Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...
Verfasst: Mo 9. Jun 2025, 23:20
Hallo Vicky, hallo Knäcke,
das mit der Selbstfindung ist so eine Sache. Nach sooo vielen Jahren aus einer definierten Rolle auszubrechen und eine neue zu finden, bzw. anzunehmen, ist keine Selbstverständlichkeit. Ok, Allgemeinplatz, Binsenweisheit.
Für mich selbst bedeutet diese Änderung aber auch ein Wechsel in meiner Lebensweise. Im Urlaub ist alles easy. Niemand kennt mich hier, die meisten schauen nicht einmal, wer da Moin sagt, oder erkennen den Mann unter dem Sonnenhut einfach nicht. Der restliche Körper lässt kaum einen Zweifel an einer weiblichen Person zu. Für mich ist dieser Zustand Entspannung pur. Ich lebe gerade, wie es mir gut tut. Morgen geht es zum nächsten Ort, an dem mich wieder keiner kennt. Also muss ich kein Outing und andere Konsequenzen befürchten. Feminine Kleidung und Schuhe, dezenter Schmuck, lackierte Nägel oben und unten, Lippenstift, etwas um die Augen und abgedeckte Stirnglatze, das ist der Look, den ich aktuell am Liebsten habe.
In zwei Wochen ist der Urlaub allerdings zu Ende. Dann trifft mich die männliche Realität wieder mit voller Breitseite. Ich sehne an jedem Arbeitstag den Moment her, an dem ich mich daheim wieder so anziehen kann, wie ich mich wohl fühle, also wie eben beschrieben. Ein Outing am Arbeitsplatz ist nahezu ausgeschlossen, zumal die Restlaufzeit noch (läppische) zwei Jahre dauert. Ich versuche mal, die Zähne zusammenzubeißen und die Zeit durchzustehen.
Die Freizeitaktivitäten sind auch sehr männlich geprägt und taugen für ein Outing weniger gut.
Also muss ich einen Kompromiss suchen, in dem meine beiden Lebenswelten irgendwie vorkommen, in welcher Mischung auch immer. Das meinte ich mit dem zweiten Lehrjahr. Genau diesen Kompromiss zu finden, mit dem ich gut leben kann. Da möchte ich auch nichts übers Knie brechen und keine voreilige Handlungen begehen, die ich hinterher bereue und die nicht reversibel sind. Also Gemach. Deshalb sauge ich die Informationen aus diesem Thema förmlich auf und versuche mir einen Reim auf mich selbst zu machen. Ich fand Knäckes 4 Optionen sehr anschaulich, würde es aber aktuell nicht wagen, eine auf Dauer zu wählen. Am Ehesten noch die Nummer 3, wobei die Rubrik "Familie" bei mir entfällt. Vielleicht noch eine Option 5 erfinden: Quasi auswandern, an einem anderen Ort leben, alle Brücken zum bisherigen Leben abbrechen. Das riecht aber nach viel Aufwand. Will ich das wirklich?
So jetzt reichts für heute, liebe Grüße und gute Nacht, Alicia.
das mit der Selbstfindung ist so eine Sache. Nach sooo vielen Jahren aus einer definierten Rolle auszubrechen und eine neue zu finden, bzw. anzunehmen, ist keine Selbstverständlichkeit. Ok, Allgemeinplatz, Binsenweisheit.
Für mich selbst bedeutet diese Änderung aber auch ein Wechsel in meiner Lebensweise. Im Urlaub ist alles easy. Niemand kennt mich hier, die meisten schauen nicht einmal, wer da Moin sagt, oder erkennen den Mann unter dem Sonnenhut einfach nicht. Der restliche Körper lässt kaum einen Zweifel an einer weiblichen Person zu. Für mich ist dieser Zustand Entspannung pur. Ich lebe gerade, wie es mir gut tut. Morgen geht es zum nächsten Ort, an dem mich wieder keiner kennt. Also muss ich kein Outing und andere Konsequenzen befürchten. Feminine Kleidung und Schuhe, dezenter Schmuck, lackierte Nägel oben und unten, Lippenstift, etwas um die Augen und abgedeckte Stirnglatze, das ist der Look, den ich aktuell am Liebsten habe.
In zwei Wochen ist der Urlaub allerdings zu Ende. Dann trifft mich die männliche Realität wieder mit voller Breitseite. Ich sehne an jedem Arbeitstag den Moment her, an dem ich mich daheim wieder so anziehen kann, wie ich mich wohl fühle, also wie eben beschrieben. Ein Outing am Arbeitsplatz ist nahezu ausgeschlossen, zumal die Restlaufzeit noch (läppische) zwei Jahre dauert. Ich versuche mal, die Zähne zusammenzubeißen und die Zeit durchzustehen.
Die Freizeitaktivitäten sind auch sehr männlich geprägt und taugen für ein Outing weniger gut.
Also muss ich einen Kompromiss suchen, in dem meine beiden Lebenswelten irgendwie vorkommen, in welcher Mischung auch immer. Das meinte ich mit dem zweiten Lehrjahr. Genau diesen Kompromiss zu finden, mit dem ich gut leben kann. Da möchte ich auch nichts übers Knie brechen und keine voreilige Handlungen begehen, die ich hinterher bereue und die nicht reversibel sind. Also Gemach. Deshalb sauge ich die Informationen aus diesem Thema förmlich auf und versuche mir einen Reim auf mich selbst zu machen. Ich fand Knäckes 4 Optionen sehr anschaulich, würde es aber aktuell nicht wagen, eine auf Dauer zu wählen. Am Ehesten noch die Nummer 3, wobei die Rubrik "Familie" bei mir entfällt. Vielleicht noch eine Option 5 erfinden: Quasi auswandern, an einem anderen Ort leben, alle Brücken zum bisherigen Leben abbrechen. Das riecht aber nach viel Aufwand. Will ich das wirklich?
So jetzt reichts für heute, liebe Grüße und gute Nacht, Alicia.