Begleitservice alternative Ending - # 3
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Melli_
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Re: Begleitservice alternative Ending
Teil 11 natürlich
Viel Spass beim Lesen,
Melli
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Sylvie
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Re: Begleitservice alternative Ending
hi melli,
schön dass deine geschichte weitergeht...ich hab sie mit viel freude gelesen.
hoffentlich folgen noch viele teile!
liebe grüsse
sylvie
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liebe grüsse
sylvie
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Melli_
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Re: Begleitservice alternative Ending
Kapitel 12 Stalking
Zuerst merkte Frauke es kaum. Dann wurde es immer deutlicher, dass Günther nicht locker lies. Er sah sie in den Seminaren, die Frauke auch besuchte, obwohl er kein Student war. Er fing sie nach den Vorlesungen ab, um sie in fürchterliche Gespräche zu verwickeln. Was hatte Frauke nur gemacht, um ihn so zu ermutigen? Viktor in ihr dachte an seine Wahrnehmung. Klare Botschaften, nicht lächeln, wenn es nichts zu lächeln gibt. Wenn man absagt, dann sagt man ab und man entschuldigt sich nicht: "Ich würde ja gerne, aber..." All diese Dinge hatte Frauke falsch gemacht und Viktor in ihr hielt sie ihr jetzt vor. "Na gut, und jetzt?" fragte Frauke. "Hau ihm eine rein." war Viktors Antwort — "das ist am einfachsten, und am effektivsten. - Du weißt doch noch, wie man eine Faust ballt, oder?" Über diesen inneren Monolog war Frauke erschreckt und erstaunt. Jetzt wohnten wirklich zwei Seelen in ihrer Brust. Wie konnte sie Günther nur loswerden?
Als sie nach einer weiteren Vorlesung zu Hause ankam, fand sie ein fürchterliches Liebesgedicht auf ihrer Treppenstufe. Gezeichnet war es mit einem G. Da beschloss Frauke, Günther eine Szene zu machen. Sie wusste, dass er sie finden würde und so musste sie sich nur die Wörter zurechtlegen. Glücklicherweise waren Merve und Carmen mit in der Vorlesung, in der auch Günther war. Frauke bat beide, als Verstärkung einen Moment zu bleiben. Dann rief sie "Günther, kann ich dich kurz sprechen?" Günther kam freudig angelaufen, wie ein Welpe, wenn man ihn streicheln will.
"Hör dir das mal an:
Du bist für mich unentbehrlich wie das Eis
im Winter. Deinen Schweiß
lieb ich im Sommer. Lass meine Liebe ein
im Herbst. Lass mich dein Frühling sein,
G"
"Das ist wirklich schlecht, oder?" Die anderen Mädels lachten und Günther wurde Kupferrot. "Das ist noch nicht mal Dadaismus, das ist einfach nur niveaulos." Eine ganze Viertelstunde hackten die Mädchen auf Günthers Gedicht herum und Günther wird es als die Hölle wahrgenommen haben. Schließlich knüllte Frauke das Gedicht zusammen und schloss mit den Worten "Solches Gebrabbel ist nur für eins gut — und der Typ, der es geschrieben hat auch ..." Sie warf den Zettel in den Mülleimer. Danach hatte sie Ruhe. Frauke war froh, Carmen und Merve bei sich zu haben, so dass Günther alles über sich ergehen lassen musste. Sie schwor sich, den beiden auch zu helfen, wenn diese Hilfe brauchten.
Zuerst merkte Frauke es kaum. Dann wurde es immer deutlicher, dass Günther nicht locker lies. Er sah sie in den Seminaren, die Frauke auch besuchte, obwohl er kein Student war. Er fing sie nach den Vorlesungen ab, um sie in fürchterliche Gespräche zu verwickeln. Was hatte Frauke nur gemacht, um ihn so zu ermutigen? Viktor in ihr dachte an seine Wahrnehmung. Klare Botschaften, nicht lächeln, wenn es nichts zu lächeln gibt. Wenn man absagt, dann sagt man ab und man entschuldigt sich nicht: "Ich würde ja gerne, aber..." All diese Dinge hatte Frauke falsch gemacht und Viktor in ihr hielt sie ihr jetzt vor. "Na gut, und jetzt?" fragte Frauke. "Hau ihm eine rein." war Viktors Antwort — "das ist am einfachsten, und am effektivsten. - Du weißt doch noch, wie man eine Faust ballt, oder?" Über diesen inneren Monolog war Frauke erschreckt und erstaunt. Jetzt wohnten wirklich zwei Seelen in ihrer Brust. Wie konnte sie Günther nur loswerden?
Als sie nach einer weiteren Vorlesung zu Hause ankam, fand sie ein fürchterliches Liebesgedicht auf ihrer Treppenstufe. Gezeichnet war es mit einem G. Da beschloss Frauke, Günther eine Szene zu machen. Sie wusste, dass er sie finden würde und so musste sie sich nur die Wörter zurechtlegen. Glücklicherweise waren Merve und Carmen mit in der Vorlesung, in der auch Günther war. Frauke bat beide, als Verstärkung einen Moment zu bleiben. Dann rief sie "Günther, kann ich dich kurz sprechen?" Günther kam freudig angelaufen, wie ein Welpe, wenn man ihn streicheln will.
"Hör dir das mal an:
Du bist für mich unentbehrlich wie das Eis
im Winter. Deinen Schweiß
lieb ich im Sommer. Lass meine Liebe ein
im Herbst. Lass mich dein Frühling sein,
G"
"Das ist wirklich schlecht, oder?" Die anderen Mädels lachten und Günther wurde Kupferrot. "Das ist noch nicht mal Dadaismus, das ist einfach nur niveaulos." Eine ganze Viertelstunde hackten die Mädchen auf Günthers Gedicht herum und Günther wird es als die Hölle wahrgenommen haben. Schließlich knüllte Frauke das Gedicht zusammen und schloss mit den Worten "Solches Gebrabbel ist nur für eins gut — und der Typ, der es geschrieben hat auch ..." Sie warf den Zettel in den Mülleimer. Danach hatte sie Ruhe. Frauke war froh, Carmen und Merve bei sich zu haben, so dass Günther alles über sich ergehen lassen musste. Sie schwor sich, den beiden auch zu helfen, wenn diese Hilfe brauchten.
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Melli_
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Re: Begleitservice alternative Ending
13. Kapitel der 24. August
Vor dem großen Auftritt war die Zeit genau durchzuplanen. Aischa hatte zusammen mit Frauke schon eine Woche vorher einen Terminplan aufgestellt. Ausschlafen war wichtig, denn Frauke sollte auch abends noch frisch sein. Dann war um 9.00 Uhr der Friseurtermin mit der Kosmetikberatung. Dann ein kleines Mittagessen, schließlich noch einmal die Gästeliste durchgehen — wer ist da, wen muss man kennen? Michael hatte Frauke eine Liste mit Fotos zukommen lassen und sie machte den Eindruck, als hätte er dafür nicht den Computer, sondern den CIA bemüht. Dazu hatte er noch ein paar Fettnäpfchen geschrieben, die Frauke besser nicht betreten sollte. Michael war sichtlich nervös, denn es hing eine Menge für ihn davon ab. Und Frauke hatte die Liste mit Aischa gefühlte 100 Mal auswendig gelernt.
So klingelte der Wecker am 24. August, Frauke joggte, machte sich ausgehfertig. Diesmal mit weniger Make up, denn es würde ohnehin alles wieder neu gestaltet werden. Dennoch war es Frauke mittlerweile ein Bedürfnis, Make up zu tragen. Sie fühlte sich ohne nicht vollständig. So als ginge man raus und hätte keine Schuhe an. Nach einem kargen Frühstück war es Zeit für die Vorbereitung. Friseur und Kosmetik. Frauke kam zu dem Friseursalon, der schon wie ein guter Bekannter war. Das Styling legte sie in die professionellen Hände Barbaras. Frauke fühlte sich wohl — im Spiegel sah sie eine Frau an, die mit sich selbst zufrieden sein konnte. Der Körper strahlte Selbstbewusstsein und Disziplin aus. Im Gesicht konnte man die Erfolge der Uni der letzten Tage lesen — unverkennbar — Frauke war eine Gewinnerin. Und nun war sie auf dem Weg, ihren Erfolg zu feiern.
Michael holte sie ab und diesmal kam sie ihm auf der Flurtreppe entgegen. Ihr Anblick war großartig. Auch Michael war überwältigt. "Frauke, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich dich fragen, ob du meine Frau werden möchtest." Er knuffte seinen Freund Viktor in die Seite. Frauke beugte sich zu seinem Ohr "Michael, Schätzchen, wenn heute alles klar gehen soll, dann versuch mich bitte wie eine Dame zu behandeln — hmmmm. Du möchtest doch nicht, dass wir auffliegen, oder?"
Beide kamen in der Tiefgarage an. Michael verhielt sich wie ein perfekter Gentleman, Frauke wie eine perfekte Dame. Die Bewegungen, die sie mit Aischa hunderte Mal durchgegangen war, liefen nun natürlich ab. Frauke fühlte sich als Dame — sie dachte nicht weiter über ihr Auftreten nach.
"Ach Frau Grünbaum, wie schön, dass ich sie auch kennenlerne." Frauke wurde nun Frau Schumpeter vorgestellt. Eine Gattin eines Vorstandsmitgliedes. Sie war eine gut durchtrainierte Mitvierzigerin, die ihren Mann in nichts nachstand. Auch Herr Schumpeter machte den Eindruck, als hätte er beim letzten Iron Man auf Hawaii einen der vorderen Plätze belegt. Überhaupt gab es hier auf dieser Feier fast nur schöne Menschen. Alle waren gebräunt, schlank, trainiert — und kinderlos. Aber wer aus der High Society würde sich mit Kindern belasten wollen? Entsprechend waren auch die Themen: Urlaube in fremden Ländern, die Theaterensemble der größeren Städte, Lästern über Heimchen am Herd und Proleten, Wein, Klagen über den Spitzensteuersatz und Börsenkurse bzw. die wirtschaftliche Entwicklung. Frauke kotzte diese Gesellschaft schon nach einer knappen halben Stunde an. Dazu studiere ich BWL? Fragte sie sich? Will ich in diesen Club der Millionäre einsteigen? Aus der Ferne kam eine Stimme: "Ich habe gehört, dass sie gerne tanzen." "Ja, das stimmt. Ich tanze zwar nicht gut, aber gerne." antwortete Frauke abwesend. "Hätten sie dann nicht auch Lust, mit uns auf den Ball zu kommen — am 21. November?" "Ähm, nun, ich weiß nicht, ob Michael da Zeit hat und kann. Wenn das so ist, würde ich natürlich gerne mitkommen." "Michael kann auf jeden Fall — ich werde meinem Mann sagen, dass er ihm freigeben soll. Wir werden ihnen beiden die Karten zukommen lassen." Frauke überlegte ein paar Sekunden — so konnte sie mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sie würde bis zu Merves Hochzeit noch Frauke bleiben und ihr Wort halten und sie würde für sich und Aischa noch ein paar Euro extra herausholen. Und sie könnte bei den ersten Abschlussklausuren der Seminare noch dabei sein. "Aber das werde ich natürlich nur tun, wenn sie mir versprechen, da zu sein." "Frauke schaute Frau Wolkenstock, die Gattin des Chefs der Bank an... "Natürlich verspreche ich es. Ich gebe ihnen mein Wort, dass ich auf den Ball komme." Frau Wolkenstock lächelte. "Ich freue mich sehr, dass Michael sie uns endlich vorgestellt hat — eine Frau sollte am Arbeitsleben ihres Mannes teilhaben — besonders wenn sie ähnliche Berufe haben. Ich habe es immer bedauert, mit meinem Mann nicht über den Beruf reden zu können."
Als Michael ein paar Minuten später von der Toilette kam, überbrachte Frau Wolkenstock ihm die gute Nachricht. "Herr Grünbaum, ich habe ihre Frau mit auf den Ball im September eingeladen und sie hat zugesagt. Michael fiel aus allen Wolken. "Ach — ähm, ich dachte, sie hätte da Prüfungen." "Die werde ich auch so hinkriegen, Schatz." Lächelte Frauke und nahm ihn am Arm. "Entschuldigen sie uns bitte eine Sekunde." Frauke und Michael gingen auf den Balkon. Michael musste sich sehr am Riemen reißen, um nicht laut zu werden. "Was denkst du dir dabei? Du kannst doch nicht einfach zum Ball kommen." "Warum nicht, ich bin doch hier deine Frau und hatte keine gute Absage bereit." "Hör zu, du gehst sofort los und sagst ab, sonst..." "Sonst was — outest du mich dann als Mann. Das wird witzig und ich bin sicher, dass dein Chef dann noch zu seiner Pensionierung davon sprechen wird." "Sonst werde ich dir keinen Euro bezahlen." "Das wäre sehr schade, denn dann müsste ich in den alten Kleidern auf den Ball kommen. Und ich würde keine so perfekte Frau sein, wie ich es bisher war. Ich bin sicher, dass sie mich reinlassen, nachdem Frau Wolkenstock und ich Handynummern getauscht haben. Vielleicht geschieht mir dann dort auch ein Missgeschick, so dass ich mich auf den Ball oute." Michael war klug genug zu wissen, wann er verloren hatte. "Was willst du?" "Ich hätte gerne die Monate wie gehabt vergütet und Aischa auch wie gehabt bezahlt, dazu noch ein Ballkleid und die Miete für die Frauen WG. Das wäre alles. Nein, bevor ich es vergesse, für Aischa zwei Tausender extra für ihre Mühe. - alles bitte im Voraus, damit du es am Ende nicht vergisst." "Also gut, aber danach verschwindest du aus dieser Gesellschaft." "Mache ich, und ich mache dann Urlaub." "Du bist ein mieser Erpresser, Viktor." "Oh, mein Schatz, du bist gierig, gewissenlos, ein Plagiator, ein Lügner, ein unseriöser Mitarbeiter und ein Weiberheld. Habe ich etwas vergessen?" Frauke lächelte gewinnend und fuhr fort "Ich frage mich nur, warum du für Geld das alles machst. Ich habe dich aus unserer Studentenzeit anders in Erinnerung. Für Geld kannst du nicht alles kaufen, das weißt du doch, oder?"
"Natürlich kann ich für Geld alles kaufen. Ich habe deine Männlichkeit gekauft. Sie war bis jetzt etwa 110.000 Euro wert. Ich habe Aischas Loyalität gekauft — für eine halbe Millionen. Geld ist Macht, Viktor. Es ist das einzige, was hier zählt. Hast du kein Geld, bist du ein Nichts. Dann lebst du in deiner Hartz 4 Höhle und versuchst dich mit Bier zu betäuben. Du hast keine Freunde, du frierst im Winter und schämst dich für das, was du geworden bist. Hast du Geld, laufen die Frauen in Scharen hinter dir her — du kannst dabei aussehen, wie du willst. Hast du Geld, kannst du dich sogar so gut als Frau verkleiden, dass es niemand merkt. Jeder hat seinen Preis und es wäre gelogen, dies nicht zuzugeben. Menschen sind bezahlbar und weil sie bezahlbar sind, sind sie auch austauschbar. Du glaubst an etwas, wie Freundschaft, Viktor — vergiss es. Es geht nur um's Geschäft. Und jetzt erpresst du mich — wegen des Geldes, VIKTOR."
Viktor war durch das mehrfache Nennen seines Namens tief verletzt. Er fühlte sich als Viktor verletzbarer als er es als Frauke gewesen war. Er spürte wieder, dass das alles eine Lüge war, eine perfekte Lüge, aber eine Lüge. Die Frauke, die er vorgab zu sein, die gab es nicht. Seine Erfolge an der Uni und hier waren nichts als Seifenblasen. Frauke war nur eine Phantasie. Ihm war zum Heulen zu mute. Viktor unterdrückte es. Es fiel ihm schwer, da er in den vergangenen Tagen viel emotionaler reagierte, als er es sonst getan hatte. Statt dessen lächelte Frauke und Arm in Arm ging das glückliche Paar zurück zum Empfang.
