Andrea — meine Erlebnisse - # 13
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
.
Hallo Monika und MEL,
ich freue mich, dass meine Berichte auch euch so gut gefallen. Deshalb geht es mit meiner Geschichte auch gleich weiter:
21.7.2014
Wie schon erwähnt, bin ich heute etwas zeitiger als gewohnt aufgestanden. Mein erstes Ziel sollte das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände sein und ich wollte bereits kurz nach der Öffnung um 9 Uhr mit der Besichtigung beginnen, um danach noch Zeit für weitere Aktivitäten zu haben und um nicht allzu spät die Heimreise anzutreten. Schließlich musste ich am nächsten Tag wieder arbeiten.
Ich wählte noch einmal mein "formelles" Outfit vom Vortag: kniefreier roter enger Rock, weiße Bluse mit blauen Blumenmotiven, transparente schwarze Strumpfhose und Pumps.
Nach dem Frühstück bezahlte ich im Hotel meine Rechnung, deponierte meinen Koffer in einem Schließfach im Hauptbahnhof um machte mich auf den Weg zum ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Nach einer kurzen Fahrt mit der Straßenbahn erreichte ich schließlich den zum Dokumentationszentrum umgebauten Teil der unvollendet gebliebenen Kongresshalle, die einmal 50000 Personen (welch ein Größenwahn!) Platz bieten sollte.
Bereits vor dem Eingang und erst recht drinnen an der Kasse und in den Ausstellungsräumen traf ich auf Massen von Jugendlichen. Zahlreiche Schulklassen nutzen wohl die letzten Tage des alten Schuljahres für einen etwas anderen Geschichtsunterricht. Abgehalten hat mich das nicht von meinem Besuch. Trotzdem blieb die bange Frage, ob nicht doch mal eine blöde Bemerkung zu meiner Person fallen wird.
Aber nichts dergleichen passierte. Im Gegenteil: Einige junge Männer traten einen Schritt zur Seite, wenn es in einer Tür mal etwas eng wurde. Ich bin sogar einmal etwas gefragt worden und nach meiner hoffentlich hilfreichen Antwort schien immer noch kein Verdacht aufzukommen, dass ich nicht "echt" sei.
Die Ausstellung selbst bot interessante Einblicke in die Machenschaften der Nationalsozialisten, insbesondere die hier an historischem Ort praktizierten Demonstrationen ihrer Macht.
Neben alldem ist zur Zeit eine Sonderausstellung aus Anlass des 100. Jahrestages des Beginns des 1. Weltkriegs zu sehen. Den Mittelpunkt dieser Ausstellung bildet eine riesige Videoleinwand, auf welcher ein Dokumentarfilm über das historische Ereignis gezeigt wird. Die Betrachter sitzen dabei in Liegestühlen an einem künstlich aufgeschütteten Sandstrand. Der Film beginnt dann auch mit einem Blick aufs Meer, obwohl diese Idylle mit den Schrecken eines Weltkrieges nun überhaupt nichts zu tun hat. Aber in einer ähnlichen Stimmung müssen viele Leute gewesen sein, als vor 100 Jahren das Unheil begann.
Nebenbei konnte ich so erstmals die Erfahrung machen, wie es sich in Pumps im Sand läuft. Mit etwas Mühe konnte ich verhindern, dass sich Sand in den Schuhen festsetzt.
Kurzzeitig stand ich dann doch einmal im Mittelpunkt, als ich einen anderen Raum der Sonderausstellung betrat, in dem ein Lehrer oder Mitarbeiter der Einrichtung gerade eine "Unterrichtsstunde" abhielt. Für einen Moment richteten sich die Blicke zahlreicher Schüler und Schülerinnen auf mich. Mein Anblick war offenbar interessanter als die Geschichte des 1. Weltkriegs.
Zum Abschluss meines Besuches genehmigte ich mir noch einen kleinen Imbiss in der Cafeteria des Dokumentationszentrums. Auch hier war ich von Jugendlichen umringt, aber erneut fiel bestenfalls ein kurzer Blick auf mich, jedoch keinerlei Bemerkung.
Die nächste und letzte Station meiner Reise war Special-Trade, der Laden extra für "uns". Das erste Mal am neuen Standort im Nürnberger Vorort Schwaig traf ich mich dort mit Kerstin aus unserem Forum. Auch wir hatten uns viel zu erzählen. Fast hätte ich dabei vergessen, dass ich mich auch mal nach Damenschuhen in Größe 43 umsehen wollte. Das Angebot an solchen mit moderatem Absatz (3 bis 5 cm) hielt sich allerdings in Grenzen. Ich beließ es bei einem Paar schwarzer Pumps, den gleichen übrigens, die ich gerade trug und vor etwa 5 Jahren an gleicher Stelle gekauft hatte. Ich trug sie immer gern, aber inzwischen sind die Sohlen brüchig geworden und drohen komplett zu zerfallen. Die Neuen werden hoffentlich genauso lange halten.
Jetzt galt es bereits wieder, mich zu verabschieden. Ich nutzte den Schminktisch bei Special-Trade, um mein Makeup etwas nachzubessern und fuhr anschließend mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof zurück, um meinen Koffer aus dem Schließfach zu holen. Pünktlich fuhr der Zug Richtung Chemnitz ab, blieb aber auf einem kleinen Bahnhof vor den Toren Nürnbergs stehen. Die Strecke war für unbestimmte Zeit gesperrt, weil sich ein Lebensmüder auf die Gleise gelegt hatte. Was nun? Zum Glück fuhr ein Regionalzug nach Nürnberg zurück, wo ich gerade noch den nächsten Zug nach Chemnitz erreichte, der wegen der Streckensperrung umgeleitet wurde.
So kam ich mit einer Stunde Verspätung zu Hause an und ärgerte mich ein wenig, diese Stunde nicht länger bei Special-Trade geblieben zu sein. Trotz diesem Zwischenfall hat es mir aber in Nürnberg sehr gut gefallen, sodass ich sicher bald einmal wieder hinfahren werde.
Hallo Monika und MEL,
ich freue mich, dass meine Berichte auch euch so gut gefallen. Deshalb geht es mit meiner Geschichte auch gleich weiter:
21.7.2014
Wie schon erwähnt, bin ich heute etwas zeitiger als gewohnt aufgestanden. Mein erstes Ziel sollte das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände sein und ich wollte bereits kurz nach der Öffnung um 9 Uhr mit der Besichtigung beginnen, um danach noch Zeit für weitere Aktivitäten zu haben und um nicht allzu spät die Heimreise anzutreten. Schließlich musste ich am nächsten Tag wieder arbeiten.
Ich wählte noch einmal mein "formelles" Outfit vom Vortag: kniefreier roter enger Rock, weiße Bluse mit blauen Blumenmotiven, transparente schwarze Strumpfhose und Pumps.
Nach dem Frühstück bezahlte ich im Hotel meine Rechnung, deponierte meinen Koffer in einem Schließfach im Hauptbahnhof um machte mich auf den Weg zum ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Nach einer kurzen Fahrt mit der Straßenbahn erreichte ich schließlich den zum Dokumentationszentrum umgebauten Teil der unvollendet gebliebenen Kongresshalle, die einmal 50000 Personen (welch ein Größenwahn!) Platz bieten sollte.
Bereits vor dem Eingang und erst recht drinnen an der Kasse und in den Ausstellungsräumen traf ich auf Massen von Jugendlichen. Zahlreiche Schulklassen nutzen wohl die letzten Tage des alten Schuljahres für einen etwas anderen Geschichtsunterricht. Abgehalten hat mich das nicht von meinem Besuch. Trotzdem blieb die bange Frage, ob nicht doch mal eine blöde Bemerkung zu meiner Person fallen wird.
Aber nichts dergleichen passierte. Im Gegenteil: Einige junge Männer traten einen Schritt zur Seite, wenn es in einer Tür mal etwas eng wurde. Ich bin sogar einmal etwas gefragt worden und nach meiner hoffentlich hilfreichen Antwort schien immer noch kein Verdacht aufzukommen, dass ich nicht "echt" sei.
Die Ausstellung selbst bot interessante Einblicke in die Machenschaften der Nationalsozialisten, insbesondere die hier an historischem Ort praktizierten Demonstrationen ihrer Macht.
