Der Stein rollt - # 2
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Bianca D.
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Re: Der Stein rollt
Moin Anke,
danke für deine Erläuterungen.
LG Bianca
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Anke
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Re: Der Stein rollt
Hallo,
Weihnachten und Neujahr sind vorüber und das neue Jahr wird für mich sicherlich sehr spannend werden. Seit meinem letzten Post ist auch wieder einiges passiert.
Das Outing bei dem befreundeten Paar lief wie erwartet positiv und problemlos. Besonders schön fand ich, das beide auch gleich meine Frau gefragt haben, wie es ihr damit geht. Interessant zu beobachten war, dass unsere Freundin mit allem sehr ruhig und abgeklärt umging, während ihr Mann das erst einmal sichtlich durcheinander gebracht hat. Als wir uns dann ein paar Tage später noch einmal getroffen haben, hatte er es recht gut verdaut. Er vertraute mir dann auch an, dass ihn das sehr beschäftigt habe. Bei diesem Treffen war ich dann auch in der Frauenrolle. Beide sind damit sehr selbstverständlich umgegangen. Überraschend für mich war dann, dass er mit mir ein wenig geflirtet und mir das eine oder andere Kompliment gemacht hat. Und ich muss gestehen, dass das bei mir auch Wirkung gezeigt hat. Ihn sehe ich jetzt auch mit ganz anderen Augen. Das hätte ich so auf keinen Fall erwartet.
Vorgestern fand dann das erste Outing bei unseren Nachbarn statt. Wir leben in einem sehr kleinen Ortsteil, in dem man sich gut kennt und vor allem im Sommer oft Kontakt miteinander hat. Zu dem Nachbarspaar, dass wir an diesem Tag eingeladen hatten, habe ich über die Musik einen besonders guten Draht. Er ist Schlagzeuger und er hat schon mal in unserer Band ausgeholfen.
Auch bei diesem Gespräch lief alles positiv und problemlos. Und das Schema von dem oben beschriebenen Gespräch wiederholte sich. Sie nahm es ruhig, wurde schnell pragmatisch und wir haben sehr schnell über Möglichkeiten gesprochen, Mode günstig einzukaufen. Er dagegen war wie vor den Kopf geschlagen und brauchte eine ganze Weile, damit klar zu kommen. Beide sagten mir dann auch gleich Unterstützung zu, die auch wirklich ernst gemeint war. Beide fragten meine Frau, wie es ihr damit geht. Ich bin sehr gespannt, wie er reagiert, wenn er mich zum ersten Mal als Frau erlebt.
Gestern gab es dann das Gespräch bei unserem Bereichsleiter. Da wir auch gleich über praktische Themen sprechen wollten, haben mein Chef und ich dann auch die Bereichssekretärin dazu gebeten. Auch hier wieder das gleich Bild. Das Gespräch verlief außerordentlich positiv. Die Sekretärin reagierte gelassen und souverän, der Bereichsleiter, mit dem wir uns alle duzen, war erst einmal durch den Wind. Auch hier die sofortige Zusage, dass sie mich unterstützen. Es wurden viele Fragen gestellt und wir haben das weitere Vorgehen schon mal grob vor besprochen.
Das weitere Vorgehen sieht so aus, dass wir Ende Februar/Anfang März unseren Bereichs Kickoff haben und ich mich bei der Gelegenheit mit der Unterstützung meiner Chefs oute. Für die Projektteams, die ich leite und in denen viele Kollegen aus anderen Bereichen arbeiten werden wir Telefonkonferenzen ansetzen und auch dabei werden meine Chefs zur Unterstützung dabei sein. Alle weiteren Kontakte werden wir per E-Mail informieren. Zur Vorbereitung wird sich unsere Sekretärin um einen neuen Mitarbeiterausweis sowie eine neue E-Mail Adresse für mich kümmern und mich bei allen anderen aufkommenden organisatorischen Problemen unterstützen.
Nachdem sich unser Bereichsleiter gefangen hatte, geschahen zwei sehr schöne Dinge. Zum einen hatte er gerade eine Flasche Prosecco geschenkt bekommen und meinte, dass das doch ein gute Anlass wäre, die Flasche zu öffnen, was wir dann auch getan haben. Zum anderen meinte er, er müsste mich jetzt einfach mal umarmen und drücken, was er dann auch gleich in die Tat umgesetzt hat. Ich bin immer noch ganz berührt von diesen beiden Gesten.
Als ich dann heute morgen immer noch voll von Glücksgefühlen von den schrecklichen Erlebnissen von Vivian gelesen habe, da ist mir wieder bewusst geworden, welch großes Glück ich bisher gehabt habe. Ich kann nur hoffen, dass Vivian und allen anderen das Glück bald ebenso hold ist, wie mir.
Der nächste Schritt, den ich angestoßen habe, ist der Wechsel in ein neues Fitnessstudio. Mit dem bisherigen war ich nicht mehr zufrieden. Außerdem wollte ich in der neuen Rolle in einem Studio trainieren, dass sein Angebot ausschließlich auf Frauen ausrichtet. Dazu habe ich dann mal ein erstes Gespräch mit der Studioleiterin geführt. Die war dann auch erst einmal ein wenig verunsichert, hat dann aber auch recht schnell verstanden, was mich bewegt hat. Sie hat zwei Probleme gesehen, von denen ich nur das erste erwartet hatte: Wo ziehe ich mich um? Da es dort wie in den meisten Studios eine große Umkleide gibt, ist die Möglichkeit mich dort umzuziehen für mich erst einmal weggefallen. Sie hat mir dann die Nutzung eines Nebenraums angeboten, meine Tasche kann ich entweder mit auf die Trainingsfläche nehmen oder am Counter deponieren. das hatte ich mir im Vorfeld schon selbst gedacht und kann das alles auch gut nachvollziehen.
Überrascht hat mich dann der zweite Punkt. Sie führte aus, dass in ihrem Studio sehr viele Muslima trainieren würden und sie sich sehr unsicher war, wie die auf mich reagieren würden. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet und es hat bei mir sehr widersprüchliche Gedanken und Gefühle erzeugt. Zum einen kann ich die Studioleiterin verstehen, dass sie ihr Geschäft nicht gefährden möchte. Wenn das eine signifikante Zahl ist, kann das für so ein Studio schon bedrohlich sein. Die Konkurrenz ist groß und das Geschäft ist hart. Auf der anderen Seite kam in mir Ärger hoch, weil ich nicht so recht einsehen möchte, dass ich mich hier den Regeln einer für mich fremden Religion beugen soll. Bei allem Verständnis für unsere muslimischen Mitmenschen tue ich mich sehr schwer, das zu akzeptieren. Und spätestens wenn meine VÄ/PÄ durch ist, ist die Sache auch rein rechtlich klar.
Ich bin auch in der Sache selbst mit mir im Zwiespalt. Auf der einen Seite halte ich es für wichtig, dass unsere Gesellschaft offen ist, auch im Hinblick auf die Religion. Toleranz und Akzeptanz sollten nicht nur leere Worte sein. Auf der anderen Seite steht natürlich auch die Toleranz und Akzeptanz für Menschen wie mich. Und da ich persönlich betroffen bin, kann ich natürlich nicht von außen neutral draufschauen.
Wir sind jetzt so verblieben, dass sie das Thema noch einmal mit ihrem Chef bespricht und wir ggf. erst einmal einen Vertrag für ein paar Monate zur Probe machen. Jetzt warte ich auf ihren Rückruf und bin sehr gespannt.
