Andrea — meine Erlebnisse - # 20
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
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20.3.2015
Ich glaube, jetzt muss ich erst einmal erklären, warum ich ausgerechnet nach Zürich gereist bin: Von dort startete ein Beobachtungsflug zu der totalen Sonnenfinsternis über dem Nordatlantik. Es war ein Kindheitstraum von mir, so ein Naturschauspiel einmal mit eigenen Augen zu erleben. Prinzipiell besteht ja fast jedes Jahr eine Möglichkeit dazu, doch dazu muss man bzw. frau weit reisen in zum Teil entlegene "Ecken" der Welt. Am stimmungsvollsten sollen wohl Beobachtungen von der Erde aus sein, aber da besteht immer das Risiko, bei bedecktem Himmel "nichts" zu sehen. Vom Flugzeug aus, welches über den Wolken fliegt, besteht das Bewölkungsrisiko nicht und das Ereignis kann durch Mitfliegen im Mondschatten ein wenig verlängert werden.
Soweit die Theorie! Ich hatte diesen Flug unter anderem auch gebucht, weil die Gelegenheit, das durch einen Rundflug von Europa aus zu erleben, so schnell nicht wiederkommen wird. Natürlich buchte ich den Flug, genauso wie die Hotelübernachtung in Flughafennähe unter meinem weiblichen Namen.
Spätestens 5.30 Uhr mussten die Reiseteilnehmer am Check-In sein. Da hatte ich die Wahl vom Hotel aus zu laufen, ein Taxi zu bestellen oder den (kostenlosen) Hotelbus zu nehmen, von dem der erste 20 Minuten vorher abfahren sollte. Das erschien mir zwar etwas knapp, aber da mir versichert wurde, dass der Bus absolut pünktlich sei und ich den Weg zum Check-In-Schalter am Vortag schon ausgekundschaftet hatte, verließ ich mich darauf.
Für meinen ersten Flug als Andrea hatte ich folgendes Outfit gewählt: Blauer kurzer Rock, blau-grün-weiß gemusterte Bluse, blau gemusterte Strumpfhose, schwarze Pumps und darüber meinen schwarz-grau gemusterten Kurzmantel.
So zeitig hatte ich mich noch nie geschminkt, aber ich war rechtzeitig fertig und der Zubringerbus fuhr auch pünktlich. Trotzdem war ich die Letzte an Schalter. Dem Reiseleiter fiel offenbar ein Stein vom Herzen, als ich zügigen Schrittes auf den Schalter zukam. Er war sich wohl sicher, dass ich die noch fehlende Dame sein musste und sprach mich daraufhin gleich an.
Jetzt ein scheinbar kritischer Moment, die Passkontrolle: Dazu hatte ich ja im Vorfeld unterschiedliche Auffassungen gehört, was an dieser Stelle für unsereins möglich ist. Ich hatte wie gesagt unter meinem weiblichen Namen gebucht, aber nur den "männlichen" Ausweis dabei und eben meinen dgti-Ergänzungsausweis. Ich reichte beides der Frau am Schalter so, dass der dgti-Ausweis obenauf lag. Letzteren schaute sie sich einen Moment an, dann nur noch ein äußerst kurzer Blick, was sich darunter befand und das war"™s dann schon. Ein Vergleich der Daten war in dieser kurzen Zeit sicher nicht möglich.
Nach Überwindung dieser "Hürde" konnte es zum Flugzeug gehen. Der Reiseleiter schickte mich schon mal vor. Zum Glück war der Weg zum Gate (Abflugstand) besser ausgeschildert als zu den Hotelbussen. So stieß ich auf die etwa 60-köpfige Reisegruppe, die sich das Erlebnis Sonnenfinsternis nicht entgehen lassen wollten. Draußen stand bereits der Airbus A320 von Airberlin, der uns in die Finsterniszone bringen sollte.
Die Männer waren in dieser Gruppe deutlich in der Überzahl (ca. 75%). Wie ich mitbekam hatten die meisten davon schon reichlich "Finsterniserfahrung". Zehn und mehr erlebte totale Sonnenfinsternisse waren keine Seltenheit. Da kam ich mir als "Neue" fast etwas minderwertig vor.
Bekleidung spielte hier zwar keine Rolle, trotzdem ist mir aufgefallen, dass außer mir noch eine andere Frau einen Rock trug. Zusammen mit den zwei Stewardessen waren wir so zu viert, die der klassischen Damenbekleidung den Vorzug gaben.
Nach einer mir fast endlos vorkommenden Wartezeit am Gate durften wir endlich einsteigen. Ich hatte einen Fensterplatz im hinteren Flugzeugteil. Eine kurze Ansprache des Flugkapitäns, dann ging es endlich los. Etwa drei Stunden Flugzeit bis zur Finsterniszone lagen vor uns. Schnell verschwand die Landschaft unter uns im Dunst und fast während des gesamten Fluges befanden wir uns über einer geschlossenen Wolkendecke.
Zuerst gab es an Bord noch ein kleines Frühstück, danach erklärte der Reiseleiter einiges zum Ablauf des Fluges. Von insgesamt sechs waren nur zwei Sitzreihen auf der rechten Seite, wo die Finsternis erwartet wurde, vergeben. Um allen gleiche Beobachtungschancen zu bieten, war vorgesehen, nach der Hälfte der Finsternis die Plätze zu tauschen. Damit das dann (bei Dunkelheit) zügig vonstattengeht, wurde der Sitzplatzwechsel vorher drei Mal geprobt. Keiner wollte ja wertvolle Beobachtungszeit verschenken.
Ich saß neben einem etwa 70-jährigen Herrn aus Wiesbaden, der schon gar nicht mehr genau wusste, wie viele Sonnenfinsternisse er schon sah. In den Reihen davor und dahinter jeweils auch zwei Männer. Einer davon wurde hellhörig, als ich meinem Sitznachbarn sagte, wo ich herkomme. Wie sich herausstellte, stammte der vor mir sitzende Herr ursprünglich aus meiner Heimatstadt, wohnt jetzt aber in Karlsruhe.
Über Nordfrankreich und die britische Insel erreichten wir schließlich die Stelle über dem Nordatlantik, wo wenige Minuten später der Mondschatten vorbeiziehen sollte. Die Maschine drehte noch eine Schleife, bevor sie auf den Kurs des Mondschattens einschwenkte. Es wurde merklich dunkler und eine knisternde Stimmung machte sich breit. Die Augen mit Spezialbrillen geschützt, beobachteten alle die immer schmaler werdende Sichel der noch hinter dem Mond vorbeischeinenden Sonne. Auf der Wolkendecke war bereits der von hinten herannahende Mondschatten zu sehen.
Dann war es soweit: Der Mond verdeckte die letzten Sonnenstrahlen und wir konnten die Schutzbrillen abnehmen. Die jetzt sichtbare Korona der Sonne bildete einen grandiosen Anblick. Der Mondschatten bedeckte jetzt die gesamte Wolkendecke unter uns. Fast völlige Dunkelheit umgab uns. Außer der Korona und einiger heller Sterne war nur ein schwach leuchtendes rötliches Band am Horizont (ähnlich Morgen- oder Abendrot) zu sehen.
Ich versuchte, einige Fotos zu machen, merke aber schnell, dass meine Mini-Digitalkamera hier völlig überfordert war. Dann gab der Reiseleiter das Kommando zum Sitzplatzwechsel. Dank vorheriger Proben klappte der trotz Dunkelheit ganz gut. Ich versuchte danach auf der anderen Seite, den nach vorn wieder abziehenden Mondschatten zu fotografieren.
Wie gesagt, mangels geeigneter Technik sind meine Bilder von nur mäßiger Qualität. Bessere Aufnahmen sind in den unten verlinkten Fernseh- und Presseberichten zu sehen.
Viel zu schnell war das ganze Spektakel vorbei und es wurde allmählich wieder hell. Ich glaube aber, alle waren begeistert von dem, was sie sahen, auch wenn es für einige bereits zum -zigsten Mal war.
Kurze Zeit später schwenkte die Maschine in eine südöstliche Richtung und es ging über die Nordsee und Deutschland zurück nach Zürich. Auf dem Rückflug wurde den Fluggästen ein warmes Mittagessen gereicht. Das hat gar nicht mal schlecht geschmeckt, aber die Einnahme war unter den beengten Verhältnissen an Bord etwas gewöhnungsbedürftig.
Unter den Fluggästen war auch ein Fernsehteam vom ZDF, welches von der Reise zur "schwarzen Sonne" folgenden Filmbeitrag zusammenstellte, in dem ich am Anfang für etwa zwei Sekunden zu sehen bin: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/ ... finsternis
Auch das Schweizer Fernsehen berichtete kurz über das Ereignis: http://tp.srgssr.ch/p/portal?urn=urn%3A ... playerType
Und in einer Schweizer Lokalzeitung entdeckte ich später folgenden Artikel: http://www.nzz.ch/panorama/in-6-stunden ... 1.18506805
Nach der sicheren Landung schien in Zürich die Sonne, ohne noch vom Mond bedeckt zu sein. Völlig beeindruckt von den Erlebnissen der letzten Stunden, ließ ich mich erst einmal ins Hotel zurückfahren. Mir wurde klar, dass ich wieder einmal keinerlei Reaktionen zu meiner Person erkennen konnte. So blieb die berühmte Frage erneut unbeantwortet: Hatte außer der Frau am Check-In-Schalter, die meinen dgti-Ausweis in Augenschein nahm, jemand gemerkt, dass eine der mitreisenden Damen nicht ganz "echt" war?
