Hi Kerstin,
So einfach ist das nicht.
Warum nicht ?
ich schieb: ..... Letzlich muss ich mir die Frage stellen, was will ich eigentlich.
Für mich heist das damenhaft chic was Kleidung angeht, ansonsten möglichst normal und unauffällig.
Das heist für mich das ich viele Verhaltensmuster die hier im Forum als besonders Weiblich genannt werden unterlasse.
Heißt das, dass TG für Dich nur das Tragen von weiblicher Kleidung, also nur Äußerlichkeiten, bedeutet ?
Das ist extrem konfortabel, deine Partnerin kann nämlich auch deine beste Lehrein sein, sofern ihr beide bereit dazu seit.
Das ist sie. Aber nicht in Kleidungsfragen, sondern weil ich in ihr jemanden habe, dem ich klar beschreiben muss, was mit mir los ist. Unter TG ist leicht gejammert, aber mit einer Partnerin das Thema zu diskutieren, ist eine ganz andere Kategorie.
Zum einen wirst du identifiziert ab dem Zeitpunkt ab dem du dich einer anderen Person gegen über alsTG outest.
Wie man mich identifiziert ist eine Sache, wie ich mich definiere eine andere. Die Perspektive ist unterschiedlich. Es geht mir zuerst darum, dass ich alleine aus meiner Perspektive eine Entwicklungsmöglichkeit suche. Am Anfang stand der Wunsch, auch äußerlich wie eine Frau zu sein, dann habe ich mir herausgesucht, wie sich das ausdrückt. Durch Imitation dieser Punkte entstand automatisch eine Übertreibung des "weiblichen" Verhaltens. Das ist die affektierte Phase. Mir gefällt das aber nicht und ich suche im nächsten Schritt immer mehr "meinen" Stil zu leben. Das betrifft Kleidung und Habitus. Ich erkenne immer mehr, dass ich mein "normales" Verhalten en femme gar nicht so sehr ändern muss. Ich werde authentischer im Ausdruck. All das hat zunächst nichts mit der Sicht anderer auf mich zu tun, auch wenn sie einen Einfluss auf meine Entwicklung hat.
Zum anderen geht es - zu mindest mir - nicht um Selbstdarstellung. Es geht mir ums "sein".
Das ist für mich kein Widerspruch. In der Selbstdarstellung drücke ich mich auch für Andere erkennbar aus. Ich "spiele" nicht die Frau. Das wird von außen betrachtet, besonders beim affektierten Verhalten, leicht verwechselt. Das ist für mich nur eine Entwicklungsstation.
So gern ich deine Einstullung lobe so klar bin ich mir aber darüber das es nicht funktioniert. Und da mache ich keinen Unterschied zwischen der Homo-Trans-Gender-usw Lobby und den Antis.
Ebenso klar bin ich mir darüber das auch mein Auftreten in der Öffentlichkeit die Meinung der selben über uns mit beeinflusst. Das kann mir nun völlig egal sein, oder ich bin bereit mich gewissen Regeln zu unterwerfen.
Und das kann eben bedeuten, das TG's die in minimalst Bekleidung unterwegs sind als "schlechte Karikatur männlicher Wichsfantasien" beurteilt werden und deshalb Ablehnung erfahren.
Wenn Du denkst, dass es nicht funktioniert, wird es nicht funktionieren. Denn dann wirst Du Deinen Fokus auf die Situationen werfen, in denen es nicht funktioniert. Ich bin weit davon entfernt zu glauben, dass echte Antis zu überzeugen wären. Aber darum geht es mir nicht. Es geht mir eher um die Menschen, die bereit sind, ihre Sichtweisen zu öffnen. Ich bin so optimistisch, dass ich glaube, dass es viele sind. Mir ist klar geworden, dass der Widerspruch nicht in mir liegt. Ich bin gerne als Mann bzw. Frau unterwegs, wenn mir danach ist. Der Widerspruch liegt in den Köpfen der Menschen, die mich sehen. Nach gängiger, nicht reflektierter Meinung gibt es eben nur Mann oder Frau. Eine Frau, die als Mann erkennbar ist, muss natürlich irritieren, egal wie sie auftritt. Auflösen kann diesen Widerspruch nur die Person, die ihn empfindet.
Ich habe Trannys früher auch oft als widersprüchlich empfunden. Der Widerspruch löst sich auf, wenn ich nicht versuche den Mann zu sehen, sondern eine Frau, die in einigen Punkten vielleicht etwas anders ist. Das ist der Punkt, den Tintenherz am Anfang ansprach. Sie sucht ihre 4 Punkte, um zu sehen, welches Geschlecht sich hinter den Kleidern verbirgt. Es ist ein Automatismus, aber warum ist das wichtig ? Was könnte passieren, wenn Tintenherz das bewusst nicht mehr machen würde, sondern einfach nur akzeptieren, das vor ihr eine Frau steht, die einfach nur zeigt, wer sie sein will. Der Umgang mit einem Tranny wäre auf einmal viel einfacher. Sie müsste sich keine Gedanken um das Geschlecht machen.
Ich bin überzeugt, dass genau an dieser Stelle für unsere Partnerinnen das entscheidende Problem sitzt. Sie wollen einen Mann als Partner und sehen in dieser Person immer den Mann. Wenn sich dieser als Frau präsentiert, ist der Widerspruch da.Es gibt nur zwei Methoden, diesen Widerspruch aufzulösen. Er kehrt zum "Mannsein" zurück oder sie akzeptiert, dass er in diesem Augenblick eine sie ist.
Wir müssen an vielen Stellen mit Widersprüchen leben. Aber wenn uns klar ist, dass wir es meistens selber in der Hand haben, diese aufzulösen, habe ich schon viel erreicht. Ich sage nicht, dass das einfach ist und die Gefahr ist groß, dass ich sage, dass sie "nur" ihre Einstellung ändern muss. Das ist kontraproduktiv, da ich damit eine Regel aufstelle, die sie bevormundet. Das kann sie nicht akzeptieren. Die Art und Weise, wie man kommuniziert, ist entscheidend.
Was mein Auftreten in der Öffentlichkeit betrifft, ist es in der Tat egal, was sie über mich denkt. Das ist aber kein Freibrief für mich zu tun, was ich will. Es ist eine Stilfrage, wie ich mich sehe. Wenn ich in die Oper gehe, ziehe ich mich fein an, um das besondere Ereignis zu würdigen, nicht weil es eine Regel ist. Das ist ein Unterschied für mich. Das gleiche gilt für jede andere Situation.
A propos Wichsvorlage: Wenn jemand mein Auftreten dazu animiert, sich selber gute Gefühle zu machen, wünsche ich viel Spaß. Es ehrt mich, denn ich komme ja an. Auch diese Situation kann man von verschiedenen Seiten betrachten. Wem geht es besser damit, dem, der sich darüber aufregt, oder dem, der das gelassen, ja sogar positiv sehen kann ?