Seite 3 von 3

Re: mein Geschlecht beginnt in Deinem Kopf

Verfasst: Mo 7. Mai 2018, 21:02
von FallenMycraft
Hallo liebe Rabea,

da habe ich wohl einen sprachlichen Fauxpas begangen.
Rabea-Marie hat geschrieben: Mo 7. Mai 2018, 20:36 Was mich dann aber auch noch fuchsig macht ist, wenn dann das Geschlecht als gesellschaftliche Konvention abgetan wird oder Mann und Frau als Schublade-Frau diagnostiziert wird. Ich mein wirklich jetzt? Ist euch bewusst dass man damit allen Frauen auf dieser Erde und allen die sich auch nur so fühlen ihre echte weibliche Identität absprechen würde indem man daraus ein von der Gesellschaft geschaffenes Produkt macht?
Ich wollte mit nichten irgendjemandem seine geschlechtliche Identität absprechen. Ich habe lediglich versucht die Thematik auf mich selbst bezogen zu analysieren. Und natürlich hast du recht. Es geht, zumindest bei mir, darum mich durch Äußerlichkeiten dem weiblichen Geschlecht eine Zeit lang zugehörig zu fühlen. Und mir machen auch gerade diese Äußerlichkeiten ein riesen Spaß. Die Frage war für mich: Kann ich dieses Gefühl auch anders auslösen?
Rabea-Marie hat geschrieben: Mo 7. Mai 2018, 20:36 Erst einmal sind wir doch alle Menschen, aber es gibt zwei Arten Menschen die sich biologisch völlig voneinander unterscheiden. Diese Unterscheidung zu bennenen empfinde ich als völlig natürlich, Mann und Frau. Es ist doch kein gesellschaftliches Konstrukt. Ein Hund und eine Katze sind ja auch eben solche obwohl es beide Tiere sind.
Natürlich gibt es biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau. Aber ich glaube es wurde hier absichtlich nur über das gefühlte Geschlecht gesprochen.

LG Daniela

Re: mein Geschlecht beginnt in Deinem Kopf

Verfasst: Mo 7. Mai 2018, 21:35
von Rabea-Marie
Ok aber das gefühlte Geschlecht ist ja auch genau unser oder das Problem. Niemand kann sehen was wir fühlen, ergo reicht dies nicht um uns so wahrzunehmen.

Viele hier, mich eingeschlossen, wissen ja selbst nicht in welche Schublade wir wollen. Ja, jetzt meine ich auch wirklich Schublade. Bin ich Cd? Bin ich TV? Oder gar an den Anfängen zum Ts?

Und jetzt nehmen wir an wir hätten eine aufgeschlossene und vorurteilsfreie Gesellschaft. Sie sehen auf der Straße einen Mann mit perrücke und Kleid und etwas Make-up.
Er/Sie ist aber NOCH als Mann zu erkennen.
Was ist er oder sie? Im besten Falle würden alle sagen "ein Mensch" Möchte er/sie denn das überhaupt? Vielleicht möchte er als Cd wahrgenommen werden weil ihm das gefällt. Oder aber sie möchte als Frau wahrgenommen werden, ist aber leider beim schminken nicht so geschickt und kriegt den letzten Rest Mann nicht weg?

Worauf ich hinaus will ist, selbst wenn unsere Gesellschaft alles vorurteilslos akzeptieren würde.
Werden uns doch unsere eigenen Schubladen zum Verhängnis.
Und diese Hürde lässt sich eben leider nur durch äußerlichkeiten überwinden. Denn wie schon erwähnt, was wir fühlen nehmen Außenstehende nicht war. Und doch sind eben diese Außenstehenden so wichtig für unser Selbstwertgefühl. Wäre das nicht so, wären wohl einige Psychologen arbeitslos...

