Dringender Hilferuf aus Afghanistan
Dringender Hilferuf aus Afghanistan - # 3

ExuserIn-2022-05-22
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 720
Registriert: Di 26. Nov 2019, 19:14
Geschlecht: M
Pronomen:
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 31 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-22 »

Jasmine hat geschrieben: Mi 18. Aug 2021, 17:23 Will oder wollte ein Land wie Afghanistan überhaupt eine Demokratie wie wir sie hier haben? Aber darum geht es meiner Meinung nach nicht.
Ich denke doch das es bei diesem Desaster nach 20 Jahren darum geht. Ein gewisser moderner Teil der Afghanen will es schon. Das sind die die jetzt rauswollen. Aber das ist der Teil aus den großen Städten. Aber wie sieht es auf dem Land aus wo mittelalterliche Strukturen existieren? Diese Menschen leben zu einem großen Teil nach konsequenter Auslegung des Islam. Da kann man doch nicht erwarten das sie westliche Demokratie, europäische Menschen und Frauenrechte übernehmen und Jahrhunderte alte Traditionen beiseite stellen. Das ist genau das was "westliche" Nation Building versucht. Klar ist für uns Kinderheirat, Zwangsehe, Scharia, ect nicht akzeptabel. Aber es wird vergessen, das das ein ganz anderer Kulturkreis mit anderen Regeln ist.
Also was tun bzw was wurde nicht getan in den 20 Jahren? Ganz offensichtlich hat man sich durch Fortschritte in den Städten täuschen lassen und nicht sehen wollen das die große Mehrheit auf dem Land nicht folgt. Hat man denn die moderaten religiösen Kräfte versucht einzubeziehen? Hätten sie den Fundamentalisten was entgegensetzten können? Waren sie mit im Boot? Hat man die verschiedenen Ethnien versucht zu berücksichtigen beim strukturellen Aufbau? Hat man einen wirtschaftlich Aufbau versucht?
Alles Dinge die einen ganz langen Atem brauchen. Das hätte bedeutet die westlichen Länder hätten weiterhin viel Geld und weiterhin viele Truppen dort lassen müssen. Weitere 20 Jahr um die genannten Dinge zu verfestigen. Wäre der deutsche und amerikanische Bürger dazu bereit gewesen? Was wäre gewesen, wenn Merkel gesagt hätte - liebe Bürger wir lassen die Bundeswehr usw. weitere 20 Jahre in Afghanistan, nehmen die Summe x an gefallenen Soldaten hin, und weitere 100 Milliarden werden in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufbau investiert? Hätte man da uneingeschränkt gejubelt?
Peter Struck hat zwar gesagt unsere Sicherheit wird am Hindukusch verteidigt aber er hat nicht gesagt das das sehr sehr lange dauern wird und das es uns viel Geduld incl. Rückschläge und viel finanziellen und militärischen Einsatz kosten wird.
Shushi Rolls , not Gender Roles
Blossom
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3963
Registriert: Sa 18. Jan 2020, 21:09
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Waltrop
Hat sich bedankt: 189 Mal
Danksagung erhalten: 46 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 32 im Thema

Beitrag von Blossom »