Morgen und übermorgen geht es mit dem Outing bei meinen Nachbarn weiter. Die Nachbarn, mit denen ich den meisten Kontakt habe, habe ich zu Kaffee und Kuchen eingeladen, um ihnen die Neuigkeiten zu offenbaren. Schwierigkeiten erwarte ich dabei keine bzw. nur wenig. Alle übrigen werde ich mit einem Brief über die stattfindende Veränderung informieren. Dabei lade ich die angeschriebenen ausdrücklich ein, mich bei Fragen oder Unklarheiten am besten direkt anzusprechen. Hier bin ich wirklich gespannt, welche Reaktionen sich zeigen. Bei einigen kann ich es in etwa einschätzen, bei anderen bin ich mir sehr unsicher.
Alles in allem war das bisher für mich ein guter Start ins neue Jahr. Bleibt zu hoffen, dass es so bleibt. Ich werde weiter berichten.
Liebe Grüße
Anke
Weihnachten und Neujahr sind vorüber und das neue Jahr wird für mich sicherlich sehr spannend werden. Seit meinem letzten Post ist auch wieder einiges passiert.
Das Outing bei dem befreundeten Paar lief wie erwartet positiv und problemlos. Besonders schön fand ich, das beide auch gleich meine Frau gefragt haben, wie es ihr damit geht. Interessant zu beobachten war, dass unsere Freundin mit allem sehr ruhig und abgeklärt umging, während ihr Mann das erst einmal sichtlich durcheinander gebracht hat. Als wir uns dann ein paar Tage später noch einmal getroffen haben, hatte er es recht gut verdaut. Er vertraute mir dann auch an, dass ihn das sehr beschäftigt habe. Bei diesem Treffen war ich dann auch in der Frauenrolle. Beide sind damit sehr selbstverständlich umgegangen. Überraschend für mich war dann, dass er mit mir ein wenig geflirtet und mir das eine oder andere Kompliment gemacht hat. Und ich muss gestehen, dass das bei mir auch Wirkung gezeigt hat. Ihn sehe ich jetzt auch mit ganz anderen Augen. Das hätte ich so auf keinen Fall erwartet.
Vorgestern fand dann das erste Outing bei unseren Nachbarn statt. Wir leben in einem sehr kleinen Ortsteil, in dem man sich gut kennt und vor allem im Sommer oft Kontakt miteinander hat. Zu dem Nachbarspaar, dass wir an diesem Tag eingeladen hatten, habe ich über die Musik einen besonders guten Draht. Er ist Schlagzeuger und er hat schon mal in unserer Band ausgeholfen.
Auch bei diesem Gespräch lief alles positiv und problemlos. Und das Schema von dem oben beschriebenen Gespräch wiederholte sich. Sie nahm es ruhig, wurde schnell pragmatisch und wir haben sehr schnell über Möglichkeiten gesprochen, Mode günstig einzukaufen. Er dagegen war wie vor den Kopf geschlagen und brauchte eine ganze Weile, damit klar zu kommen. Beide sagten mir dann auch gleich Unterstützung zu, die auch wirklich ernst gemeint war. Beide fragten meine Frau, wie es ihr damit geht. Ich bin sehr gespannt, wie er reagiert, wenn er mich zum ersten Mal als Frau erlebt.
Gestern gab es dann das Gespräch bei unserem Bereichsleiter. Da wir auch gleich über praktische Themen sprechen wollten, haben mein Chef und ich dann auch die Bereichssekretärin dazu gebeten. Auch hier wieder das gleich Bild. Das Gespräch verlief außerordentlich positiv. Die Sekretärin reagierte gelassen und souverän, der Bereichsleiter, mit dem wir uns alle duzen, war erst einmal durch den Wind. Auch hier die sofortige Zusage, dass sie mich unterstützen. Es wurden viele Fragen gestellt und wir haben das weitere Vorgehen schon mal grob vor besprochen.
Das weitere Vorgehen sieht so aus, dass wir Ende Februar/Anfang März unseren Bereichs Kickoff haben und ich mich bei der Gelegenheit mit der Unterstützung meiner Chefs oute. Für die Projektteams, die ich leite und in denen viele Kollegen aus anderen Bereichen arbeiten werden wir Telefonkonferenzen ansetzen und auch dabei werden meine Chefs zur Unterstützung dabei sein. Alle weiteren Kontakte werden wir per E-Mail informieren. Zur Vorbereitung wird sich unsere Sekretärin um einen neuen Mitarbeiterausweis sowie eine neue E-Mail Adresse für mich kümmern und mich bei allen anderen aufkommenden organisatorischen Problemen unterstützen.
Nachdem sich unser Bereichsleiter gefangen hatte, geschahen zwei sehr schöne Dinge. Zum einen hatte er gerade eine Flasche Prosecco geschenkt bekommen und meinte, dass das doch ein gute Anlass wäre, die Flasche zu öffnen, was wir dann auch getan haben. Zum anderen meinte er, er müsste mich jetzt einfach mal umarmen und drücken, was er dann auch gleich in die Tat umgesetzt hat. Ich bin immer noch ganz berührt von diesen beiden Gesten.
Als ich dann heute morgen immer noch voll von Glücksgefühlen von den schrecklichen Erlebnissen von Vivian gelesen habe, da ist mir wieder bewusst geworden, welch großes Glück ich bisher gehabt habe. Ich kann nur hoffen, dass Vivian und allen anderen das Glück bald ebenso hold ist, wie mir.
Der nächste Schritt, den ich angestoßen habe, ist der Wechsel in ein neues Fitnessstudio. Mit dem bisherigen war ich nicht mehr zufrieden. Außerdem wollte ich in der neuen Rolle in einem Studio trainieren, dass sein Angebot ausschließlich auf Frauen ausrichtet. Dazu habe ich dann mal ein erstes Gespräch mit der Studioleiterin geführt. Die war dann auch erst einmal ein wenig verunsichert, hat dann aber auch recht schnell verstanden, was mich bewegt hat. Sie hat zwei Probleme gesehen, von denen ich nur das erste erwartet hatte: Wo ziehe ich mich um? Da es dort wie in den meisten Studios eine große Umkleide gibt, ist die Möglichkeit mich dort umzuziehen für mich erst einmal weggefallen. Sie hat mir dann die Nutzung eines Nebenraums angeboten, meine Tasche kann ich entweder mit auf die Trainingsfläche nehmen oder am Counter deponieren. das hatte ich mir im Vorfeld schon selbst gedacht und kann das alles auch gut nachvollziehen.
Überrascht hat mich dann der zweite Punkt. Sie führte aus, dass in ihrem Studio sehr viele Muslima trainieren würden und sie sich sehr unsicher war, wie die auf mich reagieren würden. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet und es hat bei mir sehr widersprüchliche Gedanken und Gefühle erzeugt. Zum einen kann ich die Studioleiterin verstehen, dass sie ihr Geschäft nicht gefährden möchte. Wenn das eine signifikante Zahl ist, kann das für so ein Studio schon bedrohlich sein. Die Konkurrenz ist groß und das Geschäft ist hart. Auf der anderen Seite kam in mir Ärger hoch, weil ich nicht so recht einsehen möchte, dass ich mich hier den Regeln einer für mich fremden Religion beugen soll. Bei allem Verständnis für unsere muslimischen Mitmenschen tue ich mich sehr schwer, das zu akzeptieren. Und spätestens wenn meine VÄ/PÄ durch ist, ist die Sache auch rein rechtlich klar.
Ich bin auch in der Sache selbst mit mir im Zwiespalt. Auf der einen Seite halte ich es für wichtig, dass unsere Gesellschaft offen ist, auch im Hinblick auf die Religion. Toleranz und Akzeptanz sollten nicht nur leere Worte sein. Auf der anderen Seite steht natürlich auch die Toleranz und Akzeptanz für Menschen wie mich. Und da ich persönlich betroffen bin, kann ich natürlich nicht von außen neutral draufschauen.
