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Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Mi 17. Jun 2020, 11:44
von Ulrike-Marisa
Moin,

...zu deutsch über setzt: Konfrontation mit neuem, Angst davor damit umzugehen, tiefer Zweifel, ob das richtig ist, Akzeptanz der neuen Lage, neuer persönlicher Standard.
Oder kurz, mit der Zeit gewöhnt sich der Mensch an alles; und es gibt nicht s gutes, außer man tut es.
Die Entscheidung darüber wird jedem einzelnen Menschen aber abverlangt und nur wenn es gelingt, dazu auch zu stehen, was man macht, dann kann es gut werden auch wenn es gegen den Strom ist.

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Mi 17. Jun 2020, 16:25
von lexes
steffiSH hat geschrieben: Mi 17. Jun 2020, 08:41
lexes hat geschrieben: Di 16. Jun 2020, 08:48 Jetzt geht dieser Mann , den alle nur als kernigen Typen, der seinen Beruf sauber macht kennen ,einfach mal im schönen Rock öffentlich im Park spazieren ( und wer will es ihm verwehren ?? )
Wir wissen doch was dann passiert.
Lexi
Nein Lexi, wir wissen nicht was passiert ! Wir alten hier im Forum - 50plus und so - denken das zu wissen.
Dem ist aber nicht so. Diese Denkweise ist mittlerweile anachonistisch. Es passiert nämlich nichts.
Das erlebe ich jedes Wochenende auf dem Markt auf den ich immer noch männlich in Strumpfhosen und Rock oder Kleid gehe. Es gibt wenn überhaupt nur ein paar positive Reaktionen
Wir denken Leute im öffentlichen Leben würden ausgebuht - das stimmt nicht mehr.


... das ist sehr schön für Dich ... und trotzdem an der Realität in Deutschland vorbei.

Und wenn Du nichts zu verlieren hast ( ich meine eine Selbstständige Tätigkeit oder ein Amt ) ist es wahrscheinlich auch egal ...

Ich rede jeden Tag mit seeeeehr vielen Menschen und lasse das Thema gerne mal beiläufig einfließen...

Hatte heute eine Kundin ( keine verknöcherte alte Schachtel, sondern die flippige Mutter von 3 jungen Mädels )
Wir kamen irgendwie über ihren Rosa-Mundschutz und eine bunte Haarsträhne über Hölzchen und Stöckchen auf
"Männer mit rosa gefärbten Haaren" ...

Weist Du was sie gesagt hat : Mein Mann dürfte höchstens blau .. sonst verlasse ich ihn. Und das war heute .. und das ist kein glücklicher Zufall für meine Argumentation.

Und weil ich ja nun seehehr im Thema bin und immer wieder mal ein beiläufiges Gespräch in der Richtung anfange ( und meine Kunden sind überregional, der Schnitt ist sicher repräsentativ ) kann ich Dir folgendes sagen :



Den Leuten ist irgendein Mann im Rock völlig egal ( meistens )

So wie Du den anderen Leuten völlig egal bist wenn Du einen Rock trägst

Leider sind für die Personen im Rock die Menschen auf der Welt nicht alle "fremd"


Der Ehefra / der Familie / dem Chef / der Kollegenschaft / den Kunden / den Wählern ist es definitiv lange nicht so egal wie Du wildfremde Person im Rock auf dem Markt.

Und es ist die Familie / die Arbeit / die Kundschaft mit der Menschen ihr Leben verbringen und mit deren Reaktionen ( wie auch immer die ausfallen ) man dann leben muss.

Und wie der Pfeil, der die Sehen verlassen hat, ist das gesprochene Wort und in unserem Fall auch die Klarstellung "Ich trage Röcke / Damenbekleidung ", nicht mehr zurückzuhoien.

Noch mal : Es ist schön für Dich , wenn Deine Umgebung positiv bis neutral reagiert.

Ich für meinen Teil trage seit weit über 20 Jahren Strümpfe / Heils / Kleider und MakeUP.