Ich saß wie gesagt im Hotelzimmer und stand vor der Frage, diesem Tag einen würdigen Abschluss zu bereiten. Eigentlich konnte es nach den überaus beeindruckenden Erlebnissen vom Vormittag nichts geben, was dem ebenbürtig wäre. Oder doch?
Als leidenschaftliche Opernliebhaberin hatte ich natürlich vorher schon mal einen Blick in den Spielplan des Züricher Opernhauses geworfen und dabei eine sehr interessante Aufführung entdeckt. Wegen der prominenten Besetzung war diese allerdings trotz gepfefferter Preise seit Monaten ausverkauft. Ich erinnerte mich aber an eine ausverkaufte Veranstaltung in Berlin, bei der ich eine nicht benötigte Eintrittskarte in kürzester Zeit verkaufen konnte. Sollte das nicht auch andersherum funktionieren? Im Nachhinein hätte ich mich wahrscheinlich geärgert, es nicht versucht zu haben.
Ich schminkte mich also noch einmal neu und holte mein Theateroutfit aus dem Koffer: schwarzer Godetrock, terrakottafarbene Satinbluse, schwarze Strumpfhose und Pumps. Draußen noch meinen schwarzen Blazer darüber — so machte ich mich mit der Straßenbahn auf den Weg ins Stadtzentrum. Etwa eine Stunde vor Vorstellungsbeginn war ich im Opernhaus. Leute, die ebenfalls noch Karten suchten, konnte ich keine erkennen, nur ein abschreckendes Schild an der Kasse: "Heute keine Last Minute Tickets", was immer das sein sollte.
Ich fragte trotzdem nach und traute meinen Ohren kaum, als die Frau an der Kasse sagte, dass sie noch eine einzige Karte hätte. Der Preis hätte mich zwar glatt umgehauen, wenn ich mich nicht schon vorher danach erkundigt hätte und damit rechnen musste. Aber ich überlegte nicht lange, wenn ich schon einmal hier war, musste ich diese Gelegenheit einfach nutzen.
Ich hatte nun etwas Zeit, mich ein wenig im Opernhaus umzusehen und eine Kleinigkeit zu essen. Positiv überrascht war ich vom Kleidungsstil der anderen Besucherinnen. Alles sehr festlich gehalten, wobei Röcke und Kleider deutlich gegenüber Hosen dominierten. Besonders fiel mir auf, dass glitzernde Kleider oder Oberteile sich hier einer besonderen Beliebtheit erfreuten.
Auf dem Programm stand die Oper "Anna Bolena" von Gaetano Donizetti mit Anna Netrebko in der Titelrolle. Obwohl der Komponist mit diesem Werk 1830 seinen Durchbruch schaffte, ist es heute nur wenig bekannt. Vielleicht ändert sich aber daran in nächster Zeit etwas, da die russische Sopranistin mit dieser Rolle auch an anderen berühmten Opernhäusern große Erfolge feiern konnte.
Hörenswert ist "Anna Bolena" meines Erachtens auf jeden Fall. An der Züricher Inszenierung gefielen mir die Kostüme am besten. Exklusive und farbenfrohe Kleider bei den Damen, dagegen tristes Grau-in grau bei den Herren. Ich glaube, treffender hätte die heutige Situation nicht dargestellt werden können. Mehr zu diesem Werk könnt ihr hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Bolena
Dem lang anhaltenden Beifall nach zu urteilen, hat das Stück auch den anderen Zuschauer(inne)n gut gefallen. Nach diesem zweiten grandiosen Erlebnis an diesem Tag machte ich mich auf den Weg zurück ins Hotel. Eine halbe Stunde Straßenbahnfahrt und fünf Minuten Fußweg, dann war auch dieser Opernabend für mich Geschichte und ich konnte bzw. musste mich nun erst einmal zur Ruhe legen, um die überaus vielfältigen Eindrücke zu verarbeiten.
Ich glaube, ohne Übertreibung sagen zu können: Da war (bisher) mein schönster, beeindruckendster, erlebnisreichster, aber auch teuerster Andrea-Tag und ich denke auch, mein längster Bericht.
20.3.2015
Ich glaube, jetzt muss ich erst einmal erklären, warum ich ausgerechnet nach Zürich gereist bin: Von dort startete ein Beobachtungsflug zu der totalen Sonnenfinsternis über dem Nordatlantik. Es war ein Kindheitstraum von mir, so ein Naturschauspiel einmal mit eigenen Augen zu erleben. Prinzipiell besteht ja fast jedes Jahr eine Möglichkeit dazu, doch dazu muss man bzw. frau weit reisen in zum Teil entlegene "Ecken" der Welt. Am stimmungsvollsten sollen wohl Beobachtungen von der Erde aus sein, aber da besteht immer das Risiko, bei bedecktem Himmel "nichts" zu sehen. Vom Flugzeug aus, welches über den Wolken fliegt, besteht das Bewölkungsrisiko nicht und das Ereignis kann durch Mitfliegen im Mondschatten ein wenig verlängert werden.
Soweit die Theorie! Ich hatte diesen Flug unter anderem auch gebucht, weil die Gelegenheit, das durch einen Rundflug von Europa aus zu erleben, so schnell nicht wiederkommen wird. Natürlich buchte ich den Flug, genauso wie die Hotelübernachtung in Flughafennähe unter meinem weiblichen Namen.
Spätestens 5.30 Uhr mussten die Reiseteilnehmer am Check-In sein. Da hatte ich die Wahl vom Hotel aus zu laufen, ein Taxi zu bestellen oder den (kostenlosen) Hotelbus zu nehmen, von dem der erste 20 Minuten vorher abfahren sollte. Das erschien mir zwar etwas knapp, aber da mir versichert wurde, dass der Bus absolut pünktlich sei und ich den Weg zum Check-In-Schalter am Vortag schon ausgekundschaftet hatte, verließ ich mich darauf.
Für meinen ersten Flug als Andrea hatte ich folgendes Outfit gewählt: Blauer kurzer Rock, blau-grün-weiß gemusterte Bluse, blau gemusterte Strumpfhose, schwarze Pumps und darüber meinen schwarz-grau gemusterten Kurzmantel.
So zeitig hatte ich mich noch nie geschminkt, aber ich war rechtzeitig fertig und der Zubringerbus fuhr auch pünktlich. Trotzdem war ich die Letzte an Schalter. Dem Reiseleiter fiel offenbar ein Stein vom Herzen, als ich zügigen Schrittes auf den Schalter zukam. Er war sich wohl sicher, dass ich die noch fehlende Dame sein musste und sprach mich daraufhin gleich an.
Jetzt ein scheinbar kritischer Moment, die Passkontrolle: Dazu hatte ich ja im Vorfeld unterschiedliche Auffassungen gehört, was an dieser Stelle für unsereins möglich ist. Ich hatte wie gesagt unter meinem weiblichen Namen gebucht, aber nur den "männlichen" Ausweis dabei und eben meinen dgti-Ergänzungsausweis. Ich reichte beides der Frau am Schalter so, dass der dgti-Ausweis obenauf lag. Letzteren schaute sie sich einen Moment an, dann nur noch ein äußerst kurzer Blick, was sich darunter befand und das war"™s dann schon. Ein Vergleich der Daten war in dieser kurzen Zeit sicher nicht möglich.
Nach Überwindung dieser "Hürde" konnte es zum Flugzeug gehen. Der Reiseleiter schickte mich schon mal vor. Zum Glück war der Weg zum Gate (Abflugstand) besser ausgeschildert als zu den Hotelbussen. So stieß ich auf die etwa 60-köpfige Reisegruppe, die sich das Erlebnis Sonnenfinsternis nicht entgehen lassen wollten. Draußen stand bereits der Airbus A320 von Airberlin, der uns in die Finsterniszone bringen sollte.
Die Männer waren in dieser Gruppe deutlich in der Überzahl (ca. 75%). Wie ich mitbekam hatten die meisten davon schon reichlich "Finsterniserfahrung". Zehn und mehr erlebte totale Sonnenfinsternisse waren keine Seltenheit. Da kam ich mir als "Neue" fast etwas minderwertig vor.
Bekleidung spielte hier zwar keine Rolle, trotzdem ist mir aufgefallen, dass außer mir noch eine andere Frau einen Rock trug. Zusammen mit den zwei Stewardessen waren wir so zu viert, die der klassischen Damenbekleidung den Vorzug gaben.
Nach einer mir fast endlos vorkommenden Wartezeit am Gate durften wir endlich einsteigen. Ich hatte einen Fensterplatz im hinteren Flugzeugteil. Eine kurze Ansprache des Flugkapitäns, dann ging es endlich los. Etwa drei Stunden Flugzeit bis zur Finsterniszone lagen vor uns. Schnell verschwand die Landschaft unter uns im Dunst und fast während des gesamten Fluges befanden wir uns über einer geschlossenen Wolkendecke.
Zuerst gab es an Bord noch ein kleines Frühstück, danach erklärte der Reiseleiter einiges zum Ablauf des Fluges. Von insgesamt sechs waren nur zwei Sitzreihen auf der rechten Seite, wo die Finsternis erwartet wurde, vergeben. Um allen gleiche Beobachtungschancen zu bieten, war vorgesehen, nach der Hälfte der Finsternis die Plätze zu tauschen. Damit das dann (bei Dunkelheit) zügig vonstattengeht, wurde der Sitzplatzwechsel vorher drei Mal geprobt. Keiner wollte ja wertvolle Beobachtungszeit verschenken.
