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Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Di 20. Aug 2024, 14:59
von Lavendellöwin
manchmal_melissa hat geschrieben: Mo 19. Aug 2024, 21:20 Naja, im Bezug auf Transidentität unter Umständen sehr viel. Man kann ja nicht auf Knopfdruck ändern, was man (sexuell) attraktiv findet.
Hey...


das finde ich etwas pauschal und nicht klar. Unter Umständen sehr viel-was genau denn?

In der Beziehung zu meinem Lieblingsmenschen spielt Sex keine Rolle, weil ich den Sex den sie wohl gerne hätte
nicht kann. Berührungen sind sehr schön, Nähe und Küsse tun gut, aber männlich konotierten Sex kann ich nicht haben.
Das widerstrebt mir, ich finde es abstossend und nicht befriedigend.

Wir haben schon lange davor damit aufgehört, bevor ich überhaupt den Weg in die Angleichung gegangen bin. Lange
bevor ich definitiv gesagt habe ich bin eine Frau. Und dann war ihr klar, warum es nicht mehr geklappt hatte.

Aber das Zusammensein in der Art zwischen 2 Menschen ist nur eine Basis einer Beziehung, nicht der Sinn oder Grund davon.
Sex geht völlig ohne Beziehung, mit Lust, so ist es zumindest für mich.

Und ja, ich bin lieber mit Frauen, aber sexuell attraktiv finde ich sie nicht. Ich bin nicht lesbisch, sagen wir übrigens beide.

Und ja, es geht mir nicht ansatzweise in den Kopf, wie eine Person die von sich denkt das sie eine Frau ist, in männlicher Rolle
ein Kind zeugen kann-da hab ich rote Lichter vor den Augen.
manchmal_melissa hat geschrieben: Mo 19. Aug 2024, 21:20 Aber manchmal sind einfach Grenzen erreicht. Und wir sollten den Partnerinnen nicht den Eindruck vermitteln, dass ihre Grenzen nichts wert sind
Wie kommst du denn darauf, das alle, auch Crossdresser, hier denn Grenzen festlegen, oder festlegen müssen?
Wir haben das nie getan. Ich könnte nie vorstellen, mein Lieblingsmensch meditiert sehr viel, zu sagen, du darfst aber maximal
eine Stunde am Tag meditieren oder Sport machen, weil wir sonst unsere gemeinsamen Dinge nicht mehr erledigt bekommen.
Ich würde das gerne manchmal weil ich mich stellenweise mit manchem allein gelassen fühle, aber es steht mir nicht zu,
es ist etwas was sie dann in dem Moment braucht und könnte ich das nicht zulassen würde unsere Partnerschaft an Wert verlieren.

Schau, sie war einmal 3 Monate in einem Retreat, kurz nachdem ich einen Bandscheibenvorfall hatte. Mir wäre es lieber
gewesen sie hätte es gelassen und es ist eines der wenigen Dinge die ich ihr nachtrage. Es war weit über meiner Grenze.
Aber der Wert war für sie unschätzbar...und exakt das zählte.
Es ist vielleicht ein wenig das was Vicky mit Krise meint, ein Handeln ausserhalb der Komfortzone, ausserhalb der Grenzen, da finde
ich schon, das es Wachstum bringt..
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 06:42 Und da ist Krise angesagt. Auch die Literatur beschäftigt sich nicht mit Beziehungen, in denen es läuft, sondern in denen es kracht. Das verschiebt meine Perspektive. Aber allgemeiner Tenor ist, dass jede Beziehung an die Punkte kommt, an denen es kracht. Habt Ihr das nicht erlebt ?
Doch sicher, aber nicht in Beziehung was mein geschlechtliches Empfinden oder Leben angeht.
Eher wenn dann mal mit den Auswirkungen davon. Es gibt Tage an denen ich sehr dysphorisch sein kann.
Wenn ich einen solchen Tag habe und wir hatten etwas ausmacht, wollten uns mit jemand treffen kann es sein das ich das absage,
weil ich mich grade unpässlich fühle-das findet mein Lieblingsmensch dann maximal doof.
Sie weiss aber auch wie ich dann leide..

da geht es mir dann auch gar nicht drum, das ich denke trans* Personen hätten nur Nachteile, denn das denke ich überhaupt nicht,
sondern das ich dann gerade sehr ungut mit meinem Körper bin. Sicher könnte ich mich dann schminken, was tolles anziehen, das macht dann
aber mein Missverhältnis zu meinem Körper nicht gut-sprich das hilft kein klein bisschen.

Ansonsten haben wir natürlich auch Dinge die Klärung brauchen.
naja..hihi..stimmt schon, ein Beziehungsratgeber beschäftigt sich wohl zwangsläufig mit der Bearbeitung von Krisen,
hast du keine brauchst du ja den Ratgeber nicht. Oder hat man dann erst eine Krise gefunden wenn man da mal reinliest.
Vielleicht, ich lass das lieber (888)

habt es gut, Marie (flo)

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Di 20. Aug 2024, 17:50
von manchmal_melissa
Hi Marie,
EmmiMarie hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 14:59
manchmal_melissa hat geschrieben: Mo 19. Aug 2024, 21:20 Naja, im Bezug auf Transidentität unter Umständen sehr viel. Man kann ja nicht auf Knopfdruck ändern, was man (sexuell) attraktiv findet.
das finde ich etwas pauschal und nicht klar. Unter Umständen sehr viel-was genau denn?

