Re: Arte 31.01 22:35 Uhr: Christian & Christiane
Verfasst: Sa 1. Feb 2014, 14:28
Hallo ihr Lieben,
mich hatte der Film nicht angesprochen. Damit meine ich nicht den Aspekt, dass ich mich darin nicht widerspiegele, sondern die gesamte Aufmachung.
Vorab bemerkt sprach mich der filmische Stil überhaupt nicht an. Die visuelle Aufbereitung, also Schnitt, Kameraführung und die Darstellung der Traumsequenzen fand bei mir keinerlei Zuspruch. Da wurden Stilmittel gemischt, die einerseits einen "amateurhaften touch" vermitteln sollten, andererseits wurde zu professionell gearbeitet, um das Amateurhafte glaubhaft zu transportieren. Die eingestreuten Zwischenszenen mit der Stimme der Partnerin aus dem "off" wirkten auch sehr gestellt - ich werde dem Abspann noch einmal mehr Aufmerksamkeit widmen müssen, um die Hintergründe der Produktion für mich zu klären und die Beteiligten auf die Liste der "no-.gos" zu setzen.
Inhaltlich ist bei mir ein extrem egozentrischer Eindruck der Person entstanden, der Film schien mir einen ständigen Unterton "ich, ich, ich" zu beinhalten. Ich habe den Eindruck, dass das meiste Bildmaterial im Anschluss an das "Projekt" entstanden ist - daher auch die hier schon von anderen geäußerte Kritik, dass von der persönlichen Entwicklung zu wenig zu erkennen war. Es würde mich noch nicht einmal überraschen, wenn im Nachhinein heraus käme, dass wesentliche Teile des Projektes "getürkt" seien - mein Eindruck basiert allerdings alleine auf dem Filmbericht, das mag der "Person Seidel" durchaus Unrecht tun.
Wenn man sich diesen Bericht ansieht, stellt sich als "Insiderin" die Frage, für wen dieser Film gedacht sein könnte... und ich habe für mich nur eine Antwort finden können: Zur Rechtfertigung des "Experimentes" und seiner/s Protagonistin/en. Als Dokumentation oder als Reportage würde ich das Filmchen nicht durchgehen lassen, es ist einfach zu inhaltsleer und leider leiden die vermeintlichen Einblicke in Christianes bzw. Christians Gefühlswelt massiv an Glaubwürdigkeit, die dieser Film bei mir nicht aufkommen lässt.
Was habe ich da denn nun also gesehen? Mein Eindruck ist, dass bei C. S. über die Jahre durchaus eine latente (bis massive) Tendenz in Richtung Transgender vorhanden war und er/sie versuchte, ein Outing durchzuziehen - jedoch mit einem vermeintlichen Sicherheitsnetz, nämlich der Schutzbehauptung eines "Experimentes". Im Laufe der Zeit kam es dann zum Unvermeidlichen - die Probleme wurden so groß, dass der Fall ins Sicherheitsnetz angenehmer erschien als das Festhalten am Trapez. Ärgerlich nur, dass zur Absicherung der "Legende" nun auch noch ein Ergebnis geliefert werden musste - das Buch, so wurde an anderer Stelle geschrieben, ist nicht wirklich tiefgängig und auch der Film ist im Sinne einer Reportage sehr schwach.
Schade ist es mir um die Zeit, die ich mit der Diskussion des Berichtes verbringen werden muss: Während ich das Filmchen zusammen mit meiner Partnerin ertragen durfte und wir bereits währenddessen unsere Einschätzungen abgleichen konnten, hat auch eine mir nahestehende Person diesen Film gesehen, ohne mich, unsereins oder insbesondere die Situation in meiner Beziehung näher zu kennen... sie hatte die Ankündigungen zur Sendung gesehen und mich sogar darauf hingewiesen. Jetzt hat sie Bilder vor Augen, die mit meiner Realität gar nichts zu tun haben und ich das Problem, irgendwann einmal diese Bilder wieder gerade rücken zu müssen.
