Die Belange der Partnerinnen und Familien
Die Belange der Partnerinnen und Familien - # 3

JaquelineL
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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 31 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Hallo ihr Lieben,

mir ist noch ein weiterer Aspekt für diesen thread aufgefallen: Was Partnern (im Sinne von "Sekundärbetroffenen") in heterosexuellen Partnerschaften im Fall einer Transition auch blühen kann, ist der Verlust der Exklusivität ihrer Position.

Es gibt sehr viele Stereotypen, an denen innerhalb von Partnerschaften die Rollen festgemacht werden. Nicht jeder nutzt die gleichen, aber wohl fast alle zumindest irgendwelche. Beispielsweise sind es die Dinge, die "der Mann im Haus" erledigt, im Sinne Kraft erfordernder Aktivitäten. Oder wer "die Hosen an hat" - oder eben die Röcke. Dadurch ergibt sich eine individuelle Vorstellung davon, was "den Mann" oder "die Frau" ausmacht.

Und so kann es dann zu dem Moment kommen, an dem im Zuge der Transition Stress entsteht durch das Stürmen bisher exklusiver Bastionen. "Wir können über alles reden - aber Dich im Rock kann ich nicht ertragen." Oder "Ich mache vieles mit, doch bei langen Haaren ist Schluss!". Natürlich geht es, dem konkret genutzten Argument zum Trotz, nicht wirklich um das rein oberflächliche Attribut, sondern eben darum, dass es jetzt nicht mehr nur eine Frau (oder einen Mann) im Haushalt gibt, sondern deren zwei. Neben all den anderen Belastungen und Ängsten ist dies ein Problem, das meiner Meinung nach durchaus besonderen Ärger verspricht. Denn die so aufgestellten Grenzen betreffen gerade bei langjährigen Beziehungen, die zu einem gemeinsamen Wertemodell geführt haben, wahrscheinlich auch die Kernvorstellung der transitionierenden Person. Oder weniger verschwurbelt ausgedrückt: Es ist recht wahrscheinlich, dass beide ähnliche Vorstellungen vom Frausein haben und damit die "wunden Punkte" beiden Partnern wichtig sind.

Und bevor jetzt die vermeintlich besonders Schlauen mit dem Hinweis kommen, dass (um beim Beispiel zu bleiben) auch Männer lange Haare haben können: Ich vermute sehr stark, dass bspw. Bülent Ceylan in der Regel als Mann betrachtet wird und nicht versucht, seine Zukunft als Frau zu gestalten. Da wird dann wieder deutlich, was ich schon oben schrieb: Es geht nicht um das jeweilige Attribut, sei es körperlich oder sozial (auch Frauen machen im Hause die körperlich anstrengenden Aufgaben und sind dennoch nicht "der Mann im Haus", den Haushalt erledigende oder die Kinder exklusiv großziehende Männer, ohne zur "Frau" zu mutieren) - sondern um den speziellen so getätigten Ausdruck der gewünschten Geschlechtlichkeit.

In diesem Sinne ist es aus meiner Sicht in einem solchen Fall ein Belang der Partner/innen, der (im Fall einer Transition) leider nicht berücksichtigt werden kann - das Ziel der Transition ist eben, in der anderen Geschlechtsrolle zu leben, so dass es dann zwei Frauen (oder Männer) im Haushalt gibt.

Was wir aber berücksichtigen können ist, dass es im Endeffekt eben nicht um das genannte Attribut geht und so sollten wir in den darauf folgenden Diskussionen darauf verzichten, durch unpassende Argumentation (z. B. "aber es gibt doch auch Männer mit langen Haaren") die Gefühle unser Partner/innen zu verletzen. (Und ja, meiner Meinung nach kann man diese Reflexe auch bei CDs und auch hier in den Foren beobachten.) Was im Endeffekt niemandem hilft, sondern Fronten eher verhärtet.

Liebe Grüße
Jackie
Zuletzt geändert von JaquelineL am Mo 19. Sep 2016, 15:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Ulrike-Marisa
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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 32 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin zusammen,

...ich denke, jeder Einzelfall unterscheidet sich von den anderen und fordert immer individuelle Lösungen. So auch bei uns. Ich habe einen Weg für mich gefunden, wie ich ohne mich zu verbiegen mit meiner Transsexualität umgehen kann, aus der tiefen Erkenntnis heraus, dass ich mich in der Durchsetzung meiner Wünsche der Familie gegenüber zurücknehme, um die Familie zu erhalten und aus Liebe zu meiner Frau. Andere mögen das anders sehen, aber ich kann damit leben, dass ich eben nicht alles in diesem Leben erreichen kann. Was ich erreichen konnte, reicht, um mit meiner Familie ein glückliches und interessantes Leben führen zu können. Wem wäre damit gedient, wenn alles auseinander bricht und ich mit dem Kopf durch die Wand ginge? Es gibt in meinem Leben ausreichend Freiraum, um auch meine Träume in irgend einer Form verwirklichen zu können - ich kann mich den ganzen Tag annähernd weiblich fühlen - immer soweit das möglich ist, was Aussehen und Kleidung betrifft aber immer auch alles mit Einschränkungen und nicht immer in Perfektion. Dafür habe ich aber eine Familie mit Zusammenhalt, auch wenn mein Weg nicht bei allen unumschränkte Zustimmung findet. Wir leben ))):s

Liebe Grüße, Ulrike-Marisa

...es geht nicht immer alles im Leben aber dafür ganz viel. :wink:
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