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Re: Wieviele sind wir eigentlich?

Verfasst: Di 28. Jan 2014, 21:36
von Katrin70
Hallo Karoline,
eine interessante These auf Basis der Ladeninfrastruktur Rückschlüsse zu ziehen.
Klingt irgendwie plausibel. Andererseits habe ich 30 Jahre aus dme Fundus meiner Schwester (in Jugend), meiner Freundin und später Frau gemopst. Und dann habe ich angefangen verschämt irgendwelche Teile selbst zu kaufen - vermutlich sehr aufgeregt. Dann kam die kurze Phase, bei der ich bei 2 Shops, die sich auf uns spezialisiert haben, eingekauft habe (einmal online und zwei Mal vor Ort). Und seitdem kaufe ich problemlos meine Sachen als Frau im Kaufhaus oder auch als Mann (z.B. in der Vorweihnachtszeit).
D.h. meine Einkäufe von Bekleidung/Schmuck und Schminke gehen unter.
Interessant wird es meiner Meinung nach ledigich bei Brüsten. - selbst Perücken sind kein guter Indikator, da ich mir meine erste PErücke in einem Afro-Shop gekauft hatte (die hatte ich immerhin 15 Jahre).

Aber jetzt versuche mal den bsatz von Silikonbrüsten zu recherchieren :-))
Ausserdem habens da bei mir viele Jahre auch die Dinkelkissen aus den Schmustieren meiner Kinder gemacht bevor ich mich getraut habe ein Paar (sehr schön zu mir passende) Silkonbrüste zu bestellen.

Also auch hier eher eine löchrige Annäherung.

Liebe Grüße
Katrin

Re: Wieviele sind wir eigentlich?

Verfasst: Mi 29. Jan 2014, 09:17
von JaquelineL
Hallo Karoline,
Karoline hat geschrieben:Hallo,
[...]
Ganz praktisch gesehen, spricht aus meiner Sicht gegen einen Anteil von 2-5% intensiven Crossdresser der männlichen Bevölkerung in Deutschland, das Fehlen von Geschäften für uns.
[...]
Mein Fazit: Wieviele wir sind, weiß ich noch immer nicht.
nach drei Jahrzehnten eigener Erfahrung kann ich der "Laden-These" nicht folgen - selbst Schuhe in Übergrößen wurden schon seit jeher angeboten. Alles an Bekleidung bekam ich sowieso in normalen Geschäften, zur Not im regulären Versandhandel. Wie stand hier irgendwo zu lesen? "Der [Damen-]Hose macht es doch nichts aus, dass sie ein Männerbein kleidet..." :)

Trotzdem stimme ich Deinem Fazit zu... wie es eben so ist mit Dunkelziffern und nur schwach belastbaren Ausgangswerten.

Liebe Grüße
Jackie

Re: Wieviele sind wir eigentlich?

Verfasst: Mi 29. Jan 2014, 10:00
von conny
Karoline hat geschrieben:
Ganz praktisch gesehen, spricht aus meiner Sicht gegen einen Anteil von 2-5% intensiven Crossdresser der männlichen Bevölkerung in Deutschland, das Fehlen von Geschäften für uns. In den meisten Großstädten müssten sich dann Läden finden. Bei 250.000 Einwohnern gibt es eine männliche Bevölkerung von 95.000 zwischen 20 und 80 Jahren, das sind 1900 - 4750 Kunden, zuzüglich des Umlandes. Irgendwie finde ich die ganzen Läden mit Silikonbrüsten, Damenperücken für große Köpfe, Schuhe in Übergrößen usw. nicht. Stattdessen fahre ich 400km durch Deutschland um neue Brüste zu kaufen. :(

Karoline
das ist ja mal eine ganz neue variante eines klärungsversuches, aber in zeiten des internethandels leider völlig unbrauchbar.
ich bin z.b. für meine silikonbrüste 0 km gefahren.

Re: Wieviele sind wir eigentlich?

Verfasst: Mi 29. Jan 2014, 11:16
von Ulrike-Marisa
Moin zusammen,

...wir sind vielleicht 5% der gesamten Bevölkerung (Dunkelziffer?) also eine doch fassbare und nicht unbedeutende Minderheit, die aber kaum Sprachrohre und geschweige denn eine Lobby hat.
Von den Betroffenen ist die Frage wie viele wissen denn es überhaupt oder sind sich der Tatsache des etwas anders seins bewusst und versuchen die Neigung zu unterdrücken. Nur wenige haben den Schritt geschafft, ihr anders sein zu akzeptieren und irgendwie in ihr Leben zu integrieren, wobei ganz viele das möglicherweise auch mit/trotz Outing nur im privaten und im geheimen ausleben können; wenige können damit nach außen gehen und nur ganz wenige, wenn sie auch davon betroffen sind, auch den Weg der geschlechtlichen Angleichung gehen.
Wie sagte mir neulich doch meine Frau: wir wären Teil einer unbedeutenden Subkultur, für die sowieso keiner so recht Verständnis aufbringen kann und vermutlich auch nicht will. Von einer gesellschaftlichen Akzeptanz sind wir derzeit noch meilenweit entfernt. Das will niemand in unserer heutigen ach so freien und demokratischen Gesellschaft, weil es eben von der Norm des älltäglichen abweicht. (da fällt mir immer dazu ein, dass in Deutschland schon einmal so etwas, solche Neigungen als unwertes Leben bezeichnet wurde) Daran müssen wir arbeiten, dasses dszu nie wieder kommen kann, indem wir zu unserer Neigung stehen, soweit es jedem einzelnen betroffenen Menschen möglich ist.
Das Forum hilft uns dabei.

Liebe Grüße, Ulrike-Marisa (moin)

...die auch nicht immer das alles kann, was sie will oder möchte...

Re: Wieviele sind wir eigentlich?

Verfasst: Di 4. Feb 2014, 01:03
von Karoline
Hallo,

vieleicht ist meine Abschätzung doch nicht so gut wie ich zuerst dachte. :( Aber ich versuchs nochmal.
conny hat geschrieben:das ist ja mal eine ganz neue variante eines klärungsversuches, aber in zeiten des internethandels leider völlig unbrauchbar.
ich bin z.b. für meine silikonbrüste 0 km gefahren.
Dann verlagert sich der Einkauf und es müsste recht große Händler im Internet geben. In Deutschland komme ich so auf 3-5 Stück. Bei Special-Trade war ich mal, ich schätze die gehören schon zu den Größeren, und so riesig sind die nicht, das Lager ist meines Wissens unter dem Showroom. Für circa 1Mio Crossdresser, die sich aus den Prozentzahlen ergeben, erscheinen mir die Händler relativ klein.
Ulrike-Marisa hat geschrieben: ...wir sind vielleicht 5% der gesamten Bevölkerung (Dunkelziffer?) also eine doch fassbare und nicht unbedeutende Minderheit, die aber kaum Sprachrohre und geschweige denn eine Lobby hat.
Von den Betroffenen ist die Frage wie viele wissen denn es überhaupt oder sind sich der Tatsache des etwas anders seins bewusst und versuchen die Neigung zu unterdrücken. Nur wenige haben den Schritt geschafft, ihr anders sein zu akzeptieren und irgendwie in ihr Leben zu integrieren, wobei ganz viele das möglicherweise auch mit/trotz Outing nur im privaten und im geheimen ausleben können; ......
Ulrike-Marisa deine Einschätzung, das viele sich ihres anders sein nicht bewußt sind und nicht ausleben, teile ich. Daher könnten durchaus 5% der Bevölkerung betroffen sein.

Der Wikipedia Artikel jedoch nennt Zahlen von 2-5% intensive Crossdresser in Teilzeit, also nach meiner Interpretation, Crossdresser die regelmäßig öffentlich oder im Verborgenen ihre Neigungen ausleben. Bei 2-5% praktizierender Crossdresser wären wir meiner Meinung nach gewollt oder ungewollt sichtbarer. Die Zahl erscheint mir zu hoch.

