Unter Kuratel
Unter Kuratel - # 3

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Wally
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Re: Unter Kuratel

Post 31 im Thema

Beitrag von Wally »

Liebe CrossdresserInnen,

Hier nun der versprochene Teil 5 meiner Geschichte - das letzte, ausführliche Kapitel.
Ein kürzeres Abschlußkapitel wird in den nächsten Tagen noch folgen.

Viel Spaß beim Lesen!

Herzliche Grüße
Wally

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Unter Kuratel
Teil 5

An diesem Wochenende war nun schon die Hälfte meines Aufenthalts bei Susanne vergangen; aber seit unserem denkwürdigen Gespräch über die Liebe zählte ich nicht mehr die Tage. Ich lebte einfach in den Tag hinein und genoss in vollen Zügen mein Leben als Mädchen bei und mit meiner geliebten Gouvernante. Es verhielt sich tatsächlich genauso, wie Susanne es mir erklärt hatte: die Liebe entzieht sich unserem Zeitmaß, sie existiert nur hier und jetzt - und in der Ewigkeit...

Aber die werktäglichen Vormittage in der Schule blieben der Stachel im Fleisch: mittlerweile empfand ich es nur noch als falsch, als Verkleidung, als Maske, wenn ich morgens meine Jungensachen anzog, zur Schule fuhr und widerwillig die fünf Unterrichtsstunden in meiner Jungenklasse absaß. Irgendwie kam mir das unwirklich vor: es hatte mit dem, was ich wirklich war, kaum noch etwas zu tun. Es war für mich zu einer fremden, falschen, feindlichen Welt geworden, aus der mich erst die Rückkehr zu Susanne wieder erlöste. Wenn ich mich dort mittags endlich, erleichtert aufatmend "frisch machte" und in die sorgsam für mich bereitgelegten Mädchensachen schlüpfte, dann war das wie das Aufwachen aus einem Alptraum.

Schon nach der ersten Woche hatte ich versucht, die weibliche Unterwäsche heimlich auch in der Schule unter der Jungenkleidung zu tragen, um wenigstens ein bißchen etwas aus meiner weiblichen Sphäre in den Schulalltag hinüber zu retten. Susanne hatte mich dabei ertappt - und es mir verboten: das sei ein "fauler Kompromiss", den ich mir nicht angewöhnen solle. Nur mit den Silikonbrüsten im BH wäre das nach ihrem Urteil in Ordnung gewesen: "... wenn der Büstenhalter auch wirklich etwas zu halten hat". Aber so dann als Junge in den Unterricht in einer Jungenschule gehen?

Resignierend hatte ich darauf verzichtet. Freilich hätte ich auch schummeln und die schweren, weichen Dinger klammheimlich morgens auf dem Schul-Klo herausnehmen können, um sie für die Unterrichtszeit in meiner Schultasche verschwinden zu lassen. Aber ich wollte Susanne nicht hintergehen; sie war nun mal meine Lehrerin in diesen Dingen. Ihr Rat hatte sich schon so oft gegen alle meine Ängste und Befürchtungen bewährt und als richtig erwiesen, dass ich ihr mittlerweile blind vertraute - selbst wenn ich, wie in diesem Fall, unter ihrer Entscheidung litt.

Aber der Druck nahm von Woche zu Woche, von Tag zu Tag weiter zu; der Kontrast zwischen meiner Mädchenwelt bei Susanne und der Jungenwelt in der Schule wurde mir immer unerträglicher. An jenem Sonntagabend war ich nun schließlich so weit, "von der Klippe zu springen": ich würde mit meinen Brüsten unter der Jungenkleidung in die Schule gehen - egal, was daraus werden sollte. Mit meinem weitesten Hemd darüber würde das ja vielleicht doch nicht gleich auffallen, so redete ich mir selber ein; vielleicht könnte ich es sogar geheim halten. Und selbst wenn es entdeckt würde: die Schande und die Hänseleien wären zwar schwer zu ertragen - aber weitere Unterrichtstage so ganz ohne Weibliches an mir schienen mir noch unerträglicher. Ich bat Susanne, mir für den nächsten Morgen die weibliche Unterwäsche bereitzulegen - mit den Silikonbrüsten, wie sie es mir zur Bedingung gemacht hatte. Sie sah mir eine Weile sehr ernst, mit forschendem Blick in die Augen. Dann nickte sie: "Okay. Wenn du meinst, dass du so weit bist... "

Am Morgen ging ich nach dem Duschen in mein "Prinzessinnen-Zimmer" - schon seit einer Woche benützte ich Marens Zimmer nur noch, um meine ungeliebten Jungensachen an- und wieder auszuziehen - und fand dort die ersehnte, weibliche Unterwäsche bereitgelegt: ein elastisches, weißes Höschen mit rosa Blümchen und einen ebenfalls weißen, aber sehr zarten und elastischen Büstenhalter. Ich kannte mittlerweile Susannes gesamtes Sortiment, auch diesen BH hatte ich schon getragen. Er war von allen BHs in Susannes beachtlichem Reservoir mit Abstand der leichteste: ein Bügel-BH mit so hauchdünnen, hoch elastischen Körbchen, dass meine Brüste darin gänzlich ungehindert herausstanden und die angedeuteten Mamillen sich noch zusätzlich keck heraus drückten. Das unter meinem Männerhemd zu verstecken würde verdammt schwer werden... Von dem Tag, an dem ich diesen BH schon mal getragen hatte, wußte ich, dass meine Brüste darin bei jedem Schritt fast genauso auffällig herumzittern würden wie bei einer Frau, die "drunter ohne" herumläuft.