In der Beziehung zu meinem Lieblingsmenschen spielt Sex keine Rolle, ["¦]
Es ist ja schön, dass ihr da für euch eine gute Regelung gefunden habt, aber die lässt sich ja sicher nicht auf alle übertragen. In manchen (den meisten?) Paarbeziehungen spielt doch Sex eine Rolle. Wie viel Femininität man dann nicht (mehr) attraktiv findet, ist wohl unterschiedlich.
EmmiMarie hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 14:59 Wie kommst du denn darauf, das alle, auch Crossdresser, hier denn Grenzen festlegen, oder festlegen müssen?
Müssen nicht, aber sie sind manchmal da, vor allem durch die Partnerin. Und wie gesagt, extrem unterschiedlich: Ab wann wird es der Partnerin zu viel? Rasierte Beine? Machen die meisten wohl mit. Regelmäßig en femme raus? Kann klappen. 24/7 als Frau leben? Da wirds schon schwieriger. GAOP? Da ist die Mehrheit dann wahrscheinlich raus. Mir ist klar, dass man da Lösungen und Beziehungsmodelle finden kann, mit denen man die Bedürfnisse aller zufriedenstellt. Aber die dürften für die meisten Menschen eher nicht vorstellbar sein.

Darauf wollte ich raus, dass eben manche Konflikte innerhalb der Beziehung nur extrem schwer aufzulösen sind, wenn sie solche grundlegende Dinge betreffen.

Liebe Grüße,
Melissa

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Di 20. Aug 2024, 18:11
von Felice
Hallo ihr Lieben,

es hat eine Weile gedauert, alle Beiträge zu lesen und für mich zu verstehen. Das Thema ist aus meiner Perspektive schwer in wenigen Sätzen oder mit pauschelen Empfehlungen zu beantworten.

Aus meiner Erfahrung heraus sind es oft die kleinen Details in einer Beziehung, die das Gleichgewicht stören können. Solange man das erkennt und die richtigen Maßnahmen ergreift, bevor sich die Situation verschlechtert, ist das jedoch nicht unbedingt problematisch.

In unserer Beziehung hat sich über die Zeit hinweg etwas aufgestaut, das uns Ende letzten Jahres beinahe zum Verhängnis wurde. Meine Partnerin und ich begannen, uns intensiver mit der Situation auseinanderzusetzen. Interessanterweise erkannten wir beide, dass meine Transidentität nicht das Hauptproblem war. Vielmehr hatten sich unsere Gefühle über die Jahre hinweg auseinanderentwickelt, und wir wussten nicht, wie wir diesen Zustand "reparieren" könnten. All die kleinen Verletzungen, teils unbewusst, haben sich angesammelt und der Berg schien zunächst unbezwingbar.

Keiner von uns beiden wollte die Beziehung einfach so aufgeben, obwohl meine Partnerin kurz mal drüber nachgedacht hatte auszuziehen. Stattdessen wollten wir beide verstehen, wie es soweit kommen konnte. Es war der richtige Schritt, sich professionelle Unterstützung zu holen, denn die eigenen "Werkzeuge" reichten dafür nicht aus.

Eine der ersten Erkenntnisse des Psychologen war wie schon selbst vermutet, dass die Transidentität zwar definitiv ein Reibungspunkt ist, das größere Problem jedoch ganz woanders liegt und das eigentliche Problem dadurch nur besser zum Vorschein gebracht hat. Unsere Beziehung litt unter einem Mangel an Nähe. Über die Jahre hinweg haben wir uns immer mehr voneinander zurückgezogen und begannen, getrennte Leben zu führen. Sich das einzugestehen, war für uns beide schwierig, doch die wahre Herausforderung besteht darin, wieder Nähe zuzulassen und sich füreinander zu öffnen. Sex ist dabei nur ein Baustein, nicht die entscheidende Komponente in einer Beziehung.

Leider muss ich Dir liebe Emmi-Marie in einem Punkt widersprechen:
EmmiMarie hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 14:59 Sex geht völlig ohne Beziehung, mit Lust, so ist es zumindest für mich.
Für mich persönlich war und ist das nicht möglich. Ohne eine tiefe Verbindung, ohne das Leuchten in den Augen des Partner*in, ist es nicht dasselbe. Während der Transition mit Beginn der HET steht man plötzlich an einem Punkt, an dem Sex eine untergeordnete Rolle spielt, und das ist für mich schön, aber es erfordert einen neuen Denkansatz. Ohne Ideen oder mit anfänglicher Überforderung kann die Stimmung in der Partnerschaft schnell kippen. An diesem Punkt ist es wichtig, sich als Paar auszusprechen und die eigenen Gefühle zu teilen — auch wenn es oft schwerfällt, über die innersten Gefühle zu sprechen. Es gibt vieles was den Sex ersetzen kann, es sollte niemals das zentrale Thema in einer Beziehung sein, auch wenn das leider viele Paare so sehen. Ein sehr intensiver Kuss oder Berührungen können superschöne Gefühle auslösen.