Neben alldem ist zur Zeit eine Sonderausstellung aus Anlass des 100. Jahrestages des Beginns des 1. Weltkriegs zu sehen. Den Mittelpunkt dieser Ausstellung bildet eine riesige Videoleinwand, auf welcher ein Dokumentarfilm über das historische Ereignis gezeigt wird. Die Betrachter sitzen dabei in Liegestühlen an einem künstlich aufgeschütteten Sandstrand. Der Film beginnt dann auch mit einem Blick aufs Meer, obwohl diese Idylle mit den Schrecken eines Weltkrieges nun überhaupt nichts zu tun hat. Aber in einer ähnlichen Stimmung müssen viele Leute gewesen sein, als vor 100 Jahren das Unheil begann.
Nebenbei konnte ich so erstmals die Erfahrung machen, wie es sich in Pumps im Sand läuft. Mit etwas Mühe konnte ich verhindern, dass sich Sand in den Schuhen festsetzt.
Kurzzeitig stand ich dann doch einmal im Mittelpunkt, als ich einen anderen Raum der Sonderausstellung betrat, in dem ein Lehrer oder Mitarbeiter der Einrichtung gerade eine "Unterrichtsstunde" abhielt. Für einen Moment richteten sich die Blicke zahlreicher Schüler und Schülerinnen auf mich. Mein Anblick war offenbar interessanter als die Geschichte des 1. Weltkriegs.
Zum Abschluss meines Besuches genehmigte ich mir noch einen kleinen Imbiss in der Cafeteria des Dokumentationszentrums. Auch hier war ich von Jugendlichen umringt, aber erneut fiel bestenfalls ein kurzer Blick auf mich, jedoch keinerlei Bemerkung.
Die nächste und letzte Station meiner Reise war Special-Trade, der Laden extra für "uns". Das erste Mal am neuen Standort im Nürnberger Vorort Schwaig traf ich mich dort mit Kerstin aus unserem Forum. Auch wir hatten uns viel zu erzählen. Fast hätte ich dabei vergessen, dass ich mich auch mal nach Damenschuhen in Größe 43 umsehen wollte. Das Angebot an solchen mit moderatem Absatz (3 bis 5 cm) hielt sich allerdings in Grenzen. Ich beließ es bei einem Paar schwarzer Pumps, den gleichen übrigens, die ich gerade trug und vor etwa 5 Jahren an gleicher Stelle gekauft hatte. Ich trug sie immer gern, aber inzwischen sind die Sohlen brüchig geworden und drohen komplett zu zerfallen. Die Neuen werden hoffentlich genauso lange halten.
Jetzt galt es bereits wieder, mich zu verabschieden. Ich nutzte den Schminktisch bei Special-Trade, um mein Makeup etwas nachzubessern und fuhr anschließend mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof zurück, um meinen Koffer aus dem Schließfach zu holen. Pünktlich fuhr der Zug Richtung Chemnitz ab, blieb aber auf einem kleinen Bahnhof vor den Toren Nürnbergs stehen. Die Strecke war für unbestimmte Zeit gesperrt, weil sich ein Lebensmüder auf die Gleise gelegt hatte. Was nun? Zum Glück fuhr ein Regionalzug nach Nürnberg zurück, wo ich gerade noch den nächsten Zug nach Chemnitz erreichte, der wegen der Streckensperrung umgeleitet wurde.
So kam ich mit einer Stunde Verspätung zu Hause an und ärgerte mich ein wenig, diese Stunde nicht länger bei Special-Trade geblieben zu sein. Trotz diesem Zwischenfall hat es mir aber in Nürnberg sehr gut gefallen, sodass ich sicher bald einmal wieder hinfahren werde.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Kerstin
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Hallo Andrea
. Auf jedenfall war es schön dich einmal in Natura kenn zu lernen.
Liebe Grüße
Kerstin
"Formell" ist gut - ich hab schon zweimal hin sehen müssenAndrea aus Sachsen hat geschrieben:.
...
Ich wählte noch einmal mein "formelles" Outfit vom Vortag: kniefreier roter enger Rock, weiße Bluse mit blauen Blumenmotiven, transparente schwarze Strumpfhose und Pumps.
....
Liebe Grüße
Kerstin
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
.
24.7.2014
Für dieses Jahr hatte ich mir fest vorgenommen, erstmals zu den "Golden Oldies" nach Wettenberg zu fahren. Das ist ein Volksfest, das ganz unter dem Motto 50er und 60er Jahre steht. Autos, Mode und Musik aus dieser Zeit — und das ein ganzes Wochenende lang!
Ich schaute mir im Vorfeld zahlreiche Bilder und Videos von dieser Veranstaltung an, und stellte fest, dass dort unter anderem auch viel nach der damaligen Musik getanzt wird. Das machte mir allerdings etwas Angst. Es könnte ja sein, dass ich mal aufgefordert werde. Reizen würde es mich ja, da mal mitzumachen und meinen Petticoat so richtig durch die Luft fliegen lassen. Aber ich weiß, dass ich nicht tanzen kann und würde mich dabei nur blamieren.
So fragte ich kurzerhand bei einer Tanzschule in meiner Heimatstadt nach, ob ich eventuell einen Schnellkurs in Rock"™n"™Roll-Tanz bekommen könnte. Es wäre zwar unüblich, ohne Tanzpartner zu kommen, aber grundsätzlich hätte man kein Problem mit meiner Besonderheit.
Nachdem der Termin mehrmals wegen Erkrankung des Tanzlehrers verschoben werden musste, sollte nun heute, am Vortag meiner Abreise nach Wettenberg doch noch eine Doppelstunde Rock"™n"™Roll-Tanz stattfinden. Es war Privatunterricht, also nur der Tanzlehrer, seine Assistentin und ich, natürlich als Andrea in einem bunten Sommerkleid.
Die ersten Schritte fielen sehr schwer. Ich hatte große Mühe, im Takt zu bleiben, aber mit der Zeit klappte es immer besser. Rock"™n"™Roll tanzen ist natürlich anstrengend, besonders wenn frau keine 20 mehr ist. Aber es hat auch Spaß gemacht. In den zwei Stunden bin ich sicher keine perfekte Tänzerin geworden und ich hielt es auch für wenig wahrscheinlich, dass ich das Gelernte demnächst anwenden müsste, aber ich fühlte mich nach dieser ganz neuen Erfahrung viel besser gewappnet für den Fall der Fälle.
Leider nahm dieser Abend dann noch ein unschönes Ende, als meine Exfrau einen Besuch ankündigte. Das bedeutete erst einmal eine schnelle Rückverwandlung und danach wie üblich in solch einer Situation, endlose, kaum zielführende Diskussionen. Eigentlich wollte ich die Zeit zum Kofferpacken nutzen.
Danke Kerstin, hat mich auch gefreut!Kerstin hat geschrieben:Auf jedenfall war es schön dich einmal in Natura kenn zu lernen.
24.7.2014
Für dieses Jahr hatte ich mir fest vorgenommen, erstmals zu den "Golden Oldies" nach Wettenberg zu fahren. Das ist ein Volksfest, das ganz unter dem Motto 50er und 60er Jahre steht. Autos, Mode und Musik aus dieser Zeit — und das ein ganzes Wochenende lang!
Ich schaute mir im Vorfeld zahlreiche Bilder und Videos von dieser Veranstaltung an, und stellte fest, dass dort unter anderem auch viel nach der damaligen Musik getanzt wird. Das machte mir allerdings etwas Angst. Es könnte ja sein, dass ich mal aufgefordert werde. Reizen würde es mich ja, da mal mitzumachen und meinen Petticoat so richtig durch die Luft fliegen lassen. Aber ich weiß, dass ich nicht tanzen kann und würde mich dabei nur blamieren.
So fragte ich kurzerhand bei einer Tanzschule in meiner Heimatstadt nach, ob ich eventuell einen Schnellkurs in Rock"™n"™Roll-Tanz bekommen könnte. Es wäre zwar unüblich, ohne Tanzpartner zu kommen, aber grundsätzlich hätte man kein Problem mit meiner Besonderheit.
Nachdem der Termin mehrmals wegen Erkrankung des Tanzlehrers verschoben werden musste, sollte nun heute, am Vortag meiner Abreise nach Wettenberg doch noch eine Doppelstunde Rock"™n"™Roll-Tanz stattfinden. Es war Privatunterricht, also nur der Tanzlehrer, seine Assistentin und ich, natürlich als Andrea in einem bunten Sommerkleid.