Als ich mir vorstellte, wie das mit meiner Jungenkleidung darüber aussehen würde, rutschte mir das Herz in das bereits übergestreifte Höschen; ich war nahe daran, kleinlaut einen Rückzieher zu machen und Susanne die pikante Wäsche wieder auszuhändigen. Sie um einen anderen, festeren BH zu bitten, wäre völlig aussichtslos, das wußte ich: Susanne hatte zu dieser Gelegenheit sehr bewußt und gezielt genau dieses Stück für mich ausgesucht. Der Zwiespalt, in dem ich steckte, war fürchterlich; aber meine Sehnsucht danach, endlich auch während dieser öden Schulzeit etwas Weibliches an mir zu haben, siegte schließlich über die Angst davor, dass dieses Weibliche auch für meine Kameraden offenbar würde.

Susanne musterte mich neugierig von oben bis unten, als ich zum Frühstück in die Küche kam. Als ihre Augen über die deutlichen Rundungen unter meinem Hemd streiften, lächelte sie zufrieden. "Na... Lampenfieber?" fragte sie mit einem leicht spöttischen Unterton. Aber ohne eine Antwort abzuwarten, sagte sie dann doch beruhigend: "Keine Sorge: das wird viel weniger gesehen, als du jetzt befürchtest. Und wenn es jemand sieht, dann ist das auch viel weniger schlimm, als du jetzt befürchtest. Am Ende ist doch gerade das der Sinn der Übung: dass es gesehen wird... . Nur Mut - probier"™s einfach aus!"

Die hatte Nerven... Was sie wohl gesagt hätte, wenn man ihr zugemutet hätte, mit einem angeklebten Schnurrbart im Gesicht zur Arbeit zu gehen? Aber dieser Vergleich war unfair: schließlich wollte ich ja selber möglichst viel Weibliches an mir haben, und mich hemmte dabei nur die Angst, dass dieses Weibliche von der Welt um mich herum abgelehnt würde, dass ich damit und dafür ausgelacht und verspottet würde. Susanne hatte schon recht: nicht im Verstecken lag der eigentliche Sinn dieses Spiels, sondern eben gerade im Zeigen! Wenn nur diese verdammte Angst davor nicht wäre...

Auf dem Weg zum Omnibus schaute ich ständig ängstlich um mich, ob mich wohl jemand anstarrte. Wie ich schon befürchtet hatte, schwabbelten meine Weichheiten beim flotten Gehen - ich war schon spät dran - heftig unter meinem Hemd umher, und die vorwitzig sich herausdrückenden Tittchen markierten jede dieser Bewegungen als deutlich sichtbare Spur auf dem glatten, dünnen Stoff. Da ich meine Schultasche in einer Hand tragen mußte, konnte ich die Arme nicht unauffällig vor der Brust verschränken, um so die Blicke der Leute abzuhalten. Ich befürchtete einen Spießrutenlauf unter auf mich deutenden Fingern, spöttischen Bemerkungen und gehässigen Zurufen.

Aber nichts dergleichen geschah. Die meisten Leute sahen mich gar nicht genau genug an, als dass ihnen an mir etwas hätte auffallen können. Nur die Busfahrerin sah mir verstohlen, aber mit deutlich geweiteten Pupillen kurz ein zweites Mal auf die Brust, als ich an ihr vorbeiging. Sonst schien niemand etwas bemerkt zu haben, als ich - nun mit verschränkten Armen, die Mappe auf den Schoß gelegt - einen Sitzplatz eingenommen hatte und der Bus unterwegs war.

Ich spürte meine Weichheiten unter den verschränkten Armen - und genoss es. Bei meinem Leben als Mädchen in Susannes Wohnort war mir das inzwischen so selbstverständlich geworden, dass ich es die meiste Zeit kaum noch wahrnahm; aber jetzt - als Junge - war es doch plötzlich wieder ein sensationelles, aufwühlendes, verwirrendes Gefühl. Paradoxerweise empfand ich es so ähnlich, wie wenn ich als Mädchen halbnackt im Bus sitzen würde: so ganz ohne weibliche Kleidung, die die Formen darunter rechtfertigen würde und umgekehrt. Ich schämte mich in Grund und Boden - und gleichzeitig war es ein glückseliges Gefühl, hier mit meinen Brüsten im Omnibus zu sitzen, ohne dass das irgendwelchen Ärger, irgendwelche Komplikationen verursacht hätte: auch als Junge durfte ich Brüste haben: niemand machte es mir streitig, niemand machte mir deshalb Stress. Vorsichtig ließ ich die Arme sinken und gestattete meinen Tittchen, sichtbar auf meinem Hemd die Spur ihrer Bewegungen bei jeder Erschütterung auf der von Schlaglöchern übersäten Straße nachzuzeichnen.

Durch den problemlosen Schulweg ermutigt, begab ich mich mit einem sehr euphorischen Gefühl in meine Klasse. Aber da blieb ich nicht so ungeschoren, wie ich es mir erhofft hatte. Zunächst schien zwar niemand etwas zu bemerken - bis auf meinen Tischnachbarn, der schon ab und zu einen verstohlenen Seitenblick auf meine Brust warf. Aber in der zweiten Stunde - es war Mathematik - wurde ich nach vorne gerufen und sollte eine algebraische Herleitung an die Tafel schreiben und erklären. Ich wußte überhaupt nicht, wie ich stehen soll, so vor den Augen der ganzen Klasse, eine Hand an der Tafel: in dieser Lage hatte ich nicht die geringste Chance, meine zwei weichen Rufzeichen unterm Hemd noch irgendwie zu verbergen... Obwohl ich auf den komplizierten Stoff eigentlich gut vorbereitet war, stotterte ich hilflos herum, konnte mich nicht konzentrieren und machte einen dummen Fehler nach dem anderen, bis der Lehrer schließlich Erbarmen hatte und mich leicht kopfschüttelnd wieder Platz nehmen ließ. Mit hochrotem Kopf flüchtete ich zu meinem Tisch zurück; dass einer der weiter hinten in der Nebenreihe Sitzenden mich beim Zurückgehen frech angrinste und dabei mit seinen Händen imaginäre Riesentitten an sich begrabschte, machte meine Verlegenheit auch nicht gerade geringer... Mein Tischnachbar grinste auch und schüttelte etwas verständnislos den Kopf. Aber anschließend ging der Unterricht zunächst weiter, als ob nichts gewesen wäre.

