Lieber Marco,
kochy25 hat geschrieben: Do 26. Aug 2021, 10:21
Ich heiße das was dort gerade passiert absolut NICHT gut - das erst einmal vorab.
Schön, da bin ich ganz bei dir
Den "Mudjahedin" dort fehlte es nun an einem Feindbild und denen wurde gewissermaßen langweilig. Was macht man wenn man seit gut 100 Jahren gewöhnt ist, einen Guerilla Kampf zu führen, gut ausgerüstet ist und man gerade kein aktuelles Feindbild hat? Richtig man sucht sich ein neues.
Die Geschichte Afghanistans beginnt nicht erst in den siebziger Jahren. Es wurde davor schon lange als "Pufferzone" zwischen britischem und russischem Einflussbereich missbraucht. Ist unter dem Stichwort Great Game in die Geschichte eingegangen, was einiges über die britische Sicht auf das Land und seine Menschen aussagt. Sie wurden als Spielzeug betrachtet, um eigene Interessen durchzusetzen. Daran hat sich bis heute kaum was geändert, nur dass nun die USA mal mit "spielen" dran waren . Aber auch die Briten holten sich dort schon dreimal eine blutige Nase. Das einzige, was sie letztlich bewirken, war die Teilung des Landes in Stammesgebiete, die zum heutigen Pakistan gehören und solche, die in Afghanistan verblieben. Prinzip Teile-und-herrsche eben, wenn auch mit wenig Erfolg in diesem Fall.
Dass den Mujahedin in den neunziger Jahren, nachdem die Sowjetarmee abgezogen war, einfach langweilig wurde und dann ein neues Feindbild notwendig wurde ist ein interessanter Gedanke. Nach dem Zusammenbruch der SU fiel die Wahl dann halt auf den Westen, der dankbarerweise (wenn auch mit über 10 Jahren Verspätung) 2001 angerückt ist? Ich bitte dich
Da das mit dem Zaun (=Mauer) scheinbar gut funktioniert: Zaun drum herum, nix raus nix rein - so wie die "Stille Treppe" für bockige Kinder. Ist zwar keine optimale Lösung - aber mit Terroristen verhandelt man nicht und schickt erst Recht nicht wie angekündigt zig Millionen Steuergelder in ein Fass ohne Boden. Natürlich trifft das auch Leute die damit nix zu tun haben. Aber man kann bei solchen Dingen nicht auf einzelne Schicksale Rücksicht nehmen. Man kann nicht ALLE retten - erst Recht nicht - wenn welche dazwischen sind die nicht gerettet werden wollen.
Ich weiß daß mein Kommentar nicht Jedermanns (fraus) Sache ist und es aller Wahrscheinlichkeit nach ziemlich Gegenwind gibt - aber der/diejenige die jetzt böse Kommentieren möchte - eine Frage habe ich da: Hast du einen besseren Vorschlag, der auch durchführbar UND Bezahlbar ist? Wenn ja - konstruktive Vorschläge sind gerne herzlich willkommen.
Ja, jetzt da der Westen des tödlichen "Spiels" in Afghanistan überdrüssig geworden ist, bauen wir am besten eine große Mauer drumherum, damit wir uns nicht weiter mit dem beschäftigen müssen, was maßgeblich unter US-Einfluss seit den achtziger Jahren dort alles schief gelaufen ist. Soll doch die einheimische Bevölkerung den zu großen Teilen von uns verursachten Scherbenhaufen bitteschön selbst wegräumen. Und damit ihnen das nicht zu leicht fällt, boykottieren wir sie, sperren ihre Auslandskonten und reden nicht mit ihnen. Dass dabei ein paar unter die Räder kommen - Kollateralschaden nennt man das doch, oder? Einfach dumm gelaufen, Pech gehabt.
Ja, es stimmt, dass das, was heute Taliban genannt wird, in den achtziger Jahren durch viel Geld, logistische Unterstützung und vor allem Waffenlieferungen erst von den USA selbst geschaffen wurde. Damals hat man die Mujahedin groß gemacht, damit sie zuerst die "kommunistische" Regierung attackieren und dann gegen die sowjetische Armee kämpfen. Finanziert wurde das zum Großteil von Saudiarabien und den Golfstaaten, koordiniert von der CIA (Operation Cyclone).
Man hat also in den letzten 20 Jahren angeblich ein Problem bekämpft, das man selbst erst geschaffen hatte. Nun hat man keine Lust mehr und lässt einfach alles stehen und liegen. Wenn das die "westliche Werte" sind, die man dem Land großzügigerweise überstülpen wollte, war es ja ein voller Erfolg.
Wie man aus der selbstgeschaufelten Grube nun am besten wieder heraus kommt, weiß ich auch nicht. Einen Zaun darum herum zu ziehen und die Augen vor dem angerichteten Elend zu verschließen, kann es jedoch nicht sein. Sich dann noch vor den Kosten eines notwendigen Aufbaus des Landes drücken zu wollen, ist der Gipfel des Zynismus. Zu seiner Zerstörung war schließlich auch massenhaft Geld vorhanden:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 21849.html
Und nein, dein "Vorschlag" ist keine Lösung. Zudem darf ich die auch dann kritisieren, wenn ich nicht gleich die perfekte Lösung präsentiere.
LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal