Seite 3 von 6

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 09:50
von Dolores59
Liebe Nora,
mein Seelenheil verdiene ich mir nicht durch Einhalten bestimmter Vorschriften und Gebote, sondern habe ich geschenkt bekommen durch das Opfer Jesu am Kreuz. Insofern habe ich die Freiheit, am Sabbat (bzw. Sonntag) zu arbeiten, um die Familie zu ernähren. Jesus selbst ist seinerzeit von den damaligen Religionsführern vorgeworfen worden, am Sabbat zu arbeiten (seine Jünger haben geerntet, weil sie hungrig waren) . darauf hat er gesagt, dass der Sabbat dem Menschen dienen soll und nicht der Mensch dem Sabbat. Eine ganz nüchterne Aussage ohne jeden Fanatismus, oder?

" Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt" und "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" sind die Richtlinien für mich, die in der Nachfolge Jesu meine Beziehungen zu Gott und den Mitmenschen regeln. In der Theorie klar, in der Praxis nicht einfach umzusetzen. Weil es keine vorgekauten 08/15-Anweisungen gibt und ich mir allzu oft selbst im Weg stehe. Dann muss ich meinen himmlischen Boss um Rat fragen.

LG
Dolores

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 11:54
von ExuserIn-2023-06-22
Das Ausleben der Religion sollte jedem selbst überlassen sein, solange diese Person nicht in die Rechte Dritter eingreift. Meine bescheidene Meinung ist, das die Religion für die Menschen und nicht die Menschen für die Religion da sein sollten. Ich lebe meinen Glauben so wie ich es mir vorstelle ohne jemandem zu nahe zu treten. Mein Kreuz das ich täglich an einer Kette um den Hals trage, trage ich unter der Kleidung. Desweiteren trete ich auch nicht missionierend in welche Richtung auch immer auf.
Menalee

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 12:19
von Whoopy Highfly
Hallo Melanee,
Dann sollte sich der Staat aus der Religion heraushalten und neutral bleiben.
(pea)

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 12:37
von Nora_7
Staat und Religion: für mich ist die entscheidende Frage: inwieweit will eine Religion bestehende kulturelle Konventionen unterwandern und durch durch eigene ersetzen? Der Islam kennt keine Trennung von Staat und Religion, er ist vielmehr eine Gesellschafts- und Rechtsordung (Scharia) unter dem Deckmantel der Religion, die über allen Gesetzen steht. So hat kein islamischer Staat die Genfer Menschenrechtskonvention unterschrieben, da "Gottes Wort" (Scharia) über allen "von Menschen gemachten" Gesetzen steht. Das - wist Religion, was ist Politik - zeigt auch die Grenzen der Religionsfreiheit auf - ein Tabuthema der Politik. Und: Religionskritik hat NICHTS mit Rassismus zu tun - in fast jeder Religion sind alle Hautfarben vertreten.

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 12:40
von ExuserIn-2023-06-22
Whoopy Highfly hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 12:19 Hallo Melanee,
Dann sollte sich der Staat aus der Religion heraushalten und neutral bleiben.
(pea)
Da hast du recht. Der deutsche Staat garantiert die Religionsfreiheit. Andere Staaten haben in Deutschland nichts zu sagen. Sollte eine Regierung Einfluss auf unser Grundgesetz oder unsere Verfassung nehmen, so ist hier unsere Regierung gefragt und nicht ich.
Nora_7 hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 12:37 Und: Religionskritik hat NICHTS mit Rassismus zu tun - in fast jeder Religion sind alle Hautfarben vertreten.
Konstruktive Kritik bringt einen Fortschritt, wenn die andere Seite Kritikfähig ist, denke ich.
Menalee

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 14:45
von edeka
Whoopy Highfly hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 12:19 Hallo Melanee,
Dann sollte sich der Staat aus der Religion heraushalten und neutral bleiben.
Das ist das Ideal.
Wir sollten uns bewußt sein, daß wir das in Deutschland nicht haben.
Die christlichen Kirchen sind bevorzugt:
1. die kath. u. ev. Kirche bekommen außer ihren eigenen (Kirchensteuer) Einnahmen Geld vom Staat, also aus dem allgemeinen Steueraufkommen über 500 Mio Euro pro Jahr.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/sozia ... 11217.html
2. die kath. u. ev. Kirche sind "Körperschaft des öffentlichen Rechts" und geniessen damit Privilegien. Z.B.
  • sie dürfen Religionsunterricht an staatlichen Schulen anbieten. Dieser wird vom Staat finanziert.
  • sie dürfen in ihren Einrichtungen vom sonst gültigen Arbeitsrecht abweichen.
Man kann das jetzt mehr oder weniger hoch bewerten. Für den Angestellten in einem Krankenhaus oder Kindergarten eines kirchlichen Trägers, der wegen einer Scheidung und Wiederheirat seine Stelle verliert, oder wegen des falschen Glaubens erst gar keine Stelle kriegt, kann das existenziell sein. Und solche Fälle gibt es.
Menalee hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 11:54 Das Ausleben der Religion sollte jedem selbst überlassen sein, solange diese Person nicht in die Rechte Dritter eingreift.
Ja, so sollte es sein.
Und das funktioniert, wenn wir alle etwas tolerant sind. Wer mag, soll halt ihr Kopftuch oder Kreuz tragen.
Nora_7 hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 12:37 Staat und Religion: für mich ist die entscheidende Frage: inwieweit will eine Religion bestehende kulturelle Konventionen unterwandern und durch durch eigene ersetzen? Der Islam kennt keine Trennung von Staat und Religion, er ist vielmehr eine Gesellschafts- und Rechtsordung (Scharia) unter dem Deckmantel der Religion, die über allen Gesetzen steht.
Das ist ein häufig gebrauchtes Argument von Islamgegnern, das gerne durch zitieren von Koranstellen "belegt" wird. Damit verhält es sich genauso wie beim herausgreifen von Bibelzitaten. Der Islam ist nicht einheitlich, er wird unterschiedlich gelebt. Es gibt Fanatiker und vernünftige, wie in andern Religionen auch.
Und es ist immer der Staat, der die Rechtsordnung festlegt und für die Einhaltung/Durchsetzung verantwortlich ist !