Thea hat geschrieben: Mi 18. Aug 2021, 13:53 Sorry, aber ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum jetzt wieder Deutsche, Europäer und Amerikaner an der Lage Schuld sind.
Nun, dazu muss man sich (wie ich oben bereits erwähnte) mit der afghanischen Geschichte beschäftigen.
Kleiner Hinweis wäre hier die "Operation Cyclone". Ich zitiere der einfachheithalber mal Wiki:
Cyclone war der Tarnname für eine Unternehmung des US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA, die ab Sommer 1979 in enger Zusammenarbeit mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI die Bewaffnung, Ausbildung und Finanzierung der afghanischen Widerstandskämpfer (Mudschahedin) zum Gegenstand hatte. Diese bekämpften die seit April 1978 amtierende kommunistische Regierung der Demokratischen Republik Afghanistan und deren Säkularisierungsprogramm und ab Dezember 1979 die sowjetischen Truppen nach deren Intervention in Afghanistan. Die USA verfolgten dabei das Ziel, die Ausbreitung des sowjetischen Kommunismus einzudämmen. Das Eingreifen der USA und ihrer Verbündeten weiteten den Konflikt zu einem Stellvertreterkrieg im Rahmen des Kalten Krieges aus. Der finanzielle Umfang des Programms von Seiten der USA, Saudi-Arabiens und Chinas belief sich insgesamt auf geschätzte sechs bis zwölf Milliarden US-Dollar.
Nebenbemerkung: Die Amerikaner fuhren in Absprache mit den Saudis den Ölpreis auf einen Tiefststand, um der Sowjetunion zeitgleich die Staatseinnahmen zu kürzen - was letztlich mit zum Zusammenbruch führte (der von der CIA geplant war). Ein Nebenziel bestand darin den Russen ihr persönliches Vietnam zu bescheren. Außerdem wirkte der Afghanistankrieg als Katalysator für die wachsende Drogenproblematik und -kriminalität innerhalb der Sowjetunion, denn die Verbreitung von Rauschmitteln wie Heroin wurde durch ihn enorm gefördert - ebenfalls von den Amerikanerin befeuert.

Damit ist schon einmal klar, wo "Schuld" zu suchen ist, nicht wahr?

Die Bundesrepublik verdoppelte im Gegenzug für die pakistanische Unterstützung die Entwicklungshilfe. Gleichzeitig führte der BND die verdeckte "Operation Sommerregen" durch, mit dem Ziel, sowjetische Militärausrüstung zu beschaffen und zu analysieren. Diese Operation war von der Bundesregierung genehmigt.

Afghanistan ist ein breites Thema - daher belasse ich es mal bei diesen wenigen Punkten.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
Billie Jean King (*1943)
Inga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3855
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Hat sich bedankt: 118 Mal
Danksagung erhalten: 213 Mal
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 33 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo,

die Nachrichten zu Afghanistan hat mich seit dem Wochenende verdammt deprimiert und sprachlos gemacht. Diese Bundesregierung schafft es aber auch bei jeder Krise, durch kollektives Weggucken, Verharmlosen, Aussitzen (versuchen) und Versagen daraus den Weg für eine Katastrophe zu bereiten. Es ist übel, dass die Taliban, das Land überrollt haben, den Frauen und vielen anderen früher oder später die Recht genommen werden, dass geschossen und getötet wird, dass Panik und Flucht herrscht gerade unter denen, die jahrelang in Sympathie, Unterstützung und Zuarbeit (aus welchen Gründen auch immer) zu uns Deutschen waren. Und dass dieses unser Land diese Leute hat viel zu lange hängen lassen und sie so dem Leid ausgeliefert hat. Ich habe da keine Antwort. Mir verschlägt es die Sprache und ich finde, Schwarzen Peter zuschieben und politisches Schuldzuweisen am Versagen zu formulieren völlig unzureichend. Dies politische Besserwissen ist mir so hohl. Wo sind da die Menschen abgeblieben? Ich fühle mich so mies, weil ich da nichts tun kann, und es sicher auch kaum jemanden helfen wird, der/die in Afghanistan jetzt ums Leben fürchten muss.

Und ich bewundere zivile kräfte, die es immer noch schaffen, nüchtern zu bleiben, die geschickt und geübt sind, Wege zu finden, um situationsangepasst immer noch humanitäre Hilfe vor Ort zu ermöglichen. Um Schmerz und Leid zu mildern, um den Menschen wenigstens etwas Respekt und Wertschätzung ihrer ganz einfachen, schlichten Existenz zu zeigen. Das ist wie Kieselsteine ins Wasser werfen und hoffen, dass sie Kreise ziehen. Sie sollen meine Aufmerksamkeit, Befürwortung und Unterstützung bekommen.