Der Abend verlief sonst mit viel Smalltalk und Frauke konnte ein ums andere Mal zeigen, dass sie von BWL ebenso viel, wenn nicht mehr verstand, als ihr baldiger Gatte. Zweimal zeigte sich auch, dass Frauke die Promotion Michaels besser kannte als er selbst. Sie lernte an diesem Abend Michael ins Gesicht zu lächeln, während sie ihn gleichzeitig hasste. Und sie genoss die peinliche Stille, die entstand, wenn sie ihn auf bestimmte Thesen seiner Doktorarbeit ansprach.
Nach dem Empfang brachte Michael Frauke und Aischa zurück zur Frauen WG. "Ich nehme an, dass ihr das zu zweit ausgeheckt habt." Aischa schaute fragend. "Nein, das ist allein auf meinem Mist gewachsen," antwortete Viktor, indem er seine männliche Stimme nutzte. "Wir gehen in die Verlängerung — Michael wünscht, dass wir noch bis zum Ende November weitermachen. Er setzt das Monatsgehalt fort und hat für dich den Sonderbonus von 2.000 Euro eingeräumt." Michael grunzte feindselig. "Oh, das ist aber schlecht, denn Mario und ich hatten die Zeit eigentlich verplant." antwortete Aischa — wir wollten ein paar Tage weg fliegen, weil wir uns in der letzten Zeit kaum gesehen haben. Ich glaube nicht, dass ich ihn vom Gegenteil überzeugen kann. "Dann wird es eben ohne dich gehen." "Michael, das geht nicht, ohne Frauke kann ich meine Maskerade nicht aufrecht erhalten. Wir werden beim Ball auffliegen." "Tja, das tut mir wirklich leid." setzte Aischa hinzu. "Gut, ich erhöhe um 3.000 Euro deinen Bonus auf 5.000 Euro, aber das ist mein letztes Wort." Michael hasste diese Lage, in die er sich gebracht hatte. "na gut, also für 5.000 Euro kann ich Mario sicher überzeugen."
Michael setzte die beiden vor der Tür ab. Sie gingen die Treppe hinauf, während er davonfuhr. Als sie die Tür der Wohnung hinter sich geschlossen hatten, fingen beide schallend an zu lachen. Dann musste Frauke Aischa den ganzen Abend haarklein erzählen.
Vor dem großen Auftritt war die Zeit genau durchzuplanen. Aischa hatte zusammen mit Frauke schon eine Woche vorher einen Terminplan aufgestellt. Ausschlafen war wichtig, denn Frauke sollte auch abends noch frisch sein. Dann war um 9.00 Uhr der Friseurtermin mit der Kosmetikberatung. Dann ein kleines Mittagessen, schließlich noch einmal die Gästeliste durchgehen — wer ist da, wen muss man kennen? Michael hatte Frauke eine Liste mit Fotos zukommen lassen und sie machte den Eindruck, als hätte er dafür nicht den Computer, sondern den CIA bemüht. Dazu hatte er noch ein paar Fettnäpfchen geschrieben, die Frauke besser nicht betreten sollte. Michael war sichtlich nervös, denn es hing eine Menge für ihn davon ab. Und Frauke hatte die Liste mit Aischa gefühlte 100 Mal auswendig gelernt.
So klingelte der Wecker am 24. August, Frauke joggte, machte sich ausgehfertig. Diesmal mit weniger Make up, denn es würde ohnehin alles wieder neu gestaltet werden. Dennoch war es Frauke mittlerweile ein Bedürfnis, Make up zu tragen. Sie fühlte sich ohne nicht vollständig. So als ginge man raus und hätte keine Schuhe an. Nach einem kargen Frühstück war es Zeit für die Vorbereitung. Friseur und Kosmetik. Frauke kam zu dem Friseursalon, der schon wie ein guter Bekannter war. Das Styling legte sie in die professionellen Hände Barbaras. Frauke fühlte sich wohl — im Spiegel sah sie eine Frau an, die mit sich selbst zufrieden sein konnte. Der Körper strahlte Selbstbewusstsein und Disziplin aus. Im Gesicht konnte man die Erfolge der Uni der letzten Tage lesen — unverkennbar — Frauke war eine Gewinnerin. Und nun war sie auf dem Weg, ihren Erfolg zu feiern.
Michael holte sie ab und diesmal kam sie ihm auf der Flurtreppe entgegen. Ihr Anblick war großartig. Auch Michael war überwältigt. "Frauke, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich dich fragen, ob du meine Frau werden möchtest." Er knuffte seinen Freund Viktor in die Seite. Frauke beugte sich zu seinem Ohr "Michael, Schätzchen, wenn heute alles klar gehen soll, dann versuch mich bitte wie eine Dame zu behandeln — hmmmm. Du möchtest doch nicht, dass wir auffliegen, oder?"
Beide kamen in der Tiefgarage an. Michael verhielt sich wie ein perfekter Gentleman, Frauke wie eine perfekte Dame. Die Bewegungen, die sie mit Aischa hunderte Mal durchgegangen war, liefen nun natürlich ab. Frauke fühlte sich als Dame — sie dachte nicht weiter über ihr Auftreten nach.
"Ach Frau Grünbaum, wie schön, dass ich sie auch kennenlerne." Frauke wurde nun Frau Schumpeter vorgestellt. Eine Gattin eines Vorstandsmitgliedes. Sie war eine gut durchtrainierte Mitvierzigerin, die ihren Mann in nichts nachstand. Auch Herr Schumpeter machte den Eindruck, als hätte er beim letzten Iron Man auf Hawaii einen der vorderen Plätze belegt. Überhaupt gab es hier auf dieser Feier fast nur schöne Menschen. Alle waren gebräunt, schlank, trainiert — und kinderlos. Aber wer aus der High Society würde sich mit Kindern belasten wollen? Entsprechend waren auch die Themen: Urlaube in fremden Ländern, die Theaterensemble der größeren Städte, Lästern über Heimchen am Herd und Proleten, Wein, Klagen über den Spitzensteuersatz und Börsenkurse bzw. die wirtschaftliche Entwicklung. Frauke kotzte diese Gesellschaft schon nach einer knappen halben Stunde an. Dazu studiere ich BWL? Fragte sie sich? Will ich in diesen Club der Millionäre einsteigen? Aus der Ferne kam eine Stimme: "Ich habe gehört, dass sie gerne tanzen." "Ja, das stimmt. Ich tanze zwar nicht gut, aber gerne." antwortete Frauke abwesend. "Hätten sie dann nicht auch Lust, mit uns auf den Ball zu kommen — am 21. November?" "Ähm, nun, ich weiß nicht, ob Michael da Zeit hat und kann. Wenn das so ist, würde ich natürlich gerne mitkommen." "Michael kann auf jeden Fall — ich werde meinem Mann sagen, dass er ihm freigeben soll. Wir werden ihnen beiden die Karten zukommen lassen." Frauke überlegte ein paar Sekunden — so konnte sie mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sie würde bis zu Merves Hochzeit noch Frauke bleiben und ihr Wort halten und sie würde für sich und Aischa noch ein paar Euro extra herausholen. Und sie könnte bei den ersten Abschlussklausuren der Seminare noch dabei sein. "Aber das werde ich natürlich nur tun, wenn sie mir versprechen, da zu sein." "Frauke schaute Frau Wolkenstock, die Gattin des Chefs der Bank an... "Natürlich verspreche ich es. Ich gebe ihnen mein Wort, dass ich auf den Ball komme." Frau Wolkenstock lächelte. "Ich freue mich sehr, dass Michael sie uns endlich vorgestellt hat — eine Frau sollte am Arbeitsleben ihres Mannes teilhaben — besonders wenn sie ähnliche Berufe haben. Ich habe es immer bedauert, mit meinem Mann nicht über den Beruf reden zu können."
Als Michael ein paar Minuten später von der Toilette kam, überbrachte Frau Wolkenstock ihm die gute Nachricht. "Herr Grünbaum, ich habe ihre Frau mit auf den Ball im September eingeladen und sie hat zugesagt. Michael fiel aus allen Wolken. "Ach — ähm, ich dachte, sie hätte da Prüfungen." "Die werde ich auch so hinkriegen, Schatz." Lächelte Frauke und nahm ihn am Arm. "Entschuldigen sie uns bitte eine Sekunde." Frauke und Michael gingen auf den Balkon. Michael musste sich sehr am Riemen reißen, um nicht laut zu werden. "Was denkst du dir dabei? Du kannst doch nicht einfach zum Ball kommen." "Warum nicht, ich bin doch hier deine Frau und hatte keine gute Absage bereit." "Hör zu, du gehst sofort los und sagst ab, sonst..." "Sonst was — outest du mich dann als Mann. Das wird witzig und ich bin sicher, dass dein Chef dann noch zu seiner Pensionierung davon sprechen wird." "Sonst werde ich dir keinen Euro bezahlen." "Das wäre sehr schade, denn dann müsste ich in den alten Kleidern auf den Ball kommen. Und ich würde keine so perfekte Frau sein, wie ich es bisher war. Ich bin sicher, dass sie mich reinlassen, nachdem Frau Wolkenstock und ich Handynummern getauscht haben. Vielleicht geschieht mir dann dort auch ein Missgeschick, so dass ich mich auf den Ball oute." Michael war klug genug zu wissen, wann er verloren hatte. "Was willst du?" "Ich hätte gerne die Monate wie gehabt vergütet und Aischa auch wie gehabt bezahlt, dazu noch ein Ballkleid und die Miete für die Frauen WG. Das wäre alles. Nein, bevor ich es vergesse, für Aischa zwei Tausender extra für ihre Mühe. - alles bitte im Voraus, damit du es am Ende nicht vergisst." "Also gut, aber danach verschwindest du aus dieser Gesellschaft." "Mache ich, und ich mache dann Urlaub." "Du bist ein mieser Erpresser, Viktor." "Oh, mein Schatz, du bist gierig, gewissenlos, ein Plagiator, ein Lügner, ein unseriöser Mitarbeiter und ein Weiberheld. Habe ich etwas vergessen?" Frauke lächelte gewinnend und fuhr fort "Ich frage mich nur, warum du für Geld das alles machst. Ich habe dich aus unserer Studentenzeit anders in Erinnerung. Für Geld kannst du nicht alles kaufen, das weißt du doch, oder?"
"Natürlich kann ich für Geld alles kaufen. Ich habe deine Männlichkeit gekauft. Sie war bis jetzt etwa 110.000 Euro wert. Ich habe Aischas Loyalität gekauft — für eine halbe Millionen. Geld ist Macht, Viktor. Es ist das einzige, was hier zählt. Hast du kein Geld, bist du ein Nichts. Dann lebst du in deiner Hartz 4 Höhle und versuchst dich mit Bier zu betäuben. Du hast keine Freunde, du frierst im Winter und schämst dich für das, was du geworden bist. Hast du Geld, laufen die Frauen in Scharen hinter dir her — du kannst dabei aussehen, wie du willst. Hast du Geld, kannst du dich sogar so gut als Frau verkleiden, dass es niemand merkt. Jeder hat seinen Preis und es wäre gelogen, dies nicht zuzugeben. Menschen sind bezahlbar und weil sie bezahlbar sind, sind sie auch austauschbar. Du glaubst an etwas, wie Freundschaft, Viktor — vergiss es. Es geht nur um's Geschäft. Und jetzt erpresst du mich — wegen des Geldes, VIKTOR."
Viktor war durch das mehrfache Nennen seines Namens tief verletzt. Er fühlte sich als Viktor verletzbarer als er es als Frauke gewesen war. Er spürte wieder, dass das alles eine Lüge war, eine perfekte Lüge, aber eine Lüge. Die Frauke, die er vorgab zu sein, die gab es nicht. Seine Erfolge an der Uni und hier waren nichts als Seifenblasen. Frauke war nur eine Phantasie. Ihm war zum Heulen zu mute. Viktor unterdrückte es. Es fiel ihm schwer, da er in den vergangenen Tagen viel emotionaler reagierte, als er es sonst getan hatte. Statt dessen lächelte Frauke und Arm in Arm ging das glückliche Paar zurück zum Empfang.
Der Abend verlief sonst mit viel Smalltalk und Frauke konnte ein ums andere Mal zeigen, dass sie von BWL ebenso viel, wenn nicht mehr verstand, als ihr baldiger Gatte. Zweimal zeigte sich auch, dass Frauke die Promotion Michaels besser kannte als er selbst. Sie lernte an diesem Abend Michael ins Gesicht zu lächeln, während sie ihn gleichzeitig hasste. Und sie genoss die peinliche Stille, die entstand, wenn sie ihn auf bestimmte Thesen seiner Doktorarbeit ansprach.
Nach dem Empfang brachte Michael Frauke und Aischa zurück zur Frauen WG. "Ich nehme an, dass ihr das zu zweit ausgeheckt habt." Aischa schaute fragend. "Nein, das ist allein auf meinem Mist gewachsen," antwortete Viktor, indem er seine männliche Stimme nutzte. "Wir gehen in die Verlängerung — Michael wünscht, dass wir noch bis zum Ende November weitermachen. Er setzt das Monatsgehalt fort und hat für dich den Sonderbonus von 2.000 Euro eingeräumt." Michael grunzte feindselig. "Oh, das ist aber schlecht, denn Mario und ich hatten die Zeit eigentlich verplant." antwortete Aischa — wir wollten ein paar Tage weg fliegen, weil wir uns in der letzten Zeit kaum gesehen haben. Ich glaube nicht, dass ich ihn vom Gegenteil überzeugen kann. "Dann wird es eben ohne dich gehen." "Michael, das geht nicht, ohne Frauke kann ich meine Maskerade nicht aufrecht erhalten. Wir werden beim Ball auffliegen." "Tja, das tut mir wirklich leid." setzte Aischa hinzu. "Gut, ich erhöhe um 3.000 Euro deinen Bonus auf 5.000 Euro, aber das ist mein letztes Wort." Michael hasste diese Lage, in die er sich gebracht hatte. "na gut, also für 5.000 Euro kann ich Mario sicher überzeugen."
Michael setzte die beiden vor der Tür ab. Sie gingen die Treppe hinauf, während er davonfuhr. Als sie die Tür der Wohnung hinter sich geschlossen hatten, fingen beide schallend an zu lachen. Dann musste Frauke Aischa den ganzen Abend haarklein erzählen.
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Exuser-2014-02-18
Re: Begleitservice alternative Ending
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Sehr schön, daß es weitergeht.
Prima ....
elgetina
Sehr schön, daß es weitergeht.
Prima ....
elgetina
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Kerstin
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Re: Begleitservice alternative Ending
Geld regiert die Welt aber die Weibliche List schlägt alles 
Tolle Geschicht die mir ein breites Grinsen in das Gesicht brachte.
LG Kerstin
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Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
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Melli_
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Re: Begleitservice alternative Ending
14. Kapitel Semesterende
Die kommenden Wochen waren für Frauke ein hartes Brot. Zwar hatte sie sich schon als Viktor auf alle Prüfungen vorbereitet, aber es war viel Stoff dazugekommen, Computer und Gesetze hatten sich geändert und schließlich hatte sie sich auch vieles aus dem Kopf gesoffen. Dennoch war Frauke glücklich und sie hatte das Gefühl, bestehen zu können. In der Bibliothek lächelte sie der Dozent an, die Kommilitoninnen und Kommilitonen gingen respektvoll mit ihr um, und der Sport jeden Morgen brachte sie auch körperlich weiter. Wenn es ihr schlecht ging, klagte sie Aischa ihr Leid.
Während sich Frauke auf die Abschlussprüfungen konzentrierte, gingen in ihrem Körper langsam Veränderungen weiter. Ihre Haare auf dem Kopf wuchsen dichter, ihr Bartwuchs nahm ab. Ihre Brüste wuchsen langsam und wurden sensibler und sie wurde mit jedem Tag sicherer in der Sprache. Mittlerweile konnte sie ihre BHs ohne Polsterung tragen und auch Dekolletee hatte sich genügend eingestellt für einen tieferen Ausschnitt. Selbst wenn Aischa sie nachts weckte, um mit ihr zu reden — und sie gleichzeitig aufnahm — nutzte Frauke ihre weibliche Stimme. Die Arbeitsgruppe Merve, Carmen und Leonie wurde immer mehr Arbeit und immer weniger Gruppe. Dennoch hielten alle vier die angenehme Atmosphäre aufrecht. Die Hochzeit war nach den Prüfungen und Merve hielt sie soweit möglich heraus.
