Re: High Heels in Wien
Verfasst: Sa 16. Mai 2026, 23:06
Da hast du mir was voraus, liebe DesireeDesiree Maxima hat geschrieben: Sa 9. Mai 2026, 11:43Alsbald stand der nächste Programmpunkt an. Lana hatte vorab recherchiert, daß ein großes Season Opening im "Vienna City Beach Club" am heutigen Tag mit viel Musik und DJs stattfinden würde. Als ich in der Ankündigung las, daß vor allem Techno gespielt werden soll, war ich Feuer und Flamme. Es ist zwar schon lange her, aber ich war in den späten 1980ern und frühen 1990ern auf den ersten Raves, die in Wien stattfanden, und habe seither mein Faible für diese Musik nicht mehr abgelegt.
Den ersten Kontakt zu elektronischer Musik hatte ich Ende der Neunziger, als ich in eine Frau verliebt war, die diese Musik sehr mochte. Leider wurde daraus nichts (weder aus der Beziehung zu der Frau, noch aus meiner Bekanntschaft mit dieser Musikrichtung). Etwas später war ich mit ein paar Arbeitskollegen in einschlägigen Clubs unterwegs, wo die Musik ganz ausgezeichnet war und mir viel besser gefiel als in den "normalen" Discos jener Zeit. Wieder war es Elektro, Trance, Techno, was weiß ich, hatte ja auch keine Ahnung damals. Aber auch das hatte ich schnell wieder aus den Augen verloren. Mein Leben entwickelte sich in eine andere Richtung.
Erst zwanzig Jahre später bin ich wieder darauf gestoßen. Inzwischen war es fast schon Mainstream geworden, aber das störte mich nicht. Im Gegenteil, wurde es so doch viel einfacher, entsprechende Veranstaltungen zu finden und zu besuchen.
Inzwischen gibt es das also am Freitag Nachmittag am Donaustrand, für die ganze Familie. Und zufällig auch noch gerade an dem Tag, an dem wir in Wien waren. Und noch zufälliger quasi vor Desirees Haustür.
Desiree Maxima hat geschrieben: Sa 9. Mai 2026, 11:43 Der VCBC ist in ca. 10-15 Gehminuten von meiner Wohnung aus zu erreichen.
Was lag also näher, als diese Veranstaltung zum ersten Programmpunkt nach unserem Ankunftstag zu machen? Für mich würde es eine Gelegenheit zum Tanzen sein, und wer das nicht mochte, konnte sich gemütlich unterhalten.
Was wir dann auch getan haben, ich ebenfalls. Nach Tanzen im weichen Sand war mir nicht zumute, und ein bisschen müde war ich noch von der Nacht davor.
Nach dem Italiener hatte ich nämlich noch einen kleinen Ausflug ins Wiener Nachtleben unternommen. Leider waren die anderen zu müde, aber die Veranstaltung begann auch erst um 23 Uhr, und der Hauptgast der Nacht legte erst ab 2 Uhr auf. Das war Jan Blomqvist, den ich unbedingt mal live erleben wollte.
Erst kürzlich hatte mich mein Neffe "wieder" auf ihn gebracht. Er schickte mir diesen Link:
https://m.youtube.com/watch?v=UvYaVWd1w9Q
Ich schaute mir das Video an und dachte die ganze Zeit: da möchte ich auch mal dabei sein. Diese Musik, die schönen Menschen, die ihre wundervollen Körper im Einklang mit der Musik bewegten, die abendliche Stimmung an diesem See, der entrückt in den Weiten der zentralasiatischen Steppe zu liegen schien...
Dabei war es der Wörthersee in Kärnten, wie ich (zufällig und völlig unabhängig davon) just an diesem Abend beim Italiener von Saskia erfuhr, die das Pink Lake Festival schon selbst besucht hatte. So schließt sich manchmal der Kreis.
Oder auch nicht. Denn dieses Video stammt nicht vom Pink Lake Festival am Wörthersee, sondern von einem See in der Ukraine, der so genannt wird, und wo das Wave White Festival 2021 stattfand.
So lief ich nach dem Abendessen die paar Meter von unserem Restaurant durch sehr belebte Gassen hinüber zum Opernhaus, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft der Club liegt.
Es war wunderbar. Drei Floors mit ausreichend Platz zum Tanzen, tolle schöne Menschen, super DJs. Kurz nach vier bin ich mit der U-Bahn zu Desirees Wohnung zurück gefahren. Die ersten Bäcker bestückten gerade ihre Verkaufstheken, die Trafiken wurden mit neuen Zeitungen bestückt, der Fliesenboden in der Unterführung saubergemacht und vor dem Imbissstand war eine endlose Schlange von jungen hungrigen Menschen. Jemand wollte mir unbedingt eine Rose schenken. Es waren noch sehr viele Menschen unterwegs. Alles war hell erleuchtet, erstaunlich aufgeräumt und sauber für diese Tageszeit. Da könnten sich deutsche Großstädte ein Vorbild nehmen.
Die nächste U-Bahn verpasste ich um eine Minute, aber die Bahn fährt die ganze Nacht im Viertelstundentakt. Lange musste ich nicht warten, und es fühlte sich auch nicht unsicher an, um halb fünf in der früh voll geschminkt und im Club-Outfit in einer ziemlich leeren U-Bahn-Station zu stehen. Irgendwie gab es die Schmuddelecken mit den Grüppchen von betrunkenen Jungs dort nicht. Kein Müll, keine Bierpfützen und Glasscherben auf dem Bahnsteig. Auch im Zug selbst war das kein Problem. Frauen allein unterwegs, völlig entspannt. So kann das also auch gehen, dachte ich mir. Ohne Angst, ohne komisches Gefühl im Bauch.
Immerhin ist Wien die zweitgrößte Stadt im deutschsprachigen Raum, nach Berlin. Nur dass ich mich in männlicher Aufmachung schon vor Jahren tagsüber in der Berliner S-Bahn nicht wohlgefühlt habe...
Sicher gibt es in Wien auch Probleme, aber es fühlte sich für mich deutlich angenehmer an, dort nachts allein unterwegs zu sein als ich das üblicherweise gewohnt bin.
Der Weg von der U-Bahn zu Desirees Wohnung ist nicht weit und führt durch eine Art Parkanlage. Die Vögel zwitscherten, und zu meiner Überraschung wechselte der Horizont im Osten gerade von nachtschwarz zu den ersten Grautönen, die bald eine zauberhaft bläuliche Tönung annahmen. Das morgendliche Zwielicht entrückte die Welt. Es war wunderschön, und ich war wie in Trance.
Es würde ein guter Tag werden. Und ich würde ihn mit wunderbaren Menschen verbringen dürfen.
LGL