Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten
Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten - # 3

allgemeiner Austausch
Marlene K.
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 31 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

VanessaL hat geschrieben: Mo 14. Okt 2019, 19:57 Und vielleicht sollten wir dann eine Arbeitsgruppe gründen, um diese Begriffe für alle User intern mal festzuschreiben. Und - das meine ich nicht ironisch

Alles Liebe
Vanessa
Ich denke, genau das wird nicht möglich sein. Ich verstehe Deine Kritik am Begriff Teilzeitfrau. Aber das ist nur unsere Sicht.

Liebe Grüße
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
ExuserIn-2019-12-18
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 32 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Lady Jennifer hat geschrieben: Di 15. Okt 2019, 12:57 Zum besseren Verständnis möchte ich dir gerne erklären, wo für mich zwischen Transvestit (oder "neudeutsch") Crossdresser und Transsexuellen der Unterschied besteht:
Als Crossdresser habe ich nicht den Wunsch meinen (männlichen) Körper per Hormone (etc. - oder gar Operation) in einen weiblich "umzuformen". Und so wie ich das verstanden habe, gehen Transsexuelle eben diesen ganzen Weg (wollen keinen Penis haben, dafür aber Brüste). Sprich, nicht nur äußerlich von Kleidung und Passing her weiblich erscheinen, sondern auch vom Körper her. Ich möchte das nicht - ich möchte mein "bestes Stück" behalten, sexuell (gesehen) ist mir das eben wichtig!
Liebe Jennifer,

vielen Dank, dass Du Dich hier beteiligst und ich hoffe, dass Du Dein Weltbild doch noch einmal etwas verändern kannst. Denn ich glaube, dass Deine Sichtweise auf Transsexualität und Transvetismus nicht richtig ist. Ich musste lächeln, als ich Deinen Beitrag gelesen habe, denn vor einigen Jahren hätte ich das fast genauso gesehen.

Aus meiner Sicht, legst Du den Schwerpunkt jedoch falsch. Der Kern von 64.0 ist: Der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden.
Da geht es erst einmal gar nicht darum Hormone zu nehmen oder sich den Penis entfernen zu lassen. Und es geht schon gar nicht darum sich umzuformen. Alleine dieser Begriff zeigt, wie wenig Du Dich mit der Materie auseinandergesetzt hast (auch, wenn er in klammern steht). Aber dass ist auch nicht schlimm. Nur bitte verbreite so etwas nicht laut.

Wir reden hier von geschlechtlicher Anerkennung als Frau, nicht von Sexualität. Ob jemand seinen Penis behalten will oder nicht, ist daher kein Kriterium, ob er vielleicht Transsexuell ist. Das ist erst einmal völlig unwichtig. Das klärt sich dann später. Ich kenne viele Menschen, die sich als Transsexuell definieren und auch die Indikation haben, aber keine Maßnahmen machen können (aus gesundheitlichen Gründen) oder diese aus anderen Gründen für sich ablehnen. Und dennoch wollen sie dauerhaft als Frau leben und anerkannt werden. das ist der Kern. (Nur stoßen diese Menschen dann oft auf gesellschaftlich Hürden)

Vielmehr ist die Frage ob folgendes zutrifft: trägst man gegengeschlechtlicher Kleidung, um die zeitweilige Erfahrung der Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht zu erleben oder will man dauerhaft als Frau anerkannt werden. Der Übergang ist übrigens fließend und nicht selten definieren sich einige erste einmal als Transvestit, um später zu bemerken, dass sie doch transsexuell sind. Warum: Weil sie sich auf Grund Ihres Weltbildes nicht eingestehen können, das sie im Grunde eine Frau sind (das muss man selbst erst mal verstehen, da ist Transvetismus die "einfachere Lösung"). Das würde ja viele Konflikte mit sich bringen und vor allem die eigene Sexualität hinterfragen. Aber darum geht es ja nicht, sondern um die geschlechtliche Zugehörigkeit. Wer das nicht verstanden hat, wird Transsexualität wohl nicht nachvollziehen können.
Aber/Und nein, es gibt nicht nur transsexuelle Menschen. Es gibt auch Transvestiten und Travestiten, Fetischisten und Menschen dazwischen. Alle mit gleicher Berechtigung zu sein.