Liebe Grüße
Jackie
mich hatte der Film nicht angesprochen. Damit meine ich nicht den Aspekt, dass ich mich darin nicht widerspiegele, sondern die gesamte Aufmachung.
Vorab bemerkt sprach mich der filmische Stil überhaupt nicht an. Die visuelle Aufbereitung, also Schnitt, Kameraführung und die Darstellung der Traumsequenzen fand bei mir keinerlei Zuspruch. Da wurden Stilmittel gemischt, die einerseits einen "amateurhaften touch" vermitteln sollten, andererseits wurde zu professionell gearbeitet, um das Amateurhafte glaubhaft zu transportieren. Die eingestreuten Zwischenszenen mit der Stimme der Partnerin aus dem "off" wirkten auch sehr gestellt - ich werde dem Abspann noch einmal mehr Aufmerksamkeit widmen müssen, um die Hintergründe der Produktion für mich zu klären und die Beteiligten auf die Liste der "no-.gos" zu setzen.
Inhaltlich ist bei mir ein extrem egozentrischer Eindruck der Person entstanden, der Film schien mir einen ständigen Unterton "ich, ich, ich" zu beinhalten. Ich habe den Eindruck, dass das meiste Bildmaterial im Anschluss an das "Projekt" entstanden ist - daher auch die hier schon von anderen geäußerte Kritik, dass von der persönlichen Entwicklung zu wenig zu erkennen war. Es würde mich noch nicht einmal überraschen, wenn im Nachhinein heraus käme, dass wesentliche Teile des Projektes "getürkt" seien - mein Eindruck basiert allerdings alleine auf dem Filmbericht, das mag der "Person Seidel" durchaus Unrecht tun.
Wenn man sich diesen Bericht ansieht, stellt sich als "Insiderin" die Frage, für wen dieser Film gedacht sein könnte... und ich habe für mich nur eine Antwort finden können: Zur Rechtfertigung des "Experimentes" und seiner/s Protagonistin/en. Als Dokumentation oder als Reportage würde ich das Filmchen nicht durchgehen lassen, es ist einfach zu inhaltsleer und leider leiden die vermeintlichen Einblicke in Christianes bzw. Christians Gefühlswelt massiv an Glaubwürdigkeit, die dieser Film bei mir nicht aufkommen lässt.
Was habe ich da denn nun also gesehen? Mein Eindruck ist, dass bei C. S. über die Jahre durchaus eine latente (bis massive) Tendenz in Richtung Transgender vorhanden war und er/sie versuchte, ein Outing durchzuziehen - jedoch mit einem vermeintlichen Sicherheitsnetz, nämlich der Schutzbehauptung eines "Experimentes". Im Laufe der Zeit kam es dann zum Unvermeidlichen - die Probleme wurden so groß, dass der Fall ins Sicherheitsnetz angenehmer erschien als das Festhalten am Trapez. Ärgerlich nur, dass zur Absicherung der "Legende" nun auch noch ein Ergebnis geliefert werden musste - das Buch, so wurde an anderer Stelle geschrieben, ist nicht wirklich tiefgängig und auch der Film ist im Sinne einer Reportage sehr schwach.
Schade ist es mir um die Zeit, die ich mit der Diskussion des Berichtes verbringen werden muss: Während ich das Filmchen zusammen mit meiner Partnerin ertragen durfte und wir bereits währenddessen unsere Einschätzungen abgleichen konnten, hat auch eine mir nahestehende Person diesen Film gesehen, ohne mich, unsereins oder insbesondere die Situation in meiner Beziehung näher zu kennen... sie hatte die Ankündigungen zur Sendung gesehen und mich sogar darauf hingewiesen. Jetzt hat sie Bilder vor Augen, die mit meiner Realität gar nichts zu tun haben und ich das Problem, irgendwann einmal diese Bilder wieder gerade rücken zu müssen.
Liebe Grüße
Jackie