die story geht weiter. Viel Spaß weiterhin.
Ein Wiedersehen
Das Telefonat mit der psychologischen Praxis hatte länger gedauert. Der Assistent der Psychologin bot mir einen Termin im August an. So lange wollte ich nicht warten. Mein Fall war dringend. Ich redete mit Frauenzungen auf ihn ein, skizzierte kurz meine Folter, meinen Angsttraum, schilderte die Gefahr meine Kindheitserinnerung zu verlieren. Kurz, ich blockierte die Leitung. Das missfiel dem Assistenten wohl. Plötzlich hatte ich die Psychologin am Apparat. Sie klang wie ein Echo im Hochgebirge, alles was ich hektisch hinauswarf kam mit kurzer Verzögerung kühl zurück. Letztlich bekam ich einen Abendtermin noch am Freitag derselben Woche; zum besonderen Preis. Es war mir sehr recht.
Danach war die Zeit knapp. Die Geschäfte würden in neunzig Minuten schließen. Ich fuhr mit dem Honda in unser zentrales Kaufhaus, parkte in der Tiefgarage und eilte zum Fahrstuhl. In der Damenabteilung, 2. Stock, trat ich wieder aus. Mir direkt stand eine groß gewachsene Verkäuferin. Sie lächelte mich mit großen Augen an. Ich musste wohl sehr staunen. Sie legte ihren Kopf ein wenig schief und lächelte weiter. Irgendwie süß, so kannte ich sie gar nicht. Es war Doreen. "Doreen, was machst du denn hier?" — "Na, ich arbeite hier, Charly." — "Wie kommt es dazu?" —" Ach, die Stelle hier war wohl frei. Meine Sachbearbeiterin auf der Agentur schob sie mir zu. Eine alte Bekannte, eigentlich hätte sie so 'nen Hartz-IV-Fall loswerden müssen. Nun alte Verbundenheit zahlt sich aus. Letztlich war es Zufall. Wenn ich am Telefon verkaufen kann, dann auch hier direkt an den Kundinnen." Sie lachte. Ihre Fröhlichkeit steckte mich an. Das tat mir richtig gut. "Hast du mich erwartet." — "Ja, schon seit einer Stunde schau ich immer mal wieder hier am Aufzug nach. Heike hatte mir eine SMS geschickt. `Charly kommt nachher; als Frau!' Das hat mich neugierig gemacht." — "A — ha" Sie hakte mich unter, zog mich mit und erklärte, "du brauchst einen schicken Stiftrock. Ist vielleicht etwas ungewohnt, aber ein tolles Sekretärinnen-Dress. Als weiteren Rock empfehle ich dir einen in der A-Linie geschnittenes Modell, ohne Falten, aber mit Seitenschlitz. Dazu suchen wir dir schicke, interessant geschnittene Blusen aus." - "Wird das nicht furchtbar teuer?", fragte ich mit einem Stirnrunzeln. "Lass das, gibt Falten. Du, das bezahle ich mit meiner Karte. 30% billiger — Personalpreis. Ich hab gehört, du hast dich für mich beim Alten eingesetzt. Danke, das zu hören, tat mir gut." Sie gab mir einen Kuss auf die Wange.
Wir hatten viel Spaß. Sie schleppte verschiedene Modelle an, Blusen in vielen Farben, mit Fransen, Bändern, Raffungen und Falten. Ich musste immer wieder wechseln, vor ihr hin und her gehen. "Charly, du hast einen Klasse Schenkelschluss. Die Hüften noch ein wenig mehr einsetzen. Das gibt einen schönen Po - In diesem Rock kommt dein Gang am besten zur Geltung." Ich kaufte, wir kauften, einen violetten Rock in A-Linie und ein klassischen Stiftrock im damals modischen Fischgrätdesign. Zum violetten Rock eine schwarze Bluse mit einer Schmetterlingsraffung. Weitere Stücke wie ein Twinset, weiße Blusen und Shirts mit langen und kurzen Armen kamen hinzu. Doreen bezahlte mit ihrer Karte. Ich gab ihr das Geld gleich zurück. "Vielleicht noch eine neue Perücke?" Doreen betrachtete mit Skepsis meinen Kopf. So bist du zu altbacken. Dieses Wort hatte ich lange nicht mehr gehört. "Nur woher um diese Zeit?" — "Eine alte Bekannte von mir, betreibt nach 20 Uhr noch ein Zweitgeschäft im HInterraum ihres Geschäfts. Versuchen wir es dort." Ich stellte schnell fest, Doreens Bekannte kannte auch ich: Melly. Schon als wir in meinem Honda fuhren, war mir Melly in den Sinn gekommen. Von meinem letzten to go Besuch erinnerte ich mich an einen Blick auf ein Seitenfenster. Perücken wurden in den Auslagen präsentiert.