Mein Fazit: Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor...

Liebe Grüße,
Karoline

Re: Wieviele sind wir eigentlich?

Verfasst: So 9. Feb 2014, 12:52
von rena
ist es denn soooo wichtig zu wissen wieviele wir sind?

wichtig ist doch der gesellschaft zu zeigen dass es uns eben gibt um somit auch ein fitzelchen öffentlichkeitsarbeit zu leisten damit es die nachfolgenden generationen einfacher haben

Re: Wieviele sind wir eigentlich?

Verfasst: So 9. Feb 2014, 14:04
von Ines
Die Mitgliederzahlen zeigen ja nur die, die sich getraut haben einem Forum beizutreten. Man sieht ja auch hier, das oft viele Gäste anwesend sind. Wenn man die nun hinzurechnet, sieht die Zahl schon wieder anders aus. Ich glaube auch, dass die Dunkelziffer irgendwo zwischen 2-5% liegt, Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber waren wir 80 Leute und da weiß ich definitv noch von einem Kollegen, dass er CD ist. Er hat sich öffentlich geoutet. Also waren wir mindestens 2 von 80. Im Karneval sieht man doch auch wahnsinnig viele, die sich als Frau kleiden. Viele nehmen diese Zeit zum Anlass, um mal en femme ausgehen zu können ohne aufzufallen. Wir sind also gar nicht so wenige, aber bleiben natürlich eine Minderheit. Ich glaube schon, dass der Großteil der Männer sich mal als Frau kleiden würde, nur um zu sehen, wie das so ist, aber die meisten werden dann doch wieder in ihre geliebten Klamotten schlüpfen.

Liebe Grüße
Ines

Re: Wieviele sind wir eigentlich?

Verfasst: Di 8. Apr 2014, 23:03
von nicole.f
Hallo!
Schon etwas her, aber mir fielen gerade ein paar Zahlen in die Hände, die vielleicht auch für andere interessant sein könnten - ich fand sie interessant :)

Bei einer Studie unter High School Studenten (in etwas unsere Abiturienten) in Neuseeland gab es folgendes erstaunliche Ergebnis:

1.2% of respondents self-identified as transgender
2.5% were unsure about their gender identity

Mit "transgender" ist im Englischen wohl meist eher transsexuell gemeint und weniger der weiter greifende Begriff, den wir oft meinen.

Hier ist der Originaltext der Studie:
http://www.jahonline.org/article/S1054- ... 2/abstract

Eine holländische Studie kommt auf einen Anteil von 4,6% bei Männern und 3,2% bei Frauen, die sich nicht völlig mit ihrem Geburtsgeschlecht identifizieren. 1,1% der befragten Bio-Männer und 0,8% der befragten Bio Frauen sagten, dass sie sich nicht mit ihrem Geburtsgeschlecht identifizieren:

http://link.springer.com/article/10.100 ... 013-0140-y

Und hier noch eine Studie aus UK mit ähnlichen Ergebnissen:

http://www.gires.org.uk/prevalence.php

bzw.
http://www.gires.org.uk/assets/Research ... ce2011.pdf

Also ich würde das mal grob und überschlägig mit ca. 1% transsexuell und ~4% transgender zusammenfassen. Also zusammen gut 5% der Bevölkerung! Jede/r 20.!
Und das waren jetzt die, die teilgenommen und sich geäußert haben. Wieviele da gar nicht erst etwas gesagt haben, also die Dunkelziffer, ist natürlich nicht klar. Doch eines ist klar, es gibt eine. Das heißt dann aber auch, wir sind recht sicher weit mehr als 5%.

Wie es uns rein gesundheitlich ergeht hat mal eine Studie in Massachusetts erforscht:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3490554/

Liebe Grüße
nicole