rambler hat geschrieben: Mi 4. Jun 2025, 16:46
Mein innerer Kampf kann sich aber immer noch nicht entscheiden, welches der beiden ICH’s letztlich übrig bleiben wird. Auf jeden Fall wird in mir das Gefühl immer überwältigender eigene, natürliche Brüste zu haben.
Hallo Jutta,
die Menschen sind halt so: wenn sie was Spektakuläres sehen - und spektakulär ist alles, was vom alltäglichen Umfeld abweicht und daher als Unbekanntes und Ungesichertes beäugt werden muss -, müssen sie gaffen. Ob das ein schwerer Autounfall auf der Autobahn ist oder ein Mann mit Busen. Ist total dämlich, aber ist wohl in der menschlichen Natur verwurzelt. Allein der zivilisatorische Anstand verbietet es den Menschen, das Objekt der Neugier zu untersuchen und zu begrapschen oder despektierlich zu kompromittieren - nur Kinder sind bei Letzterem völlig arglos. Stört Dich das? Weil‘s mich in gewissem Maß stören würde, sehe ich immer zu, die Täuschung (!) möglichst perfekt zu machen. Aber jede nach ihrer Facon!
Woher weißt Du, dass am Ende nur eines von zwei ICH‘s übrig bleiben kann? Warum ist es eine Frage von entweder/oder bei Dir und nicht eine Frage von sowohl/als auch? Ich hatte mal einen Chef, der hatte heftige Antworten parat.
Soll ich jetzt dieses oder jenes machen? > Das ist keine Frage von entweder/oder, sondern von sowohl/als auch!
Bis wann muss das fertig sein? > Wenn ich‘s morgen bräuchte, hätte ich‘s dir morgen gesagt.
Hm, das ist aber eine gute Frage! > Natürlich, dämliche Fragen überlasse ich anderen!
War aber ein guter Chef!!!

Aber zurück zu Dir: Ich dachte mir das auch mal, dass ich womöglich lieber ganz eine Frau wäre. Nachdem ich „Girls Game“ von Bernd Bitzer (. girls game: Meine erstaunliche Reise in die Welt der Frauen) gelesen hatte, war mir klar, dass es das nicht ist, sondern dass beide Elemente in mir sind und dauernd unterschiedlich stark dominieren. Ich spüre seitdem auch genauer, dass es die empathischere feminine Ader in mir ist, die mir besondere persönliche Anerkennung im beruflichen Umfeld einbringt, ein Umfeld, das in meinem Segment stark männerdurchsetzt ist, was ich bei Neueinstellungen immer zu ändern anstrebe.
Das Buch war auch der Anstoß, dass ein Outing unausweichlich ist und ein Ende der Heimlichkeit her muss.
Und Du meinst, Dein innerer Kampf könne sich nicht entscheiden. Der Aufgeklärte würde Dir zurufen „Du entscheidest, nicht Dein Kampf entscheidet“. Aber misstraue dem, der immer Antworten gibt und vertraue dem, der fragt. Warum musst Du entscheiden? Es ist Deine Natur, die Du erlebst. Warum hat nicht die Natur längst entschieden und Du siehst es nur noch nicht?
Bin gespannt, was Du denkst!
Martin*a