Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Wie finde ich raus, ob ich trans* bin? - # 3

Lebensplanung, Standorte
Sabrinaxxx
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 31 im Thema

Beitrag von Sabrinaxxx »

Hallo,
nach meiner Meinung, kann dieses nur jemand für sich selbst herausfinden. Auch Hilfestellungen durch "Fachleute" wie Psychologen, andere Transpersonen oder, oder, können maximal Wege aufzeigen. Aber in jemanden hineinschauen ist leider nicht drin. Auch nicht mittels Röntgen, MRT usw.. Sonst hätte ich dies auch schon als Jugendlicher gemacht. Aber so bin ich, nachdem Durchleben einiger Wellen mit sehr großen Höhen und tiefen Tiefen und nachdem ich alles versuchte "es" wegzumachen - durch Extremsport und überzeichnete "Männlichkeiten" - doch immer wieder an den Punkt mit genau dieser Frage zu stehen gekommen. Und weil ich nun leider "nicht mehr kann" lebe ich, soweit irgend möglich, meine innere Weiblichkeit. Und wenn "Gott will", werde ich am kommenden Montag die Medikation zur Hormontherapie bekommen und dann auch anwenden. Und ich für meinen Teil, bin mit meinem Werdegang auch dahingehend zufrieden, weil es mir ermöglichte, eine Gewissheit zu erlangen und "meine Seele" auf dem Weg mitzunehmen. Dies kann natürlich und ist mit Sicherheit auch so, von jeder anders gesehen und gefühlt werden. Von daher sehe ich die Aufgabe allein bei der, welche die Frage stellt, diese Frage auszutesten (siehe vorstehende Post's), und dann auch selbstverantwortlich Ihren Weg zu gehen. Jedoch, nach meiner Meinung gibt es leider keinen anderen Schlüssel um diese Frage aufzuschließen.Aber: meine Meinung.
Viele Kraft, liebe Franziska für Deinen Weg und viel Erfolg an eine gute Therapie zu gelangen.
Sabrina
SylviaMz
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 32 im Thema

Beitrag von SylviaMz »

Hallo zusammen,

zur Zeit stehe ich in Sachen Identitätsfindung vor einem Problem, das ich als "Logikproblem" bezeichnen würde.

Es ist ja so, dass es die gefühlte Identität gibt. So wie ich es verstehe, hat diese Identität nichts mit meinem Äußeren zu tun. Ich kann also eine männliche Erscheinung haben, mich aber trotzdem weiblich fühlen.
Wenn nun meine gefühlte Identität "weiblich" wäre , wäre es dann nicht egal, in welcher Kleidung ich herumlaufe?

Sehe ich das richtig oder habe ich hier irgendwo einen Denkfehler?

Viele Grüße
Sylvia
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Patricia
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 33 im Thema

Beitrag von Patricia »

Wie fühlt sich eine Frau, wie fühlt sich ein Mann, wie fühlt sich eine nicht binäre Person?
Ich weiß es nicht. Was ich jedoch weiß ist, dass ich mich dem weiblichem Geschlecht deutlich mehr zugehörig fühle als dem männlichen. Ich bin mir dessen bewußt, dass ich sehr männlich sozialisiert wurde und mich manchmal auch recht maskulin benehmen kann. Ich fühle mich den Frauen zugehörig und dennoch bin ich nicht ganz so wie sie es sind. Ich fühle mich den Männern so gar nicht zugehörig und dennoch weiß ich, dass ich so manches Mal auch maskulin reagiere.

Die Geschlechtsidentität ist ein Spektrum und man kann sich irgendwo zwischen den verschiedenen Polen befinden.
Wenn ich mich zwischen männlich, weiblich und nicht binär einordnen soll, dann tue ich das schon seit langem sehr im Bereich des weiblichen. Wenn ich die körperliche Realität miteinbeziehe, dann verändert sich das leider etwas in die männlichere Richtung. Ich habe schon vor einiger Zeit aufgehört mir die Frage zu stellen was ich bin. Stattdessen hinterfrage ich hin und wieder ob der vor ein paar Jahren gewählte Weg immer noch der richtige ist. Denn Fakt ist, ich werde nie eine CIS-Frau werden und das macht mir zu schaffen wenn ich versuche wie eine zu werden. Stattdessen bin ich einfach ich.

