Na gut, dann will ich mal wieder schreiben, wobei ich erneut einen Schlenker zum männlichen Geschlecht machen werde, da es heute Bemerkenswertes zu sehen (und hören) gab.
Ort der Handlung: Düsseldorf Messegelände. Da findet die derzeit größte Messe für Draht und Rohr = "Wire and Tube" statt, die aber der Bevölkerung weitgehend unbekannt ist.

Da ich mich mit diese Form von Metallen seit fast hundert Jahren beschäftige, ist sie ein Muss. Ein Rohr ist übrigens ein Blech, welches um ein Loch gebogen wird.

Drähte wurden von den Schwaben erfunden: sie haben so lange ein Münze zwischen den Fingern bewegt und nicht aufgegeben, bis sich ein Draht entwickelte. Soweit zur Technik... Wenn ihr aber wüsstet, wo ihr überall mit solchen Sachen in Berührung kommt, würdet ihr euch ein wenig wundern: die Kugel in der Kugelschreibermine kommt aus einem Draht, früher die Autoantenne aus einem Rohr und heute vielleicht die Kapillare für eine Infusion.
Ich trug heute ganz Herr W. den dunkelblauen Zwirn, das weiße Hemd und eine feine Krawatte.
Kaum auf dem Stand des Hauptlieferanten angekommen, entdecke ich wieder drei neue Spezies der Weiblichkeit, von denen ich zunächst zwei in die Obergruppe "Standmiezen" einordne.
Im Detail.
Spezies 1: kommt aus der Firma, ist aber so gut wie nie "draußen", hat sich Flugschein-Hacken unter die Füße geschnallt und steht bereits um 15:00 h kurz vor der Ohnmacht. Das ganze Äußere passt - aber nicht zu einer Person.

Aus der Firma kennt man sie vielleicht im Standard-Modus und jetzt leuchten Augenlider und Münder in grellen Farben. Sie steht meistens freundlich herum, sagend: ach das sind Sie, schön Sie mal zu sehen. Ditto ??
Spezies 2: ist angeworben, nennt sich Messehostess, ist immer Studentin, nett, hübsch, lieb, die Absätze eignen sich für 6-Tage-Messen, bringt fleißig Getränke und Häppchen und verschwindet immer wieder in die Miniküche.
Spezies 3: Besucherinnen. Sehr wenige, da inhaltlich nicht wirklich interessant. Wenn, gehen sie oft 2 Schritte hinter irgendeinem Herrn Wichtig und schauen eher gelangweilt. Meist schon 50+ (der Alte hat Geld und später geht's auf die Kö). Oft aber ziemlich gut im Schuss
Die Gehwegungen aller ist kaum zu erkennen, da die Gänge zu voll sind und Spezies 1 und 2 immer nur wenige Schritte geht.
So, da Polarisieren eine meiner Lieblingstätigkeiten ist, kommt der Schlenker zu den Herren.
Da ist der Chef der Firma heute mal auf dem eigenen Stand, stolz wie Bolle, jovial und bestens drauf.
Seine Schlipse aus der zweiten Reihe scharen sich um ihn; er macht einen Scherz und alle lachen brüllend auf (klingt wie Brunften von Hirschbullen). Er empfängt mit großer Geste nur die wichtigen Kunden, obwohl er sie vor zwei Wochen das letzte Mal gesehen hat und es Lieferprobleme gab.
Der Wettbewerb hat wieder einen miesen, lausigen Stand - die machen es nicht mehr lange, da sind sich alle einig.
Eigentlich ist er doch ganz ok, der Chef, denken die Schlipse - naja zumindest auf der Messe. Von denen tummeln sich immer mehr auf dem Stand als Besucher - dann ist es jeden Tag gesichert rappelvoll. Und man hat sich ja auch soo viel zu sagen. (Ich kann euch sagen, dass ich Stände gesehen habe mit ca. 50 eigenen Leuten! Wären die mal weg gewesen, hätten sich 20 Besucher verlaufen)
Ich gehe weiter zu einem Kunden, der ausstellt. Du meine Güte, ist das der Chef? Der hat ja mal ein Hemd und sogar eine Krawatte an - ich habe ihn kaum wiedererkannt

Hier ist er weltmännisch freundlich, in seinem Betrieb
Zurück zu den Schlipsen: die sind natürlich wichtig oder tun so. Da knallen schon mal die Hosenträger. Jeder Besucher wird überschwänglich begrüßt, hereingezogen, bewirtet und befragt. Die Gegenfrage: wie ist die Messe? Naja, gestern war es etwas ruhig, aber heute ist richtig viel los und morgen kommmen alle, vor alllem die Internationalen.
Ganz wichtig: wie oft werde ich erkannt und begrüßt? Das ist die einzige Messlatte der Bedeutung.
18:00 h, Messe vorbei, ab ins Hotel. Um 19:30 h Treffen in der Altstadt im Geheimtipp (kannten aber schon viele, am Nachbartisch sitzt der Wettbewerb). Chef kommt, Mieze Nr.1 auch, sie ist die einzige Frau, fühlt sich irgendwie unwohl, denn zuahause warten Mann und Kinder, und die Schlipse sind natürlich ohne Schlips. Beste Stimmung, Chef zahlt und unter den Schlipsen ist mal kein Streit, da nur eine Frau am Tisch ist und jeder sich ins Zeug legt.
Morgen um 9:00 h geht's weiter auf der Messe und ich habe keine Begegnungen da Bürotag.
rika
P.S: ich war "Schlips" auf vielen Messen, dann "Chef" auf dem eigenen Stand in Frankfurt (Messe für Formenbau) und heute habe ich meinen Spaß an dem immer wiederkehrenden Gehabe.