Die ersten Schritte fielen sehr schwer. Ich hatte große Mühe, im Takt zu bleiben, aber mit der Zeit klappte es immer besser. Rock"™n"™Roll tanzen ist natürlich anstrengend, besonders wenn frau keine 20 mehr ist. Aber es hat auch Spaß gemacht. In den zwei Stunden bin ich sicher keine perfekte Tänzerin geworden und ich hielt es auch für wenig wahrscheinlich, dass ich das Gelernte demnächst anwenden müsste, aber ich fühlte mich nach dieser ganz neuen Erfahrung viel besser gewappnet für den Fall der Fälle.
Leider nahm dieser Abend dann noch ein unschönes Ende, als meine Exfrau einen Besuch ankündigte. Das bedeutete erst einmal eine schnelle Rückverwandlung und danach wie üblich in solch einer Situation, endlose, kaum zielführende Diskussionen. Eigentlich wollte ich die Zeit zum Kofferpacken nutzen.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Inga
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Hallo Andrea,
vielleicht bist du doch weniger für Rock"™n"™Roll als eher für den Langsamen Walzer gemacht....
Wie auch immer - viel Spaß in Wittenberg
Liebe Grüße
Inga
vielleicht bist du doch weniger für Rock"™n"™Roll als eher für den Langsamen Walzer gemacht....
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Inga
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
.
Das müsste ich aber erst lernen. Heute ärgere ich mich, dass ich früher keine Tanzschule besucht habe.
25.7.2014
Als meine Exfrau kurz nach Mitternacht endlich gegangen war, stand ich vor einem Dilemma: Eigentlich sollte mein Koffer gepackt sein und die Sachen für die Reise zurechtliegen, sodass ich mich zur Ruhe legen könnte, aber nichts davon war fertig. Und von den Ereignissen der letzten Stunden war ich so genervt, dass ich echt keine Lust zum Verreisen hatte. Aber das Hotel war gebucht, die Fahrkarte gekauft und ich hatte mir extra für diese Veranstaltung ein passendes Outfit besorgt.
Mir wurde klar, sollte ich nicht fahren, würde ich mich das ganze Wochenende über noch viel mehr ärgern. Also fing ich an, meinen Koffer zu packen. Irgendwann mitten in der Nacht war ich fertig und hatte noch etwa 2 Stunden Zeit zum Schlafen.
Irgendwie fühlte ich mich am Morgen wie erschlagen. Das Schminken ging trotzdem zügig voran, sodass ich noch in Ruhe frühstücken konnte, um kurz nach 8 Uhr das Haus zu verlassen. Mein Outfit heute: blauer kniefreier Rock, weiße Bluse mit blauen Blumenmotiven, blaue Strumpfhose mit Rautenmuster, weiße Pumps. Anfangs war es noch etwas kühl draußen. Da überlegte ich, ob ich meinen Blazer aus dem Koffer hole, aber irgendwann hatte es sich erledigt.
Die Fahrt ging über Leipzig, Eisenach und Frankfurt/M. nach Gießen. Unterwegs konnte ich den fehlenden Nachtschlaf weitestgehend nachholen. Ich hatte ein Hotelzimmer gleich in Bahnhofsnähe gebucht. Dort konnte ich erst einmal etwas verschnaufen. Da es draußen inzwischen sommerlich warm war, tauschte ich meine Strumpfhose gegen eine dünnere, aber auch in blau.
Am Bahnhofsvorplatz sollte ein Bus zum Festgelände nach Wettenberg abfahren, aber wo genau? Die Auskunft im Bahnhof wusste nur, dass es ab 18 Uhr losgehen sollte. Das wäre in etwa einer halben Stunde.
Als ich noch ein wenig herumschlenderte, entdeckte ich an einem Abfahrtsstand zwei Ehepaare, von denen eine Frau ein rot-weiß gepunktetes Kleid trug. Wollten die etwa auch zu den "Golden Oldies"? Ich sollte mich nicht täuschen. Bei Näherkommen entdeckte ich auch das kleine Hinweisschild: Sonderbuslinie Golden Oldies. Bis zur Abfahrt des Busses unterhielt ich mich ein wenig mit den beiden Paaren. Sie kamen schon zum wiederholten Mal aus München hierher.
Bis auf das Kleid der einen Frau deutete bisher nichts auf die 50er Jahre hin, um die es hier an diesem Wochenende gehen sollte. Ich entschloss mich schon mal zum Festgelände mitzufahren, um erste Eindrücke zu sammeln, obwohl ich noch mein "normales" Outfit trug. Doch siehe da: Kurz vor Abfahrt des Busses stieg eine etwa 5-köpfige Gruppe sehr CD-verdächtiger Damen im stilechten 50er-Jahre-Outfit (mit Petticoats) zu. Einige glaubte ich von einem Foto wiederzuerkennen, welches ich im Internet mal gesehen hatte. Sie hatten mich wohl als ihresgleichen erkannt und grüßten mit einem kurzen "Hallo".
Die CD-Gruppe verlor ich aber dann aus den Augen, während mir die beiden Münchner Ehepaare an diesem Abend noch mehrmals über den Weg liefen.
In Wettenberg, genauer gesagt dessen Ortsteil Krofdorf-Gleiberg, angekommen, spürte ich gleich die Atmosphäre einer vergangenen, aber nach wie vor lebendigen Zeit: Von mehreren Bühnen ertönte Musik der 50er (teilweise bis 70er) Jahre, alles Klänge, die mir noch angenehm in Erinnerung sind. Zahlreiche Besucher trugen die Kleidung der damaligen Zeit. Ein wenig ärgerte ich mich, dass ich mein Petticoatkleid im Hotel ließ. Die Straßenränder säumten viele Fahrzeuge, eben auch aus der genannten Zeit. Letztere interessierten mich zwar weniger, aber sie trugen nicht unwesentlich zur gesamten Atmosphäre bei.
Wie ich richtig vermutet hatte, wurde vor einigen Bühnen auch getanzt. Aber um es vorweg zu nehmen: Das vorher in der Tanzschule gelernte konnte ich (leider) nicht praktisch anwenden. Ganz umsonst waren die Tanzstunden aber doch nicht, denn jetzt konnte ich die anderen Paare etwas kritischer beobachten. Zu meinem Erstaunen tanzte keines davon so, wie ich es gelernt hatte. Jedes der offenbar festen Paare praktizierte einen anderen, mehr oder weniger ästhetisch anzusehenden Tanzstil. Wie das wohl nach einem Partnerwechsel ausgesehen hätte? Aber das scheint hier überhaupt nicht üblich zu sein. Weder ich wurde heute oder am Folgetag einmal aufgefordert, noch habe ich so etwas bei anderen beobachtet.
Als es schon dunkel war, nahm ich den nächsten Bus zurück nach Gießen. Ich war beeindruckt von dem, was ich bisher hier sah, aber das sollte nur ein Vorgeschmack auf kommendes sein.
Ein Wiener Walzer würde mich (als bekennende Verehrerin von Johann Strauss) noch mehr reizen.Inga hat geschrieben:vielleicht bist du doch weniger für Rock"™n"™Roll als eher für den Langsamen Walzer gemacht....
Das müsste ich aber erst lernen. Heute ärgere ich mich, dass ich früher keine Tanzschule besucht habe.
25.7.2014
Als meine Exfrau kurz nach Mitternacht endlich gegangen war, stand ich vor einem Dilemma: Eigentlich sollte mein Koffer gepackt sein und die Sachen für die Reise zurechtliegen, sodass ich mich zur Ruhe legen könnte, aber nichts davon war fertig. Und von den Ereignissen der letzten Stunden war ich so genervt, dass ich echt keine Lust zum Verreisen hatte. Aber das Hotel war gebucht, die Fahrkarte gekauft und ich hatte mir extra für diese Veranstaltung ein passendes Outfit besorgt.
Mir wurde klar, sollte ich nicht fahren, würde ich mich das ganze Wochenende über noch viel mehr ärgern. Also fing ich an, meinen Koffer zu packen. Irgendwann mitten in der Nacht war ich fertig und hatte noch etwa 2 Stunden Zeit zum Schlafen.