Noch ein private Anmerkung zum "besten Stück". Wenn jemanden der Penis - also das männliches Geschlechtsorgan - für die Sexualität so wichtig ist, möchte ich das nicht kritisieren oder gar ausreden. man kann ruhig männlich in dieser Beziehung sein, aber ich möchte jedem von ganzem Herzen raten, sich davon einmal zu lösen und seine eigentliche Sexualität zu entdecken, denn da ist viel viel mehr als nur das vermeintlich "beste Stück". Das gilt insbesondere für Männer.

Ich hoffe ich konnte einigermaßen darlegen, dass Deine Definition von Transsexualität aus meiner Sicht nicht passt / nicht ausreichend ist. Es geht letztendlich nicht darum, Menschen in Schubladen zu stecken, sondern sehr genau zu schauen, wo sie denn hingehören können und in irgendeine Nische passen wir schon rein - das ist ja das schöne an unserer derzeitigen Gesellschaft. Ich bewundere Dein persönliches Engagement und auch das Deiner Mutter (die ich hiermit auch lieb grüße). Aber nur seine eigene Welt zu sehen und seine Grenzen und Ansichten nicht zu hinterfragen, finde ich schwierig.
Und ich frage daher noch einmal ... wer braucht den Begriff Vollzeitfrau und wer und was ist damit gemeint. Den Begriff Teilzeitfrau finde ich übrigens sehr charmant, er gefällt mir im Grunde recht gut. Ich habe ihn früher auch gerne mal verwendet .... Aber Vollzeitfrau? Wenn ein Transvestit keine Frau sein, sondern nur ein "Passing" hinlegen möchte, warum sollte er das denn Vollzeit machen? Wär er dann nicht korrekterweise ein VollzeitTransvestit? Oder will er dann doch eher dauerhaft als Frau gesehen und anerkannt werden, traut sch diesen Schritt aber aus welchen Gründen einfach nicht zu? Und Gründe nicht Transsexuell zu sein gibt es viele ... ich hatte auch einige auf Lager.

Und nicht, dass dies jetzt in den falschen Hals kommt - ich möchte hier niemanden umdrehen, etwas in den Mund legen oder bestimmen, was er ist oder nicht - da sind wir alle zum Glück alt genug, um für uns selber zu fühlen und zu sprechen. Und, dass die Definitionen des ICD nicht alles erschlägt ist wohl auch jedem hier im Forum klar, der sich mit dem Thema beschäftigt hat. Nur, es sind nun mal die einzigen festgeschrieben und "anerkannten" Definitionen, soweit ich das weiß.

Ich finde es übrigens wichtig und richtig, dass man sich darüber unterhält und vielleicht auch streitet. Denn nur, wenn wir Definitionen haben, können wir auch Dinge einfordern und unseren Platz in der Gesellschaft einnehmen. Je größer der Rahmen einer Wortbedeutung, um so mehr passen da unter den Schirm. Das fände ich am Anfang erst einmal wichtig und ich bin voll bei dem Beispiel von Rabea-Marie: wir brauchen Fundamente.