Wir sind jetzt so verblieben, dass sie das Thema noch einmal mit ihrem Chef bespricht und wir ggf. erst einmal einen Vertrag für ein paar Monate zur Probe machen. Jetzt warte ich auf ihren Rückruf und bin sehr gespannt.
Morgen und übermorgen geht es mit dem Outing bei meinen Nachbarn weiter. Die Nachbarn, mit denen ich den meisten Kontakt habe, habe ich zu Kaffee und Kuchen eingeladen, um ihnen die Neuigkeiten zu offenbaren. Schwierigkeiten erwarte ich dabei keine bzw. nur wenig. Alle übrigen werde ich mit einem Brief über die stattfindende Veränderung informieren. Dabei lade ich die angeschriebenen ausdrücklich ein, mich bei Fragen oder Unklarheiten am besten direkt anzusprechen. Hier bin ich wirklich gespannt, welche Reaktionen sich zeigen. Bei einigen kann ich es in etwa einschätzen, bei anderen bin ich mir sehr unsicher.
Alles in allem war das bisher für mich ein guter Start ins neue Jahr. Bleibt zu hoffen, dass es so bleibt. Ich werde weiter berichten.
Liebe Grüße
Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.
Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)
https://www.transcuisine.com
Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCQc7XaiWBuzchBQTnGRv80g
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Bianca D.
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Re: Der Stein rollt
Moin Anke,
das liest sich ja sehr positiv! Hoffentlich kommt das dicke Ende nicht auch bei dir irgendwann...Aber was du bisher so schilderst von deinem Chef,sieht gut aus!
Deine Outings bestätigen wieder mal das,was ich auch so erlebt habe: Die Frauen sind da sehr schnell mit fertig,während die Männer da länger dran kauen.
Die Sache mit dem Fitnessstudio ist natürlich ärgerlich,aber...
das ist aber auch dein Vorteil! Wenn die sich nicht bewegen können wollen,dann eben ein anderes Studio.
LG Bianca
das liest sich ja sehr positiv! Hoffentlich kommt das dicke Ende nicht auch bei dir irgendwann...Aber was du bisher so schilderst von deinem Chef,sieht gut aus!
Deine Outings bestätigen wieder mal das,was ich auch so erlebt habe: Die Frauen sind da sehr schnell mit fertig,während die Männer da länger dran kauen.
Die Sache mit dem Fitnessstudio ist natürlich ärgerlich,aber...
Anke hat geschrieben:Die Konkurrenz ist groß und das Geschäft ist hart.
das ist aber auch dein Vorteil! Wenn die sich nicht bewegen können wollen,dann eben ein anderes Studio.
LG Bianca
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Anni
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Re: Der Stein rollt
Hallo Anke
... vielleicht eine kleine Argumentationshilfe zum Thema Moslima hier in Deutschland ...
MEINE Meinung : sie , die Moslima wollen hier bei uns in Deutschland leben und mit ihrer Religion toleriert werden - soweit , so gut ...
Da das Fitnessstudio für die breite Öffentlichkeit zugänglich ist , müssen sie dann auch tolerieren , das dort Frauen trainieren , die nicht in ihr
Welt- / Glaubensschema passen
Wie sagte mein Vater immer ... " wer das Eine will , muß das Andere mögen " - ansonsten halte ich es mit Biancas Meinung und Dein Geld
ist mindestens so gut , wie das der Muslima !
LG und Wünsche für's neue Jahr
von Zähne knirschender Anni
... vielleicht eine kleine Argumentationshilfe zum Thema Moslima hier in Deutschland ...
MEINE Meinung : sie , die Moslima wollen hier bei uns in Deutschland leben und mit ihrer Religion toleriert werden - soweit , so gut ...
Da das Fitnessstudio für die breite Öffentlichkeit zugänglich ist , müssen sie dann auch tolerieren , das dort Frauen trainieren , die nicht in ihr
Welt- / Glaubensschema passen
Wie sagte mein Vater immer ... " wer das Eine will , muß das Andere mögen " - ansonsten halte ich es mit Biancas Meinung und Dein Geld
ist mindestens so gut , wie das der Muslima !
LG und Wünsche für's neue Jahr
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Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie paßten auch heute noch. George Bernard Shaw
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Marielle
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Re: Der Stein rollt
Hallo zusammen,
ist das nicht eigentlich eine Medaillie mit drei Seiten? Und wäre es wirklich gut, wenn zwei Seiten unter sich ausmachen, was die dritte zu tun oder zu lassen hat?
Es ist doch ziemlich wahrscheinlich, dass unter den muslimischen Besucherinnen eines solchen Studios mindestens ein paar sind, denen ihr eigenes Umfeld nur deswegen den Studiobesuch zugesteht, weil sie daheim sagen können, dass dort nur 'Frauen' anwesend sind. Ich fände es nicht schön, wenn denen das bischen Freiheit und Integration, das sie dadurch haben, weggenommen würde, weil es, statt um Konsens, um Forderungen und Ansprüche geht und das (berechtigte) Anliegen von Anke gegen die Falschen wirkt.
Um nicht missverstanden zu werden ganz deutlich: Ich sehe den Grund des Problems definitiv auch in den Denk- und Verhaltensmustern patriarchalischer Strukturen mit gestrigen Vorstellungen (die auch gar nicht nur durch Moslems vertreten werden) und ich wünsche mir, dass Anke dort sein kann wo SIE will. Man darf aber eines nicht übersehen: Manche der Menschen, die in diesen 'gestrigen Verhältnissen' leben, sind selbst Opfer dieser Zustände.
Das 'Ideal' wäre, wenn das Problem durch Kommunikation zwischen allen Beteiligten gelöst wird. Vielleicht können die betroffenen Frauen selbst eine Lösung aufzeigen, wenn man sie nur fragt. Vielleicht haben sie selbst gar nichts dagegen, mit Anke zusammen zu trainieren, sondern viel mehr Angst davor, dass ihnen selbst dann der Studiobesuch verwehrt würde. Vielleicht lässt sich die Studioleitung auch bei ihrer 'liberalen Ehre' packen, anstatt am Umsatz. Das für so einen Weg eine ganze Menge Engagement erforderlich ist, ist absolut klar, aber sollte es den Versuch nicht wert sein?
Wenn es am Ende ein paar Frauen (Menschen) gibt, die sich von (be-)herrschenden Konventionen ein kleines Stück emanzipieren konnten und mit Anke zusammen schwitzen, wäre das jedenfalls viel mehr Wert, als wenn vernagelten Patriarchen ein Argument gegeben würde, um ihre Frauen und Töchter vom gesellschaftlichen Leben fernzuhalten.
Noch ist in der Sache nichts eskaliert und ich finde Ankes offenes Nachdenken darüber wirklich klasse. Integration und Gemeinsamkeit sind allemal besser, als 'Forderung' und 'Verdrängungswettbewerb', zumal die Position der 'dritten Seite' bisher ja nur vermutet wird.
Habt es gut
Marielle
ist das nicht eigentlich eine Medaillie mit drei Seiten? Und wäre es wirklich gut, wenn zwei Seiten unter sich ausmachen, was die dritte zu tun oder zu lassen hat?
Es ist doch ziemlich wahrscheinlich, dass unter den muslimischen Besucherinnen eines solchen Studios mindestens ein paar sind, denen ihr eigenes Umfeld nur deswegen den Studiobesuch zugesteht, weil sie daheim sagen können, dass dort nur 'Frauen' anwesend sind. Ich fände es nicht schön, wenn denen das bischen Freiheit und Integration, das sie dadurch haben, weggenommen würde, weil es, statt um Konsens, um Forderungen und Ansprüche geht und das (berechtigte) Anliegen von Anke gegen die Falschen wirkt.
Um nicht missverstanden zu werden ganz deutlich: Ich sehe den Grund des Problems definitiv auch in den Denk- und Verhaltensmustern patriarchalischer Strukturen mit gestrigen Vorstellungen (die auch gar nicht nur durch Moslems vertreten werden) und ich wünsche mir, dass Anke dort sein kann wo SIE will. Man darf aber eines nicht übersehen: Manche der Menschen, die in diesen 'gestrigen Verhältnissen' leben, sind selbst Opfer dieser Zustände.
Das 'Ideal' wäre, wenn das Problem durch Kommunikation zwischen allen Beteiligten gelöst wird. Vielleicht können die betroffenen Frauen selbst eine Lösung aufzeigen, wenn man sie nur fragt. Vielleicht haben sie selbst gar nichts dagegen, mit Anke zusammen zu trainieren, sondern viel mehr Angst davor, dass ihnen selbst dann der Studiobesuch verwehrt würde. Vielleicht lässt sich die Studioleitung auch bei ihrer 'liberalen Ehre' packen, anstatt am Umsatz. Das für so einen Weg eine ganze Menge Engagement erforderlich ist, ist absolut klar, aber sollte es den Versuch nicht wert sein?
Wenn es am Ende ein paar Frauen (Menschen) gibt, die sich von (be-)herrschenden Konventionen ein kleines Stück emanzipieren konnten und mit Anke zusammen schwitzen, wäre das jedenfalls viel mehr Wert, als wenn vernagelten Patriarchen ein Argument gegeben würde, um ihre Frauen und Töchter vom gesellschaftlichen Leben fernzuhalten.
Noch ist in der Sache nichts eskaliert und ich finde Ankes offenes Nachdenken darüber wirklich klasse. Integration und Gemeinsamkeit sind allemal besser, als 'Forderung' und 'Verdrängungswettbewerb', zumal die Position der 'dritten Seite' bisher ja nur vermutet wird.
Habt es gut
Marielle
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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Anni
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Re: Der Stein rollt
Hallo Marielle
... da geb'ich Dir grundsätzlich Recht - Punkt !
Ein großer Schritt in die richtige Richtung ist immer das Gespräch mit allen Beteiligten - wenn sie denn dazu bereit sind
Sooo fordernd , wollte ich DAS auch gar nicht verstanden wissen ... war wohl ein bisschen zu emotional von der Erfahrung geprägt , das sich manche
ausländische , eingebürgerte ... was auch immer ... Gruppen hier in Deutschland so benehmen , das man sich als Einheimische wie ein Asylant im eigenen Land fühlt .
Das Argument mit den patriarchischen Strukturen passt mir nicht , aber ich muß es vorerst gelten lassen . Es täte mir auch Leid , wenn es denn tatsächlich so ist , das die Frauen dort nur unter der genannten Maßgabe trainieren dürfen , allerdings heißt das im Umkehrschluss eben genau wieder , das uns zum Teil fremde Verhaltensmuster / Denkweisen auf's Auge gedrückt werden und mir drängt sich das derzeit heiß diskutierte Schlagwort " Islamisierung " auf .
Ich will hier um Himmels Willen keine Grundsatzdebatte darüber vom Zaun brechen - ich traue Anke da genug " Fingerspitzengefühl " zu und wie alle
sagen , es gäbe ja genug andere Studios , auf die sie ausweichen kann
Aber das ist ja Alles eigentlich Off-topic und ich will nicht Ankes Thread kaputt diskutieren ....
LG von frecher Anni
... da geb'ich Dir grundsätzlich Recht - Punkt !
Ein großer Schritt in die richtige Richtung ist immer das Gespräch mit allen Beteiligten - wenn sie denn dazu bereit sind
Sooo fordernd , wollte ich DAS auch gar nicht verstanden wissen ... war wohl ein bisschen zu emotional von der Erfahrung geprägt , das sich manche
ausländische , eingebürgerte ... was auch immer ... Gruppen hier in Deutschland so benehmen , das man sich als Einheimische wie ein Asylant im eigenen Land fühlt .
Das Argument mit den patriarchischen Strukturen passt mir nicht , aber ich muß es vorerst gelten lassen . Es täte mir auch Leid , wenn es denn tatsächlich so ist , das die Frauen dort nur unter der genannten Maßgabe trainieren dürfen , allerdings heißt das im Umkehrschluss eben genau wieder , das uns zum Teil fremde Verhaltensmuster / Denkweisen auf's Auge gedrückt werden und mir drängt sich das derzeit heiß diskutierte Schlagwort " Islamisierung " auf .
Ich will hier um Himmels Willen keine Grundsatzdebatte darüber vom Zaun brechen - ich traue Anke da genug " Fingerspitzengefühl " zu und wie alle
sagen , es gäbe ja genug andere Studios , auf die sie ausweichen kann
Aber das ist ja Alles eigentlich Off-topic und ich will nicht Ankes Thread kaputt diskutieren ....
LG von frecher Anni
Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie paßten auch heute noch. George Bernard Shaw
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Re: Der Stein rollt
Hallo Anke,
alles Gute und viel Erfolg!
Falls mal kleinere Rückschläge kommen, bleib ruhig, denn auch das gehört dazu!
Liebe Grüße
Andrea(ab)
alles Gute und viel Erfolg!
Falls mal kleinere Rückschläge kommen, bleib ruhig, denn auch das gehört dazu!
Liebe Grüße
Andrea(ab)
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Anke
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Re: Der Stein rollt
Hallo,
vielen Dank an alle für die guten Gedanken.
@Bianca: So werde ich auch damit umgehen, es gibt viele Alternativen.
@Anni und Marielle:
Ich gebe Anni auf jeden Fall recht, wer in unserem Land leben möchte, der sollte es erst einmal nehmen wie es ist. Und bei aller berechtigter Kritik an Politik und bestimmten gesellschaftlichen Strömungen, in unserem Land haben wir uns Werte erarbeitet, die es zu erhalten gilt.
Andererseits hat mir der Beitrag von Marielle sehr gut gefallen, die das Thema aus der Perspektive der betroffenen Muslima beleuchtet hat. So ähnlich habe ich das auch empfunden, diese Frauen sind gerade dabei sich zu emanzipieren und sich ihre Freiräume zu erkämpfen.
Nächste Woche werde ich mit dem Studio telefonieren und wenn sie sich auf einen Probevertrag einlassen, dann werde ich den Vorschlag von Marielle aufgreifen und für den Fall eventueller "Beschwerden" das Gespräch anbieten. Das ist auf jeden Fall ein guter Weg.
@Andrea: auch Dir vielen Dank! Und es wäre wirklich fast ein Wunder, wenn diese kleineren Rückschläge ausblieben. Bisher hatte ich es im wesentlichen selbst in der Hand und mein Vorgehen hat sich als richtig herausgestellt. Nun geht es aber los mit den Gutachtern und der Krankenkasse. Da kann ich selbst viel weniger einwirken und dann ist dein Ratschlag genau richtig: Ruhe bewahren!
Liebe Grüße
Anke
vielen Dank an alle für die guten Gedanken.
@Bianca: So werde ich auch damit umgehen, es gibt viele Alternativen.
@Anni und Marielle:
Ich gebe Anni auf jeden Fall recht, wer in unserem Land leben möchte, der sollte es erst einmal nehmen wie es ist. Und bei aller berechtigter Kritik an Politik und bestimmten gesellschaftlichen Strömungen, in unserem Land haben wir uns Werte erarbeitet, die es zu erhalten gilt.