Schließlich kamen die Klausuren, die mündlichen Prüfungen und dann noch innerhalb von drei Wochen eine Abschlussarbeit. Frauke nahm die Hürden und tatsächlich waren weder Klausuren noch die Abschlussarbeit für sie unüberwindbar. Wie sehr sich alles verändert hatte, seit sie nicht mehr Viktor war... Die mündliche Prüfung trat Frauke dann vor einer Professorin und einem Juniorprofessor an. Es wurde ein Fachgespräch unter Frauen. Der Juniorprofessor hielt sich weitgehend heraus. Frauke hatte ihre mündliche Prüfung mit einer 2 bestanden. Als man ihr die Noten für die Klausuren und die Abschlussarbeit mitteilte, schwebte sie über den Boden.
Draußen erwarteten sie schon Carmen und Merve. Leonie hatte es leider nicht geschafft und wollte erst einmal bis zum Abend Ruhe haben. Sie war weggefahren, hatte aber Merve versprochen, zur Hochzeit zu kommen. Die drei Mädels stießen an - auf die Freundschaft, auf den Erfolg, auf Merves Hochzeit. Die Vorbereitung der Hochzeit begann 15 Minuten nach Fraukes letzter Prüfung.
15. Kapitel Die Hochzeitsvorbereitung
Merve fuhr mit den beiden zu ihr nach Hause und zeigte erst einmal die Kleider der Brautjungfern. Alle sollten smaragdgrüne Kleider haben. Merve ging die Planung durch, denn eine Hochzeit mit etwa 350 Personen will gut durchdacht sein. Carmen hatte die Aufgabe, sich um den Schmuck der Halle zu kümmern, Leonie sollte den Kirchenschmuck organisieren und Frauke bei den Getränken helfen. Merves Bruder Harkan kümmerte sich um die Musik. Merve war glücklich, drei so gute Freundinnen zu haben und Merve, Frauke und Carmen versprachen sich dass sie auf den Hochzeiten der anderen, ebenfalls helfen werden.
Als Frauke und Carmen allein waren, fragte Frauke: "Hast Du schon an ein Geschenk für Merve gedacht?" "Ich weiß nichts — vielleicht eine Reise?" "Oder einen Gutschein, falls sie mal einen Babysitter braucht." "Ein Eintritt in ein Musical?" Über das Beratschlagen ging der Abend schnell vorbei.
Es waren Semesterferien und Frauke hatte nach ihren Prüfungen erst mal wenig zu tun. Umso mehr forderte Aischa sie auf, ihre Fähigkeiten beim Tanzen zu schulen. Frauke ging zweimal die Woche ins Training und nahm einmal die Woche Einzelstunden. Dazu kamen die Hochzeitsvorbereitungen. Jeweils Samstags kam ein freies Tanzen auf dem Ball der Tanzschule hinzu. Aischa kam immer mit, wobei sie auch ihren Freund zum Tanzen brachte. Nach und nach gingen die weiblichen Bewegungen der Tänze auch in ihre normalen Bewegungen ein. Manchmal erwischte sie sich, wie sie die Hand so hielt wie in der Tanzschule. Sie lernte, wie man sich in die Arme ihres Mannes legte. Nachdem ein kleines Turnier von Frauke und Holger bestritten worden war und beide im Mittelfeld landeten, war Frauke für den Ball bereit. Doch zuvor sollte die Hochzeit sein.
Die kommenden Wochen waren für Frauke ein hartes Brot. Zwar hatte sie sich schon als Viktor auf alle Prüfungen vorbereitet, aber es war viel Stoff dazugekommen, Computer und Gesetze hatten sich geändert und schließlich hatte sie sich auch vieles aus dem Kopf gesoffen. Dennoch war Frauke glücklich und sie hatte das Gefühl, bestehen zu können. In der Bibliothek lächelte sie der Dozent an, die Kommilitoninnen und Kommilitonen gingen respektvoll mit ihr um, und der Sport jeden Morgen brachte sie auch körperlich weiter. Wenn es ihr schlecht ging, klagte sie Aischa ihr Leid.
Während sich Frauke auf die Abschlussprüfungen konzentrierte, gingen in ihrem Körper langsam Veränderungen weiter. Ihre Haare auf dem Kopf wuchsen dichter, ihr Bartwuchs nahm ab. Ihre Brüste wuchsen langsam und wurden sensibler und sie wurde mit jedem Tag sicherer in der Sprache. Mittlerweile konnte sie ihre BHs ohne Polsterung tragen und auch Dekolletee hatte sich genügend eingestellt für einen tieferen Ausschnitt. Selbst wenn Aischa sie nachts weckte, um mit ihr zu reden — und sie gleichzeitig aufnahm — nutzte Frauke ihre weibliche Stimme. Die Arbeitsgruppe Merve, Carmen und Leonie wurde immer mehr Arbeit und immer weniger Gruppe. Dennoch hielten alle vier die angenehme Atmosphäre aufrecht. Die Hochzeit war nach den Prüfungen und Merve hielt sie soweit möglich heraus.
Schließlich kamen die Klausuren, die mündlichen Prüfungen und dann noch innerhalb von drei Wochen eine Abschlussarbeit. Frauke nahm die Hürden und tatsächlich waren weder Klausuren noch die Abschlussarbeit für sie unüberwindbar. Wie sehr sich alles verändert hatte, seit sie nicht mehr Viktor war... Die mündliche Prüfung trat Frauke dann vor einer Professorin und einem Juniorprofessor an. Es wurde ein Fachgespräch unter Frauen. Der Juniorprofessor hielt sich weitgehend heraus. Frauke hatte ihre mündliche Prüfung mit einer 2 bestanden. Als man ihr die Noten für die Klausuren und die Abschlussarbeit mitteilte, schwebte sie über den Boden.
Draußen erwarteten sie schon Carmen und Merve. Leonie hatte es leider nicht geschafft und wollte erst einmal bis zum Abend Ruhe haben. Sie war weggefahren, hatte aber Merve versprochen, zur Hochzeit zu kommen. Die drei Mädels stießen an - auf die Freundschaft, auf den Erfolg, auf Merves Hochzeit. Die Vorbereitung der Hochzeit begann 15 Minuten nach Fraukes letzter Prüfung.
15. Kapitel Die Hochzeitsvorbereitung
Merve fuhr mit den beiden zu ihr nach Hause und zeigte erst einmal die Kleider der Brautjungfern. Alle sollten smaragdgrüne Kleider haben. Merve ging die Planung durch, denn eine Hochzeit mit etwa 350 Personen will gut durchdacht sein. Carmen hatte die Aufgabe, sich um den Schmuck der Halle zu kümmern, Leonie sollte den Kirchenschmuck organisieren und Frauke bei den Getränken helfen. Merves Bruder Harkan kümmerte sich um die Musik. Merve war glücklich, drei so gute Freundinnen zu haben und Merve, Frauke und Carmen versprachen sich dass sie auf den Hochzeiten der anderen, ebenfalls helfen werden.
Als Frauke und Carmen allein waren, fragte Frauke: "Hast Du schon an ein Geschenk für Merve gedacht?" "Ich weiß nichts — vielleicht eine Reise?" "Oder einen Gutschein, falls sie mal einen Babysitter braucht." "Ein Eintritt in ein Musical?" Über das Beratschlagen ging der Abend schnell vorbei.
Es waren Semesterferien und Frauke hatte nach ihren Prüfungen erst mal wenig zu tun. Umso mehr forderte Aischa sie auf, ihre Fähigkeiten beim Tanzen zu schulen. Frauke ging zweimal die Woche ins Training und nahm einmal die Woche Einzelstunden. Dazu kamen die Hochzeitsvorbereitungen. Jeweils Samstags kam ein freies Tanzen auf dem Ball der Tanzschule hinzu. Aischa kam immer mit, wobei sie auch ihren Freund zum Tanzen brachte. Nach und nach gingen die weiblichen Bewegungen der Tänze auch in ihre normalen Bewegungen ein. Manchmal erwischte sie sich, wie sie die Hand so hielt wie in der Tanzschule. Sie lernte, wie man sich in die Arme ihres Mannes legte. Nachdem ein kleines Turnier von Frauke und Holger bestritten worden war und beide im Mittelfeld landeten, war Frauke für den Ball bereit. Doch zuvor sollte die Hochzeit sein.
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Melli_
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Re: Begleitservice alternative Ending
16. Kapitel Hennaabend
Der Hennaabend ist Tradition in türkischen Hochzeiten. Für Frauke war es das erste Mal, dass sie so einem Ereignis beiwohnen konnte. Merves Hochzeit war eine Mischung aus türkischer Tradition mit Deutscher Hochzeit. Der Hennaabend war ein Mädelsabend — Junggesellinnenabschied auf türkisch. Natürlich machte man sich schön — Aischa erklärte Frauke alles, was sie dazu wissen musste. Merve trug das traditionelle Gewandt mit den vielen kleinen Steinchen und Pailletten. Als Roland kam, wickelte man ihm den kleinen Finger mit Henna ein, so dass er die rote Farbe annahm. Merve, Leonie und Frauke versahen sich die Hände gegenseitig mit Mustern. Dazu gab es die türkische Musik — Frauke bekam von dem Gedudel etwas Kopfschmerzen, aber heute war Merves Abend und da sollte alles so sein, wie sich Merve das vorgestellt hatte. Die Frauen begannen miteinander die türkischen Tänze zu tanzen — mit den Schultern zu wackeln und die Schritte zu gehen. Für Leonie, Carmen und Frauke war das ziemliches Neuland, aber für die Hochzeit wollten sie diese Tänze ja auch können. Frauke lernte dabei einen Teil von Merves Familie kennen — jedenfalls den weiblichen Teil. Sie unterhielt sich gut mit Büschra, einer jüngeren Schwester von Merve, die erst einmal Abitur machen musste. Insgesamt war die Stimmung toll — Frauke fand es schade, dass sie keine solche Familie hatte. Sie war eher allein. Aber sie hatte immerhin ein paar Freundinnen.
Gegen 4.00 Uhr morgens saßen Aischa und Frauke zusammen im Auto. "Bist du glücklich?" fragte Aischa Frauke. "Ja, es war so ein schöner Abend." "Kannst du dir den Skandal vorstellen, wenn die merken, dass du eigentlich ein Mann bist?" Frauke schaute Aischa mit großen Augen an — es war das erste Mal, dass sie seit dem Beginn des Abenteuers Frauke als Mann nannte. "Im Moment bin ich Frauke — vielleicht werde ich irgendwann wieder Viktor sein, doch im Moment bleibt es bei Frauke. Ich denke nicht viel an die Zeit später, weißt du..." "Das ist vielleicht auch besser so. Manchmal habe ich Angst um dich, Frauke, dass dich das alles wegreißt. Wenn ich mir überlege, dass ich in dir nur einen versoffenen Kerl gesehen habe — und jetzt schau dich an — du bist meine Freundin geworden. Und du bist Merves, Carmens und Leonies Freundin geworden. Du bist erfolgreich und auch umworben. Mir scheint es, als hättest Du ein ganz neues Leben gefunden." "Das habe ich auch - wen magst du lieber — Viktor oder Frauke?" "Ich habe meine Entscheidung längst getroffen, aber ich weiß, dass das auch bedeutet, loszulassen. Es ist nicht mehr lange, bis Frauke verschwinden wird — verschwinden muss." Es wurde still im Auto — beide fuhren schweigend nach Hause.
Der Hennaabend ist Tradition in türkischen Hochzeiten. Für Frauke war es das erste Mal, dass sie so einem Ereignis beiwohnen konnte. Merves Hochzeit war eine Mischung aus türkischer Tradition mit Deutscher Hochzeit. Der Hennaabend war ein Mädelsabend — Junggesellinnenabschied auf türkisch. Natürlich machte man sich schön — Aischa erklärte Frauke alles, was sie dazu wissen musste. Merve trug das traditionelle Gewandt mit den vielen kleinen Steinchen und Pailletten. Als Roland kam, wickelte man ihm den kleinen Finger mit Henna ein, so dass er die rote Farbe annahm. Merve, Leonie und Frauke versahen sich die Hände gegenseitig mit Mustern. Dazu gab es die türkische Musik — Frauke bekam von dem Gedudel etwas Kopfschmerzen, aber heute war Merves Abend und da sollte alles so sein, wie sich Merve das vorgestellt hatte. Die Frauen begannen miteinander die türkischen Tänze zu tanzen — mit den Schultern zu wackeln und die Schritte zu gehen. Für Leonie, Carmen und Frauke war das ziemliches Neuland, aber für die Hochzeit wollten sie diese Tänze ja auch können. Frauke lernte dabei einen Teil von Merves Familie kennen — jedenfalls den weiblichen Teil. Sie unterhielt sich gut mit Büschra, einer jüngeren Schwester von Merve, die erst einmal Abitur machen musste. Insgesamt war die Stimmung toll — Frauke fand es schade, dass sie keine solche Familie hatte. Sie war eher allein. Aber sie hatte immerhin ein paar Freundinnen.
Gegen 4.00 Uhr morgens saßen Aischa und Frauke zusammen im Auto. "Bist du glücklich?" fragte Aischa Frauke. "Ja, es war so ein schöner Abend." "Kannst du dir den Skandal vorstellen, wenn die merken, dass du eigentlich ein Mann bist?" Frauke schaute Aischa mit großen Augen an — es war das erste Mal, dass sie seit dem Beginn des Abenteuers Frauke als Mann nannte. "Im Moment bin ich Frauke — vielleicht werde ich irgendwann wieder Viktor sein, doch im Moment bleibt es bei Frauke. Ich denke nicht viel an die Zeit später, weißt du..." "Das ist vielleicht auch besser so. Manchmal habe ich Angst um dich, Frauke, dass dich das alles wegreißt. Wenn ich mir überlege, dass ich in dir nur einen versoffenen Kerl gesehen habe — und jetzt schau dich an — du bist meine Freundin geworden. Und du bist Merves, Carmens und Leonies Freundin geworden. Du bist erfolgreich und auch umworben. Mir scheint es, als hättest Du ein ganz neues Leben gefunden." "Das habe ich auch - wen magst du lieber — Viktor oder Frauke?" "Ich habe meine Entscheidung längst getroffen, aber ich weiß, dass das auch bedeutet, loszulassen. Es ist nicht mehr lange, bis Frauke verschwinden wird — verschwinden muss." Es wurde still im Auto — beide fuhren schweigend nach Hause.
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Kerstin
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Re: Begleitservice alternative Ending
Ooooch nöö......bitte nichtMelli_ hat geschrieben:..... Es ist nicht mehr lange, bis Frauke verschwinden wird — verschwinden muss." Es wurde still im Auto — beide fuhren schweigend nach Hause.
LG Kerstin
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
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Melli_
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Re: Begleitservice alternative Ending
Hallo,
es hat lange gedauert, aber jetzt komme ich wieder...
Viel Spass beim Lesen.
Melanie
17. Kapitel Michaels Rache
Michael hatte sich sehr über Frauke geärgert. Er musste diesen lästigen Zeugen/diese Zeugin und Erpresser loswerden. Wenn Viktor einmal Geld bekommen hatte, würde er auf jeden Fall wieder Geld verlangen. Für Michael war klar, dass Viktor nicht nur eine Lektion braucht, sondern dass auch gezeigt werden muss, wer der Herr im Haus ist. Also fasste Michael einen Plan. Zunächst würde er die Steuerprüfung auf Aischas Unternehmen ansetzen. Diese kleine Unannehmlichkeit sollte Aischa und ihren Mann erst einmal beschäftigen. Dann würde Michael einen Teil des Darlehens, welches Aischa ihm schuldete an eine andere Bank abtreten. - Eine Bank, die nicht so gütig mit säumigen Zahlern verfuhr wie er. Auf seinem Gesicht machte sich ein Lächeln breit. Er dachte an seine Lieblingsfigur aus Dallas, jenen Ölbaron mit dem Cowboyhut, der seinen kleinen Bruder Bobby wieder einmal ausgetrickst hatte.
