@Mona
Ich habe grundsätzlich - und das sollte eigentlich auch hinreichend klar artikuliert sein - nichts gegen Gruppenbildung. Aber ich habe - zumindest hier - etwas gegen geschlossene Gruppen sowie gegen Gruppen, die sich durch (künstliche) Grenzen von anderen abgrenzen, erst recht, wenn damit vermittelt werden soll, dass die Mitglieder der Gruppe etwas "Besseres" als alle anderen sind.
@Julia
Ich kenne Deine Entwicklungsgeschichte zu wenig, um mir darüber ein Urteil erlauben zu können. Aber lass mich aus meiner Lebensgeschichte etwas dazu beitragen: Der Samen, um es einmal so zu nennen, fing bei mir auch schon im Kindesalter (irgendwann zwischen 3 und 5) an zu keimen, transidente Tendenzen kann ich bei mir zumindest bisher aber nicht erkennen. Und natürlich spielt im Alter von 3, 4 oder 5 und auch noch einige Jahre danach Sexualität keine Rolle, aber auf kurz oder lang bleibt dies meist nicht aus - und ist übrigens auch logisch, wer sich durch die Nutzung der (temporär) bevorzugten Bekleidung/Rolle etc. entspannt, wird dies üblicherweise auch als stimulierend, erregend aber auch entspannend empfinden; der Weg zu einer sexuellen Verknüpfung ist dann nicht weit. Ganz bewusst habe ich aber die TS ausgeklammert, da ich mich mit diesem Metier zu wenig auskenne - und bei den übrigen bleibe ich dabei, dass es die große Ausnahme darstellt, wenn jemand keinerlei sexuellen Bezug hat; das heißt ja nicht, dass es gleich fetischistisch sein muss, aber zumindest eine gelegentliche Erregung dürfte wohl der Standardfall sein. Wer das nicht einräumt, ist von daher wirklich die ganz große Ausnahme oder eben doch ein Selbstbetrüger, weil das - aus welchen Gründen auch immer - nicht in das Selbstbild passt und, weil nicht sein kann was nicht sein darf, dort eben nicht auftauchen darf (außerdem könnte man ja aus der Gruppe der "Besseren" herausfallen).
@Flodur
Ich habe ganz bewusst niemanden persönlich angegriffen (bisher, das wird sich gleich noch ändern) und bin mir des Risikos meiner Aussage bezüglich der Sexualität auch bewusst. Dennoch bleine ich, siehe vorhergehenden Absatz, bei meiner Aussage, von deren Richtigkeit ich überzeugt bin und die ja auch ausreichend Ausnahmen bietet, gerade weil mir klar ist, dass es eben immer Ausnahmen geben kann.
@Sabrina Verena
Und jetzt werde ich zum ersten Mal aus der Rolle fallen: Genau so Typen wie Du sind es, die mich dem Stil und dem Inhalt der Aussagen genau an den Punkt bringen, an dem ich jetzt stehe. Dazu möchte ich genau Deine Frage aufgreifen:
Andersdenkenden Intoleranz und mangelnde Einsicht vorzuwerfen, trägt nicht zur Ausgrenzung bei?
Ja, ich gebe zu, dass ich einigen Leuten - Du gehörst dazu, auch wenn ich bisher ganz bewusst niemanden persönlich angesprochen hatte, aber Dir scheint der Schuh zu passen - Intoleranz vorwerfe - und dazu stehe ich. Ich sehe und fühle hier oft genug das Gängelband, wie man sich als anständiger Crossdresser zu fühlen, zu verhalten, zu bekleiden, schminken und sonst naoch was hat, weil man sonst eben doch etwas anders und minderwertiger ist; genau so etwas will ich hier nicht lesen, die Bandbreite ist eben größer. Es gilt die klare Maxime, dass das Einzige, wogegen man intolerant sein darf, Intoleranz ist! Mangelnde Einsicht habe ich nach meinem Gefühl bisher niemandem vorgeworfen, es ist aber interessant, wie das bei Anderen ankommt - wobei die Frage erlaubt sein muss, ob ich mich da wirklich schlecht ausgedrückt haben könnte oder Du, aus dem Gefühl persönlicher Betroffenheit, etwas hinein interpretierst, was dort nicht steht?
@Allgemein
Entgegen meiner Absicht, hier zu versuchen eine Diskussion anzuschieben, die uns allen - mich eingeschlossen - zu neuen Erkenntnissen über den Umgang miteinander verhelfen könnte, rutschen wir doch leider immer mehr in persönliche Dinge ab; ja, ich weiß, ich habe mich anstecken lassen, andererseits bedurfte die konkrete Frage einer sehr konkreten Antwort, es gibt manchmal Mitglieder der Spezies Mensch, die es etwas deutlicher brauchen (okay, war jetzt unnötig provokant, aber ich werde nicht gerne mit Pseudo-Argumenten angegrabbelt, die nicht zielführend sind).
Noch einmal in klaren und hoffentlich unmissverständlichen Worten:
Unser ganz großes Ziel sollte es doch sein, dass auch wir als Transgender - und da habe ich jetzt in vollem Bewusstsein den Oberbegriff gewählt, der eben von TS über TV, CD, DWT bis hin zu den simplen Moderebellen alle umfasst - gesellschaftlich akzeptiert werden. Eine Diskussion, dass dieses oder jenes doch heute schon möglich sei, ist da nicht zielführend, das große Ziel muss sein, keine Angst, gleich ob berechtigt oder nicht, vor dem sozialen Tod mehr haben zu müssen, der beste Gradmesser dafür ist neben der öffentlichen Berichterstattung auch der "Perversenzuschlag", den bestimmte Internetshops in Ihre Preise einbauen, wohlwissend, dass die Kundschaft auf die Diskretion angewiesen ist. Dieses Ziel können wir nur erreichen, wenn wir uns endlich als
eine Gruppe begreifen und auch so wahrgenommen werden, derzeit tun wir viel zu oft und zu gerne das genaue Gegenteil - und deshalb reagiere auch so allergisch auf Gruppenbildungen und vor allem auf die damit oft aufgebauten Mauern zur Abgrenzung. Wenn wir selber nicht in der Lage sind, die diversen Formen zu akzeptieren und zu tolerieren, die es in unserer Gemeinschaft gibt, wie soll das dann bei Außenstehenden funktionieren?
Ich bin nicht unfehlbar und habe kein Monopol auf die richtige Meinung - aber ein relativ gutes Gespür dafür, was zielführend sein könnte und was kontraproduktiv ist. Einer Diskussion, wie wir dem artikulierten Ziel näher kommen können, stehe ich mit Freude offen entgegen. Nicht ansprechbar bin ich hingegen auf einen überflüssigen und nutzlosen Kleinkrieg, welcher nicht zielführend ist. Sollte allerdings jemand das Ziel nicht unterschreiben können, dann, ja dann wäre alles vergebliche Liebesmühe gewesen.