Jaddy hat geschrieben: Di 12. Apr 2022, 21:31
Unzureichend und unterkomplex.
Völlig richtig. Aber wenn Demagogix (ich finde die Wortschöpfung Klasse ...) agieren, geht es immer darum, einfach zu bleiben. Dann lässt sich herrlich "Auflage und Stimmung" machen. Das bedeutet aber auch, dass komplexe Dinge von unserer Seite vereinfacht werden müssen, um unsere Situation der Gesellschaft in der Breite begreiflich zu machen.
Wenn also die geplante Umsetzung des geplanten Selbstbestimmungsrecht als an der Gesellschaft schwer schuldig machend tituliert wird, stellt sich doch die einfache Frage "welche Schuld" und worin besteht denn ein möglicher Schaden ? Ist der menschliche Schaden nicht viel größer, wenn es nicht kommt ?
Wie also können wir die verschiedenen Formen und Ebenen von Trans* so einfach transportieren, dass es völlig "normal" wird trans zu sein ? Wir müssen nicht erklären, warum wir so sind, wie wir sind. Das machen andere auch nicht. Es ist für uns wichtig, aber aus meiner Sicht ist es nicht wichtig für die Kommunikation mit anderen.
Hier ist mMn ein wesentlicher Punkt essentiell. Es geht darum das starre Denken in bipolaren Bereichen zu überwinden und aufzulösen. Es geht um eine Verschiebung der Perspektive.
Es muss für jeden Menschen also genau so einfach sein, nicht polare Menschen zu akzeptieren. Gegenwärtig ist es i.d.R. sehr einfach Menschen nach ihrem Äußeren einzuordnen. Ob es das B+B-Kriterium oder das Vorhandensein eines Penis oder der Vulva bei der Geburt ist, ist zweitrangig. Es entspricht einem einfachsten Modell: entweder-oder. Wie kann man es erreichen, dass eine Erweiterung des Denkens mit einem einfachen Schema erreicht werden kann ? Die Idee wäre, Menschen wie Schwarzer und Rowling mit einfachen Mitteln entgegen zu treten und ihre Aussagen dabei ad absurdum zu führen. Wir müssen auf dem gleichen, einfachen Feld agieren, wie sie, aber ohne polemisch zu werden. Dann richtet sich ihre Polemik gegen sie selber. Wir brauchen sozusagen ein "kommunikatives Aikido".
Ziel des AikidÅs ist es, einem Angriff dadurch zu begegnen, dass man die Angriffskraft leitet (Abwehr) und es dem Gegner unmöglich macht, seinen Angriff fortzuführen (Absicherung). ... Der friedlichen geistigen Haltung des AikidÅ entsprechend geschieht dies ohne Absicht zum Gegenangriff, sondern vorwiegend durch die Einnahme einer günstigen Position und ständige Kontrolle des Kontakts mit dem Gegner.
Quelle: Wikipedia
Um ganz praktisch zu werden: Ich habe mir ein Bild überlegt, das dem Geschriebenen etwas gerecht werden soll. Wenn man also üblicherweise männlich und weiblich als zwei Bereiche sieht, die durch eine Mauer getrennt voneinenader sind, entspricht das in etwa dem herrschenden Geschlechterbild. Man schaut vielleicht einmal über die Mauer, bleibt aber auf "seiner" bzw. "ihrer" Seite.
Es gibt aber Menschen, die wollen/müssen auf der anderen Seite leben und tun alles, was ihnen zu Gebote steht, um auf der anderen Seite zu leben. Dieser Punkt ist wahrscheinlich noch von den meisten Menschen akzeptierbar. Man kann das Bild aber auch dahingehend erweitern, dass diese Mauer bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich hoch ist. Bei Manchen ist sie kaum bis gar nicht existent. Ihr Leben verläuft in beiden Bereichen. Wo liegt hier ein Problem vor ? Das Ausgrenzen bedeutet für sie, auf einen großen Teil ihres Lebens zu verzichten. Wem soll das nützen ?
Ziel dieses Bildes ist es, für "normale" Menschen auf breiter Basis die Tür zu öffnen und Transmenschen in Würde und auf gleicher Ebene sehen zu können. Dafür müssen wir etwas tun. Das ist im Aikido die Einnahme einer günstigen Position in einer friedlichen Haltung. Wir sollten die Energie des Gegners nutzen, um sie für unsere Verteidigung einsetzen, also
die Lächerlichkeit der Aussagen, nicht der Personen (!), deutlich machen.
Edit: Ich habe gerade noch eine schöne Fabel gefunden:
Der Esel sagte zum Tiger:
"Das Gras ist blau."
Der Tiger antwortete:
"Nein, das Gras ist grün!"
Ein Streit brach aus und sie gingen zum König der Tiere, dem Löwen, um ihre Differenzen beizulegen.
Als der Esel den Platz erreichte, an dem der Löwe auf seinem Thron saß, begann er zu schreien:
"Eure Majestät, ist es wahr, dass das Gras blau ist?"
Der Löwe antwortete:
"Ja, natürlich ist das Gras blau."
Der Esel war begeistert und fuhr fort:
"Der Tiger widerspricht mir, und nervt mich, bitte bestrafe ihn."
Der König (Löwe) verkündete:
"Der Tiger wird mit einem Monat Schweigen bestraft."
Der Esel sprang glücklich und ging zufrieden weiter und wiederholte:
"Das Gras ist blau ... das Gras ist blau ..."
Der Tiger nahm seine Strafe an und fragte den Löwen:
"Eure Majestät, wofür habt ihr mich bestraft? Immerhin ist das Gras grün?"
Löwe:
"Das Gras ist tatsächlich grün."
Der überraschte Tiger fragte:
"Warum bestraft ihr mich dann?"
Löwe:
"Das hat nichts mit der Frage zu tun, ob Gras blau oder grün ist. Die Strafe ist dafür, ein tapferes und intelligentes Tier wie du zu sein. Es darf keine Zeit damit verschwenden, mit einem Esel zu streiten und dann meine Zeit mit dieser dummen Frage zu verschwenden.
Die schrecklichste Zeitverschwendung ist es, mit einem Dummkopf und einem Langweiler zu streiten, dem weder Wahrheit noch Realität wichtig sind, sondern nur der Sieg seiner Überzeugungen und Illusionen.
Verschwende keine Zeit mit nutzlosen Argumenten.
Es gibt Leute, die die Wahrheit nicht akzeptieren können, da sie nicht in ihr Weltbild passt, sie verteidigen lieber die Lüge und verspottet denjenigen der die Lüge aufzeigt.
Sie wollen sich nur behaupten. Gleichzeitig sind sie von Hass geblendet und die Diskussion wird von Beleidigungen begleitet.
Wenn Unwissenheit schreit, ist der Geist still."
Quelle:
https://www.aikido-weiler.de/