"Ach Charly, Hallo Doreen", Melly begrüßte uns wie alt bekannte Stammkundinnen. Doreen ergriff die Initiative: "Unsere Charly sollte besser performen können. Ich dachte, hier finden wir eine schicke Perücke für sie." —"Na, klar — ich helfe euch gerne." Melly blickte auf meine Hände: "Na, etwas länger könnten die Nägel wohl sein. Setz dich ruhig in, ich mach mich gleich dran. Doreen sucht dir inzwischen neues Haar aus. Oh, sie hat wirklich Gespür für das passende Teil." Ich konnte gar nichts sagen. Melly griff mir um die Hüfte, zog leicht an mir und bugsierte mich sanft in Richtung der wohlbekannten Hüftschale. Ich saß wieder sehr bequem. Sie massierte mir die Schläfen, ich entspannte, sackte leicht weg und Melly verschönerte meine Hände. "Du wirst dich schnell daran gewöhnen, damit zu tippen. Dein Chef wird das sicher sexy finden."
Doreen kam mit zwei Modellen zurück; einem blonden und einem rothaarigen. "Ich würde dir das rote Haar empfehlen. Das harmoniert sicher bestens mit deinem Hautton." Der tizianrote Ton gefiel mir, die Haare reichten bis an den Hals und hinten bis zum Nacken. Der Pony war leicht gefranst. Das sah frisch und dynamisch aus. Nachdem die Fingernägel getrocknet waren, probierte ich sie an. Doreen stieß spontan ein, "Schön" aus, trat hinter mich und flüsterte mir ins Ohr, "am Liebsten ginge ich mir dir gleich in ein Separée". Ich ging dann an die Kasse und bezahlte Melly. Sobald ich mein Portemonnaie aus meiner Handtasche gezogen hatte, wurde mir mein baldiger finanzieller Engpass bewusst. Meine Laune verschlechterte sich. "Was ist mit dir, war ich zu frech, entschuldige." Doreen hatte es wohl bemerkt. "Hast du noch Zeit für ein Bier. Dabei erzähle ich dir, was los ist." Und ob Doreen Zeit hatte.
Wir fuhren in einer unserer städtischen Kneipen. Wir fanden noch einen kleinen Tisch in einer hinteren Ecke. In schummeriger Beleuchtung, umgeben von einem Stimmengewirr, welches noch von lauter Musik übertönt wurde, begann ich mit meiner Geschichte. Dass sie die Musik in den Kneipen aber auch immer so laut einstellen mussten. Ich rückte nah an Doreens linkes Ohr, sonst hätte sie kaum etwas verstanden. Ich erzählte ihr meinen Urlaub und wie es dazu kam, dass er in meinen Alltag hinein verlängert werden musste. Sie staunte. "Das hätte ich dir nicht zugetraut. Echt mutig, so beim Alten aufzulaufen." Sie hatte allen Grund so zu reden, und hätte sicher noch tiefer in ihren Fluchschatz greifen können. "Ja weißt du, das fiel mir vorhin beim Bezahlen ein, jetzt kürzt er mir den Lohn und ich weiß nicht wie ich weiterhin auskommen soll. Auf das Einkommen meiner Frau scheine ich auch nicht zurückgreifen zu können. Ich weiß nicht einmal, wo sie gerade ist." —"Ach, mach dir mal nicht allzu viele Gedanken. Die kommt bestimmt wieder. War wohl zu viel für sie. Jetzt muss sie sich erst einmal ein bisschen ausheulen und dann steht sie wieder vor deiner Tür. Wirst 'de sehen." Ich würde es gerne glauben. Wir tranken noch etwas, plauderten über Modestile — genauer Doreen machte auf Modesünden aufmerksam, die ich besser nie "¦ - wir lachten. Spät kam ich nach Hause; für einen Arbeitstag zu spät. Auf dem Küchentisch lag eine Notiz von Carmen: "Wo bist du? Komme morgen Abend kurz vorbei."