LG Rabea

Re: mein Geschlecht beginnt in Deinem Kopf

Verfasst: Mo 7. Mai 2018, 22:21
von Michi
Rabea-Marie hat geschrieben: Mo 7. Mai 2018, 21:35 Und jetzt nehmen wir an wir hätten eine aufgeschlossene und vorurteilsfreie Gesellschaft. Sie sehen auf der Straße einen Mann mit perrücke und Kleid und etwas Make-up.
Hallo Rabea,

das ist die große Frage, ob das so ist. Mir erscheinen die beiden Sätze als starker Widerspruch. Müssten sie nicht den Menschen sehen? Zudem bestätigt die Aussage "Sie sehen ... einen Mann ..." zwangsläufig den Thread-Titel. :wink:


Liebe Grüße
Michi

Re: mein Geschlecht beginnt in Deinem Kopf

Verfasst: Mo 7. Mai 2018, 23:10
von Rabea-Marie
Wirklich?

Hast du den Satz GANZ gelesen und nicht verstanden oder willst du nur was aus dem Zusammenhang reißen?

Du zitierst lediglich die Beschreibung der von mir dargestellten fiktiven Figur. Alles andere was du schreibst steht danach...

Re: mein Geschlecht beginnt in Deinem Kopf

Verfasst: Di 8. Mai 2018, 01:29
von Laila-Sarah
Hallo,

Das Problem mit unserer Existenz ist ja, dass wir einerseits das sind was wir denken das wir sind aber andererseits auf das soziale Miteinander mit unsere Mitmenschen und somit deren Wahrnehmung unserer Selbst angewiesen sind. Leider können sie, wir wir ja auch, nur beurteilen anhand was sie sehen, hören, fühlen. Und wenn zwischen unserem Aussehen also dem äußeren Wesen und unserem gefühlten inneren Wesen eine Differenz ist, die einen magischen Grenzwert überschreitet kommt es zu Fehlinterpretationen, worunter wir leiden.

Also ist demnach ja unser Geschlecht das Resultat/Mittelwert unserer und der äußeren Bewertungen. Und somit beginnt es in allen Köpfen. Wenn das Resultat/Mittelwert aber nicht eindeutig ausfällt kommt es darauf an welcher Kopf wichtiger ist. Ich würde ja auf den eigenen plädieren.

Andererseits können wir ja auch unseren Mitmenschen in eigener Sache behilflich sein in dem wir uns im Äußeren auf die Erwartungen anpassen. Sie es mit geschickterem CD oder gar mit Hormonen und Chirurgie. Aber es wäre unrealistisch von den Mitmenschen zu erwarten, dass sie auf magischer Weise auf andere Schlüsse kommen als die Auswertung der Daten ihrer Sensorik ihnen liefert.

VlG

Re: mein Geschlecht beginnt in Deinem Kopf

Verfasst: Di 8. Mai 2018, 09:00
von ExUserIn-2026-04-08
Hi Daniela,
FallenMycraft hat geschrieben: Mo 7. Mai 2018, 16:52 Auch eine interessante These, dass wir im "Normalzustand" eher geschlechtslos unterwegs sind. Du hast recht, die meiste Zeit denke ich gar nicht darüber nach. Wenn wir uns jetzt aber selbst betrachten, um zu bestimmen ob wir nun gerade eher gefühlt weiblich oder männlich unterwegs sind, muss doch erst mal definiert sein, welche Charakterzüge überhaupt Geschlechtertypisch sind.
Und da diese Definitionen, zum Glück, nirgendwo festgeschrieben sind, unterscheiden sich diese natürlich auch von meinem Gegenüber. Von daher hast du schon recht. "Lebe einfach so wie du dich fühlst."
Ich habe nicht "wir" geschrieben, sondern "ich". das muss Jede/r bei sich selber suchen. Ich kann nur für mich selber schreiben. "Geschlechtertypisch" ist etwas, wonach ich schon lange suche und nicht gefunden habe. Es gibt ja so viele Kriterien. Vom Körperbau, Hormonstatus, Verhalten ... was auch immer. Es taugt nichts zur eindeutigen Kennzeichnung. Aber ich meine, man kann Geschlecht auch nicht komplett "dekonstruieren". Das was üblicherweise als Mann oder Frau bezeichnet wird, scheint mir eine soziale Konstruktion zu sein, wie sie Simone de Beauvoir beschreibt. Aber es ist eine Quintessenz in mir, das mich, zumindest zeitweise, weiblich fühlen lässt. Aber das bekomme ich nicht zu fassen. Da ich gelernt habe, dass meine Gefühle gut und richtig für mich sind, erlaube ich mir, darauf zu vertrauen und einfach auch Frau zu sein.

Im übrigen will ich nicht recht haben, sondern ich will mich mit anderen austauschen. Sind andere meiner Meinung, freue ich mich über die Bestätigung, sind sie anderer Meinung, freue ich mich auch, denn ich kann etwas Neues lernen... :)p
Im übrigen, wann ist man überhaupt trans*?
Geniale Frage. Die muss ich mir merken. Mal sehen, wie meine Frau darauf reagiert ...
Durch diese Schublade blicke ich noch nicht ganz durch. Muss ich für den Mitgliedsausweis einen dauerhaften Geschlechterwechsel anstreben oder ist eine Teilzeitfrau auch abgedeckt? 8)
Ich denke, das bestimmst Du selber. Oder möchtest Du Dich von anderen in eine Schublade stecken lassen ?

In der Situation, in der ich mich als Daniela fertigmache, möchte ich mich natürlich auch dem weiblichen Geschlecht irgendwie zugehörig fühlen.
Dann tue es doch. Es ist Deine Entscheidung.
Vielleicht liegt das Gefühl der fehlenden Authentizität,...
Habe ich bei mir auch schon vermutet. Doch in jüngster Zeit wird mir immer deutlicher, dass es für mich nicht darum geht. Es geht mir eher um Fragen wie Selbstrespekt, Anerkennung meiner Selbst, Selbstliebe. En femme vor dem Spiegel stehen, finde ich Klasse. En femme sich vor die eigene Frau zu stellen und zu sagen, "ich bin eine Frau" ist schon eine andere Nummer. Hier zeigt sich, ob man sich seiner sicher ist. Authentizität verstehe ich eher im Zusammenhang mit der Art, wie ich mich zeige.

Ich merke, wie ich mit zunehmenden Verständnis der Zusammenhänge immer mehr in die Enge komme. Nehme ich meine innere Wahrheit ernst, muss ich Veränderungen in meinem Leben zulassen. Auf der anderen Seite, bin ich aber auch noch nicht so weit, konsequent die Veränderungen umzusetzen. Hier sind bei mir noch einige Ängste im Spiel. Aber letztlich zwingt mich diese Zwickmühle zu entscheiden, wie ernst ich es mit meinem Leben meine. Ich habe den Eindruck, wir sitzen in einem sehr ähnlichen Boot.

Re: mein Geschlecht beginnt in Deinem Kopf

Verfasst: Di 8. Mai 2018, 22:45
von Michi
Rabea-Marie hat geschrieben: Mo 7. Mai 2018, 23:10 Wirklich?

Hast du den Satz GANZ gelesen und nicht verstanden oder willst du nur was aus dem Zusammenhang reißen?

Du zitierst lediglich die Beschreibung der von mir dargestellten fiktiven Figur. Alles andere was du schreibst steht danach...
Hallo Rabea,

ich habe lediglich meine Gedanken zur Sache geäußert, dass ich einen Widerspruch sehe, im Ansatz, in dem, was du gerade als "fiktive Figur" bezeichnet hast.

Ich habe keinerlei Annahme oder Wertung über dich angestellt. (Zudem noch lieb gegrüßt.) Es gab keinen Anlass, sich angegriffen zu fühlen oder beleidigt zu sein. :wink:


Michi