In der Pause wartete ich ängstlich darauf, dass mich meine Kameraden zur Rede stellen, mich auslachen und verhöhnen würden. Aber nichts dergleichen geschah, keiner brachte das Offensichtliche - angesichts der Sinnlosigkeit gab ich mir schon gar keine Mühe mehr, noch irgend etwas zu verbergen - zur Sprache. Nur ein gelegentliches, verstohlenes Grinsen, wenn die Blicke wieder auf meine weichen Rundungen fielen, verriet, dass das Geheimnis keines mehr war. Ein Kumpel aus der Parallelklasse - er hatte meine Bloßstellung in der Mathematikstunde noch nicht mitgekriegt - kam während der Pause auf mich zu und begrüßte mich mit einem "freundschaftlichen" Boxhieb gegen meine Brust: eine schmerzhafte Unsitte unter Jungen, die ich schon immer gehasst hatte; man durfte sich noch nicht mal darüber beklagen, weil es ja freundlich gemeint war und ein Indianer sowieso keinen Schmerz kennt... Als er mit seinem Hieb so gänzlich unerwartet mitten ins Weiche traf, schaute er ebenso verblüfft wie konsterniert mehrmals zwischen seiner Faust und meiner Brust hin und her, murmelte leise ein "Entschuldigung" und suchte kopfschüttelnd das Weite. Da war es nun zum ersten Mal an mir, verstohlen zu grinsen...

Nach Schulschluß hörte ich beim Weggehen noch einen Kameraden hinter mir leise sagen: "Geile Titten. Wow!" Ich bekam zum ich weiß nicht wievielten Mal an diesem Tag einen hochroten Kopf, vermied es, mich umzudrehen, und schaute nur noch, dass ich so schnell wie möglich weg kam. War das nun Spott oder ein Kompliment gewesen? Die Wahrscheinlichkeit sprach zwar klar für das erste; trotzdem beschloss ich für mich, es als das letztere zu sehen.

Es war ein sehr seltsames Gefühl, beim Mittagessen - nun endlich wieder komplett weiblich gekleidet - Susanne über meine Erlebnisse zu berichten. Aus der Sicht des Mädchens, das ich nun wieder in aller Offenheit war, erschienen die Dinge gleich nochmal in einem ganz anderen Licht... Wie saßen auf dem Balkon in der Sonne, und ich erzählte im Flüsterton; man konnte nicht wissen, ob unter oder über uns noch jemand zuhören konnte. Susanne amüsierte sich köstlich; insbesondere die Sache mit dem Boxhieb - die kostbare Prothese hatte die rauhe Behandlung unbeschadet überstanden, wie ich gleich nach meiner Heimkehr erleichtert feststellte - fand sie "zum Schießen" und hielt sich den Bauch vor Lachen, als sie sich das Gesicht meines Kumpels vorstellte. Ich begann schon zu fürchten, sie würde sich auf meine Kosten lustig machen; aber dann wurde sie plötzlich sehr ernst, nahm meine Hand und sagte: "Nun hast du es also endlich geschafft, dich zu outen. Glückwunsch! Das war ganz, ganz wichtig für dich... Eben deshalb wollte ich nicht, dass du mit den Dessous ohne Einlagen zur Schule gehst; denn so hättest du diese schwierige Hürde möglicherweise nie genommen! Nun wird alles weitere für dich leichter."


Für die weiteren Schultage dieser Woche legte mir Susanne festere BHs bereit, die meine Brüste nicht mehr gar so provozierend zur Schau stellten. Über die erste Wahrnehmungsschwelle war das ja bei meinen Kameraden nun schon gekommen; es ging jetzt nur noch darum, den ersten, entlarvenden Eindruck auch beim zweiten, schon informierten Blick weiter zu bestätigen, aus der anfänglichen Sensation Normalität zu machen. Ich staunte sehr darüber, wie schnell - und mit wie wenig Aufsehen - es als selbstverständlich und alltäglich akzeptiert wurde, dass ich "der Klassenkamerad mit den Titten" war. An meinem allerersten Abend bei Susanne - als sie mir spontan vorgeschlagen hatte, ihren Büstenhalter anzuprobieren - hatte sie geäußert, dass die meisten Jungen "viel zu feige für solche pikanten Spiele" seien: aus einem ganz anderen Blickwinkel bestätigte sich das nun für mich. Die Tatsachen lagen für meine Kameraden offen und waren nicht zu leugnen; aber irgendeine unüberwindliche Scheu hielt sie davon ab, das offen zu thematisieren, sich überhaupt auch nur näher damit zu beschäftigen. Ob sie um ihre eigene, mitten in der Pubertät noch recht fragile Männlichkeit fürchteten, wenn sie sich auf dieses "pikante" Thema einließen? Jedenfalls gingen sie vorsichtig ein wenig auf Distanz - ohne mich deswegen gleich zu schneiden - und ließen mich schon ab dem zweiten Tag mit meinen Brüsten ohne jegliche, weitere Kommentare oder Hänseleien in Ruhe. Zwei, drei Tage lang kriegte ich noch gelegentlich Getuschel hinter meinem Rücken mit, dann hörte auch das auf. Aus dem "Kameraden mit den Titten" war innerhalb einer Woche Normalität geworden.