Andererseits hat mir der Beitrag von Marielle sehr gut gefallen, die das Thema aus der Perspektive der betroffenen Muslima beleuchtet hat. So ähnlich habe ich das auch empfunden, diese Frauen sind gerade dabei sich zu emanzipieren und sich ihre Freiräume zu erkämpfen.
Nächste Woche werde ich mit dem Studio telefonieren und wenn sie sich auf einen Probevertrag einlassen, dann werde ich den Vorschlag von Marielle aufgreifen und für den Fall eventueller "Beschwerden" das Gespräch anbieten. Das ist auf jeden Fall ein guter Weg.
@Andrea: auch Dir vielen Dank! Und es wäre wirklich fast ein Wunder, wenn diese kleineren Rückschläge ausblieben. Bisher hatte ich es im wesentlichen selbst in der Hand und mein Vorgehen hat sich als richtig herausgestellt. Nun geht es aber los mit den Gutachtern und der Krankenkasse. Da kann ich selbst viel weniger einwirken und dann ist dein Ratschlag genau richtig: Ruhe bewahren!
Liebe Grüße
Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.
Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)
https://www.transcuisine.com
Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCQc7XaiWBuzchBQTnGRv80g
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Anke
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Re: Der Stein rollt
Hallo,
nachdem ich mich in den letzten Tagen berufsbedingt etwas rar gemacht habe, gibt es nochmalein Update von mir.
Das Outing mit den Nachbarn lief richtig gut. Bis auf eine waren die Reaktionen wirklich sehr lieb. Schön war, dass mein Outng auch zu einer Vertiefung der Kontakte geführt hat. Wir saßen auch wesentlich länger zusammen, als ich das gedacht und geplant hatte.
Ein Nachbarin hatte sichtlich Schwierigkeiten und konnte kaum damit umgehen. Allerdings ist mir dieses Verhalten auch in anderen Zusammenhängen aufgefallen, so dass ich denke, dass ihre Schwierigkeiten weniger mit mir, als mit ihr selbst zu tun haben.
Nach den Gesprächen mit den "engeren" Nachbarn habe ich dann mein Outingbriefchen an die übrigen verteilt. Bis auf eine Nachbarin gab es bisher keine Reaktion. Die eine traf ich Sonntags morgens beim Brötchenholen. Wir sprachen kurz über belangloses und ich hatte den Eindruck, dass sie mich gerne auf mein Outing angesprochen hätte. Ein paar Tage bestätigte sie diesen Eindruck mit einer Karte in der sie auch schrieb, dass sie es nicht so recht verstehen könne, mir aber trotzdem viel Glück wünschte. Ich fand das sehr nett und bei nächster Gelegenheit werde ich sie mal ansprechen.
Nächster Schritt war mein erster Termin bei der Endokrinologin. Termin bekam ich sehr kurzfristig, allersdings musste ich mich im Wartezimmer gedulden. Als ich dann aufgerufen wurde lernte ich eine sehr interessante ältere Dame kennen, die sofort das Heft in die Hand nahm und meinte sie hätte über 400 TS in der Kartei, hätte sich sehr früh dafür engagiert und wäre dafür angefeindet worden.
Sie erklärte mir dann gleich, dass sie mich von Kopf bis Fuß untersuchen müsse. Das fand auch sofort statt, ich habe jetzt nicht nur ein aktuelles EKG sondern auch ein Ultraschallbild fast sämtlicher Organe. Gefallen hat mir die Art und Weise. Für mich war nicht nur ihre Erfahrung mit TS sehr deutlich spürbar, sondern auch, dass sie wirklich daran interessiert ist zu helfen und zu unterstützen. Und ihre direkte und manchmal knorrige Art fand ich dazu noch sympathisch.
Trotzdem war ich erstmal enttäuscht als ich hörte, dass die Blutuntersuchungen 6-8 Wochen dauern würden. Das hätte ich mir schneller gewünscht und erwartet. Reflexartig wollte ich schon fragen, wie wir das beschleunigen könnten. Da ist so eine Frage die ich stelle, wenn ich in meinen Projekten auf solch ein Problem stoße. Allerdings habe ich es mir verkneifen können, es dauert eben so lange. Na ja, es gibt sicherlich geduldigere Menschen als mich.
Einen Tag später stand dann der Termin für unser Bereichsmeeting und damit auch für das große Outing in der Firma fest: 3. März. Wenn ich daran denke, dann freue ich mich sehr, bin aber auch sehr aufgeregt. Ich habe keine Zweifel, dass meine Kolleginnen und Kollegen gut reagieren werden, trotzdem gibt es da schon ein flaues Gefühl.
Das Meeting ist für zwei Tage geplant und am Ende des ersten Tages mache ich mein Outing. Dann werde ich ins Hotel gehen, mich umziehen und schminken und mich mit den anderen zur Abendveranstaltung treffen. Geplant ist, dass mein Bereichsleiter, ein weiterer Kollege und ich Musik machen. Aufgrund der Erfahrung, dass Männer mein Outing meist erst einmal verdauen müssen, werde ich mich bei unserem Mitmusiker im Vorfeld outen. Auf jeden Fall wird das bestimmt ein spannender Abend. Am nächsten Tag bin ich dann zum ersten Mal auch geschäftlich als Frau präsent.
Im Augenblick verantworte ich drei Projekte, die werden mein Chef und ich dann im Anschluss an das Meeting per Telefonkonferenz informieren. Alle übrigen Kollegen werde ich per Mail benachrichtigen. Auch hier bin ich sehr auf die Reaktionen gespannt.
Organisatorisch schaffen wir gerade die Voraussetzungen für den Wechsel, also neue E-Mailadresse oder neuer Firmenausweis. Das ist für alle Beteiligten sehr spannend, da natürlich niemand Erfahrung damit hat. Aber bisher konnten wir alles bewerkstelligen.
Gestern hatte ich einen ersten Termin bei einer Elektrologistin, die mir empfohlen wurde. Ich hatte eine Stunde eingeplant, am Ende waren es knapp zwei. Ich wurde rundum aufgeklärt und an drei Haaren probeepiliert. Weniger schlimm, als ich es mir vorgestellt hatte. Sie bat mich um detaillierte Fotos von meinem Bart und versprach mir, den Antrag für die Krankenkasse umgehend zu bearbeiten.
Morgen haben wir noch eine Freundin zum Outing eingeladen. Da sie Vegetarierin ist, ein gute Gelegenheit entsprechend zu kochen.
Nächster großer Schritt ist der erste Auftritt mit meiner Band als Frau. Wir spielen am 6. Februar bei einer Firmenfeier, die Firma kennt uns schon vom letzten Jahr. Die wichtigsten Fragen für mich: Was ziehe ich an, wie oft kann ich mich umziehen und wen beauftrage ich mit fotografieren?
Also bisher keine Rückschläge, mal abgesehen davon, dass ich mich ein wenig in Geduld üben muss. Schwierig ist derzeit vor allem der zeitliche Aufwand. Und auch wenn alles gut läuft, ich merke, wie mich das Kraft kostet und ich darauf achten muss, mir genug Ruhephasen zu gönnen. Und genau das tue ich jetzt.
Liebe Grüße
Anke
nachdem ich mich in den letzten Tagen berufsbedingt etwas rar gemacht habe, gibt es nochmalein Update von mir.
Das Outing mit den Nachbarn lief richtig gut. Bis auf eine waren die Reaktionen wirklich sehr lieb. Schön war, dass mein Outng auch zu einer Vertiefung der Kontakte geführt hat. Wir saßen auch wesentlich länger zusammen, als ich das gedacht und geplant hatte.