Das Leben als Mann war für mich irgendwann einfach nur noch unerträglich. Ich wollte nicht mehr. Alles in mir hat mein damaliges Leben gehasst. Ich habe mich gehasst, dafür nicht das Leben zu führen welches ich leben will. Ich habe die Person im Spiegel abgrundtief gehasst. Ich wollte als Frau leben und als eine solche wahrgenommen werden. Ich wollte unbedingt die HRT, damit sich Dinge in mir ändern. Ich wollte, dass meine Gefühle sich endlich richtig anfühlen, denn die Gefühle, die ich damals empfand, waren mir oft fremd. Ich kann es nicht erklären. Die eine oder andere wird es aber vielleicht verstehen. Ich spürte in mir oft einen Hauch von Gefühlen, die ich passend empfand, aber bevor ich sie auch nur richtig empfinden konnte, verflogen sie immer wieder und an ihre Stelle trat eine Leere ...
Ich wollte, dass mein Körper sich verändert und weiblicher wird, ich wollte, dass meine männliche Sexualität, die mir so fremd war, verschwindet. Deswegen wollte ich unbedingt eine HRT.

Ich wollte endlich Frieden in und mit mir selbst.

Ich bin jetzt seit 4,5 Jahren in der Hormontherapie und lebe seit 5 Jahren 24/7 als Frau. Ich habe es nie bereut. Mir geht es seelisch deutlich besser als die ganzen Jahre davor. Meine Gefühle fühlen sich endlich passend an. Auch wenn sie manchmal schwerer zu handhaben sind als früher :) Ich mag die Person welche ich im Spiegel sehe, der Hass ist verschwunden. Ich weiß, ich lebe endlich mein Leben, auch wenn es nicht ganz so ist wie ich es mir gewünscht hätte, aber es ist MEIN Leben und nicht das Leben, das andere für mich wollen.

Warum ich das alles schreibe? Weil ich damit ausdrücken will, dass man wirklich tief in sein Innerstes blicken sollte und ergründen sollte, was die Auslöser und Beweggründe sind. Und bei dieser Selbstfindung sollte man sich Zeit lassen und wirklich ehrlich zu sich selbst sein. Detailliert jeden Aspekt des eigenen (Er)Lebens anschauen und analysieren.

Manchmal stecken auch andere Beweggründe hinter unseren Wünschen und es ist wichtig diese ggfs. zu erkennen.

In den Jahren, in denen ich mich mit der Thematik beschäftige, habe ich auch Menschen getroffen, für die die Transition nur eine Flucht aus dem alten Leben war, die Flucht vor den Problemen des Alltags. Solche Menschen bereuen Ihre Transition manchmal, wenn sie irgendwann erkennen, was sie dazu getrieben hat. Eine Transition wird die Probleme des Alltags nicht lösen, denn diese sind vom gelebten Geschlecht unabhängig.

Kurzum, geh in dich hinein und horche kritisch hinein. Überlege, warum dich die Frage der eigenen Identität beschäftigt. Überlege, ob es nicht auch schöne Seiten deines bisher gelebten Geschlechts ist und wie wichtig sie dir sind. Probiere Dich aus. Verändere dein Erscheinungsbild schrittweise und hinterfrage jedes mal, wie es Dir damit geht. Lebe eine Zeit lang komplett als Frau und frage dich, ob es das ist, was du wirklich willst, und was die Gründe dafür sind.

Ebenso kann ich nur empfehlen sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen und sich ggfs. einen guten Therapeuten zu suchen, der dich bei der Selbstfindung begleiten wird. In beiden Punkten ist es aber enorm wichtig das erhaltene Feedback sehr genau zu prüfen, denn es gibt leider auch da welche, die nur Blödsinn erzählen, wie toll alles sei etc.
An dieser Stelle will ich auch anmerken, dass ich persönlich denke, dass kein Therapeut die Hormone nach ein, zwei Sitzungen befürworten sollte, außer in wenigen Ausnahmen. Ich habe meine Hormone nach 5 Sitzungen bekommen, aber ich war zu 100% sicher, dass ich das will. Ich hatte sogar Zugang zu Hormonen vor der Freigabe, habe aber freiwillig darauf verzichtet um mich selbst zu hinterfragen, ob es das Richtige für mich sei.

LG
Patricia
Malvine
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 34 im Thema

Beitrag von Malvine »

Hallo Sylvia,
es liegt in unsere Eigenheit als Individuum, sich als ganzheitliches Wesen zu repräsentieren. Egal ob sportlich, naturverbunden, ökologisch, elegant, usw.... wir zeigen es immer auch in unserer Kleidung nach außen.
Und umgekehrt unterstützt uns Kleidung auch sich besonders zu fühlen, wie zB bei festlicher Kleidung.
Oft suchen wir unsere Kleidung einfach nach ihrem praktischen Nutzen aus.... deshalb greifen Frauen auch sehr oft zu Hosen anstatt zum Rock...und sie überlegen nicht, on sie sich jetzt besonders männlich fühlen wollen.

LG
Malvine
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 35 im Thema

Beitrag von SylviaMz »

Hallo Malvine,
Malvine hat geschrieben: So 8. Dez 2024, 14:36
es liegt in unsere Eigenheit als Individuum, sich als ganzheitliches Wesen zu repräsentieren. Egal ob sportlich, naturverbunden, ökologisch, elegant, usw.... wir zeigen es immer auch in unserer Kleidung nach außen.
stimmt, Kleidung ist individuell und dient dazu, sich zu repräsentieren. Das ist ein guter Anhaltspunkt!

Viele Grüße
Sylvia
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 36 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ich denke, Kleidung ist auch eine Form von "Selbstgespräch". Im Spiegel sehen wir ein Gegenüber, das wir selber sind. Das ist aus meiner Sicht der erste Schriit. Er kommt noch vor dem nach Außen gehen. Wir versichern uns, dass wir die Person sind, die wir darstellen (wollen). Das ist vielleicht der Grund für die Bedeutung von Spiegel in unserem Leben.

Auf der anderen Seite hat die Frage, was männlich oder weiblich ist, eine philosophische Dimensionen. Stellvertretend möchte ich Simone de Beauvoir oder Judith Butler nennen. Aber es gibt natürlich noch wesentlich mehr. Geschlecht als Konstruktion, als gesellschaftlich geprägte Ebene. Dann gibt es die biologisctische Sicht, für die es auch viele Vertreter zu nennen wären. Es gibt eine politische Ebene, die sich gemäß der eigener Vorstellungen unerschiedlichen Perspektiven bedienen. Wenn wir nicht klären, über was wir reden, kann man nur schwer einen Konsenz finden.

Und da sind die Prägungen, die jede/r von uns in sich trägt und nicht selten stehen die im Widerspruch mit dem was wir fühlen. Suchen wir Weiblichkeit, weil wir Männlichkeit (in welcher Dimension auch immer) ablehnen ? Oder ist da wirklich so etwas wir Weiblichkeit intrinsisch in uns vorhanden ?

Leiden wir daran oder leiden wir, weil wir die verschiedenen Ebenen nicht unter einen Hut bekommen ? Wir sind als soziale Wesen auf den Kontakt und die Akzeptanz von anderen angewiesen. Kleine Kinder wollen es den Eltern recht machen, um geliebt zu werden. Bereits da merken wir, dass wir uns Libe "verdienen" müssen. Und das geht übertragen auch im Erwachsenenleben weiter. Wir leiden nicht selten darunter, das wir nicht angenommen sind (oder wir glauben, dass wir nicht angenommen sind), wie wir uns selber sehen. Da sind deswegen Angst und Scham, die bewältigt werden müssen. Selbst nach Jahrzehnten der Bearbeitung, sind da bei mir noch immer Reste vorhanden, besonders weil ich mir noch immer nicht sicher bin, was ich nun eigentlich bin.

Vielleicht geht es auch gar nicht darum, zu wissen, wer man ist, sondern um den Weg, das heraus zu bekommen und sich auf die Dinge im Leben einzulassen, die in mir hochkommen und die von außen auf mich zukommen. Müssen wir "perfekt" sein ? Müssen wir wirklich wissen, wer wir sind ? Oder reicht es nicht, das zu leben, was ich gerade spüre ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 37 im Thema

Beitrag von SylviaMz »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 9. Dez 2024, 07:36 Und da sind die Prägungen, die jede/r von uns in sich trägt und nicht selten stehen die im Widerspruch mit dem was wir fühlen. Suchen wir Weiblichkeit, weil wir Männlichkeit (in welcher Dimension auch immer) ablehnen ? Oder ist da wirklich so etwas wir Weiblichkeit intrinsisch in uns vorhanden ?
Für mich sind die gefühlte Identität und die Kleidung manchmal ein Widerspruch, weil nicht die Kleidung die Ursache dafür ist, wenn ich meine weibliche Seite spüre.
Vielleicht ist mein Problem, dass ich das alles nicht über logische Schlussfolgerungen herausfinden kann.
Wenn ich non binär bin, warum möchte ich dann in meinem Stammlokal nur als Frau erscheinen?
Wenn ich dort nur als Frau erscheinen will, warum habe ich nicht das gleiche Bedürfnis auf der Arbeit?
Auf der Arbeit hätte ich keinen Vorteil, wenn ich dort als Frau unterwegs wäre. Es wäre einfach unnötig.
Aber vielleicht hängt in meinem Fall auch vieles mit meinem Charakter und meiner Lebensgestaltung zusammen. Kann das sein?
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 38 im Thema

