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Re: Die Spirale dreht sich schneller

Verfasst: Mo 17. Sep 2018, 11:51
von Theresa-Annalena
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 17. Sep 2018, 09:50
...Ich glaube sogar, dass es nicht möglich ist, sich zu finden, in dem man Worte benutzt...
...da kommen die Emotionen ins Spiel. Sich darauf einzulassen und alle Kontrolle fahren zu lassen...
...Was wäre z.B. wenn ich durch mein Inneres erkenne, dass ich komplett als Frau leben möchte, wenn meine Vernunft sagt...
Herz über Kopf (oder Kopf über Herz?) - das alte Lied. Aber wie können wir Gordios Knoten lösen?
Muss man sich den Rückweg selber abschneiden, um dem ewigen Hin und Her auf Dauer zu entkommen?
Der Kompromiss ein Verrat? Also doch nur eine schwarze oder weiße Lösung, um auf Dauer glücklich zu sein?

LG Tessa.

Re: Die Spirale dreht sich schneller

Verfasst: Mo 17. Sep 2018, 15:24
von Joe95
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 17. Sep 2018, 07:56...für sich selber genau den Zustand zu definieren, der einem jenseits aller Schablonen am besten entspricht
Genau das habe ich für mich gemacht. Ich bin zu dem Schluss gekommen weiblich zu sein.
Das hängt aber auch damit zusammen, dass weiblich für mich nicht eine starre Position ist, sondern ein recht großer Bereich.
Oder anders gefragt, können wir die Emotionen jenseits der Schablonen wahrnehmen, wenn wir nur die Schablonen für die Beschreibungen (männlich/weiblich/TS/TV/CD/TG ) verwenden ? Ist unsere "innere Welt" nicht viel facettenreicher ?
In meinem Weltbild ist jeder Mensch irgendwo zwischen den Extremen "männlich" und "weiblich" und ich würde mich wundern wenn es unter allen Menschen, die jemals gelebt haben, jetzt leben oder irgendwann einmal leben werden zwei gäbe, die absolut identisch sind.
Da ich aber nur drei funktionierende Bezeichnungen für Geschlechter kenne (männlich, n-Bi und weiblich) ist für mich so eine Bezeichnung keine starre Schablone sondern ein bereich mit mehr Facetten, als wir mit Zahlen darstellen können.
Vermutlich so ungefähr (Unendlich-1)/3.

Re: Die Spirale dreht sich schneller

Verfasst: Di 18. Sep 2018, 00:54
von Diana.65
Hallo.

Ich befinde mich ja auch gerade auf dem Weg mehr über mein ICH herauszufinden. Und da kann ich eure Gedankengänge, so unterschiedlich sie auch sein mögen, doch in vielerlei Hinsicht nachvollziehen. Einerseits möchten wir ja am liebsten die vorgegebenen "Schubladen" aufbrechen, um unser eigenes Ich nicht in irgendwelche vorgeferigten Denkmodelle zu pressen. Andererseits braucht aber, meiner Meinung nach, unser Gehirn irgendwelche Kriterien, um alles Tun und Lassen irgendwo einzusortieren und wenn es auch nur zufällige oder bewusst gewählte einzelne Worte sind an denen wir unsere Emotionen und Gefühle orientieren bzw. auch danach sortieren. Nicht umsonst hat die Menschheit eine Sprache entwickelt. Ohne diese würden wir uns wahrscheinlich nicht von anderen Lebewesen unterscheiden und uns auch nicht gezielt weiter entwickeln können. Ich denke auch, ohne gewisse Schubladen, wie genau oder auch ungenau sie für jeden von uns definiert sind, können wir auch keine vernünftige Definition unseres eigenen Wesens abgeben und auch nicht unsere Gefühle und unser Empfinden anderen gegenüber darstellen.

Nachdenkliche Grüße,
Diana.