Nora, die Auswüchse, die du in deinen Beiträgen aufführst, das muß man eben unterbinden. Das erfordert klare Regelungen, das ist manchmal schwierig.
Was mich stört, das ist, wenn schon bei dem Stichwort "Kopftuch" oder "Islam" so ein Film abläuft und ein Feindbild aufgebaut wird. Da sollten wir langsam drüber weg sein.

(pea) ascona

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 15:10
von Whoopy Highfly
ascona hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 14:45 Für den Angestellten in einem Krankenhaus oder Kindergarten eines kirchlichen Trägers, der wegen einer Scheidung und Wiederheirat seine Stelle verliert, oder wegen des falschen Glaubens erst gar keine Stelle kriegt, kann das existenziell sein. Und solche Fälle gibt es.
wo ist die Gerechtigkeit?
Im gleichen Kindergarten werden Kinder mit islamischen Glauben aufgenommen, aber Mitarbeiter gekündigt, weil diese aus der Kirche ausgetreten sind.
Ich kenne diese Einrichtung.

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 15:43
von Jenina
Nora_7 hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 12:37 Staat und Religion: für mich ist die entscheidende Frage: inwieweit will eine Religion bestehende kulturelle Konventionen unterwandern und durch durch eigene ersetzen? Der Islam kennt keine Trennung von Staat und Religion, er ist vielmehr eine Gesellschafts- und Rechtsordung (Scharia) unter dem Deckmantel der Religion, die über allen Gesetzen steht. So hat kein islamischer Staat die Genfer Menschenrechtskonvention unterschrieben, da "Gottes Wort" (Scharia) über allen "von Menschen gemachten" Gesetzen steht. Das - wist Religion, was ist Politik - zeigt auch die Grenzen der Religionsfreiheit auf - ein Tabuthema der Politik.
Na Nora, da verwechseln wir aber mal wieder was. Die folgenden Punkte sind feststellend, nicht wertend:

Erstens:
Der Islam ist eine der mosaischen Religionen und, wie alle anderen auch, in verschiedene Glaubensrichtungen gespalten. Es gibt also schon mal gar nicht "den Islam".

Zweitens:
Die Scharia ist eine Rechtsordnung, die sich auf den islamischen Glauben bezieht, aber nichts mit Religion zu tun hat. Es ist wie gesagt eine Ordnung von Gesetzen. Das ist eine Frage der Gewaltausübung durch den Anwender dieser Rechtsordnung. Der Glaube an sich schreibt deren Anwendung nicht vor.

Drittens:
Es gibt darüber hinaus islamische Staaten, in denen eine Form des Islam zur Staatsreligion erhoben ist. Dabei ist es wiederum eine der vielen Glaubensrichtungen. Die Rechtsordnung mag sich an die Scharia anlehnen, entspricht dieser aber niemals ganz und in reiner Form.
Und: Religionskritik hat NICHTS mit Rassismus zu tun - in fast jeder Religion sind alle Hautfarben vertreten.
Hautfarben haben nicht mit Rassismus zu tun. Die deutschen Faschisten als diejenigen, die den deutschen Antisemitismus zu staatlichem Recht gemacht haben, sprachen ja auch von der "jüdischen Rasse", ohne jeden Bezug zur Hautfarbe, auch wenn sie in demagogischer Weise bestimmte phänotypische Merkmale zu "typisch jüdisch" stilisiert haben. Menschenverachtend wie jede Form des Rassismus, nicht nur die, die sich auf Hautfarben bezieht.

Jenina

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 16:01
von Lavendellöwin
ascona hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 14:45 Das ist das Ideal.
Wir sollten uns bewußt sein, daß wir das in Deutschland nicht haben.

Sehr richtig!