Irgendwie fühlte ich mich am Morgen wie erschlagen. Das Schminken ging trotzdem zügig voran, sodass ich noch in Ruhe frühstücken konnte, um kurz nach 8 Uhr das Haus zu verlassen. Mein Outfit heute: blauer kniefreier Rock, weiße Bluse mit blauen Blumenmotiven, blaue Strumpfhose mit Rautenmuster, weiße Pumps. Anfangs war es noch etwas kühl draußen. Da überlegte ich, ob ich meinen Blazer aus dem Koffer hole, aber irgendwann hatte es sich erledigt.
Die Fahrt ging über Leipzig, Eisenach und Frankfurt/M. nach Gießen. Unterwegs konnte ich den fehlenden Nachtschlaf weitestgehend nachholen. Ich hatte ein Hotelzimmer gleich in Bahnhofsnähe gebucht. Dort konnte ich erst einmal etwas verschnaufen. Da es draußen inzwischen sommerlich warm war, tauschte ich meine Strumpfhose gegen eine dünnere, aber auch in blau.
Am Bahnhofsvorplatz sollte ein Bus zum Festgelände nach Wettenberg abfahren, aber wo genau? Die Auskunft im Bahnhof wusste nur, dass es ab 18 Uhr losgehen sollte. Das wäre in etwa einer halben Stunde.
Als ich noch ein wenig herumschlenderte, entdeckte ich an einem Abfahrtsstand zwei Ehepaare, von denen eine Frau ein rot-weiß gepunktetes Kleid trug. Wollten die etwa auch zu den "Golden Oldies"? Ich sollte mich nicht täuschen. Bei Näherkommen entdeckte ich auch das kleine Hinweisschild: Sonderbuslinie Golden Oldies. Bis zur Abfahrt des Busses unterhielt ich mich ein wenig mit den beiden Paaren. Sie kamen schon zum wiederholten Mal aus München hierher.
Bis auf das Kleid der einen Frau deutete bisher nichts auf die 50er Jahre hin, um die es hier an diesem Wochenende gehen sollte. Ich entschloss mich schon mal zum Festgelände mitzufahren, um erste Eindrücke zu sammeln, obwohl ich noch mein "normales" Outfit trug. Doch siehe da: Kurz vor Abfahrt des Busses stieg eine etwa 5-köpfige Gruppe sehr CD-verdächtiger Damen im stilechten 50er-Jahre-Outfit (mit Petticoats) zu. Einige glaubte ich von einem Foto wiederzuerkennen, welches ich im Internet mal gesehen hatte. Sie hatten mich wohl als ihresgleichen erkannt und grüßten mit einem kurzen "Hallo".
Die CD-Gruppe verlor ich aber dann aus den Augen, während mir die beiden Münchner Ehepaare an diesem Abend noch mehrmals über den Weg liefen.
In Wettenberg, genauer gesagt dessen Ortsteil Krofdorf-Gleiberg, angekommen, spürte ich gleich die Atmosphäre einer vergangenen, aber nach wie vor lebendigen Zeit: Von mehreren Bühnen ertönte Musik der 50er (teilweise bis 70er) Jahre, alles Klänge, die mir noch angenehm in Erinnerung sind. Zahlreiche Besucher trugen die Kleidung der damaligen Zeit. Ein wenig ärgerte ich mich, dass ich mein Petticoatkleid im Hotel ließ. Die Straßenränder säumten viele Fahrzeuge, eben auch aus der genannten Zeit. Letztere interessierten mich zwar weniger, aber sie trugen nicht unwesentlich zur gesamten Atmosphäre bei.
Wie ich richtig vermutet hatte, wurde vor einigen Bühnen auch getanzt. Aber um es vorweg zu nehmen: Das vorher in der Tanzschule gelernte konnte ich (leider) nicht praktisch anwenden. Ganz umsonst waren die Tanzstunden aber doch nicht, denn jetzt konnte ich die anderen Paare etwas kritischer beobachten. Zu meinem Erstaunen tanzte keines davon so, wie ich es gelernt hatte. Jedes der offenbar festen Paare praktizierte einen anderen, mehr oder weniger ästhetisch anzusehenden Tanzstil. Wie das wohl nach einem Partnerwechsel ausgesehen hätte? Aber das scheint hier überhaupt nicht üblich zu sein. Weder ich wurde heute oder am Folgetag einmal aufgefordert, noch habe ich so etwas bei anderen beobachtet.
Als es schon dunkel war, nahm ich den nächsten Bus zurück nach Gießen. Ich war beeindruckt von dem, was ich bisher hier sah, aber das sollte nur ein Vorgeschmack auf kommendes sein.
Viele Grüße
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
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26.7.2014
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der 50er (teilweise auch 60er bis 70er) Jahre des vorigen Jahrhunderts. Bereits zum Frühstück habe ich das Petticoatkleid angezogen, welches ich mir extra für diesen Tag gekauft hatte. Dabei traf ich auf einen (männlichen) Gast und den Hotelinhaber. Beide schienen nicht sonderlich Notiz von mir zu nehmen, trotz meines nicht ganz unauffälligen Outfits. Vielleicht ist das aber hier nichts Besonderes, schließlich finden jedes Jahr vor den Toren der Stadt Gießen die "Golden Oldies" statt, diesmal bereits zum 25. Mal.
Jetzt wusste ich ja, wo der Sonderbus nach Wettenberg abfährt und ging zielgerichtet zur Haltestelle. Da standen schon wieder die beiden Ehepaare aus München, die ich bereits am Vortag hier traf. "Immer wieder dieselben!" war der einstimmige Kommentar ob dieses Wiedersehens.
Im Bus hätte ich wegen der "Überbreite" meines Petticoats eigentlich zwei Sitzplätze gebraucht, war aber letztendlich doch nicht nötig, da sich der Rock ganz gut zusammendrücken lässt. Alles in allem bietet dieses Kleidungsstück ein ganz besonderes Tragegefühl, sowohl durch das Wippen des Rockes beim Gehen, als auch, wie beschrieben, in etwas beengten Situationen.
Ich stieg diesmal eine Station eher aus, um zunächst zur Burg Gleiberg aufzusteigen, die, auf einer Anhöhe weithin sichtbar, entscheidend das Landschaftsbild hier prägt. Ich schloss mich einer Führung durch das alte Gemäuer an. Außer mir waren noch zwei andere Frauen im 50er-Jahre-Outfit dabei.
Die Burg ist zum größten Teil nur noch eine Ruine. Die freiliegenden Mauerreste lassen aber interessante Blicke in die wechselvolle Geschichte des Bauwerkes zu. In den noch intakten Gebäudeteilen befindet sich heute eine Gaststätte, die aber zur Zeit meines Besuches wegen Urlaub geschlossen war. Der ehemalige Bergfried wurde in den vergangenen Jahren restauriert und dient heute als Aussichtsturm. Dessen Besteigung bildete den Abschluss meines Besuches auf der Burg Gleiberg.
Auf der engen Treppe machte sich wieder meine "Überbreite" bemerkbar, besonders, wenn andere Besucher entgegenkamen. Da blieb ich lieber an einer breiteren "Ausweichstelle" stehen, wo ich mit "normaler" Kleidung weitergegangen wäre. Von der Aussichtsplattform bot sich natürlich auch einen Blick auf das Festgelände der "Golden Oldies". Sogar die Musik war bis hierher zu hören.
Als ich gerade im Begriff war, wieder hinunter in den Ort zu gehen, traf ich an der Burgmauer die CD-Gruppe, die mich am Vortag im Bus begrüßte. Jetzt hatten wir Gelegenheit, uns ein wenig zu unterhalten und uns näher kennenzulernen. Wie sich herausstellte, waren sie in den vergangenen Jahren schon mehrmals hier, sodass mich die Erinnerung an das Foto mit den CD-verdächtigen Damen nicht getäuscht hatte. Der Gruppe hatte sich übrigens auch Gidion aus unserem Forum angeschlossen.
Gemeinsam gingen wir hinunter in den Ort, wo das Fest in vollem Gange war. Ich verspürte etwas Hunger und stellte mich an einem Imbissstand an, während die anderen erst einmal weitergingen. Kaum hatte ich mich ein wenig gestärkt, kamen Saskia, ihre Frau (Feldmaus) und Hellen aus unserem Forum auf mich zu. Wir sprachen eine Weile miteinander, verabschiedeten uns dann vorerst wieder, in der Hoffnung, uns irgendwo hier erneut über den Weg zu laufen. Damit waren wir, wenn ich niemanden übersehen habe, aus unserem Forum zu fünft hier.
