Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum
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Lebensplanung, Standorte
Salmacis
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Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 1 im Thema

Beitrag von Salmacis »

Hallo zusammen,

ich schreibe das jetzt mal unter "Gefühle" denn es ist eben ein Gefühl - ein Gefühl der Wut.
Ich bin vor wenigen Tagen wieder aktiv im Forum geworden und sehe so viel transfeindliche Rhetorik, die völlig unreflektiert und unhinterfragt hier wiedergegeben wird. Und das u.a. von trans Personen selbst.
Widerspruch sehe ich selten. Vielleicht bin ich hier zu links, zu feministisch, zu intersektional für manche, aber ich muss das jetzt raus lassen, da ich sonst platze.

Erst mal das Wort "Transfrau" oder "Transmann". Sorry, aber trans/transgender/transsexuell ist ein Adjektiv. Ich bin eine Frau, die u.a. groß, braunäugig und eben auch trans ist.
Man sagt ja auch nicht "Großfrau" zu Frauen über 1,80 m sondern "eine große Frau".
TERFs nutzen "Transfrau" um Menschen wie mich von cis Frauen abzugrenzen und eine gedankliche Grenze zu schaffen. "Transfrau ist nicht Frau" - so ihre Rhetorik. Wenn man aber Frauen Attribute wie "trans" oder "cis" zuschreibt, sind alles Frauen, nur eben mit unterschiedlichen Attributen. Und natürlichen lehnen TERFs das Adjektiv "cis" ab. Das wäre ja durch die "Translobby" erdacht. Es ist aber tatsächlich einfach Griechisch, so wie das Wort trans auch.
Wer also "Transfrau" oder "Transmann" nutzt, oder auch Begriffe wie "biologische Frau", der oder die unterstützt ganz einfach transfeindliche Rhetorik, TERF-Rhetorik.

Ich denke durch genau diese Rhetorik entsteht auch das zweite Problem - trans Personen nehmen sich selbst nicht für voll (Impostersyndrom + Genderdysphorie) und verbreiten das hier auch im Forum.
Da gibt es hier tatsächlich Leute, die sagen, eine trans Frau kann nicht Mutter sein. Eine trans Frau müsse sich mit lächerlichen Konstrukten wie "Väterin" zufrieden geben. Ich glaube es hackt?!
Wie oben beschrieben, ich bin eine Frau, ich bin eine Ehefrau, ich bin eine Mutter. "Trans" ist nur eines meiner vielen Attribute und es macht mich zu nichts Schlechterem, zu nichts Geringschätzigerem als eine cis Frau. Ja mein Lebens- und Leidensweg ist dadurch ein anderer gewesen aber wieso soll ich deswegen keine Mutter sein dürfen? Oder Ehefrau?

Ich kenne dies von so vielen trans Personen. "Wäääh ich bin trans. Wäääh ich werde nie ein(e) richtige(r) Mann/Frau sein!" - doch, bist du schon. Akzeptiere dich und deine Biografie! Du bist genug! Du bist du! Hör auf dich mit anderen Leuten zu vergleichen! Höre erst recht auf deine Transition mit anderen Transitionen zu vergleichen! Oder gar mit cis Personen! Kein Wunder, dass man kirre wird und sich das Impostersyndrom breit macht gepaart mit einer schönen Schippe Genderdysphorie.

Was sollen denn eventuell junge trans Personen, die sich hier ins Forum verirren, denken, wenn sie von Nutzer:innen lesen, die 60 und älter sind und die die ganze Zeit trans Personen herabsetzen - ob bewusst oder nicht.
Was ist denn das für ein Zeichen? "Finde dich mal damit ab, dass du Mensch zweiter Klasse bist"?

Und ja, ich war selbst oft dabei und habe vor Jahren solche Rhetorik reproduziert. Auch ich musste lernen! Nicht nur Wörter sondern auch mich zu mögen und dann diese Wörter auch so zu meinen.

Das ist kein Angriff auf bestimmte Nutzer:innen, sondern einfach etwas, was mir quer durchs Forum auffiel.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und den folgenden konstruktiven und freundlichen Austausch.