Wenn man sich einander öffnet, erhalten beide Partner ein besseres Verständnis für die Gefühlswelt des anderen. Es ist nicht einfach, seine Seele und sein Herz zu öffnen. Situationen, in denen man keine körperliche Nähe zulassen will oder einen Kuss verweigert, können den Partner verstören. Solche Momente können schnell zu dem Gefühl führen, dass man nicht mehr geliebt wird.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt, den man nicht unterschätzen sollte, ist der Selbstwert bzw. die Selbstwertstabilität. Wenn diese nicht vorhanden ist, kann eine Situation schnell eskalieren. Glücklicherweise kann man Selbstwertstabilität trainieren — hierfür gibt es sehr gute Übungen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Offene und ehrliche Kommunikation ist der Schlüssel, um die Balance in einer Beziehung zu halten. Das ist nicht einfach und erfordert viel Einsatz, Hingabe und Willenskraft von beiden Partnern. Stolz ist hierbei ein schlechter Ratgeber. Manchmal braucht es einen Mentor*in oder Moderator*in mit Fachwissen, um die richtigen Methoden zu finden und die Beziehung zu stärken um diese auf ein neues solides Fundament zu stellen.

Viele liebe Grüße Euch allen und einen schönen Abend
Felice ))):s

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Di 20. Aug 2024, 20:37
von Anja61
Hallo,

Ich komme mit dem Lesen kaum noch hinterher. Offensichtlich hat Vicky ein zentrales Thema für viele eröffnet. Danke!

Für mich zentral: ich muss herausfinden, was ich will — meine Gefühle und dann meine Bedürfnisse sollten mir erstmal selbst klarer werden. Das heißt eher nicht: was ist das Endziel? Das bedeutet: was könnte der nächste Schritt sein? Wie bringe ich meine feminine Seite meiner Partnerin näher?
Mir fällt das sehr schwer. Meine Partnerin hat sich schon einmal von mir getrennt. Meine Trans-Identität spielte damals keine Rolle. Ich bin deshalb nur sehr, sehr vorsichtig, was eine plötzliche Darstellung meiner Bedürfnisse ihr gegenüber betrifft. Letztes Jahr war es aufgrund von Trauerfällen in der Familie absolut ausgeschlossen, dieses Thema zu eröffnen. Außerdem: nach 15 Jahren der Wochenendbeziehung möchten wir nächstes Jahr zusammenziehen. Das will ich nicht gefährden — gleichzeitig weiß ich, dass ich mich dann als Anja kaum noch ausleben könnte, allenfalls ganz heimlich.

Das alles erzeugt einen unheimlichen Druck. Welche Kompromisse bin ich bereit, einzugehen? Ich weiß, dass ich momentan nicht 24/7 en femme leben möchte. Das Tragen von Frauenkleidung in privaten Stunden im verschlossenen Schlafzimmer wäre für mich z.B. aber demütigend. Außerdem muss ich auch gar keine Frauenkleidung anziehen, um mich als Frau zu fühlen (ohne das Frausein jetzt näher beschreiben zu können).

Ich will versuchen, meine Transidentität schrittweise gegenüber meiner Partnerin zu thematisieren, also anlässlich von aktuellen Diskussionen über Queer-Sein, stattfindenden Demonstrationen, Fernsehfilmen, Beobachtungen usw. meine Sichtweisen immer wieder mal einsickern zu lassen, um ein besseres Verständnis zu erzeugen.
Sicherlich kommt dann irgendwann auch der Punkt, an dem ich Farbe bekennen muss. Diesen möchte ich nur so gut wie möglich vorbereiten. Ob ich mich dann wirklich traue, ist noch eine ganz andere Frage"¦

Liebe Grüße
Anja

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Mi 21. Aug 2024, 07:12
von ExUserIn-2026-04-08
Vielen Dank für Eure Beiträge. Die gehen mir ziemlich unter die Haut.
manchmal_melissa hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 17:50 Darauf wollte ich raus, dass eben manche Konflikte innerhalb der Beziehung nur extrem schwer aufzulösen sind, wenn sie solche grundlegende Dinge betreffen.
Das glaube ich auch. Es ist ein Dilemma, in dem viele stecken: Beziehung vs. Weiblichkeit. Dabei gehen wir i.d.R. von unserer eigenen Vorstellung aus, wie die Partnerin reagieren wird. Aber Lösungen liegen nicht in einem entweder-oder, sondern sie wollen in einem Prozess erarbeitet werden. Ein zentraler Punkt dabei ist der eigene Wunsch, sich weiter zu entwickeln. Ich kann dabei wieder einmal auf das Buch von David Schnarch verweisen, der das hervorragend beschrieben hat.
Felice hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 18:11 doch die wahre Herausforderung besteht darin, wieder Nähe zuzulassen und sich füreinander zu öffnen. Sex ist dabei nur ein Baustein, nicht die entscheidende Komponente in einer Beziehung.
Bei Euch war es die Nähe, in anderen Fällen ist des die Distanz, die hergestellt werden muss, damit jeder für sich "atmen" kann. Es gibt auch Nähe, die wie ein ungesundes Kleben ist. Das bedeutet dann, dass beide nur in Verbindung existieren, so dass es zur ständigen Kontrolle und eine Selbstbegrenzung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner kommt. Die Gefahr ist gegeben, dass man darin erstickt.