Nachricht von Carmen
Wo trieb sich Charly nur rum? War er wirklich zur Arbeit gefahren; mit seinen Brüsten als Frau? Die Vorstellung, wie er sich so unter seinen Kollegen aufhalten würde, war eine komische. Ich musste sofort in mich hinein kichern. Was blieb mir schon zu tun? Ich schrieb ihm schnell eine kurze Nachricht.
Sonntag hatte Nicole mich am Morgen abgeholt. Den Tag mit Charly verbringen zu müssen, das hätte ich mir nicht vorstellen können. Hätte er nicht anhalten können, musste er bei Rot über die Ampel ziehen? Von der Polizei verhaftet worden zu sein, auf widerliche Weise von einer hämisch grinsenden Polizistin, die einem Halloween-Verleih entsprungen zu sein schien, das war ganz übel. Wie die mich körperlich durchsucht hat! Mit einem feisten Grinsen zog sie sich die Latexhandschuhe und ging mir zwischen die Beine: "Wollen mir mal sehen, wie wir dein Kalb zu fassen bekommen, du blöde Kuh." Besonders widerlich fand ich die zweite Durchsuchung. Anschließend bekam ich wieder Handschellen angelegt und wurde ins Krankenhaus gefahren; zum Röntgen. Was hatte ich Panik, dass mich die Kollegen erkennen würden. Zum Glück war die Nachtschicht in der Röntgenabteilung neu und wir mussten nicht durch die chirurgische Ambulanz. Dass mich keiner sehen konnte, wusste ich aber erst hinterher, als ich wieder im Fond des Polizeiwagens saß und durch die Vergitterung nach vorne blickte. "Das nützt dir alles nichts. Dein Schätzchen wird sicher auspacken. Da bist du mit dran!" Die Polizistin freute sich über ihren Coup.
Nicole war ganz entsetzt, als sie hörte, sie müsse mich bei der Polizei abholen. Als ich ihr alles erzählt hatte, unter Schluchzen und Weinkrämpfen, war sie noch mehr entsetzt. Sie spendete mir Trost, nahm mich in ihre Arme, streichelte meinen Kopf, massierte meinen Rücken. Ich spürte, an mir sei noch alles dran, und ich fühlte, ich war gut dran. Wir schliefen wieder zusammen. Ich war wieder lebendig. An Charly mochte ich nicht denken.
Als ich am Montag wieder in der Ambulanz anfing, sprachen weder der Ober-, noch der Chefarzt mich auf den Vorfall von Samstagnacht an. Diese Peinlichkeit blieb uns allen erspart. Meine Kollegin konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Das war schon in Ordnung. Am frühen Abend fuhr ich bei Charly vorbei. Ich wollte nur kurz sagen, wo ich war und sehen wie es ihm ging. Die Mätzchen aus dem Urlaub, ihn als Frau anzureden, wollte ich nicht mehr mitmachen. Aber er war nicht da. Obwohl ich dachte, ich sei in Nicole verliebt — nein, ich war es ganz sicher — spürte ich ein klein wenig Eifersucht; Alte Gewohnheit halt.
Neue Arbeit
In den nächsten Tagen ereignete sich nicht so viel. Mein Chef rief mich kurz vor der Frühstückspause in sein Büro: "Schick siehst du heute wieder aus. Der Rock und die schwarze Bluse gefallen mir an dir. Ich würde solch einen Fummel ja nie anziehen. Mancher Kerl sieht darin ganz schnuckelig aus, so wie du." Und er grinste breit. "Dreh dich mal!" Warum nur kuschte ich so vor Autoritäten? Ich tat es. "Klasse, Figur - sogar mit Taille." — "Was wollen sie denn überhaupt von mir?" — "Ach Charly, ich bin ja kein Unmensch. Kurz, du brauchst sicher mehr Geld." Wollte er mir plötzlich doch mein altes Gehalt fortzahlen. "Die Kürzung kann ich nicht zurücknehmen. Ich könnte aber hier im Büro, zumindest zeitweise, eine Sekretärin brauchen. Nach Feierabend kommst du her und tippst mir Geschäftsbriefe, legst Excel-Dateien an und tippst meine Buchführung. Halber Riese extra, ohne Steuern?" Überstunden als Schwarzarbeit? Ich nickte, "gut Chef". — "Na dann bis heute Nachmittag, und mach mir die Frauen hinten nicht kirre", er lachte laut. Immerhin, auf diese Weise käme ich wohl erst mal so einiger Maßen über die Runden.
Heike und Kathy erzählten mir, wie sie Doreen eingeweiht hatten. Wir alberten mit einigen Kunden, hatten aber so viel zu tun, dass wir kaum Zeit für anders hatten. Selbst mithören, war an dem Tag nicht. Das sollte an den nächsten Tagen nicht anders werden. Es schien so, als hätte es sich in unserer Kundschaft verbreitet, es gäbe da eine neue, interessante Stimme in der Hotline von virbusters. Nach Feierabend ging ich ins Büro des Chefs. Heike und Kathy merkten davon nichts. Sie hatten etwas früher Feierabend gemacht. Ich war entsprechend noch abgekämpft, von den vielen Beratungen, die ich noch in der letzten halben Stunde entgegennehmen musste. Bei den meisten Problemen verstand ich nicht, warum die Jungs sich nicht selbst zu helfen wussten. Mein Chef wies mich kurz in die Arbeit ein. Ich tippte drei Stunden lang Daten aus einem Aktenordner in verschiedene Excel-Dateien ein. Der Chef schaute mir immer wieder über die Schulter. Ich war aber so vertieft in die Arbeit viel merkte ich nicht.
Abends kam Carmen kurz vorbei. Sie sagte nur, sie wohne bei Nicole. Sie sei verliebt. Sie wisse nicht, was würde. Sie wünschte mir Glück. Sie würde sich wieder melden. Irgendwie war mir das ziemlich gleichgültig. Hinterher, als sie wieder weg war, fühlte ich mich schäbig. Was es aus zwischen uns? Ich würde mir eine neue Wohnung suchen, das Haus gehörte den Eltern von Carmen. Für alle Fälle würde ich mir eine neue Wohnung suchen. Ich duschte mich noch ausgiebig. Ich genoss es mich einzucremen. Ich verwöhnte meinen Körper. Ich strich die Anspannungen des Tages aus mir heraus. Ich klopfte die Härte der Überstunden weich. Ich Schlafzimmer setzte ich mich nackt aufs Bett und betrachtete mich im Spiegel. Mit der neuen Perücke und meinen hübsch hängenden Brüsten sah ich sehr feminin aus. Die leisen Selbstgefühle als Frau meldeten sich wieder, diesmal etwas kräftiger. Ich berührte zart meine linke Brust und schloss kurz meine Augen. Ein wonniges Gefühl wogte hinter meiner Stirn. Ich spürte mehr, dass beglückte mich. Ich stellte die Perücke auf ihren Ständer, entledigte mich des Perückencaps, zog mein Nachthemd an und schlief bald ein.
Die beiden nächsten Tage verliefen in einem merkwürdigen Trott. Meine morgendliche Gesichtspflege ging mir flott durch die Hände. Das Hantieren mit Cremes, Pinselchen, Puder und Lippenstift fiel mir leicht. Ich hatte Spaß daran, mich zu verwandeln. Zum Schluss kontrollierte ich mich im Spiegel. Was ich sah, gefiel mir gut; So frisch, so wach, so ausdrucksstark. Im Büro verstand ich mich weiter gut mit meinen Kolleginnen. Die Jungs in der Technik rissen weiter ihre Sprüche und gelegentlich grinsten sie dreckig. Die Schwarzarbeit machte den Tag lang.
Freitag fuhr ich wieder zum Pilates. Mit meinem Chef hatte ich ausgemacht, dass ich die Mittagspause vorziehen könnte und die Fehlzeit nacharbeiten würde. Er war unerwartet kooperativ gewesen. Ich sollte den Preis noch bezahlen müssen, nachlöhnen. Lioba fragte mich in der Umkleide vor den anderen Mädels, "na Charly, hat dir das Dirndl gepasst?" Allgemeines Gelächter. "Wir hätten dir natürlich auch passendere Röcke anbieten können. Du sahst nur so süüß aus in dem Dirndl." Sie lachte noch einmal. "Der Spaß musste sein. Letzte Woche hast du uns doch ziemlich genarrt. Wir fanden viel ist nicht passiert. Also Schwamm drüber. Schön, dass du wieder da bist." Es war nicht ganz so, wie beim letzten Mal. Die Frauen betrachteten mich eindringlich. Auch nach der Stunde waren sie etwas zurückhaltender, dabei aber nicht unfreundlich. Sie duschten nicht, sondern zogen sich rasch um und verabschiedeten sich. Lioba wollte mich am Abend anrufen.