LG
Nora

Ergänzung: Und noch eine "Kleinigkeit", die mich stört und auch einfach transfeindlich ist - diese Fixierung auf Geschlechtsorgane.
Wie oft ich schon lesen musste, dass ja eine "GaOP mich endlich zur Frau machte". Das regt mich auf! Eine trans Person ist nicht weniger trans und nicht weniger authentisch, nur weil sie diese OP nicht machen möchte oder eventuell schlichtweg nicht kann! Diese OP ist eine individuelle Entscheidung und mega toll, wenn es für einen funktioniert. Aber lasst solche Sprüche wie "damit ist man dann wirklich richtig Frau/Mann". Auch eine Hormonaustauschtherapie ist nicht für jeden Möglich. Facial Feminisation Surgery? Kann sich nicht jeder Mensch leisten. Und deswegen haben solche Menschen es nicht verdient mit Respekt und ihrem Geschlecht entsprechend behandelt zu werden?

Meine Transition wäre mir wesentlich einfacher gefallen, wenn ich ab der Diagnose 2015/2016 schon respektvoll als Frau behandelt worden wäre, egal wie viel Bartschatten ich noch hatte, wie tief meine Stimme war oder, dass ich keine Brüste hatte. Diese oberflächlichen Dinge haben mich selbst so sehr in meiner persönlichen Entwicklung eingeschränkt, dass ich mich nicht getraut habe ich zu sein, bevor ich nicht "genug Veränderungen" durchgemacht habe. Diese Narrative ist toxisch und wenn ich selbst vor evtl. jungen trans Personen oder welchen, die gerade erst die Diagnose bekommen haben, so rede, wie sollen die sich dann fühlen? Sicher, respektiert und willkommen? Bestimmt nicht.

Diese ungesunde und unnötige Fixierung auf biologische Merkmale ist übrigens auch immer wieder "Argument" von TERFs und faschistischen Gruppen.
Kann man sich also selbst überlegen, ob man gern ins selbe Horn stoßen möchte.
Nicole Fritz
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 2 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Toll!? - Wenn man mich als nicht-binär mit "das Menschi" tituliert, geht mir auch die Galle über. Ich bin kein Kuscheltier! Und so etwas kommt nur von anderen, die sich ebenfalls als nicht-binär verstehen.

Sonst ist es bei mir je nach Outfit "Herr" oder "Frau", wo ich erheblich besser mit klar komme. Und was wäre ich wohl, falls ich einmal Vater werden sollte? Eine die Eizelle befruchtende zweite Mutter? Wie soll man sich da bitte korrekt ausdrücken? 'Väterin' trifft es da aus meiner Sicht ganz gut.

Wenn es aber sonst nichts zum Aufregen gibt ... .

LG Nicole
Salmacis
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 3 im Thema

Beitrag von Salmacis »

Nicole Fritz hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 14:34 Sonst ist es bei mir je nach Outfit "Herr" oder "Frau", wo ich erheblich besser mit klar komme. Und was wäre ich wohl, falls ich einmal Vater werden sollte? Eine die Eizelle befruchtende zweite Mutter? Wie soll man sich da bitte korrekt ausdrücken? 'Väterin' trifft es da aus meiner Sicht ganz gut.
Du hast den Kern meiner Aussage verpasst. Es geht eben nicht darum, dass ich dir sage wie du dich zu benennen hast, welche Pronomen du nutzen sollst oder oder oder. Diese Freiheit hast nur du.
Es geht darum, dass hier eben Menschen im Forum schreiben, die so übergriffig sind und sagen "Transfrauen können keine echte <hier bitte binären heteronormen Begriff einsetzen> sein!".
Nicole Fritz hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 14:34 Wenn es aber sonst nichts zum Aufregen gibt ... .
Klimawandel, Vermögensverteilung, Turbokapitalismus, das Patriarchat ... es gibt so vieles zum Aufregen, such dir was aus.
Thea
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 4 im Thema

Beitrag von Thea »

Ich denke auch, dass das Forum sofort geschlossen werden sollte, so viel Transfeindlichkeit wie hier findet man selbst Nachts um halb zwei in der Hamburger Hochbahn nicht.
Anne-Mette bitte walte deines Amtes.
Anja
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 5 im Thema