Michael musste sich noch etwas überlegen, wie er Frauke am besten wieder loswurde. Am sinnvollsten wäre es, wenn sie einfach sagen würde, 1. dass ihr solche Feierlichkeiten nichts sagen würden und 2. dass sie schwanger sei und sich nun mehr um das Kind kümmern wollte. Dann wäre sie erst einmal für ein paar Jahre aus dem Geschäft und ob sich danach noch jemand an sie erinnern würde — Michael bezweifelte es. Schließlich war man als Mutter in seinem Umfeld eher ungeachtet. Vielleicht konnte eine Politikerin schwanger werden, und später wieder in den Beruf einsteigen, aber eine normale Managerin muss sich immer noch entscheiden — 80 Stunden Arbeit die Woche oder Kinder. Für eine Sekunde blitzte der Gedanke durch Michaels Kopf, wie krank und heuchlerisch das Ganze war. Dann schüttelte er ihn ab, denn die Welt, in der er lebte, konnte und wollte er nicht ändern — nicht so lange er erfolgreich war. Dann klingelte sein Handy — eine Freundin war am Apparat. "Michael, wann kommst du heute vorbei?" "Bin gleich bei dir, Schatz." Er legte auf und freute sich auf den Abend.
es hat lange gedauert, aber jetzt komme ich wieder...
Viel Spass beim Lesen.
Melanie
17. Kapitel Michaels Rache
Michael hatte sich sehr über Frauke geärgert. Er musste diesen lästigen Zeugen/diese Zeugin und Erpresser loswerden. Wenn Viktor einmal Geld bekommen hatte, würde er auf jeden Fall wieder Geld verlangen. Für Michael war klar, dass Viktor nicht nur eine Lektion braucht, sondern dass auch gezeigt werden muss, wer der Herr im Haus ist. Also fasste Michael einen Plan. Zunächst würde er die Steuerprüfung auf Aischas Unternehmen ansetzen. Diese kleine Unannehmlichkeit sollte Aischa und ihren Mann erst einmal beschäftigen. Dann würde Michael einen Teil des Darlehens, welches Aischa ihm schuldete an eine andere Bank abtreten. - Eine Bank, die nicht so gütig mit säumigen Zahlern verfuhr wie er. Auf seinem Gesicht machte sich ein Lächeln breit. Er dachte an seine Lieblingsfigur aus Dallas, jenen Ölbaron mit dem Cowboyhut, der seinen kleinen Bruder Bobby wieder einmal ausgetrickst hatte.
Michael musste sich noch etwas überlegen, wie er Frauke am besten wieder loswurde. Am sinnvollsten wäre es, wenn sie einfach sagen würde, 1. dass ihr solche Feierlichkeiten nichts sagen würden und 2. dass sie schwanger sei und sich nun mehr um das Kind kümmern wollte. Dann wäre sie erst einmal für ein paar Jahre aus dem Geschäft und ob sich danach noch jemand an sie erinnern würde — Michael bezweifelte es. Schließlich war man als Mutter in seinem Umfeld eher ungeachtet. Vielleicht konnte eine Politikerin schwanger werden, und später wieder in den Beruf einsteigen, aber eine normale Managerin muss sich immer noch entscheiden — 80 Stunden Arbeit die Woche oder Kinder. Für eine Sekunde blitzte der Gedanke durch Michaels Kopf, wie krank und heuchlerisch das Ganze war. Dann schüttelte er ihn ab, denn die Welt, in der er lebte, konnte und wollte er nicht ändern — nicht so lange er erfolgreich war. Dann klingelte sein Handy — eine Freundin war am Apparat. "Michael, wann kommst du heute vorbei?" "Bin gleich bei dir, Schatz." Er legte auf und freute sich auf den Abend.
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Melli_
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Re: Begleitservice alternative Ending
Hallo Anja,
ist es auch lange nicht. Ich bin jetzt fertig und das Ende kommt Stück für Stück. Es gibt aber ein Inhaltsverzeichnis.
LG,
Melanie
Geschichte Begleitservice
Kapitel 1 Der Auftrag
Kapitel 2 Beim Zahnarzt 1
Kapitel 3 Beim Zahnarzt 2
Kapitel 4 Handtaschen
Kapitel 5 Abendkleid 18
Kapitel 6 Schuhe 20
Kapitel 7 zurück an der Uni 23
Kapitel 8 Friseurtermin 27
Kapitel 9 Das erste Treffen 29
Kapitel 10 Die zwei Monate vor dem großen Abend 31
Kapitel 11 Spaß mit den Freundinnen 36
Kapitel 12 Stalking 38
Kapitel 13 der 24. August 39
Kapitel 14 Semesterende 43
Kapitel 15 Die Hochzeitsvorbereitung 44
Kapitel 16 Hennaabend 45
Kapitel 17 Michaels Rache 46
Kapitel 18 Merves Hochzeit 47
Kapitel 19 Der Ball 48
Kapitel 20 Die Rückfahrt 50
Kapitel 21 Viktors Sumpf 52
Kapitel 22 Ein Anruf 54
Kapitel 23 Die Wahrheit 55
Kapitel 24 Noch ein Anruf 58
Epilog Frauke trifft Frauke
18. Kapitel Merves Hochzeit
Merves Hochzeit war ein riesiges Fest mit gut 200 Gästen. Frauke und die anderen hatten viel vorzubereiten. Auf der Einladung stand, dass sie noch jemanden hätte mitbringen können. Aber Frauke hatte niemand — niemand außer Aischa. Der Tag begann früh mit den Vorbereitungen — ein ganzer Saal musste dekoriert werden. Die Mädels deckten die Tische, schrubbten die Theke, streuten Blumen und Steine, weil Aischa alles in einer Strandatmosphäre haben wollte. Ein paar Anrufe wegen der Tanztruppe, die die Mädels noch organisiert hatten und schon war es Mittagszeit. Dann kam der Friseurtermin — diesmal mit Aischa zusammen, elegante Hochsteckfrisuren. Frauke genoss die kleine Auszeit. Mittlerweile liebte sie das Ritual, das massieren der Kopfhaut, das Waschen, die Lockenwickler und auch den Geruch der Farbe in ihrem Haar. Schließlich der Blick in den Spiegel, der ihr die elegante Frau zeigte, die sie gelernt hatte zu sein. Kleid anziehen und dann auf zum Fotoshooting. Frauke war heilfroh, dass sie nicht auf ihrer eigenen Hochzeit war, denn Merve und ihr Mann Roland rotierten schon seit einer Woche.
Die Zeremonie fand als Zusammenarbeit zwischen einem Hodscha und einem Pfarrer statt. Frauke wunderte sich, was mittlerweile alles möglich war. Die Kirche war von einem Unternehmen geschmückt worden — viele rote Rosen an den Bänken und Efeu an der Kanzel. Merve zog an der Hand ihres Vaters in die Kirche ein. Die Brautjungfern gingen ihr nach. Sie trugen alle Stretchkleider, die ihre Figuren betonten. Glücklicherweise hatte sich Frauke eine hübsche Silhouette erhungert, denn diese Kleider waren zu jeder Rundung unbarmherzig. Frauke war froh, dass sie Merve auf diese Weise begleiten konnte. Dass sie eigentlich ein Mann war, hatte sie in diesen Momenten fest vergessen. Roland wartete vor dem Altar. Es war dieser Augenblick auf den alle warteten — zwar kannte Frauke das Brautkleid schon, doch freute sie sich, wie ein kleines Mädchen, als sie durch die Eingangstür hereinkam. Jetzt sehnte sich Frauke nach einer Hand, die ihre halten würde. Stattdessen hielt sie ihren Blumenstrauß und schwer an sich, um nicht loszuflennen. Was war nur aus Viktor geworden?
Mit einem Autokorso ging es durch die Stadt. Das Fest war geprägt von viel türkischer Musik und Tanz. Alle tanzten mit und einige der Südländer machten sich an Frauke heran. Einerseits freute es Frauke, dass sie so ohne Probleme als Frau durchging — naja, als was hätte sie sonst mit dem Ausschnitt und dem Styling sein sollen? Dennoch war es für sie nicht so selbstverständlich, denn vor ein paar Monaten war sie ja noch ein Mann gewesen. Frauke ließ es sich gut gehen, sie tanzte, sie aß, sie flirtete und es war einer der schönsten Abende, die sie bisher erlebte.
ist es auch lange nicht. Ich bin jetzt fertig und das Ende kommt Stück für Stück. Es gibt aber ein Inhaltsverzeichnis.
LG,
Melanie
Geschichte Begleitservice
Kapitel 1 Der Auftrag
Kapitel 2 Beim Zahnarzt 1
Kapitel 3 Beim Zahnarzt 2
Kapitel 4 Handtaschen
Kapitel 5 Abendkleid 18
Kapitel 6 Schuhe 20
Kapitel 7 zurück an der Uni 23
Kapitel 8 Friseurtermin 27
Kapitel 9 Das erste Treffen 29
Kapitel 10 Die zwei Monate vor dem großen Abend 31
Kapitel 11 Spaß mit den Freundinnen 36
Kapitel 12 Stalking 38
Kapitel 13 der 24. August 39
Kapitel 14 Semesterende 43
Kapitel 15 Die Hochzeitsvorbereitung 44
Kapitel 16 Hennaabend 45
Kapitel 17 Michaels Rache 46
Kapitel 18 Merves Hochzeit 47
Kapitel 19 Der Ball 48
Kapitel 20 Die Rückfahrt 50
Kapitel 21 Viktors Sumpf 52
Kapitel 22 Ein Anruf 54
Kapitel 23 Die Wahrheit 55
Kapitel 24 Noch ein Anruf 58
Epilog Frauke trifft Frauke
18. Kapitel Merves Hochzeit
Merves Hochzeit war ein riesiges Fest mit gut 200 Gästen. Frauke und die anderen hatten viel vorzubereiten. Auf der Einladung stand, dass sie noch jemanden hätte mitbringen können. Aber Frauke hatte niemand — niemand außer Aischa. Der Tag begann früh mit den Vorbereitungen — ein ganzer Saal musste dekoriert werden. Die Mädels deckten die Tische, schrubbten die Theke, streuten Blumen und Steine, weil Aischa alles in einer Strandatmosphäre haben wollte. Ein paar Anrufe wegen der Tanztruppe, die die Mädels noch organisiert hatten und schon war es Mittagszeit. Dann kam der Friseurtermin — diesmal mit Aischa zusammen, elegante Hochsteckfrisuren. Frauke genoss die kleine Auszeit. Mittlerweile liebte sie das Ritual, das massieren der Kopfhaut, das Waschen, die Lockenwickler und auch den Geruch der Farbe in ihrem Haar. Schließlich der Blick in den Spiegel, der ihr die elegante Frau zeigte, die sie gelernt hatte zu sein. Kleid anziehen und dann auf zum Fotoshooting. Frauke war heilfroh, dass sie nicht auf ihrer eigenen Hochzeit war, denn Merve und ihr Mann Roland rotierten schon seit einer Woche.
Die Zeremonie fand als Zusammenarbeit zwischen einem Hodscha und einem Pfarrer statt. Frauke wunderte sich, was mittlerweile alles möglich war. Die Kirche war von einem Unternehmen geschmückt worden — viele rote Rosen an den Bänken und Efeu an der Kanzel. Merve zog an der Hand ihres Vaters in die Kirche ein. Die Brautjungfern gingen ihr nach. Sie trugen alle Stretchkleider, die ihre Figuren betonten. Glücklicherweise hatte sich Frauke eine hübsche Silhouette erhungert, denn diese Kleider waren zu jeder Rundung unbarmherzig. Frauke war froh, dass sie Merve auf diese Weise begleiten konnte. Dass sie eigentlich ein Mann war, hatte sie in diesen Momenten fest vergessen. Roland wartete vor dem Altar. Es war dieser Augenblick auf den alle warteten — zwar kannte Frauke das Brautkleid schon, doch freute sie sich, wie ein kleines Mädchen, als sie durch die Eingangstür hereinkam. Jetzt sehnte sich Frauke nach einer Hand, die ihre halten würde. Stattdessen hielt sie ihren Blumenstrauß und schwer an sich, um nicht loszuflennen. Was war nur aus Viktor geworden?
Mit einem Autokorso ging es durch die Stadt. Das Fest war geprägt von viel türkischer Musik und Tanz. Alle tanzten mit und einige der Südländer machten sich an Frauke heran. Einerseits freute es Frauke, dass sie so ohne Probleme als Frau durchging — naja, als was hätte sie sonst mit dem Ausschnitt und dem Styling sein sollen? Dennoch war es für sie nicht so selbstverständlich, denn vor ein paar Monaten war sie ja noch ein Mann gewesen. Frauke ließ es sich gut gehen, sie tanzte, sie aß, sie flirtete und es war einer der schönsten Abende, die sie bisher erlebte.
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Re: Begleitservice alternative Ending
19. Kapitel Der Ball
Das Geschäft war gemacht. Michael hatte Frauke und Aischa gebrieft. Es war klar, dass Frauke sagen sollte, dass sie schwanger sei. Aischas Geschäft war durch die Steuerprüfung, die mit einer Nachzahlung von satten 25.000 Euro endete, ziemlich unter Druck geraten. Michael brauchte nicht weiter zu drohen. Beiden Frauen war klar, dass er Aischas Existenz vernichten konnte, wenn er wollte. Also besann man sich auf den ersten Handel und lies alles so laufen, wie es zunächst geplant war — nur dass sich der Abschied um ein paar Monate verschoben hatte. Nach den vergangenen 6 Monaten Mitte Juni bis zum 28. November war es nun an der Zeit, mit Frauke abzuschließen. Michael kam vorbei und er einigte sich mit Viktor, dass nach diesem Ball Frauke verschwinden werde — keine weiteren Zusagen, keine weiteren Treffen. Frauke sollte verschwinden — am besten sterben — Schwangerschaft war aber ebenso machbar. Viktor sollte wieder leben. Frauke war das ganz recht, denn mit diesem Typen wollte sie nicht weiter in einen Topf geworfen werden. Und wer weiß, am Ende müsste sie noch eine Nacht mit ihm verbringen — sowohl Frauke als auch Viktor wurde es bei dem Gedanken übel. Also zogen beide Seelen in der Brust an demselben Strang. Michael hatte das Geld bar dabei — so wie es ausgemacht worden war. Dass er es nicht auf den Fußboden warf, war alles. Seine Laune an diesem Abend war mies, aber gefasst. Der Zauber des ersten Abends war verflogen und man machte ein Geschäft.
Aischa unterschrieb, von all dem niemanden etwas zu erzählen. Frauke unterschrieb, dass sie ebenfalls schweigen werde. Sowohl Aischa als auch Frauke war bewusst, dass Michael das ganze Geschäft von Aischa zerstören würde, wenn beide auch nur einen Mucks machten.
Der Abend ist schnell erzählt. Um Aischa zu retten spielte Frauke zu 100% mit. Sie erzählte, dass sie schwanger sei und alle freuten sich sooooo für sie - Jedenfalls alle Frauen ohne Kinder. Wenn sie sich dann umdrehten, machten sie ein besorgtes Gesicht und man muss nicht Gedankenlesen können, um zu wissen, dass sich darin der Satz "Die Ärmste, ohne Studium — da wird sie nun als Hausfrau enden. Ich hätte das nie gemacht..." Einzig Frau Schumpeter schaute Frauke ernst an. "Werden Sie das schaffen?" "Ich hoffe doch" entgegnete Frauke. "Es wird ein hartes Stück Arbeit sein, das Studium fertigzumachen und auf ein Kind aufzupassen. Ich habe das selber hinter mir." "Oh," sagte Frauke "Ja, ich werde Ihnen helfen, wenn sie mich brauchen. Hier ist meine Karte. Rufen sie mich an, wenn sie nicht mehr weiterwissen." "Ich werde an Sie denken, aber ich versuche es erst einmal allein." Frau Schumpeter lächelte "gut, wie sie meinen..."
Nach dem Abend hatte sich Frauke bei allen als werdende Mutter verabschiedet. Michael war zufrieden. Er brachte sie zum Auto und als er sie in der Frauen WG absetzte grinste er "Mach's gut, Viktor. Es war nett, dich gekannt zu haben." "Kann ich nicht behaupten," entgegnete Frauke. Sie hasste sich dafür, dass sie keine Plagiate in seine Arbeiten eingearbeitet hatte, so dass sie jetzt etwas in der Hand hatte. Der Letzte Trumpf war gespielt, die Scharade war vorbei. "Wie dem auch sei, leb wohl in deiner Hartz IV Höhle." Frauke und Aischa wendeten sich um und gingen. Oben angekommen konnten sie nicht weiter an sich halten: "Ich hasse dieses arrogante, selbstgefällige "¦." Aischa und Frauke lästerten noch mindestens eine Stunde, bis sie sich dann für die Nacht fertigmachten.