Liebe Grüße
Inga
Laura R
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 391
Registriert: Do 14. Feb 2013, 20:05
Geschlecht: weiblich
Pronomen: Sie
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 34 im Thema

Beitrag von Laura R »

Ein Krieg wird meistens / immer aus wirtschaftlichen Interessen geführt, Afghanistan ist reich an Bodenschätzen und seltenen Erden, im Irakkrieg ging es in erster Linie um das Öl. Auf der Strecke bleibt immer der Mensch und auch das Land und besonders die Umwelt. Wer die Macht hat hat auch die Rohstoffe. Was der normale Bürger schon begriffen hat hat der Politiker noch lange nich begriffen, man wird keinen arabischen Staat nach westlichen Vorbild formen können.
Die Nato hätte noch 20 Jahre dableiben können und dann abziehen können, es würde bestimmt das gleiche Szenario ablaufen.
Es bleibt der bittere Beigeschmack das die vergangenen Jahre mit all den Opfern vollkommen umsonst gewesen ist, denn wirklich Frieden hat es da ja nicht gegeben. Das afghanische Volk muss seine Probleme schon selber lösen, die Nato ist da fehl am Platz und Afghanistan ist deutlich kein Natostaat.
Ach ja, wer Verdient an einem Krieg? Die die Waffen verkaufen und wer gewinnt einen Krieg? Keiner es gibt nur Verlierer.
Laura
Ich bin wie ich bin und weiß wer ich bin. Das gut so!
Blossom
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3963
Registriert: Sa 18. Jan 2020, 21:09
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Waltrop
Hat sich bedankt: 189 Mal
Danksagung erhalten: 46 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 35 im Thema

Beitrag von Blossom »

Laura R hat geschrieben: Fr 20. Aug 2021, 08:46 ... wer gewinnt einen Krieg? Keiner es gibt nur Verlierer.
Das ist so nicht richtig ... dazu gibt es im Netz durchaus gut verständliche Beiträge.

https://www.heise.de/tp/features/Afghan ... 66281.html
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
Billie Jean King (*1943)
Laura R
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 391
Registriert: Do 14. Feb 2013, 20:05
Geschlecht: weiblich
Pronomen: Sie
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 36 im Thema

Beitrag von Laura R »

Man kann alles schönreden wenn man will.
Zerstörung, Flüchtlinge, Not und Elend, verbranntes Land, einige füllen sich die Taschen und die anderen baden es aus.
Ich bin wie ich bin und weiß wer ich bin. Das gut so!
Blossom
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3963
Registriert: Sa 18. Jan 2020, 21:09
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Waltrop
Hat sich bedankt: 189 Mal
Danksagung erhalten: 46 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 37 im Thema

Beitrag von Blossom »

Laura R hat geschrieben: Fr 20. Aug 2021, 10:58 Man kann alles schönreden wenn man will.
Es ging nicht einmal im Ansatz darum Krieg schön zu reden und handelte sich nur um eine Antwort auf die Frage, wer hier auf der Gewinnerseite war und ist.
Im Gegensatz zu wohl fast allen hier, weiß ich nämlich nur zu gut, was Krieg bedeutet. Ich war damals in Ex-Jugoslawien im Einsatz und leide heute noch an PTBS!
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
Billie Jean King (*1943)
Michi
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 6006
Registriert: Mo 19. Dez 2016, 09:45
Pronomen: sie
Forum-Galerie: gallery/album/11
Hat sich bedankt: 741 Mal
Danksagung erhalten: 903 Mal
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 38 im Thema

Beitrag von Michi »

Laura R hat geschrieben: Fr 20. Aug 2021, 08:46 Ein Krieg wird meistens / immer aus wirtschaftlichen Interessen geführt, Afghanistan ist reich an Bodenschätzen und seltenen Erden, im Irakkrieg ging es in erster Linie um das Öl.
Dazu ein Zitat von Henry Kissinger, Außenminister der USA in den 1970er Jahren:

"Öl ist viel zu wichtig, um es allein den Arabern zu überlassen."