Seit fast 15 Jahren mache ich meinen Beruf, in dem ein wenig Smalltalk der perfekte Eisbrecher ist.

Und glaube mir : Seit 15 Jahren fühle ich Menschen in diesem Punkt thematisch auf den Zahn ..

Und da sind seeeeeehr viele dabei für die ein Mann / Freund / Arbeitskollege / Chef im Kleid oder Rock ein völliges NoGo ist.

Dafür musst Du Dir nur mal die Erfahrungen der meisten Forumsmitgliedern in Puncto "Akzeptanz durch die eigene Frau" durchlesen.

Es gibt da zwar auch einige schöne Beispiele .. aber das hier :
steffiSH hat geschrieben: Mi 17. Jun 2020, 08:41 Diese Denkweise ist mittlerweile anachonistisch. Es passiert nämlich nichts.
redest Du Dir leider schön, und ich kann's ehrlich beurteilen.

Wollen wir aber hoffen das es stetig besser wird.

Und gerade Menschen wie Du, die zum täglichen Bild der Menschen beitragen , sind da sicher ein Stein auf dem Weg in die richtige Richtung

Lexi

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Mi 17. Jun 2020, 20:46
von Vincent
Hi Lexi,
ich denke man kann keine Seite verallgemeinern.
Ich bin zum Teil selbständig und habe kein Problem mit Kunden und Rock.
Natürlich halte ich mich zurück, nicht zu sehr ins Weibliche zu gehen.
Bei meinem Arbeitgeber, dem ich nur 2 Tage die Woche diene, habe ich Rock bisher noch nicht geplant.
Mein Freundeskreis hat keine Probleme mit Rock, oder auch nicht mit einem bunten Kleid, auch dessen Umfeld nicht.
Ein davon unabhängiger Bekanntenkreis aus meiner räumlichen Umgebung tut sich jedoch sichtlich schwer damit.
Und? Das ist aber nicht mein Problem - entweder sie gehen mir aus dem Weg, oder sie nehmen es hin, etwas mehr oder weniger Smalltalk ist nicht relevant.

Es gibt solche und solche, wenn man nicht gerade auf die eine Seite angewiesen ist, kann es einem egal sein.

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 07:37
von Ulrike-Marisa
Moin,

nach meiner unmaßgeblichen persönlichen Einschätzung ist für die meisten Betroffenen, die bewusst Röcke tragen, die eigene Familie das größte Problem, mangelnde Akzeptanz dort und andere Probleme von Ehen und Partnerschaften. Meine Frau will mich zu Hause auch nicht im Rock sehen, da sie keine Frau neben sich im Haushalt haben mag. Röcke trägt sie auch nicht, die findet sie unpraktisch. Im weiteren Umfeld gibt es kaum oder keine Reaktion, manchmal eine positive auf meinen Stil in blau...Manche finden mich mutig, was sich aber auf die Transsexualität bezieht und nicht auf das Tragen von Röcken. So erlebt vermutlich jede/r etwas anderes in dieser Hinsicht. Es bleibt immer nach der persönlichen Entscheidung Röcke zu tragen, die Frage der persönlichen Haltung dazu und des eigenen Rückrates und wie man dazu steht und es leben kann.


Grüße, Ulrike-Marisa :wink:

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 09:20
von steffiSH
lexes hat geschrieben: Mi 17. Jun 2020, 16:25 ... das ist sehr schön für Dich ... und trotzdem an der Realität in Deutschland vorbei.
an DEINER Realität vorbei, nicht an meiner. Gibt es eine objektive Realität ?
lexes hat geschrieben: Mi 17. Jun 2020, 16:25 Und wenn Du nichts zu verlieren hast ( ich meine eine Selbstständige Tätigkeit oder ein Amt ) ist es wahrscheinlich auch egal ...
Immer dieses Angstargument was zu verlieren ... klar, nur wären die Menschen bis heute nicht auf dem Mond gewesen und viele andere Sachen gäbs nicht wenn jeder so denken würde.
lexes hat geschrieben: Mi 17. Jun 2020, 16:25 Und weil ich ja nun seehehr im Thema bin und immer wieder mal ein beiläufiges Gespräch in der Richtung anfange ( und meine Kunden sind überregional, der Schnitt ist sicher repräsentativ ) kann ich Dir folgendes sagen :
Schön daß Du das erwähnst, und ich soll das jetzt einfach glauben, oder ? Du möchtest damit implizieren Deine Antworten hätten mehr Gewicht als meine weil Du Dich deinem eigenen Empfinden nach besser auskennst als ich.
Du wirst es nicht schaffen allen Deine Sichtweise Deiner Welt so zu vermitteln daß sie sie als einzige Wahrheit anerkennen.
Meine Intention ist nicht Menschen bekehren zu wollen, jeder darf seine eigene Wahrheit behalten, Du Deine und ich meine.

Dein Text war sehr lang und ich habe jetzt keine Lust mehr weiter zu analysieren - Tschuldigung :wink:

steffi

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 13:21
von Blossom
Hallo,

eigentlich wollte ich mich bereits aus diesem Thread ziehen, aber ...

Ich war am aktuell am Wochenende in Castrop-Rauxel en femme im Real-Markt einkaufen, und wie es der Zufall will: Ein Mann im Rock, wie im Eingangspost beschrieben.
Es war sehr interessant, die Reaktionen darauf zu beobachten ... Zwar wurde ihm zum Teil entgegengelächelt, aber es war offensichtlich, dass es eher ein Belächeln war. Ganz abgesehen von den getuschelten Kommentaren, die ich zum Teil mitverfolgen durfte: eindeutig negativ.
Mir selbst brachte man neugieriges Interesse entgegen, sodass ich mit einem Mittvierziger Paar an der Kasse sogar auf das Thema Transgender angesprochen wurde. Letzlich aber halt positiv und mit Kompliment für mein adrettes Outfit - sogar der Bemerkung, dass ich so gut wie gar nicht auffallen würde.
Auch fiel mir auf, dass die Generation Internet dem Rockträger weitaus offener begegnet sind und Ältere sich damit noch eindeutig schwer tun.

Insoweit kann ich Lexi in fast allem zustimmen. Die Realität sieht halt noch anders aus. Und ich möchte anfügen, dass ich als Transfrau ein täglich positiveres Feedback bekomme. Auch wenn ich keine Biofrau bin, so entspreche ich einem Bild, dass gut in eine der antrainierten Schubladen passt.

Was das Angstargument anbelangt: Ich kann es nachvollziehen, denn wenn mir als Transfrau bereits im Rahmen eines Bewerbungsgesprächs gesagt wurde, man wüsste nicht, ob man mich den Klienten zumuten könnte - umso viel heftiger dürfte eine solche Äußerung ein "männlichen" Rockträger entgegenschallen? Glücklicherweise bin ich inzwischen selbständig und als Künstlerin bekomme ich von der Öffentlichkeit auch noch einen gewissen Bonus der Narrenfreiheit geschenkt: "Künstlerin halt" - was ich definitiv nicht als negativ empfinde.

So, und nun darf es Shitstorm hageln.

Liebe Grüße vom
Blümchen (na)

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 13:34
von sbsr
Die einzelnen persönlichen Ansichten ergeben zusammen ein anschauliches Bild.

steffiSH hat geschrieben: Mi 17. Jun 2020, 08:41 Das erlebe ich jedes Wochenende auf dem Markt auf den ich immer noch männlich in Strumpfhosen und Rock oder Kleid gehe. Es gibt wenn überhaupt nur ein paar positive Reaktionen
Je nachdem, wie sicher wir uns selbst sind, nehmen wir unsere Umwelt wahr. Komplett gefestigt und mit totaler Selbstverständlichkeit im Tragen von Röcken und Kleidern wird man die seltsamen fragenden Blicke bei weitem nicht mehr so stark bemerken. Unsicher und mit sich selbst nicht im Reinen erlebt man jeden noch so kleinen Verdacht einer Negativ Reaktion als Angriff.

Tarja hat geschrieben: Mi 17. Jun 2020, 10:08 Ich würde aber vermuten das der Anteil negativer Reaktionen ebenso groß ist. Nur sagt Dir das niemand.
Wem ging es noch nicht so, man sieht andere Leute laufen und denkt sich, das geht ja gar nicht. Guten Freunden sagt man das vielleicht, Bekannten sehr unwahrscheinlich und Fremden schon gleich gar nicht. Bedeutet das für denjenigen, nur weil niemand merklich reagiert hat, dass alle die Klamotte toll finden?

Anders herum ist die Frage, siehe oben, wie geht man damit um wenn man erfährt, das jemand nicht gut findet, was man trägt. Bei Fremden, mit denen wir nicht interagieren brauchen, könnte es uns ja eigentlich egal sein.

lexes hat geschrieben: Mi 17. Jun 2020, 16:25 Ich rede jeden Tag mit seeeeehr vielen Menschen und lasse das Thema gerne mal beiläufig einfließen...
Das macht den großen Unterschied. Wenn das Gegenüber den Eindruck hat, seine Meinung frei äußern zu können, wird das viel eher passieren, weil es sich dann nicht zu vorgespiegelter Höflichkeit verpflichtet fühlt. Über jemanden zu reden ist wesentlich einfacher als mit jemandem.

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 15:30
von steffiSH
sbsr hat geschrieben: Do 18. Jun 2020, 13:34 Je nachdem, wie sicher wir uns selbst sind, nehmen wir unsere Umwelt wahr. Komplett gefestigt und mit totaler Selbstverständlichkeit im Tragen von Röcken und Kleidern wird man die seltsamen fragenden Blicke bei weitem nicht mehr so stark bemerken. Unsicher und mit sich selbst nicht im Reinen erlebt man jeden noch so kleinen Verdacht einer Negativ Reaktion als Angriff.
Genau so siehts aus: Es gibt nicht DIE Umwelt , jedeR hat SEINE Umwelt und es kommt darauf an sich in SEINER Umwelt wohlzufühlen.
Einschränkend muß ich aber trotzdem das Argument der Ängstlichen anfügen: Wenn DEINE Welt vor anderen nicht toleriert wird, fühlst Du Dich da auch nicht wohl.
Also ist alle eine Sache der Gewichtung damit es einem am Ende gut geht: Meine Welt muß mir was Wert sein, aber auch die der Anderen.

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 17:25
von lexes
steffiSH hat geschrieben: Do 18. Jun 2020, 09:20
lexes hat geschrieben: Mi 17. Jun 2020, 16:25 ... das ist sehr schön für Dich ... und trotzdem an der Realität in Deutschland vorbei.
an DEINER Realität vorbei, nicht an meiner. Gibt es eine objektive Realität ?
lexes hat geschrieben: Mi 17. Jun 2020, 16:25 Und wenn Du nichts zu verlieren hast ( ich meine eine Selbstständige Tätigkeit oder ein Amt ) ist es wahrscheinlich auch egal ...
Immer dieses Angstargument was zu verlieren ... klar, nur wären die Menschen bis heute nicht auf dem Mond gewesen und viele andere Sachen gäbs nicht wenn jeder so denken würde.
lexes hat geschrieben: Mi 17. Jun 2020, 16:25 Und weil ich ja nun seehehr im Thema bin und immer wieder mal ein beiläufiges Gespräch in der Richtung anfange ( und meine Kunden sind überregional, der Schnitt ist sicher repräsentativ ) kann ich Dir folgendes sagen :
Schön daß Du das erwähnst, und ich soll das jetzt einfach glauben, oder ? Du möchtest damit implizieren Deine Antworten hätten mehr Gewicht als meine weil Du Dich deinem eigenen Empfinden nach besser auskennst als ich.
Du wirst es nicht schaffen allen Deine Sichtweise Deiner Welt so zu vermitteln daß sie sie als einzige Wahrheit anerkennen.
Meine Intention ist nicht Menschen bekehren zu wollen, jeder darf seine eigene Wahrheit behalten, Du Deine und ich meine.

Dein Text war sehr lang und ich habe jetzt keine Lust mehr weiter zu analysieren - Tschuldigung :wink:

steffi

Ich mag Dich .. Du bist lustig
. :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 17:27
von lexes
sbsr hat geschrieben: Do 18. Jun 2020, 13:34
lexes hat geschrieben: Mi 17. Jun 2020, 16:25 Ich rede jeden Tag mit seeeeehr vielen Menschen und lasse das Thema gerne mal beiläufig einfließen...
Das macht den großen Unterschied. Wenn das Gegenüber den Eindruck hat, seine Meinung frei äußern zu können, wird das viel eher passieren, weil es sich dann nicht zu vorgespiegelter Höflichkeit verpflichtet fühlt. Über jemanden zu reden ist wesentlich einfacher als mit jemandem.
So sieht das aus .. Danke Dir

Und darum ist die Aussage : "klappt bei mir aber super" leider oft irreführend.

Der Mensch ist leider nicht immer sehr direkt

Vielen Dank dafür , denPunkt hatte ich völlig vergessen

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 17:28
von lexes
Blossom hat geschrieben: Do 18. Jun 2020, 13:21 Hallo,

eigentlich wollte ich mich bereits aus diesem Thread ziehen, aber ...

Ich war am aktuell am Wochenende in Castrop-Rauxel en femme im Real-Markt einkaufen, und wie es der Zufall will: Ein Mann im Rock, wie im Eingangspost beschrieben.
Es war sehr interessant, die Reaktionen darauf zu beobachten ... Zwar wurde ihm zum Teil entgegengelächelt, aber es war offensichtlich, dass es eher ein Belächeln war. Ganz abgesehen von den getuschelten Kommentaren, die ich zum Teil mitverfolgen durfte: eindeutig negativ.
Mir selbst brachte man neugieriges Interesse entgegen, sodass ich mit einem Mittvierziger Paar an der Kasse sogar auf das Thema Transgender angesprochen wurde. Letzlich aber halt positiv und mit Kompliment für mein adrettes Outfit - sogar der Bemerkung, dass ich so gut wie gar nicht auffallen würde.
Auch fiel mir auf, dass die Generation Internet dem Rockträger weitaus offener begegnet sind und Ältere sich damit noch eindeutig schwer tun.

Insoweit kann ich Lexi in fast allem zustimmen. Die Realität sieht halt noch anders aus. Und ich möchte anfügen, dass ich als Transfrau ein täglich positiveres Feedback bekomme. Auch wenn ich keine Biofrau bin, so entspreche ich einem Bild, dass gut in eine der antrainierten Schubladen passt.

Was das Angstargument anbelangt: Ich kann es nachvollziehen, denn wenn mir als Transfrau bereits im Rahmen eines Bewerbungsgesprächs gesagt wurde, man wüsste nicht, ob man mich den Klienten zumuten könnte - umso viel heftiger dürfte eine solche Äußerung ein "männlichen" Rockträger entgegenschallen? Glücklicherweise bin ich inzwischen selbständig und als Künstlerin bekomme ich von der Öffentlichkeit auch noch einen gewissen Bonus der Narrenfreiheit geschenkt: "Künstlerin halt" - was ich definitiv nicht als negativ empfinde.

So, und nun darf es Shitstorm hageln.

Liebe Grüße vom
Blümchen (na)

das hast Du sehr schön beschrieben

Danke dafür

Lexi

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 17:48
von Vincent
Es stellt sich für mich aber auch die Frage welche Bedeutung hat es wenn andere meine Kleidung nicht gut finden.
Ganz ehrlich überzeugt mich in den seltensten Fällen die Kleidung meiner Mitmenschen voll und ganz, meistens finde ich sie schlicht einfallslos und langweilig - aber macht das für mich einen Unterschied wie ich mit den Leuten umgehe?

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 18:41
von rika
ich lese gerade hier ein wenig und erinnere mich an einen Urlaub 2004 auf Norderney. Meine Tochter und ich hatten uns in einem schönen Strandhotel einquartiert und ich meinen langen Jeansrock mitgenommen, den ich natürlich auch trug. Ja, die Leute schauten ein wenig und nicht der Rock, sondern eben das Schauen war meiner damals 12-jährigen Tochter etwas unangenehm. Ich sah die Blicke beim Frühstück im Hotel und Abendessen, aber niemand hat jemals etwas gesagt. Was auch? Der Hotelier? Meine Tochter hat die Zeit sehr gut überstanden, weiß von rika und geht ihren Weg.

Aber ich gestehe auch, dass der Anblick eines Mannes im Rock Verwirrung auslösen kann, denn der "Rest des Kerls" ist optisch nun mal männlich.

Ganz anders ist es, in der optisch völligen Verwandlung zur Frau zu erscheinen. Ist sie einigermaßen gut gemacht, erkennt man den Mann kaum noch, aber da kommt schon wieder eine Faszination oder ein Spiel auf: ich verwandele mich optisch zu einer Frau, aber die Stimme ist eher tief und bei mir die Körpergröße von 1,90 m nicht unbedingt weiblich. Zum Glück habe ich schmale Schultern und eher schlanke Arme ohne viel Behaarung, die wenn vorhanden auch noch wegrasiert wird, und bin dann wieder nicht so sehr männlich.

Da ist schon ein kleiner Nervenkitzel, den ich mittlerweile genieße: Verwunderung negativ oder absolut positiv von der Frau an der Rewe-Kasse, überforderte oder lachend-freundliche Augen. Und wenn sie abends daheim erzählen, dass da jemand war, der wie eine Frau gekleidet aber keine war, dann wird der Mann sich gelangweilt das nächste Bier öffnen. Aber sie hatten doch mal wieder ein Erlebnis zwischen all den Pieps der Kassen.

rika

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 20:47
von Magdalena
Hallo,

da erinnere ich mich an meine Anfängerinnenzeit zurück. Was in den eigen "Vier Wänden" kein Problem ist, waren die ersten Schritte in der Öffentlichkeit. Mein Herz schlug wohl gefühlt 200 Puls. Auch waren die meisten Frauen in der Zeit vorwiegend in Hosen unterwegs. Ich würde in dem Zusammenhang nicht unbedingt von Mut sprechen. Eher von Überwindung der eigen Angst, Angst dumm angemacht zu werdern bis hin zu Gewalt. Zum Glück sind es nur Befürchtungen geblieben. Eher waren es freundliche Blicke. Ob hinterher getuschelt wurde, sicher, ist mir aber inzwischen egal,

Aber mehr und mehr, mit jedem Auftritt in der Öffentlichkeit wurden die Ängste weniger. Heute bin ich gelassen, wenn ich im Rock oder Kleid unterwegs bin.

Viele liebe Grüße von Magdalena

Re: Warum erfordert es eigentlich so viel Mut, sich mit Rock in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 20:48
von Blossom
rika hat geschrieben: Do 18. Jun 2020, 18:41 Da ist schon ein kleiner Nervenkitzel, den ich mittlerweile genieße: Verwunderung negativ oder absolut positiv von der Frau an der Rewe-Kasse, überforderte oder lachend-freundliche Augen. Und wenn sie abends daheim erzählen, dass da jemand war, der wie eine Frau gekleidet aber keine war, dann wird der Mann sich gelangweilt das nächste Bier öffnen. Aber sie hatten doch mal wieder ein Erlebnis zwischen all den Pieps der Kassen.
Liebe Rika,

sehr schön formuliert. Danke für das zustimmende Schmunzeln, das du mir damit geschenkt hast.

Liebe Grüße vom
Blümchen (na)