Ein Nachbarin hatte sichtlich Schwierigkeiten und konnte kaum damit umgehen. Allerdings ist mir dieses Verhalten auch in anderen Zusammenhängen aufgefallen, so dass ich denke, dass ihre Schwierigkeiten weniger mit mir, als mit ihr selbst zu tun haben.
Nach den Gesprächen mit den "engeren" Nachbarn habe ich dann mein Outingbriefchen an die übrigen verteilt. Bis auf eine Nachbarin gab es bisher keine Reaktion. Die eine traf ich Sonntags morgens beim Brötchenholen. Wir sprachen kurz über belangloses und ich hatte den Eindruck, dass sie mich gerne auf mein Outing angesprochen hätte. Ein paar Tage bestätigte sie diesen Eindruck mit einer Karte in der sie auch schrieb, dass sie es nicht so recht verstehen könne, mir aber trotzdem viel Glück wünschte. Ich fand das sehr nett und bei nächster Gelegenheit werde ich sie mal ansprechen.
Nächster Schritt war mein erster Termin bei der Endokrinologin. Termin bekam ich sehr kurzfristig, allersdings musste ich mich im Wartezimmer gedulden. Als ich dann aufgerufen wurde lernte ich eine sehr interessante ältere Dame kennen, die sofort das Heft in die Hand nahm und meinte sie hätte über 400 TS in der Kartei, hätte sich sehr früh dafür engagiert und wäre dafür angefeindet worden.
Sie erklärte mir dann gleich, dass sie mich von Kopf bis Fuß untersuchen müsse. Das fand auch sofort statt, ich habe jetzt nicht nur ein aktuelles EKG sondern auch ein Ultraschallbild fast sämtlicher Organe. Gefallen hat mir die Art und Weise. Für mich war nicht nur ihre Erfahrung mit TS sehr deutlich spürbar, sondern auch, dass sie wirklich daran interessiert ist zu helfen und zu unterstützen. Und ihre direkte und manchmal knorrige Art fand ich dazu noch sympathisch.
Trotzdem war ich erstmal enttäuscht als ich hörte, dass die Blutuntersuchungen 6-8 Wochen dauern würden. Das hätte ich mir schneller gewünscht und erwartet. Reflexartig wollte ich schon fragen, wie wir das beschleunigen könnten. Da ist so eine Frage die ich stelle, wenn ich in meinen Projekten auf solch ein Problem stoße. Allerdings habe ich es mir verkneifen können, es dauert eben so lange. Na ja, es gibt sicherlich geduldigere Menschen als mich.
Einen Tag später stand dann der Termin für unser Bereichsmeeting und damit auch für das große Outing in der Firma fest: 3. März. Wenn ich daran denke, dann freue ich mich sehr, bin aber auch sehr aufgeregt. Ich habe keine Zweifel, dass meine Kolleginnen und Kollegen gut reagieren werden, trotzdem gibt es da schon ein flaues Gefühl.
Das Meeting ist für zwei Tage geplant und am Ende des ersten Tages mache ich mein Outing. Dann werde ich ins Hotel gehen, mich umziehen und schminken und mich mit den anderen zur Abendveranstaltung treffen. Geplant ist, dass mein Bereichsleiter, ein weiterer Kollege und ich Musik machen. Aufgrund der Erfahrung, dass Männer mein Outing meist erst einmal verdauen müssen, werde ich mich bei unserem Mitmusiker im Vorfeld outen. Auf jeden Fall wird das bestimmt ein spannender Abend. Am nächsten Tag bin ich dann zum ersten Mal auch geschäftlich als Frau präsent.
Im Augenblick verantworte ich drei Projekte, die werden mein Chef und ich dann im Anschluss an das Meeting per Telefonkonferenz informieren. Alle übrigen Kollegen werde ich per Mail benachrichtigen. Auch hier bin ich sehr auf die Reaktionen gespannt.
Organisatorisch schaffen wir gerade die Voraussetzungen für den Wechsel, also neue E-Mailadresse oder neuer Firmenausweis. Das ist für alle Beteiligten sehr spannend, da natürlich niemand Erfahrung damit hat. Aber bisher konnten wir alles bewerkstelligen.
Gestern hatte ich einen ersten Termin bei einer Elektrologistin, die mir empfohlen wurde. Ich hatte eine Stunde eingeplant, am Ende waren es knapp zwei. Ich wurde rundum aufgeklärt und an drei Haaren probeepiliert. Weniger schlimm, als ich es mir vorgestellt hatte. Sie bat mich um detaillierte Fotos von meinem Bart und versprach mir, den Antrag für die Krankenkasse umgehend zu bearbeiten.
Morgen haben wir noch eine Freundin zum Outing eingeladen. Da sie Vegetarierin ist, ein gute Gelegenheit entsprechend zu kochen.
Nächster großer Schritt ist der erste Auftritt mit meiner Band als Frau. Wir spielen am 6. Februar bei einer Firmenfeier, die Firma kennt uns schon vom letzten Jahr. Die wichtigsten Fragen für mich: Was ziehe ich an, wie oft kann ich mich umziehen und wen beauftrage ich mit fotografieren?
Also bisher keine Rückschläge, mal abgesehen davon, dass ich mich ein wenig in Geduld üben muss. Schwierig ist derzeit vor allem der zeitliche Aufwand. Und auch wenn alles gut läuft, ich merke, wie mich das Kraft kostet und ich darauf achten muss, mir genug Ruhephasen zu gönnen. Und genau das tue ich jetzt.
Liebe Grüße
Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.
Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)
https://www.transcuisine.com
Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCQc7XaiWBuzchBQTnGRv80g
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ChristinaF
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Re: Der Stein rollt
Puh Mädel, da hast ja einiges vor. Von mir alles erdenklich Gute. Möge es für dich so gut verlaufen, wies nur irgend geht. Und keine Hetze, lass dir bei deinen Vorhaben Zeit. Die wirst du sowieso brauchen. Denn auch an dich werden von vielen Leuten Fragen kommen, die einfach Zeit dauern, sie zu beantworten.
Und ganz viel Glück zu deinem Beginn der HET.
Liebe Grüße
Chrissie
Und ganz viel Glück zu deinem Beginn der HET.
Liebe Grüße
Chrissie
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Anne-Mette
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Re: Der Stein rollt
Guten Morgen,
ja, der Stein rollt.
Aber ich denke, er rollt gut; teilweise in Bahnen, die geplant sind und werden (obwohl nicht alles geplant werden kann) - und teilweise sucht der Stein sich seinen eigenen Weg. "Like a Rolling Stone"
Herzliche Grüße
Anne-Mette
ja, der Stein rollt.
Aber ich denke, er rollt gut; teilweise in Bahnen, die geplant sind und werden (obwohl nicht alles geplant werden kann) - und teilweise sucht der Stein sich seinen eigenen Weg. "Like a Rolling Stone"
Ich wünsche Dir, dass es dabei bleibt.Also bisher keine Rückschläge, mal abgesehen davon, dass ich mich ein wenig in Geduld üben muss.
Herzliche Grüße
Anne-Mette
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Re: Der Stein rollt
Ein "rolling stone" ist übrigens ein "Herumtreiber".
Immer gerne: Miss dictionary
@Anke: freu mich für dich, du bist stark!
Immer gerne: Miss dictionary
@Anke: freu mich für dich, du bist stark!
An die Rausgemobbten und/oder Ausgeschlossenen, die hier evtl. (nur) noch still mitlesen (Hugo, Darialena, Breakfast@Tiffany, ingedie2te u. A.): bitte schreibt mir doch kurz, in welchen Foren ihr euch jetzt aufhaltet.
lieschen-77ätgmx.de
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Re: Der Stein rollt
Hallo Anke,
weiterhin alles, alles Gute und viel Erfolg an den diversen Fronten.