Ich saß neben einem etwa 70-jährigen Herrn aus Wiesbaden, der schon gar nicht mehr genau wusste, wie viele Sonnenfinsternisse er schon sah. In den Reihen davor und dahinter jeweils auch zwei Männer. Einer davon wurde hellhörig, als ich meinem Sitznachbarn sagte, wo ich herkomme. Wie sich herausstellte, stammte der vor mir sitzende Herr ursprünglich aus meiner Heimatstadt, wohnt jetzt aber in Karlsruhe.
Über Nordfrankreich und die britische Insel erreichten wir schließlich die Stelle über dem Nordatlantik, wo wenige Minuten später der Mondschatten vorbeiziehen sollte. Die Maschine drehte noch eine Schleife, bevor sie auf den Kurs des Mondschattens einschwenkte. Es wurde merklich dunkler und eine knisternde Stimmung machte sich breit. Die Augen mit Spezialbrillen geschützt, beobachteten alle die immer schmaler werdende Sichel der noch hinter dem Mond vorbeischeinenden Sonne. Auf der Wolkendecke war bereits der von hinten herannahende Mondschatten zu sehen.
Dann war es soweit: Der Mond verdeckte die letzten Sonnenstrahlen und wir konnten die Schutzbrillen abnehmen. Die jetzt sichtbare Korona der Sonne bildete einen grandiosen Anblick. Der Mondschatten bedeckte jetzt die gesamte Wolkendecke unter uns. Fast völlige Dunkelheit umgab uns. Außer der Korona und einiger heller Sterne war nur ein schwach leuchtendes rötliches Band am Horizont (ähnlich Morgen- oder Abendrot) zu sehen.
Ich versuchte, einige Fotos zu machen, merke aber schnell, dass meine Mini-Digitalkamera hier völlig überfordert war. Dann gab der Reiseleiter das Kommando zum Sitzplatzwechsel. Dank vorheriger Proben klappte der trotz Dunkelheit ganz gut. Ich versuchte danach auf der anderen Seite, den nach vorn wieder abziehenden Mondschatten zu fotografieren.
Wie gesagt, mangels geeigneter Technik sind meine Bilder von nur mäßiger Qualität. Bessere Aufnahmen sind in den unten verlinkten Fernseh- und Presseberichten zu sehen.
Viel zu schnell war das ganze Spektakel vorbei und es wurde allmählich wieder hell. Ich glaube aber, alle waren begeistert von dem, was sie sahen, auch wenn es für einige bereits zum -zigsten Mal war.
Kurze Zeit später schwenkte die Maschine in eine südöstliche Richtung und es ging über die Nordsee und Deutschland zurück nach Zürich. Auf dem Rückflug wurde den Fluggästen ein warmes Mittagessen gereicht. Das hat gar nicht mal schlecht geschmeckt, aber die Einnahme war unter den beengten Verhältnissen an Bord etwas gewöhnungsbedürftig.
Unter den Fluggästen war auch ein Fernsehteam vom ZDF, welches von der Reise zur "schwarzen Sonne" folgenden Filmbeitrag zusammenstellte, in dem ich am Anfang für etwa zwei Sekunden zu sehen bin: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/ ... finsternis
Auch das Schweizer Fernsehen berichtete kurz über das Ereignis: http://tp.srgssr.ch/p/portal?urn=urn%3A ... playerType
Und in einer Schweizer Lokalzeitung entdeckte ich später folgenden Artikel: http://www.nzz.ch/panorama/in-6-stunden ... 1.18506805
Nach der sicheren Landung schien in Zürich die Sonne, ohne noch vom Mond bedeckt zu sein. Völlig beeindruckt von den Erlebnissen der letzten Stunden, ließ ich mich erst einmal ins Hotel zurückfahren. Mir wurde klar, dass ich wieder einmal keinerlei Reaktionen zu meiner Person erkennen konnte. So blieb die berühmte Frage erneut unbeantwortet: Hatte außer der Frau am Check-In-Schalter, die meinen dgti-Ausweis in Augenschein nahm, jemand gemerkt, dass eine der mitreisenden Damen nicht ganz "echt" war?
Ich saß wie gesagt im Hotelzimmer und stand vor der Frage, diesem Tag einen würdigen Abschluss zu bereiten. Eigentlich konnte es nach den überaus beeindruckenden Erlebnissen vom Vormittag nichts geben, was dem ebenbürtig wäre. Oder doch?
Als leidenschaftliche Opernliebhaberin hatte ich natürlich vorher schon mal einen Blick in den Spielplan des Züricher Opernhauses geworfen und dabei eine sehr interessante Aufführung entdeckt. Wegen der prominenten Besetzung war diese allerdings trotz gepfefferter Preise seit Monaten ausverkauft. Ich erinnerte mich aber an eine ausverkaufte Veranstaltung in Berlin, bei der ich eine nicht benötigte Eintrittskarte in kürzester Zeit verkaufen konnte. Sollte das nicht auch andersherum funktionieren? Im Nachhinein hätte ich mich wahrscheinlich geärgert, es nicht versucht zu haben.
Ich schminkte mich also noch einmal neu und holte mein Theateroutfit aus dem Koffer: schwarzer Godetrock, terrakottafarbene Satinbluse, schwarze Strumpfhose und Pumps. Draußen noch meinen schwarzen Blazer darüber — so machte ich mich mit der Straßenbahn auf den Weg ins Stadtzentrum. Etwa eine Stunde vor Vorstellungsbeginn war ich im Opernhaus. Leute, die ebenfalls noch Karten suchten, konnte ich keine erkennen, nur ein abschreckendes Schild an der Kasse: "Heute keine Last Minute Tickets", was immer das sein sollte.
Ich fragte trotzdem nach und traute meinen Ohren kaum, als die Frau an der Kasse sagte, dass sie noch eine einzige Karte hätte. Der Preis hätte mich zwar glatt umgehauen, wenn ich mich nicht schon vorher danach erkundigt hätte und damit rechnen musste. Aber ich überlegte nicht lange, wenn ich schon einmal hier war, musste ich diese Gelegenheit einfach nutzen.
Ich hatte nun etwas Zeit, mich ein wenig im Opernhaus umzusehen und eine Kleinigkeit zu essen. Positiv überrascht war ich vom Kleidungsstil der anderen Besucherinnen. Alles sehr festlich gehalten, wobei Röcke und Kleider deutlich gegenüber Hosen dominierten. Besonders fiel mir auf, dass glitzernde Kleider oder Oberteile sich hier einer besonderen Beliebtheit erfreuten.
Auf dem Programm stand die Oper "Anna Bolena" von Gaetano Donizetti mit Anna Netrebko in der Titelrolle. Obwohl der Komponist mit diesem Werk 1830 seinen Durchbruch schaffte, ist es heute nur wenig bekannt. Vielleicht ändert sich aber daran in nächster Zeit etwas, da die russische Sopranistin mit dieser Rolle auch an anderen berühmten Opernhäusern große Erfolge feiern konnte.
Hörenswert ist "Anna Bolena" meines Erachtens auf jeden Fall. An der Züricher Inszenierung gefielen mir die Kostüme am besten. Exklusive und farbenfrohe Kleider bei den Damen, dagegen tristes Grau-in grau bei den Herren. Ich glaube, treffender hätte die heutige Situation nicht dargestellt werden können. Mehr zu diesem Werk könnt ihr hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Bolena
Dem lang anhaltenden Beifall nach zu urteilen, hat das Stück auch den anderen Zuschauer(inne)n gut gefallen. Nach diesem zweiten grandiosen Erlebnis an diesem Tag machte ich mich auf den Weg zurück ins Hotel. Eine halbe Stunde Straßenbahnfahrt und fünf Minuten Fußweg, dann war auch dieser Opernabend für mich Geschichte und ich konnte bzw. musste mich nun erst einmal zur Ruhe legen, um die überaus vielfältigen Eindrücke zu verarbeiten.
Ich glaube, ohne Übertreibung sagen zu können: Da war (bisher) mein schönster, beeindruckendster, erlebnisreichster, aber auch teuerster Andrea-Tag und ich denke auch, mein längster Bericht.
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Zuletzt geändert von Andrea aus Sachsen am Fr 27. Mär 2015, 00:21, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Andrea aus Sachsen
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Anne-Mette
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Liebe Andrea,
es ist nicht nur sehr persönlich, ja (für mich) manches Mal richtig anrührend, wenn ich Deine Berichte lese,
sondern auch lehrreich und weiterführend.
Allein für das "... an alles gedacht und alles gut vorbereitet..." hast Du meine Bewunderung
So auch dieses Mal ganz besonders
Herzlichen Dank
Anne-Mette
es ist nicht nur sehr persönlich, ja (für mich) manches Mal richtig anrührend, wenn ich Deine Berichte lese,
sondern auch lehrreich und weiterführend.
Allein für das "... an alles gedacht und alles gut vorbereitet..." hast Du meine Bewunderung
So auch dieses Mal ganz besonders
Herzlichen Dank
Anne-Mette
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Regina
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Hallo Andrea,
Ich lese Deine Berichte immer sehr gern und lasse mir dabei keinen entgehen.
Auch von mir, Applaus zu Deinen immer wieder tollen Erlebnissen. Du bist vielen hier ein Beispiel.
Liebe Grüße,
Regina
Ich lese Deine Berichte immer sehr gern und lasse mir dabei keinen entgehen.
Auch von mir, Applaus zu Deinen immer wieder tollen Erlebnissen. Du bist vielen hier ein Beispiel.
Liebe Grüße,
Regina
Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit. (Erasmus von Rotterdam)
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Hallo Andrea,
das war bestimmt ein tolles Erlebnis. Ich wusste gar nicht, dass solche Flüge angeboten werden. Das werde ich mir mal im Hinterkopf notieren.