Das Geschäft war gemacht. Michael hatte Frauke und Aischa gebrieft. Es war klar, dass Frauke sagen sollte, dass sie schwanger sei. Aischas Geschäft war durch die Steuerprüfung, die mit einer Nachzahlung von satten 25.000 Euro endete, ziemlich unter Druck geraten. Michael brauchte nicht weiter zu drohen. Beiden Frauen war klar, dass er Aischas Existenz vernichten konnte, wenn er wollte. Also besann man sich auf den ersten Handel und lies alles so laufen, wie es zunächst geplant war — nur dass sich der Abschied um ein paar Monate verschoben hatte. Nach den vergangenen 6 Monaten Mitte Juni bis zum 28. November war es nun an der Zeit, mit Frauke abzuschließen. Michael kam vorbei und er einigte sich mit Viktor, dass nach diesem Ball Frauke verschwinden werde — keine weiteren Zusagen, keine weiteren Treffen. Frauke sollte verschwinden — am besten sterben — Schwangerschaft war aber ebenso machbar. Viktor sollte wieder leben. Frauke war das ganz recht, denn mit diesem Typen wollte sie nicht weiter in einen Topf geworfen werden. Und wer weiß, am Ende müsste sie noch eine Nacht mit ihm verbringen — sowohl Frauke als auch Viktor wurde es bei dem Gedanken übel. Also zogen beide Seelen in der Brust an demselben Strang. Michael hatte das Geld bar dabei — so wie es ausgemacht worden war. Dass er es nicht auf den Fußboden warf, war alles. Seine Laune an diesem Abend war mies, aber gefasst. Der Zauber des ersten Abends war verflogen und man machte ein Geschäft.
Aischa unterschrieb, von all dem niemanden etwas zu erzählen. Frauke unterschrieb, dass sie ebenfalls schweigen werde. Sowohl Aischa als auch Frauke war bewusst, dass Michael das ganze Geschäft von Aischa zerstören würde, wenn beide auch nur einen Mucks machten.
Der Abend ist schnell erzählt. Um Aischa zu retten spielte Frauke zu 100% mit. Sie erzählte, dass sie schwanger sei und alle freuten sich sooooo für sie - Jedenfalls alle Frauen ohne Kinder. Wenn sie sich dann umdrehten, machten sie ein besorgtes Gesicht und man muss nicht Gedankenlesen können, um zu wissen, dass sich darin der Satz "Die Ärmste, ohne Studium — da wird sie nun als Hausfrau enden. Ich hätte das nie gemacht..." Einzig Frau Schumpeter schaute Frauke ernst an. "Werden Sie das schaffen?" "Ich hoffe doch" entgegnete Frauke. "Es wird ein hartes Stück Arbeit sein, das Studium fertigzumachen und auf ein Kind aufzupassen. Ich habe das selber hinter mir." "Oh," sagte Frauke "Ja, ich werde Ihnen helfen, wenn sie mich brauchen. Hier ist meine Karte. Rufen sie mich an, wenn sie nicht mehr weiterwissen." "Ich werde an Sie denken, aber ich versuche es erst einmal allein." Frau Schumpeter lächelte "gut, wie sie meinen..."
Nach dem Abend hatte sich Frauke bei allen als werdende Mutter verabschiedet. Michael war zufrieden. Er brachte sie zum Auto und als er sie in der Frauen WG absetzte grinste er "Mach's gut, Viktor. Es war nett, dich gekannt zu haben." "Kann ich nicht behaupten," entgegnete Frauke. Sie hasste sich dafür, dass sie keine Plagiate in seine Arbeiten eingearbeitet hatte, so dass sie jetzt etwas in der Hand hatte. Der Letzte Trumpf war gespielt, die Scharade war vorbei. "Wie dem auch sei, leb wohl in deiner Hartz IV Höhle." Frauke und Aischa wendeten sich um und gingen. Oben angekommen konnten sie nicht weiter an sich halten: "Ich hasse dieses arrogante, selbstgefällige "¦." Aischa und Frauke lästerten noch mindestens eine Stunde, bis sie sich dann für die Nacht fertigmachten.
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Re: Begleitservice alternative Ending
Kapitel 20 Die Rückfahrt
Viktors Wecker klingelte wie jeden Morgen. Nur diesmal war es anders. Der Ball war gelaufen, der Vertrag mit Michael beendet, die Wohnung musste bis um 16.00 Uhr geräumt sein. Aischa stand vor seinem Bett — "Los komm, anstatt joggen machen wir heute Fitness mit Kisten schleppen. Wie soll ich dich nennen? Frauke oder Viktor?" Viktor schaute Aischa müde an "Mir egal — mach was du willst, aber lass mich schlafen." "Gut, dann nenne ich dich Viktor, damit du dich daran gewöhnst. Ich habe dir deine alten Sachen mitgebracht, damit du die guten Kleider nicht dreckig machst. Und jetzt aufstehen." Viktor stand auf, zog sich seine alten Klamotten an und ein paar Turnschuhe mit Pinken Applikationen. Die Hose schlabberte an seinen Hüften, während sich selbst durch den Schlabberpulli seine Brüste abzeichneten. Dann gab es erst einmal einen Kaffee. Als Viktor die Tür zur Küche öffnete, schaute ihn Aischa lange an. "Ich glaube, dass ich ein wenig zu perfekt war." Die alten Sachen hingen wie ein Sack an Viktor. Seine Taille machte die Hose oben zu weit und auf den Hüften passte sie ihm gerade so. Unter seinem Pulli konnte man gut die zwei weiblichen Brüste sehen, die ihn wölbten und dringend nach einem BH schrien. Viktors Gesicht war auch ohne Schminke weiblich. Er hatte von gestern auf heute kaum Bartwuchs und seine Haut war lange nicht mehr so hart, wie sie es am Anfang gewesen waren. Dazu kamen die Finger und Zehennägel, die seine weibliche Seite betonten und noch immer lackiert waren. Viktor brummte "Wieso zu perfekt..." "Schau dich mal in dem Spiegel an und sag mir, was du siehst. Viktor ging zu dem großen Spiegel an der Garderobe. Als er hineinschaute sah er eine stark verkaterte Frau in Männerklamotten, die gerade erst aufgestanden war. "Und?" fragte Aischa. "Ich sehe Arnold Schwarzenegger nach dem er gerade Mister Universum geworden ist." antwortete Viktor, der sich langsam bewusst wurde, wie grotesk es wäre, wenn er jetzt als Mann hinausging. "Ich ziehe mir was anderes an." rief er. Dann machte er sich in sein Zimmer und suchte einen alten Jeansrock. Als Viktor wieder in die Küche kam, schaute Aischa auf. "Ich glaube, dass deine Rückverwandlung ziemlich schwierig werden wird. "Die Rückverwandlung kriege ich schon hin, jetzt müssen wir erst mal die Wohnung räumen." Beide Frauen tranken schweigend ihren Kaffee zu Ende und dann begannen sie, die Wohnung zusammenzupacken. Die Kleider in Umzugskisten. "Sag mal, Frauke, brauchst Du die Kleider eigentlich noch?" Viktor überlegte ein paar Sekunden — wollte er noch einmal als Frau nach draußen gehen? "Lass sie mir für den Übergang noch einmal drin, wenn ich dann wieder ich bin, schicke ich sie dir zu — oder du kannst sie dir abholen, O.K.?"
Vier Stunden später stand Frauke vor der leeren Wohnung. Jetzt würde sie verschwinden. Wie eine Seifenblase würde sie jetzt platzen und der Realität wieder Raum geben. Frauke ließ die letzten Monate noch einmal an sich vorbeiziehen — ihre Freundinnen Carmen, Leonie und Merve. Das Lernen in der Bibliothek, die morgendlichen Joggingstunden, das gesunde Essen, die Hochzeit, der Ball, die FrauenWG. Sie hatte so viel versprochen und jetzt war alles nur Illusion gewesen. Ihre Erfolge an der Uni und die Abschlussprüfung, der fürchterliche Günther und die Hochzeit. Das alles hatte es nie gegeben in Viktors Leben — es war alles geträumt. Frauke dachte an die Feuerzangenbowle. Letzten Endes war sie wie Pfeiffer einmal kurz wieder Studentin geworden. Sie hatte etwas total Unsinniges gemacht und wie Pfeiffer kehrte sie zu ihrem normalen Leben zurück. Nur dass auf Pfeiffer ein Happy End wartete. Frauke hingegen würde nie wieder existieren. Frauke seufzte und verschwand.
Viktor schloss die Tür ab. Er beschloss, so schnell wie möglich wieder er selbst zu werden. Als er sich zu Aischa in den Sprinter setzte, sagte er: "Du kannst die Kleider haben, ich brauche sie nicht mehr. Nur das Brautjungfernkleid behalte ich — zur Erinnerung an meine Freundinnen." Dann fuhren sie los.
21. Kapitel Viktors Sumpf
Viktor öffnete die Tür zu seiner alten Wohnung. Die Miete war von Viktors Konto weitergelaufen und so hatte der Vermieter die Wohnung nicht geräumt. Als die Tür aufging, wehte Viktor eine Wolke voller Gestank entgegen. Der Müll hatte überall geschimmelt. Grüne Pelze wuchsen über dem Mülleimer und der Spüle. Der abgestandene Rauch von den vielen vollen Aschenbechern übertünchte alles noch ein wenig. Viktor wurde fast schlecht. Das war ganz anders als die Frauen WG. Er riss alle Fenster auf. Diese Wohnung war unerträglich und so begann Viktor aufzuräumen. Er zog sich wieder seine Männersachen an, machte einen Pferdeschwanz aus der schönen Wellenfrisur und wischte sich das Make Up aus dem Gesicht. Er brachte den Müll hinunter, und begann, zu saugen. Er leerte die Aschenbecher und wischte das Bad. Ein oder zwei Nachbarn schauten ihn seltsam an, aber sie sagten nichts. In dieser Gegend redete man nicht miteinander. Viktor wusch sein Bettzeug, die alten Hosen und die gesamte Wäsche aus dem Schrank. Bald stand die ganze Wohnung voll mit Wäscheständern. Würde er die Wäsche draußen aufhängen, würde man sie ihm stehlen. Nach den Wochen in der Frauen WG mit Aischa kotzte ihn diese Wohnung an. Er fand ein Bier, öffnete die Flasche und trank erst mal eine. Der Blick auf das Verfallsdatum zeigte, dass das Bier 2 Monate über der Zeit war. "Ist doch egal," dachte Viktor und zog kräftig an der Pulle. Dann schaute er, ob der Fernseher noch lief. Tatsächlich — bevor er weiter aufräumte setzte er sich hin und schaute erst einmal Richterin Barbara Samesch. In der Gefriertruhe fand sich noch eine Pizza, die erst vor 2 Wochen abgelaufen war. Viktor entsorgte die anderen Pizzen, und schob diese in seine Mikrowelle. Nach etwa 2 Stunden war er betrunken eingeschlafen.
Als Viktor wieder aufwachte war es 3.00 Uhr nachts. Zeit wirklich ins Bett zu gehen. Viktor machte sich ins Bad auf, und als er in den Spiegel schaute, zeigte sich ein Stück des alten Viktors wieder, der hier in dieser Wohnung gehaust hatte. Er hatte denselben müden, frustrierten Blick, nur sein Gesicht hatte etwas weichere Züge bekommen und der Adamsapfel fehlte. Viktor nahm noch ein Bier und ging schlafen. Morgens um 9.00 Uhr stand er auf. Als er in den Spiegel sah, schüttelte er mit dem Kopf. "Oh Mann, was man für Geld nicht alles tut..." "Was habe ich mir nur dabei gedacht, als ob ein bisschen Training und ein paar Klamotten aus mir eine erfolgreiche Frau machen könnten. Es war eine große Lüge. Ich war eine Lüge." Der Viktor, der mich jetzt anschaut, ist die Wahrheit — ein Versager. Viktor kam eine Träne, die ihn über das Gesicht ging. "Ich bin keine Frau und werde es nie sein." sagte er zu sich selbst. Viktor verrichtete sein Morgengeschäft im Stehen. Und es störte ihn nicht mehr, wenn etwas daneben ging. Dann kamen ihn die schönen Momente in den Sinn, die Hochzeit, die Erfolge an der Uni, das Gefühl, das eigene Leben im Griff zu haben, die HiWi Stelle. Für die sechs Monate war es schön, eine Frau zu sein. Aber es war alles nur gelogen. Viktor hatte sich selbst betrogen für eine Illusion, die Aischa und Michael aus ihn gemacht hatten — für Geld. Diese ganze Nummer hatte ja nur funktioniert, weil Michael die Rechnung zahlen musste. Je mehr Viktor drüber nachdachte, umso lächerlicher kam es ihm vor. Als ob er mit einer Perücke und ein bisschen Schminke seinem verpfuschten Leben entkommen könnte. Er ging zu der Mappe mit den Zeugnissen, tütete sie ein und schrieb die Adresse der echten Frauke Grünbaum darauf. Als Frauke hatte er schon einmal vorsorglich die Briefmarken darauf geklebt. Er öffnete die letzte Bierflasche und setzte sich vor den Fernseher. Dann schloss er den Umschlag. Er wollte nichts mehr wissen von all dem. Dann fiel ihm der Postberg auf, der in den letzten 7 Monaten aufgelaufen war. Viktor nahm die Briefe und riss einen nach dem anderen auf. Werbung, Werbung, Stellenangebote vom Arbeitsamt. Metzgerhelfer, Paketbringdienst, Taxifahrer, Sekretärin. Sie hatten noch nicht einmal die männliche Form gewählt. Viktor dachte kurz daran, sich als Frau dort vorzustellen — er lächelte zynisch. Spätestens bei der Lohnabrechnung käme alles raus und er würde rausfliegen. Dann würden sich alle über ihn lustig machen. Und überhaupt, wollte er Sekretärin sein? "Frau Grünbaum, einen Kaffee", "Frau Grünbaum, machen sie die Schreiben fertig", "Frau Grünbaum, heften sie das bitte in der Ablage ab." "Frau Grünbaum, ihr Äußeres lässt zu wünschen übrig." Viktor wusste genau, wie sehr er im Studium über Sekretärinnen gelästert hatte. Und er wusste auch, dass er mehr konnte als Briefe in eine Ablage zu heften. Viktor beschloss mit Frauke abzuschließen, ging neues Bier holen und lag am Nachmittag betrunken in seinem unbezogenen Bett. Den Anruf von der Arbeitsagentur bekam er gar nicht mit.
Viktors Wecker klingelte wie jeden Morgen. Nur diesmal war es anders. Der Ball war gelaufen, der Vertrag mit Michael beendet, die Wohnung musste bis um 16.00 Uhr geräumt sein. Aischa stand vor seinem Bett — "Los komm, anstatt joggen machen wir heute Fitness mit Kisten schleppen. Wie soll ich dich nennen? Frauke oder Viktor?" Viktor schaute Aischa müde an "Mir egal — mach was du willst, aber lass mich schlafen." "Gut, dann nenne ich dich Viktor, damit du dich daran gewöhnst. Ich habe dir deine alten Sachen mitgebracht, damit du die guten Kleider nicht dreckig machst. Und jetzt aufstehen." Viktor stand auf, zog sich seine alten Klamotten an und ein paar Turnschuhe mit Pinken Applikationen. Die Hose schlabberte an seinen Hüften, während sich selbst durch den Schlabberpulli seine Brüste abzeichneten. Dann gab es erst einmal einen Kaffee. Als Viktor die Tür zur Küche öffnete, schaute ihn Aischa lange an. "Ich glaube, dass ich ein wenig zu perfekt war." Die alten Sachen hingen wie ein Sack an Viktor. Seine Taille machte die Hose oben zu weit und auf den Hüften passte sie ihm gerade so. Unter seinem Pulli konnte man gut die zwei weiblichen Brüste sehen, die ihn wölbten und dringend nach einem BH schrien. Viktors Gesicht war auch ohne Schminke weiblich. Er hatte von gestern auf heute kaum Bartwuchs und seine Haut war lange nicht mehr so hart, wie sie es am Anfang gewesen waren. Dazu kamen die Finger und Zehennägel, die seine weibliche Seite betonten und noch immer lackiert waren. Viktor brummte "Wieso zu perfekt..." "Schau dich mal in dem Spiegel an und sag mir, was du siehst. Viktor ging zu dem großen Spiegel an der Garderobe. Als er hineinschaute sah er eine stark verkaterte Frau in Männerklamotten, die gerade erst aufgestanden war. "Und?" fragte Aischa. "Ich sehe Arnold Schwarzenegger nach dem er gerade Mister Universum geworden ist." antwortete Viktor, der sich langsam bewusst wurde, wie grotesk es wäre, wenn er jetzt als Mann hinausging. "Ich ziehe mir was anderes an." rief er. Dann machte er sich in sein Zimmer und suchte einen alten Jeansrock. Als Viktor wieder in die Küche kam, schaute Aischa auf. "Ich glaube, dass deine Rückverwandlung ziemlich schwierig werden wird. "Die Rückverwandlung kriege ich schon hin, jetzt müssen wir erst mal die Wohnung räumen." Beide Frauen tranken schweigend ihren Kaffee zu Ende und dann begannen sie, die Wohnung zusammenzupacken. Die Kleider in Umzugskisten. "Sag mal, Frauke, brauchst Du die Kleider eigentlich noch?" Viktor überlegte ein paar Sekunden — wollte er noch einmal als Frau nach draußen gehen? "Lass sie mir für den Übergang noch einmal drin, wenn ich dann wieder ich bin, schicke ich sie dir zu — oder du kannst sie dir abholen, O.K.?"