--> Apropos "drei Haaren probeepiliert" Bei einzelnen Haaren war es auch bei mir kein Problem.
Anstrengend wird es nur, wenn es Hunderte sind und Sitzungen sehr lange dauern...
Mit Durchhaltevermögen klappt das auch, aber ist bisweilen durchaus recht anstrengend.
Liebe Grüße
Andrea,
Ich bin froh, dass meine Haare in den letzten Jahren nur noch dort auftauchen, wo sie hingehören!
weiterhin alles, alles Gute und viel Erfolg an den diversen Fronten.
--> Apropos "drei Haaren probeepiliert" Bei einzelnen Haaren war es auch bei mir kein Problem.
Anstrengend wird es nur, wenn es Hunderte sind und Sitzungen sehr lange dauern...
Mit Durchhaltevermögen klappt das auch, aber ist bisweilen durchaus recht anstrengend.
Liebe Grüße
Andrea,
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
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Anke
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Re: Der Stein rollt
Hallo,
es ist mal wieder Zeit für eine Aktualisierung, denn es ist wieder einiges passiert.
Erstmal wieder vielen Dank für die lieben Kommentare.
Insgesamt ist es positiv weiter gegangen, doch zum einen musste ich eine kleinere Niederlage hinnehmen. Das Fitnessstudio hat sich erst mal eine Weile nicht gemeldet. Mir schwante schon nichts Gutes und so kam es dann auch. Sie haben einfach Angst, dass sich Kundinnen beschweren würden. Schade! Auf der einen Seite kann ich es verstehen, auf der anderen Seite habe ich zum ersten Mal die Grenzen gespürt. Transsexuelle sind eben noch keine Selbstverständlichkeit. Ich hoffe sehr, dass es irgendwann mal soweit ist.
In der Sache selbst kann ich gut damit umgehen. Ich habe beschlossen wieder mehr zu laufen und erst zum nächsten Herbst hin einen neuen Anlauf in Richtung Fitnessstudio zu unternehmen.
Zum anderen hat sich jetzt herauskristallisiert, dass meine Töchter doch beträchtliche Schwierigkeiten haben, mit der neuen Situation umzugehen. Ich hatte das schon eine Weile gespürt, jetzt endlich haben sie es ausgesprochen. Jetzt ist Geduld und Feingefühl gefragt. Als erstes habe ich ein längeres Gespräch mit ihrer Mutter, meiner früheren Frau geführt. Das Gespräch lieft sehr gut und sie hat mir ihre Unterstützung zugesagt. Wir haben es glücklicherweise geschafft unsere Freundschaft über das Ende unserer Ehe hinaus zu retten. Ich werde mich jetzt erst einmal zurückhalten und sie wird meine Veränderung verstärkt in Gesprächen thematisieren. Wir haben außerdem ausgemacht, dazu in engem Kontakt zu bleiben und uns abzustimmen. Ich bin optimistisch, dass das der richtige Weg ist.
Das Outing läuft weiter gut. Auch weiterhin habe ich viel Unterstützung und Zuspruch erfahren. Eine Nachbarin hat mich noch angesprochen, mir viel Glück und Kraft gewünscht, eine andere hat mir in einem sehr lieben Brief auf mein Rundschreiben geantwortet. Übernächste Woche steht noch ein Gespräch mit einer Freundin an, dann bin ich im privaten Umfeld mit dem Outing durch und es ist nur noch das große Firmenouting Anfang März offen.
Die Blutuntersuchung ging jetzt doch wesentlich schneller und am Donnerstag habe ich den zweiten Termin bei der Endokrinologin. Ich bin gespannt, wie es dort weitergeht.
Auch mein Antrag für die VÄPÄ ist jetzt in Bearbeitung. Nachdem das Amtsgericht noch Unterlagen (Beglaubigte Geburtsurkunde und Kopie des Personalausweises) angefordert hat, kam dann ein paar Tage später das Schreiben mit der Bestellung der Gutachter. Von den von mir vorgeschlagenen Gutachtern wurde einer beauftragt. Mit dem zweiten Gutachten wurde, oh Überraschung, meine Endokrinologin beauftragt. Damit bin ich natürlich sehr einverstanden, denn sie wird mich sicher unterstützen. Und um so besser, dass ich am Donnerstag sowieso bei ihr einen Termin habe.
Fast vom Stuhl gehauen hat mich der Antrag der Elektrologistin für die Bartentfernung. Im Antrag ist von 220 Stunden die Rede. Ich würde gerne mal wissen, ob das bei anderen ebenso viele Stunden waren. Auf jeden Fall überlege ich mir, wie ich längere Sitzungen hinbekomme, sonst wird das ja schier endlos.
Am Freitag hatte ich dann zum ersten Mal einen Auftritt mit meiner Band als Frau bei einer Firmenveranstaltung, bei der wir auch schon im letzten Jahr gespielt haben. Dafür hatte ich mir schon vor einer Weile ein tolles Paillettenkleid gekauft und auf der Suche nach Schuhen fürs Büro ein Paar dazu passende Pumps gefunden. Damit auch mit dem Make Up nichts schief geht, habe ich mir dann noch einen Termin bei Douglas zum Schminken gemacht. Außerdem sollte auch meine neue Perücke zum Einsatz kommen. Natürlich habe ich es sehr genossen, mich so richtig aufzubrezeln, ansonsten versuche ich es ja ein wenig dezenter angehen zu lassen. Aber bei solch einem Auftritt gelten eben andere Regeln. Ich habe dazu drei Bilder eingestellt, so dass ihr euch auch das Ergebnis ansehen könnt (sobald sie freigeschaltet sind).
Der Auftritt lief von unserer Seite sehr gut. Leider kam die Party nicht so recht in Schwung. Für unsere Band ist das sehr ungewöhnlich, meistens tanzen die Leute schon nach den ersten Takten. Allerdings lief das auch im letzten Jahr so und wir bekamen hinterher wieder sehr viel positives Feedback und die Aussicht, im nächsten Jahr wieder engagiert zu werden.
Ich selbst habe mich dabei sehr wohl gefühlt und es war für mich völlig selbstverständlich. Bedenken hatte ich vor allem wegen meiner Stimme. Trotz Training klingt sie eben immer noch recht männlich, wobei ich bei einigen Songs bereits versuche, einen feminineren Touch hinzubekommen. Am Ende hat dann bei mir die Überzeugung überwogen, dass ich zu mir stehe und auch so bin, wie ich bin. Natürlich möchte ich ein möglichst weibliches Erscheinungsbild hinbekommen, sowohl optisch, als auch akustisch. Aber ich brauche mich dabei weder zu verbiegen noch muss ich irgendetwas verstecken.
Schwierig war es, auf den doch recht hohen Pumps herumzulaufen. Ich hatte zwar im Vorfeld geübt, aber da besteht noch Verbesserungspotential und nach ca. 3 Stunden Programm war ich dann recht froh, dass ich ein zweites Paar dabei hatte. Manchmal ist Frau sein eben auch anstrengend.
Auch wenn jetzt ein paar weniger positive Ereignisse dabei waren, bin ich mit der Entwicklung immer noch sehr zufrieden. Am wichtigsten für mich ist, dass ich mich dabei sehr gut und auf dem richtigen Weg fühle. Das Tempo ist genau richtig für mich und es ist mir auch gelungen, die notwendigen Ruhephasen einzubauen. Dazu gönne ich mir mit meiner Frau am nächsten Wochenende einen Kurzurlaub im Schwarzwald zum Langlaufen. Das ist genau das richtige zum Abschalten und Kraft tanken.
Liebe Grüße
Anke
es ist mal wieder Zeit für eine Aktualisierung, denn es ist wieder einiges passiert.
