Lavendellöwin hat geschrieben: Do 2. Jan 2025, 08:14
Jaddy hat geschrieben: Di 31. Dez 2024, 21:45
Das wird nicht immer das sein, was dir selbst am liebsten wäre
Alles gut was du sagst..
aber dann sollte man sich nach dem Ausscheiden aus einer Position doch ähnlich verhalten und nicht
danach, das was du vorher gesagt hast anzweifeln oder das Gegenteil behaupten-das hinterlässt schon auch einen schalen
Beigeschmack.
Das könnte bei der einen oder anderen Person auch Fragezeichen entstehen lassen, von wegen hat sie das denn vorher
überhaupt erst gemeint? Ich finde das sogar schädlicher, als öffentlich einen Entscheidungsweg zu diskutieren.
Du kennst mich eine Weile und solltest wissen, das ich nicht tue oder sage, was ich nicht mindestens zu 90%
unterstütze. Tu ich das nicht, nehme ich lieber meinen Hut und bin aber mir treu gebleiben.
Das find ich für mich unheimlich wichtig, ich habe deswegen auch schon Projekte abgegeben oder Jobs
gekündigt, Wenn ich was nicht bin, mach ich es nicht. Das ist eine Art "Luxus" den ich mir leiste.
Das mag sein, das das manche als unprofessionell wahrnehmen, das soll dann die Person auch gerne...
aber mir ziept es dann nicht im Herzen oder Magen..
Marie..
Ich fände es auch angenehmer und seriöser, wenn Politikys auch klar kommunizieren könnten. Also zum Beispiel angenehme und unangenehme Zusammenhänge auch offen und verständlich erklären. Gleichzeitig habe ich so eine Ahnung, wie das a) von der Zielgruppe aka Bevölkerung aufgenommen würde und b) von Medien und c) von populistischen(1) Kräften ausgeschlachtet.
Also zum Beispiel: "Atomkraft in D ist in der aktuellen Situation keine Lösung. Nur wenige der alten AKW könnten reaktiviert werden. Das kostet zig Milliarden Steuermittel, weil Atomkraft für die Konzerne sonst nicht wirtschaftlich ist. Der Strom wäre viel teurer als alle Alternativen. Wir müssten den Strom genau wie Frankreich, UK und andere mit Steuermitteln subventionieren. Sonst wär er nicht verkäuflich. Die Konzerne würden also nicht mitmachen. Ausserdem haben wir keine Zwischen- oder Endlagerkapazitäten. Auch die müssten wir mit Steuermilliarden bauen und mit zig Millionen jährlich aus Steuermitteln bezahlen, weil wir das den Konzernen mal so versprochen haben. Und das ganze ans laufen zu bringen dauert mindesten 10 bis 15 Jahre." (Ich lasse mal zahlreiche weitere technische, praktische und politische Details weg)
Oder: "Bürgergeld kürzen oder verschärfen bringt uns gar nichts. Die Sanktionen kosten uns mehr an Verwaltung und Prozessen, als es finanziell bringt. Die Leute sind eh am Existenzminimum. Kaum jemand wird da je wieder raus zu kommen. Die allermeisten können wegen Krankheit, Behinderung, vergeigter Schuldbildung, Pflege von Angehörigen, psychischen Problemen, Alter usw gar nicht wirklich arbeiten. Sie sind in keinem Arbeitsmarkt vermittelbar und_oder können auch nicht qualifiziert(1) werden. Kein Betrieb will die Leute anlernen oder ausbilden, weil sie nun mal nicht ins System passen. Sie kosten mehr, als sie bringen und als Staat wollen wir die Differenz nicht zahlen. Es ist billiger, sie einfach weiter zu alimentieren."
Und so weiter. Könnte ich für sehr viele Themen durchdeklinieren.
Das wären alles sehr unpopuläre Aussagen. Zwischen den Zeilen kommt nämlich überall raus, dass ziemlich viele Themen nicht "sauber" lösbar sind. Größtenteils wegen Geld, aber auch weil andere Interessen(gruppen) dem entgegen stehen und ggf Rabbatz machen. Grundhaltung, so wie auch von populären (und populistischen) Medien vertreten, ist nämlich "wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass", "not in my back yard" (NIMBY), "ich will will keine Steuern zahlen, vor allem nicht an andere Leute, aber vollen Staatsservice".
Atomkraft ist (für einige wenige) so lange toll, bis AKW, Atommülllager oder Nuklearbetrieb in die eigene Nachbarschaft sollen. Aber bitte auch keine Windräder oder sonstige Kraftwerke. Stromleitungen auch nicht. Nicht in die Landschaft stellen und auch nicht verbuddeln, weil so teuer (refinanziert über Stromkosten) und die Landwirte haben was dagegen, durch ihre Äcker zu verlegen.
Bürokratie ist so schlimm, aber wenn ihnen was durch die Lappen geht, weil an einer Stelle nicht ausreichend kontrolliert oder reguliert wurde - von der unhygienischen Pommesbude über einstürzende Bauwerke bis zu Steuerhinterziehung(3) -, ist es auch wieder nicht richtig. Oder wenn die seit Jahrzehnten nicht aufgewendeten Milliarden für (saubere, sinnvolle, bürgynützliche) Digitalisierung, Reform und Personalaufstockung und -qualifizierung ausgegeben werden sollen ("aufgeblähte Verwaltung").