Ich glaube auch, dass Sex nicht die entscheidende Komponente ist, aber er ist mMn ein sehr starkes Mittel der Kommunikation und ein Spiegel der Beziehung. Die Qualität, mit der sich zwei Menschen körperlich begegnen, ist Folge, nicht Voraussetzung für eine gute Beziehung. Ich denke dabei nicht an Häufigkeit oder Art der Sexualität, sondern wie man sich selber dabei fühlen kann.
Anja61 hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 20:37 nach 15 Jahren der Wochenendbeziehung möchten wir nächstes Jahr zusammenziehen. Das will ich nicht gefährden — gleichzeitig weiß ich, dass ich mich dann als Anja kaum noch ausleben könnte, allenfalls ganz heimlich.
Da gehen bei mir die Alarmglocken an. Ich sehe es als Missachtung der Gefühle und Eigenständigkeit Deiner Partnerin an, wenn Du sie so ins Messer rennen lässt. Sorry, wenn ich das so deutlich schreibe, aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass das Thema auf den Tisch gehört, so dass sie ihre Entscheidungen unter Berücksichtigung aller erkennbaren Faktoren selber treffen kann. Ich habe es früher selber auch falsch gemacht. Das tut nicht gut. Es ist eine Frage der Verantwortung und des Vertrauens. Sie ohne Wissen in die Konfrontation nach dem Zusammenziehen zu stürzen, ist eine Form des Egoismus, nicht der Partnerschaft.
Anja61 hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 20:37Das alles erzeugt einen unheimlichen Druck. Welche Kompromisse bin ich bereit, einzugehen? Ich weiß, dass ich momentan nicht 24/7 en femme leben möchte. Das Tragen von Frauenkleidung in privaten Stunden im verschlossenen Schlafzimmer wäre für mich z.B. aber demütigend. Außerdem muss ich auch gar keine Frauenkleidung anziehen, um mich als Frau zu fühlen (ohne das Frausein jetzt näher beschreiben zu können).
Machst Du Dir nicht etwas vor ? Meine Erfahrung ist, je mehr ich meine weibliche Seite unterdrücke, um so stärker wird die Notwendigkeit, sie zu leben. Den Druck, den Du spürst ist das Dilemma, in dem Du steckst. Du kannst es nur lösen, in dem Du mit Deiner Partnerin sprichst. Dabei geht es nicht darum, wer was durchsetzt, sondern sich auf Augenhöhe begegnet und daraus in einem Prozess mehr Verständnis und Vertrauen gewinnt. Gibt es eine Alternative ? Natürlich kann es auch zu einer Trennung kommen, aber die Krise wird nach dem Zusammenziehen größer als vorher. Mache Dir bitte klar, was Du wirklich willst und brauchst.
Anja61 hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 20:37Ich will versuchen, meine Transidentität schrittweise gegenüber meiner Partnerin zu thematisieren, also anlässlich von aktuellen Diskussionen über Queer-Sein, stattfindenden Demonstrationen, Fernsehfilmen, Beobachtungen usw. meine Sichtweisen immer wieder mal einsickern zu lassen, um ein besseres Verständnis zu erzeugen.
Sicherlich kommt dann irgendwann auch der Punkt, an dem ich Farbe bekennen muss. Diesen möchte ich nur so gut wie möglich vorbereiten. Ob ich mich dann wirklich traue, ist noch eine ganz andere Frage"¦
Streiche das Wort "versuchen" und ersetze es durch "ich mache", dann bekommt Deine Aussage eine andere Bedeutung für Dich. Ich halte die aktuellen Diskussionen über queer für völlig ungeeignet als "Einleitung" in einem Partnergespräch. Da kommt es darauf an, was DU spürst, brauchst und willst. Deine Gefühle stehen im Mittelpunkt, denen dann die Position Deiner Partnerin gegenübersteht. Vorbereiten kann man das nur insoweit, dass Du DIr klar werden musst, was eben diese Gefühle sind und dabei bleibst. Es geht um gegenseitiges Verständns. Es geht auch nicht darum, wie Du die Sache in Zukunft sehen wirst, sondern heute. Die Frage ist auch nicht, ob Du Dich traust, sondern, ob Dir was an Deiner Beziehung und Deiner Partnerin liegt. Wenn ja, behandle sie auch so.

Vielleicht irre ich mich mit meiner Meinung bei Dir. Das würde ich bedauern, aber dann kannst Du es immer noch als nicht passend deklarieren. Es ist meine Meinung zum Thema.

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Mi 21. Aug 2024, 22:06
von Anja61
Liebe Vicky,

Ich danke Dir für Deine starke Meinung!
Es ist gut und hilfreich, wenn Du mahnst und versuchst, mir klarzumachen, welches Verhalten für mich und meine Partnerin nicht okay ist, zumal Du sogar Deine persönliche Erfahrung einbringst. Du irrst Dich nicht, aber z.T. rennst Du auch offene Türen bei mir ein.
Ich hätte bis vor kurzem nicht gedacht, dass der Austausch in diesem wunderbaren Forum für mich einmal so wichtig wird. Aber die Schriftform hat auch ihre Grenzen — in einem persönlichen Gespräch kann vieles schneller geklärt werden.
Mir ist schon klar, dass ich vor einem neuen Zusammenziehen bzw. bereits vor der Wohnungssuche das Thema gegenüber meiner Partnerin ansprechen muss. Alles andere wäre tatsächlich unfair.
Ich habe versucht, den Zwiespalt zu beschreiben, den das Alles in mir auslöst. So egoistisch bin ich nicht, wie es vielleicht aus meinem Post herausgelesen werden kann. Vielleicht habe ich auch nicht klar und ausführlich genug beschrieben, was in mir vorgeht.
Tatsächlich ist mir momentan auch nicht gänzlich klar, was ich wirklich will und benötige, um ein authentisches Leben zu führen. Ich versuche ja gerade, das herauszufinden.
Außerdem habe ich noch einige andere "Baustellen", die aktuell im Rahmen einer Psychotherapie besprochen werden. Gerade geht mir vieles durch den Kopf, aber ich habe momentan auch den Eindruck, dass jetzt gleichzeitig vieles an Gefühlen und Informationen einfließt, was mir wirklich hilft.

