da sind ja viele verschiedene Sichtweisen beschrieben worden. Bei manchen scheinen unterschiedliche Auffassungen durch, bei anderen meine ich ein unterschiedliches Verständnis der Bedeutung von Begriffen gelesen zu haben. Aaaaaber: Den Konsens, dass es keinen Sinn hat, sich gegenseitig "rauszudefinieren", finde ich RICHTIG KLASSE.
Ich bin gar nicht sicher, ob wir zu einem gleichen, gemeinsamen Standpunkt kommen müssen oder ob das überhaupt geht. Trotzdem glaube ich, dass es richtig und wichtig ist, Diskussionen wie diese hier zu führen. Schon deshalb, weil sie Selbstverständnisse, Selbstbeschreibungen, Sichtweisen usw. zu Tage fördert, die Anderen vielleicht helfen, mit sich selbst besser zurecht zu kommen und natürlich damit wir uns gegenseitig besser verstehen können. Auf ein paar Aspekte möchte ich gern eingehen.
Erstmal aber an Waves:
Du musst dich nicht entschuldigen; schon gar nicht bei mir. "Sind doch alle gleich viel wert". Das ist der entscheidende Punkt. Vielen Dank für diesen Satz.
Der besseren Übersicht halber schreib' ich mit der Zitatfunktion, auch wenn der Beitrag dadurch noch länger wird:
conny schrieb:
Nach meiner Auffassung: Ja. Jedenfalls dann, wenn der Grund für das Crossdressing der gleiche wie bei 'TS' ist; nämlich die "Nicht-Identifikation" mit dem zugeschriebenen Geschlecht. Wie schon gesagt gibt es natürlich riesige Unterschiede in der Ausprägung. Manchem reichen Kleidung, Schmuck usw., andere müssen viel mehr auf sich nehmen, um mit sich im Reinen sein zu können. Ich möchte mit niemandem tauschen, der erst nach Namensänderung, Hormoneinnahme oder gar Operation bei sich sein kann, aber ich sehe nicht, worin der grundlegende Unterschied zu, zum Beispiel, mir liegt. Es ist immer blöd, sich selbst als Beispiel zu nehmen, aber ich kenne mich selbst nun mal ganz gut. Deswegen tue ich es trotzdem:aber ist es wirklich so, dass cd und ts auf dem gleichen weg sind, aber die ts letzlich nur weiter gehen?
Auch wenn man das nach aussen nicht sieht, bin ich nicht in der "Geschlechtsfunktion" eines Mannes zu Hause. Ich fühle mich nicht so, wie andere es von einem Mann erwarten; auch nicht zeitweise. Erst wenn ich etwas tue, was mich in meinem Selbstgefühl und in der Wahrnehmung durch Andere von der Position "Mann" entfernt, wird es "passender" für mich. Es geht mir damit besser, als wenn ich es nicht tue. Wie du weisst behalte ich manches 'männliche' Attribut bei und ich versuche nicht von anderen als 'Frau' (an-)erkannt zu werden. Ich muss mich aber in ziemlich intensiver Weise meinen Mitbürgern 'aussetzen', mich in deren "Infragestellung meines Mann-Seins" spiegeln, um mit mir im Reinen zu sein. Das ich das nicht dauernd und nicht überall tue, hat mit Rücksichten auf meine Frau und meinen Beruf, meine Einkommensquelle, zu tun. Nicht aber damit, dass ich nicht den Wunsch hätte es dauernd zu tun.
Würde ich morgen mit einem weiblichen Körper aufwachen, den ich niemandem erklären müsste, auch meiner Frau nicht: Ich würde mich bestimmt nicht darüber beschweren. Ich fürchte aber, dass das nicht passieren wird. Deswegen nehme ich den Körper den ich habe und tue das, was ich brauche, um mich als 'mich selbst' wahrzunehmen. Und ich glaube, dass eben das auf der gleichen Schiene wie bei 'Transsexuellen' fährt. Die Schiene ist die gleiche, es ist nur ein anderer Bahnhof.
Allerdings bin ich auch dankbar dafür, dass mein Leidensdruck nicht größer ist und sich bislang mit den "sozialverträglichen Möglichkeiten" im Zaum halten lässt. Das macht dann vielleicht doch einen Unterschied zu Anderen aus, die ihre sozialen Kontakte, ihren Job und weiteres riskieren müssen, um ankommen zu können. Andererseits: Wer von uns tut nicht gleiches, wenn man sich anderen gegenüber offenbart, wenn man sich irgendwie sichtbar macht, weil es anders nicht auszuhalten ist?
conny schrieb:
Das könnte ein Ansatz für eine Beschreibung sein. Woran würdest du den Unterschied festmachen? An der Ablehnung des eigenen Körpers oder Teilen davon? Oder an der chirurgischen oder der.hormonellen Änderung des Körpers? Können Menschen nicht transsexuell, zwischen den Geschlechtern, sein, ohne sich körperlichen Veränderungen zu unterziehen?Nicht-ts haben ja keine probleme mit der akzeptanz ihres männlichen körpers.
Jackie schrieb:
Das du es "möchtest" macht natürlich einen Unterschied zu jemandem, der es "nicht möchte". Wenn es jemand "nicht möchte", es aber trotzdem tut, dann ist er vielleicht ein 'Feigling', aber macht das wirklich einen Unterschied?Für *mich* gibt es da einen Unterschied ....... : Für mich hat ein TS den "point of no return" überschritten, möchte ständig in der anderen Rolle wahrgenommen werden. Für meine Person definiere ich mich daher explizit als TV, da ich phasenweise auch die zu meinem biologischen Geschlecht passende Rolle lebe und leben *möchte*.
Adriana schrieb:
Was entspräche daran nicht "den Tatsachen"? Welche "Tatsachen" meinst du?Sonst könnte man alle CDs die sich gelegentlich oder heufig zu 100% stylen (auch wieder eine andere Variation zu den Bsp. Bartträgern im Rock) mit den TS gleichsetzen, was einfach nicht den Tatsachen entprechen würde.
Du kannst es nicht wissen, weil wir uns noch nie begegnet sind: Ich BIN der "Bartträger mit Rock" den du, nach meinem Verständnis, gleich um zwei Kategorien von der Transsexualität entfernt ansiedelst. Warum meinst du, dass ich mit meinem Geschlecht zufrieden bin? Ich bin es nicht. Warum sonst würde ich mich besser fühlen, wenn ich mich in Frauenkleidung meinen Mitmenschen aussetze? Eine blosse Lust an der Provokation, die mir mal unterstellt wurde, könnte ich anders leichter befriedigen.
Nur das wichtigste nochmal, in aller Kürze: "Sind doch alle gleich viel wert"
in diesem Sinne schickt liebe Grüsse
Marielle