Jetzt wollte ich mal ausgiebig über das Festgelände schlendern. Am sehenswertesten fand ich dabei natürlich die schönen Kleider aus den "50ern", von denen etwa jede fünfte Frau eins trug. Es machte unheimlich viel Spaß, selbst im passenden Outfit dabei zu sein. Selbst einige kleine Mädchen trugen Kleider mit Petticoat. Ja, so etwas hätte ich vor 50 Jahren wohl auch getragen, wenn ich als Mädchen zur Welt gekommen wäre!
Bei den wenigen Männern, die die Mode der damaligen Zeit trugen, kam ich irgendwie zu der Erkenntnis: Außer der Frisur (Föhnwelle) unterscheidet diese sich nicht allzu sehr vom heutigen "Einheitsgrau". Die alten Autos interessierten mich weniger. Die sind auch nicht so fest in meiner Erinnerung verankert, da ich aus dem Osten komme und die Vielfalt dort bei weitem nicht so groß war wie anderswo. Da blieb ich lieber mal an einer der Bühnen stehen und lauschte ein wenig der Musik aus meiner Kindheit und Jugendzeit.
Einen breiten Raum nimmt bei den "Golden Oldies" ein Flohmarkt ein. Aus welcher Zeit die angebotenen Waren größtenteils stammen, versteht sich wohl von selbst. So eine Präsentation weckt so manche Erinnerung an die Kindheit, auch wenn ich hier einige typische "Ostprodukte" vermisste.
Schließlich boten zahlreiche Händler originale oder nachgefertigte Waren aus den 50er Jahren an. Die Verkäuferin vom Petticoatshop aus Berlin hat mich gleich wiedererkannt, nachdem ich das Kleid, das ich trug, wenige Wochen vorher dort gekauft hatte.
Jetzt nachdem ich so ziemlich alles vom Fest gesehen hatte, ging ich in ein kleines Café und gönnte ich mir erst einmal ein Eis. Hier erlebte ich noch einmal das Gefühl, mit einem "überbreiten" Kleid auf einem dafür eigentlich zu kleinem Stuhl Platz zunehmen. Der anschließende Besuch der Toilette war in diesem Outfit sowieso eine kleine Herausforderung.
Danach ging ich noch eine Runde und schaute mir noch ein wenig die anderen Besucher an. Wo sind denn eigentlich die anderen CD-Damen geblieben? Alle, die ich am Vormittag traf, sah ich leider nicht mehr. Dafür lief mir plötzlich eine Freundin aus der Chemnitzer CROSSundQUEER-Gruppe, natürlich auch stilecht gekleidet, über den Weg, die wiederum von ihrer Freundin hier aus der Gegend begleitet wurde. Wir hatten uns eine ganze Weile nicht mehr gesehen und deshalb viel zu erzählen. So verbrachten wir drei den Rest des (nun fast schon) Abends gemeinsam. Nebenbei entstand auch ein kleines Erinnerungsfoto:
Als es längst dunkel war, verabschiedeten wir uns. Die Freundinnen gingen zu ihrem Auto auf dem Parkplatz außerhalb des Ortes und ich nahm den nächsten Bus zurück nach Gießen. Unterwegs erzählte ein Mann ganz ausgiebig von seinen Erlebnissen auf dem Fest, ohne zu fragen, ob die Leute das überhaupt hören wollten. Als der größte Teil der Leute ausgestiegen war, fragte er mich, ob ich hier einen "auf schwul" mache. Ich erklärte daraufhin, dass das damit nichts zu tun hat. Sein anfangs ungläubiges Gesicht wich allmählich einem gewissen Interesse und beim Aussteigen sagte er noch: "Interessant! Wieder was gelernt!"
Damit ging mein Erlebnis "Golden Oldies" zu Ende und es war in mehrfacher Hinsicht etwas ganz besonderes. Allein das Flair dieser vergangenen, aber immer noch lebendigen Zeit habe ich in dieser Intensität noch nirgendwo erlebt. Hier selbst ein Outfit zu tragen, was für mich zur damaligen Zeit als unerfüllbarer Traum erschien, erhöhte den Erlebniswert des Ganzen ungemein. Überhaupt genießt unsereins hier einen ganz anderen Stellenwert als anderswo. Ich habe hier mindestens 10 CD-Damen gesehen. Wir sind also hier recht präsent. Viele Besucher wissen das und einige werden vielleicht sogar bewusst nach den nicht ganz "echten" Damen Ausschau halten. Wenn sie dann eine entdeckt haben, grüßen sie meist mit einem kurzen "Hallo!". Ich bin jedenfalls hier öfter gegrüßt worden, als in meiner Heimatstadt im Männermodus.
Einige Besucher fragten, ob sie uns mal fotografieren dürfen, teilweise wollen sie selbst mit aufs Bild. Mir ist das einmal passiert, als ich allein war und mindestens 5 Mal in der Gruppe. Das nur mal als Beweis, dass unsereins in der Gruppe eher auffällt.
Dieser Kultstatus ist das, was ich sonst eigentlich gar nicht mag, aber hier gehört das irgendwie dazu. Es ist beinahe wie in einer anderen Welt.
26.7.2014
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der 50er (teilweise auch 60er bis 70er) Jahre des vorigen Jahrhunderts. Bereits zum Frühstück habe ich das Petticoatkleid angezogen, welches ich mir extra für diesen Tag gekauft hatte. Dabei traf ich auf einen (männlichen) Gast und den Hotelinhaber. Beide schienen nicht sonderlich Notiz von mir zu nehmen, trotz meines nicht ganz unauffälligen Outfits. Vielleicht ist das aber hier nichts Besonderes, schließlich finden jedes Jahr vor den Toren der Stadt Gießen die "Golden Oldies" statt, diesmal bereits zum 25. Mal.
Jetzt wusste ich ja, wo der Sonderbus nach Wettenberg abfährt und ging zielgerichtet zur Haltestelle. Da standen schon wieder die beiden Ehepaare aus München, die ich bereits am Vortag hier traf. "Immer wieder dieselben!" war der einstimmige Kommentar ob dieses Wiedersehens.
Im Bus hätte ich wegen der "Überbreite" meines Petticoats eigentlich zwei Sitzplätze gebraucht, war aber letztendlich doch nicht nötig, da sich der Rock ganz gut zusammendrücken lässt. Alles in allem bietet dieses Kleidungsstück ein ganz besonderes Tragegefühl, sowohl durch das Wippen des Rockes beim Gehen, als auch, wie beschrieben, in etwas beengten Situationen.
Ich stieg diesmal eine Station eher aus, um zunächst zur Burg Gleiberg aufzusteigen, die, auf einer Anhöhe weithin sichtbar, entscheidend das Landschaftsbild hier prägt. Ich schloss mich einer Führung durch das alte Gemäuer an. Außer mir waren noch zwei andere Frauen im 50er-Jahre-Outfit dabei.
Die Burg ist zum größten Teil nur noch eine Ruine. Die freiliegenden Mauerreste lassen aber interessante Blicke in die wechselvolle Geschichte des Bauwerkes zu. In den noch intakten Gebäudeteilen befindet sich heute eine Gaststätte, die aber zur Zeit meines Besuches wegen Urlaub geschlossen war. Der ehemalige Bergfried wurde in den vergangenen Jahren restauriert und dient heute als Aussichtsturm. Dessen Besteigung bildete den Abschluss meines Besuches auf der Burg Gleiberg.
Auf der engen Treppe machte sich wieder meine "Überbreite" bemerkbar, besonders, wenn andere Besucher entgegenkamen. Da blieb ich lieber an einer breiteren "Ausweichstelle" stehen, wo ich mit "normaler" Kleidung weitergegangen wäre. Von der Aussichtsplattform bot sich natürlich auch einen Blick auf das Festgelände der "Golden Oldies". Sogar die Musik war bis hierher zu hören.
Als ich gerade im Begriff war, wieder hinunter in den Ort zu gehen, traf ich an der Burgmauer die CD-Gruppe, die mich am Vortag im Bus begrüßte. Jetzt hatten wir Gelegenheit, uns ein wenig zu unterhalten und uns näher kennenzulernen. Wie sich herausstellte, waren sie in den vergangenen Jahren schon mehrmals hier, sodass mich die Erinnerung an das Foto mit den CD-verdächtigen Damen nicht getäuscht hatte. Der Gruppe hatte sich übrigens auch Gidion aus unserem Forum angeschlossen.