Komplett einverstanden bin ich mit Deiner Antwort zum Thema "Partnergespräch". Machen, nicht versuchen — das ist der richtige Ansatz. Ja, es geht um das "Hier und Jetzt", nicht um eine mögliche Zukunft. Meine Gefühle stehen im Mittelpunkt, aber ich werde auch die Gefühle meiner Partnerin nicht vernachlässigen.

Liebe Grüße
Anja

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Do 22. Aug 2024, 06:45
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Anja,

danke für Deine Rückmeldung. in diesem Sinne meine ich das. Im Augenblick tobt in mir auch ein innerer Kampf und das Schreiben hier klärt meine Gedanken. Es kann kein Gespräch ersetzen. Aber ich halte einen Punkt für wesentlich:
Tatsächlich ist mir momentan auch nicht gänzlich klar, was ich wirklich will
Letztlich stecke ich in einem Dilemma und der einzige Weg hinaus scheint mir zu sein, dass ich für mich genau diese Frage kläre. Wie sieht dieses Dilemma aus ? Ein Leben ohne meine Partnerin ? Da sehe ich nur ein großes Loch. Ein Leben ohne meine Weiblichkeit ? Auch ein Riesenloch. Ein Leben ohne Intimität ? Nicht denkbar. Und am Ende passt alles nicht zuammen. Oder vielleicht doch ?

So geht es nicht weiter. Was muss sich ändern, damit mein Leben ins Lot kommt ? Ein anderes Leben ist für mich unvorstellbar. Es ist richtig, so wie es ist. Männlichkeit und hier besonders die Aggression, ist mir ein Gräuel, "vollkommene" Weiblichkeit ist unerreichbar. Und trotzdem fühle ich mich, so wie ich bin, richtig und trotzdem komme ich nicht auf die Füße. Warum ?

An verschiedenen Stellen wird sich beklagt, dass Partnerinnen in den Wertungen zwischen den anderen Menschen und dem/r eigenen Partner/in unterscheiden. Aber mir fällt auf, dass ich das auch tue, wenn ich den Blick auf mich lenke. Draußen in der Welt fühle ich mich en femme wohl, vor meiner Frau fühle ich mich klein. Ich vermeide die Konfrontation meines weiblichen Status mit meiner Frau. Ich will mich ja nicht aufdrängen. Schaue ich genauer hin, entpuppt sich das als Ausrede. Warum ? Weil mein Selbstwertgefühl zu schwach ist, zu mir selber zu stehen, weil ich nicht weiß, was für mich gut und richtig ist.

Mich bringt die Frage, ob ich mir ein anderes Leben wünsche, auf die richtige Spur. Aber ich muss die Konsequenzen dafür auch tragen (wollen). Das Ergebnis wird wahrscheinlich doch wieder anders aussehen als ich es jetzt erwarte. Ich denke, hier liegt der Schlüssel für das Dilemma. Den Knoten der Gefühle, Ängste, Scham und was sonst noch dazu gehört, ist nicht zu entwirren. Er erdrückt mich. Aber der Knoten ist nur in mir und er hindert mich, der (oder die ;-) ) zu werden, die ich sein könnte.

Bin ich mir das wert ? Klares "ja". Du auch ?

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Do 22. Aug 2024, 09:01
von Susi T
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 22. Aug 2024, 06:45
Tatsächlich ist mir momentan auch nicht gänzlich klar, was ich wirklich will
Letztlich stecke ich in einem Dilemma und der einzige Weg hinaus scheint mir zu sein, dass ich für mich genau diese Frage kläre. Wie sieht dieses Dilemma aus ? Ein Leben ohne meine Partnerin ? Da sehe ich nur ein großes Loch. Ein Leben ohne meine Weiblichkeit ? Auch ein Riesenloch. Ein Leben ohne Intimität ? Nicht denkbar. Und am Ende passt alles nicht zuammen. Oder vielleicht doch ?
Reicht das nicht um miteinander zu reden? Sobald fertige Lösungen präsentiert werden heist das in einer Partnerschaft, das man den Partner eigendlich nicht braucht, denn er wird nur vor vollendeten Tatsachen gestellt. Sollten nicht beide zusammen nach guten Möglichkeiten suchen? Sowas lernt man nicht von heute auf Morgen und bei langen Beziehungen hat man es möglicherweise nie gelernt, oder verlernt.
Wie oft lesen wir von Partnerinnen das ihr Partner nicht mit ihnen reden will.
Klar muss sich jede/r erstmal über sich selbst Gedanken machen, aber häufig wird das sehr sehr lange gemacht.
Wir reden ja hier nicht nur über das typische Outing, sondern auch über Partnerschaft, oder?