Erstmal wieder vielen Dank für die lieben Kommentare.
Insgesamt ist es positiv weiter gegangen, doch zum einen musste ich eine kleinere Niederlage hinnehmen. Das Fitnessstudio hat sich erst mal eine Weile nicht gemeldet. Mir schwante schon nichts Gutes und so kam es dann auch. Sie haben einfach Angst, dass sich Kundinnen beschweren würden. Schade! Auf der einen Seite kann ich es verstehen, auf der anderen Seite habe ich zum ersten Mal die Grenzen gespürt. Transsexuelle sind eben noch keine Selbstverständlichkeit. Ich hoffe sehr, dass es irgendwann mal soweit ist.
In der Sache selbst kann ich gut damit umgehen. Ich habe beschlossen wieder mehr zu laufen und erst zum nächsten Herbst hin einen neuen Anlauf in Richtung Fitnessstudio zu unternehmen.
Zum anderen hat sich jetzt herauskristallisiert, dass meine Töchter doch beträchtliche Schwierigkeiten haben, mit der neuen Situation umzugehen. Ich hatte das schon eine Weile gespürt, jetzt endlich haben sie es ausgesprochen. Jetzt ist Geduld und Feingefühl gefragt. Als erstes habe ich ein längeres Gespräch mit ihrer Mutter, meiner früheren Frau geführt. Das Gespräch lieft sehr gut und sie hat mir ihre Unterstützung zugesagt. Wir haben es glücklicherweise geschafft unsere Freundschaft über das Ende unserer Ehe hinaus zu retten. Ich werde mich jetzt erst einmal zurückhalten und sie wird meine Veränderung verstärkt in Gesprächen thematisieren. Wir haben außerdem ausgemacht, dazu in engem Kontakt zu bleiben und uns abzustimmen. Ich bin optimistisch, dass das der richtige Weg ist.
Das Outing läuft weiter gut. Auch weiterhin habe ich viel Unterstützung und Zuspruch erfahren. Eine Nachbarin hat mich noch angesprochen, mir viel Glück und Kraft gewünscht, eine andere hat mir in einem sehr lieben Brief auf mein Rundschreiben geantwortet. Übernächste Woche steht noch ein Gespräch mit einer Freundin an, dann bin ich im privaten Umfeld mit dem Outing durch und es ist nur noch das große Firmenouting Anfang März offen.
Die Blutuntersuchung ging jetzt doch wesentlich schneller und am Donnerstag habe ich den zweiten Termin bei der Endokrinologin. Ich bin gespannt, wie es dort weitergeht.
Auch mein Antrag für die VÄPÄ ist jetzt in Bearbeitung. Nachdem das Amtsgericht noch Unterlagen (Beglaubigte Geburtsurkunde und Kopie des Personalausweises) angefordert hat, kam dann ein paar Tage später das Schreiben mit der Bestellung der Gutachter. Von den von mir vorgeschlagenen Gutachtern wurde einer beauftragt. Mit dem zweiten Gutachten wurde, oh Überraschung, meine Endokrinologin beauftragt. Damit bin ich natürlich sehr einverstanden, denn sie wird mich sicher unterstützen. Und um so besser, dass ich am Donnerstag sowieso bei ihr einen Termin habe.
Fast vom Stuhl gehauen hat mich der Antrag der Elektrologistin für die Bartentfernung. Im Antrag ist von 220 Stunden die Rede. Ich würde gerne mal wissen, ob das bei anderen ebenso viele Stunden waren. Auf jeden Fall überlege ich mir, wie ich längere Sitzungen hinbekomme, sonst wird das ja schier endlos.
Am Freitag hatte ich dann zum ersten Mal einen Auftritt mit meiner Band als Frau bei einer Firmenveranstaltung, bei der wir auch schon im letzten Jahr gespielt haben. Dafür hatte ich mir schon vor einer Weile ein tolles Paillettenkleid gekauft und auf der Suche nach Schuhen fürs Büro ein Paar dazu passende Pumps gefunden. Damit auch mit dem Make Up nichts schief geht, habe ich mir dann noch einen Termin bei Douglas zum Schminken gemacht. Außerdem sollte auch meine neue Perücke zum Einsatz kommen. Natürlich habe ich es sehr genossen, mich so richtig aufzubrezeln, ansonsten versuche ich es ja ein wenig dezenter angehen zu lassen. Aber bei solch einem Auftritt gelten eben andere Regeln. Ich habe dazu drei Bilder eingestellt, so dass ihr euch auch das Ergebnis ansehen könnt (sobald sie freigeschaltet sind).
Der Auftritt lief von unserer Seite sehr gut. Leider kam die Party nicht so recht in Schwung. Für unsere Band ist das sehr ungewöhnlich, meistens tanzen die Leute schon nach den ersten Takten. Allerdings lief das auch im letzten Jahr so und wir bekamen hinterher wieder sehr viel positives Feedback und die Aussicht, im nächsten Jahr wieder engagiert zu werden.
Ich selbst habe mich dabei sehr wohl gefühlt und es war für mich völlig selbstverständlich. Bedenken hatte ich vor allem wegen meiner Stimme. Trotz Training klingt sie eben immer noch recht männlich, wobei ich bei einigen Songs bereits versuche, einen feminineren Touch hinzubekommen. Am Ende hat dann bei mir die Überzeugung überwogen, dass ich zu mir stehe und auch so bin, wie ich bin. Natürlich möchte ich ein möglichst weibliches Erscheinungsbild hinbekommen, sowohl optisch, als auch akustisch. Aber ich brauche mich dabei weder zu verbiegen noch muss ich irgendetwas verstecken.
Schwierig war es, auf den doch recht hohen Pumps herumzulaufen. Ich hatte zwar im Vorfeld geübt, aber da besteht noch Verbesserungspotential und nach ca. 3 Stunden Programm war ich dann recht froh, dass ich ein zweites Paar dabei hatte. Manchmal ist Frau sein eben auch anstrengend.
Auch wenn jetzt ein paar weniger positive Ereignisse dabei waren, bin ich mit der Entwicklung immer noch sehr zufrieden. Am wichtigsten für mich ist, dass ich mich dabei sehr gut und auf dem richtigen Weg fühle. Das Tempo ist genau richtig für mich und es ist mir auch gelungen, die notwendigen Ruhephasen einzubauen. Dazu gönne ich mir mit meiner Frau am nächsten Wochenende einen Kurzurlaub im Schwarzwald zum Langlaufen. Das ist genau das richtige zum Abschalten und Kraft tanken.
Liebe Grüße
Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.
Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)
https://www.transcuisine.com
Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCQc7XaiWBuzchBQTnGRv80g
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Bianca D.
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Re: Der Stein rollt
Moin Anke,Anke hat geschrieben:Fast vom Stuhl gehauen hat mich der Antrag der Elektrologistin für die Bartentfernung. Im Antrag ist von 220 Stunden die Rede.
aus Berichten von Freundinnen weiß ich,dass das durchaus im Normbereich liegt.Nadelepi ist eine langwierige und schmerzhafte Sache,die schon mal drei Jahre oder auch vier,je nach Stärke des Bartwuchses,dauern kann. Da gehört viel Durchhaltevermögen zu und länger wie ne Stunde hält man es auch nicht auf dem Stuhl aus.So zumindest die Berichte,die ich so gehört hab.
Ansonsten ließt sich das doch sehr schön,trotz kleinerer Schwierigkeiten.Aber wer hat schon behauptet,so ein Weg läuft problemlos? Wenn du deine feinfühlige Art,dein vorsichtiges und umsichtiges Handeln bei behälst,dann wird ein Weg auch von Erfolg gekrönt sein. Für dein CO in der Firma drück ich dir beide Daumen!
LG Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial