäre, was die anderen denken, wäre das das Ende der sozialen Ebene, auf der die notwendigen Regeln menschlichen Miteinanders ausgehandelt werden.

Deswegen ist die Kernaussage meiner bisherigen Beiträge in diesem Thread auch nicht, dass man völlig losgelöst vom Denken der Anderen als Ego-Krieger durch die Welt laufen soll, sondern dass man wenistens hier bitte endlich damit aufhören möge, andere Menschen in ihrer Kleidung, d.h. im Ausdruck ihrer eigenen Persönlichkeit, zu normieren, weil diese Normierung keinerlei sinnvollen Beitrag zum sozialen Miteinander leistet, sondern auf Aus- und Abgrenzung abzielt (oder diese zumindest erzeugt).

Kein freiwillig getragenes Kleid dieser Welt, egal wie lang oder kurz es ist, macht aus irgendeinem Menschen einen besseren oder schlechteren Menschen Aus vielen macht ein zugewiesenes Kleid, aus manchen auch ein vorenthaltenes Kleid, aber einen unglücklichen Menschen.

Das weiss jede_r hier. Und trotzdem wird mit dem eigenen Kopfkino und dem vermuteten Kopfkino anderer Leute argumentiert, um Menschen wahlweise als Provokateur, Sexarbeiter_in oder Volltrottel einordnen zu können und damit das eigene Tun zu erheben. Der Normierungswille und die Formulierung von Konformitätsdruck ist hier häufig stärker ausgeprägt, als draussen in der Welt. Das wollte und will ich aufzeigen und auch deswegen ist es mir nicht egal, was andere über mich denken. Ich möchte und arbeite daran, dass sie verstehen, dass nicht mein (unser) Selbst, sondern die Normativität das Problem ist.

Wenn ich auf die gleiche Art argumentieren würde wie die Normisten, müsste ich sagen, dass deren Normkonformität der allgemeinen Toleranz mehr schadet, als jemand in hochglanzpolierten roten Lackstiefeln auf dem Rathausmarkt. Letzterer ist wenigstens ein leuchtendes Beispiel dafür, dass es auch anders geht.

Ich persönlich versuche immer noch, so gesellschaftskonform zu leben, dass meine soziale Sicherheit nicht in Gefahr gerät. Muss ich mich dafür schämen?
Sicher nicht dafür, dass du versuchst dein soziales Umfeld zu erhalten. Das ist eine notwendige und vernünftige Sache. Vielleicht dann, wenn es dir möglich wäre in dieser Hinsicht etwas zu bewegen, du es aber nicht tust, nur weil es mühsam ist? Das musst du aber selbst wissen.

Ich hab mich in einem langwierigen, keineswegs coolen Prozess vom vermuteten Kopfkino anderer Menschen so weit emanzipieren können (mit der Hilfe meiner Frau und einiger anderer Menschen), dass ich mittlerweile gegenüber den allermeisten Menschen in meinem sozialen Umfeld offen mit meinem Sein und Tun umgehe. Das hat, vom ersten mal heimlich draussen bis heute, über 20 Jahre gedauert. Dabei habe ich versucht die Leute mitzunehmen, mit ihnen zu reden und mich ihnen verständlich zu machen, weil es mir eben nicht egal ist, was sie über mich denken. Das war viel Aufwand und hat mal mehr, mal weniger gut geklappt, mich aber nicht ins abseitige Elend oder in die soziale Isolation gestürzt.

Ich bin sicher, dass es mir nicht schadet, wenn jemand in einem superheissen Outfit über eine Brücke geht, weil die Leute um mich herum mich kennen und nicht ihr Kopfkino einschalten müssen, um mich anhand des Menschen auf der Brücke zu beurteilen. Das mag bei jemandem, dem ich nur mal in der U-Bahn begegne, ja anders sein. Aber dann ist es mir wirklich fast egal, was der denkt oder nicht denkt. Wenn es Anzeichen für ablehnendes Denken gibt, frage ich mich eher, warum die trans*-Person in seinem sozialen Umfeld (die es sehr wahrscheinlich gibt) denjenigen noch nicht besser auf die Welt vorbereitet hat. Muss ich das wieder alleine machen?

Hab es gut

Marielle

PS: Der Berlinerbeitrag hat mir beim schreiben auch Spass gemacht; gern geschehen. Und eigentlich wollte ich dem Normativitäs-Thema ja nur noch mit Humor entgegentreten - klappt aber nicht.so recht.

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: Mo 24. Jul 2017, 20:31
von ExuserIn-2022-05-28
Britt hat geschrieben: So 23. Jul 2017, 21:38
Chrissie hat geschrieben: So 23. Jul 2017, 08:54 ...Weiterhin sollte man bedenken, ob das eigene Handeln anderen schaden könnte und dann nicht so egoistisch sein es dennoch zu tun.
Wieso kann ich mit meinem Outfit anderen schaden? Ah ja er sieht mich, glotzt mich an und fährt gegen den Baum. :lol: :lol: :lol:

Liebe Grüße,
Britt
Hi Britt,ich kenne u.a.eine Person, die im Alter von Mitte 60 mit Halbglatze und Bart super Mini, der den Po nur halb bedeckt und dazu Strapse auf die Strasse geht und wenn die Polizei oder andere Bürger was sagen dann argumentiert er sei Transsexuell und man müsse ihn doch tollerieren. Dazu gab es Zeitungsberichte über ihn mit Foto und Youtube Filme.

Solche Leute schaden mit ihrem Auftritt unserem Ansehen extrem. Ich bin TS, aber kein Freak, der nur provozieren will wie o.a. Person und möchte auch nicht mit diesem in Verbindung gebracht und mich erst recht nicht wegen solchen Individuen ständig rechtfertigen müssen.

Kurz er schafet mit seinem Tun dem Ansehen aller Transsexuellen, die nur ganz normal als Frau leben wollen.

Mir ist es selbst schon bei Outings passiert, dass als erstes die Frage kam: Müssen wir uns dass dann so vorstellen wie bei Olivia Jones oder Mary, das ist dann nichts für uns.

Er kann gern so rumlaufen, aber sein Handeln mit Transsexualität in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen geht gar nicht. Er sollte ehrlicherweise sagen, dass er Fetishist ist, dann ist mir das egal. So zieht er mich aber mit rein und das finde ich absolut nicht gut.

LG Chrissie

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: Di 25. Jul 2017, 00:12
von Marielle
Hallo Chrissie,

aus deinem Beitrag ergibt sich für mich nicht so richtig, wer oder was jetzt 'das Problem' ist.

... den Po nur halb bedeckt und dazu Strapse auf die Strasse geht und wenn die Polizei oder andere Bürger was sagen dann argumentiert er sei Transsexuell...
Gut, ok. Das klingt nicht wirklich nach einem guten Vorbild für die Jugend.

Kurz er schadet mit seinem Tun dem Ansehen aller Transsexuellen, ...
So ein Typ? Aber doch wohl nur im Denken ausnehmend simpel gestrickter und chronisch zu dünn informierter Zeitgenoss_innen, oder?

Er sollte ehrlicherweise sagen, dass er Fetishist ist, dann ist mir das egal.
Ist die (Fremd-)Diagnose gesichert? Oder könnte es sich auch um Transsexualität in Verbindung mit, nur so als Beispiele, zuviel Sprit, Koks oder einem einfachen Dachschaden handeln?

Mir ist es selbst schon bei Outings passiert, dass als erstes die Frage kam: Müssen wir uns dass dann so vorstellen wie bei Olivia Jones oder Mary, das ist dann nichts für uns.
Musstest du dich jetzt wegen des Typs über den du schreibst, den mit den Strapsen und der Selbstdiagnose TS, der möglicherweise nicht alle Latten am Zaun und eventuell professionelle Hilfe nötig hat, rechtfertigen? Oder wegen Olivia Jones? Oder weil die Leute, mit denen du gesprochen hast, Olivia einfach nicht witzig finden? (das zumindest verstehe ich gut)

Eine halbwegs durchdachte Kommunikationsstrategie sollte den Unterschied zwischen dir und einem stark geschminkten Schauspieler aus Hamburg doch leicht erklärlich machen können.


Hab's gut

Marielle

Re: Begegnung in der Stadt

Verfasst: Di 25. Jul 2017, 00:54
von Britt
Chrissie hat geschrieben: Mo 24. Jul 2017, 20:31 Hi Britt,ich kenne u.a.eine Person, die im Alter von Mitte 60 mit Halbglatze und Bart super Mini, der den Po nur halb bedeckt und dazu Strapse auf die Strasse geht und wenn die Polizei oder andere Bürger was sagen dann argumentiert er sei Transsexuell und man müsse ihn doch tollerieren. Dazu gab es Zeitungsberichte über ihn mit Foto und Youtube Filme.

Solche Leute schaden mit ihrem Auftritt unserem Ansehen extrem. Ich bin TS, aber kein Freak, der nur provozieren will wie o.a. Person und möchte auch nicht mit diesem in Verbindung gebracht und mich erst recht nicht wegen solchen Individuen ständig rechtfertigen müssen.

Kurz er schafet mit seinem Tun dem Ansehen aller Transsexuellen, die nur ganz normal als Frau leben wollen.
Da bin ich anderer Meinung. Wieso sollten uns diese Leute schaden? Ich selbst bin einfach nur Frau, ich meine ich fühle und lebe so. Und so nehmen mich auch alle war, die meine Vergangenheit nicht kennen. Klar gibt es auch einige wenige Leite Leute die einen Blick für Transerkennung haben, das ist eben so. Von den Leuten, welche mich kennen, akzeptieren die meisten was ich mache. Selbstverständlich gibt es auch welche die es nicht akzeptieren. Von all den Personen die ich gerade aufgezählt habe, wird wohl niemand seine Meinung wegen einem DWT der sagt dass er TS ist (Was ja auch stimmen kann) ändern.
Chrissie hat geschrieben: Mo 24. Jul 2017, 20:31 Mir ist es selbst schon bei Outings passiert, dass als erstes die Frage kam: Müssen wir uns dass dann so vorstellen wie bei Olivia Jones oder Mary, das ist dann nichts für uns.
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass viele(gefühlt eher die meisten) erst bei Wikipedia nachgeschlagen haben was TS bedeutet, als ich meinen Weg gegangen bin. Bei denen war gedanklich Transsexuell, Transvestit, DWT, Crossdresser"¦ eins.
Chrissie hat geschrieben: Mo 24. Jul 2017, 20:31 Er kann gern so rumlaufen, aber sein Handeln mit Transsexualität in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen geht gar nicht. Er sollte ehrlicherweise sagen, dass er Fetishist ist, dann ist mir das egal. So zieht er mich aber mit rein und das finde ich absolut nicht gut.
Abgesehen davon dass ich es nicht mag, wenn man jeden erst einmal in eine Schublade stecken will, denke ich dass die Öffentlichkeit nicht über Transsexuell oder Fetischist nachdenkt. Die allgemeine Meinung wird sein: "Was für ein Spinner". DWT habe ich auf Transtreffen auch schon kennen gelernt. Das waren ansonsten ganz normale Personen. Das Problem ist eher, dass du und ich(eben eine Transfrau) nicht mit solch einer Person verglichen werden will. Das geschieht aber auch nicht wirklich.


Liebe Grüße,
Britt