Beitrag von Susi T »

SylviaMz hat geschrieben: Mo 9. Dez 2024, 08:08 Wenn ich non binär bin, warum möchte ich dann in meinem Stammlokal nur als Frau erscheinen?
Wenn ich dort nur als Frau erscheinen will, warum habe ich nicht das gleiche Bedürfnis auf der Arbeit?
Vielleicht gibt es hier auch einfache Erklärungen, wenn man zu den normalen Verhaltensweisen einer Frau in der Heutigen Zeit schaut.
Im Alltag wird häufig einfache Kleidung getragen, weil es praktisch ist, Schuhe die bequem sind, Klamotten im Schlabber oder Oversize Look, einfach Streßfrei und nur wenn die Lust vorhanden ist sich chick zu machen wird auch Mal mehr getan. Bei jungen Frauen ist das ausleben der Weiblichkeit Häufiger, als bei älteren in festen Beziehungen.
Also ist es vielleicht gar nicht so unnormal.
Ich selber präsentiere mich auch gerne so wie ich mich fühle, oder wie ich mich fühlen möchte. Klamotten als Katalysator meines Selbst, um mir das Denken und Fühlen zu erleichtern.
Gekleidet wie eine grauen Maus fallen manche Interaktionen schwerer und ich neige dazu mich zu bremsen. Also manchmal gewünscht, aber manchmal eben auch fehl am Platz.
Das hilft nicht herauszufinden ob man trans ist, aber es hilft vielleicht sich besser zu fühlen, indem man mit Kleidung und Äußeren spielt und zu positive Interaktionen mit der Außenwelt kommt.
Ein gestärktes Selbstbewusstsein kann es dann erleichtern Dinge über sich selbst herauszufinden und seinen eigenen Weg zu finden.
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 39 im Thema

Beitrag von SylviaMz »

Tira hat geschrieben: Mo 9. Dez 2024, 09:57
SylviaMz hat geschrieben: Mo 9. Dez 2024, 08:08 Wenn ich non binär bin, warum möchte ich dann in meinem Stammlokal nur als Frau erscheinen?
Wenn ich dort nur als Frau erscheinen will, warum habe ich nicht das gleiche Bedürfnis auf der Arbeit?
Vielleicht gibt es hier auch einfache Erklärungen, wenn man zu den normalen Verhaltensweisen einer Frau in der Heutigen Zeit schaut.
Im Alltag wird häufig einfache Kleidung getragen, weil es praktisch ist, Schuhe die bequem sind, Klamotten im Schlabber oder Oversize Look, einfach Streßfrei und nur wenn die Lust vorhanden ist sich chick zu machen wird auch Mal mehr getan.
Darauf auchte ich auch. Wenn ich mir die Frauen anschaue, die mir entgegen kommen, dann ist ja auch nicht jede gleich und jede hat ihren eigenen Stil. Viele von denen laufen daheim vermutlich auch nicht immer mit den neuesten Klamotten herum, sondern mögen es lieber bequem.
Als Mann trage ich daheim immer bequeme Kleidung. Selbst eine Jeans finde ich dann nicht mehr bequem. Erst wenn ich die Wohnung verlasse ziehe ich etwas anderes an. Daher kann es sein, dass ich diese Angewohnheit auch in meiner Frauenrolle beibehalten habe.
Und bevor ich mir eine Jogginghose in rosa kaufe, kann ich ja erstmal die vorhandenen schwarzen Jogginghosen aufbrauchen. *lach*
Tira hat geschrieben: Mo 9. Dez 2024, 09:57 Bei jungen Frauen ist das ausleben der Weiblichkeit Häufiger, als bei älteren in festen Beziehungen.
Also ist es vielleicht gar nicht so unnormal.
Ja, das denke ich auch.
Tira hat geschrieben: Mo 9. Dez 2024, 09:57 Ich selber präsentiere mich auch gerne so wie ich mich fühle, oder wie ich mich fühlen möchte. Klamotten als Katalysator meines Selbst, um mir das Denken und Fühlen zu erleichtern.
So ist das bei mir auch und ich genieße es, dass ich als Frau einfach mehr Möglichkeiten habe.

