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Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Do 20. Jul 2017, 19:58
von Christiane
Wow.
>Sich hier ins Licht zu stellen und auf andere zu zeigen ist nicht der Weg, den wir für uns wollen<
Wenn das mein Beweggrund gewesen wäre, hätte ich ein Foto gemacht und eingestellt.
Nee - hätte ich garantiert nicht gemacht.

Würde ich nie tun.
Außerdem würde mich Anne-Mette dann bestimmt zu Recht mit "Lobpreisungen" überhäufen.
Eigentlich wollte ich nur wissen, wie Ihr Euch in so einer Situation verhalten würdet.
Dazu mußte ich die Situation ja wohl wiedergeben - und das meine persönliche Meinung einfließt, wird wohl erlaubt sein.
Mein Urteil über ihr Outfit ist wohl erkennbar und ich stehe auch dazu.
Das Problem, das ich in diesen Momenten hatte, war eigentlich total anders gelagert:
- Scheiße! Die kennt Dich!
- Ich kenne sie - nur woher?

(Ich weiß mittlerweile, woher)
- Wie soll ich reagieren, falls SIE MICH anspricht???
- Wie soll ich das meiner Frau erklären, falls die mich anspricht??
- Komme ich auch so rüber, wenn ich draußen bin??
- Ist es richtig was
ich tue??
- und, und, und, .....
Da käme bestimmt noch so einiges zusammen - das waren ungefähr 8 komplette Filme mit x Szenarien und sehr viele Fragen die gleichzeitig gelaufen sind.
Deswegen erwähnte ich ja den Festplattenfehler. Luft angehalten und weiter laufen........... .
Wäre ich alleine gewesen, hätte ich nur einen halb so schnellen Puls gehabt und hätte vielleicht auch freundlich gegrüßt.
Ich wurde einfach unvorbereitet in ein Spannungsfeld katapultiert, mit dem ich nicht rechnen konnte und das mich komplett überfordert hat.
Nur deswegen habe ich Euch gefragt - nicht, weil ich Jemanden Anderes bloßstellen will. Wen soll ich sonst fragen???
Tja - und das mit meiner Frau - Seufz!
Ob mir gefallen hat, was ich da gesehen habe, ....................... (denkt Euch den Rest).
Eigentlich wollte ich mit ihr nur einen kleinen entspannten Stadtbummel machen........................ .
Also - für mich war diese Begegnung der pure Streß. Und nicht nur für 5 Minuten.
Beste Grüße
Christiane
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Do 20. Jul 2017, 22:57
von Britt
Christiane hat geschrieben: Do 20. Jul 2017, 19:58
- Scheiße! Die kennt Dich!
- Ich kenne sie - nur woher?

(Ich weiß mittlerweile, woher)
- Wie soll ich reagieren, falls SIE MICH anspricht???
Sag doch einfach "Hallo"
- Wie soll ich das meiner Frau erklären, falls die mich anspricht??
Du hast doch in deinem Profil geschrieben, das deine Frau Bescheid weiß, also ist hier nichts zu erklären.
- Komme ich auch so rüber, wenn ich draußen bin??
Gucke in den Spiegel. Frag deine Frau.
- Ist es richtig was ich tue??
Die Frage kannst nur du selbst beantworten
Ich wurde einfach unvorbereitet in ein Spannungsfeld katapultiert, mit dem ich nicht rechnen konnte und das mich komplett überfordert hat.
Nur deswegen habe ich Euch gefragt - nicht, weil ich Jemanden Anderes bloßstellen will. Wen soll ich sonst fragen???
Vermutlich wäre einfach nichts passiert, wenn sie dich anspricht. Das ist einfach nur die Angst vor dem Outing, die wir alle haben/hatten. Allerdings kann ich mich auch nicht vorstellen, dass die Frau die du getroffen hast dich bloßstellt wenn du im Männermodus bist.
Liebe Grüße,
Britt
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Fr 21. Jul 2017, 09:15
von SteffiVau
Hallo Christiane,
ich hätte wahrscheinlich genauso reagiert wie Du.
Nach dem "Schreck", dass ich die Person wahrscheinlich kenne, wieder gefasst, ein kurzes "Hallo" und weiter gegangen.
Was wären denn die anderen Optionen gewesen? Ansprechen und fragen, ob er/sie die vermutete Person ist? Wie oft sprichst man Menschen in der Fußgängerzone oder beim Einkaufen an, weil sie jemanden ähnlich sehen, den man kennt?
Ansprechen und auf das Styling ansprechen? Wie oft spricht man Menschen auf ihr Styling an, unabhängig von Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft? Letzt endlich ist die Bewertung "Flop oder Top" nur meine ganz persönliche Einschätzung und muss nicht unbedingt mit dem Geschmack des Gegenübers oder anderen Betrachtern übereinstimmen.
Dass die anderen Betrachter, vorrangig wohl Frauen, sich über den Auftritt der Dame ausgelassen haben finde ich schlimm und spiegelt einen schlechten menschlichen Instinkt wider: "Du bist nicht wie ich, nicht wie die Masse, Dich kann ich verurteilen!" Das ist intolerant, ein anderes Wort dafür ist "Rassismus".