Alles Liebe
Vanessa
edeka
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 33 im Thema

Beitrag von edeka »

Hallo Vanessa,
VanessaL hat geschrieben: Di 15. Okt 2019, 18:26
Lady Jennifer hat geschrieben: Di 15. Okt 2019, 12:57 Zum besseren Verständnis möchte ich dir gerne erklären, wo für mich zwischen Transvestit (oder "neudeutsch") Crossdresser und Transsexuellen der Unterschied besteht:
Als Crossdresser habe ich nicht den Wunsch meinen (männlichen) Körper per Hormone (etc. - oder gar Operation) in einen weiblich "umzuformen". Und so wie ich das verstanden habe, gehen Transsexuelle eben diesen ganzen Weg (wollen keinen Penis haben, dafür aber Brüste). Sprich, nicht nur äußerlich von Kleidung und Passing her weiblich erscheinen, sondern auch vom Körper her. Ich möchte das nicht - ich möchte mein "bestes Stück" behalten, sexuell (gesehen) ist mir das eben wichtig!
...
Aus meiner Sicht, legst Du den Schwerpunkt jedoch falsch. Der Kern von 64.0 ist: Der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden.
keks-marie hatte weiter oben im Thema mal die Definition von transsexuell im Sinne von 64.0 eingefügt.
Dort war neben dem von dir bezeichneten "Kern" eben auch der starke Wunsch nach körperlicher Angleichung. Insofern gebe ich auch Jennifer recht, nach der 64.0 Definition gehört eigentlich zumindest der starke Wunsch dazu.
Aber Ich habe inzwischen gelernt, dass es Transsexuelle gibt, die sich aus verschiedenen guten Gründen gegen körperliche Eingriffe entschieden haben und trotzdem als Frau leben. Insofern stimme ich dir zu, daß das der entscheidende Punkt ist.
Das macht es in der Öffentlichkeit schwierig zu verstehen, aber so ist nun mal das Leben, und es ist gut wenn das anerkannt wird.

Wie Rabea schon schrieb :
Rabea-Marie hat geschrieben: Mo 14. Okt 2019, 15:53 Es gibt 4 Begriffe.
Transvestismus, Transsexualität, Intersexualität und Queer.
Diese vier finden Anwendung in Forschung und Statistik. Somit würde ich sie als definiert bezeichnen.
darunter kann sich die Öffentlichkeit was vorstellen. Die Varianten und weiteren Begriffe sind dann individuell und können innerhalb der community ausdiskutiert werden, aber man wird sich nicht auf Definitionen festlegen können.
Noch ein private Anmerkung zum "besten Stück". Wenn jemanden der Penis - also das männliches Geschlechtsorgan - für die Sexualität so wichtig ist, möchte ich das nicht kritisieren oder gar ausreden. man kann ruhig männlich in dieser Beziehung sein, aber ich möchte jedem von ganzem Herzen raten, sich davon einmal zu lösen und seine eigentliche Sexualität zu entdecken, denn da ist viel viel mehr als nur das vermeintlich "beste Stück". Das gilt insbesondere für Männer.
oje, was ist die eigentliche Sexualität ? Wenn ein Mann als Transvestit zeitweise in die Rolle einer Frau wechselt, dabei auch sexuelle Lust empfindet und dabei sein Glied nicht als Fremdkörper empfindet, dann hat er eine ganze Menge seiner Sexualität entdeckt und ist dabei mit sich im reinen. Das ist dann zu der normalen männlichen Sexualität etwas zusätzliches.
Auf der anderen Seite: wenn der TS eine Hormontherapie durchführt, dann ändert sich auch die Sexualität. Ist das dann noch die "eigentliche" Sexualität ?

Alles in allem finde ich diese Diskussion - so wie das ganze Forum - hilfreich, um sich selber zu verstehen, fast hätte ich gesagt, 'in eine Schublade zu stecken' , aber nein, ich meine im Vergleich zu den andern hier zu verstehen, ja so bin ich auch , oder - nein so bin ich nicht. Sich verstehen , ausgeglichener und zufriedener zu sein.

LG ascona )))(:
ExuserIn-2019-12-22

Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 34 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-22 »

ascona hat geschrieben: Di 15. Okt 2019, 20:07 keks-marie hatte weiter oben im Thema mal die Definition von transsexuell im Sinne von 64.0 eingefügt.
Dort war neben dem von dir bezeichneten "Kern" eben auch der starke Wunsch nach körperlicher Angleichung. Insofern gebe ich auch Jennifer recht, nach der 64.0 Definition gehört eigentlich zumindest der starke Wunsch dazu.
Wie ich das selber in einem späteren Beitrag noch ausgeführt habe, ist der Wunsch und das was man tatsächlich macht etwas Unterschiedliches. Macht eine Person aber nicht weniger trans*
Und auch welche die sich bewusst gegen eine OP entscheiden sind nicht weniger trans* Primär geht es wirklich nur um die Identität und die findet im Kopf statt. Oder im Herzen. Wie auch immer. Es ist eben da und kann nicht mal so abgelegt werden wie ein Kleidungsstück.
ExuserIn-2019-12-18
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 35 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

ascona hat geschrieben: Di 15. Okt 2019, 20:07 keks-marie hatte weiter oben im Thema mal die Definition von transsexuell im Sinne von 64.0 eingefügt.
Dort war neben dem von dir bezeichneten "Kern" eben auch der starke Wunsch nach körperlicher Angleichung. Insofern gebe ich auch Jennifer recht, nach der 64.0 Definition gehört eigentlich zumindest der starke Wunsch dazu.
Hallo ascona,

schön, dass Du Dich auch beteiligst und erst einmal liebe Grüße an dieser Stelle.

Mir liegt ein "jein" bzw. eine "ja, aber" auf der Zunge. Ich Versuches anders zu formulieren. Natürlich hast Du völlig Recht, wenn Du auch den zweiten Teil der Definition F64.0 anführst. Ich hatte diese absichtlich weggelassen, weil viele Menschen den Schluss ziehen, den eben auch Jennifer gezogen hat. An dieser Stelle möchte ich aber daran erinnern, was den das/der ICD ist (hier ein Auszug aus Wikipedia)
Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, englisch: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen.
...
In Deutschland sind die an der vertragsärzt-­lichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgung teilnehmenden Ärzte und Psychotherapeuten oder davon geleiteten Einrichtungen verpflichtet, Diagnosen nach ICD-10-GM (German Modification) zu verschlüsseln.
Und ja, sicher haben die meisten Transsexuellen den Wunsch nach Anpassung. Ob das nun der Besuch der "richtigen" Toilette ist, das Führen des weiblichen Namens, oder geschlechtsangleichende - medizinische Maßnahmen (Stimme/Genital/Busen/(Gesichtsfeminisierung)/Hormone). Mir ging es hier insbesondere darum, die Reihenfolge darzustellen. Erst mit dem Eingeständnis oder der Selbsterkenntnis "Ich bin eine Frau, ich möchte dauerhaft als Frau leben" kommt der zweite Teil der Diagnose ins Spiel. Der Gedankengang: ich möchte meinen Penis behalten, also bin ich nicht Transsexuell ist daher erste einmal falsch. Jeder gute Psychologe wird versuchen, Wege zu finden, dass man ohne Maßnahmen seine Transsexuallität leben kann. Bei den meisten ist jedoch der Wunsch so stark (da gebe ich Euch Recht), dass es zu einer gedanklichen Verschmelzung kommen kann. Und, dass muss ja auch mal geschrieben werden, einige nutzen die Diagnose F64.0 vielleicht auch als Sprungbrett, um überhaupt Maßnahmen bekommen zu können. Denn ohne F64.0 keine Behandlung von einem Arzt. Will ich als als "Mann" einen Busen haben oder einfach meinen Penis loswerden, muss sch in die Schublade F64.0 springen, sonst bekomme ich keine medizinische Unterstützung. Ich führe mal die Begriffe Ladyboy und Shemale ins Feld und lass diese so stehen. Natürlich gilt die Problematik auch für Frauen, die z.B. Ihren Busen nicht haben möchten.

Ich fasse meine Gedanken noch einmal zusammen:
a) Die medizinische Behandlung von transsexuellen Personen ist nicht die eigentliche Indikation transsexuell zu sein, sondern eine "Folge" davon, wenn man es ist.
b) F64.0 ist die einzige Möglichkeit, angleichende Maßnahme zu bekommen. Menschen mit ausgeprägter Disphorie brauchen diese Diagnose. Ob dabei alle Transsexuell sind, kann ich nicht sagen.

vielleicht noch eine Ergänzung zu dem Punkt a)
Als Mann (also als Transvestit/Crossdresser) wäre ich niemals auf die Idee gekommen, meinen Körper zu verändern. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Frau mich einmal fragte, ob ich eigentlich einen Busen möchte. Ich hatte das wehend abgestritten und sehr stark von mir gewiesen. In einer ruhigen Minute im Schwimmbad, habe ich über diese Frage aber noch einmal nachgedacht, über meinen Körper geschaut und gedacht: "Doch so ein Busen wäre doch gar nicht schlecht". Ich war selbst sehr erschrocken über meine eigene Feststellung. Aber dann ist es mir klar geworden: als Mann wollte ich auf keinen Fall dauerhaft weiblich aussehen. Aber bei der Idee, eine Frau sein zu können, gehörte der Busen einfach zu meinem Frauenbild dazu (das ist heute etwas relativierter, aber im Grunde noch immer so). Erst mit der Selbsterkenntnis, Frau zu sein oder Frau sein zu können, also dem Zulassen meines inneren Ichs (das rational sehr schwer erklärbar ist) konnte ich mich also erst der Vorstellung öffnen, Maßnahmen zu ergreifen. Und ich hatte schon einige Monate meine Indikation, bevor ich tatsächlich so weit war, mir konkrete Gedanken darüber zu machen, Hormone zu nehmen oder gar eine OP anzustreben. Aber natürlich ist das bei jedem anders.

Alles Liebe
Vanessa
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 36 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

ascona hat geschrieben: Di 15. Okt 2019, 20:07 Noch ein private Anmerkung zum "besten Stück". Wenn jemanden der Penis - also das männliches Geschlechtsorgan - für die Sexualität so wichtig ist, möchte ich das nicht kritisieren oder gar ausreden. man kann ruhig männlich in dieser Beziehung sein, aber ich möchte jedem von ganzem Herzen raten, sich davon einmal zu lösen und seine eigentliche Sexualität zu entdecken, denn da ist viel viel mehr als nur das vermeintlich "beste Stück". Das gilt insbesondere für Männer.

oje, was ist die eigentliche Sexualität ? Wenn ein Mann als Transvestit zeitweise in die Rolle einer Frau wechselt, dabei auch sexuelle Lust empfindet und dabei sein Glied nicht als Fremdkörper empfindet, dann hat er eine ganze Menge seiner Sexualität entdeckt und ist dabei mit sich im reinen. Das ist dann zu der normalen männlichen Sexualität etwas zusätzliches.
Auf der anderen Seite: wenn der TS eine Hormontherapie durchführt, dann ändert sich auch die Sexualität. Ist das dann noch die "eigentliche" Sexualität ?
Guten Morgen,

mir stach dieser Absatz auch in die Augen. Unter "eigentlicher Sexualität" verstehe ich die Hingabe, die ich in den entsprechenden Momenten erfahre. Die ist mMn unabhängig von den Hormonen, äußert sich vermutlich mit einem anderen Hormonhaushalt anders. Und deshalb unterstütze ich Vanessas Anmerkung, dass es bei der "eigentlichen Sexualität" nicht um das "beste Stück" geht. Diese Fixierung steht mMn vielen Männern im Weg, besonders wenn sie älter werden. Für mich steht das Erleben an erster Stelle. Nebenbei: diese Fixierung habe ich gelegentlich auch bei Frauen erlebt.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 37 im Thema

Beitrag von edeka »

@Vanessa - hab's kapiert. Eigentlich schon vorher :wink: Die ICD Diagnosen/Definitionen sind natürlich immer in Zusammenhang mit medizinischen Massnahmen zu sehen, weil das ja bürokratisch (positiv gemeint) irgendwie organisiert werden muss.

@Vicky - ja, das erleben steht an erster Stelle. Man kann es auch so sagen: Sex findet im Kopf statt.
Auf der anderen Seite gibt es immer mal wieder auch in seriösen Medien Sexperten, die das empfinden ganz auf die Nervenzellen an den Genitalien herunter brechen. Ich kann mich erinnern an Sendungen auf arte. Da wurde eine Stunde lang erklärt, wie gross nach innen hin die Vagina ist, und wie frau diese empfinden soll. Oder das männliche Aufklärungs-Pendant: was Männer im fortgeschrittenen Alter gegen Erektionsprobleme unternehmen sollen.
Die Fixierung gibt's bei beiden Geschlechtern. Wenn man sie sich einreden lässt.
Jaddy
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 38 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Von den Begriffen auszugehen scheint mir aus zwei Gründen nicht ganz hilfreich.

Zum einen sind für uns als Betroffene bestimmte Wörter auch emotional besetzt. D.h. wir fühlen uns von Wörtern angesprochen oder abgestossen, deren "offizielle" Definition laut Medizin, Psychotherapie oder Community anders ist, als für uns selbst. Das ist mMn nicht "falsch", sondern eine Frage des Kontexts. Selbst ein banales Wort wie "Bank" kann je nach Kontext - Garten-, Daten-, Geld- - völlig andere Bedeutungen haben - und auch die (Geld)Bank gibt es nochmal in unterschiedlichen Ausprägungen.

Bei einem solch tiefgehenden Thema spielen persönliche Gründe in der eigenen Biografie und dem Verhältnis zu unserer Umwelt eine wichtige Rolle. Aber persönliche Betroffenheit kann eben auch einen ausreichend "objektiven" Abstand beeinträchtigen, um sich rational über Begrifflichkeiten zu verständigen.

Zweitens wurden bisher im Thread m.E. die Bereiche eigene innere Identität ("so fühle ich, so will ich leben und agieren"), äussere Anerkennung ("so werde ich wahrgenommen, solche Anforderungen, Forderungen, Einschränkungen bekomme ich von anderen") und dann völlig unabhängig davon die sexuelle Orientierung ("wen liebe, begehre ich") und Variation ("was törnt mich ausser Geschlecht sexuell an").

Die diversen genannten Begriffe haben alle irgendwo ihre Berechtigung und Gültigkeit. Ohne Reflektion auf Kontext und auch die zugrundeliegenden Faktoren sind sie meines Erachtens nicht zu verstehen. Eine davon unabhängige Definition ist deshalb nicht möglich.
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 39 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Jaddy hat geschrieben: Mi 16. Okt 2019, 13:47 Von den Begriffen auszugehen scheint mir aus zwei Gründen nicht ganz hilfreich.
.....
Ich verstehe ... dann stellen wir hier die Kommunikation ein und schweigen nach außen? Oder ist dies dann unser Babylon ....?
Mir persönlich wäre ja ein Bubbelfisch ... ein Handtuch habe ich schon dabei ...

Nein, Scherz mal beiseite ... wie ich Dich kenne und Schätze, hast Du eine guten Lösungsansatz parat.

Teile ihn mit uns ....

Alles Liebe
Vanessa
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 40 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Hm ja, danke :)

Das Problem mit dem Babelfisch kennst Du ja vermutlich: "Mittlerweile hat der arme Babelfisch dadurch, dass er alle Verständigungsbarrieren zwischen den verschiedenen Völkern und Kulturen niederriss, mehr und blutigere Kriege auf dem Gewissen als sonst jemand in der ganzen Geschichte der Schöpfung." (Quelle)

Das Problem liegt vielleicht darin, dass er übersetzt was gesagt wird, aber nicht was gemeint ist. Und das ist bei unseren Begriffen vielleicht genauso.

Mein Ansatz lautet deshalb: Die eigene Reaktion auf Wörter wahrnehmen, sich nicht davon vereinnahmen lassen, wenn andere sie nach eigener Meinung "falsch" benutzen. Anderen ihre emotionale Reaktion zugestehen und ggf andere Wörter verwenden, bzw sich darüber verständigen, dass etwas anderes gemeint war, als auf der anderen Seite angekommen ist.

Meistens versuche ich, die persönliche Perspektive zu betonen. Daher die vielen "meines Erachtens", "für mich" und die Erläuterungen und Hintergründe. Reine Sachstatements sind häufig zu knapp, damit andere verstehen was ich meint und warum ich so denke.

HTH :)
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 41 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Ralf-Marlene hat geschrieben: Di 15. Okt 2019, 16:16
VanessaL hat geschrieben: Mo 14. Okt 2019, 19:57 Und vielleicht sollten wir dann eine Arbeitsgruppe gründen, um diese Begriffe für alle User intern mal festzuschreiben. Und - das meine ich nicht ironisch

Alles Liebe
Vanessa
Ich denke, genau das wird nicht möglich sein.
Doch, das ist möglich, zumindest wenn nichts festgeschrieben wird, sondern nur sinnvolle Empfehlungen gegeben werden!
Vor etwa 6 Jahren hatte ich hier im Forum eine solche Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Nach anfänglicher Skepsis sind dabei die über das Portal aufrufbaren Dokumente "Übersicht Begriffe" und "ausführlichen Zusammenfassung" entstanden, die eine weitgehende Zustimmung fanden.
Sicher ist in besagten Dokumenten noch nicht alles "rund" und in den vergangenen Jahren sind einige neue Begriffe entstanden, die eventuell zusätzlich mit aufgenommen werden sollten. Wenn also hier Bedarf an einer Überarbeitung besteht, wäre ich gern bereit, in einer neu einberufenen Arbeitsgruppe wieder die Moderation zu übernehmen.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 42 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Jaddy hat geschrieben: Mi 16. Okt 2019, 20:53 Mein Ansatz lautet deshalb: Die eigene Reaktion auf Wörter wahrnehmen, sich nicht davon vereinnahmen lassen, wenn andere sie nach eigener Meinung "falsch" benutzen. Anderen ihre emotionale Reaktion zugestehen und ggf andere Wörter verwenden, bzw sich darüber verständigen, dass etwas anderes gemeint war, als auf der anderen Seite angekommen ist.

Meistens versuche ich, die persönliche Perspektive zu betonen. Daher die vielen "meines Erachtens", "für mich" und die Erläuterungen und Hintergründe. Reine Sachstatements sind häufig zu knapp, damit andere verstehen was ich meint und warum ich so denke.
Hi Jaddy,

aus meiner Sicht (;-)) hast Du es mit wenigen Worten auf den Punkt gebracht. Trans* ist eine persönliche Sache mit ganz vielen Emotionen. Sachinfos sind da zweitrangig.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 43 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 17. Okt 2019, 06:50 Hi Jaddy,

aus meiner Sicht (;-)) hast Du es mit wenigen Worten auf den Punkt gebracht. Trans* ist eine persönliche Sache mit ganz vielen Emotionen. Sachinfos sind da zweitrangig.
Hallo,

ich kann das aus persönlicher Sicht auch gut nachvollziehen. Und wenn man dem persönlichen Empfinden Vorrang einräumt, entspricht das durchaus der individuellen Notwendigkeit, Dich selbst zu sehen und anzunehmen.
Aber wie Vicky schreibt, Sachinfos kommen dann gleich schon auf Rang zwei. Wir sind keine isolieren Wesen und stehen in ständigem Kontakt zu anderen Menschen. Das fängt in der Familie an, geht über Freunde, Behörden bis zu Passanten auf der Straße. Um eben auch bis zu Politikern, Richtern etc. Spätestens, wenn es um bürokratische Regelungen und Anerkennungen geht, kommen wir m.E. Nicht drumherum eindeutige Wörter und Formulierungen zu finde. Wie wir uns selber empfinden und definieren, ist die eine Sache, wie wir in der Gesellschaft definiert werden, eine andere. Dort habe ich nicht immer die Chance, Einfluss zu nehmen und mich ganz persönlich zu erklären. Wem das nicht wichtig ist, wie er in den Schubladen definiert und damit behandelt wird, dem kann das Thema egal sein. Wer sich aber in einem Raum bewegt und diesen auch besetzen möchte, muss sich definieren. Und es wird wohl nicht funktionieren, wenn wir von Menschen um uns erwarten, dass er sich jedem von uns öffnet. Ich bin immer noch der Meinung, dass wir ein gewisses Maß an festen Begrifflichkeit brauchen. Parallel- und da stimme ich Euch völlig zu - muss aber unbedingt auf die Vielfältigkeit hingewiesen werden! schön wäre es das auf den geschlechtlichen Eintrag verzichten zu können. Das würde über die Zeit vielleicht auch die geistigen Grenzen (die auch ich noch immer bei mir bemerke) langfristig auflösen.

Alles liebe
Vanessa
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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 44 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Good post !

im öffentlichen Raum brauchen wir mMn derzeit keine ausgefeile Begriffskultur, sondern wir brauchen wenige (sic!) Begriffe, die das Spektrum abdecken. Persönliche Erklärungen kann man immer noch abgeben. Ich denke an so etwas wie
Trans-Mensch
Eigentlich wird von vielen der Begriff Transgender dafür gesehen, aber mir gefällt die direkte Verbindung zu "Mensch". Wir sind alles Menschen und keine irgendwie separierte Gruppe. Wir gehören dazu und sind keine Subkultur. Die Vorsilbe Trans soll zeigen, dass alle Spielarten von Trans* enthalten ist, also Transsexualität, Transgender, Transident, ...). Aber auch Enbys, Crossdresser etc. fallen ja darunter.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Begrifflichkeit und deren (Un)Wichtigkeiten

Post 45 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-01-22 »

Ich habe folgendes aus "ausführliche Zusammenstellung (pdf)" der Hauptseite des Forums kopiert:

Transsexualismus bezeichnet das Gefühl, zum eigenen biologisch bestimmten Geschlecht nicht dazu zu gehören. Es besteht der Wunsch nach Leben und Anerkennung im anderen, dem gefühlten Geschlecht. Meist wird versucht, den Körper dem Wunschgeschlecht soweit wie möglich anzugleichen.

Transidente (TI) sind Personen, die sich eindeutig dem Geschlecht zugehörig fühlen, das nicht ihrem biologisch vorgegebenen Geschlecht entspricht. Sie streben einen Wechsel ihres Geschlechtes an. Dieser Wechsel beinhaltet in der Regel das äußere Erscheinungsbild, die amtliche Namens- und Personenstandsänderung, oft auch medizinische und operative Maßnahmen. Umstritten ist, ob auch diejenigen zu den Transidenten zählen, die ihr äußeres Erscheinungsbild nur zeitweise ihrem dauerhaft gefühlten Geschlecht anpassen. Transsexuelle (TS) ist der amtliche und weiter verbreitete Begriff für Transidente, wird aber von vielen Betroffenen abgelehnt, da er sexuelle Motive vortäuscht.

Transvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechtsrollen (und Crossdressing beschreibt das Tragen von gegengeschlechtlicher Kleidung, wie es von Crossdressern praktiziert wird) bezeichnet das Tragen von Kleidung, die üblicherweise für Personen des anderen Geschlechts vorgesehen ist, um sich als Person des anderen Geschlechts zu fühlen.

Und wenn ich das so lese, dann gleicht sich das meiner Sichtweise...

Jennifer
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Aktueller Beziehungsstatus: Jennifer ist verliebt !-!-!

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