Beitrag von Anja »

(moin) Moinsi

Jupp, deine Wut ist deutlich spürbar. Ich frage mich nur wo die denn herkommt? Wenn dem so ist, das du einfach eine Frau bist ohne irgendwelche "Konstrukte" kannst du doch über ebensolche nur müde lächeln? Oder doch nicht?
Es berührt dich doch nur, wenn du selbst nicht im Reinen mit dir bist...
Wir sind nicht als Frauen geboren worden. Darf man den Elefant im Raum nicht mit Namen benennen?
Salmacis hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 09:53 Da gibt es hier tatsächlich Leute, die sagen, eine trans Frau kann nicht Mutter sein. Eine trans Frau müsse sich mit lächerlichen Konstrukten wie "Väterin" zufrieden geben. Ich glaube es hackt?!
Ich bezeichne mich selbst als Väterin. Ich habe zwei Kinder. Auf Dokumenten gibt es häufig noch Vater und Mutter zur Unterschrift, aus Vater lässt sich in sekundenschnelle Väterin machen (smili)
Und ich würde mich niemals als Mutter bezeichnen weil ich das anmaßend fände. Meine Frau, die Mutter meiner Kinder, hat sie ausgetragen. Das ist ein besonderer Status innerhalb der Familie und ich würde mich nie auf die gleiche Stufe mit ihr stellen wollen - aus Respekt.
Eine Unterscheidung, zwischen geborenen Frauen und Frauen, die nicht so geboren worden sind, bedeutet nicht automatisch eine Herabsetzung. Lediglich eine Unterscheidung.
Die ich im übrigen auch niemals leugnen würde.
Es ist einfach ein Fakt. Und wenn man sich dermaßen an solchen Formulierungen aufhängt, wie will man dann, was dieses Thema angeht, jemals ein Gleichgewicht finden?

Ich bin z.B. ziemlich Übergewichtig. Ich kann mich an einen Moment erinnern, wo der Sohn meiner besten Freundin das angesprochen hat.
Ihr war das furchtbar peinlich und sie hat ihn gleich "eingenordet" das man sowas ja nicht sagt. Ich hab sie darauf hingewiesen, das ich mir sehr wohl meines Gewichts bewusst bin und ich kein Problem damit habe, wenn das auch von anderen bemerkt wird. Ich fände es furchtbar anstregend, so zu tun, als wäre es anders.
Oder anders ausgedrückt, früher musste ich die Frau in mir immer verstecken um nicht aufzufallen. Und ich fände es furchtbar anstrengend, heute meine Vergangenheit zu verstecken...
Ich bin keine geborene Frau. Zu Hause fülle ich die soziale Rolle einer Väterin aus, eben eines weiblichen Papas.
Für mich ist das kein lächerliches Konstrukt. Ganz im Gegenteil. Ich bin stolz auf meinen Lebensweg.
Und ich habe auch im Alltag keine Probleme, akzeptiert zu werden, weil ich mich selbst so akzeptiere wie ich bin. In meinem Fall bin ich der Elefant im Raum :lol:

Du kannst die Welt nicht ändern, aber du kannst ändern wie du damit umgehst. Etwas Gleichgewicht ist in jedem Fall von Vorteil.
Vermutlich wird dich das jetzt noch wütender machen, aber leider ist es so, das wir für unsere Gefühle selbst verantwortlich sind.
Sei mir nicht allzu böse (ki)

Grüße
die Anja

*Nachtrag
Das bedeutet nicht das ich weniger eine Frau bin, oder nicht vollwertig oder eine zweitklassige Frau. Eben nur anders :wink:
Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 6 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Thea hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 14:49 so viel Transfeindlichkeit wie hier findet man selbst Nachts um halb zwei in der Hamburger Hochbahn nicht.

Hmm..

ich hätte auch nicht gesagt das "Transfrau" jetzt gleich transfeindlich ist.

Aber so richtig warm wurde ich damit auch nie. Ich mag den Begriff nicht.
Es ist ein Begriff mit dem sich eine Person selbst ausserhalb der Mitte der Gesellschaft stellt.
Und da sehe ich mich einfach nicht. Ich, wir alle sind ein Teil davon, auch wenn manche
hier und da draussen das Gegenteil gehaupten.

Ich nutze aber auch kein ß weil ich es nicht mag.

Vielleicht kann es auch sein das manche dieses Wort benutzen um sich als etwas Besonderes
zu labeln. Und das sind "wir" nicht, was auch wohl dieses "wir" immer sein mag.

Mein Leitsatz ist schon immer gewesen "Ich bin ein ganz normales Mädchen", nicht mehr
nicht weniger, wenn eine Person ein "trans" von mir braucht um mich in der Gesamtheit
verstehen zu können, bitte schön. Ich bin auch nicht mehr trans, weil ich mich da wo
ich bin wohl fühle, die Strecke der Transition ist zu Ende. Und vielleicht gibts nochmal
irgendwann eine Änderung. Und solang bin ich Frau, nicht mehr nicht weniger wie
Salmacis auch sagt, ich bin bei mir, ich bin ich.

Übrigens danke ich dir, Salmacis, dass du das aussprichst, weil ich weiss auf welch harten Kern du da beisst.

Addon/ ich würde weder mit Väterin noch mit Mutter klar kommen, weil es beides nicht trifft,
ich mir nie vorstellen könnte die samengebende Person zu sein, da mich das in meinen eigenen
Grundsätzen völlig auflösen würde-aber alle wie sie möchten.

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Salmacis
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 7 im Thema

Beitrag von Salmacis »

Thea hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 14:49 Ich denke auch, dass das Forum sofort geschlossen werden sollte, so viel Transfeindlichkeit wie hier findet man selbst Nachts um halb zwei in der Hamburger Hochbahn nicht.
Anne-Mette bitte walte deines Amtes.
Ah ja, genau, da ist sie, die konstruktive Kritik und Diskussion, die ich mir gewünscht habe.
Anja hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 15:08 Wir sind nicht als Frauen geboren worden. Darf man den Elefant im Raum nicht mit Namen benennen?
Darum geht es nicht. Ich sagte doch ich bin trans. Das benenne ich offen.
Anja hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 15:08
Salmacis hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 09:53 Da gibt es hier tatsächlich Leute, die sagen, eine trans Frau kann nicht Mutter sein. Eine trans Frau müsse sich mit lächerlichen Konstrukten wie "Väterin" zufrieden geben. Ich glaube es hackt?!
Ich bezeichne mich selbst als Väterin. Ich habe zwei Kinder. Auf Dokumenten gibt es häufig noch Vater und Mutter zur Unterschrift, aus Vater lässt sich in sekundenschnelle Väterin machen (smili)
Und ich würde mich niemals als Mutter bezeichnen weil ich das anmaßend fände. Meine Frau, die Mutter meiner Kinder, hat sie ausgetragen. Das ist ein besonderer Status innerhalb der Familie und ich würde mich nie auf die gleiche Stufe mit ihr stellen wollen - aus Respekt.
Siehe oben, darum geht es nicht. Wie du dich selbst labelst und nennst und wie deine Familie dich nennt ist dein Ding. Niemand darf dir da rein quatschen.
Aber genau das passiert hier im Forum. Ich kritisiere nicht, dass du dich so nennst, ich kritisiere, dass mir verweigert wird, auch von dir anscheinend, mich Mutter nennen zu dürfen. Andere wollen trans Personen label aufdrücken und bestimmen wie man sich nennen darf, wie man sich fühlen darf, was anmaßend ist?
Anja hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 15:08 Eine Unterscheidung, zwischen geborenen Frauen und Frauen, die nicht so geboren worden sind, bedeutet nicht automatisch eine Herabsetzung. Lediglich eine Unterscheidung.
Die ich im übrigen auch niemals leugnen würde.
Ich leugne nicht, dass ich trans bin. Ich wiederhole das jetzt schon ziemlich oft.
Du sagst gerade du fändest es anmaßend sich als trans Frau "Mutter" zu nennen sagst aber direkt im nächsten Satz, dass der Begriff ja nur zur Unterscheidung da ist.
Das widerspricht sich meiner Meinung nach. Anmaßung bedeutet, ich maße mir etwas an, was mir nicht zu steht. Bin ich denn damit nicht herabgesetzt? Und falls nicht, warum steht es dann trans Frauen nicht zu sich Mutter zu nennen?
Anja hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 15:08 Ich bin z.B. ziemlich Übergewichtig. Ich kann mich an einen Moment erinnern, wo der Sohn meiner besten Freundin das angesprochen hat.
Ihr war das furchtbar peinlich und sie hat ihn gleich "eingenordet" das man sowas ja nicht sagt. Ich hab sie darauf hingewiesen, das ich mir sehr wohl meines Gewichts bewusst bin und ich kein Problem damit habe, wenn das auch von anderen bemerkt wird. Ich fände es furchtbar anstregend, so zu tun, als wäre es anders.
Kinder sind nochmal anders. Gerade am Anfang meiner Transition kam oft die Frage "Häh bist dun ein Junge?!"
Aber ich dachte ich diskutiere hier mit kritikfähigen Erwachsenen auf Augenhöhe.
Anja hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 15:08 Du kannst die Welt nicht ändern, aber du kannst ändern wie du damit umgehst. Etwas Gleichgewicht ist in jedem Fall von Vorteil.
Wer nicht probiert, hat schon verloren. Ich bin eben noch in vielen anderen Communities unterwegs. Auf Reddit, Instagram usw. Und ja, wahrscheinlich sehr in meiner intersektionalen Feminismus Bubble.
Viele Dinge, die hier gesagt werden, werden dort echt übel genommen. Ich dachte ich könnte dies ansprechen.
Anja hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 15:08 Vermutlich wird dich das jetzt noch wütender machen, aber leider ist es so, das wir für unsere Gefühle selbst verantwortlich sind.
Sei mir nicht allzu böse (ki)
Ich bin weder wütend auf dich noch dir in irgendeiner Form böse. Ich sehe nur Dinge anders als du. Und ich bin, was sowas betrifft, laut ;)
scheue_Sarah
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 8 im Thema

