Ich finde diesen Fred sehr spannend, habe dabei irgendwie das Gefühl, dass die ersten Beiträge irgendwie zusammen passen, und die etwas nachdenklicheren weiter hinten zu finden sind?
Vielleicht habe ich auch eine, etwas ungewöhnlichere Geschichte, die in verschiedenen Episoden spielt.
Die Erste Episode, ich war ca. neun Jahre alt:
Ich habe mit der Nachbarstochter und Freundin für meine Eltern das Märchen Hänsel und Gretel gespielt, ich war Gretel und dafür haben wir Kleider getauscht.
Es war nur eine Rolle aber meine Eltern fanden es witzig und in Ordnung. Schon bald darauf als meine Freundin wieder einen Rock trug, was sie hasste, kam sie mit dem Vorschlag wieder die Kleidung zu tauschen. Ich jubelte innerlich, hatte aber, so ganz ohne Begründung, Zweifel an der Reaktion meiner Mutter. Ich tat es trotzdem, versuchte mich aber nicht sehen zu lassen. Zuhause natürlich zwecklos"¦
Die Reaktion war neutral - für meine Freundin und mich Anlass es fast zur Routine werden zu lassen, wenn sie wieder Rock oder Kleid tragen musste.
Das schlechte Gewissen und das Kribbeln waren irgendwann weg, es war einfach nur noch schön und entspannt.
Irgendwann kam dann von meinen Eltern ein klares Verbot. Anlass und Grund sind mir unbekannt.
Die zweite Episode:
Als ich mit ca. 20 meine Freiheiten und ein eigenes Auto so wie ausreichend Geld hatte, fuhr ich oft nachts, an entlegenste Stellen um in Heels, Röcken oder anderer Damenkleidung ein bisschen spazieren zu gehen. Für mich war das jedes Mal wie ein Bungeesprung: Adrenalin pur, obwohl ich fast nie einem Menschen begegnet bin, und wenn, war es so dunkel, dass man mit Sicherheit nicht sehen konnte, was ich trug. Geändert hat sich damals für mich nichts, es blieb immer gleich, sooft ich es wiederholte. mutiger wurde ich auch nicht.
Das Ende dieser Phase stellte ein großes Experiment dar, über das ich mich heute noch wundere, wundere woher ich den Mut damals plötzlich nahm, einfach so, ohne Inspiration aus dem Internet, und ohne Kontakt zu Gleichgesinnten:
Ich war viel in der Jugendarbeit beschäftigt, damals und es gab ein konzeptionelles verlängertes Wochenende für die Leitungspersonen. Das Besondere daran war, dass ich von den anderen Teilnehmer(innen) im Vorfeld niemand kannte, ausser einem guten Freund.
Mit ihm diskutierte ich oft die vage Option bzw. Phantasie daran als Frau teilzunehmen, was er nicht nachvollziehen konnte, mich aber bestärkte es zu versuchen - nach dem Motto "was soll schon passieren" (und u.U. dass ich ihn endlich damit in Ruhe lasse)
Ich tat es, als einziger Mensch im Rock, acht Frauen, ein Mann und ich. Ich durchlebte ein Wechselbad der Gefühle, von der Zimmeraufteilung angefangen, über meinen ungewohnten neuen Namen, bis zu meiner neuen Rolle, vor allem dem anderen Umgang mit gleichaltrigen jungen Frauen.
Ich war gleichzeitig euphorisch, nervös, gestresst und unsicher vor allem aber unkonzentriert, was das eigentliche Thema betraf, auf der Anreise und dann zwei Tage lang. Am dritten Tag war dann plötzlich alles normal und entspannt für mich, ich machte mir kaum mehr Gedanken über meine Rolle, mein Verhalten und Aussehen. Ich war plötzlich eine von "uns Mädels".
Tag 4 hatte es wieder in sich. Ich erwachte mit dem Widerwillen eine Frau mimen zu müssen. Natürlich war allen Anwesenden sehr schnell klar, dass ich biologisch ein Mann bin, sie hatten mich aber uneingeschränkt als Frau akzeptiert. Einen Wechsel wollte ich ihnen nicht zumuten und diesen, letzten, Tag stand ich auch noch durch.
Noch in dieser Woche fielen meine sehr langen und damals noch sehr üppigen Haare der Schere zum Opfer.
Das Thema "Frau sein" hatte sich für mich, öffentlich, erledigt, ein Rock oder Kleid gelegentlich mal heimlich zuhause blieb.
Derzeitige Episode, deren Beginn einige Jahre nach der letzten liegt:
Die Erkenntnis, dass Mann nicht unbedingt eine Frau spielen muss wenn man mehr Kleidungsauswahl will.
Ganz vorsichtig und unsicher habe ich mit Leggings, erst zuhause offen vor meiner Partnerin, dann öffentlich angefangen, war jedes mal unsicher und nervös bei jedem neuen Einzelstück, erst Recht bei jeder neuen Kleidungsart und so ist es auch einige Jahre später noch.
Natürlich ist das irrational, aber trotzdem bin ich mir unsicher bei jedem neuen Rock oder Kleid das ich ausführe, oder bei jeder neuen Situation. Ich denke das vergeht auch nicht.
Meine gewohnten Alltagsröcke oder Leggings nehme ich mittlerweile kaum noch wahr - normal für mich und meine Umgebung ebenso wie verschiedene Strickkleider, seit dem vergangenen Winter. Sogar einen offiziellen Termin habe ich im Strickkleid, mit FSH wahrgenommen.
Ob ich im nächsten Winter wieder von vorne beginne, mit meine Salamitaktik, meinen Bedenken und Unsicherheitenbeim Thema Strickkleid? Ich weiß es nicht, befürchte es aber...
Ich werde sehen, was oder wie die nächste Episode sein wird, sofern es sie gibt"¦