Wenn ich deine Berichte lese, dann habe ich immer das Gefühl, hier lebt eine wirklich sich selbst. Das finde ich sehr inspirierend.
Liebe Grüße
Anke
das war bestimmt ein tolles Erlebnis. Ich wusste gar nicht, dass solche Flüge angeboten werden. Das werde ich mir mal im Hinterkopf notieren.
Wenn ich deine Berichte lese, dann habe ich immer das Gefühl, hier lebt eine wirklich sich selbst. Das finde ich sehr inspirierend.
Liebe Grüße
Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.
Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)
https://www.transcuisine.com
Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCQc7XaiWBuzchBQTnGRv80g
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Inga
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Hallo Andrea,
ich hatte von dem Flug im Radio gehört. Dass aber du als eine von uns leibhaftig dabei warst, ist schon toll! Der Opernbesuch war da geradezu das Sahnehäubchen.
Ich gratuliere dir einfach zu diesem grandiosen Tag.
Liebe Grüße
Inga
ich hatte von dem Flug im Radio gehört. Dass aber du als eine von uns leibhaftig dabei warst, ist schon toll! Der Opernbesuch war da geradezu das Sahnehäubchen.
Ich gratuliere dir einfach zu diesem grandiosen Tag.
Liebe Grüße
Inga
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conny
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Andrea aus Sachsen hat geschrieben:.
Ich glaube, ohne Übertreibung sagen zu können: Da war (bisher) mein schönster, beeindruckendster, erlebnisreichster, aber auch teuerster Andrea-Tag und ich denke auch, mein längster Bericht.
... und dein "meisterstück"! du schreckst echt vor nichts zurück
wenn das anderen nicht mut macht....
einen schönen gruß von conny
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maia
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Hallo Andrea!
Ich habe schon jeden Tag auf Deinen Bericht gewartet, konnte mir aber denken, dass er etwas umfangreicher wird und dadurch dauert. Ist ja toll, dass alles so prima funktioniert hat. Ich habe Dich dabei gelegentlich "verfolgt" bei Flightradar24.
Hast Du nun "Blut geleckt" und schon mal die nächste Finsternis ins Auge gefasst?
Ja, über die Preise der Schweizer, besonders bei Eintrittskarten und ähnlichem, kann man schon mal ins Grübeln kommen. Auch mal etwas zu schnell fahren, schlägt richtig ein in der Geldbörse. Habe da so Erfahrungen. Aber gut, für Anna muß man sicher auch bei uns ordentlich löhnen.
Also, insgesamt großes Kino. Wir sind stolz auf Dich!
Schöne Grüße
Maia
Ich habe schon jeden Tag auf Deinen Bericht gewartet, konnte mir aber denken, dass er etwas umfangreicher wird und dadurch dauert. Ist ja toll, dass alles so prima funktioniert hat. Ich habe Dich dabei gelegentlich "verfolgt" bei Flightradar24.
Hast Du nun "Blut geleckt" und schon mal die nächste Finsternis ins Auge gefasst?
Ja, über die Preise der Schweizer, besonders bei Eintrittskarten und ähnlichem, kann man schon mal ins Grübeln kommen. Auch mal etwas zu schnell fahren, schlägt richtig ein in der Geldbörse. Habe da so Erfahrungen. Aber gut, für Anna muß man sicher auch bei uns ordentlich löhnen.
Also, insgesamt großes Kino. Wir sind stolz auf Dich!
Schöne Grüße
Maia
"Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit zu jedem Thema etwas sagen zu müssen!" Teresa von Ãvila (1515-1582)
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
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Danke erstmal allen für die netten Kommentare und Glückwünsche! Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst mal eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten, kann mal bei Eclipse-Reisen reinschauen. Das ist Deutschlands führender Anbieter von Reisen zu Sonnenfinsternissen und anderen astronomischen Ereignissen. Die nächsten Spektakel dieser Art finden am 9.3.2016 in Indonesien bzw. am 21.8.2017 in den USA statt. Bei letztgenanntem werde ich es mir mal überlegen, ob ich mitmache.
Jetzt aber weiter im Bericht:
21.3.2015
Nach den überwältigenden Erlebnissen des Vortages ließ ich es heute etwas ruhiger angehen. Ich bin etwas später aufgestanden, habe mir beim Anziehen und Schminken Zeit gelassen und bin dann zum Frühstück gegangen. Als ich zurückkam, stand die Zimmereinigung bereits vor der Tür und ich musste sie um etwas Geduld bitten, bis ich meinen Koffer gepackt hatte und diesen vorläufig an der Rezeption deponieren konnte.
Ich hatte mir vorgenommen, noch etwas die Stadt anzusehen, bevor ich die Heimreise antrat. Ich trug dazu noch mal das gleiche Outfit wie bei der Anreise vor zwei Tagen: Rot-weiß gemustertes knielanges Kleid, schwarze Strumpfhosen und Stiefeletten und darüber meinen schwarzen Blazer.
Im Stadtzentrum angekommen entdeckte ich gleich einen Uhren- und Schmuckladen. Da mir wegen der verbrauchten Batterie meiner Armbanduhr am Flughafen niemand helfen konnte fragte ich hier gleich mal nach. Die elegant gekleidete Verkäuferin war sehr (fast schon übertrieben) freundlich, bat mich um ein paar Minuten Geduld, um die Batterie zu wechseln, half mir beim Anlegen der Uhr und öffnete mir beim Verlassen des Ladens die Tür. Das Ganze hat dann dreimal so viel gekostet wie zu Hause. Aber Hauptsache ich war wieder auf der Höhe der Zeit und musste nicht befürchten, den Zug für die Heimfahrt zu verpassen.
Bei meiner Stadtbesichtigung hatte ich mich diesmal auf alte Kirchen konzentriert, von denen es hier zahlreiche gab. Ich begann beim Grossmünster, dem Wahrzeichen von Zürich. Dort konnte ich auch den Turm besteigen und hatte von oben einen schönen Ausblick auf die Stadt und den Zürichsee. Dem schlossen sich die Predigerkirche, die Wasserkirche (ursprünglich im Wasser gebaut) und das Fraumünster an.
Zwischendurch bekam ich auch mal Hunger. Gaststätten gibt es in der Züricher Innenstadt reichlich, allerdings ist man bzw. frau beim Betrachten der Preise auf der Speisekarte meist schon satt. Eine Gaststätte, die mit moderaten Preisen auf sich aufmerksam machte, war dagegen völlig überfüllt.
Schließlich fand ich doch noch ein Lokal, das preislich für mich gerade noch so akzeptabel war. Geschmeckt hat es ja und die angebotene Menge konnte frau normalerweise gar nicht auf einmal verdrücken. Ich versuchte trotzdem, so viel wie möglich davon "mitzunehmen", um nicht so schnell wieder Hunger zu bekommen.
Als es am späten Nachmittag anfing zu regnen, hat mich das nicht weiter gestört, denn es war sowieso Zeit zum Aufbrechen. Mit der Straßenbahn fuhr ich noch einmal ins Hotel zurück, um meinen Koffer zu holen und dann mit dem nächsten Zugbringerbus zum Flughafen. Eigentlich wäre schon Zeit zum Abendessen gewesen, aber das reichliche Mittagessen lag mir noch schwer im Magen, sodass ich darauf verzichten konnte. Wenigstens einmal auf dieser Reise Geld gespart!
Für die Heimfahrt hatte ich noch etwas Besonderes vor. Es sollte meine erste Fahrt im Schlafwagen als Andrea sein. Ich hatte dazu ein wiederum nicht ganz billiges Einzelabteil gebucht, weil ich nicht riskieren wollte, mit jemandem zusammenzukommen, der bzw. die mit meiner Besonderheit ein Problem hat.
Das Problem hatte ich später beim Umsteigen in den Nachtzug: Die etwas chaotische Nummerierung der Wagen ließ mich zunächst ans falsche Ende des Zuges laufen und das fünf Minuten vor der Abfahrt! Als ich mein Bett schließlich doch gefunden hatte, machte ich mich langsam zur Nachtruhe fertig.
Im Abteil fand ich eine kleine Waschgelegenheit und einen gut ausgeleuchteter Spiegel vor, gute Voraussetzungen also zum Schminken am nächsten Morgen. Die Toilette befand sich dagegen außerhalb am Ende des Wagens. Da bin ich vor dem Abschminken noch einmal gegangen, weil ich vermeiden wollte, ungeschminkt anderen Fahrgästen zu begegnen. Kurz vor Mitternacht musste ich zwar doch noch einmal raus, weil ein kleiner Durchfall sich ankündigte, aber dabei ist mir niemand begegnet. Danach bereitete mein Magen keine Probleme mehr und ich schlief der Heimat entgegenrollend ein.
Danke erstmal allen für die netten Kommentare und Glückwünsche! Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst mal eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten, kann mal bei Eclipse-Reisen reinschauen. Das ist Deutschlands führender Anbieter von Reisen zu Sonnenfinsternissen und anderen astronomischen Ereignissen. Die nächsten Spektakel dieser Art finden am 9.3.2016 in Indonesien bzw. am 21.8.2017 in den USA statt. Bei letztgenanntem werde ich es mir mal überlegen, ob ich mitmache.