Menschen in der Politik sind also in mehreren Zwickmühlen.
1. Alle nennenswerten Probleme haben keine "schöne" Lösung. Jedenfalls keine, die nicht diverse Interessen(gruppen) auf die Barrikaden treibt und_oder andere Probleme / Themen tangiert und dort mehr Schaden reisst, als sie auf der anderen Seite verbessern. Sprich: Nichts ist wiklich einfach, alles ist komplex.
2. Die meisten Menschen wollen (meiner Erfahrung nach) keine Komplexität, keine Erklärungen, keine Diskussionen, keine Zweifel und keine Konsenssuche, sondern einfache, bequeme Lösungen, die Probleme so aus der Welt schaffen, dass sie nichts damit, daran und dafür zu tun haben. Sprich: Erklärungen, auch einfache, sind vergebliche Mühe, wenn nicht sogar kontraproduktiv.
Das passt einfach nicht zusammen. Du sollst als Politiky schwierige Themen lösen, die sehr viele Menschen mit sehr vielen verschiedene Interessen berühren, ohne die Leute zu involvieren, aber zur Zufriedenheit aller. Da bleiben dir entweder Floskelsprache und Arbeit hinter den Kulissen, sonst ist es gleich "Streit" und "Zerrissenheit", oder du erklärst wie Robert Habeck und wirst dafür angefeindet.
Ich bin mit "meinen" Themen ja auch in vielen Diskussionen und manchmal auch müde, die Zusammenhänge jedes Mal wieder neu zu erklären, weil viele meiner Gegenüber sich nicht erst selber informieren, sondern gleich mit einer festen (aber deutlich unterkomplexen) Meinung kommen. Und ich mache das nicht beruflich. Ich habe zB keinen Posten in einem Landkreis, Land oder Bindesministerium, wo ich die Aufgaben und Vorhaben in den engen Grenzen meines Ministeriums (Geld, Leute), den Interessen der anderen Ressorts, der Verbände, Gewerkschaften, "Wirtschaft" und vor allem der bestehenden Gesetze und Verträge umsetzen muss.
Bevor ich mich jetzt ganz verzettele: Ich kann mir gut vorstellen, dass gerade die grüne Parteispitze eine richtige Zerreissprobe hinter sich hat und die ehemaligen Vorsitzenden richtig zu leiden hatten. Deine Partei ist in der Regierung und will endlich ganz viel umsetzen und verbessern. Leider steckt das Land erst mal mitten in einer Pandemie. Deine Parteileute in der Regierung müssen dafür sorgen, dass die Leute nicht wegsterben oder über Krankzeiten dauernd ausfallen, das Gesundheitssystem wieder in Normalbetrieb kommt. Dann fängt so ein Typ einen Krieg in der unmittelbaren Nachbarschaft an. 4 Millionen Leute fliehen. Warenflüsse sind unterbrochen. Der Typ hat im voraus unter der vorherigen Regierung die Gasspeicher gekauft und leer laufen lassen, den Gasfluss unter fadenscheinigen Begründungen reduziert und droht jetzt mit Abschaltung, wenn du was gegen ihn unternimmst. Genau genommen führt er nämlich auch einen hybriden Krieg zur wirtschaftlichen und politischen Destabilisierung gegen dein Land. Dein einer Koalitionspartner hat keine Ideen, zaudert und zögert und ist meistens abgetaucht. Dein anderer Koalitionspartner tönt Unfug, der die Krise für die Menschen massiv verstärken würde. Die Opposition tönt noch größeren Unfug und schlachtet jede unbedachte Äusserung deiner Parteileute aus. Deine Leute in der Regierung müssen sich bin zur Unkenntlichkeit verbiegen, um diese akuten Probleme in der eh schon vorher miesen Lage zu lösen, weil sonst alles kollabiert. Also hältst du als Parteivorsitz die Füsse still und die Klappe, damit es nicht heisst "radikale Grüne lassen Regierung platzen".
Ich kann das alles nachvollziehen und hätte den Job auch nicht machen wollen. Falls doch wäre ich vermutlich viel früher zurückgetreten. Letztlich ist die Person aber auch egal. Jede andere auf dem Posten hätte genau das gleiche Problem gehabt, dass notwendiges Regierungshandeln nicht mit den Idealvorstellungen einer einzelnen Partei übereinstimmen kann.
(1) populistisch im Sinne von: Mit eigener, in der Regel gar nicht sinnvoller und für die Menschen positiven Agenda populäre, vereinfachte und grundfalsche Sachen zu behaupten
(2) Diese Leute suchen quasi alle unqualifizierte Arbeit im Lager oder ähnliches. Solche Stellen gibt es aber fast keine mehr. Gesucht werden ausgebildete Fachkräfte.
(3) 100 Milliarden fehlende Steuern jährlich. Und zwar von Unternehmen. Wer sich den Stand der Wirtschaftskriminalität mal geben will:
https://media.ccc.de/v/38c3-der-milliar ... sellschaft