Die Distanz konnte mir nur recht sein: mir war das Verhältnis zu anderen Jungen sowieso schon immer zu distanzlos gewesen, ich litt unter ihren derben Grobheiten und war deshalb schon in den Grundschuljahren oft weinend nachhause gekommen. Der "Kamerad mit den Titten" zu sein verschaffte mir nun endlich etwas Luft, meine Brüste gaben mir ein Stück geschützten und respektierten Freiraum. Schon nach wenigen Tagen fühlte ich mich damit unter all den den Jungen in meiner Klasse und Schule freier, sicherer, rundherum wohler als vorher. Die Lehrer taten von Anfang an so, als ob sie gar nichts bemerkt hätten. Und da meine runden Sachen für mich ja nicht bloß Verkleidung, sondern eine Herzensangelegenheit waren, eine Frage meiner wahren Identität, fühlte ich mich auch schon vom bloßen Outfit her damit besser. Endlich - nach Jahren zunehmenden Leidens unter der rauhen Jungenschul-Atmosphäre - ging ich wieder gerne in die Schule. Und ganz vorsichtig, Stückchen für Stückchen begann ich, meine Rundungen nicht mehr nur verschämt unter dem Männerhemd zu präsentieren, sondern mit zunehmend weiblicher werdenden Blusen oder Damenpullis gezielt in Szene zu setzen.

Susanne war mir gerade in diesen Tagen wieder eine große Hilfe: mit sehr viel Sachverstand und Einfühlungsvermögen wählte sie für mich Kleidung aus, die mich schrittweise - seriös, ganz ohne nuttigen oder tuntigen Beigeschmack - von Tag zu Tag ein Stückchen weiblicher erscheinen ließ. Das anfängliche, eher betretene Schweigen, mit dem meine weiblichen Offenbarungen in meiner Klasse begleitet wurden, wich allmählich ersten, schüchternen Komplimenten: hier ein leises "Hey...", da ein "Wow!", dort ein "Ganz schön mutig!", wenn ich wieder eine Hürde zu deutlich mehr weiblicher Offenherzigkeit genommen hatte und mich damit - mit Schmetterlingen im Bauch - erstmals in meiner Klasse präsentierte.

Trotz dieses stufenweise vorbereitenden Vorlaufs wurde es nochmal eine ganz andere, aufregende, unvergessliche Premiere, als ich nach einer weiteren Woche - es war wieder Montag, die fünfte, vorletzte Woche bei Susanne hatte begonnen - endlich konsequent Nägel mit Köpfen machte und zum ersten Mal klar und kompromisslos als Mädchen in die Schule ging: im knielangen Rock, mit Nylons und halbhohen Pumps, oben eine hübsche, weiße, relativ körpernahe Rüschen-Bluse, das Haar nun endlich professionell in einem Damensalon zu einem klar weiblichen, aber für die alltägliche Schönheitspflege unaufwendigen Pony-Schnitt getrimmt, ein Paar zierliche Ohrstecker in den frisch geschossenen Ohrlöchern. Susanne hatte mich für diesen großen Tag mit viel Liebe und Geduld raffiniert, aber sehr dezent geschminkt; sie bedauerte sehr, selbst Unterricht halten zu müssen und deshalb meinem ersten, offiziellen Auftritt als Mädchen in der Schule nicht beiwohnen zu können.

Auf dem Schulweg erregte ich keinerlei Aufsehen: die Leute kannten mich ja nicht, für sie war ich einfach nur ein ganz normales, adrett gekleidetes Mädchen auf dem Weg zur Schule. Als ich das Schulgebäude betrat, trafen mich erste, erstaunte, teils bewundernde Blicke: nicht, weil ich weiblich gekleidet war - die meisten, die mich sahen, kannten oder erkannten mich ja gar nicht - sondern weil ein Mädchen meines Alters in der reinen Jungenschule generell eine seltene Ausnahmeerscheinung war. Um so größer war das "Hallo", als ich unser Klassenzimmer betrat: Augenblicklich bildete sich ein Ring neugieriger Klassenkameraden um mich, die "Wow"s und "Hey"s und "Geil..." und "Cool" und Pfiffe und Zungenschnalzer wollten gar nicht mehr aufhören. Ich bedankte mich lächelnd mit einem graziösen, kleinen Knicks für die freundliche Aufmerksamkeit und setzte mich auf meinen Platz. Mein Tischnachbar konnte sein Glück kaum fassen, nun plötzlich - ganz ohne eigenes Zutun - neben einem hübschen Mädchen zu sitzen.

Der Lehrer - wie immer am Montag hatten wir in der ersten Stunde Deutsch - kam herein, sah mich und zeigte erstmals Reaktion auf mein Outfit: dieses Ausmaß an klarer, eindeutiger Weiblichkeit konnte er nun nicht mehr ignorieren. "Hoppla - da haben wir ja plötzlich eine junge Dame... Hübsch, Kompliment! Wie möchtest du denn nun im Weiteren angesprochen werden?" "Karin, bitte" antwortete ich schüchtern. "Okay, notiert..." murmelte er nur noch und schrieb kurz etwas in sein Notenbüchlein. Damit begann der Unterricht, formal genauso wie immer, aber für mich völlig neu und aufregend: zum ersten Mal als einziges Mädchen in einer Jungenklasse an einer Jungenschule mit 700 Schülern.


Bei meinen Klassenkameraden wich die anfängliche Verlegenheit angesichts meiner Verwandlung allmählich einer neuen, vorsichtigen, freundlichen Unbefangenheit. Seit ich klar und eindeutig als Mädchen in die Schule ging, war ich keine Verunsicherung mehr für ihre noch auf der Selbstsuche befindliche, geschlechtliche Identität. Die gewohnte, klar in Jungen und Mädchen getrennte Welt war für sie wiederhergestellt - nur, dass ich jetzt eben auf der anderen Seite dieser Ordnung stand. Dass ich unter dem Rock in Wirklichkeit gar kein Mädchen war, wußten sie natürlich; aber das kam der Unbefangenheit im Umgang sogar eher noch zugute, weil so die herzzerreißenden Dramen pubertärer Verliebtheiten ausgeblendet wurden, die sonst das Verhältnis der Geschlechter zueinander in diesem Alter so schrecklich in die Verkrampfung treiben. Eine echte Affaire mit mir kam wohl für die meisten meiner Klassenkameraden sowieso und von vornherein nicht in Frage; um so lieber ließen sie von meinem Äußeren ihre Fantasie anregen, sich bereitwillig und genüsslich der Illusion hingebend, ich sei eben doch auch innerhalb meiner Unterwäsche weiblich. Ein paar besonders vitale, dominante Jungs, unter deren Derbheiten ich vorher oft zu leiden hatte, begegneten mir nun plötzlich sogar mit auffallender Freundlichkeit und Zuvorkommenheit: nun war ich diejenige, die sich angesichts solcher Avancen verunsichert und verwirrt fühlte...