Tira hat geschrieben: Mo 9. Dez 2024, 09:57 Das hilft nicht herauszufinden ob man trans ist, aber es hilft vielleicht sich besser zu fühlen, indem man mit Kleidung und Äußeren spielt und zu positive Interaktionen mit der Außenwelt kommt.
Ein gestärktes Selbstbewusstsein kann es dann erleichtern Dinge über sich selbst herauszufinden und seinen eigenen Weg zu finden.
Ja, diese Erfahrung habe ich auch gemacht.
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 40 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Tira hat geschrieben: Mo 9. Dez 2024, 09:57 Ein gestärktes Selbstbewusstsein kann es dann erleichtern Dinge über sich selbst herauszufinden und seinen eigenen Weg zu finden.
Und wie gesagt, da spielen Angst und Scham sicher eine nicht zu vernachlässigbare Rolle, wenn es um die (Selbst-?)Einschränkung der eigenen Persönlichkeit geht.

Im Übrigen kleidest DU dich so, wie DU es für angemessen ansiehst. Das ist wirklich nicht ungewöhnlich. Es ist nicht zwingend, dass Du Dich in allen Lebenslagen stringend kleidest. Manche Fragen lösen sich, wenn man locker ist oder auch einmal Abstand nimmt. Ich habe für mich entdeckt, dass das Nachdenken über Gründe und Ursachen viel damit zu tun hat, eine Art "Schuld" durch äußere Umstände zu finden. Dann kann ich nämlich nichts dafür. Aber viel wichtiger ist die Verantwortung, die ich für mich jetzt und heute habe. Konkret heißt das für meine Kleidung, dass ich das trage, womit ich mich fühle und wie ich es für angemessen halte. Punkt, Ende der inneren Diskussion. I did it my way. Schau Dir den Text einmal an ...

https://www.google.com/search?client=fi ... -pZ1xIg%3D

Wenn man dem äußeren Druck nachgibt, macht man es sich (scheinbar) leicht ... und leidet am Inneren und belügt sich selber.
Wenn man auf das Innere hört, leidet man (vielleicht) am Äußeren... und ist sich selber treu.

Ob es wirklich so schwarz-weiß ist, weiß ich nicht, aber es geht auch nur um den Kern, der dahinter steht.

Die Wahl liegt bei Dir.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 41 im Thema

Beitrag von SylviaMz »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 9. Dez 2024, 10:30 Ich habe für mich entdeckt, dass das Nachdenken über Gründe und Ursachen viel damit zu tun hat, eine Art "Schuld" durch äußere Umstände zu finden.
Was wäre ein Beispiel für einen äußeren Umstand?
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 42 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ich denke da z.B. an mögliche Prägungen aus der Kindheit oder genetische/epigenetische Ursachen für das Transsein. Gäbe es eine solche Ursache, könnte ich sagen, "ich kann ja nichts dafür, weil ..." Und damit kann eine Verschiebung der Verantwortung einhergehen, die mich daran beschränkt, heute so zu mir zu stehen, wie ich mich wirklich fühle. Aus der notwendigen Verantwortung heute, wird eine Schuld, die ins Gestern verlegt wird.

Ursachenforschung ist spannend, aber sie entbindet mich nicht davon, heute so zu leben, wie es mir gerecht wird. Das meine ich mit dem Unterschied Schuld und Verantwortung. Das gilt übrigens aus meiner Sicht aus in Beziehungen.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 43 im Thema

Beitrag von SylviaMz »

Hallo zusammen,

gerade fällt mir noch eine Situation ein, die vielleicht ein Anhaltspunkt für meine Identitätsfindung sein könnte.

Vor über einem halben Jahr war ich eine Weile mit einem Mann zusammen. Der Mann hat mich als Frau kennengelernt. In meiner Wohnung war ich aus praktischen Gründen nicht immer Frau. Irgendwann fragte er auch nach meinen Männernamen, den ich ihm nannte.
Irgendwann rief er mich mit diesem Männernamen in einer Situation, in der ich nicht wie die Frau aussah. Das fand ich total unangenehm und ich bat ihn darum, mich immer "Sylvia" zu nennen, obwohl er einen Mann sieht.