Vier Stunden später stand Frauke vor der leeren Wohnung. Jetzt würde sie verschwinden. Wie eine Seifenblase würde sie jetzt platzen und der Realität wieder Raum geben. Frauke ließ die letzten Monate noch einmal an sich vorbeiziehen — ihre Freundinnen Carmen, Leonie und Merve. Das Lernen in der Bibliothek, die morgendlichen Joggingstunden, das gesunde Essen, die Hochzeit, der Ball, die FrauenWG. Sie hatte so viel versprochen und jetzt war alles nur Illusion gewesen. Ihre Erfolge an der Uni und die Abschlussprüfung, der fürchterliche Günther und die Hochzeit. Das alles hatte es nie gegeben in Viktors Leben — es war alles geträumt. Frauke dachte an die Feuerzangenbowle. Letzten Endes war sie wie Pfeiffer einmal kurz wieder Studentin geworden. Sie hatte etwas total Unsinniges gemacht und wie Pfeiffer kehrte sie zu ihrem normalen Leben zurück. Nur dass auf Pfeiffer ein Happy End wartete. Frauke hingegen würde nie wieder existieren. Frauke seufzte und verschwand.
Viktor schloss die Tür ab. Er beschloss, so schnell wie möglich wieder er selbst zu werden. Als er sich zu Aischa in den Sprinter setzte, sagte er: "Du kannst die Kleider haben, ich brauche sie nicht mehr. Nur das Brautjungfernkleid behalte ich — zur Erinnerung an meine Freundinnen." Dann fuhren sie los.
21. Kapitel Viktors Sumpf
Viktor öffnete die Tür zu seiner alten Wohnung. Die Miete war von Viktors Konto weitergelaufen und so hatte der Vermieter die Wohnung nicht geräumt. Als die Tür aufging, wehte Viktor eine Wolke voller Gestank entgegen. Der Müll hatte überall geschimmelt. Grüne Pelze wuchsen über dem Mülleimer und der Spüle. Der abgestandene Rauch von den vielen vollen Aschenbechern übertünchte alles noch ein wenig. Viktor wurde fast schlecht. Das war ganz anders als die Frauen WG. Er riss alle Fenster auf. Diese Wohnung war unerträglich und so begann Viktor aufzuräumen. Er zog sich wieder seine Männersachen an, machte einen Pferdeschwanz aus der schönen Wellenfrisur und wischte sich das Make Up aus dem Gesicht. Er brachte den Müll hinunter, und begann, zu saugen. Er leerte die Aschenbecher und wischte das Bad. Ein oder zwei Nachbarn schauten ihn seltsam an, aber sie sagten nichts. In dieser Gegend redete man nicht miteinander. Viktor wusch sein Bettzeug, die alten Hosen und die gesamte Wäsche aus dem Schrank. Bald stand die ganze Wohnung voll mit Wäscheständern. Würde er die Wäsche draußen aufhängen, würde man sie ihm stehlen. Nach den Wochen in der Frauen WG mit Aischa kotzte ihn diese Wohnung an. Er fand ein Bier, öffnete die Flasche und trank erst mal eine. Der Blick auf das Verfallsdatum zeigte, dass das Bier 2 Monate über der Zeit war. "Ist doch egal," dachte Viktor und zog kräftig an der Pulle. Dann schaute er, ob der Fernseher noch lief. Tatsächlich — bevor er weiter aufräumte setzte er sich hin und schaute erst einmal Richterin Barbara Samesch. In der Gefriertruhe fand sich noch eine Pizza, die erst vor 2 Wochen abgelaufen war. Viktor entsorgte die anderen Pizzen, und schob diese in seine Mikrowelle. Nach etwa 2 Stunden war er betrunken eingeschlafen.
Als Viktor wieder aufwachte war es 3.00 Uhr nachts. Zeit wirklich ins Bett zu gehen. Viktor machte sich ins Bad auf, und als er in den Spiegel schaute, zeigte sich ein Stück des alten Viktors wieder, der hier in dieser Wohnung gehaust hatte. Er hatte denselben müden, frustrierten Blick, nur sein Gesicht hatte etwas weichere Züge bekommen und der Adamsapfel fehlte. Viktor nahm noch ein Bier und ging schlafen. Morgens um 9.00 Uhr stand er auf. Als er in den Spiegel sah, schüttelte er mit dem Kopf. "Oh Mann, was man für Geld nicht alles tut..." "Was habe ich mir nur dabei gedacht, als ob ein bisschen Training und ein paar Klamotten aus mir eine erfolgreiche Frau machen könnten. Es war eine große Lüge. Ich war eine Lüge." Der Viktor, der mich jetzt anschaut, ist die Wahrheit — ein Versager. Viktor kam eine Träne, die ihn über das Gesicht ging. "Ich bin keine Frau und werde es nie sein." sagte er zu sich selbst. Viktor verrichtete sein Morgengeschäft im Stehen. Und es störte ihn nicht mehr, wenn etwas daneben ging. Dann kamen ihn die schönen Momente in den Sinn, die Hochzeit, die Erfolge an der Uni, das Gefühl, das eigene Leben im Griff zu haben, die HiWi Stelle. Für die sechs Monate war es schön, eine Frau zu sein. Aber es war alles nur gelogen. Viktor hatte sich selbst betrogen für eine Illusion, die Aischa und Michael aus ihn gemacht hatten — für Geld. Diese ganze Nummer hatte ja nur funktioniert, weil Michael die Rechnung zahlen musste. Je mehr Viktor drüber nachdachte, umso lächerlicher kam es ihm vor. Als ob er mit einer Perücke und ein bisschen Schminke seinem verpfuschten Leben entkommen könnte. Er ging zu der Mappe mit den Zeugnissen, tütete sie ein und schrieb die Adresse der echten Frauke Grünbaum darauf. Als Frauke hatte er schon einmal vorsorglich die Briefmarken darauf geklebt. Er öffnete die letzte Bierflasche und setzte sich vor den Fernseher. Dann schloss er den Umschlag. Er wollte nichts mehr wissen von all dem. Dann fiel ihm der Postberg auf, der in den letzten 7 Monaten aufgelaufen war. Viktor nahm die Briefe und riss einen nach dem anderen auf. Werbung, Werbung, Stellenangebote vom Arbeitsamt. Metzgerhelfer, Paketbringdienst, Taxifahrer, Sekretärin. Sie hatten noch nicht einmal die männliche Form gewählt. Viktor dachte kurz daran, sich als Frau dort vorzustellen — er lächelte zynisch. Spätestens bei der Lohnabrechnung käme alles raus und er würde rausfliegen. Dann würden sich alle über ihn lustig machen. Und überhaupt, wollte er Sekretärin sein? "Frau Grünbaum, einen Kaffee", "Frau Grünbaum, machen sie die Schreiben fertig", "Frau Grünbaum, heften sie das bitte in der Ablage ab." "Frau Grünbaum, ihr Äußeres lässt zu wünschen übrig." Viktor wusste genau, wie sehr er im Studium über Sekretärinnen gelästert hatte. Und er wusste auch, dass er mehr konnte als Briefe in eine Ablage zu heften. Viktor beschloss mit Frauke abzuschließen, ging neues Bier holen und lag am Nachmittag betrunken in seinem unbezogenen Bett. Den Anruf von der Arbeitsagentur bekam er gar nicht mit.
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Kerstin
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Re: Begleitservice alternative Ending
Also das kann nicht das Ende sein. Als Frau so erfolgreich und dann wieder ins Nichts zurück?
Ged garned.
Ausserdem hat sich da noch einer eine Abreibung verdient.
LG Kerstin
Ged garned.
Ausserdem hat sich da noch einer eine Abreibung verdient.
LG Kerstin
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
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Melli_
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Re: Begleitservice alternative Ending
22. Kapitel ein Anruf
Vier Wochen später war der Bartwuchs zurückgekehrt und niemand hielt Viktor mehr für eine Frau. Das Geld war nach fünf Monaten restlos aufgebraucht. Viktor war zwischen New York und Peking hin und her geflogen und hatte sich alles angeschaut, was es zu sehen gab. Er hatte sein Geld mit vollen Händen ausgegeben, bevor der Fiskus auch nur eine Spur davon sehen konnte. Nachdem alles ausgegeben war, kehrte er in seine Bude zurück. Viktor beantragte wieder Stütze, saß vor dem Fernseher und tat sich selbst leid. Irgendwann morgends klingelte das Telefon. Mit schweren Kopf nahm er ab und brummte nur etwas in den Hörer. "Ja, hallo, hier ist Merve, kann ich bitte Frauke sprechen." "Äh was, wer?" "Merve — ich bin eine Freundin von Frauke, ich möchte sie bitte sprechen." Mit einem Schlag war Viktor wach. Merve — wie konnte sie von seiner Bude wissen? "Moment, ich hole sie." geistesgegenwärtig schlappte Viktor ein paar Meter und rief ins leere Bad: "Frauke, da ist eine Merve am Telefon." Dann machte er noch ein paar Schritte, besann sich auf seine Frauenstimme und antwortete "Frauke Grünbaum". "Frauke, hier ist Merve, schön, dich zu hören. Ich kann nicht mehr. Du erinnerst dich an Roland, meinen Mann? Er betrügt mich — ein paar Monate nach unserer Hochzeit." Viktor konnte hören, wie Merve am Telefon schluchzte. Ich habe ihn verlassen und jetzt weiß ich nicht, wo ich hin soll. Meine Familie will mich nicht zurück. Carmen und Leonie haben schon abgesagt. Du bist meine letzte Hoffnung." Viktor hörte Fraukes Stimme antworten "Das ist ja Schrecklich — du Ärmste. Natürlich kannst du hier bleiben, so lange du willst." `Was???' dachte Viktor - 'was rede ich da?? Sie kann nicht hierher!!' "Frauke, du bist eine Freundin. Ich fahre gleich jetzt zu dir." 'Achduscheiße' fuhr es Viktor durch den Kopf. Seine Wohnung war genauso vermüllt, wie zuvor. "Du Merve, ich werde einige Zeit brauchen, alles für dich herzurichten, kannst du morgen kommen." "Frauke, ich weiß nicht, wo ich heute Nacht bleiben soll. Ich habe kein Geld mehr. Und ich muss dringend aus Köln weg, an einen Ort, wo mich niemand findet. Ich habe Angst." "Komm vorbei." antwortete Frauke und gab Merve die Adresse. Als Viktor den Hörer auflegte, wurde ihm bewusst, was er da versprochen hatte. - Nein, nicht er hatte es versprochen, Frauke hatte es versprochen. Er brauchte eine saubere Wohnung und er brauchte Zeit und er brauchte sein altes Äußeres zurück und er brauchte eine gute Erklärung, und er brauchte 12 Kilo weniger Gewicht. Und überhaupt, woher kannte Merve seine Telefonnummer? Viktor begann hektisch damit, aufzuräumen. Als Merve drei Stunden später vor der Tür stand, war er noch nicht einmal halb fertig. Er machte dennoch auf. "Kann ich bitte Frauke sprechen?" "Frauke ist gerade nicht da, aber du kannst mit in ihre Wohnung kommen." Merve war in Tränen aufgelöst und Viktor sah ihr an, dass sie viel Schreckliches durchgemacht haben musste. "Hier wohnt Frauke?" fragte sie. "Ja" Bei der Antwort heulte Frauke noch einmal los. "Warum habe ich sie nur so im Stich gelassen? Warum hat sie sich nicht gemeldet?" Merve lehnte sich an den nach Bier und Schweiß riechenden Viktor. Es muss in diesem Moment gewesen sein, als er sich zur Wahrheit entschloss.
23. Kapitel Die Wahrheit
Die Wohnung stank, Merve hingegen hatte noch immer ihren erfrischenden Duft, den Viktor schon damals an ihr gemocht hatte. "Hier wohnt Frauke?" "Fast — nimm Platz, Merve, ich werde es dir erklären." "Wer sind sie eigentlich, ihr Bruder? Sie sehen ihr so ähnlich" Merve setzte sich auf einen Stuhl, weil ihr das angebotene Sofa zu schmutzig war. "Es begann alles damit, dass mein Freund Michael Gruber eine Begleitung für einen Empfang suchte, die er dort als Ehefrau vorstellen wollte. Weil ich Michael gut kannte, und weil er mir viel Geld bot, habe ich zugesagt. Mein Name ist übrigens Viktor. Michael hat daraufhin alles organisiert, um mich als Frau in Köln einzuschleusen." begann Viktor. Merves Augen wurden mit jedem Satz größer und ungläubiger. Sie saß still und hörte zu. Als Viktor mit den Worten schloss - "nun bin ich wieder hier und lebe mein Leben wie früher." schaute Merve ihn lange an. "Du hast uns die ganze Zeit glauben lassen, du wärst eine Frau" "Ja." "Du warst nie an der Uni mit uns eingeschrieben?" "Ja" "Du bist nicht Frauke Grünbaum?" "Ja — jetzt nicht mehr." "Deine Referate und Arbeiten waren nicht von dir?" "Doch — ich habe schon einmal BWL studiert, wie ich sagte." "Du warst meine Brautjungfer?" "Ja." Bei dieser Antwort lachte Merve hysterisch. "Das ist so unglaublich, dass es wahr sein muss, sowas denkt sich keiner aus. - Trotzdem - kannst du mir beweisen, dass es wahr ist?" Viktor holte Fraukes Brautjungfernkleid — der Schmuck war noch in der Handtasche - hervor. "Es wird mir nicht mehr passen, ich habe zugenommen. Meine Ohrlöcher sind aber noch da." "Kann ich dich als Frauke sehen?" "Oh — das wird dauern." "Ich hab Zeit — bitte." "Also gut — oh, ich habe die anderen Kleider Aischa geschenkt. Ich hab nur noch das Brautjungfernkleid." Viktor ging zum Kleiderschrank und nahm das Brautjungfernkleid, welches in einem Schonbezug steckte, und verzog sich ins Bad. Er begann mit einer Dusche, und enthaarte sich die Beine. Tatsächlich passte ihm dieses Kleid soweit, dass er hineinkam, es war aus Stretch und der Stoff dehnte sich. Sein Bierbauch warf eine dicke kugelige Ausbeulung. Die Oberweite hingegen fehlte fast. Seine Brüste waren mit der Zeit eingefallen. Viktor rasierte sich und schminkte sich, stylte seine Haare. Der Schnitt war lange nicht mehr in Ordnung — auch mit all seiner Übung konnte er kaum etwas anderes daraus machen als eine Hochsteckfrisur. Dann lackierte und feilte er sich die Nägel. Sie waren ziemlich lang, so dass wenigsten sie weiblich aussahen. Dann trat er etwa 120 Minuten später nach draußen. Er begrüßte Merve mit seiner Frauenstimme. "Hallo Merve, wir haben uns lange nicht mehr gesehen." Seine Stimme klang heiser, war aber eindeutig Fraukes Stimme. Merve traute ihren Augen und Ohren nicht. Dann nahm sie Frauke in den Arm und weinte. Auch Frauke konnte ihre Gefühle nicht mehr unterdrücken. Sie hielten einander fest.