Re: Die Spirale dreht sich schneller

Verfasst: Di 18. Sep 2018, 07:13
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Diana,

ich kann gut Deine Gedankengänge nachvollziehen. Ich sehe aber einen Haken in Deinem Denken. Auf der einen Seite geht es Dir heraus zu finden, wer Du bist, auf der anderen, Dich gegenüber jemanden dar zu stellen. Ich denke, das sollte man deutlich trennen.

Um mit anderen zu kommunizieren braucht ein Mittel. In der Regel ist das die Sprache, aber auch Gestik, Mimik und auch Kleider gehören dazu.

Aber braucht man die Sprache oder Schubladen, um mit sich selber zu kommunizieren ? Ich denke, hier sind Gefühle und innere Bilder viel wichtiger. Die Sprache engt doch die Möglichkeiten deutlich ein. Man landet sehr schnell in Schubladen. So ist kann Frage, ob man TV, CD TS oder was auch immer sei, mit Worten nur schwammig beantwortet werden. Ich kann für mich sagen, dass die Vorstellung von mir selber wesentlich differenzierter ist als die Worte aussagen können.

Re: Die Spirale dreht sich schneller

Verfasst: Di 18. Sep 2018, 07:52
von Michi
Hallo Diana, hallo zusammen,

nur ganz kurz ...

Ich würde es "Schubladen-Dilemma" nennen wollen. Einerseits geben uns "Schubladen" Orientierung, andererseits engen sie uns ein.

Liebe Grüße
Michi

Re: Die Spirale dreht sich schneller

Verfasst: So 14. Okt 2018, 15:48
von Nils/Nadine
Also das mit mit der selbst erfüllenden prophezeiung... Die angst kenn ich insofern auch als das ich (bis ich ca. 16 war) zwar sei homosexuelle phantasien hatte, doch zugleich so geprägt war durch heteronormative medien das diese im gewand von heterophantasien erschienen sind — und da war ich unbewusst immer die Frau. Bis dann der vorhang viel und realisierte: Ich will all das tun was die frau macht! Bei sex mit männern kann ich dann auch nur diese rolle einnehmen (und genieße es^^) — bis jetzt gab es nur eine ausnahme (und die fühlte sich trotzdem schräg an). Und daraus ergibt sich auch die frage: bin das ich oder ist das ein zerrbild? Letzlich versuch ich das spielerisch und mit relfexion zu erforschen. Ich hol das innere bild in die außenwelt und wollte auf plattformen gehen wo es frauen gibt die auf crossdresser stehen "¦ und schauen was passiert.^^ Was also die realität ist, den im kopf kann man sich allerlei zusammen brauen^^ Denn sex ist das eine, aber wie jeder möchte ich auch Liebe und ich bin unsicher ob ich die bei männern finde. Aber ich drifte ab...

Schablonen sind wichtig um besser zu spielen und damit forschen zu können. Man kann sich besser suchen & finden^^ wenn ich auf sexdating plattformen unterwegs bin, ist es sehr gut die unterscheidung "Top" und "bottom" zu haben. So ist es eher unwahrscheinlich das es an erektionsproblemen scheitert^^ Aber das gilt ja auch für die partnersuche "¦ man wünscht sich doch jemand der weiß was er will(?) oder anders gesagt: jemand der in der gegenwart ganz bei sich ist.

MichiWell bringt das sehr gut auf den punkt. Schubladen brauchen wir, aber sie engen auch ein. Das ist etwas das in der fernöstlichen philosophie eine große rolle. Unser verstand trickst uns ständig aus und die kunst besteht darin das nie zu vergessen und so auch die möglichkeit zu haben die rolle die uns einengt auch wieder abzulegen. Und genau das macht dir angst: eine OP ist permanent. Ich bin anfang dreizig und wenn ich an mein teenager ich zurückdenke "¦ das sind wie zwei verschiedene menschen — obgleich ich natürlich sehe wie mein jetztiges ich aus dem anderen erwachsen ist. Daher muss so ein wunsch enorm kritisch hinterfragt werden.