Gemeinsam gingen wir hinunter in den Ort, wo das Fest in vollem Gange war. Ich verspürte etwas Hunger und stellte mich an einem Imbissstand an, während die anderen erst einmal weitergingen. Kaum hatte ich mich ein wenig gestärkt, kamen Saskia, ihre Frau (Feldmaus) und Hellen aus unserem Forum auf mich zu. Wir sprachen eine Weile miteinander, verabschiedeten uns dann vorerst wieder, in der Hoffnung, uns irgendwo hier erneut über den Weg zu laufen. Damit waren wir, wenn ich niemanden übersehen habe, aus unserem Forum zu fünft hier.
Jetzt wollte ich mal ausgiebig über das Festgelände schlendern. Am sehenswertesten fand ich dabei natürlich die schönen Kleider aus den "50ern", von denen etwa jede fünfte Frau eins trug. Es machte unheimlich viel Spaß, selbst im passenden Outfit dabei zu sein. Selbst einige kleine Mädchen trugen Kleider mit Petticoat. Ja, so etwas hätte ich vor 50 Jahren wohl auch getragen, wenn ich als Mädchen zur Welt gekommen wäre!
Bei den wenigen Männern, die die Mode der damaligen Zeit trugen, kam ich irgendwie zu der Erkenntnis: Außer der Frisur (Föhnwelle) unterscheidet diese sich nicht allzu sehr vom heutigen "Einheitsgrau". Die alten Autos interessierten mich weniger. Die sind auch nicht so fest in meiner Erinnerung verankert, da ich aus dem Osten komme und die Vielfalt dort bei weitem nicht so groß war wie anderswo. Da blieb ich lieber mal an einer der Bühnen stehen und lauschte ein wenig der Musik aus meiner Kindheit und Jugendzeit.
Einen breiten Raum nimmt bei den "Golden Oldies" ein Flohmarkt ein. Aus welcher Zeit die angebotenen Waren größtenteils stammen, versteht sich wohl von selbst. So eine Präsentation weckt so manche Erinnerung an die Kindheit, auch wenn ich hier einige typische "Ostprodukte" vermisste.
Schließlich boten zahlreiche Händler originale oder nachgefertigte Waren aus den 50er Jahren an. Die Verkäuferin vom Petticoatshop aus Berlin hat mich gleich wiedererkannt, nachdem ich das Kleid, das ich trug, wenige Wochen vorher dort gekauft hatte.
Jetzt nachdem ich so ziemlich alles vom Fest gesehen hatte, ging ich in ein kleines Café und gönnte ich mir erst einmal ein Eis. Hier erlebte ich noch einmal das Gefühl, mit einem "überbreiten" Kleid auf einem dafür eigentlich zu kleinem Stuhl Platz zunehmen. Der anschließende Besuch der Toilette war in diesem Outfit sowieso eine kleine Herausforderung.
Danach ging ich noch eine Runde und schaute mir noch ein wenig die anderen Besucher an. Wo sind denn eigentlich die anderen CD-Damen geblieben? Alle, die ich am Vormittag traf, sah ich leider nicht mehr. Dafür lief mir plötzlich eine Freundin aus der Chemnitzer CROSSundQUEER-Gruppe, natürlich auch stilecht gekleidet, über den Weg, die wiederum von ihrer Freundin hier aus der Gegend begleitet wurde. Wir hatten uns eine ganze Weile nicht mehr gesehen und deshalb viel zu erzählen. So verbrachten wir drei den Rest des (nun fast schon) Abends gemeinsam. Nebenbei entstand auch ein kleines Erinnerungsfoto:
Als es längst dunkel war, verabschiedeten wir uns. Die Freundinnen gingen zu ihrem Auto auf dem Parkplatz außerhalb des Ortes und ich nahm den nächsten Bus zurück nach Gießen. Unterwegs erzählte ein Mann ganz ausgiebig von seinen Erlebnissen auf dem Fest, ohne zu fragen, ob die Leute das überhaupt hören wollten. Als der größte Teil der Leute ausgestiegen war, fragte er mich, ob ich hier einen "auf schwul" mache. Ich erklärte daraufhin, dass das damit nichts zu tun hat. Sein anfangs ungläubiges Gesicht wich allmählich einem gewissen Interesse und beim Aussteigen sagte er noch: "Interessant! Wieder was gelernt!"
Damit ging mein Erlebnis "Golden Oldies" zu Ende und es war in mehrfacher Hinsicht etwas ganz besonderes. Allein das Flair dieser vergangenen, aber immer noch lebendigen Zeit habe ich in dieser Intensität noch nirgendwo erlebt. Hier selbst ein Outfit zu tragen, was für mich zur damaligen Zeit als unerfüllbarer Traum erschien, erhöhte den Erlebniswert des Ganzen ungemein. Überhaupt genießt unsereins hier einen ganz anderen Stellenwert als anderswo. Ich habe hier mindestens 10 CD-Damen gesehen. Wir sind also hier recht präsent. Viele Besucher wissen das und einige werden vielleicht sogar bewusst nach den nicht ganz "echten" Damen Ausschau halten. Wenn sie dann eine entdeckt haben, grüßen sie meist mit einem kurzen "Hallo!". Ich bin jedenfalls hier öfter gegrüßt worden, als in meiner Heimatstadt im Männermodus.
Einige Besucher fragten, ob sie uns mal fotografieren dürfen, teilweise wollen sie selbst mit aufs Bild. Mir ist das einmal passiert, als ich allein war und mindestens 5 Mal in der Gruppe. Das nur mal als Beweis, dass unsereins in der Gruppe eher auffällt.
Dieser Kultstatus ist das, was ich sonst eigentlich gar nicht mag, aber hier gehört das irgendwie dazu. Es ist beinahe wie in einer anderen Welt.
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Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Hallo Andrea!
Es ist wieder ein schöner Bericht. Danke, dass Du uns an Deinen Reisen teihaben lässt. Auch Dein Bild mit dem Auto als Kulisse ist gut gelungen.
Viele Grüße Magdalena
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Viele Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
.
Danke Magdalena für die lobenden Worte! Ich nehme an, du wartest noch auf den Abschluss des erlebnisreichen Wochenendes. Das Warten soll hiermit beendet sein:
27.7.2014
Nach den überwältigenden Erlebnissen des Vortages in einem besonderen Outfit, war es fast schon ein wenig enttäuschend, heute wieder nur "normale" Damenbekleidung anzuziehen. Die sah heute fast so aus wie bei meiner Anreise vor zwei Tagen: blauer kniefreier Rock, weiße Bluse mit blauen Blumenmotiven, transparente blaue Strumpfhose und weiße Pumps.
Im Vergleich zum Vortag war der kleine Frühstücksraum im Hotel heute recht gut besucht, aber alles ging wie gewohnt, völlig unspektakulär vonstatten. Danach packte ich meine Sachen ein, bezahlte die Rechnung und da ich noch etwas Zeit hatte, deponierte ich meinen Koffer vorläufig an der Rezeption.
Ich hatte mir noch einen Besuch des "Mathematikum", einer interaktiven Ausstellung zu mathematischen und physikalischen Phänomenen vorgenommen. Groß war der Andrang an diesem Sonntagvormittag nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Ausstellung zu anderer Zeit vorrangig von Schulklassen förmlich "belagert" wird. Für mich bot das Ganze nicht allzu viel Neues. Die meisten Phänomene kannte ich schon und zahlreiche ähnliche Exponate hatte ich anderenorts schon mal gesehen.
Die Zeit reichte noch, um in einer Gaststätte mal wieder ein richtiges Mittagessen einzunehmen Danach holte ich meinen Koffer aus dem Hotel, ging zum Bahnhof und wartete auf meinen Zug. Über Kassel, Halle/Saale und Leipzig sollte es wieder nach Hause gehen. Der erste Zug war pünktlich, aber unterwegs erklärte mir der Zugbegleiter, dass der Zug, in den ich in Kassel umsteigen sollte, etwa eine Stunde Verspätung hätte und dass es besser wäre, über Hannover zu fahren. Das sei zwar ein Umweg, bot aber sichere Anschlüsse. Die Stunde Verspätung, mit der ich zu Hause ankam, ließ sich ohnehin nicht vermeiden.
Das Wetter an diesem Tag war wieder sommerlich warm, ich schätze, so nahe der 30-°C-Marke. Das ist für mich so eine Grenze, bis zu derer es sich draußen noch gut aushalten lässt, trotz Makeup und Perücke. Voraussetzung ist natürlich, frau hat die passende (luftige) Kleidung an und für ausreichend Getränkenachschub ist gesorgt.
Trotz Verspätung bin ich also wieder gut zu Hause angekommen und muss die vielfältigen Eindrücke der vergangenen Tage erst einmal verarbeiten. Die ganzen Erlebnisse rund um die "Golden Oldies" waren so beeindruckend, dass ich mit Sicherheit bald mal wieder hierher kommen werde. Doch wenn ich mir überlege, dass ich das zu fast jeder meiner Reisen schrieb, dann wäre mein Terminkalender fürs nächste Jahr bereits voll.
Danke Magdalena für die lobenden Worte! Ich nehme an, du wartest noch auf den Abschluss des erlebnisreichen Wochenendes. Das Warten soll hiermit beendet sein:
27.7.2014
Nach den überwältigenden Erlebnissen des Vortages in einem besonderen Outfit, war es fast schon ein wenig enttäuschend, heute wieder nur "normale" Damenbekleidung anzuziehen. Die sah heute fast so aus wie bei meiner Anreise vor zwei Tagen: blauer kniefreier Rock, weiße Bluse mit blauen Blumenmotiven, transparente blaue Strumpfhose und weiße Pumps.
Im Vergleich zum Vortag war der kleine Frühstücksraum im Hotel heute recht gut besucht, aber alles ging wie gewohnt, völlig unspektakulär vonstatten. Danach packte ich meine Sachen ein, bezahlte die Rechnung und da ich noch etwas Zeit hatte, deponierte ich meinen Koffer vorläufig an der Rezeption.
Ich hatte mir noch einen Besuch des "Mathematikum", einer interaktiven Ausstellung zu mathematischen und physikalischen Phänomenen vorgenommen. Groß war der Andrang an diesem Sonntagvormittag nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Ausstellung zu anderer Zeit vorrangig von Schulklassen förmlich "belagert" wird. Für mich bot das Ganze nicht allzu viel Neues. Die meisten Phänomene kannte ich schon und zahlreiche ähnliche Exponate hatte ich anderenorts schon mal gesehen.
Die Zeit reichte noch, um in einer Gaststätte mal wieder ein richtiges Mittagessen einzunehmen Danach holte ich meinen Koffer aus dem Hotel, ging zum Bahnhof und wartete auf meinen Zug. Über Kassel, Halle/Saale und Leipzig sollte es wieder nach Hause gehen. Der erste Zug war pünktlich, aber unterwegs erklärte mir der Zugbegleiter, dass der Zug, in den ich in Kassel umsteigen sollte, etwa eine Stunde Verspätung hätte und dass es besser wäre, über Hannover zu fahren. Das sei zwar ein Umweg, bot aber sichere Anschlüsse. Die Stunde Verspätung, mit der ich zu Hause ankam, ließ sich ohnehin nicht vermeiden.
Das Wetter an diesem Tag war wieder sommerlich warm, ich schätze, so nahe der 30-°C-Marke. Das ist für mich so eine Grenze, bis zu derer es sich draußen noch gut aushalten lässt, trotz Makeup und Perücke. Voraussetzung ist natürlich, frau hat die passende (luftige) Kleidung an und für ausreichend Getränkenachschub ist gesorgt.
Trotz Verspätung bin ich also wieder gut zu Hause angekommen und muss die vielfältigen Eindrücke der vergangenen Tage erst einmal verarbeiten. Die ganzen Erlebnisse rund um die "Golden Oldies" waren so beeindruckend, dass ich mit Sicherheit bald mal wieder hierher kommen werde. Doch wenn ich mir überlege, dass ich das zu fast jeder meiner Reisen schrieb, dann wäre mein Terminkalender fürs nächste Jahr bereits voll.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Kerstin
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Hi Andrea
Vielen Dank für deine tollen Berichte
LG Kerstin
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Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
.
30.7.2014
Heute war kein Andrea-Tag, aber doch ein besonderes Ereignis, das nicht unerwähnt bleiben sollte: Ich habe mich bei meiner Exfrau geoutet. Das hatte sich meine Tochter gewünscht, um die Gefahr zu beseitigen, sich mal zu verplappern. Ein wenig Bauchschmerzen hatte ich schon vor dieser Aktion und war deshalb froh, dass meine Tochter und eine Bekannte, die im Streit mit meiner Exfrau schon oft vermittelt hatte, mir Beistand leisteten.
Die Reaktion hätte kaum heftiger ausfallen können. Unmengen an Schimpfwörtern flogen mir entgegen. Meine Exfrau redete sich so in Rage, dass wir zu dritt alle Mühe hatten, sie einigermaßen zu beruhigen. Viel hatte nicht gefehlt und Porzellan oder etwas Ähnliches wäre nicht nur symbolisch zerschlagen worden. Die gemeinsame Tochter sollte gleich mitkommen, weil sie ja nicht bei "so einem" bleiben könne, aber diese lehnte ab.
Auch 2 Wochen nach dem Outing bin ich für meine Exfrau wohl immer noch ein perverses Sch., ein Lügner, Betrüger und was weiß ich noch alles. Diese Neuigkeit wurde dann auch im Bekanntenkreis "breitgestreut". Diejenigen, die mich daraufhin anriefen, hatten mit meinem Anderssein aber kein Problem und wunderten sich nur, warum meine Exfrau so ein Drama daraus macht.
Problematisch für mich ist jetzt weniger die Tatsache, dass nun mehr Leute von Andrea wissen als mir lieb ist, sondern dass ein seit Jahren ungelöster Konflikt im Zusammenhang der Scheidung jetzt noch an Schärfe gewonnen hat. Eine andere Konsequenz aus dem missglückten Outing: In dieser Situation möchte ich meiner Exfrau auf keinen Fall auf der Straße als Andrea begegnen. Vorher wäre es mir egal gewesen, da sie mich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erkannt hätte. Leider wird das wohl auch Auswirkungen auf meine CD-Aktivitäten haben, zumindest in meiner Heimatstadt.
Diesmal zur Abwechslung mal etwas weniger tolles:Kerstin hat geschrieben:Vielen Dank für deine tollen Berichte
30.7.2014
Heute war kein Andrea-Tag, aber doch ein besonderes Ereignis, das nicht unerwähnt bleiben sollte: Ich habe mich bei meiner Exfrau geoutet. Das hatte sich meine Tochter gewünscht, um die Gefahr zu beseitigen, sich mal zu verplappern. Ein wenig Bauchschmerzen hatte ich schon vor dieser Aktion und war deshalb froh, dass meine Tochter und eine Bekannte, die im Streit mit meiner Exfrau schon oft vermittelt hatte, mir Beistand leisteten.
Die Reaktion hätte kaum heftiger ausfallen können. Unmengen an Schimpfwörtern flogen mir entgegen. Meine Exfrau redete sich so in Rage, dass wir zu dritt alle Mühe hatten, sie einigermaßen zu beruhigen. Viel hatte nicht gefehlt und Porzellan oder etwas Ähnliches wäre nicht nur symbolisch zerschlagen worden. Die gemeinsame Tochter sollte gleich mitkommen, weil sie ja nicht bei "so einem" bleiben könne, aber diese lehnte ab.
Auch 2 Wochen nach dem Outing bin ich für meine Exfrau wohl immer noch ein perverses Sch., ein Lügner, Betrüger und was weiß ich noch alles. Diese Neuigkeit wurde dann auch im Bekanntenkreis "breitgestreut". Diejenigen, die mich daraufhin anriefen, hatten mit meinem Anderssein aber kein Problem und wunderten sich nur, warum meine Exfrau so ein Drama daraus macht.
Problematisch für mich ist jetzt weniger die Tatsache, dass nun mehr Leute von Andrea wissen als mir lieb ist, sondern dass ein seit Jahren ungelöster Konflikt im Zusammenhang der Scheidung jetzt noch an Schärfe gewonnen hat. Eine andere Konsequenz aus dem missglückten Outing: In dieser Situation möchte ich meiner Exfrau auf keinen Fall auf der Straße als Andrea begegnen. Vorher wäre es mir egal gewesen, da sie mich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erkannt hätte. Leider wird das wohl auch Auswirkungen auf meine CD-Aktivitäten haben, zumindest in meiner Heimatstadt.