Ich ging in die Dusche und betätigte den Warmwasserhebel. Ich hörrte die Tür zur Dusche leicht quietschen. Eileen, unsere Trainerin, trat herein. "Hallo Charly, du duschst gerade?" Sie ging auf die Dusche neben meiner zu. Ich sagte hallo und duschte weiter. Im nächsten Moment spürte ich Eileens Hand an meiner Hüfte, meinen Bauch betastend. "Die Muskeln könnten strammer sein." Sie umarmte mich von hinten und flüsterte mir ins Ohr. "Das habe ich auch mit den anderen gemacht. Du willst doch in meiner Gruppe bleiben?" Ich hätte einfach nur die Dusche ausstellen müssen und gehen können. Warum tat ich es nicht? Konnte ich mich Frauen nicht entziehen, die einen dominanten Ton in ihrer Stimme trugen? Wie kam das? Eileen hob meine Brüste an. "Fühlt sich echt an. Ich hab gehört, du wärst eine Gefakte. So eine hatte ich noch nie hier." Sie griff mir an den Po. "Knackig ist er schon, geht aber noch mehr. Wenn du schön werden willst, musst du wiederkommen." Sie streichelte meinen Po und wiederholte den letzten Satz tranceartig. Ich fühlte mich ein wenig entrückt. Sie drehte mich vor sich, griff mit beiden Händen auf meinen Kopf und drückte ihn hinunter. Ich glitt ihren Busen hinab, ihren kräftigen Bauch entlang — sie hatte ihr Powerhouse angespannt — "jetzt bläst du mir einen." Sie hielt meinen Kopf zwischen ihre Schenkel und bewegte ihr Becken vor und ein wenig zurück. Mit einer Hand stellte sie das Duschwasser an. Ich wusste nicht, was mir geschah. Ich merkte nicht, wie lange es dauerte, wie in Trance. Als sie mit mir fertig war, hob sie mich wieder auf und gab mir einen Kuss. "Willkommen in meinem Club."
Ich musste mich eilen, noch einigermaßen pünktlich zur Arbeit zurück zu kommen. Kathy blickte mich verwirrt an, nachdem ich mein Headset aufgesetzt hatte. "Was ist dir denn über die Leber gelaufen?" Die Geschichte konnte ich nicht erzählen. "Setz wenigstens dein Set gerade auf." Da merkte ich, dass es nur links auf meinem Ohr saß, rechts hing es noch darüber. Mein Chef gab mir früher frei. Die Überstunden fielen aus. Ich fuhr nach Haus. Abends würde ich zur Psychologin fahren. Ich hatte das bitter nötig.
Psycho — Rätsel
Ich duschte mich, cremte mich ein, kleidete mich mit dem violetten Rock und einer weißen Bluse. Dazu trug ich neue violette Ballerinas. Am Nachmittag hatte ich sie mir noch gegönnt. Die Psychologin öffnete mir selbst. Ihr Assistent hatte frei. "Sind sie sicher, dass sie bei mir richtig sind. Ich bin nicht als Gutachterin für Transsexuelle tätig." War ich doch so auffällig. "Den scharfen Blick bringt mein Beruf mit sich. Sie sind schon sehr überzeugend. Nur nicht für mich. Vergessen Sie nicht, wir haben telefoniert." Sie lachte und hatte meine Irritation bemerkt. "Nein, nein", setzte ich ein. "Nein, ich glaube nicht, dass ich das Geschlecht wechseln will. Ich brauche vor allem sehr schnell Hilfe. Ich fühle mich bedrängt. Etwas in mir drängt mich. Ich möchte wissen, was es ist. Und wohin es mich drängt. Und vor allem zunächst, warum bin ich plötzlich so passiv, in manchen Situationen so gelähmt." - "Nicht so schnell junger Mann, oder soll ich lieber sagen junge Frau?" Ich überlegte kurz, es sprang aus mir raus: "Junge Frau, bitte junge Frau." — "Na ganz so jung sind wir nun auch wieder nicht." Sie bat mich auf ihre Couch und setzte sich an meinen Kopf. In Filmen hatte ich solche Szenen einst gesehen, ich suchte den Raum mit meinen Augen nach einer Kamera ab. Wo war der Regisseur?
"Fangen Sie an zu erzählen." Ich weiß auch heute nicht, woran es lag. Brachte es die entspannte Lage auf dem Rücken mit sich, dass ich ins Reden kam. War ist die mir abgewandte Psychologin, die sehr wohl aufmerksam zuhörte, die ich aber nicht sah. So schien es bald, als redete ich zu mir selbst. Ich entschied mich, zunächst von meinem Duscherlebnis zu erzählen. "Sie sind sicher, dass dies keine Halluzination war?" —"Sie meinen ich habe alles nur geträumt, eine Art Tagtraum unter der Dusche?" — "Nein, irgendwie fühle ich mich von dominanten Frauen angezogen, in der letzten Zeit ist mir das deutlich geworden." — "Gab es einen Anlass?" Ich erzählte ihr von meinen Kindheitserinnerungen. "Dass haben sie plötzlich erinnert? Sind sie sicher, dass sie nicht zu viel Freud gelesen haben, und dass nun mit einer lebhaften Phantasie auf sich beziehen. Spaß am Verkleiden scheinen sie ja zu haben." Ich protestierte entschieden. Ich betonte, die Erinnerungen hätten mich mit nachhaltigen Wirklichkeitsgefühlen zurückgelassen.
"Nun, sie sind also als Kind ihrer Schwester als Schwester zur Seite gestellt worden. Diese Gouvernante hat sie entsprechend bestraft? Und dann ist der Kontakt zu ihrer Schwester unterbunden worden?" —"Ja, und so habe ich wohl alles allmählich vergessen. Andere Jugendtaten haben sich darüber gelegt." — "Nun gut, lassen wir das vorerst. Erzählen Sie mir, haben diese Anwandlungen, sich in Frauenkleidung zu schmeißen, erst vor kurzem angefangen oder haben sie es immer mal wieder gemacht, seitdem sie es als Kind zwangsweise tragen mussten?" — "Nein, es muss jetzt gut ein Jahr her sein. Ich hatte plötzlich Lust — ach, sie wissen vielleicht, wie das ist." — "Nein, was, erzählen sie mir, bitte." Ich setzte fort. "So mit vierzig, vielleicht etwas später, fangen die Gedanken an. Jetzt sterbe ich jeden Tag ein wenig. Bis ich nicht mehr da bin. Und das soll alles gewesen sein?" — "Sie sterben jeden Tag ein wenig — ist das nicht stark übertrieben für die midlife-crisis." — "Ich wollte nur sagen, eine tiefe Langeweile legt sich mit mächtigen Schatten auf mich." — "Und da entdeckten sie die Kleidung ihrer Frau?" — "Ja, ich probierte zunächst Strumpfhosen an, die fühlten sich sexy an. Ich muss zugeben, es erregte mich zunächst." — "Ging sonst nichts mehr?" Ich lachte, "nein, das war - ist kein Problem. Ich meinte auch nicht sexuell erregt, nur es fühlte sich aufregend an. Das legte sich aber schnell. Ich zog dann immer mal wieder einen der Röcke meiner Frau an, besorgte mir einen BH und betrachtete mich im Profil im Spiegel." — "Ah, ich verstehe." — "Immer wenn ich trüber Stimmung war, und meine Frau gerade nicht zu Hause, dann schlüpfte ich in die andere Kleidung. Fühlte mich neu, ein wenig als Frau. Ich wusste aber immer, hey du bist ein Mann." — "Das hat ihnen aber insgesamt Freude bereitet?" — "Ja." — "Ich verstehe. Das was sie da gerade tragen, ich meine ihre künstlichen Brüste, ich kann gar nicht erkennen, wo die Übergänge sind, warum tragen sie die Brüste jetzt?" — "Nun, dass ist eine lange Geschichte." Ich erzählte alles und die Zeit verstrich. "Das ist eine spannende Geschichte und sie sind sich sicher, dass sie nicht das Geschlecht wechseln wollen?" — "Auch wenn mir das `Frausein' aktuell Spaß bereitet, so fühle ich doch auch Unbehagen, weil ich immer mehr die Erfahrung mache, dominanten Personen, dominanten Frauen ausgeliefert