Nochmal eine Woche später - es war nun Dienstag, in meiner sechsten und letzten Glückswoche bei und mit Susanne - wurde ich nach der großen Pause, während der vierten Unterrichtsstunde, ins Direktorat zitiert. Ich hatte so etwas schon lange befürchtet: schließlich war es alles andere als normal, in aller Offenheit als Mädchen eine reine Jungenschule zu besuchen, die in ihrer über hundertjährigen Geschichte noch nie ein Mädchen aufgenommen hatte. Selbst wenn dieses Mädchen in Wirklichkeit ein Junge war... Die Lehrerschaft zeigte sich zwar durchweg souverän, die Lehrkräfte akzeptierten mich im Unterricht ohne viel Aufhebens mit meinem Wunschnamen "Karin" und weiblichen Personalpronomina; aber die Schulleitung mußte auf den außergewöhnlichen Umstand, der in der Schule und in den Familien der Schüler natürlich wie ein Lauffeuer herumging, schließlich irgendwie reagieren: dem Zustand entweder energisch ein Ende setzen oder ihn auf irgendeine Weise offiziell legalisieren und bestätigen. Einfach kommentarlos so weiterzumachen war auf Dauer keine Option.

Mir klopfte das Herz bis zum Hals, als ich ins Sekretariat eintrat und von der freundlichen, alten, schon sehr gebeugt gehenden Schulsekretärin in das Büro des Direktors geführt wurde. Herr Dr. Grau, Mathematik- und Physiklehrer, ein würdiger, freundlicher, alter Herr nahe der Pensionsgrenze, saß an seinem Schreibtisch, blickte auf und lächelte mich an. "Na, da haben wir ja die junge Dame, die unser altehrwürdiges Haus neuerdings in so ungewohnte Aufregung versetzt! Setz dich erst mal, und dann wollen wir gemeinsam überlegen, wie wir diese Sache in Zukunft handhaben können." Als ich mich auf den vor dem Schreibtisch bereitgestellten Stuhl setzte, bemerkte ich erst, dass hinter dem Direktor - an einen hohen, antiken Schrank gelehnt, auch noch unsere alte Französisch-Lehrerin stand; sie nickte mir aufmunternd lächelnd zu. Offenbar hielt man es für nötig, für diese Beratung eine weibliche Lehrkraft hinzuzuziehen. Ein gutes Zeichen? Hoffnung keimte in mir auf: zumindest nahm man mein Anliegen schon mal ernst - und tat es nicht bloß als dummen Jungenstreich ab.

Dr. Grau musterte mich eingehend, aber mit mildem Blick, gänzlich ohne Schärfe oder Strenge. "Hübsch siehst du aus, Respekt - und dabei wohltuend natürlich. Wenn ich"™s nicht wüßte, wäre ich bei deinem Anblick gar nicht auf die Idee gekommen, dass mit dem Mädchen was... " - "nicht stimmt" wollte er wohl sagen, unterbrach sich dann aber, um nicht unhöflich zu sein. "Was sagen denn deine Klassenkameraden dazu? Akzeptieren sie dich - oder wirst du gemobbt?" Sein Blick nahm eine gewisse, forschende Schärfe an. "Es geht," antwortete ich wahrheitsgemäß. "Vorher, als Junge, wurde ich mehr gemobbt. Ein paar von den Jungs sind seitdem sogar richtig lieb zu mir." "Hm... Nachvollziehbar." Ein ganz leicht süffisantes Lächeln spielte um den Mund des würdigen, alten Herrn. "Und deine Eltern - was sagen die dazu?"

Mir wurde heiß. "Sie meinten, ich solle das erst mal selber gegenüber der Schule vertreten" flüchtete ich mich in eine Viertelwahrheit. Der Direktor schwieg einen Moment, bevor er diese doch arg windige Erklärung zu meiner großen Erleichterung mit einem brummigen "Vernünftig, würde ich sagen" akzeptierte. Dann wandte er sich an die alte Französisch-Lehrerin, die auch unsere Klassenleiterin war: "Wie sieht es denn mit den schulischen Leistungen aus, Frau Kollegin?" "Gut -" antwortete die. "Im Unterricht war er... ähm, sie zwar im letzten Monat manchmal etwas verträumt und abwesend; das scheint mir aber verständlich, wenn jemand vor einer so tiefgreifenden Veränderung steht. Dafür gewann gleichzeitig ihre häusliche Vorbereitung merklich an Niveau. Insgesamt erfreuliche Leistungen, aktuell sogar zusätzlich noch mit positiver Tendenz. Seit dem Rollenwechsel ist sie auch im Unterricht wieder voll dabei. Die Kollegen berichten Ähnliches."