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Liebe Andrea,
schade - aber da sie "Ex" ist, sollte sie Dich doch in Frieden und glücklich als Andrea leben lassen!
Sie hat bestimmt keinen Grund, Gift und Galle zu spucken.
Es wäre ihr und euch zu wünschen, dass die Konflikte aufgearbeitet werden können, ohne dass Du, liebe Andrea, darunter leidest.
Herzliche Grüße aus dem stürmischen Norden
Anne-Mette
schade - aber da sie "Ex" ist, sollte sie Dich doch in Frieden und glücklich als Andrea leben lassen!
Sie hat bestimmt keinen Grund, Gift und Galle zu spucken.
Es wäre ihr und euch zu wünschen, dass die Konflikte aufgearbeitet werden können, ohne dass Du, liebe Andrea, darunter leidest.
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Hallo Andrea,
es tut mir sehr leid für dich, dass du so etwas erleben musstest. Es ist bestimmt besonders schlimm in einem Moment des
Sich-öffnens und noch dazu bei einem Menschen mit dem du wahrscheinlich einmal in Liebe verbunden warst.
Nun wirkt es bestimmt auf dich wie ein großes schlimmes Versehen, kann ich mir vorstellen.
Aber vielleicht weißt du das schon lange, aber dachtest nichtsdestotrotz an das Gute im (in diesem) Menschen und an deine Tochter,
deren Wunsch es wahr, dich zu offenbaren.
Ich denke, du warst sehr enttäuscht und verletzt. Ich hoffe aber, du kannst das wegstecken und lässt dich nicht unterkriegen.
Ich wünsch dir auf deinem Weg weiterhin Mut und viel Glück.
Liebe Grüße, Dita
es tut mir sehr leid für dich, dass du so etwas erleben musstest. Es ist bestimmt besonders schlimm in einem Moment des
Sich-öffnens und noch dazu bei einem Menschen mit dem du wahrscheinlich einmal in Liebe verbunden warst.
Nun wirkt es bestimmt auf dich wie ein großes schlimmes Versehen, kann ich mir vorstellen.
Aber vielleicht weißt du das schon lange, aber dachtest nichtsdestotrotz an das Gute im (in diesem) Menschen und an deine Tochter,
deren Wunsch es wahr, dich zu offenbaren.
Ich denke, du warst sehr enttäuscht und verletzt. Ich hoffe aber, du kannst das wegstecken und lässt dich nicht unterkriegen.
Ich wünsch dir auf deinem Weg weiterhin Mut und viel Glück.
Liebe Grüße, Dita
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Mensch Andrea
Ich knuddel dich jedenfalls ganz lieb.
Das ist von übel könnte aber emenz wichtig werden.
Liebe Grüße
Kerstin
Das ging aber richtig in die Hose. Bleibt zu hoffen das deine Tochter weiter zu dir hält.Andrea aus Sachsen hat geschrieben:.
...
30.7.2014
....
Die Reaktion hätte kaum heftiger ausfallen können. Unmengen an Schimpfwörtern flogen mir entgegen. Meine Exfrau redete sich so in Rage, dass wir zu dritt alle Mühe hatten, sie einigermaßen zu beruhigen. ...
Ich knuddel dich jedenfalls ganz lieb.
Das sollte dir aber jetzt wirklich egal sein. Die Sache ist eh schon Bach ab - da kann eigentlich nichts mehr nach kommen.... Eine andere Konsequenz aus dem missglückten Outing: In dieser Situation möchte ich meiner Exfrau auf keinen Fall auf der Straße als Andrea begegnen. .....
Einen Rat möchte ich aber doch geben im Zusammenhang mit dem oben zitierten Satz. Bespreche dich mit deinem Anwalt und schenke im Reinen Wein ein.sondern dass ein seit Jahren ungelöster Konflikt im Zusammenhang der Scheidung jetzt noch an Schärfe gewonnen hat.
Das ist von übel könnte aber emenz wichtig werden.
Sie hat einen Grund und dieser lautet schlicht weg und einfach - Bösartigkeit. Und das einzige was hier hilft ist ganz herzhaft mit allem Anstand eine zwischen die Hörner.Anne-Mette hat geschrieben:......
Sie hat bestimmt keinen Grund, Gift und Galle zu spucken.
.....
Liebe Grüße
Kerstin
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
.
Danke erst mal für die "Beileidsbekundungen"! So kann es eben leider auch ausgehen!
Klar, eigentlich sollte es bei der "Ex" egal sein, wenn es da nicht möglicherweise noch gerichtliche Auseinandersetzungen zu den ungelösten Problemen gäbe. Inwiefern da jetzt meine Trans*-Geschichte mit zur Sprache kommt, bleibt abzuwarten. Ich sehe das relativ gelassen, wenn es denn überhaupt mal zu einer vernünftigen Lösung käme. Meine Anwältin ist jedenfalls beauftragt, das ganze endlich mal ins Rollen zu bringen und weiß auch von meiner weiblichen Seite.
Im Nachhinein sehe ich es so für mich als die richtige Entscheidung an, mich zu Ehezeiten nicht zu outen, abgesehen davon, dass ich so etwas nie in Erwägung gezogen hatte, da ich damals keinerlei Vorteil darin sah. Die erlebte Reaktion, insbesondere das Weitererzählen der Sache zu Zeiten, als ich noch nicht dazu stehen konnte - mir graust es bei der Vorstellung, wie das Ganze ausgegangen wäre, wenn meine Exfrau irgendwann mal meine Sachen gefunden hätte.
Danke erst mal für die "Beileidsbekundungen"! So kann es eben leider auch ausgehen!
Klar, eigentlich sollte es bei der "Ex" egal sein, wenn es da nicht möglicherweise noch gerichtliche Auseinandersetzungen zu den ungelösten Problemen gäbe. Inwiefern da jetzt meine Trans*-Geschichte mit zur Sprache kommt, bleibt abzuwarten. Ich sehe das relativ gelassen, wenn es denn überhaupt mal zu einer vernünftigen Lösung käme. Meine Anwältin ist jedenfalls beauftragt, das ganze endlich mal ins Rollen zu bringen und weiß auch von meiner weiblichen Seite.
Im Nachhinein sehe ich es so für mich als die richtige Entscheidung an, mich zu Ehezeiten nicht zu outen, abgesehen davon, dass ich so etwas nie in Erwägung gezogen hatte, da ich damals keinerlei Vorteil darin sah. Die erlebte Reaktion, insbesondere das Weitererzählen der Sache zu Zeiten, als ich noch nicht dazu stehen konnte - mir graust es bei der Vorstellung, wie das Ganze ausgegangen wäre, wenn meine Exfrau irgendwann mal meine Sachen gefunden hätte.
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Re: Andrea — meine Erlebnisse
Hallo Andrea!
Gerade habe ich Deinen weniger schönen Bericht gelesen. Er zeigt leider die negativen Auswirkungen Deines Outings. Wenn ich aber zwischen den Zeilen lese, was wir im Osten noch von DDR-Zeiten kennen, glaube ich, Deine Ex sucht nur ein Mittel im Kampf um Eure gemeinsame Tochter.
Mit Deinem Outing hast Du ihr das Instrument gegeben, ihre Ziele zu erreichen. Ich kann für Dich nur hoffen, die Gerichte erkennen das Wahre Gesicht Deiner EX. Und da Deine Tochter weiter zu Dir steht sehe ich für Dich guter Erfolgsaussichten. Möge es der Richter ebenso sehen.
LG Magdalena
Gerade habe ich Deinen weniger schönen Bericht gelesen. Er zeigt leider die negativen Auswirkungen Deines Outings. Wenn ich aber zwischen den Zeilen lese, was wir im Osten noch von DDR-Zeiten kennen, glaube ich, Deine Ex sucht nur ein Mittel im Kampf um Eure gemeinsame Tochter.
Mit Deinem Outing hast Du ihr das Instrument gegeben, ihre Ziele zu erreichen. Ich kann für Dich nur hoffen, die Gerichte erkennen das Wahre Gesicht Deiner EX. Und da Deine Tochter weiter zu Dir steht sehe ich für Dich guter Erfolgsaussichten. Möge es der Richter ebenso sehen.
LG Magdalena
Lebe jeden Tag.