Mitzuerleben wie sich mein Partner/in ewig lange quält ohne das ich ins Vertrauen gezogen werde, wäre für mich furchtbar und es würde meine Ablehnung auf das was da ausgebrütet wird ständig steigern. Vieleicht kriegen andere in solchen Situationen sowas nicht mit, aber drauf verlassen würd ich mich nicht.
Aber wer auf Kriesen steht, brauch das vieleicht.

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Do 22. Aug 2024, 09:24
von Julia Lacourt
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 22. Aug 2024, 06:45 Letztlich stecke ich in einem Dilemma und der einzige Weg hinaus scheint mir zu sein, dass ich für mich genau diese Frage kläre. Wie sieht dieses Dilemma aus ? Ein Leben ohne meine Partnerin ? Da sehe ich nur ein großes Loch. Ein Leben ohne meine Weiblichkeit ? Auch ein Riesenloch. Ein Leben ohne Intimität ? Nicht denkbar. Und am Ende passt alles nicht zuammen. Oder vielleicht doch ?

So geht es nicht weiter. Was muss sich ändern, damit mein Leben ins Lot kommt ? Ein anderes Leben ist für mich unvorstellbar. Es ist richtig, so wie es ist. Männlichkeit und hier besonders die Aggression, ist mir ein Gräuel, "vollkommene" Weiblichkeit ist unerreichbar. Und trotzdem fühle ich mich, so wie ich bin, richtig und trotzdem komme ich nicht auf die Füße. Warum ?

An verschiedenen Stellen wird sich beklagt, dass Partnerinnen in den Wertungen zwischen den anderen Menschen und dem/r eigenen Partner/in unterscheiden. Aber mir fällt auf, dass ich das auch tue, wenn ich den Blick auf mich lenke. Draußen in der Welt fühle ich mich en femme wohl, vor meiner Frau fühle ich mich klein. Ich vermeide die Konfrontation meines weiblichen Status mit meiner Frau. Ich will mich ja nicht aufdrängen. Schaue ich genauer hin, entpuppt sich das als Ausrede. Warum ? Weil mein Selbstwertgefühl zu schwach ist, zu mir selber zu stehen, weil ich nicht weiß, was für mich gut und richtig ist.

Mich bringt die Frage, ob ich mir ein anderes Leben wünsche, auf die richtige Spur. Aber ich muss die Konsequenzen dafür auch tragen (wollen). Das Ergebnis wird wahrscheinlich doch wieder anders aussehen als ich es jetzt erwarte. Ich denke, hier liegt der Schlüssel für das Dilemma. Den Knoten der Gefühle, Ängste, Scham und was sonst noch dazu gehört, ist nicht zu entwirren. Er erdrückt mich. Aber der Knoten ist nur in mir und er hindert mich, der (oder die ;-) ) zu werden, die ich sein könnte.
Liebe Vicky,
Du sprichst mir aus dem Herzen, alle Aspekte die mich bewegen, das Dilemma und das ich es (zunächst) für mich klären/lösen muss. Herzlichen Dank für die Worte! Manchmal ist bei mit viel Verwirrung in den Gedanken, hier bringst du (alles) auf den Punkt. (ki)

Liebe Grüße
Julia

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Do 22. Aug 2024, 09:33
von ExUserIn-2026-04-08
Tira hat geschrieben: Do 22. Aug 2024, 09:01 Aber wer auf Kriesen steht, brauch das vieleicht.
:)p
LOL, es geht nicht drum, auf was ich stehe, sondern was ich brauche, um endlich die notwendigen Schritte zu gehen.
Tatsächlich ist mir momentan auch nicht gänzlich klar, was ich wirklich will
Das kann ich nur bejahen. Es ist ja nicht so, dass wir gar nicht reden, aber es ist noch nicht der Kern erreicht. Für mich heißt der Selbstwert und macht sich daran fest, wie ich mich in der Öffentlichkeit oder alleine fühle und wie sich das verändert, wenn ich in dieser Frage meiner Frau gegenüberstehe. Der eklatante Unterschied zeigt mir, dass ich mir meiner nicht sicher und wert bin. Erst im Laufe der Zeit kam ich mehr und mehr dahinter, dass es so ist. Überwunden habe ich es noch nicht.
Klar muss sich jede/r erstmal über sich selbst Gedanken machen, aber häufig wird das sehr sehr lange gemacht. Wir reden ja hier nicht nur über das typische Outing, sondern auch über Partnerschaft, oder?
Ich will es noch enger fassen. Es geht nur um die Partnerschaft. "Geoutet" bin ich schon lange. Erste Anfänge dazu gab es bereits nach dem Kennenlernen. Ich weiß, dass es meiner Frau nicht leicht fällt, aber auch das ist nicht der Punkt. Das ist ihr Thema in diesem Kontext. Darüber will ich nicht spekulieren. Es sind meine Ängste und mein geringer Selbstwert, der mich bisher hinderte. Das ändert sich gerade vehement. Ich habe das Leben, das zu mir gehört und das ich leben will. Es gibt eine beliebte Frage, was ich denn ändern würde, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte. Die Antwort ist ganz einfach geworden: Nichts, aber auch gar nichts. Es ist gut so, wie es ist. Mein "Unbehagen" ist "nur" der Antrieb, es auch frei und selbstbewusst zu leben.

Dieses Bewusstsein ist für mich ziemlich neu. Bisher habe darum gerungen, jetzt habe ich Schritte gemacht und ich fühle mich viel stärker damit. Und Du hast Recht: Jetzt ist das Gespräch dran. Es ist mir dabei nicht egal, ws meine Frau denkt und fühlt. Aber ich denke, es ist wichtig, eine eigene Position gefunden zu haben. Mit den Konsequenzen kann ich dann auch besser leben. Hoffe ich. Ich habe vielleicht Entscheidungsmöglichkeiten, aber im Grunde ist es alternativlos. Ich bin ich. Aber der Weg dahin ist ziemlich lang gewesen und sicher auch noch nicht zu Ende. Und durch diese Erkenntnis fühle ich mich lebendiger. Ich trauere nicht den 63 Jahren hinterher, die ich bisher gelebt habe. Ich lebe im Augenblick im Jetzt und das fühlt sich gut an. (cow) Der Weg bis hierher, habe ich so gebraucht. Mit allen Krisen :)p und ich vertraue darauf, was in vielen Ratgebern steht: wir stehen mit unseren Partner/innen in etwa auf Augenhöhe. Das öffnet uns die Möglichkeit durch und in der Partnerschaft weiter zu kommen.

So, und nun kommen nach den vielen Worten die Taten ...

@Julia: Das Schreiben reicht nicht, aber es hilft mir, die Gedanken zu ordnen ... ))):s

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Do 22. Aug 2024, 10:06
von ExUserIn-2026-04-08
Ich möchte noch einen Gedanken ergänzen. Meine Frau fragte mich einmal, warum ich weibliche Kleidung trage und warum ich denke, dass mich das zur Frau macht. Ich konnte keine befriedigende Antwort geben, wusste aber doch, das der Gedanke falsch war.

Heute fühle und denke ich, dass es nicht um die Frage geht, was ein Mann ist und was eine Frau. Es geht auch nicht um die Frage, ob ich ein Mann bin oder eine Frau.


Ich bin ich und ich suche mir aus beiden Töpfen das heraus, was am besten zu mir passt und was am besten wiederspiegelt, wie ich empfinde. Dazu nutze ich die gesellschaftlichen Möglichkeiten. Die "Töpfe" sind durch die Gesellschaft geprägt. Es ist mein Vokabular. Andere Töpfe würden mich möglicherweise zu einem anderen Menschen machen, aber ich würde sie sicher anders nutzen als ich es heute tue. In Schillers Gedicht "Würde der Frauen" beschreibt er aus seiner Sicht bzw. Zeit die Rolle von Mann und Frau. Ich finde in beiden das, was mich aus macht. Das können wahrscheinlich die meisten Menschen sagen. Rollen und Biologie machten damals wenig Unterschied. Heute sind wir da ein ganzes Stück weiter.

Die Negierungen, die ich oben fett schrieben habe, führen doch zu der Frage, was denn zählt. Und hier mache ich den Anschluss an meinen letzten Beitrag. Es geht darum Wertungen aufzuheben und die Bindung Rolle - Biologie aufzuheben. Alter Hut, ich weiß ... aber für mich war es ein besonderer Augenblick als ich erkannt habe, dass damit kein (Selbst-)Wertverlust verbunden ist, wenn ich nicht den Archetypen entspreche. Das ist das Entscheidende für mich. Ja, auch das ist nicht neu, aber mich beschleicht der Verdacht, dass diesen Schritt noch viele unter uns gehen müssen. Ich bin damit auch noch nicht fertig und habe die Weisheit auch nicht mit Löffeln gegessen.

Es geht um das innere Gefühl, das ich so wie ich bin richtig und wertvoll bin. Ob meine Partnerin das auch so sieht, muss sie selber entscheiden.


Auch nicht neu ? Ja, aber man kann es mMn nicht oft genug sagen... Hier zu schreiben und zu lesen, macht mich stark, gerade auch, wenn die Antworten kritisch sind. Ich bin nicht mit der Stärke auf die Welt gekommen. Aber ich habe sie mir mit der Hilfe anderer, erarbeitet. Jetzt gilt es, etwas daraus zu machen ...

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Do 22. Aug 2024, 10:08
von Susi T
Hmm schwer. Ich hab den Eindruck ich rede gegen eine Wand.
Für mich ist Beziehung anders. Ich spekuliere nicht über die Lage meiner Partner/in aber ich rede mit ihr und schieb das Thema nicht weg. Über ihre Ängste/Befindlichkeiten und über meine. Überall wo das nicht rechtzeitig und gut geklappt hat ist es den Bach runter gegangen.
In einer Partnerschaft in der erst ewig lange abgewartet wird, würde das nicht klappen, auch wenn auf meine Befindlichkeiten Rücksicht genommen werden würde, denn Rücksicht und Kompromisse sind nur Notbehelfe wo anderes nicht funktioniert.
Aber jeder Mensch ist anders und jede Beziehung wird anders gelebt.
Ich kann nur für mich selbst sprechen und mir ist es wichtig bei schwierigen Themen mitgenommen zu werden, um so früher um so besser. Ich teile mein Leben mit einem mir sehr lieben Menschen und möchte nicht ausgeschlossen werden.
Für mich wäre es Horror wenn ich mit abgeschlossenen Gedanken und fertigen Planungen abgefertig werden würde, untermauert von Bücherwissen überrollt und dominiert. Wo würde ich bleiben?

(Mir ist bewusst, das in vielen Beziehungen die hier geführt werden die Forumsteilnehmenden sehr viel Rücksicht in der Partnerschaft nehmen, meiner Meinung nach sich und ihre Bedürfnisse viel zu weit unterordnen. Aber ich bin der Meinung das eine Beziehung auf Augenhöhe auch ein Miteinander sein kann/sollte und sowas braucht Pflege und gemeinsame Entwicklung.)

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Do 22. Aug 2024, 10:30
von ExUserIn-2026-04-08
Tira hat geschrieben: Do 22. Aug 2024, 10:08 Hmm schwer. Ich hab den Eindruck ich rede gegen eine Wand.
Hmmm, Tira, ich glaube ich auch ... (888) Ich meine genau das, was Du beschreibst. Es geht nicht um Bücherwissen (auch wenn das sehr hilfreich sein kann) oder feste Planungen (eine Idee zu haben, ist nicht schlecht, aber es kommt sowieso anders). Es geht mir um die Selbstakzeptanz der eigenen "Struktur", die die Basis für fruchtbare Gespräche bildet. Ich stimme mit Dir überein, dass zu langes Warten die Beziehung beenden kann. Und ich glaube auch das die eigenen Bedürfnisse (und die der Partnerin) nicht untergeordnet werden dürfen. Das erscheint vielen aber nicht möglich, da sich die Bedürfnisse auszuschließen scheinen. Wir müssen alle damit umgehen, dass in der Partnerschaft solche Differenzen vorhanden sind. Aber es ist leichter, wenn jede/r sich der eigenen Bedürfnisse klar ist und sie ruhig beschreiben kann. Damit ist noch keine Forderung an eine Anpassung verbunden, von keiner Seite. Das ist schon die halbe Lösung, denn wir können den Anderen erkennen ohne zu urteilen. Das halte ich für zentral, aber nicht einfach.

Soweit wir ihr seid, sind mMn nicht viele. Das was für Dich selbstverständlich ist, suchen noch viele. Ich habe das Gefühl, dass ich an der Schwelle stehe. Letztlich mache ich mir Mut, auch die Schritte zu gehen und Ängste hinter mir zu lassen. Es fühlt sich jedenfalls schon gut an. (flo)

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Do 22. Aug 2024, 13:11
von Julia Lacourt
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 22. Aug 2024, 09:33 @Julia: Das Schreiben reicht nicht, aber es hilft mir, die Gedanken zu ordnen ...

Unbedingt! Aber nur wenn die Gedanken klar sind, gibt es einen Weg. Und wenn ich mir meiner Ängste und ggf. Scham bewusst bin, kann ich daran arbeiten. Dann auch gemeinsam.

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Do 22. Aug 2024, 13:55
von Susi T
Das kann ich gut verstehen Vicky, ich hab mich da vieleicht vom Titel etwas verführen lassen. Natürlich kann ich in einer neu gestarteten Beziehung anders agieren, auch wenn es sicherlich nicht so leicht war/ist wie man sich das vorstellen mag und ohne unsere Erfahrungen (und ohne so manch hier geschilderte Vorgehensweise) hätte es wohl nicht so geklappt.

Dann reden wir hier im wesendlichen über die post Outingzeit?
Nicht einfach da auf Augenhöhe zu kommen, aber das ist ja schon beim Outing so.
Oft sind da einfach schwer überwindliche Hindernisse.
Neben dem Thema Sexualität(vorallem die Angst vor Veränderungen) gibt es dabei auch die Stellung der Frau in der Gesellschaft, in Frauengruppen meist sehr stark ausgeprägt, vorallem bei Älteren.
Da ist die Frau Doktor meist die Frau des Doktors, die Frau mit Doktortitel wird zwar auch akzeptiert, aber höchstens auf gleicher höhe wie vorgenannte. Die Frau der Doktorin, die vorher Doktor war bedeutet da schnell Gesellschaftlichen Abstiegt, da sind Frauen untereinander häufig recht deutlich in ihren Reaktionen.
Wenn ich was in einer Versammlung über technische Dinge zu sagen hab, hören die Männer in der Regel noch einer großen selbstsicheren kompetenten Frau zu, bei den Frauen sind es oft nur die selbstbewussten/eigenständigen die sich nicht abwenden.
Die Ängste der Partnerin zu nehmen ist schwer und um so unsicherer wir sind, umso schwerer ist es.
Ich hab das Glück das mein Schatz selbstbewußt mit allem umgeht, das steckt an. Ob ich mir die Ballkönigin oder den Ballkönig geschnappt hab ist mir fast egal, denn eigendlich hab ich mir den Doppelpack gegönnt und strahl das auch aus.
Ich hab aber auch keine Gesellschaftliche Stellung zu verteidigen, muss nichtmehr Angst haben das ich Menschen auf meinem Weg verliere. Selbst der Gegenwind an meinem Wohnort hat sich zu einem unterstützenden Lüftchen entwickelt.
Ich weiß aber auch das das bei mir anders ist/war, ich hatte keine Wahl, zumindest war für mich ein nach ü70jährig aussehender im sterben liegender Opa kein Konzept was ich länger verfolgen wollte und meine alte Ehe war schon lange in Trennung. Da was völlig Neues anzufangen und klar zu gehen ist einfacher, wenn auch nicht in dieser Form gewöhnlich^^
Wünsch dir die Stärke deinen Weg zu gehen und hoffe das deine Frau diesen mit dir gehen möchte.
Liebe Grüße, Tira (flo)