zu sein. Aktuell denke ich auch, ich habe mich vor Jahren in meine Frau verliebt, weil ich intuitiv deren Dominanz gespürt habe." — "Sie bringen das alles mit ihrer Kindheit in Verbindung?" — "Ich weiß es nicht so genau — deswegen bin ich ja auch hier. Ich bin mir nicht sicher, ob das alles nicht auch mit Persönlichkeitsveränderungen verbunden ist, welche mit meiner virtuellen Gestalt zusammenhängen." — "Sie meinen die Maskerade formt ihre Seele? Da kann ich sie beruhigen." — "Nicht die Maskerade, die neue Körpererfahrung, die veränderte Art mich zu bewegen, die neuen Tätigkeiten, die ich ausübe, ich spüre das verändert mich." — "Ich würde gerne mehr über ihre Kindheit wissen. Erzählen sie mir von ihrer Mutter." Da musste ich passen, ich erklärte warum. "Ich verstehe", hörte ich wieder. "Schildern sie mir bitte noch einmal genauer, was sie unter der Ausgeliefertheit an Dominanz verstehen." — "Na ja, meine Frau z.B. hat mich in der ersten Woche schon fühlen lassen, unter ihrer Führung zu sein." — "Das hat sie geärgert." — "Sicher, ja. Aber das hat irgendwie nachgelassen. Ich füge mich in Anweisungen, in Entscheidungen anderer, ich scheine zu treiben und nur wenig Kontrolle zu haben." Ich erzählte nicht von meinem Duscherlebnis. "Das ärgert sie und sie können sich nicht dagegen wehren?" — "Ja, so ist es. Ich kann nicht mal protestieren." — "Das ist alles nicht so schön. Nun gut, wir werden sehen, inwieweit ihnen noch mehr aus ihrer Kindheit einfallen wird. Lassen sie uns weitere Termine verabreden."
Am späten Abend rief Lioba noch an. Wir plauderten eine Weile. Sie erzählte davon, wie sie mit einigen der anderen Mädchen im Programmkino war — Schokolade, ein Film mit Johnny Depp — davon, wie köstliche Pralinen zubereitet wurden. Mir lief das Wasser im Mund zusammen. Wir lachten ein wenig zusammen in die Hörer. Beiläufig entschuldigte sie sich für die Dirndl-Aktion. Ich verzieh ihr. Dann fragte sie mich plötzlich: "War Eileen heute bei dir in der Dusche?" Ich bejahte erstaunt und zurückhaltend. "Bei einigen der anderen und mir war sie auch schon. Du hast dich aber gewehrt, so als Mann?" — "Ich konnte irgendwie nicht, als Mann, bin ich denn einer?" — "Meinst du zwei Wochen mit Brüsten an deinem Körper machen dich schon zur Frau?" — "Nein, aber irgendwie fühle ich mich dazwischen — so wie Dornröschen im Glassarg." — "Vielleicht eher wie die Zwerge davor? — Entschuldige, das wollte ich nicht. — Du, das mit Eileen, irgendwie macht uns das zu einer besonderen Gruppe, du gehörst jetzt dazu. Sie kommt kein zweites Mal. Das ist vorbei. Doch jetzt hast du uns." Am Telefon kehrte Stille ein. "Bist du noch dran?", fragte ich. "Ich fühl mich gerade so furchtbar allein." — "Das kenne ich." — "Versteh das bitte nicht falsch, kann ich zu dir kommen?" Ich schluckte. Das war direkt. "Versteh es bitte nicht falsch." Ich lud sie ein.
Eine halbe Stunde später klingelte es. Wir setzten uns noch ins Wohnzimmer, tranken ein wenig roten Wein, blickten in abbrennende Kerzen. Lioba hatte die Idee, eine Phantasie zu entwickeln. Sie begann den Satz einer Geschichte und ich musste diesen ergänzen. Dann war sie wieder an der Reihe. So erzählten wir eine Urlaubsreise an der italienischen Riviera. Später gingen wir ins Bett. In unseren Nachthemden kuschelten wir uns aneinander. Lioba blickte mich zärtlich an. "Danke, das war schön." Wir schliefen ein.