Das sagt (wie viele andere Zitate von ihm und anderen) doch sehr viel über die Außenpolitik der USA aus.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
ExuserIn-2022-03-18
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 642
Registriert: Di 16. Feb 2016, 16:27
Geschlecht: (Trans)Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Gröbenzell
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 39 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-03-18 »

Hallo,
Ich vermute, dass der ewige Krieg in Afghanistan auch viel mit Drogen zu tun hat.
Ist ja glaub ich Schlafmohnanbaugebiet und vielleicht hat das auch die Opiatkrise in den USA noch zusätzlich angeheizt?
ExuserIn-2022-05-22
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 720
Registriert: Di 26. Nov 2019, 19:14
Geschlecht: M
Pronomen:
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 40 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-22 »

Hat jemand den Ausschnitt im zdf von der Rede von Gauland Ë‹ Afd, gesehen wie der den Einsatz in Afghanistan auf kleine Mädchen in der Schule reduziert? Unerträglich. Völlig ausblendend das es a gegen den Terror und b um Menschenrechte und Frauenrechte und Freiheit überhaupt ging. Unfassbar und unerträglich. Ich will gar nicht wissen was diejenigen jetzt denken die da unten waren. Alles umsonst.
Und die Hetz Propaganda gegen geflüchtete Frauen, Männer, Bürgerrechtler , Ortskräfte und Politiker aus Afghanistan wird auch bald anlaufen.
Shushi Rolls , not Gender Roles
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27647
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 217 Mal
Danksagung erhalten: 2509 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 41 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Deutscher Frauenrat: AFGHANISCHE FRAUEN EVAKUIEREN

https://www.frauenrat.de/wp-content/upl ... uieren.pdf
kochy25
Beiträge: 56
Registriert: So 26. Jul 2020, 10:28
Pronomen:
Wohnort (Name): München
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 42 im Thema

Beitrag von kochy25 »

Das Thema Afghanistan ist von hier aus absolut schwierig zu beurteilen.

Ich heiße das was dort gerade passiert absolut NICHT gut - das erst einmal vorab.
ABER das war alles voraus zu sehen. Die die sich jetzt Taliban nennen wurden (zum Teil nicht alle) im kalten Krieg zwischen Westmächten und der ehemaligen UDSSR vom "Westen" her gegen den "Kampf" (es war sowas wie ein Guerilla Krieg der da geführt wurde) gegen den "Russen" mit Waffen und co eine sehr lange Zeit unterstützt. Mit "Glasnost" und der relativen Entspannung der Lage zwischen Ost und West fiel die Unterstützung weg. Den "Mudjahedin" dort fehlte es nun an einem Feindbild und denen wurde gewissermaßen langweilig. Was macht man wenn man seit gut 100 Jahren gewöhnt ist, einen Guerilla Kampf zu führen, gut ausgerüstet ist und man gerade kein aktuelles Feindbild hat? Richtig man sucht sich ein neues.
Jetzt kamen dann auch noch westliche Truppen in dieses Land welche versuchen "denen" die westliche Lebensart und unsere Wertvorstellungen aufzudrängen. Das das bei Menschen, die es gewohnt sind ihr eigenes Ding durch zu ziehen - gründlich in die Hose gehen muss - dürfte jedem klar sein der Mal versucht hat einem Kind das nicht will die Jacke an zu ziehen. Das man als system Armee einen Guerilla Krieg nicht gewinnen kann - dürfte aus Vietnam bekannt sein. Die Taliban sind zwar die waffentechnisch schlechtere Truppe, die kennen aber das Gelände besser als jeder andere seine eigene Hosentasche. Fakt ist, das die Taliban in der Bevölkerung zumindest einen Teil von Rückhalt haben müssen - sonst geht das auf Dauer nicht gut. Keine Gruppe - egal welche Ideologie dahinter steht - kann langfristig (!) Gegen das eigene Volk agieren.
Nun was tun - sprach Zeus? Die Götter sind besoffen und der Olymp ist voll gekotzt.

Da das mit dem Zaun (=Mauer) scheinbar gut funktioniert: Zaun drum herum, nix raus nix rein - so wie die "Stille Treppe" für bockige Kinder. Ist zwar keine optimale Lösung - aber mit Terroristen verhandelt man nicht und schickt erst Recht nicht wie angekündigt zig Millionen Steuergelder in ein Fass ohne Boden. Natürlich trifft das auch Leute die damit nix zu tun haben. Aber man kann bei solchen Dingen nicht auf einzelne Schicksale Rücksicht nehmen. Man kann nicht ALLE retten - erst Recht nicht - wenn welche dazwischen sind die nicht gerettet werden wollen.

Ich weiß daß mein Kommentar nicht Jedermanns (fraus) Sache ist und es aller Wahrscheinlichkeit nach ziemlich Gegenwind gibt - aber der/diejenige die jetzt böse Kommentieren möchte - eine Frage habe ich da: Hast du einen besseren Vorschlag, der auch durchführbar UND Bezahlbar ist? Wenn ja - konstruktive Vorschläge sind gerne herzlich willkommen.

Gruß Marco
scheue_Sarah
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 882
Registriert: Mi 30. Dez 2020, 17:00
Geschlecht: zu selten w
Pronomen: ich eben...
Wohnort (Name): Kreis Unna
Hat sich bedankt: 22 Mal
Danksagung erhalten: 3 Mal
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 43 im Thema

Beitrag von scheue_Sarah »

kochy25 hat geschrieben: Do 26. Aug 2021, 10:21 Fakt ist, das die Taliban in der Bevölkerung zumindest einen Teil von Rückhalt haben müssen
Eine gut ausgebildete und vor allem ausgerüstete Armee von 300.000 Soldaten, die sich nicht einmal gewehrt hat, unterstreicht diese Annahme.
Auch wenn in der Bevölkerung die Vorzüge von Frauen"behandlung", Schulen, Sicherheit, etc. durchaus angenommen wurden...
"Don't dream it, be it!"
aus der Rocky Horror Picture Show

"Es braucht einen echten Mann, um sich mit seiner weiblichen Seite wohlzufühlen..."
Backstreet Boy AJ McLean aus Solidarität zu Harry Styles' Foto im Kleid auf der Vogue
Lana
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1782
Registriert: Fr 8. Jan 2021, 01:29
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 948 Mal
Danksagung erhalten: 1483 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 44 im Thema

Beitrag von Lana »

Lieber Marco,
kochy25 hat geschrieben: Do 26. Aug 2021, 10:21
Ich heiße das was dort gerade passiert absolut NICHT gut - das erst einmal vorab.


Schön, da bin ich ganz bei dir :)
Den "Mudjahedin" dort fehlte es nun an einem Feindbild und denen wurde gewissermaßen langweilig. Was macht man wenn man seit gut 100 Jahren gewöhnt ist, einen Guerilla Kampf zu führen, gut ausgerüstet ist und man gerade kein aktuelles Feindbild hat? Richtig man sucht sich ein neues.

Die Geschichte Afghanistans beginnt nicht erst in den siebziger Jahren. Es wurde davor schon lange als "Pufferzone" zwischen britischem und russischem Einflussbereich missbraucht. Ist unter dem Stichwort Great Game in die Geschichte eingegangen, was einiges über die britische Sicht auf das Land und seine Menschen aussagt. Sie wurden als Spielzeug betrachtet, um eigene Interessen durchzusetzen. Daran hat sich bis heute kaum was geändert, nur dass nun die USA mal mit "spielen" dran waren . Aber auch die Briten holten sich dort schon dreimal eine blutige Nase. Das einzige, was sie letztlich bewirken, war die Teilung des Landes in Stammesgebiete, die zum heutigen Pakistan gehören und solche, die in Afghanistan verblieben. Prinzip Teile-und-herrsche eben, wenn auch mit wenig Erfolg in diesem Fall.
Dass den Mujahedin in den neunziger Jahren, nachdem die Sowjetarmee abgezogen war, einfach langweilig wurde und dann ein neues Feindbild notwendig wurde ist ein interessanter Gedanke. Nach dem Zusammenbruch der SU fiel die Wahl dann halt auf den Westen, der dankbarerweise (wenn auch mit über 10 Jahren Verspätung) 2001 angerückt ist? Ich bitte dich :?


