Re: Kleine Umfrage über was dieses Forum für euch ist
Verfasst: Di 12. Nov 2019, 14:03
Ein wichtiges Thema, das nicht nur irreversible medizinsche Maßnahmen betrifft. Also könnten wir ja mal ähnliche Themen begucken. Kriterien: Es existiert eine starke Motivation, es spricht rechtlich/technisch nichts dagegen, aber die tatsächlichen persönlichen Folgen sind nicht im voraus abschätzbar, die Motivation manchmal verworren, irrational, von anderen Themen beeinflusst und die Entscheidung ist nicht wirklich rückgängig zu machen.Vicky_Rose hat geschrieben: Di 12. Nov 2019, 13:10Was machen wir aber mit denen, die tatsächlich tief greifende Maßnahmen durchführen wollen und sich Zweifel ergeben, ob die Entscheidung wirklich endgültig ist ? Gibt es hier eine soziale Verantwortung oder setzen wir konsequent auf Selbstbestimmung ? Ich bin mir nicht sicher, ob wir wegschauen dürfen, wenn wir zu erkennen glauben, es rennt jemand in sein Unglück ? Ich meine das im Sinne der ethischen Frage.
Beispiel: Ein eigenes Kind in die Welt setzen. Hm. Es gibt praktisch keine Hürden und kein Gatekeeping. Es kann sehr viel schief gehen, sowohl medizinisch, wie materiell aber auch sozial. Aber
Das wichtigste ist aber aus meiner Sicht, dass durch die allgemeine Sichtbarkeit den meisten Menschen schon mal nahegebracht wurde, dass ein eigenes Kind keine anderen Probleme löst. Es ist einfach ein eigenes Kind, um dass eins sich kümmern muss bzw darf. Es kittet keine Beziehung, es gibt nicht unbedingt mehr Lebenssinn, es macht nicht beliebter und so weiter.
Also warum sollte das alles nicht bei medizinischen Maßnahmen am eigenen Körper gehen? Die Risiken und (Neben)wirkungen sind weitgehend bekannt. Letztlich, wenn eins das ganze Brimborium an Genderdenke mal abzieht, geht es darum, wie der eigene Körper aussieht, wie zufrieden eins mit dessen Features ist und welche Ausstattung für sexuelles Erleben vorhanden ist. Ja, unfruchtbar. Aktuell. Rückständiger Planet, wie gesagt.
Also sorgen wir vielleicht für mehr Sichtbarkeit von Menschen mit unterschiedlicher Gender-Lebensweise, mit und ohne körperliche Änderungen, ohne dieses Merkmal zu überhöhen. Zeigen wir häufig und freimütig Folgen, Freuden und Probleme. Lassen wir andere sich ausprobieren, bevor sie eigene Maßnahmen ergreifen. Seien wir zugänglich für Fragen, bieten Beratung und Hilfen, erklären, dass weder Hormone noch OPs irgendwelche anderen Probleme mit Beziehungen, Job, Sozialumfeld oder eigenen Dämonen lösen. Bieten wir auch jenen Möglichkeiten auf ein angenehmes Leben, die irgendwann mal eine falsche Entscheidung getroffen haben.
Und ersetzen wir das Gatekeeping, das "es muss dir richtig dreckig gehen, so dass du unter enorm aufgebautem Druck eine Entscheidung triffst, die du nie wieder ändern kannst" durch hilfreiches Wohlwollen. Ich postuliere, dass sich dadurch viele heutige Probleme erledigen würden.
Kurz: Entkrampfen wir das Thema, holen es aus dem ganz-oder-gar-nicht, jetzt-oder-nie und bringen es auf eine alltäglichere Ebene.