Keine Ahnung, was du mit dem alten Begriff provozieren willst, aber sei's drum: Ich bezeichne mich schon seit über 2 Jahren als trans enby, bzw. trans nicht-binär. Das Adjektiv trans bedeutet ja einfach, dass ich mit dem mir bei Geburt zugewiesenen Gender nicht einverstanden bin. Nach der Definition sind Menschen mit nicht-binärem Gender quasi zwangsläufig trans. Das wird nicht von allen so gesehen, aber das ist deren Sache. Ich komme gut damit zurechtCybill hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 16:39@Jaddy, Du siehst Dich doch als Enby oder however - was soll dann Deine Einlassung hier? Vielleicht bist ja unterbewusst auch TRANSSEXUELL?
Aber was tut das eigentlich hier zur Sache? Das ändert nichts an den offenbar sehr unterschiedlichen Lebenserfahrungen von trans Personen, die in ihrer Tragweite wohl nicht von allen wahrgenommen werden
Der zentrale Punkt scheint mir bei deinen Beiträgen die Frage zu sein, ob Minderheiten gegen ungerechte und_oder ohne Notwendigkeit einschränkende Regelungen aufbegehren sollten. Ausgehend von den Grundgedanken der Verfassung ist das einfach zu beantworten: Ja. Weil sie das Recht dazu haben. Weil sich sonst nichts ändert. Weil es für Regelungen und Einschränkungen grundsätzlich sehr gute Gründe geben muss und "weil die Mehrheit das so will" dafür nicht ausreicht. Weil Regelungen aus Prinzip durch Interessenausgleich und Inanspruchnahme von Grundrechten legitimiert werden und nicht durch "Bauchgefühl" (cf. A.Merkel). Freiheitliche Demokratie heisst nicht nur Mehrheitsentscheidung, sondern auch Minderheitenschutz. Das wird auch immer wieder klargestellt.
Und gesellschaftlich? Ohne Aufbegehren sähe es beim Thema trans noch sehr finster aus hier. Nichts verbessert sich von selbst. Selbst die Urfassung des TSG wurde erstritten. Alle Verbesserungen daran wurden erstritten. Sonst hiesse es immer noch Zwangssterilisation, Zwangsscheidung, etc.
Ich weiss, dass viele trans Personen lieber unsichtbar wären. Unerkannt leben, nie wieder was mit dem Thema zu tun haben. Verstehe ich gut und viel Glück denen, bei denen es passt. Aber es geht eben nicht bei allen. Zu viele können nicht normal leben, weil ihre Umstände einfach nicht danach sind. Gerade wenn es um Elternschaft geht, die gegenüber non-cis-hetero-Eltern immer noch sehr rückständig geregelt ist. Viele LSBTQIA*-Beratungsstellen können davon viele Lieder singen.
Mein Bunny und ich sind seit 2001 verheiratet und haben unsere Nachnahmen behalten. Hätten wir Kinder, trügen die einen Doppelnamen oder den meines Ehewesens. Noch ein bisschen mehr Östrogen und ich hätte schon erhebliche Schwierigkeiten, mich in einer Schule als "Vater" vorzustellen. Genau das passiert trans Menschen, die vor einer Transition gezeugt oder geboren haben. Je überzeugender das "Passing", desto mehr Probleme. Manchmal kompliziert dadurch, dass sie nicht verheiratet sind oder waren. Die müssen bei jedem Kindergarten, bei jeder Schule und Lehrperson, in Krankenhäusern usw. ihre trans Geschichte auspacken, Geburtsurkunden vorlegen, um zu erklären, warum sie erziehungsberechtigt sind, als "Vater" oder "Mutter" eingetragen, obwohl sie keine Papiere mehr auf diese Person haben. Also nix mit "normal leben". Es geht einfach nicht. Weil sie vom System nicht gelassen werden.
Doch, ich denke das ist ausreichend Grund, dagegen aufzubegehren