Du würdest gerne einen ECHTEN busen haben "¦ aber was begehrst du da wirklich? Warum finden wir geschlechtsteile "geil" (das ist jetzt sehr sexfixiert ... ich weiß das es auch darüber hinaus geht/gehen kann) — ich würde sagen: es ist die lust an der lust.^^ Menschen spiegeln sich einander. (ChrisTina hatte auch sowas ind er richtung geschrieben)^^ Versuch doch das begeheren das ein schöner busen in dir weckt nicht für dich zu behalten, sondern zurück zu schenken^^

Das ist auch etwas das nicht so wirklich angesprochen wird (ich hab nicht ALLES im detail gelesen): Sex. In deinem ersten beitrag ist beides schon verbunden "¦ Du betonst auch das du deinen penis liebst "¦ es klingt schon so als ob du um deine sexualität trauerst und irgendwie ist sie jetzt "künstlich" wieder da und simultan deine neigung mit der damenbekleidung. Als dann wieder die pause kam "¦ schreibst du von lustlosigkeit in vielen bereichen "¦ Vielleicht steht dein wunsch für mangelnde sexuelle erfüllung? Vielleicht musst du neu lernen zu genießen? Zusammen mit deiner Frau — die das alles ja zu unterstützen scheint. Tantra soll ja was sehr schönes sein^^ Da gibt"™s auch diverse kurse für paare^^ Ich würd das geld eher da reinstecken^^

Alles andere MUTET mir wie schattenboxen an.

Re: Die Spirale dreht sich schneller

Verfasst: Sa 11. Mai 2019, 07:35
von Conny-Andrea
Hallo Zusammen,

wieder sind einige Monate vergangen, und die Spirale hat sich wieder weitergedreht. Anfang diesen Jahres hatte ich beschlossen mein Coming Out zu starten, aber meine Frau, die als einziges über mich Bescheid wusste, war dagegen. Sie befürchtete Probleme in der Familie und das Wegbrechen sozialer Kontakte. Jedesmal wenn ich die Sprache darauf brachte, brach sie in Tränen aus und eine vernünftige Kommunikation war unmöglich. Deshalb blieb ich still und ließ den Dingen ihren Lauf.

Aber ich kleidete mich immer androgyner, erst nur wenig, später aber aber immer mehr. Und ich trug permanent Sillies, deren Größe ich immer mehr steigerte. Erst konnte man das für einen kleinen Männerbusen halten, aber später war es unübersehbar. Wenn man mich fragte behauptete ich, dass es davon käme, dass ich soviel abgenommen habe und ich meine Hautfalten mit Shapeware in den Griff kriegen müsse. Dadurch würden die Hautschichten nach oben geschoben und es entstände dadurch die Illusion eines Busens. Genau wie im Thread Bauchfett nach oben streichen. Lustigerweise glaubten die Leute das sogar.

Vor ein paar Wochen aber wollte unsere Tochter, ein kluges Ding, Genaueres wissen. Sie schnappte sich während eines Familientreffens meine Frau und nahm sie in einem ruhigen Moment mit in die Küche (Frauengespräch). Hier konnte meine Frau nicht länger schweigen und ließ alles heraus was sie über mich wusste. Ich bekam davon nichts mit und auf dem Nachhauseweg sagte meine Frau zu mir: "Du, deine Tochter weiß jetzt alles von dir." Ich habe wohl erst mal etwas blöd geschaut, biss ich begriff worum es eigentlich ging.

Ich sagte: "Aha, und wieso?" Sie erzählte mir was in der Küche geschehen war und dass unsere Tochter alles verständnisvoll aufgenommen hätte. Sie wolle abends noch mit unserem Schwiegersohn sprechen. Irgendwie war ich erleichtert und gespannt. Abends kam dann die Nachricht: Er weiß Bescheid und er sieht alles ganz locker. Na gut, dachte ich, dann geht es jetzt los.

Als nächstes war ein paar Tage später meine Mutter dran. Ich ging zu ihr und nach dem üblichen Smalltalk und Technikfragen über Fernseher und Computer kam ich dann zur Sache. Ich erzählte ihr alles, angefangen bei meiner Pubertät (ihr Badeanzug, ihre Kleider) über Hormonstörung (Testosteronmangel) bis zu der Tatsache, dass ich jetzt immer Damenunterwäsche und Sillikonbusen trage und plane mir Implantate einsetzen zu lassen.

Ich hatte gehofft, dass sie es schon irgendwie verstehen würde. Sie überraschte mich aber, denn ihre Reaktion war so entspannt als ob es das Normalste der Welt wäre. Nur bei den Implantaten war sie ablehnend, Sillies waren für sie ok.

Nachdem Tochter und Schwiegersohn zwischenzeitlich auch noch seine Eltern eingeweiht hatten war die ganze Familie informiert. Auch von diesen beiden kam keine negative Reaktion.

Jetzt war die Firma dran. Ich schrieb einen zwei Seiten langen Brief in dem ich meine Neigung erklärte. Ich versuchte darzustellen wie ich mich vor allem in letzter Zeit verändert hatte und wie es weitergehen soll. Diesen Brief hängte ich ans Schwarze Brett und beobachtete die Reaktion meiner Kolleginnen und Kollegen. Genauer gesagt ich beobachtete gar nichts. Kein schiefer Blick, kein blöder Spruch, nichts. Als ob alles völlig normal wäre. Nach einer Woche sprach mich lediglich mein Chef an und sagte mir, dass seiner Meinung nach alles ok sei wie ich mich verhalten würde. Er hatte nur Bedenken, weil ich den Brief öffentlich ausgehängt hatte, so dass auch zufällig vorbeikommende Personen ihn lesen konnten. Er meinte, es wäre besser vielleicht gewesen jedem Mitarbeiter persönlich einen Brief in die Hand zu drücken.

Nun kommen noch zwei gute Freunde dran, aber das kann noch etwas dauern, da ich sie nur selten sehe. Dann ist mein Coming Out durch. Ansonsten gewöhne ich mich immer mehr daran in aller Öffentlichkeit meinen Busen zu präsentieren. Hin und wieder kommt mal ein komischer oder überraschter Blick, aber das war es auch schon. Ich hoffe, dass ich selber mich schnell an diese Situation gewöhne, im Moment bin ich immer noch etwas unsicher wenn ich mit anderen Menschen zusammentreffe, sei es beim Arzt, beim Einkaufen, in der U-Bahn, usw.

Ich habe viel überlegt was ich bin und in welche Kategorie ich mich einordnen soll. Ehrlich gesagt ich weiß es immer noch nicht. Ich weiß nur:
Ich bin nicht normal (im Sinne von üblich).
Ich bin nicht trans (ich könnte mir zwar vorstellen eine Frau zu sein, ich muss es aber nicht).
Ich bin irgendwas anderes, vielleicht EnBy oder Androgyn? Keine Ahnung.
Ich bin eben ein Mann, der hoffentlich bald einen Busen hat.

Und deshalb steht jetzt der nächste Punkt an. Um Brüste zu bekommen, will ich keine Hormone nehmen, ich will mir Implantate einsetzen lassen. Nun habe ich einen Beratungstermin im Krankenhaus beim Chefarzt der Plastischen Chirurgie, ein ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der Brust-OP, auch bei Männern. Mal sehen"¦"¦.

Ein paar Wochen später.

"¦"¦ So der Termin ist passiert und ich bin ein ganzes Stück schlauer. So eine OP ist teuer. Ich hatte mit ca. 5000-7000 € gerechnet und das kommt auch gut hin. Womit ich nicht gerechnet hatte, ist die Tatsache, dass ich bei Komplikationen und eventuellen weiteren OPs auch wieder finanziell dabei bin. Na gut, in den sauren Apfel muss man halt beißen.