Der Direktor überlegte nochmal eine Weile, bevor er begann, mit in nachdenkliche Falten gezogenem Gesicht ein Resume zu ziehen: "Na, dann steht diese Sache ja wohl auch unseren Unterrichtszielen nicht entgegen. Ein bißchen schwierig wird das für uns trotzdem, da diese Schule in über hundert Jahren noch nie Mädchen aufgenommen hat. Aber dich deswegen nun ins Vöhlin-Gymnasium zu schicken wäre auch keine Lösung: die hätten im Grunde dasselbe Problem damit, nur wieder von der anderen Seite her. Und neuerdings werden ja eh zunehmend Stimmen zugunsten der Koedukation laut... Formal, in den Papieren und Zeugnissen, müssen wir dich vorerst weiter mit deinem männlichen Namen führen, das geht leider rechtlich nicht anders. Ich werde aber die Lehrerschaft anweisen, im Unterricht die von dir gewünschte Anrede zu verwenden, soweit sie es nicht sowieso schon tun. Wie heißt du denn jetzt?" "Karin" hauchte ich, und brachte dabei vor lauter fassungsloser Freude über diese glückliche Wendung der Dinge kaum einen Ton heraus.

"Gut, Karin... Vom Sportunterricht bist du jetzt erst mal freigestellt, das wäre für dich als einziges Mädchen unter lauter Jungs wohl schwerlich zumutbar. Vielleicht kannst du ersatzweise bei einer nachmittags stattfindenden Sport-AG der Mädels am Vöhlin-Gymnasium mitmachen. Wir werden uns da mal noch für dich umsehen, es wird sich schon eine Lösung finden. - Ach ja, die Toilettenfrage wäre noch zu klären. Ich denke, es ist okay, wenn du die Damentoilette hier im Lehrertrakt benützt, sonst haben wir ja keine. Was meinen Sie, Frau Kollegin?" Die so angesprochene Französisch-Lehrerin nickte zustimmend. "Und jetzt... " er stand auf und reichte mir feierlich die Hand, "begrüße ich dich hiermit offiziell als erste, weibliche Schülerin in der langen Geschichte dieses ehrwürdigen Hauses. Ich wünsche dir dazu alles Gute und viel Glück!"

Wie in Trance ging ich hinaus auf den Flur und die Treppen hinunter, zurück zu meinem Klassenzimmer. War das wirklich Realität, was ich da gerade erlebt hatte - oder hatte ich das nur geträumt? Ich konnte es noch gar nicht so richtig fassen... Im Klassenzimmer angekommen, setzte ich mich still auf meinen Platz. Der junge Biologie-Lehrer wollte schon wieder mit seiner durch mich unterbrochenen Erklärung der Säugetier-Systematik fortfahren, als einer der Jungs von der Fensterseite quer durch den Raum laut in die gespannte Stille hinein fragte: "Und, Karin? Was gibt"™s?" "Alles okay" brachte ich nur heraus, mit einem abgrundtiefen Seufzer der Erleichterung. Die Tränen schossen mir in die Augen. Da gingen plötzlich durch den ganzen Raum die Daumen hoch, Juhu-Rufe ertönten, Fäuste trommelten auf die Tische, Füße trampelten... Ich sah nur noch verschwommen, wie der Lehrer zu mir herkam und mir gratulierte. Dass die Jungs mich inzwischen als Mädchen akzeptierten - sogar besser als vorher als den Jungen, der ich eh nie wirklich gewesen war - das hatte ich schon verstanden. Aber dass sie so sehr an meinem Schicksal Anteil nahmen, dass sie so mit mir bangten und jubelten: das hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt. Da brachen nun plötzlich alle Dämme in mir, die ganze Anspannung und Angst der vergangenen Wochen löste sich mit einem Schlag: ich saß nur noch da und heulte Rotz und Wasser vor lauter Erleichterung, Glück und Rührung. Und mein treuer Tischnachbar, der sich mir gegenüber seit meinem Rollenwechsel zwar betont freundlich, aber auch betont distanziert verhalten hatte, legte mir ganz schüchtern und vorsichtig den Arm um die Schulter.

----------

Viel zu schnell waren die glückseligen sechs Wochen bei Susanne vergangen; nun war Samstag abend, morgen vormittag würden meine Eltern von ihrer Reise zurückkommen und mich wieder nachhause holen. Der Abschiedsschmerz packte mich mit voller Wucht, als ich mich zu meiner letzten Nacht mit meiner geliebten Lehrerin bettfertig machte.

Aber Susanne hatte wieder einmal eine Überraschung parat, mit der sie all meine Wehmut wegspülte und auch diese Abschiedsnacht nochmal in ein neues, aufregendes, unvergessliches Erlebnis verwandelte. Als ich in ihr Zimmer kam, stand sie - wie schon so oft - neben ihrem Bett: aber diesmal nicht, wie sonst, in ihrem Neglige - sondern splitternackt. Und als ich ihr mit Tränen in den Augen den Rücken zukehrte, um mir ein letztes Mal die Hände in ihr seliges Gefängnis schließen zu lassen, schob sie meine Hände sanft zur Seite, drehte mich um und sagte: "Ich denke, du hast in den letzten Wochen genug gelernt, dass ich mich deinen Händen anvertrauen kann. Ich möchte, dass es diesmal andersrum ist - dass du wenigstens für diese eine, letzte Nacht mir die Hände wegschließt. Bitte, schließ mich ein!" Sie drehte mir den Rücken zu und streckte mir ihre Hände hin - in der einen reichte sie mir die offenen Fesselmanschetten. Ich nahm sie, legte sie sorgsam um ihre zarten Handgelenke, zog die Riemen fest und ließ die Schlösser zur Sicherung einschnappen. Susanne zerrte kurz, aber aus Leibeskräften daran, um sich zu vergewissern, dass die Fesselung hielt. Ihre Wangen leuchteten rot, als sie sich ins Bett fallen ließ, auf den Rücken, die gefesselten Hände unter den Hüften. So lag sie vor mir: gänzlich nackt und bloß, wehrlos, ein wenig verlegen auf ihrer Unterlippe herumkauend, in still verschämter Vorfreude auf all das, was meine Hände nun ihrem schutzlos hingegebenen Körper antun würden. Ihre Augen blitzten, und ihr wundervoller Körper offenbarte mir in dieser seligen, letzten Nacht bereitwillig und genussvoll auch noch seine allerletzten, intimsten Geheimnisse.
Zuletzt geändert von Wally am Di 28. Apr 2020, 21:33, insgesamt 3-mal geändert.
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Unter Kuratel

Post 32 im Thema

Beitrag von Bibi Melina »

hallo wally

super geschrieben wusa an manschen stellen brauchte ich selbst nan tatü so fühlt man da mit wusa sag ich da nur

bitte schreib weiter denn mich würde es brennend interessieren wie es da weiter geht

mit Hexischen gruss Die Hexemelina
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Re: Unter Kuratel

Post 33 im Thema

Beitrag von Yvette.85C »

Hallo Wally,

ganz wunderbar, habe ich ja als PN schon geschrieben.