"Wie kommt es, dass du so heruntergekommen bist?" fragte Merve. "Du warst doch gut an der Uni und hattest dein Leben im Griff." "Das war alles eine Lüge. Sieh mich doch an, ich bin ein Versager, einer, der es nie geschafft hat und es nie schaffen wird. Ich habe mein Studium geschmissen, ich habe es im Leben nie zu etwas gebracht. Als ich als Frauke verkleidet war, konnte ich anders sein. Ich konnte aus meiner Haut heraus und alles neu machen — ganz anders anfangen, die Festplatte meines Lebens formatieren und neu beschreiben. Und alle alten Fehler mussten mich nicht mehr belasten. Ich wollte so sein, wie sie — wie Frauke - ich wollte aus meiner Haut in ihre. Aber ich bin Viktor, ein Hartz 4 Empfänger, der in allen seinen Prüfungen durchgefallen ist. Frauke war ein schöner Traum. Ich bin dieser Mensch nicht mehr. Und wenn ich ehrlich bin, war ich nie mehr als Viktor — es gab keine Frauke. Soll ich jetzt etwas anderes lernen und da auch wieder durchfallen? Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr die Blicke der anderen fühlen, darum saufe ich. Und die Welt ist mir egal."
Merve schaute Frauke traurig an. "Und doch hat Frauke mir Hilfe angeboten — übrigens Frauke, nicht Leonie und auch nicht Carmen. Du warst die einzige. Und ich bin froh, dass ich Frauke kenne. Und ich glaube nicht, dass alles nur ein Traum war. Meine Brautjungfer war keine Illusion. Du hast die Tische gedeckt und hast die Musikanlage wieder zum Laufen gebracht." "Ich hab als Teenie mal in einer Band gespielt." "Genau das hat Frauke auch gesagt. Du bist derselbe, Viktor oder Frauke. Es wäre nur schön, wenn ich wüsste, wie ich dich anreden soll." Merve grinste ihn an. "Gut, trage ich männliche Sachen, nenn mich Viktor, trage ich weibliche Sachen, nenne mich Frauke." "Welche Gestalt ist dir denn lieber?" Viktor war mit dieser Frage ins Mark getroffen. Wollte er lieber Viktor oder Frauke sein — er hatte es genossen, Frauke zu sein, und der Sumpf in dem er jetzt war, zeigte ihm nur, wie sehr er sich als Viktor aufgegeben hatte. Aber wollte er wirklich eine Frau sein? Lag es nicht nur an den äußeren Umständen?
"Ich glaube, dass ich lieber Frauke wäre." sagte Viktor leise. "Aber wie soll ich denn Frauke sein?" Merve schaute Viktor an — überlegte kurz und fragte "Kennst du den Zauberer von Oz?" "Da gibt es einen Blechmann, der gern ein Herz hätte — und auf der ganzen Reise ist er der, der Mitfühlt, der Gefühle zeigt und der am meisten Herz hat, obwohl er kein Herz in seiner Brust hat. Und es gibt einen Löwen, der sich wünscht, mutig zu sein — auf der Reise ist er der Mutigste von allen. Ich will sagen, du hast, was du dir wünscht, du trägst es bei dir. Du musst dich nur entschließen, ob du es willst, dann wirst du wieder Frauke sein."
Merve blieb erst einmal bei Frauke wohnen. Beide brachten die Wohnung auf Vordermann, beide suchten nach einem neuen Job. Frauke meldete sich bei der Agentur für Arbeit. Jetzt tat es ihr leid, dass sie ihre Scheine weggeschickt hatte. Merve ermutigte Viktor, sich als Frauke zu bewerben und wieder regelmäßig morgens Sport zu machen. Merve lief natürlich mit. Tatsächlich gewöhnte sich Viktor wieder an einen regelmäßigen Tagesablauf. Stück für Stück wurde die Wohnung sauberer, ordentlicher und der Alkohol verschwand. Viktor verwandelte sich zurück in Frauke. Am Anfang war das ein hartes Stück Arbeit. Viktor saß heulend vor seinem Spiegel. Er hatte lange vermieden dort hineinzuschauen. Aber Merve unterstützte ihn, wo sie nur konnte. Sie kaufte ihm wieder Frauenkleidung, die seine eingefallene Brust kaschierte. Es dauerte 12 Wochen bis Viktor sich als Frauke wieder nach draußen wagte. Aber es lohnte sich, denn schließlich wurde Viktor als Sekretärin bei Firma Palhuber und Söhne angenommen. Er schenkte seinem Chef, der erstaunlich viel Verständnis hatte, reinen Wein ein. Merve und Frauke zogen zwei Monate später in eine neue Wohnung.
Frauke lernte, dass Sekretärin sein viel mehr beinhaltete als Knicken, Lochen und Abheften. Aber sie merkte auch, dass sie durch ihr Studium schon viele Vorkenntnisse hatte. Merve hatte noch 2 Semester zu studieren. Sie schrieb sich an der Uni ein und blieb erst einmal bei Frauke wohnen. Frauke schaffte das Geld heran, Merve hielt sie in Form, und gab ihr Struktur. Sie begleitete Frauke zum Psychologen und zum Arzt, wo sich Frauke sich Hormone verschreiben lies. Viktor wurde immer blasser — es schien, als verschwand er langsam. Frauke bekam mehr und mehr Farbe. Es ging ihr gut — das Leben begann wieder lohnenswert zu sein. Ein Jahr dauerte es, bis Merve ihr Examen bestanden hatte und Viktor fast ganz zugunsten von Frauke verschwunden war. Frauke sah sich als "Frau Grünbaum" - es war ganz normal, wenn man sie so ansprach. Fraukes Brüste füllten bald wieder den BH aus, so dass die Einlagen überflüssig wurden. Sie begann wieder Kleider mit Ausschnitt zu tragen sie begann ihr Spiegelbild wieder zu mögen. — Der Termin für die angleichende Operation stand fest. Fast zeitgleich sollten beide ihre neuen Papiere bekommen — Frauke den Personalausweis und Merve ihr Examen. Es war eine glückliche Zeit, denn es ging bergauf.
24. Kapitel — noch ein Anruf
Frauke kam gerade von der Arbeit, als der Anrufbeantworter blinkte. Merve war noch an der Uni. Frauke drückte also die Taste und erzitterte. Es war Michaels Stimme. "Hallo Viktor, ich habe ein Angebot für dich. Es sind 50.000 Euro drin, wenn du einschlägst. Melde dich bei mir unter 01601234567." Frauke setzte sich erst einmal hin. Viktor — der Name war in ziemlich weite Ferne gerutscht, seit sie wieder hier lebte. "Nein, nicht noch einmal alles." Frauke wollte nicht noch einmal die High Society besuchen. Andererseits konnte sie so Rache nehmen. Doch wofür? Rache dafür, dass sie jetzt eine Frau war und kein versoffener Arbeitsloser? Rache, dass sie noch einmal studieren durfte? Rache dafür, dass sie ausgenutzt worden war? Rache dafür, dass Michael Aischas Schulden weitergeleitet hatte?
Frauke legte sich auf's Bett und malte sich ihre Rache aus. Auf einem Kreuzfahrtschiff stellte sie sich vor alle Passagiere und hielt die folgende Rede, während die Abendsonne hinter ihr versank, ihr ein leichter Wind durch die Haare ging und alle auf eine nette Ansprache hofften:
"Meine sehr geehrten Damen und Herren," begann Frauke. "Mein Mann, Michael, den Sie hier sehen, und der mich zu den Bällen begleitet hat, ist nicht der Michael, den Sie kennen. Er ist vielmehr ein Plagiator. Seine Arbeit über die Kursentwicklungen hat er aus den Zeitungen abgeschrieben. Seine Vorträge über die Zinsentwicklung hat er von Herrn Huber kopiert — aus den Vorlesungsmitschriften von 2001, und sie können diese in Tübingen im Archiv nachsehen. Sie hat die Nummer 9876543. Ich habe schon im Studium seine Arbeiten verfasst und auch seine Doktorarbeit mitgeschrieben — leider kann ich das nur beweisen, indem Sie Michael und mich zum Inhalt der betreffenden Papiere befragen. Dazu kommt, dass Michael nicht der treue Ehemann ist, der er vorgibt zu sein. Ich habe heute Abend vier Frauen eingeladen, die gleichzeitig ein Verhältnis mit meinem Mann hatten. Alle vier können dies mit Zeugenaussagen und Fotos belegen. Schließlich hat er sie betrogen, indem er mich als seine Frau vorgestellt hat. Als ich vor einem Jahr in ihren Kreis kam, und mich als Frauke Grünbaum vorstellte, war ich keineswegs seine Frau, sondern viel mehr ein Studienkamerad, der mit viel Aufwand zu einer Frau gemacht wurde. Ich sollte die gute Ehefrau spielen, weil sich Michael einen besseren Posten davon erhoffte und keine seiner Geliebten als Ehefrau vorstellen wollte. Ich nahm an, weil ich in Geldnot war. Ich habe ihnen allen etwas vorgespielt. Und das habe ich bis zum heutigen Tag getan. Aber damit ist jetzt Schluss. Mittlerweile ziehe ich es vor, von Michael Abstand zu halten. Und das möchte ich ihnen auch raten. Was mich angeht, muss ich ihnen leider sagen, dass ich wieder zurück an meinen alten Arbeitsplatz gehen möchte, da ich weder ein Examen, noch eine Promotion habe, sondern eine Sekretärin bin. Ich mache meine Arbeit gerne und bin zufrieden in dem Beruf. Ich habe sie alle gerne kennengelernt, doch ich habe es satt, jemanden zu spielen, der ich nicht bin. Leben sie wohl." Und dann würde sie der Hubschrauber nach Hause fliegen.
Frauke überlegte — ist es das Wert? Ich müsste allen zunächst vorlügen, dass ich eine Fehlgeburt hatte. Will ich das? Was würde sich ändern, wenn ich diese Rede halte? Ich würde Michael ruinieren, aber eigentlich ist er mir egal. Er gehört zu einem Leben, was ich nicht mehr führe noch will. Und wo verdammt kriege ich das Geld für den Hubschrauber her? Frauke lächelte und öffnete eine Flasche Wein. Eine halbe Stunde später ging die Tür auf und Merve kam herein. Frauke hatte ein paar Kerzen aufgestellt, eine neue Tischdecke aufgelegt, und ein paar Häppchen gemacht. Merve schaute überrascht. "Hallo Frauke, ist etwas besonderes heute?" "Ja, komm setz dich zu mir und feier mit mir — ab heute ist Viktor nicht mehr als Vergangenheit." Die Gläser klirrten aneinander und beide Frauen lachten und redeten den Abend lang. Frauke hat Michael nie zurückgerufen.
Epilog Frauke trifft Frauke
Es war zwei Jahre, nachdem Frauke Michaels Anruf überhört hatte, da klingelte es an Fraukes Tür. Frauke sah durch den Spion eine unbekannte Frau, die sie aber irgendwo schon einmal gesehen hatte. "Wer sind sie?" fragte Frauke. Die Unbekannte zeigte Frauke einen Personalausweis, auf dem "Frauke Grünbaum" zu lesen stand. Frauke öffnete und bat die andere Frauke herein. Beide Fraukes setzten sich im Wohnzimmer auf das Sofa.
"Ich wollte mich bedanken, dass Sie mir die fertigen Prüfungen gesendet haben. Ich hätte niemals allein dieses Examen und diesen Notendurchschnitt erreicht. Ich habe dann weiterstudiert — durch ihre Arbeit habe ich eine Menge Rückstand (was Scheine angeht) aufgeholt. Ich habe mich ziemlich bald damit beworben und konnte mich sogar durchsetzen. Sie haben mir mit ihren Arbeiten einen guten Posten im Vorstand eines Unternehmens beschert. Ich wollte mich bedanken. Sie hätten nicht für mich studieren brauchen, noch hätten sie mir die Unterlagen zusenden müssen."
"Und sie haben mir eine neue Identität gegeben, als ich eine neue Identität brauchte." antwortete Frauke. "Ohne ihre Papiere wäre ich heute nicht die, die ich bin. Ich habe durch sie eines der größten Abenteuer meines Lebens leben dürfen. Und ich habe in ihrer Identität Freundinnen gefunden. Ich glaube, dass wir beide etwas davon gehabt haben. Eigentlich müsste ich ihnen danken." antwortete Frauke. "Na dann können sie zufrieden sein." "Bin ich — nur eines habe ich mir geschworen du, - liebe Frauke - warst die letzte, unter deren Namen ich etwas erarbeitet habe. Nie wieder lasse ich mich als Ghostwriter für andere einbinden."
ENDE
Vier Wochen später war der Bartwuchs zurückgekehrt und niemand hielt Viktor mehr für eine Frau. Das Geld war nach fünf Monaten restlos aufgebraucht. Viktor war zwischen New York und Peking hin und her geflogen und hatte sich alles angeschaut, was es zu sehen gab. Er hatte sein Geld mit vollen Händen ausgegeben, bevor der Fiskus auch nur eine Spur davon sehen konnte. Nachdem alles ausgegeben war, kehrte er in seine Bude zurück. Viktor beantragte wieder Stütze, saß vor dem Fernseher und tat sich selbst leid. Irgendwann morgends klingelte das Telefon. Mit schweren Kopf nahm er ab und brummte nur etwas in den Hörer. "Ja, hallo, hier ist Merve, kann ich bitte Frauke sprechen." "Äh was, wer?" "Merve — ich bin eine Freundin von Frauke, ich möchte sie bitte sprechen." Mit einem Schlag war Viktor wach. Merve — wie konnte sie von seiner Bude wissen? "Moment, ich hole sie." geistesgegenwärtig schlappte Viktor ein paar Meter und rief ins leere Bad: "Frauke, da ist eine Merve am Telefon." Dann machte er noch ein paar Schritte, besann sich auf seine Frauenstimme und antwortete "Frauke Grünbaum". "Frauke, hier ist Merve, schön, dich zu hören. Ich kann nicht mehr. Du erinnerst dich an Roland, meinen Mann? Er betrügt mich — ein paar Monate nach unserer Hochzeit." Viktor konnte hören, wie Merve am Telefon schluchzte. Ich habe ihn verlassen und jetzt weiß ich nicht, wo ich hin soll. Meine Familie will mich nicht zurück. Carmen und Leonie haben schon abgesagt. Du bist meine letzte Hoffnung." Viktor hörte Fraukes Stimme antworten "Das ist ja Schrecklich — du Ärmste. Natürlich kannst du hier bleiben, so lange du willst." `Was???' dachte Viktor - 'was rede ich da?? Sie kann nicht hierher!!' "Frauke, du bist eine Freundin. Ich fahre gleich jetzt zu dir." 'Achduscheiße' fuhr es Viktor durch den Kopf. Seine Wohnung war genauso vermüllt, wie zuvor. "Du Merve, ich werde einige Zeit brauchen, alles für dich herzurichten, kannst du morgen kommen." "Frauke, ich weiß nicht, wo ich heute Nacht bleiben soll. Ich habe kein Geld mehr. Und ich muss dringend aus Köln weg, an einen Ort, wo mich niemand findet. Ich habe Angst." "Komm vorbei." antwortete Frauke und gab Merve die Adresse. Als Viktor den Hörer auflegte, wurde ihm bewusst, was er da versprochen hatte. - Nein, nicht er hatte es versprochen, Frauke hatte es versprochen. Er brauchte eine saubere Wohnung und er brauchte Zeit und er brauchte sein altes Äußeres zurück und er brauchte eine gute Erklärung, und er brauchte 12 Kilo weniger Gewicht. Und überhaupt, woher kannte Merve seine Telefonnummer? Viktor begann hektisch damit, aufzuräumen. Als Merve drei Stunden später vor der Tür stand, war er noch nicht einmal halb fertig. Er machte dennoch auf. "Kann ich bitte Frauke sprechen?" "Frauke ist gerade nicht da, aber du kannst mit in ihre Wohnung kommen." Merve war in Tränen aufgelöst und Viktor sah ihr an, dass sie viel Schreckliches durchgemacht haben musste. "Hier wohnt Frauke?" fragte sie. "Ja" Bei der Antwort heulte Frauke noch einmal los. "Warum habe ich sie nur so im Stich gelassen? Warum hat sie sich nicht gemeldet?" Merve lehnte sich an den nach Bier und Schweiß riechenden Viktor. Es muss in diesem Moment gewesen sein, als er sich zur Wahrheit entschloss.