Beitrag von scheue_Sarah »

Liebe Salmacis,

ich bin Crossdresser, habe also keinen Trans-Hintergrund und auch kein überbordendes Wissen dazu.
Mir hilft dieses Forum darüber mehr zu erfahren, zu lernen. Und dazu brauche ich oft auch die unterscheidende Benennung, ob ein Beitrag von einer oder über eine "Person mit Transhintergrund" (jetzt bloß nichts falsches schreiben) geschrieben wurde, um ihm inhaltlich folgen zu können. Vollkommen wertfrei!

Hier im Forum Transfeindlichkeit zu vermuten oder gar zu erkennen finde ich persönlich falsch.

Viele Grüße
Sarah
"Don't dream it, be it!"
aus der Rocky Horror Picture Show

"Es braucht einen echten Mann, um sich mit seiner weiblichen Seite wohlzufühlen..."
Backstreet Boy AJ McLean aus Solidarität zu Harry Styles' Foto im Kleid auf der Vogue
Kerstin
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 9 im Thema

Beitrag von Kerstin »

@Salmacis
Ich habe so ein zwei Fragen zum besseren Verständnis.
a.)Kann ich dein Einstiegs Posting folgend zusammen fassen?

Ich bin trans - na und!

B.)Du störst dich am "fremd" Labels? Wenn eine von sich sagt ich bin Väterin geht das i.o , wenn dieses Label von anderen zugesprochen wird ist es ein "no go"?

Auf jeden Fall ist es schön dich wieder hier zu haben.
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 10 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo in die Runde,

In diesem Forum diskutieren oft biologisch männliche Individuen, die sich im Empfinden weiblich verorten (also transident sind) meist über genau diese Themen. Dabei diskutieren sie mit einer weiblichen Gefühlslage aber oft mit sehr männlicher Rhetorik (weil sie so sozialisiert worden ist) was ziemlich rau und toxisch werden kann. Dabei gibt es auch sehr viele die sich halt nicht weiblich verorten sondern sagen das es sich um ein fetisch oder Modeempfinden handelt.

Dazu kommt noch eine gute Prise negatives Selbstempfinden, weil nun Mal viele hier sehr bürgerlich denken. Und die Gesellschaft lange Zeit diese Themen durch die Bank negativ gesehen hat.