Da das mit dem Zaun (=Mauer) scheinbar gut funktioniert: Zaun drum herum, nix raus nix rein - so wie die "Stille Treppe" für bockige Kinder. Ist zwar keine optimale Lösung - aber mit Terroristen verhandelt man nicht und schickt erst Recht nicht wie angekündigt zig Millionen Steuergelder in ein Fass ohne Boden. Natürlich trifft das auch Leute die damit nix zu tun haben. Aber man kann bei solchen Dingen nicht auf einzelne Schicksale Rücksicht nehmen. Man kann nicht ALLE retten - erst Recht nicht - wenn welche dazwischen sind die nicht gerettet werden wollen.

Ich weiß daß mein Kommentar nicht Jedermanns (fraus) Sache ist und es aller Wahrscheinlichkeit nach ziemlich Gegenwind gibt - aber der/diejenige die jetzt böse Kommentieren möchte - eine Frage habe ich da: Hast du einen besseren Vorschlag, der auch durchführbar UND Bezahlbar ist? Wenn ja - konstruktive Vorschläge sind gerne herzlich willkommen.

Ja, jetzt da der Westen des tödlichen "Spiels" in Afghanistan überdrüssig geworden ist, bauen wir am besten eine große Mauer drumherum, damit wir uns nicht weiter mit dem beschäftigen müssen, was maßgeblich unter US-Einfluss seit den achtziger Jahren dort alles schief gelaufen ist. Soll doch die einheimische Bevölkerung den zu großen Teilen von uns verursachten Scherbenhaufen bitteschön selbst wegräumen. Und damit ihnen das nicht zu leicht fällt, boykottieren wir sie, sperren ihre Auslandskonten und reden nicht mit ihnen. Dass dabei ein paar unter die Räder kommen - Kollateralschaden nennt man das doch, oder? Einfach dumm gelaufen, Pech gehabt.

Ja, es stimmt, dass das, was heute Taliban genannt wird, in den achtziger Jahren durch viel Geld, logistische Unterstützung und vor allem Waffenlieferungen erst von den USA selbst geschaffen wurde. Damals hat man die Mujahedin groß gemacht, damit sie zuerst die "kommunistische" Regierung attackieren und dann gegen die sowjetische Armee kämpfen. Finanziert wurde das zum Großteil von Saudiarabien und den Golfstaaten, koordiniert von der CIA (Operation Cyclone).
Man hat also in den letzten 20 Jahren angeblich ein Problem bekämpft, das man selbst erst geschaffen hatte. Nun hat man keine Lust mehr und lässt einfach alles stehen und liegen. Wenn das die "westliche Werte" sind, die man dem Land großzügigerweise überstülpen wollte, war es ja ein voller Erfolg.

Wie man aus der selbstgeschaufelten Grube nun am besten wieder heraus kommt, weiß ich auch nicht. Einen Zaun darum herum zu ziehen und die Augen vor dem angerichteten Elend zu verschließen, kann es jedoch nicht sein. Sich dann noch vor den Kosten eines notwendigen Aufbaus des Landes drücken zu wollen, ist der Gipfel des Zynismus. Zu seiner Zerstörung war schließlich auch massenhaft Geld vorhanden:

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 21849.html

Und nein, dein "Vorschlag" ist keine Lösung. Zudem darf ich die auch dann kritisieren, wenn ich nicht gleich die perfekte Lösung präsentiere.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27647
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 217 Mal
Danksagung erhalten: 2509 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Dringender Hilferuf aus Afghanistan

Post 45 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Antworten

Zurück zu „Andere Länder“