23. Kapitel Die Wahrheit
Die Wohnung stank, Merve hingegen hatte noch immer ihren erfrischenden Duft, den Viktor schon damals an ihr gemocht hatte. "Hier wohnt Frauke?" "Fast — nimm Platz, Merve, ich werde es dir erklären." "Wer sind sie eigentlich, ihr Bruder? Sie sehen ihr so ähnlich" Merve setzte sich auf einen Stuhl, weil ihr das angebotene Sofa zu schmutzig war. "Es begann alles damit, dass mein Freund Michael Gruber eine Begleitung für einen Empfang suchte, die er dort als Ehefrau vorstellen wollte. Weil ich Michael gut kannte, und weil er mir viel Geld bot, habe ich zugesagt. Mein Name ist übrigens Viktor. Michael hat daraufhin alles organisiert, um mich als Frau in Köln einzuschleusen." begann Viktor. Merves Augen wurden mit jedem Satz größer und ungläubiger. Sie saß still und hörte zu. Als Viktor mit den Worten schloss - "nun bin ich wieder hier und lebe mein Leben wie früher." schaute Merve ihn lange an. "Du hast uns die ganze Zeit glauben lassen, du wärst eine Frau" "Ja." "Du warst nie an der Uni mit uns eingeschrieben?" "Ja" "Du bist nicht Frauke Grünbaum?" "Ja — jetzt nicht mehr." "Deine Referate und Arbeiten waren nicht von dir?" "Doch — ich habe schon einmal BWL studiert, wie ich sagte." "Du warst meine Brautjungfer?" "Ja." Bei dieser Antwort lachte Merve hysterisch. "Das ist so unglaublich, dass es wahr sein muss, sowas denkt sich keiner aus. - Trotzdem - kannst du mir beweisen, dass es wahr ist?" Viktor holte Fraukes Brautjungfernkleid — der Schmuck war noch in der Handtasche - hervor. "Es wird mir nicht mehr passen, ich habe zugenommen. Meine Ohrlöcher sind aber noch da." "Kann ich dich als Frauke sehen?" "Oh — das wird dauern." "Ich hab Zeit — bitte." "Also gut — oh, ich habe die anderen Kleider Aischa geschenkt. Ich hab nur noch das Brautjungfernkleid." Viktor ging zum Kleiderschrank und nahm das Brautjungfernkleid, welches in einem Schonbezug steckte, und verzog sich ins Bad. Er begann mit einer Dusche, und enthaarte sich die Beine. Tatsächlich passte ihm dieses Kleid soweit, dass er hineinkam, es war aus Stretch und der Stoff dehnte sich. Sein Bierbauch warf eine dicke kugelige Ausbeulung. Die Oberweite hingegen fehlte fast. Seine Brüste waren mit der Zeit eingefallen. Viktor rasierte sich und schminkte sich, stylte seine Haare. Der Schnitt war lange nicht mehr in Ordnung — auch mit all seiner Übung konnte er kaum etwas anderes daraus machen als eine Hochsteckfrisur. Dann lackierte und feilte er sich die Nägel. Sie waren ziemlich lang, so dass wenigsten sie weiblich aussahen. Dann trat er etwa 120 Minuten später nach draußen. Er begrüßte Merve mit seiner Frauenstimme. "Hallo Merve, wir haben uns lange nicht mehr gesehen." Seine Stimme klang heiser, war aber eindeutig Fraukes Stimme. Merve traute ihren Augen und Ohren nicht. Dann nahm sie Frauke in den Arm und weinte. Auch Frauke konnte ihre Gefühle nicht mehr unterdrücken. Sie hielten einander fest.
"Wie kommt es, dass du so heruntergekommen bist?" fragte Merve. "Du warst doch gut an der Uni und hattest dein Leben im Griff." "Das war alles eine Lüge. Sieh mich doch an, ich bin ein Versager, einer, der es nie geschafft hat und es nie schaffen wird. Ich habe mein Studium geschmissen, ich habe es im Leben nie zu etwas gebracht. Als ich als Frauke verkleidet war, konnte ich anders sein. Ich konnte aus meiner Haut heraus und alles neu machen — ganz anders anfangen, die Festplatte meines Lebens formatieren und neu beschreiben. Und alle alten Fehler mussten mich nicht mehr belasten. Ich wollte so sein, wie sie — wie Frauke - ich wollte aus meiner Haut in ihre. Aber ich bin Viktor, ein Hartz 4 Empfänger, der in allen seinen Prüfungen durchgefallen ist. Frauke war ein schöner Traum. Ich bin dieser Mensch nicht mehr. Und wenn ich ehrlich bin, war ich nie mehr als Viktor — es gab keine Frauke. Soll ich jetzt etwas anderes lernen und da auch wieder durchfallen? Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr die Blicke der anderen fühlen, darum saufe ich. Und die Welt ist mir egal."
Merve schaute Frauke traurig an. "Und doch hat Frauke mir Hilfe angeboten — übrigens Frauke, nicht Leonie und auch nicht Carmen. Du warst die einzige. Und ich bin froh, dass ich Frauke kenne. Und ich glaube nicht, dass alles nur ein Traum war. Meine Brautjungfer war keine Illusion. Du hast die Tische gedeckt und hast die Musikanlage wieder zum Laufen gebracht." "Ich hab als Teenie mal in einer Band gespielt." "Genau das hat Frauke auch gesagt. Du bist derselbe, Viktor oder Frauke. Es wäre nur schön, wenn ich wüsste, wie ich dich anreden soll." Merve grinste ihn an. "Gut, trage ich männliche Sachen, nenn mich Viktor, trage ich weibliche Sachen, nenne mich Frauke." "Welche Gestalt ist dir denn lieber?" Viktor war mit dieser Frage ins Mark getroffen. Wollte er lieber Viktor oder Frauke sein — er hatte es genossen, Frauke zu sein, und der Sumpf in dem er jetzt war, zeigte ihm nur, wie sehr er sich als Viktor aufgegeben hatte. Aber wollte er wirklich eine Frau sein? Lag es nicht nur an den äußeren Umständen?
"Ich glaube, dass ich lieber Frauke wäre." sagte Viktor leise. "Aber wie soll ich denn Frauke sein?" Merve schaute Viktor an — überlegte kurz und fragte "Kennst du den Zauberer von Oz?" "Da gibt es einen Blechmann, der gern ein Herz hätte — und auf der ganzen Reise ist er der, der Mitfühlt, der Gefühle zeigt und der am meisten Herz hat, obwohl er kein Herz in seiner Brust hat. Und es gibt einen Löwen, der sich wünscht, mutig zu sein — auf der Reise ist er der Mutigste von allen. Ich will sagen, du hast, was du dir wünscht, du trägst es bei dir. Du musst dich nur entschließen, ob du es willst, dann wirst du wieder Frauke sein."
Merve blieb erst einmal bei Frauke wohnen. Beide brachten die Wohnung auf Vordermann, beide suchten nach einem neuen Job. Frauke meldete sich bei der Agentur für Arbeit. Jetzt tat es ihr leid, dass sie ihre Scheine weggeschickt hatte. Merve ermutigte Viktor, sich als Frauke zu bewerben und wieder regelmäßig morgens Sport zu machen. Merve lief natürlich mit. Tatsächlich gewöhnte sich Viktor wieder an einen regelmäßigen Tagesablauf. Stück für Stück wurde die Wohnung sauberer, ordentlicher und der Alkohol verschwand. Viktor verwandelte sich zurück in Frauke. Am Anfang war das ein hartes Stück Arbeit. Viktor saß heulend vor seinem Spiegel. Er hatte lange vermieden dort hineinzuschauen. Aber Merve unterstützte ihn, wo sie nur konnte. Sie kaufte ihm wieder Frauenkleidung, die seine eingefallene Brust kaschierte. Es dauerte 12 Wochen bis Viktor sich als Frauke wieder nach draußen wagte. Aber es lohnte sich, denn schließlich wurde Viktor als Sekretärin bei Firma Palhuber und Söhne angenommen. Er schenkte seinem Chef, der erstaunlich viel Verständnis hatte, reinen Wein ein. Merve und Frauke zogen zwei Monate später in eine neue Wohnung.
Frauke lernte, dass Sekretärin sein viel mehr beinhaltete als Knicken, Lochen und Abheften. Aber sie merkte auch, dass sie durch ihr Studium schon viele Vorkenntnisse hatte. Merve hatte noch 2 Semester zu studieren. Sie schrieb sich an der Uni ein und blieb erst einmal bei Frauke wohnen. Frauke schaffte das Geld heran, Merve hielt sie in Form, und gab ihr Struktur. Sie begleitete Frauke zum Psychologen und zum Arzt, wo sich Frauke sich Hormone verschreiben lies. Viktor wurde immer blasser — es schien, als verschwand er langsam. Frauke bekam mehr und mehr Farbe. Es ging ihr gut — das Leben begann wieder lohnenswert zu sein. Ein Jahr dauerte es, bis Merve ihr Examen bestanden hatte und Viktor fast ganz zugunsten von Frauke verschwunden war. Frauke sah sich als "Frau Grünbaum" - es war ganz normal, wenn man sie so ansprach. Fraukes Brüste füllten bald wieder den BH aus, so dass die Einlagen überflüssig wurden. Sie begann wieder Kleider mit Ausschnitt zu tragen sie begann ihr Spiegelbild wieder zu mögen. — Der Termin für die angleichende Operation stand fest. Fast zeitgleich sollten beide ihre neuen Papiere bekommen — Frauke den Personalausweis und Merve ihr Examen. Es war eine glückliche Zeit, denn es ging bergauf.
24. Kapitel — noch ein Anruf
Frauke kam gerade von der Arbeit, als der Anrufbeantworter blinkte. Merve war noch an der Uni. Frauke drückte also die Taste und erzitterte. Es war Michaels Stimme. "Hallo Viktor, ich habe ein Angebot für dich. Es sind 50.000 Euro drin, wenn du einschlägst. Melde dich bei mir unter 01601234567." Frauke setzte sich erst einmal hin. Viktor — der Name war in ziemlich weite Ferne gerutscht, seit sie wieder hier lebte. "Nein, nicht noch einmal alles." Frauke wollte nicht noch einmal die High Society besuchen. Andererseits konnte sie so Rache nehmen. Doch wofür? Rache dafür, dass sie jetzt eine Frau war und kein versoffener Arbeitsloser? Rache, dass sie noch einmal studieren durfte? Rache dafür, dass sie ausgenutzt worden war? Rache dafür, dass Michael Aischas Schulden weitergeleitet hatte?
Frauke legte sich auf's Bett und malte sich ihre Rache aus. Auf einem Kreuzfahrtschiff stellte sie sich vor alle Passagiere und hielt die folgende Rede, während die Abendsonne hinter ihr versank, ihr ein leichter Wind durch die Haare ging und alle auf eine nette Ansprache hofften:
"Meine sehr geehrten Damen und Herren," begann Frauke. "Mein Mann, Michael, den Sie hier sehen, und der mich zu den Bällen begleitet hat, ist nicht der Michael, den Sie kennen. Er ist vielmehr ein Plagiator. Seine Arbeit über die Kursentwicklungen hat er aus den Zeitungen abgeschrieben. Seine Vorträge über die Zinsentwicklung hat er von Herrn Huber kopiert — aus den Vorlesungsmitschriften von 2001, und sie können diese in Tübingen im Archiv nachsehen. Sie hat die Nummer 9876543. Ich habe schon im Studium seine Arbeiten verfasst und auch seine Doktorarbeit mitgeschrieben — leider kann ich das nur beweisen, indem Sie Michael und mich zum Inhalt der betreffenden Papiere befragen. Dazu kommt, dass Michael nicht der treue Ehemann ist, der er vorgibt zu sein. Ich habe heute Abend vier Frauen eingeladen, die gleichzeitig ein Verhältnis mit meinem Mann hatten. Alle vier können dies mit Zeugenaussagen und Fotos belegen. Schließlich hat er sie betrogen, indem er mich als seine Frau vorgestellt hat. Als ich vor einem Jahr in ihren Kreis kam, und mich als Frauke Grünbaum vorstellte, war ich keineswegs seine Frau, sondern viel mehr ein Studienkamerad, der mit viel Aufwand zu einer Frau gemacht wurde. Ich sollte die gute Ehefrau spielen, weil sich Michael einen besseren Posten davon erhoffte und keine seiner Geliebten als Ehefrau vorstellen wollte. Ich nahm an, weil ich in Geldnot war. Ich habe ihnen allen etwas vorgespielt. Und das habe ich bis zum heutigen Tag getan. Aber damit ist jetzt Schluss. Mittlerweile ziehe ich es vor, von Michael Abstand zu halten. Und das möchte ich ihnen auch raten. Was mich angeht, muss ich ihnen leider sagen, dass ich wieder zurück an meinen alten Arbeitsplatz gehen möchte, da ich weder ein Examen, noch eine Promotion habe, sondern eine Sekretärin bin. Ich mache meine Arbeit gerne und bin zufrieden in dem Beruf. Ich habe sie alle gerne kennengelernt, doch ich habe es satt, jemanden zu spielen, der ich nicht bin. Leben sie wohl." Und dann würde sie der Hubschrauber nach Hause fliegen.
Frauke überlegte — ist es das Wert? Ich müsste allen zunächst vorlügen, dass ich eine Fehlgeburt hatte. Will ich das? Was würde sich ändern, wenn ich diese Rede halte? Ich würde Michael ruinieren, aber eigentlich ist er mir egal. Er gehört zu einem Leben, was ich nicht mehr führe noch will. Und wo verdammt kriege ich das Geld für den Hubschrauber her? Frauke lächelte und öffnete eine Flasche Wein. Eine halbe Stunde später ging die Tür auf und Merve kam herein. Frauke hatte ein paar Kerzen aufgestellt, eine neue Tischdecke aufgelegt, und ein paar Häppchen gemacht. Merve schaute überrascht. "Hallo Frauke, ist etwas besonderes heute?" "Ja, komm setz dich zu mir und feier mit mir — ab heute ist Viktor nicht mehr als Vergangenheit." Die Gläser klirrten aneinander und beide Frauen lachten und redeten den Abend lang. Frauke hat Michael nie zurückgerufen.
Epilog Frauke trifft Frauke
Es war zwei Jahre, nachdem Frauke Michaels Anruf überhört hatte, da klingelte es an Fraukes Tür. Frauke sah durch den Spion eine unbekannte Frau, die sie aber irgendwo schon einmal gesehen hatte. "Wer sind sie?" fragte Frauke. Die Unbekannte zeigte Frauke einen Personalausweis, auf dem "Frauke Grünbaum" zu lesen stand. Frauke öffnete und bat die andere Frauke herein. Beide Fraukes setzten sich im Wohnzimmer auf das Sofa.
"Ich wollte mich bedanken, dass Sie mir die fertigen Prüfungen gesendet haben. Ich hätte niemals allein dieses Examen und diesen Notendurchschnitt erreicht. Ich habe dann weiterstudiert — durch ihre Arbeit habe ich eine Menge Rückstand (was Scheine angeht) aufgeholt. Ich habe mich ziemlich bald damit beworben und konnte mich sogar durchsetzen. Sie haben mir mit ihren Arbeiten einen guten Posten im Vorstand eines Unternehmens beschert. Ich wollte mich bedanken. Sie hätten nicht für mich studieren brauchen, noch hätten sie mir die Unterlagen zusenden müssen."
"Und sie haben mir eine neue Identität gegeben, als ich eine neue Identität brauchte." antwortete Frauke. "Ohne ihre Papiere wäre ich heute nicht die, die ich bin. Ich habe durch sie eines der größten Abenteuer meines Lebens leben dürfen. Und ich habe in ihrer Identität Freundinnen gefunden. Ich glaube, dass wir beide etwas davon gehabt haben. Eigentlich müsste ich ihnen danken." antwortete Frauke. "Na dann können sie zufrieden sein." "Bin ich — nur eines habe ich mir geschworen du, - liebe Frauke - warst die letzte, unter deren Namen ich etwas erarbeitet habe. Nie wieder lasse ich mich als Ghostwriter für andere einbinden."
ENDE