Jetzt aber weiter im Bericht:
21.3.2015
Nach den überwältigenden Erlebnissen des Vortages ließ ich es heute etwas ruhiger angehen. Ich bin etwas später aufgestanden, habe mir beim Anziehen und Schminken Zeit gelassen und bin dann zum Frühstück gegangen. Als ich zurückkam, stand die Zimmereinigung bereits vor der Tür und ich musste sie um etwas Geduld bitten, bis ich meinen Koffer gepackt hatte und diesen vorläufig an der Rezeption deponieren konnte.
Ich hatte mir vorgenommen, noch etwas die Stadt anzusehen, bevor ich die Heimreise antrat. Ich trug dazu noch mal das gleiche Outfit wie bei der Anreise vor zwei Tagen: Rot-weiß gemustertes knielanges Kleid, schwarze Strumpfhosen und Stiefeletten und darüber meinen schwarzen Blazer.
Im Stadtzentrum angekommen entdeckte ich gleich einen Uhren- und Schmuckladen. Da mir wegen der verbrauchten Batterie meiner Armbanduhr am Flughafen niemand helfen konnte fragte ich hier gleich mal nach. Die elegant gekleidete Verkäuferin war sehr (fast schon übertrieben) freundlich, bat mich um ein paar Minuten Geduld, um die Batterie zu wechseln, half mir beim Anlegen der Uhr und öffnete mir beim Verlassen des Ladens die Tür. Das Ganze hat dann dreimal so viel gekostet wie zu Hause. Aber Hauptsache ich war wieder auf der Höhe der Zeit und musste nicht befürchten, den Zug für die Heimfahrt zu verpassen.
Bei meiner Stadtbesichtigung hatte ich mich diesmal auf alte Kirchen konzentriert, von denen es hier zahlreiche gab. Ich begann beim Grossmünster, dem Wahrzeichen von Zürich. Dort konnte ich auch den Turm besteigen und hatte von oben einen schönen Ausblick auf die Stadt und den Zürichsee. Dem schlossen sich die Predigerkirche, die Wasserkirche (ursprünglich im Wasser gebaut) und das Fraumünster an.
Zwischendurch bekam ich auch mal Hunger. Gaststätten gibt es in der Züricher Innenstadt reichlich, allerdings ist man bzw. frau beim Betrachten der Preise auf der Speisekarte meist schon satt. Eine Gaststätte, die mit moderaten Preisen auf sich aufmerksam machte, war dagegen völlig überfüllt.
Schließlich fand ich doch noch ein Lokal, das preislich für mich gerade noch so akzeptabel war. Geschmeckt hat es ja und die angebotene Menge konnte frau normalerweise gar nicht auf einmal verdrücken. Ich versuchte trotzdem, so viel wie möglich davon "mitzunehmen", um nicht so schnell wieder Hunger zu bekommen.
Als es am späten Nachmittag anfing zu regnen, hat mich das nicht weiter gestört, denn es war sowieso Zeit zum Aufbrechen. Mit der Straßenbahn fuhr ich noch einmal ins Hotel zurück, um meinen Koffer zu holen und dann mit dem nächsten Zugbringerbus zum Flughafen. Eigentlich wäre schon Zeit zum Abendessen gewesen, aber das reichliche Mittagessen lag mir noch schwer im Magen, sodass ich darauf verzichten konnte. Wenigstens einmal auf dieser Reise Geld gespart!
Für die Heimfahrt hatte ich noch etwas Besonderes vor. Es sollte meine erste Fahrt im Schlafwagen als Andrea sein. Ich hatte dazu ein wiederum nicht ganz billiges Einzelabteil gebucht, weil ich nicht riskieren wollte, mit jemandem zusammenzukommen, der bzw. die mit meiner Besonderheit ein Problem hat.
Das Problem hatte ich später beim Umsteigen in den Nachtzug: Die etwas chaotische Nummerierung der Wagen ließ mich zunächst ans falsche Ende des Zuges laufen und das fünf Minuten vor der Abfahrt! Als ich mein Bett schließlich doch gefunden hatte, machte ich mich langsam zur Nachtruhe fertig.
Im Abteil fand ich eine kleine Waschgelegenheit und einen gut ausgeleuchteter Spiegel vor, gute Voraussetzungen also zum Schminken am nächsten Morgen. Die Toilette befand sich dagegen außerhalb am Ende des Wagens. Da bin ich vor dem Abschminken noch einmal gegangen, weil ich vermeiden wollte, ungeschminkt anderen Fahrgästen zu begegnen. Kurz vor Mitternacht musste ich zwar doch noch einmal raus, weil ein kleiner Durchfall sich ankündigte, aber dabei ist mir niemand begegnet. Danach bereitete mein Magen keine Probleme mehr und ich schlief der Heimat entgegenrollend ein.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
.
22.3.2015
Ich saß bzw. lag immer noch im Schlafwagenabteil und näherte mich allmählich meiner Heimatstadt bzw. dem nächsten Umsteigebahnhof. Jetzt stand ich vor der Herausforderung, mich im fahrenden Zug zu schminken. Die Voraussetzungen dafür waren eigentlich optimal: Ein kleiner Tisch, gerade groß genug, um meine Schminksachen auszubreiten, dazu eine Ablage genau in Augenhöhe, in die ich meinen Vergrößerungsspiegel zum Schminken der Augen stellen konnte. Das kleine Waschbecken und die gute Beleuchtung erwähnte ich bereits. Was will frau mehr?
Etwa eine halbe Stunde vor Erreichen des Umsteigebahnhofes bringt der Schlafwagenschaffner auf Wunsch ein kleines Frühstück. Ich wollte unbedingt verhindern, dass mich jemand ungeschminkt sieht und stellte deshalb meinen Wecker am Vorabend auf noch eine Stunde vorher ein. Ich wählte diesmal eine andere Reihenfolge beim Schminken: Zuerst die "groben" Sachen wie Camouflage (vorher natürlich rasieren), Lidschatten, Lippenstift und Rouge. Als ich dann auch die Perücke aufhatte, hätte es mich nicht mehr gestört, jemandem zu begegnen. Die "feinen" Sachen wie Lidstrich und Mascara, für die ich im fahrenden Zug wahrscheinlich keine ruhige Hand gehabt hätte, wollte ich nachholen, wenn der Zug im Leipziger Hauptbahnhof einige Minuten Aufenthalt hat. Diese Gelegenheit bot sich aber schon eher bei einem Halt auf freier Strecke.
Somit war ich mit dem ganzen Makeup eher fertig als geplant und konnte den Rest der Fahrt ganz entspannt angehen. Mir kam dabei nur der Gedanke, dass das Schlafwagenabteil eigentlich für eine Maximalbelegung von drei Personen ausgelegt ist. Allein kam ich, wie gesagt, sehr gut zurecht. Doch zu zweit oder gar zu dritt bei ähnlichen Ansprüchen, das wäre ein fast unlösbares räumliches und logistisches Problem gewesen.
Kleidungsmäßig hatte ich gegenüber der Abfahrt nichts geändert. Ich trug nach wie vor mein rot-weiß gemustertes Kleid mit allem, was dazugehört.
Das Frühstück im Schlafwagen fällt gewöhnlich etwas bescheiden aus. Gut, dass ich noch etwas Gebäck eingepackt hatte!
Beim Umsteigen in einen Regionalzug merkte ich, dass es draußen deutlich kühler war als an den vergangenen Tagen. Eine ältere Frau fragte mich daraufhin auch, ob das nicht zu kalt sei. Ich verneinte zwar, musste ihr aber innerlich doch recht geben. Gut, ich hatte es nicht mehr weit bis nach Hause und auf diesem Stück bin ich nicht erfroren.
Zu Hause hatte ich dann (es war erst Vormittag) alle Zeit der Welt, meinen Koffer auszupacken, Erinnerungsstücke zu sortieren und die vielfältigen neuen Eindrücke weiter zu verarbeiten.
Abschließend eine kleines Fazit: Auch in der Schweiz kann frau sich ganz normal bewegen und seinen Interessen nachgehen. Es sollte nur etwas mehr Budget eingeplant werden.
22.3.2015
Ich saß bzw. lag immer noch im Schlafwagenabteil und näherte mich allmählich meiner Heimatstadt bzw. dem nächsten Umsteigebahnhof. Jetzt stand ich vor der Herausforderung, mich im fahrenden Zug zu schminken. Die Voraussetzungen dafür waren eigentlich optimal: Ein kleiner Tisch, gerade groß genug, um meine Schminksachen auszubreiten, dazu eine Ablage genau in Augenhöhe, in die ich meinen Vergrößerungsspiegel zum Schminken der Augen stellen konnte. Das kleine Waschbecken und die gute Beleuchtung erwähnte ich bereits. Was will frau mehr?
Etwa eine halbe Stunde vor Erreichen des Umsteigebahnhofes bringt der Schlafwagenschaffner auf Wunsch ein kleines Frühstück. Ich wollte unbedingt verhindern, dass mich jemand ungeschminkt sieht und stellte deshalb meinen Wecker am Vorabend auf noch eine Stunde vorher ein. Ich wählte diesmal eine andere Reihenfolge beim Schminken: Zuerst die "groben" Sachen wie Camouflage (vorher natürlich rasieren), Lidschatten, Lippenstift und Rouge. Als ich dann auch die Perücke aufhatte, hätte es mich nicht mehr gestört, jemandem zu begegnen. Die "feinen" Sachen wie Lidstrich und Mascara, für die ich im fahrenden Zug wahrscheinlich keine ruhige Hand gehabt hätte, wollte ich nachholen, wenn der Zug im Leipziger Hauptbahnhof einige Minuten Aufenthalt hat. Diese Gelegenheit bot sich aber schon eher bei einem Halt auf freier Strecke.