Die Wahl der Kleidung war in deinem Fall von der erwachsenen Dame selbst gewählt, inklusive der Reaktionen der Mitmenschen. Die Beweggründe weiß er/sie selbst am besten.
Ob es jetzt ein Bärendienst für alle CDs, TVs, TGs"¦ ist?
Jede Gruppierung, egal welcher Art, leidet unter einer Minderheit von schlechten Beispielen.
Wenn"™s bei uns CDs, TVs, TGs"¦ "gut läuft" , können wir auch unauffällig unterwegs sein, gibt hier im Forum auch viele Beispiele und tolle Berichte drüber.
Liebe Grüße
Steffi
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Fr 21. Jul 2017, 10:07
von ExUserIn-2026-04-08
Hi,
wer definiert denn, was ein "schlechtes Beispiel" ist ?
Sind das nicht die sozialen Normen, die auch Trans skeptisch gegenüberstehen ? Worin liegt dann der Unterschied zwischen Trans und den sog. "schlechten Beispielen" ?
Ich habe da ein kleines Problem: Ich rebelliere gegen einen Teil der sozialen Normen, verurteile aber gleichzeitig auf der Basis dieser sozialen Normen. Was ist den an den sozialen Normen "sinnvoll" und was kann davon weg ?
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Fr 21. Jul 2017, 10:44
von SteffiVau
SteffiVau hat geschrieben: Fr 21. Jul 2017, 09:15
...
Jede Gruppierung, egal welcher Art, leidet unter einer Minderheit von schlechten Beispielen.
...
Das hatte ich allgemein und nicht bezogen auf TS, TG, VT oder CD gemeint, frei nach dem Motto: Alle sehen, wenn ich betrunken bin, aber niemand wenn ich durst habe.
Gilt auch für die rücksichtslosen BMW-Fahrer und andere Klischees, die im täglichen Leben gern bedient werden.
Sorry, wenn das etwas ünglücklich ausgedrückt war.
Steffi
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Fr 21. Jul 2017, 14:49
von Britt
SteffiVau hat geschrieben: Fr 21. Jul 2017, 09:15
Wenn"™s bei uns CDs, TVs, TGs"¦ "gut läuft" , können wir auch unauffällig unterwegs sein, gibt hier im Forum auch viele Beispiele und tolle Berichte drüber.
Warum die graue Maus spielen? Ich mag es wenn die Männer gucken!
Britt
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Fr 21. Jul 2017, 15:35
von Martin-a
Hallo zusammen
Es gibt doch diesen bekannten Spruch: "Die Dosis macht, das etwas kein Gift ist." Oder so ähnlich. Das gilt auch für's Schminken und Dress Up. Jemand brachten den Spruch: "Zwischen überschminken und ÜBERschminken ist es nur ein schmaler Grat." Sehr viele Leute hier im Forum machen das Passing im anderen Geschlecht wirklich sehr gut. Man kann richtig neidisch werden.

Und dann gibt es eben Leute (glaube, hier im Forum ist keine Person, auf die das zutrifft), die es dann eben zu weit treiben, wie dieser Typ in Luzern. Jedem das Seine. Doch man kann es eben zu weit gehen. Ob er/sie/es uns aber einen Schaden zufügt, kann evtl. bezweifelt werden, weil es dann doch zu überzeichnet ist.
LG Martin(-a?)
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 11:10
von Nora_7
Konventionen hin Konventionen her. Hier wurde gegen 2 davon verstoßen:
1. Nuttiger Outfit: Nutten laufen nicht so rum, außer sie sind " im Dienst".
2. Dazu als Mann erkennbar.
Natürlich bleibt es jedem überlassen, inwieweit er/sie sich ohne Erregung öffentlichen Ärgernisses in der Öffentlichkeit präsentiert. Die Gothic-Szene z.B. fällt zwar auf, ein Blick, OK. Anders hier: Die Person gibt sehr viel über sich Preis, das über Kleidung hinausgeht - so auf sexuellem Gebiet.
Ich glaube schon, dass ein derartiges Auftreten mehr Vorurteile bestätigt (Crossdressing ist pervers) als Verständnis erzeugt. Also eher leider kontraproduktiv.
Ich selbst style mich auch eher etwas auffallender (i.d.R. eleganter als "was sonst in der Stadt unterwegs ist"), weil ich meistens spätnachmittags unterwegs bin und gerne dann auch noch in ein Restaurant zum Essen gehe. Gefühlte optische Passingrate: 60-70%, bei den restlichen % aber so gut kein Tuscheln oder hinterherschauen, mehr etwas irritierter Blick als irgendetwas abfälliges/negatives . Das läßt sich gut im Sommer hinter einer Sonnenbrille feststellen, da die Leute nicht erkennen, dass ich sie genauso beobachte wie sie mich.
Nora_7
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 13:16
von Michi
Britt hat geschrieben: Fr 21. Jul 2017, 14:49
SteffiVau hat geschrieben: Fr 21. Jul 2017, 09:15
Wenn"™s bei uns CDs, TVs, TGs"¦ "gut läuft" , können wir auch unauffällig unterwegs sein, gibt hier im Forum auch viele Beispiele und tolle Berichte drüber.
Warum die graue Maus spielen? Ich mag es wenn die Männer gucken!
Britt
Hallo Britt,
im Grunde genommen tust du auch nichts anderes als andere Menschen. Diese Freiheit würde ich dir niemals absprechen, auch wenn es mir selbst viel lieber ist, wenn die Frauen freundlich interessiert gucken, und vielleicht auch mal bissel neidisch.
@all: Das Grundproblem am "Passing-Wahn" ist doch, dass wir, um so mehr wir uns der grauen Masse anPASSEN, auch um so weniger in Erscheinung treten.
Dieses übertriebene, geradezu zwanghafte Passing hat zur Folge, dass wir als Transmenschen so gut wie nicht wahrgenommen werden, damit praktisch nicht existent sind. Unsere Mitmenschen sind somit auch viel eher geneigt, uns das Recht abzusprechen, unser Dasein frei auszuleben.
Liebe Grüße
Michi
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 13:24
von Michi
Nora_7 hat geschrieben: Sa 22. Jul 2017, 11:10
Konventionen hin Konventionen her. Hier wurde gegen 2 davon verstoßen:
1. Nuttiger Outfit: Nutten laufen nicht so rum, außer sie sind " im Dienst".
2. Dazu als Mann erkennbar.
Natürlich bleibt es jedem überlassen, inwieweit er/sie sich ohne Erregung öffentlichen Ärgernisses in der Öffentlichkeit präsentiert. Die Gothic-Szene z.B. fällt zwar auf, ein Blick, OK. Anders hier: Die Person gibt sehr viel über sich Preis, das über Kleidung hinausgeht - so auf sexuellem Gebiet.
Ich glaube schon, dass ein derartiges Auftreten mehr Vorurteile bestätigt (Crossdressing ist pervers) als Verständnis erzeugt. Also eher leider kontraproduktiv.
Hallo Nora,
nicht die Person und ihr Auftreten hat ein Problem bzw. ist das Problem.
Das Problem liegt ganz allein bei dir bzw. bei all den anderen Menschen, mit denen du diese Vorurteile teilst.
Dazu möchte ich dir zwei Zitate von Ernst Ferstl mit auf den Weg geben:
"Vorurteile liefern Argumente, die man sonst nirgends fände.",
und:
"Gemeinsame Vorurteile sind gemeingefährlich."
Und diese "Konventionen", auf die du dich hier berufst, sind nichts weiter als gemeinsame Vorurteile. Denk mal darüber nach.
Liebe Grüße
Michi
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 15:58
von Frauke
MichiWell hat geschrieben: Sa 22. Jul 2017, 13:16Dieses übertriebene, geradezu zwanghafte Passing hat zur Folge, dass wir als Transmenschen so gut wie nicht wahrgenommen werden, damit praktisch nicht existent sind. Unsere Mitmenschen sind somit auch viel eher geneigt, uns das Recht abzusprechen, unser Dasein frei auszuleben.
Na vielleicht liegt das aber auch daran, wie man/frau sich sieht. Ich z.B. bin kein Transmensch, sondern eine Frau (wenn auch mit einem speziellen Hintergrund). Von daher möchte ich auch als Frau wahrgenommen werden.
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 16:56
von Nora_7
Ich bin gleich mal weg, daher nur kurz:
@MichiWell: Ich glaube nicht, dass es so einfach ist, immer die anderen für alles verantwortlich zu machen. Man kann Akzeptanz durch bestimmte Penetranz auch kaputt machen. Toleranz bleibt, Akzeptanz geht, wenn man genau die Schubladen bedient statt bessere Inhalte zu öffnen.
Im Frauenmodus lege ich Wert darauf, als solche wahrgenommen zu werden. Positiv.
Nora_7
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 17:57
von Martin-a
Hallo zusammen
War heute in Luzern im Rockmodus. War in der ganzen Stadt zu Fuss und per Bus unterwegs. Ausser einem positiven Kommentar gab es keine Kommentare. Also auch keine negativen. Somit ist doch bewiesen, dass man nicht übertreiben sollte. Wenn Frau elegant ausgeht, ist das doch keine Übertreibung. Wenn aber jemand so blank zieht, wie diese Person, dann muss man sich nicht über negative Kommentare wundern. Es ist auch zum eigenen Schutz.
LG Martin(-a?)
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 18:04
von Mina
Nora_7 hat geschrieben: Sa 22. Jul 2017, 16:56
immer die anderen für alles verantwortlich zu machen.
Mein Grundsatz: Nicht die Anderen müssen sich ändern sondern ich alleine habe die Verantwortung.
Re: Begegnung in der Stadt
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 18:28
von ULI67
Ok.. es gibt viele die stört das Trans Thema allgemein... aufhören?
Ne Leben und leben lassen... solange niemanden geschadet wird