Eine schriftstellerische Frage hätte ich noch. Hast Du das kommende Ende schon von Anfang an im Kopf gehabt, oder hat sich das entwickelt? Wenn man einen Krimi schreiben würde, müsste man ja auch vom Ende her denken.
Yvette - I am my own wife and not a woman of compromise! Audrey Hellborn!
Wally
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Re: Unter Kuratel

Post 34 im Thema

Beitrag von Wally »

Yvette.85C hat geschrieben: Mi 29. Apr 2020, 14:41 Hallo Wally,

Eine schriftstellerische Frage hätte ich noch. Hast Du das kommende Ende schon von Anfang an im Kopf gehabt, oder hat sich das entwickelt? Wenn man einen Krimi schreiben würde, müsste man ja auch vom Ende her denken.
Den großen Handlungsbogen hatte ich von Anfang an im Kopf. Die meisten Details fielen mir dann erst so nach und nach beim Schreiben ein.

Herzliche Grüße
Wally
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Re: Unter Kuratel

Post 35 im Thema

Beitrag von Annabelle-R. »

Hallo Wally,
Chapeau, da hast Du wirklich einen wunderbaren Text verfasst.
In dieser letzten Episode ist es Dir gelungen, dass ich die Schmetterlinge im Bauch miterlebt habe, die Karin bei Ihrem Outing vor der Klasse gefühlt hat.
Wenn das wirklich das Ende Deiner Geschichte ist, könnte sie auch mit den Worten "und sie lebte glücklich bis ans Ende ihrer Tage" schließen.
Ein Märchen eben. In der Wirklichkeit folgt auf einen Höhenflug leider meistens eine Ernüchterung.
Liebe Grüße
Annabell
Toleranz ist die Möglichkeit, dass der Andere Recht haben könnte
Kurt Tucholsky
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Re: Unter Kuratel

Post 36 im Thema

Beitrag von Wally »

Unter Kuratel
Teil 6


Der Abschied vollzog sich kurz. Meine Eltern klingelten und kamen mit großem Hallo herein. Mich musterten sie erst mal etwas irritiert. Ich hatte meine Jungenklamotten angezogen, obwohl das für mich mittlerweile nur noch eine Verkleidung war; aber ich wollte Susanne mit der nun anstehenden Auseinandersetzung mit meinen Eltern nicht belasten. Mein gepflegter Mädchen-Haarschnitt fiel natürlich trotzdem auf: mein Vater interpretierte das - in Anspielung auf meine vorher getragene, pubertäre Protestmähne - erst mal grinsend als "domestizierten Protest". Auch die beiden Ohrstecker, die ich aus den frisch geschossenen Ohrlöchern vier Wochen lang nicht herausnehmen durfte, blieben als vorerst unbeantwortete Fragezeichen an mir stehen.

Neben diversem Smalltalk über die Urlaubsreise und das Wetter wurde Susanne gefragt, ob "der Junge" denn auch brav gewesen sei. Mit ihrem schelmischen Lächeln und einem vielsagenden Seitenblick zu mir antwortete sie: "Der Junge? Ach - der war hier fast nicht zu bemerken." Ich mußte mich sehr beherrschen, um über den für meine Eltern unverständlichen Doppelsinn dieser Worte nicht laut loszulachen.

"Junge, Junge - was hast du denn hier alles zusammengesammelt? Der war doch nicht mal halb so schwer, als wir dich hierher gebracht haben!" beklagte sich mein Vater, als er meinen Koffer schon mal aus Marens Zimmer auf den Flur wuchtete. Kein Wunder: neben meiner Jungenkleidung für sechs Wochen steckten da jetzt meine drei liebsten, kompletten Garnituren Damenkleidung drin, dazu eine Menge weiblicher Wäsche und mehrere Paar Damenschuhe. Susanne hatte mir das alles großzügig als Abschiedsgeschenk übergeben: "Damit du wenigstens mal fürs erste versorgt bist - du brauchst doch eine Grundausstattung." Die Brustprothesen waren natürlich auch dabei.

Aber dann der Abschied selber: Susanne und ich umarmten uns, als wollten wir einander nie wieder loslassen. "Na, na..." brummte mein Vater nach einiger Zeit, "Jetzt macht mal zu, wir wollen los!" Neben der Ungeduld glaubte ich aus seiner Stimme auch ein klein wenig Neid herauszuhören. Anstatt eines Kusses flüsterte ich Susanne nochmal ein inniges "Danke!" ins Ohr, dann nahm ich meinen Koffer und die Schultasche und ging hinaus, ohne mich nochmal umzudrehen - froh, dass meine Eltern schon vorausgingen und nicht sahen, wie mir die Tränen übers Gesicht liefen.

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Die darauf folgenden Monate wurden sehr, sehr hart. Meine Eltern waren völlig geschockt, als ich am nächsten Morgen ohne irgendeine Vorwarnung in Rock, Bluse und Pumps zum Frühstück erschien und so zur Schule ging. Erst klammerten sie sich verzweifelt an die Vorstellung, das alles sei nur ein Scherz, eine Wette oder eine vorübergehende Marotte. Es war für sie schmerzhaft bis zur Unerträglichkeit, ein Umsturz ihres gesamten Weltbildes, dass dies nun der Normalzustand und ihr Sohn nun plötzlich eine Tochter sein sollte. Sie versuchten mich auf jede nur erdenkliche Art unter Druck zu setzen, schleppten mich zu Psychologen, stritten mit der Schulleitung und - für mich am schmerzhaftesten - sie machten Susanne für das alles verantwortlich. Sie glaubten allen Ernstes, Susanne hätte mich dazu "verführt" - als ob man einen Menschen, in dem das nicht sowieso schicksalhaft angelegt und vorgegeben ist, zu solchen Verhaltensweisen verführen könnte...