In so fern verstehe ich was Selmacis versucht zu vermitteln jedoch muss man auch aufpassen da nicht zu sehr und zu viel zu verbieten. Denn die Transcommunity mit ihrer cancel culture im Internet hat sehr viel polarisiert und auch Feinde erschaffen.

Man muss der Gesellschaft positives vorleben anstelle den Zeigefinger zu schwingen. Positivität verkauft sich besser als Verbote. So haben es die 68er getan. Und so machen es auch die homosexuellen. Nur wir Trans sind sehr gerne in der Opferrolle und sehen alle als Täter. Egal ob es stimmt oder nicht so kann man das Problem was wir mit der Gesellschaft haben (oder sie mit uns) nicht kitten. Nur meine Gedanken.

Heute morgen wieder die pubertierenden Nachbarskinder im Treppenhaus:
"Dicker das geht gar nicht. Das ist voll schwul. Schau Mal wie Markus das gemacht hat. Voll Alpha"

Solange das Spektrum der Empfindungen der Mitbürger so viele Denkweisen auffasst ist noch ein langer Weg vor uns bis wir eine gerechte, diverse und bunte Gesellschaft erreichen können.

Aber es geht uns viel besser als alle anderen vor uns. Und wir leben in der best möglichen Lokation. Also sollten wir auch nicht vergessen wie gut es uns eigentlich geht.

LG
The trick is to keep breathing

I have big dreams and a small world in between
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 11 im Thema

Beitrag von Salmacis »

scheue_Sarah hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 15:53 Hier im Forum Transfeindlichkeit zu vermuten oder gar zu erkennen finde ich persönlich falsch.
Hallo Sarah, Transfeindlichkeit bedeutet nicht immer einen frontalen Angriff und komplette Ablehnung gegen transidente Personen.
Es gibt internalisierte Transfeindlichkeit, die viel subtiler und unterschwelliger ist - quasi Transphobie bei trans Personen. Dies sind Narrative, die wir selbst aus Medien oder gesellschaftlicher Polemik aufgenommen haben und nun auf uns selbst Projezieren.

Ein Besipiel ist die oben von Anja aufgeführte "Anmaßung". Es wird vielen trans Personen eingetrichtert, sie seien weniger Wert als "das echte biologische Wesen".
Hier wieder das Beispiel "Mutter". Natürlich bin ich nicht gebärend gewesen, und dennoch Mutter. Ich bin weiblich, eine Frau - und es gibt bereits einen Begriff für Frauen, die ihr eigenes Kind groß ziehen: Mutter.
Bei cisgeschlechtlichen lesbischen Paaren würde auch niemand zu der nichtgebärenden Frau sagen "Ja aber Mutter bist du ja jetzt nicht, ne?".
Warum soll ich dann nicht den Begriff auch für mich nutzen? Ich bin nicht weniger Frau.

Wer sagt ich sei weniger Wert? Hmmmmm, tatsächlich sehr viele! BILD, WELT, EMMA, RTL usw. .... und viele trans Personen nehmen diese Narrative (unterbewusst) an und reproduzieren sie, eben auch hier im Forum. Sie fangen an diese Sachen selbst zu glauben und setzen sich selbst, ob bewusst oder unbewusst, herab. Das möchte ich ändern. Ich möchte, dass trans Personen sich ihrer weder schämen noch denken, dass sie auch nur im geringsten weniger Wert wären als alle anderen Menschen auf der Welt.

Ich möchte übrigens niemanden angreifen, der oder die jetzt vielleicht nicht ganz so im Thema steckt und deswegen eventuell veraltete Begriffe verwendet (bestes Beispiel in den Medien immer wieder "Geschlechtsumwandlung").
Aber ich möchte, dass wenn ich so jemanden darauf aufmerksam mache und begründe, dass man bspw. "Geschlechtsumwandlung" nicht mehr sagt, dass diese Person das annimmt.