Somit war ich mit dem ganzen Makeup eher fertig als geplant und konnte den Rest der Fahrt ganz entspannt angehen. Mir kam dabei nur der Gedanke, dass das Schlafwagenabteil eigentlich für eine Maximalbelegung von drei Personen ausgelegt ist. Allein kam ich, wie gesagt, sehr gut zurecht. Doch zu zweit oder gar zu dritt bei ähnlichen Ansprüchen, das wäre ein fast unlösbares räumliches und logistisches Problem gewesen.
Kleidungsmäßig hatte ich gegenüber der Abfahrt nichts geändert. Ich trug nach wie vor mein rot-weiß gemustertes Kleid mit allem, was dazugehört.
Das Frühstück im Schlafwagen fällt gewöhnlich etwas bescheiden aus. Gut, dass ich noch etwas Gebäck eingepackt hatte!
Beim Umsteigen in einen Regionalzug merkte ich, dass es draußen deutlich kühler war als an den vergangenen Tagen. Eine ältere Frau fragte mich daraufhin auch, ob das nicht zu kalt sei. Ich verneinte zwar, musste ihr aber innerlich doch recht geben. Gut, ich hatte es nicht mehr weit bis nach Hause und auf diesem Stück bin ich nicht erfroren.
Zu Hause hatte ich dann (es war erst Vormittag) alle Zeit der Welt, meinen Koffer auszupacken, Erinnerungsstücke zu sortieren und die vielfältigen neuen Eindrücke weiter zu verarbeiten.
Abschließend eine kleines Fazit: Auch in der Schweiz kann frau sich ganz normal bewegen und seinen Interessen nachgehen. Es sollte nur etwas mehr Budget eingeplant werden.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Kerstin
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Hallo Andrea
Echt irre was du als Frau so anstellst und das ganze mit einer Selbstverständlichkeit für die ich wohl noch eine weile brauch.
LG Kerstin
Echt irre was du als Frau so anstellst und das ganze mit einer Selbstverständlichkeit für die ich wohl noch eine weile brauch.
Allerdings!! Die Schweiz ist richtig teuer - aber eine geile Eisenbahn haben die. In Bezug auf Pünktlichkeit und Sauberkeit kann sich die DB eine ganz dicke Scheibe abschneiden.Andrea aus Sachsen hat geschrieben:.
.... Es sollte nur etwas mehr Budget eingeplant werden.
LG Kerstin
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
.
30.3.2015
Gegenüber den grandiosen Erlebnissen vor einer Woche sollte das nur ein ganz bescheidener Andrea-Tag werden. Anlass war eine Einladung des Chemnitzer Theaterfördervereins zu einer Podiumsdiskussion über die aktuelle Situation der Theater in Chemnitz und anderswo. Da ich an diesen Abend noch nichts vorhatte "¦
Zunächst aber galt es, mich als Andrea zurechtzumachen. Dabei ist mir nach dem Rasieren etwas Besonderes aufgefallen. Einige Barthaare, die offenbar bei der letzten IPL-Behandlung "erwischt" wurden, fielen jetzt deutlich sichtbar aus, wenn ich die Haut darum ein wenig zusammendrückte. Diesen Effekt hatte ich bisher nur an den Armen beobachtet.
So habe ich mein Gesicht erst einmal systematisch "bearbeitet" und habe jetzt schätzungsweise an die 100 Bartstoppeln weniger. Mal sehen, vielleicht fallen in den nächsten Tagen noch ein paar mehr aus.
Die ganze Schminkprozedur (einschließlich Vorbereitung) hat dadurch natürlich deutlich länger gedauert als sonst, aber ich hatte keine Eile. Gut, zum Essen kochen hatte ich dann keine Lust mehr und so bin ich in das Bistro eines Supermarktes gegangen, wo ich sowieso noch etwas Einkaufen musste.
Draußen war es relativ kühl. So habe ich noch mal mein weinrotes Strickkleid hervorgeholt, dazu Strumpfhosen in der gleichen Farbe, schwarze Stiefeletten und meinen schwarzen Anorak.
Da ich nun einmal in Chemnitz war, konnte ich gleich noch etwas anderes erledigen: Nachdem ich vor einigen Wochen bei Adler-Mode mich dazu überreden ließ, eine Kundenkarte auszustellen zu lassen, kam inzwischen per Post (jetzt klappt das auch, wenn mein weiblicher Name draufsteht) ein Gutschein für ein Geschenk, das ich als Neukundin in einer Filiale abholen könne. Ich fuhr also in das Einkaufszentrum am Stadtrand und schaute mich erst einmal um, was es derzeit so an schönen Damensachen gibt. Ich konzentrierte mich ein wenig auf die Ständer mit den Sonderangeboten und staunte nicht schlecht, dass da auch ein breites Sortiment an Sommersachen hing. Vieles sah zwar nicht so schön aus wie die etwa dreimal so teuren Teile der neuen Kollektion, aber ein blau-weiß-schwarz gemustertes knielanges Kleid und ein karierter kurzer Rock wanderten doch in meine Einkaufstüte. An der Kasse konnte ich auch das Geschenk, eine Tasse mit Blumenmotiven, entgegennehmen.
Danach fuhr ich mit dem Bus wieder ins Stadtzentrum, wo ich mich nach einem kleinen Imbiss auf den Weg ins Schauspielhaus machte, wo die Podiumsdiskussion stattfinden sollte. Draußen war es übrigens an diesem Tag sehr ungemütlich: Starker, nein stürmischer Wind, der meine Haare völlig zerzaust aussehen ließ. Fast noch schlimmer war die ständige Angst, meine (künstliche) Haarpracht könnte mal weggeweht werden.
So war ich richtig erleichtert, als ich das schützende Schauspielhaus erreicht hatte. Etwa 20 Gäste hatten ebenfalls den Weg hierher gefunden.
Zur Diskussion hatten sich eingefunden: Zwei Regisseure, ein Schauspieler, ein Dramaturg, die allesamt über eine jahrelange Erfahrung auch an anderen Häuser verfügten. Vervollständigt wurde die Runde von einem Journalisten und dem Vorsitzenden des Fördervereins. Die Diskussion zur aktuellen Situation der Chemnitzer Theater und der Theaterlandschaft in Deutschland überhaupt war nicht uninteressant, bezog sich aber vorrangig auf die Schauspielsparte. Das von mir bevorzugte Musiktheater spielte nur eine untergeordnete Rolle. Eine Kernaussage hörte ich aber immer wieder heraus und die könnte hier als Fazit stehen: Die meisten Theater in Deutschland sind (leider) auf Subventionen angewiesen, doch diejenigen, die darüber zu entscheiden haben, verstehen von der Sache wenig bis gar nichts.
Vor und nach der Diskussion habe ich mich mit einem älteren Herrn, der auch regelmäßig ins Theater geht, nett unterhalten. Ob er gemerkt hat oder ahnte, dass ich nicht ganz "echt" bin — ich konnte es erneut nicht herausfinden.
Zum Ende der Veranstaltung hatte der Wind nachgelassen. Das machte den Heimweg ein wenig angenehmer. Viele Leute waren an diesem Abend sowieso nicht unterwegs. Auf der Fahrt in meine Heimatstadt hatte ich diesmal einen Wagon für mich allein.
30.3.2015
Gegenüber den grandiosen Erlebnissen vor einer Woche sollte das nur ein ganz bescheidener Andrea-Tag werden. Anlass war eine Einladung des Chemnitzer Theaterfördervereins zu einer Podiumsdiskussion über die aktuelle Situation der Theater in Chemnitz und anderswo. Da ich an diesen Abend noch nichts vorhatte "¦
Zunächst aber galt es, mich als Andrea zurechtzumachen. Dabei ist mir nach dem Rasieren etwas Besonderes aufgefallen. Einige Barthaare, die offenbar bei der letzten IPL-Behandlung "erwischt" wurden, fielen jetzt deutlich sichtbar aus, wenn ich die Haut darum ein wenig zusammendrückte. Diesen Effekt hatte ich bisher nur an den Armen beobachtet.
So habe ich mein Gesicht erst einmal systematisch "bearbeitet" und habe jetzt schätzungsweise an die 100 Bartstoppeln weniger. Mal sehen, vielleicht fallen in den nächsten Tagen noch ein paar mehr aus.
Die ganze Schminkprozedur (einschließlich Vorbereitung) hat dadurch natürlich deutlich länger gedauert als sonst, aber ich hatte keine Eile. Gut, zum Essen kochen hatte ich dann keine Lust mehr und so bin ich in das Bistro eines Supermarktes gegangen, wo ich sowieso noch etwas Einkaufen musste.
Draußen war es relativ kühl. So habe ich noch mal mein weinrotes Strickkleid hervorgeholt, dazu Strumpfhosen in der gleichen Farbe, schwarze Stiefeletten und meinen schwarzen Anorak.
Da ich nun einmal in Chemnitz war, konnte ich gleich noch etwas anderes erledigen: Nachdem ich vor einigen Wochen bei Adler-Mode mich dazu überreden ließ, eine Kundenkarte auszustellen zu lassen, kam inzwischen per Post (jetzt klappt das auch, wenn mein weiblicher Name draufsteht) ein Gutschein für ein Geschenk, das ich als Neukundin in einer Filiale abholen könne. Ich fuhr also in das Einkaufszentrum am Stadtrand und schaute mich erst einmal um, was es derzeit so an schönen Damensachen gibt. Ich konzentrierte mich ein wenig auf die Ständer mit den Sonderangeboten und staunte nicht schlecht, dass da auch ein breites Sortiment an Sommersachen hing. Vieles sah zwar nicht so schön aus wie die etwa dreimal so teuren Teile der neuen Kollektion, aber ein blau-weiß-schwarz gemustertes knielanges Kleid und ein karierter kurzer Rock wanderten doch in meine Einkaufstüte. An der Kasse konnte ich auch das Geschenk, eine Tasse mit Blumenmotiven, entgegennehmen.
Danach fuhr ich mit dem Bus wieder ins Stadtzentrum, wo ich mich nach einem kleinen Imbiss auf den Weg ins Schauspielhaus machte, wo die Podiumsdiskussion stattfinden sollte. Draußen war es übrigens an diesem Tag sehr ungemütlich: Starker, nein stürmischer Wind, der meine Haare völlig zerzaust aussehen ließ. Fast noch schlimmer war die ständige Angst, meine (künstliche) Haarpracht könnte mal weggeweht werden.
So war ich richtig erleichtert, als ich das schützende Schauspielhaus erreicht hatte. Etwa 20 Gäste hatten ebenfalls den Weg hierher gefunden.
Zur Diskussion hatten sich eingefunden: Zwei Regisseure, ein Schauspieler, ein Dramaturg, die allesamt über eine jahrelange Erfahrung auch an anderen Häuser verfügten. Vervollständigt wurde die Runde von einem Journalisten und dem Vorsitzenden des Fördervereins. Die Diskussion zur aktuellen Situation der Chemnitzer Theater und der Theaterlandschaft in Deutschland überhaupt war nicht uninteressant, bezog sich aber vorrangig auf die Schauspielsparte. Das von mir bevorzugte Musiktheater spielte nur eine untergeordnete Rolle. Eine Kernaussage hörte ich aber immer wieder heraus und die könnte hier als Fazit stehen: Die meisten Theater in Deutschland sind (leider) auf Subventionen angewiesen, doch diejenigen, die darüber zu entscheiden haben, verstehen von der Sache wenig bis gar nichts.
Vor und nach der Diskussion habe ich mich mit einem älteren Herrn, der auch regelmäßig ins Theater geht, nett unterhalten. Ob er gemerkt hat oder ahnte, dass ich nicht ganz "echt" bin — ich konnte es erneut nicht herausfinden.
Zum Ende der Veranstaltung hatte der Wind nachgelassen. Das machte den Heimweg ein wenig angenehmer. Viele Leute waren an diesem Abend sowieso nicht unterwegs. Auf der Fahrt in meine Heimatstadt hatte ich diesmal einen Wagon für mich allein.
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Hallo Andrea,
da hast Du ja einige erlebt. Ich bin erst heute dazu gekommen, von der Reise in die Schweiz zu lesen. Auch der Flug, muss ein unvergessliches Erlebnis für Dich gewesen sein. Ein dickes Danke dafür, dass Du uns immer wieder von Deinen Reisen teilhaben lässt. Mir selber ist zur Zeit leidernicht nach Reisen. In meiner Familie ist eine Erkältungswelle unterwegs, die auch mich erfasst hat. Bin also zu Hause im
und krank geschrieben. So müssen meine Kollegen meine Arbeit mit erledigen. So freue ich mich Deine ausführlichen Beschreibungen zu lesen. Und ich hoffe bis Anfang Mai wieder genesen zu sein.
viele Grüße Magdalena
da hast Du ja einige erlebt. Ich bin erst heute dazu gekommen, von der Reise in die Schweiz zu lesen. Auch der Flug, muss ein unvergessliches Erlebnis für Dich gewesen sein. Ein dickes Danke dafür, dass Du uns immer wieder von Deinen Reisen teilhaben lässt. Mir selber ist zur Zeit leidernicht nach Reisen. In meiner Familie ist eine Erkältungswelle unterwegs, die auch mich erfasst hat. Bin also zu Hause im
viele Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Liebe Andrea,
ich habe Deine Berichte über Deine tolle Schweizreise und Deiner Podiumsdiskussion geradezu verschlungen! Ich finde es ganz toll, wie natürlich Du als Andrea agierst und freue mich schon, ein wenig in Deiner umfangreichen Erlebnissammlung zu stöbern.
Alles Liebe und Frohe Ostern,
Nadine
ich habe Deine Berichte über Deine tolle Schweizreise und Deiner Podiumsdiskussion geradezu verschlungen! Ich finde es ganz toll, wie natürlich Du als Andrea agierst und freue mich schon, ein wenig in Deiner umfangreichen Erlebnissammlung zu stöbern.
Alles Liebe und Frohe Ostern,
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Wenn Ihr mehr von mir erfahren wollt, besucht doch meinen Blog: http://nadinecd.blogspot.co.at
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
.
5.4.2015
Heute hatte ich wieder einmal Zeit, mich in Andrea zu verwandeln, mir aber sonst nichts vorgenommen. Dadurch ergab sich mal die Gelegenheit, einige der zuletzt gekauften Sachen noch einmal anzuprobieren und zu sehen, was dazu passt.
Zum Frühstück weihte ich auch die Tasse ein, die ich von Adler-Mode geschenkt bekam. Laut Vorschlag meiner Tochter sollte ich die nur als Andrea benutzen.
Da ich etwas Zeit zum Zurechtmachen hatte, versuchte ich noch einmal, meinen Bartstoppeln den Kampf anzusagen. Ein paar sind noch herausgekommen, aber die Aktion war bei weitem nicht mehr so ergiebig wie vor einer Woche. Da muss ich wahrscheinlich erst die nächste IPL-Behandlung abwarten.
Zuerst probierte ich noch einmal das erst vor wenigen Tagen gekaufte blau-weiß-schwarz gemusterte Kleid. Zusammen mit schwarzen Strumpfhosen und ebensolchen Pumps oder Sandaletten gefiel es mir sehr gut. Sogar passenden Schmuck hatte ich parat. Einziger Nachteil: Dazu muss es draußen noch etwas wärmer werden.
Seit meinem letzten Besuch in Frankfurt/M. hängt ein türkisfarbener knielanger Glockenrock in meinem Schrank. Ein bisschen probieren musste ich schon, bis ich überzeugt war, dass meine blau-grün-weiß gemusterte Bluse und anthrazitfarbene Strumpfhosen gut dazu passen würden. Schmuck konnte ich den nehmen, den ich zu dieser Bluse schon öfter getragen hatte. Draußen noch braune Wildlederstiefel und meinen schwarzen Anorak darüber — das wäre sogar etwas für die derzeit noch etwas kühle Witterung.
Raus ging ich heute aber nur zum Wäscheaufhängen. Ansonsten behielt ich dieses Outfit an und versuchte, zu Hause einige liegengebliebene Arbeiten zu erledigen.
Das war"™s dann schon — ein wenig spektakulärer Andrea-Tag.
5.4.2015
Heute hatte ich wieder einmal Zeit, mich in Andrea zu verwandeln, mir aber sonst nichts vorgenommen. Dadurch ergab sich mal die Gelegenheit, einige der zuletzt gekauften Sachen noch einmal anzuprobieren und zu sehen, was dazu passt.
Zum Frühstück weihte ich auch die Tasse ein, die ich von Adler-Mode geschenkt bekam. Laut Vorschlag meiner Tochter sollte ich die nur als Andrea benutzen.
Da ich etwas Zeit zum Zurechtmachen hatte, versuchte ich noch einmal, meinen Bartstoppeln den Kampf anzusagen. Ein paar sind noch herausgekommen, aber die Aktion war bei weitem nicht mehr so ergiebig wie vor einer Woche. Da muss ich wahrscheinlich erst die nächste IPL-Behandlung abwarten.
Zuerst probierte ich noch einmal das erst vor wenigen Tagen gekaufte blau-weiß-schwarz gemusterte Kleid. Zusammen mit schwarzen Strumpfhosen und ebensolchen Pumps oder Sandaletten gefiel es mir sehr gut. Sogar passenden Schmuck hatte ich parat. Einziger Nachteil: Dazu muss es draußen noch etwas wärmer werden.
Seit meinem letzten Besuch in Frankfurt/M. hängt ein türkisfarbener knielanger Glockenrock in meinem Schrank. Ein bisschen probieren musste ich schon, bis ich überzeugt war, dass meine blau-grün-weiß gemusterte Bluse und anthrazitfarbene Strumpfhosen gut dazu passen würden. Schmuck konnte ich den nehmen, den ich zu dieser Bluse schon öfter getragen hatte. Draußen noch braune Wildlederstiefel und meinen schwarzen Anorak darüber — das wäre sogar etwas für die derzeit noch etwas kühle Witterung.
Raus ging ich heute aber nur zum Wäscheaufhängen. Ansonsten behielt ich dieses Outfit an und versuchte, zu Hause einige liegengebliebene Arbeiten zu erledigen.
Das war"™s dann schon — ein wenig spektakulärer Andrea-Tag.
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
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6.4.2015
Ein kleiner Ausflug zu Ostern musste es aber doch sein. Mein Outfit hatte ich bereits am Vortag zusammengestellt: türkisfarbener knielanger Glockenrock, blau-grün-weiß gemusterte Bluse, anthrazitfarbene Strumpfhose, braune Wildlederstiefel und darüber meinen schwarzen Anorak.
Mein Ziel war die Talsperre Kriebstein, etwa 25 km nördlich von Chemnitz. Hier befindet sich unter anderem auch die Seebühne, auf der ich in letzter Zeit bereits mehrere Aufführungen gesehen hatte. Doch heute sollte es zur Burg Kriebstein gehen, einer ehemaligen Ritterburg aus dem 14. Jahrhundert. Sie befindet sich nur wenige hundert Meter von Seebühne und Staumauer entfernt.
