Liebe Salmacis,
da ich wohl offensichtlich einen Teil deiner Wut ausgelöst habe, möchte ich nun auch mal Stellung nehmen:
Salmacis hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 09:53
Und noch eine "Kleinigkeit", die mich stört und auch einfach transfeindlich ist - diese Fixierung auf Geschlechtsorgane.
Ich bin mir ziemlich sicher in diesem Punkt bist du mit dem Forum d'accord. Ein Ranking, wie es möglicherweise in anderen Foren oder Gruppierungen vorhanden ist, gibt es hier nicht. Wenn solche Ansätze auch nur angedeutet werden, werden sie ganz schnell wieder zurechtgerückt.
Salmacis hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 09:53
Wer also "Transfrau" oder "Transmann" nutzt, oder auch Begriffe wie "biologische Frau", der oder die unterstützt ganz einfach transfeindliche Rhetorik, TERF-Rhetorik.
Früher wurden einige Menschen als "Krüppel" bezeichnet, bis sich die Ansicht durchsetzte, dass dieser Begriff diskriminierend ist. Dann wurden die gleichen Menschen als "Behinderte" bezeichnet, bis sich die Ansicht durchsetzte, dass dieser Begriff diskriminierend ist. Jetzt werden die gleichen Menschen als "Menschen mit körperlichen (oder geistigen) Einschränkungen" bezeichnet. Inhaltlich meinen alle diese Begriffe dasselbe, sie klingen durch jahrzehntelange Falschbenutzung nur unterschiedlich.
Der Begriff "Transfrau" wird hier im Forum völlig wertungsfrei zur Beschreibung einer ganz besonderen Gruppe von Frauen verwendet. Wenn diese Besonderheit keine Rolle spielen würde (was eigentlich wünschenswert wäre), hätte das Forum seine Existenzberechtigung verloren. Außerhalb des Forums würde ich dich sicherlich nicht als "Transfrau" ansprechen. Wenn dir dieser Begriff nicht behagt, kannst du mir gerne einen anderen vorgeben. Einige Beispiele, die ich hier schon gelesen habe: "Frau mit geschlechtlichem Migrationshintergrund", "XY- Frau". Faktisch hat dies alles die gleiche Bedeutung. Kann ein Fakt diskriminierend sein?
Nebenbei: Menschen wie ich (und ein großer Teil des Forums) wurden früher als "Transvestiten" bezeichnet. Dann setzte sich die Ansicht durch, dass dieser Begriff abwertend ist. Also wurde der lateinische Ausdruck, der sich einer Übersetzung in das Deutsche vehement widersetzt, kurzerhand ins Englische übersetzt. So entstand der "Crossdresser". Beide Ausdrücke meinen inhaltlich das gleiche, genauso wie eine ganze Reihe von Kurzbegriffen, die mit Sicherheit abwertend gemeint sind. Letzteres ist mir aber egal, da der Fakt korrekt ist. Ob jemand mich Crossdresser, Transvestit, Transe, Tunte oderTucke nennt, ist mir egal, muss mir egal sein, weil die Aussage inhaltlich richtig ist, und ich das breite Spektrum meiner Persönlichkeit nicht mehr verleugnen will.
Jetzt aber zum eigentlich kontroversen Punkt:
Salmacis hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 16:16
Ich bin weiblich, eine Frau - und es gibt bereits einen Begriff für Frauen, die ihr eigenes Kind groß ziehen: Mutter.
Wenn du Mutter ganz einfach als eine Frau definierst, die ihr eigenes Kind großzieht, kann eine Transfrau natürlich Mutter sein. Mit dieser Definition, die auf eine reine soziale Funktion abstellt, wirst du aber keinen breiten Konsens finden. Die Begriffe "Mutter" oder "Vater" sind nicht vom Geschlecht, sondern vielmehr von einer biologischen Funktion abhängig. Wie definierst du dann Vater? Ein Mann, der sein eigenes Kind großzieht? Eine Herrscharr von Erzeugern, die keine Lust haben sich um Ihre Kinder zu kümmern oder Unterhalt zu bezahlen, dürfte dieser Definition mit Freuden zustimmen, um sich ihrer Vaterschaft zu entledigen. "Mutter" oder "Vater" sind halt nicht vom kümmern abhängig.
Wenn keine Kinder dich als Mutter bezeichnen und du allgemein als Mutter anerkannt bist, ist dies erstmal in Ordnung. Aber: Hier geht es nicht um das Selbstverständnis der (Trans) Frau als Mutter, sondern um das Wohl der Kinder. Die Kinder (und auch die Kindeskinder) haben das Recht zu erfahren welche der beiden Mütter sie ausgetragen und welche den Samen gegeben hat. Dies ist nunmal ein Unterschied und kann für die Kinder oder auch spätere Generationen durchaus Relevanz haben, da es zum Beispiel Erbrankheiten gibt, die sich nur über die männliche oder die weibliche Linie vererben.
Wir müssen immer im Auge behalten, welchen Eindruck unser Tun und Reden in der cis- Welt hinterlässt.
In der cis- Welt gibt es Frauen, deren Weg zur Mutter eine neunmonatige Schwangerschaft mit körperlichen und seelischen Qualen sowie eine tagelange Geburt unter höllischen Schmerzen war. Sie haben dies aus Liebe zu ihren Kindern auf sich genommen. Diese würden sich verhöhnt vorkommen, wenn eine Frau, deren Weg zur Mutter ein eher kurzer, lustvoller Moment war, sich mit ihnen auf die gleiche Stufe stellen will.
Sie ist deswegen nicht weniger wert. Aber der Wert liegt auf einer anderen Ebene. Biologisch gesehen sind Mutter und Vater gleichwertig. Gesellschaftlich gibt es hierzu sehr unterschiedliche Ansichten, je nachdem in welchem Land, Umfeld, Zeitalter wir leben.
Da hier viel von Selbstwertgefühl die Rede war, mal folgende Frage: Bist du der Meinung, dass "Mutter sein" mehr wert ist als "Vater sein"?
Das fände ich wiederum diskriminierend. Ich habe als Vater meine Kinder gefüttert, gewickelt, beruhigt, zur Kita gebracht, bin mit ihnen zuhause geblieben damit meine Frau wieder arbeiten gehen konnte. Ich habe für meine Kinder das gleiche getan, wie meine Frau, ihre Mutter, auch. Trotzdem bin ich nicht ihre Mutter.
Wenn du es diskriminierend findest keine Mutter sein zu dürfen: Die Natur ist leider im höchsten Maße diskriminierend. Schwächere werden gefressen, Alte verhungern nur die Starken dürfen überleben. Die meisten Lebewesen werden mit einer Ausstattung versehen, die es Ihnen ermöglicht an der Vermehrung der Spezies teil zu haben. Diese Ausstattung legt das Individuum in der Regel auf eine von zwei Funktionen fest.
Wir sollten der cis- Welt nicht den Eindruck vermitteln mit der Realität zu ringen.
https://www.youtube.com/watch?v=6T7qI6AyclA[/youtube]
Liebe Grüße
Helga