Womit ich wiederum gerechnet hatte, ist die Tatsache, dass allerhand gesundheitliche Probleme auftreten können. Aber ich bin Optimist, mir wird so etwas schon nicht passieren. :roll:

Was aber letzten Endes den Ausschlag gab mich GEGEN ein Implantat zu entscheiden war mein eigener Körper. Erstens: Haut zu dünn, kein Fettgewebe vorhanden (Hahaha, Brüller, und was ist das da am Bauch? :lol: ) Zweitens: Brustmuskel zu stark. Da das Implantat unter den Muskel käme, würde bei jeder Armbewegung mein Busen "mitarbeiten". Drittens und für mich der wichtigste Punkt: Meine Brustwarzen sitzen zu tief, und durch die OP würden sie noch etwas tiefer rutschen. Aber ich brauche keine Wölbungen auf meinem Bauch, da habe ich schon genug Polster. Den Busen hätte ich gerne oben auf der Brust gehabt.

Hohe Investitionen, Risiken und die Sicherheit, dass es hinterher Scheiße aussieht brachten mich zu der Entscheidung auf eine Brust-OP zu verzichten. Stattdessen habe ich mir jetzt die hochwertigsten Silikonbusen gekauft, die es meiner Meinung nach gibt. AMOENA Contacts 2A, sind eigentlich für Krebspatientinnen gemacht und haben demzufolge eine hohe Lebensdauer und einen möglichst hohen Wohlfühlfaktor.

Ich bin mir sicher, näher werde ich an einen eigenen Busen nicht mehr herankommen. Damit muss ich lernen zufrieden zu sein. Ich habe mich in meinem Leben schon an vieles gewöhnt, ich werde auch das schaffen.

Ich hoffe nur, dass die verdammte Spirale endlich aufhört sich weiter zu drehen. Ich hoffe, dass ich endlich angekommen bin, wo auch immer das ist.

Liebe Grüße von Conny-Andrea


PS: Heute morgen, während des Schreibens, bin ich über diesen Thread von Toni Smith gestolpert: Krank durch Brustimplantate. Sehr eindrucksvoll, ich glaube wenn ich davon vorher gewusst hätte, wäre das Thema Brustimplantat bei mir von vornherein gestrichen gewesen.

Re: Die Spirale dreht sich schneller

Verfasst: Sa 11. Mai 2019, 11:12
von ExuserIn-2020-07-10
Hallo,

du sagst von dir selbst du bist ein Mann mit bestimmten Neigungen. Wie hast du dich denn dann geoutet auf Arbeit? Das fände ich jetzt spannend. Als trans. Frau oder als Mann mit bestimmten Neigungen?

Das mit dem Ankommen ist so eine Sache. Wenn du eine Geschlechts Dysphorie (Körper oder Sozial) hast wird man nicht ankommen, es sei denn man lernt mit dem gegeben Situation zufrieden umzugehen.

Du hast die Büchse der Pandora geöffnet (ein Sinnbild welches viele Trans. Personen und Crossdresser benutzen) und nun treibt dich die Spirale der Möglichkeiten an. Die Möglichkeiten der heutigen Welt scheinen Traumhaft aber sie machen nur die wenigsten glücklich. Es ist die Einstellung zu den Dingen die glücklich macht. Da du dich bereits geoutet hast und je nach dem wie du das gemacht hast wird sich die Spirale wohl langsamer drehen und vielleicht zum erliegen kommen. Wenn du dich nämlich in deinem Mannsein emanzipierst und dich so nehmen kannst wie du bist (auch mit deinen femininen Seiten), wird die Lust auf Frausein von allein aufhören. So war es bei mir auch, als ich dann mit der HRT aufgehört habe, kam dann wieder eine Phase der Dysphorie aber ich lerne damit anders umzugehen. Man muss dazu sagen, dass eine umgekehrte Dysphorie auch in meiner HRT-Zeit fiel und das meine ich mit, "Dysphorie ist nie weg". Man kann sich aber entscheiden ob man massig Geld dafür ausgibt, viel Energie darin investieren um ein bestimmtes Rollenbild darzustellen (ob mit Transition oder ohne) oder ob man einfach seine Persönlichkeit auslebt (ohne die Anpassungen) und damit ein Vorbild für viele Menschen ist.

Re: Die Spirale dreht sich schneller

Verfasst: Sa 11. Mai 2019, 17:41
von Conny-Andrea
Hallo Toni,

geoutet habe ich mich als Crossdresser, der aber noch einen Schritt weitergehen will. Habe ich jetzt eine Geschlechtsidentitätsstörung? Eigentlich nicht, denn ich sehe mich ja als Mann. Ich möchte aber einen Busen haben. Ich empfinde das als Körperschmuck/Körperoptimierung. Wie ist das mit anderem Körperschmuck, wie Piercings, Tattoos, Tunnel, etc. Sind das auch Anzeichen von Identitätsstörung?

Liebe Grüße von Conny-Andrea

Re: Die Spirale dreht sich schneller

Verfasst: So 12. Mai 2019, 08:05
von ExuserIn-2020-07-10
Dysphorie ist keine Identitätsstörung sondern eine Störung der Wahrnehmung.

Sozial Dysphorie ist das Unbehagen mit dem Geschlechtsrollenbild. Man denkt man ist in einer bestimmten Geschlechtsrolle gefangen.
Was man nicht ist und das zu begreifen löst die Sozial Dysphorie auf.

Re: Die Spirale dreht sich schneller

Verfasst: So 12. Mai 2019, 12:29
von Jaddy
Es ist vielleicht hilfreich, wie eigentlich schon lange üblich, erstmal mindestens zwischen Körper (Empfinden, Sollvorstellung, etc.), Gender (soziale Zuordnung) und Präsentation (Kleidung, Auftreten) zu differenzieren. Und dann, wie Conny-Andrea die Motivationen der einzelnen Ebenen zu untersuchen. Nicht jede Verwendung gender-konnotierter Signale bedeutet, dass die Person sich diesem Gender zugehörig fühlt.

OK, vielleicht zu viele komplizierte Wörter. Also mal ganz konkret:
  1. Nicht alle, die
    • ein Kleid anziehen
    • die Fingernägel lackieren
    • Makeup benutzen
    • Brüste haben (wollen)
    wollen eine Frau darstellen.
  2. Nicht alle, die eine Frau darstellen wollen, wollen eine Frau sein.
  3. dito für Bart, kurze Haare, Muskeln => Mann
Lasst doch bitte endlich diese eindimensional binaristischen Zuschreibungen, verdammich!

Re: Die Spirale dreht sich schneller

Verfasst: So 12. Mai 2019, 15:03
von ExuserIn-2020-07-10
Conny-Andrea hat geschrieben: Sa 11. Mai 2019, 17:41 Hallo Toni,

geoutet habe ich mich als Crossdresser, der aber noch einen Schritt weitergehen will. Habe ich jetzt eine Geschlechtsidentitätsstörung? Eigentlich nicht, denn ich sehe mich ja als Mann. Ich möchte aber einen Busen haben. Ich empfinde das als Körperschmuck/Körperoptimierung. Wie ist das mit anderem Körperschmuck, wie Piercings, Tattoos, Tunnel, etc. Sind das auch Anzeichen von Identitätsstörung?

Liebe Grüße von Conny-Andrea
Übrigens finde ich es klasse das du dich als Crossdresser geoutet hast. Das habe ich so noch nicht gehört, vor allem nicht in der Arbeitswelt.

Dennoch frag ich mich warum sich überhaupt outen und nicht einfach machen?
Was ändert das outen?
Zum Beispiel oute ich mich nicht, ich sag zum Beispiel einfach ich hab ein Freund und gut ist. Und ab und zu trage ich halt femininer geschnittene Kleidung.

Eine Mitbewohnerin hat es auch so gemacht und ihre Freundin vorgestellt und ich hatte dann erst total fiele fragen, hab mich aber dann gefragt warum ich sie auf ein Label reduzieren soll. Irgendwann hat es sich dann bei mir normalisiert.

Bei SilikonBrüsten macht es das Outen vielleicht einfacher, da sonst der Elefant ständig im Raum stehen würde.