Mittlerweile verfahre ich so:
Leute, die mich nur als Frau kennen, kennen sowieso nur meinen Frauennamen.
Leute, die mich als Mann kennenlernen und später als Frau, verwenden den Namen, der gerade zum Erscheinungsbild passt.
Leute, die mich als Frau kennenlernen, mich aber irgendwann auch mal als Mann sehen, sollten mich unter vier Augen möglichst mit meinem Frauennamen ansprechen.
Leute, die mich nur als Mann kennen, nennen mich bei meinem Männernamen.

Lässt sich von diesen Regeln eigentlich etwas ableiten oder erkennen?

Liebe Grüße
Sylvia
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 44 im Thema

Beitrag von Jaddy »

SylviaMz hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 14:50 Lässt sich von diesen Regeln eigentlich etwas ableiten oder erkennen?
Hm 🤔 dass du deine eigenen Regeln setzt? Du hast mehrfach beschrieben, wie der Kontext dich beeinflusst. Wo bist du, worum geht's, mit wem bist du zusammen. Ich fabuliere mal: Vielleicht sind für dich Tätigkeiten und Orte stärker mit deiner ambivalenten Wahrnehmung deines Genders verknüpft als bei anderen. Anders herum formuliert: Nicht so genderfluide Menschen machen alle (oder mehr) Dinge in einer Rolle. Du - sorry, überspitzt formuliert und nur meine Interpretation - ziehst die für dich passende Rolle je nach Situation an.

Auf der Arbeit trägt "als Frau" nichts zum Ergebnis bei. Ob du da "ganz Mann" bist oder einfach im Default Modus wäre eine Frage. In bestimmten Freizeitbereichen hingegen möchtest du die andere -hm- Gefühlslage ausleben. Kleidung ist mindestens symbolisch, aber nicht bestimmend, wenn ich das richtig wahrgenommen habe. Du bist dort fraulicher, bzw mehr das, was du als fraulich fühlst.

Bist du trans? Es gibt mehrere Antworten. Nach der Definition, dass jede Abweichung von "ich bin im Zweifel jederzeit 100% mit meinem damals zugewiesenen Geschlecht d'accord", kannst du dich durchaus als trans bezeichnen. Es ist bei dir kein reines Hobby. Auch wenn du keine therapiebedürftige Dysphorie verspürst, könntest du kaum "ohne", richtig?

Vielleicht ist es wichtiger, was deine Antwort für dich bedeutet :)
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 45 im Thema

Beitrag von SylviaMz »

Vielen Dank für Deine Antwort. Ich finde das, was Du schreibst, recht treffend. Orte sind anscheinend tatsächlich wichtig für mich.
Es scheint bei mir von der Situation abzuhängen. Allerdings bin ich auch ein pragmatischer Mensch und tue meist das, was in der jeweiligen Situation am sinnvollsten für mich ist.
Der Grund, warum ich vor ca. drei Jahren wieder als Frau unterwegs sein wollte: Ich erhoffte mir, dass ich dann leichter soziale Kontakte knüpfen kann. So kam es auch. Deshalb genieße ich auch diese Rolle. Mein Leben ist seither einfach angenehmer geworden.

Auf der Arbeit muss ich keine sozialen Kontakte knüpfen und fühle ich mich eher als Mann, selbst wenn ich im HomeOffice arbeite. Dort bin ich konzentriert und muss Entscheidungen treffen.
In meiner Freizeit ist es so: In Situationen, in denen ich jemanden tröste oder hilfsbereit bin, fühle ich mich als Frau. Diese Momente genieße ich sehr, weil es ein sehr "wärmendes" Gefühl ist.
Bin ich mit einem Mann zusammen, für den ich Gefühle entwickelt habe und bei dem es auch so ist, fühle ich mich sehr "weiblich". Meine Stimme wird höher und ich fühle mich beschützt und "schwach". Ein Mann meinte in dieser Situation einmal: Du verhältst dich so wie eine Cis-Frau.
Unterhalte ich mich mit einer Cis-Frau, ist eher die männliche Seite aktiv. Auch hier sind es anscheinend die Situationen, die sich auf mein Gefühl auswirken. Meine Kleidung oder auch die Perücke wähle ich nach meiner Stimmung aus.

Bisher vermute ich, dass ich genderfluid bin. Die Sache mit dem Namen deutet für mich darauf hin, dass ich transgender bin. Ich denke nicht, dass es für mich ein Hobby ist. Auch ist es kein Fetisch, wie ich früher dachte. Es bedeutet mir schon mehr. Ausserdem fühle ich mich zu Transgendern im Sinne von "ich gehöre zu euch, ich mag euch" hingezogen.
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