Ich denke, dass bei diesem Beispiel (Begriff "Geschlechtsumwandlung") im Forum Konsens herrscht, oder?
Als das Forum neu war und ich hier 2009 meinen ersten Post schrieb, war das noch anders.
Aber Zeiten ändern sich, Sprache ändert sich. Und wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit :mrgreen:
Kerstin hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 16:04 a.)Kann ich dein Einstiegs Posting folgend zusammen fassen?
Ich bin trans - na und!
Das würde es schon sehr vereinfachen aber es ist einer der Punkte.
Sagen wir lieber "Ich bin trans, aber das ist nicht alles was mich definiert. Und dennoch oder genau deswegen bin ich so viel Wert wie jede cis Person auch!"
Kerstin hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 16:04 B.)Du störst dich am "fremd" Labels? Wenn eine von sich sagt ich bin Väterin geht das i.o , wenn dieses Label von anderen zugesprochen wird ist es ein "no go"?
Genau, niemand darf anderen eine Identität oder Label aufsprechen. Bleiben wir bei dem Begriff "Väterin" - der hat sich ja jetzt hier etabliert. Es ist absolut okay und überhaupt nicht diskutabel wenn sich Menschen so selbst bezeichnen.
Wenn ich aber sage ich bin Mutter und im nächsten Satz zu hören bekomme, dass das anmaßend sei und ich lieber einen Neologismus nutzen sollte damit sich andere besser fühlen, dann finde ich das wiederum anmaßend und verletzend.
Kerstin hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 16:04 Auf jeden Fall ist es schön dich wieder hier zu haben.
❤️
Salmacis
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 12 im Thema

Beitrag von Salmacis »

Laila-Sarah hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 16:14 Dabei diskutieren sie mit einer weiblichen Gefühlslage aber oft mit sehr männlicher Rhetorik (weil sie so sozialisiert worden ist) was ziemlich rau und toxisch werden kann.
...
Dazu kommt noch eine gute Prise negatives Selbstempfinden, weil nun Mal viele hier sehr bürgerlich denken. Und die Gesellschaft lange Zeit diese Themen durch die Bank negativ gesehen hat.
...
In so fern verstehe ich was Selmacis versucht zu vermitteln jedoch muss man auch aufpassen da nicht zu sehr und zu viel zu verbieten.
Da sprichst du vieles an.
Gewohnheit bzw. Sozialisierung. Sprachliche Gewohnheiten umzustellen ist nicht immer einfach. Aber was habe ich gekämpft bis meine Mutter und Schwiegermutter endlich nicht mehr N....küsse und M....köpfe gesagt haben.

Negatives Selbstempfinden haben leider viele, hatte ich auch jahrelang. Ich habe doch genau so geredet! Ich habe selbst solche Narrative reproduziert mit der Rechtfertigung ich sei ja selbst trans und wisse es besser.
Heute liebe ich mich und die Frau, die ich geworden bin. Und genau deshalb sind solche Worte, solche Verhaltensmuster für mich heute ein rotes Tuch.

Ich versuche nur aufzuklären und ich weiß, ich mach das manchmal etwas zu militant. Ich möchte niemanden persönlich angreifen oder den Mund verbieten - alle sollen sich in diesem Forum sicher fühlen.
Ich möchte nur aufzeigen und zur eventuell zur Reflexion auffordern.
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 13 im Thema

Beitrag von Kerstin »

Dieser treat könnte sehr interessant und spannend werden.
Ich bin mir nur nicht sicher, ob wir nicht an einander vorbei diskutieren.
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
Malvine
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 14 im Thema

Beitrag von Malvine »

Salmacis hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 16:16 Ich möchte, dass trans Personen sich ihrer weder schämen noch denken, dass sie auch nur im geringsten weniger Wert wären als alle anderen Menschen auf der Welt.
Diese Aussage von dir ist für mich die Essenz der bisherigen Beiträge hier.
Nicht das schwarze Schaf ist anders, die Weißen sind alle gleich
Salmacis
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Re: Reproduktion von transfeindlicher Rhetorik hier im Forum

Post 15 im Thema

Beitrag von Salmacis »

Kerstin hat geschrieben: Fr 6. Jan 2023, 16:29 Ich bin mir nur nicht sicher, ob wir nicht an einander vorbei diskutieren.
Wenn dem so ist, hol mich bitte ab. Es wäre nicht das erste Mal, dass ich etwas falsch lese oder verstehe und mich dann in etwas verrenne 😅
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