Aber Susanne war mir eine gute Lehrerin gewesen: in diesen kurzen sechs Wochen hatte sie mein von ihr einmal erkanntes, weibliches "Ich" so erfolgreich gefördert und zu so viel Kraft und Selbstbewußtsein geführt, dass ich den langwierigen, für alle Beteiligten schmerzhaften Kämpfen danach im unmittelbaren Wortsinn gewachsen war. Viel wichtige, moralische Unterstützung fand ich in dieser Zeit bei den Jungs in meiner Klasse - und letztlich dann auch bei der Schulleitung, was um so höher zu würdigen war, da ich unseren freundlichen, alten Herrn Direktor durch mein Vorgehen "hinter dem Rücken" meiner Eltern in eine denkbar schwierige Lage manövriert hatte.

Am meisten aber stärkte mir - nach wie vor und immer wieder von neuem - Susanne den Rücken: in vielen, langen Telefongesprächen, in denen sie mir Beichtvater, Mama, Geliebte, Lehrerin und beste Freundin in ein und derselben Person war. Ihr hatte ich es am allermeisten zu verdanken, dass ich so lange tapfer durchhalten konnte, bis schließlich - nach ein paar sehr turbulenten Monaten - auch meine Eltern sich endlich, schweren Herzens in die Lage fügten und mich nun auch in der neuen Rolle wieder nach Kräften unterstützten.

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Mein Aufenthalt bei Susanne lag ein halbes Jahr zurück, als ich meinen sechzehnten Geburtstag feierte. Natürlich hatte ich Susanne - und Maren, sie war ja schon lange wieder von ihrem Auslandsaufenthalt zurück - zu meiner Feier eingeladen. Es war das erste Mal seit jenen schicksalhaften sechs Wochen, dass ich Susanne wieder von Angesicht zu Angesicht sehen durfte. Unsere Umarmungen waren deutlich länger und intensiver, als es zwischen Cousinen eigentlich sein sollte... Ansonsten fügten wir uns aber brav in die Gegebenheiten. Der Groll meiner Eltern gegen sie hatte sich inzwischen gelegt, sie hatten ihren Irrtum eingesehen und wußten Susannes Verdienste um meine Persönlichkeitsentwicklung - zu einem Zeitpunkt, da sie selbst damit überfordert waren - nun nachträglich doch zu würdigen. So wurde das Treffen ein vergnügter, entspannter, harmonischer Nachmittag bei Kaffee und Kuchen und gegenseitigen Erzählungen.

Irgendwann im Verlauf unseres Zusammenseins kam Maren - ausgerechnet die "spröde" Maren - zu mir und schmiegte sich mit ihrer festen, kleinen Jungmädchenbrust zärtlich von hinten an meine Schulter. Ein mir sehr gut bekannter, unvergessener, feinherber Duft ging von ihrer unerwarteten Nähe aus. Sie steckte mir ein kleines Päckchen zu und flüsterte mir ins Ohr: "Unsere Geburtstagsgeschenke für dich. Aber nicht hier aufmachen - es ist was Intimes!"

Als ich wieder allein in meinem Zimmer war, fand ich in dem Päckchen zunächst einen kurzen, handschriftlichen Brief von Maren:

"Liebe Karin,
Susanne hat mir alles erzählt. Du wirst diesen BH zwar nicht mehr tragen können, da er für Dich ja damals eigentlich schon zu eng war und Du seitdem auch noch weiter gewachsen bist; aber vielleicht freust Du Dich trotzdem darüber - als Erinnerung daran, wie das alles angefangen hat.
Herzliche Grüße
Maren"

Es war Marens zarter, schwarzer Bügel-BH mit der winzigen, roten Stoffblüte zwischen den Körbchen, in dem Susanne mich gleich an jenem ersten Nachmittag in Marens Zimmer ertappt hatte. Ein wohlbekannter, unvergessener, feinherber Duft eines edlen Parfums ging von ihm aus.

Ein kleines Flakon des wohlbekannten, edlen, feinherben Parfums fand sich dann auch noch in dem Päckchen, eingewickelt in einen herzförmig ausgeschnittenen Papierbogen mit der Aufschrift:

"... und mein kleines Geschenk für Dich.
In nie endender Liebe,
Deine Susanne"

Meine Mutter konnte später ihre Neugier nicht bezähmen und wollte doch zu gerne wissen, was in dem Päckchen war, das Maren mir so geheimnisvoll zugesteckt hatte. "Mein erster BH" antwortete ich - und amüsierte mich köstlich darüber, wie sie über den Sinn dieser ebenso einfachen wie wahren Worte rätselte.


ENDE
Herzliche Grüße
Wally
Bibi Melina
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Re: Unter Kuratel

Post 37 im Thema

Beitrag von Bibi Melina »

Einfach nur schön geschrieben ganz dickes lob dafür

Mit lieben gruss die Hexemelina
Glaube an Wunder, Liebe und Glück! Schaue nach vorn und niemals zurück! Tu was du willst, und steh dazu, denn dieses Leben lebst nur du
Tatjana_59
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Re: Unter Kuratel

Post 38 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Danke Wally für diese tolle Geschichte, sie hat mir sehr gefallen.
Ich hoffe ich durfte sie auch lesen da ich ja keine Crossdresserin bin sondern TS? (Nicht ernst gemeint) 😂
Danke nochmal.

LG Tatjana
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