Weil das Wetter wieder genauso sonnig wie am Vortag zu werden schien, entschloss ich mich, zum anderen Ende des Stausees zu fahren und den Rest des Weges mit dem Schiff durch das idyllische Zschopautal zurückzulegen. Während der "Überfahrt" ging allen Wettervorhersagen zum Trotz ein kräftiger Hagelschauer nieder. Ich hatte vorsorglich schon im Innenraum des Schiffes Platz genommen. Die Fahrgäste, die es sich anders überlegt hatten, kamen jetzt auch alle hereingestürmt.
In Kriebstein angekommen, schien bereits wieder die Sonne und da es bereits Mittagszeit war, suchte ich eine Gaststätte auf. Diese war an diesem Tag sehr gut besucht und als ich mich drinnen nach einem freien Platz umschaute, fragte mich eine Kellnerin, ob ich reserviert hätte. Als ich verneinte, sagte sie, dass es derzeit schlecht mit freien Plätzen aussähe. An einem Vierertisch sah ich aber nur zwei ältere Damen. Ich fragte sie und sie hatten nichts dagegen, dass ich mich dazu setze.
Das Essen hatte sehr gut geschmeckt und als ich gerade bezahlen wollte — die beiden Damen waren inzwischen gegangen — kam ein Ehepaar mit der etwa 10-jährigen Tochter herein. Sie bekamen von der Kellnerin offenbar die gleiche Auskunft wie ich zuvor. Mit einer Handbewegung deutete ich an, dass die restlichen Plätze am Tisch frei sind. Die Familie kam daraufhin auf mich zu und ich hatte natürlich nichts dagegen, dass sie Platz nehmen.
Wie gesagt, das Essen war vorzüglich und die Gaststätte genießt laut Aussagen einiger Bekannter einen guten Ruf. Unter diesen Umständen ist das Verhalten des Personals aber für mich nicht so recht nachvollziehbar. Genauso wenig weiß ich wieder einmal nicht, ob die beiden Damen oder die Familie bei mir am Tisch, das Personal der Gaststätte oder sonst jemand, dem ich an diesem Tag noch begegnet bin, gemerkt haben, dass ich nicht ganz "echt" bin.
Frisch gestärkt machte ich mich nun auf den Weg zur Burg Kriebstein, vor dessen Toren dann dieses Foto entstand:
Heute beherbergt die Burg ein Museum, eine kleine Gaststätte und einige Räumlichkeiten für öffentliche und private Veranstaltungen. Die Dauerausstellung des Museums zeigt einige Räume der Burg so, wie sie von den letzten privaten Besitzern zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingerichtet waren. In den derzeit aktuellen Sonderausstellungen sind einmal Malereien (vorrangig Landschaften und Blumen) eines Künstlers aus der Region und zum anderen Alltagsgegenstände aus der ehemaligen DDR zu sehen. Letzteres weckte natürlich einige Erinnerungen an meine Kinder- und Jugendzeit.
Nachdem ich mir das alles in Ruhe angesehen hatte, ließ ich mir in der zur Burg gehörenden kleinen Gaststätte ein wenig Kaffee und Kuchen schmecken, bevor es noch einen kulturellen Beitrag zu sehen und zu hören gab. Das Dresdner Salontrio, das ich vorher nicht kannte, gab im Festsaal der Burg ein kleines Konzert. Die drei Musiker (Klavier bzw. Akkordeon, Geige und Kontrabass) spielten eine Reihe bekannter und weniger bekannter klassischer Melodien des 19. Jahrhunderts bis hin zu Schlagern und Filmmusiken der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Das Ganze stand unter dem Motto "Immer wieder weißer Flieder" und hatte alles irgendwie mit der wiedererwachenden Natur im Frühling zu tun. Einen übermäßig hohen künstlerischen Anspruch hatte das Konzert sicher nicht und der Festsaal war auch nur zu etwa einem Drittel gefüllt. Aber als Abschluss der Osterfeiertage fand ich es doch ganz nett.
Fast wäre ich noch in die Zeitung gekommen, denn der Reporter einer Lokalzeitung machte während des Konzertes fleißig Fotos. Ich saß aber für das veröffentlichte Foto zu weit links: http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTE ... 161109.php
Ich ging wieder ein Stück in den Ort zurück, von wo aus ich als einziger Fahrgast mit dem letzten Bus Richtung Chemnitz wieder nach Hause fuhr.
6.4.2015
Ein kleiner Ausflug zu Ostern musste es aber doch sein. Mein Outfit hatte ich bereits am Vortag zusammengestellt: türkisfarbener knielanger Glockenrock, blau-grün-weiß gemusterte Bluse, anthrazitfarbene Strumpfhose, braune Wildlederstiefel und darüber meinen schwarzen Anorak.
Mein Ziel war die Talsperre Kriebstein, etwa 25 km nördlich von Chemnitz. Hier befindet sich unter anderem auch die Seebühne, auf der ich in letzter Zeit bereits mehrere Aufführungen gesehen hatte. Doch heute sollte es zur Burg Kriebstein gehen, einer ehemaligen Ritterburg aus dem 14. Jahrhundert. Sie befindet sich nur wenige hundert Meter von Seebühne und Staumauer entfernt.
Weil das Wetter wieder genauso sonnig wie am Vortag zu werden schien, entschloss ich mich, zum anderen Ende des Stausees zu fahren und den Rest des Weges mit dem Schiff durch das idyllische Zschopautal zurückzulegen. Während der "Überfahrt" ging allen Wettervorhersagen zum Trotz ein kräftiger Hagelschauer nieder. Ich hatte vorsorglich schon im Innenraum des Schiffes Platz genommen. Die Fahrgäste, die es sich anders überlegt hatten, kamen jetzt auch alle hereingestürmt.
In Kriebstein angekommen, schien bereits wieder die Sonne und da es bereits Mittagszeit war, suchte ich eine Gaststätte auf. Diese war an diesem Tag sehr gut besucht und als ich mich drinnen nach einem freien Platz umschaute, fragte mich eine Kellnerin, ob ich reserviert hätte. Als ich verneinte, sagte sie, dass es derzeit schlecht mit freien Plätzen aussähe. An einem Vierertisch sah ich aber nur zwei ältere Damen. Ich fragte sie und sie hatten nichts dagegen, dass ich mich dazu setze.
Das Essen hatte sehr gut geschmeckt und als ich gerade bezahlen wollte — die beiden Damen waren inzwischen gegangen — kam ein Ehepaar mit der etwa 10-jährigen Tochter herein. Sie bekamen von der Kellnerin offenbar die gleiche Auskunft wie ich zuvor. Mit einer Handbewegung deutete ich an, dass die restlichen Plätze am Tisch frei sind. Die Familie kam daraufhin auf mich zu und ich hatte natürlich nichts dagegen, dass sie Platz nehmen.
Wie gesagt, das Essen war vorzüglich und die Gaststätte genießt laut Aussagen einiger Bekannter einen guten Ruf. Unter diesen Umständen ist das Verhalten des Personals aber für mich nicht so recht nachvollziehbar. Genauso wenig weiß ich wieder einmal nicht, ob die beiden Damen oder die Familie bei mir am Tisch, das Personal der Gaststätte oder sonst jemand, dem ich an diesem Tag noch begegnet bin, gemerkt haben, dass ich nicht ganz "echt" bin.
Frisch gestärkt machte ich mich nun auf den Weg zur Burg Kriebstein, vor dessen Toren dann dieses Foto entstand:
Heute beherbergt die Burg ein Museum, eine kleine Gaststätte und einige Räumlichkeiten für öffentliche und private Veranstaltungen. Die Dauerausstellung des Museums zeigt einige Räume der Burg so, wie sie von den letzten privaten Besitzern zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingerichtet waren. In den derzeit aktuellen Sonderausstellungen sind einmal Malereien (vorrangig Landschaften und Blumen) eines Künstlers aus der Region und zum anderen Alltagsgegenstände aus der ehemaligen DDR zu sehen. Letzteres weckte natürlich einige Erinnerungen an meine Kinder- und Jugendzeit.
Nachdem ich mir das alles in Ruhe angesehen hatte, ließ ich mir in der zur Burg gehörenden kleinen Gaststätte ein wenig Kaffee und Kuchen schmecken, bevor es noch einen kulturellen Beitrag zu sehen und zu hören gab. Das Dresdner Salontrio, das ich vorher nicht kannte, gab im Festsaal der Burg ein kleines Konzert. Die drei Musiker (Klavier bzw. Akkordeon, Geige und Kontrabass) spielten eine Reihe bekannter und weniger bekannter klassischer Melodien des 19. Jahrhunderts bis hin zu Schlagern und Filmmusiken der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Das Ganze stand unter dem Motto "Immer wieder weißer Flieder" und hatte alles irgendwie mit der wiedererwachenden Natur im Frühling zu tun. Einen übermäßig hohen künstlerischen Anspruch hatte das Konzert sicher nicht und der Festsaal war auch nur zu etwa einem Drittel gefüllt. Aber als Abschluss der Osterfeiertage fand ich es doch ganz nett.
Fast wäre ich noch in die Zeitung gekommen, denn der Reporter einer Lokalzeitung machte während des Konzertes fleißig Fotos. Ich saß aber für das veröffentlichte Foto zu weit links: http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTE ... 161109.php
Ich ging wieder ein Stück in den Ort zurück, von wo aus ich als einziger Fahrgast mit dem letzten Bus Richtung Chemnitz wieder nach Hause fuhr.
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Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Andrea aus Sachsen