Und da die religiöse Bildung vor der politischen einsetzt und zu 99,9%
nicht gefragt wird ob Person getauft werden möchte, haben wir weder
Religionsfreiheit noch ist der Staat wirklich säkular.
Oft wird ja die christlich-jüdische abendländische Kultur hervorgehoben,
von Politikern-wo ist das bitte dann unabhängig?

Ergänzend dazu-für mich ist Glauben auf Selbsterfahrung aufgebaut und
keiner hat mir hier etwas zu sagen, genau wie mir keiner mein Geschlecht
zuzuweisen hat!

Alles Liebe Marie :?

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 16:34
von Thea
Ich finde es großartig, dass wir hier unterschiedlicher Meinung sind und kontrovers diskutieren ohne uns an die "Gurgel" zu gehen. Ich hoffe das bleibt so und setzt sich im neuen Jahr auch an anderen Stellen innerhalb unserer Gesellschaft fort.
So wie es war und ist kann es nicht bleiben. Eine andere Meinung sollte toleriert und der Verfasser nicht in ein Ecke gestellt und diffamiert werden.

Mit meiner Meinung zum Islam und dem Kopftuch als Symbol bin ich bei Nora. Ich denke, dass das Kopftuch tragen auf Basis dieser Religion kein Zeichen von Freiheit und Toleranz ist, wie es hier von einigen ausgeführt wird. Vielmehr sehe ich den Islam als intolerant gegenüber anders Denkenden an. Somit würde sich unsere Situation in einem islamistisch geprägten Deutschland verschlechtern und wir keine Toleranz erfahren, im Gegenteil. Meinungsbildend für mich war dafür Literatur von Peter Scholl-Latour, sowie diverse eigene Erfahrungen.

Aber wie gesagt, das ist meine Sicht und die zwinge ich keinem auf und lasse auch gerne andere Meinungen gelten.

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 16:45
von Dolores59
!EmmiMarie! hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 16:01
Oft wird ja die christlich-jüdische abendländische Kultur hervorgehoben,
von Politikern-wo ist das bitte dann unabhängig?

Alles Liebe Marie :?
Die Bezeichnung christlich-jüdische Kultur kommt bei Juden aus gutem Grund nicht gut an. Schliesslich hat eben diese christlich-abendländische Kultur eine permanente Judenverfolgung über Jahrhunderte bis hin zum Holocaust als (vorläufigem?) Höhepunkt hervor gebracht. Es gab Jahrhunderte, in denen die islamische Welt toleranter war als das heute so hoch gelobte Abendland.

Ein wenig Geschichtskenntnis schadet nicht und holt uns Europäer schnell vom hohen Ross, auf dem wir allzu oft der Welt im Osten und Süden begegnen.

LG
Dolores

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 17:06
von Lavendellöwin
Dolores59 hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 16:45 Schliesslich hat eben diese christlich-abendländische Kultur..
Hmm,

da habe ich nun ohne nachzudenken übernommen was andere Personen
postuliert haben...sorry...behauptet wird es aber schon mal gerne..

Alles Liebe Marie (flo)

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 17:26
von Dolores59
Kein Problem, mir geht es manchmal auch so, dass ich Dinge übernehme, ohne zu hinterfragen.

Hellhörig werde ich aber dann, wenn vom "gesunden Menschenverstand" die Rede ist. Leuten, die diese Redewendung gebrauchen, fehlen für gewöhnlich Argumente.

Beste Grüße
Dolores

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Fr 3. Jan 2020, 21:45
von Michi
Dolores59 hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 07:55 Ich kenne einige Frauen aus Russland, die immer Kopftücher tragen. Sie begründen es mit dieser Bibelstelle (1. Korinther 11, 5-6):
Jede Frau aber, die betet oder prophetisch redet mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist gerade so, als wäre sie geschoren. 6 Will sie sich nicht bedecken, so soll sie sich doch das Haar abschneiden lassen! Wenn es aber für die Frau eine Schande ist, dass sie das Haar abgeschnitten hat oder geschoren ist, soll sie sich bedecken.
LG
Dolores
Interessantes Zitat. Allerdings sehe ich da einen inhärenten Widerspruch.

Das Tragen des Kopftuchs symbolisiert doch nach Außen durch das Verdecken die Nichtexistenz bzw. das Nichtvorhandensein des weiblichen Kopfhaars, ist also letzten Endes ein symbolisches Abschneiden, und der glatte Stoff des Kopftuchs die Analogie zur geschorenen Kopfhaut.

Liebe Grüße
Michi

Re: Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Verfasst: Sa 4. Jan 2020, 00:00
von Ulrike-Marisa
Moin,

ich trage ein Kopftuch bei der Gartenarbeit im Bergbau und bei Arbeiten bei uns im Segelhafen, wo ich als polnische Bäuerin bekannt bin. Keiner stört sich daran, ich bin ich und was andere da denken, das müssen sie selbst verantworten.
Ich habe momentan kein Bild von mir, aber das liefere ich nach, wenn ich wieder bei der Arbeit bin.

Grüße, Ulrike-Marisa :wink: