Männerkleidung...und Verhalten
Männerkleidung...und Verhalten - # 2

Marielle
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Re: Männerkleidung...und Verhalten

Post 16 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo, Guten Abend zusammen,

da sind ja viele verschiedene Sichtweisen beschrieben worden. Bei manchen scheinen unterschiedliche Auffassungen durch, bei anderen meine ich ein unterschiedliches Verständnis der Bedeutung von Begriffen gelesen zu haben. Aaaaaber: Den Konsens, dass es keinen Sinn hat, sich gegenseitig "rauszudefinieren", finde ich RICHTIG KLASSE.

Ich bin gar nicht sicher, ob wir zu einem gleichen, gemeinsamen Standpunkt kommen müssen oder ob das überhaupt geht. Trotzdem glaube ich, dass es richtig und wichtig ist, Diskussionen wie diese hier zu führen. Schon deshalb, weil sie Selbstverständnisse, Selbstbeschreibungen, Sichtweisen usw. zu Tage fördert, die Anderen vielleicht helfen, mit sich selbst besser zurecht zu kommen und natürlich damit wir uns gegenseitig besser verstehen können. Auf ein paar Aspekte möchte ich gern eingehen.

Erstmal aber an Waves:

Du musst dich nicht entschuldigen; schon gar nicht bei mir. "Sind doch alle gleich viel wert". Das ist der entscheidende Punkt. Vielen Dank für diesen Satz.


Der besseren Übersicht halber schreib' ich mit der Zitatfunktion, auch wenn der Beitrag dadurch noch länger wird:

conny schrieb:
aber ist es wirklich so, dass cd und ts auf dem gleichen weg sind, aber die ts letzlich nur weiter gehen?
Nach meiner Auffassung: Ja. Jedenfalls dann, wenn der Grund für das Crossdressing der gleiche wie bei 'TS' ist; nämlich die "Nicht-Identifikation" mit dem zugeschriebenen Geschlecht. Wie schon gesagt gibt es natürlich riesige Unterschiede in der Ausprägung. Manchem reichen Kleidung, Schmuck usw., andere müssen viel mehr auf sich nehmen, um mit sich im Reinen sein zu können. Ich möchte mit niemandem tauschen, der erst nach Namensänderung, Hormoneinnahme oder gar Operation bei sich sein kann, aber ich sehe nicht, worin der grundlegende Unterschied zu, zum Beispiel, mir liegt. Es ist immer blöd, sich selbst als Beispiel zu nehmen, aber ich kenne mich selbst nun mal ganz gut. Deswegen tue ich es trotzdem:

Auch wenn man das nach aussen nicht sieht, bin ich nicht in der "Geschlechtsfunktion" eines Mannes zu Hause. Ich fühle mich nicht so, wie andere es von einem Mann erwarten; auch nicht zeitweise. Erst wenn ich etwas tue, was mich in meinem Selbstgefühl und in der Wahrnehmung durch Andere von der Position "Mann" entfernt, wird es "passender" für mich. Es geht mir damit besser, als wenn ich es nicht tue. Wie du weisst behalte ich manches 'männliche' Attribut bei und ich versuche nicht von anderen als 'Frau' (an-)erkannt zu werden. Ich muss mich aber in ziemlich intensiver Weise meinen Mitbürgern 'aussetzen', mich in deren "Infragestellung meines Mann-Seins" spiegeln, um mit mir im Reinen zu sein. Das ich das nicht dauernd und nicht überall tue, hat mit Rücksichten auf meine Frau und meinen Beruf, meine Einkommensquelle, zu tun. Nicht aber damit, dass ich nicht den Wunsch hätte es dauernd zu tun.

Würde ich morgen mit einem weiblichen Körper aufwachen, den ich niemandem erklären müsste, auch meiner Frau nicht: Ich würde mich bestimmt nicht darüber beschweren. Ich fürchte aber, dass das nicht passieren wird. Deswegen nehme ich den Körper den ich habe und tue das, was ich brauche, um mich als 'mich selbst' wahrzunehmen. Und ich glaube, dass eben das auf der gleichen Schiene wie bei 'Transsexuellen' fährt. Die Schiene ist die gleiche, es ist nur ein anderer Bahnhof.

Allerdings bin ich auch dankbar dafür, dass mein Leidensdruck nicht größer ist und sich bislang mit den "sozialverträglichen Möglichkeiten" im Zaum halten lässt. Das macht dann vielleicht doch einen Unterschied zu Anderen aus, die ihre sozialen Kontakte, ihren Job und weiteres riskieren müssen, um ankommen zu können. Andererseits: Wer von uns tut nicht gleiches, wenn man sich anderen gegenüber offenbart, wenn man sich irgendwie sichtbar macht, weil es anders nicht auszuhalten ist?

conny schrieb:
Nicht-ts haben ja keine probleme mit der akzeptanz ihres männlichen körpers.
Das könnte ein Ansatz für eine Beschreibung sein. Woran würdest du den Unterschied festmachen? An der Ablehnung des eigenen Körpers oder Teilen davon? Oder an der chirurgischen oder der.hormonellen Änderung des Körpers? Können Menschen nicht transsexuell, zwischen den Geschlechtern, sein, ohne sich körperlichen Veränderungen zu unterziehen?


Jackie schrieb:
Für *mich* gibt es da einen Unterschied ....... : Für mich hat ein TS den "point of no return" überschritten, möchte ständig in der anderen Rolle wahrgenommen werden. Für meine Person definiere ich mich daher explizit als TV, da ich phasenweise auch die zu meinem biologischen Geschlecht passende Rolle lebe und leben *möchte*.
Das du es "möchtest" macht natürlich einen Unterschied zu jemandem, der es "nicht möchte". Wenn es jemand "nicht möchte", es aber trotzdem tut, dann ist er vielleicht ein 'Feigling', aber macht das wirklich einen Unterschied?


Adriana schrieb:
Sonst könnte man alle CDs die sich gelegentlich oder heufig zu 100% stylen (auch wieder eine andere Variation zu den Bsp. Bartträgern im Rock) mit den TS gleichsetzen, was einfach nicht den Tatsachen entprechen würde.
Was entspräche daran nicht "den Tatsachen"? Welche "Tatsachen" meinst du?

Du kannst es nicht wissen, weil wir uns noch nie begegnet sind: Ich BIN der "Bartträger mit Rock" den du, nach meinem Verständnis, gleich um zwei Kategorien von der Transsexualität entfernt ansiedelst. Warum meinst du, dass ich mit meinem Geschlecht zufrieden bin? Ich bin es nicht. Warum sonst würde ich mich besser fühlen, wenn ich mich in Frauenkleidung meinen Mitmenschen aussetze? Eine blosse Lust an der Provokation, die mir mal unterstellt wurde, könnte ich anders leichter befriedigen.


Nur das wichtigste nochmal, in aller Kürze: "Sind doch alle gleich viel wert"

in diesem Sinne schickt liebe Grüsse

Marielle
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Re: Männerkleidung...und Verhalten

Post 17 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Hallo Röckchen,
s_Roeckchen hat geschrieben:Ich möcht euch noch einen Aspekt nachfragen, aus meinem Selbstbild heraus:
[...]
Ich dampfe das mal plakativ ein auf die Frage: Ist es Rolle oder Mode was unser Verhalten beeinflußt?
in meinem Fall beeinflusst die "Rolle" das Verhalten sehr auffällig, ich bekomme da auch entsprechende Rückmeldung von jenen, die mich erleben als Jackie, selbst wenn ich nicht entsprechend gekleidet bin. Da scheinen Welten zwischen den Mustern m/f zu liegen, nicht nur "angespannt" gegenüber "locker und fröhlich".

Der Wunsch mich auf die eine oder andere Weise zu kleiden ist durch mein dann jeweils empfundenes Selbstbild bedingt: Ich "sehe" mich mich mal als Mann (mit einem bestimmten maskulinen Stil) und mal als Frau (mit einem eigenen femininen Stil). Diese Stile scheinen dann durch meine Sozialisation geprägt zu sein, im Sinne von "jemand, der/die so ist, trägt typischerweise dies und jenes". Kleider machen Leute :()b

Liebe Grüße
Jackie (die sich freut, durch solche Fragen und Antworten mehr über sich selbst zu erfahren)
Today is the first day of the rest of my... forget it.
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Re: Männerkleidung...und Verhalten

Post 18 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Hallo Marielle,
Marielle hat geschrieben:[...]
Jackie schrieb:
Für *mich* gibt es da einen Unterschied ....... : Für mich hat ein TS den "point of no return" überschritten, möchte ständig in der anderen Rolle wahrgenommen werden. Für meine Person definiere ich mich daher explizit als TV, da ich phasenweise auch die zu meinem biologischen Geschlecht passende Rolle lebe und leben *möchte*.
Das du es "möchtest" macht natürlich einen Unterschied zu jemandem, der es "nicht möchte". Wenn es jemand "nicht möchte", es aber trotzdem tut, dann ist er vielleicht ein 'Feigling', aber macht das wirklich einen Unterschied?
nur damit das nicht falsch rüberkommt: Der Begriff "Feigling" stammt von Dir ;) Es gibt viele Gründe dem Wunsch nicht nachzugeben, ich für meinen Teil mache das nicht anders. Ich sehe jedoch einen Unterschied zu TS, wenn es Phasen gibt, in denen ich mich gar nicht anders kleiden *will* weil ich mich *als (insert biological sex here) fühle*. Irgendwie passt das zu dem, was schon weiter oben stand (gleiche Reise, nur weiter gekommen), und somit schon fast als Wortklauberei tituliert werden kann: Jemand, der/die sich Vollzeit dem nicht-bio-Geschlecht zugehörig fühlt, war für mich bislang TS - "Teilzeitler" sah ich als CD.

Je mehr ich darüber nachdenke, kann ich der anderen Argumentation folgen: Wer sich dem nicht-bio-Geschlecht zugehörig fühlt, ist TS - egal ob ständig oder nicht. Andererseits hätte eine breite Akzeptanz dieser Definition weitreichende Folgen: Bspw. müssten die Krankenkassen diejenigen Maßnahmen auch bei Teilzeit-TS bezahlen, die dort angemessen und sinnvoll sind.

CDs wären dann entsprechend solche Personen, die sich Kleidung des nicht-Bio-Geschlechts anziehen (wollen), ohne sich dem anderen Geschlecht zugehörig zu fühlen.

Ich werde nachher mal im Info-Bereich stöbern, da sind ja auch Begriffsdefinitionen hinterlegt. Mal sehen, wie sehr ich die mit dem hier gelesenen in Einklang bringen kann.

Liebe Grüße
Jackie
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Marielle
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Re: Männerkleidung...und Verhalten

Post 19 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Adriana,

das was ich schrieb war keine Ableitung und soll schon gar kein Angriff o.Ä. sein. Da hast du mich falsch verstanden. Ich suche keinen Streit, ich suche Antworten.

Ich habe (m)eine Meinung zu dem Thema, zu der auch ein paar Thesen gehören. Ob diese Thesen stimmen oder nicht ... ich weiss es nicht. Deswegen hatte ich, und es war nur als solche gemeint, die Frage an dich gestellt, welche Tatsachen es deiner Meinung nach sind, die einen 'identitätsmotivierten CD' von einer, nach 'üblicher' Benennung, transsexuellen Person unterscheiden.



liebe Grüsse

Marielle
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Pauline

Re: Männerkleidung...und Verhalten

Post 20 im Thema

Beitrag von Pauline »

Wavesofangels hat geschrieben: Meine Frage nun an die TS'ler oder Langzeit CD'ler ...wie gehts euch dabei?
Gibt es solche Situationen? Wie fühlt ihr euch da? - auch so fremd?
Und verhaltet ihr euch dann männlicher?
Ich krieg das gar nicht hin. Ich mach kleine schrittchen, schultern immer gerade und überschlage konsequent die beine. Ist in mir. Dazu muss ich mich nicht mal konzentrieren :D
LG
Maus
Hallo Maus,

also ich komme mal back to topic, Du wolltest doch eigentlich wissen, wie wir uns in Mannverkleidung fühlen und bewegen:

Wenn ich mich "zwangsweise" als Mann verkleiden muss, dann ist das Mann-Signal an den Beobachter: Hose, ungeschminkt, zwar mit Zopf, aber mit
Geheimratsecken und kleiner Tonsur, Mann halt. Männer tragen Hosen. Aber die Hose und der Rest der Kleidung ist weiblich...ich trage keine
Männersachen mehr.

Nein, ich fühle mich da gar nicht fremd, ist ja alles an der Kleidung weiblich, sozusagen paulinisch :) , einschließlich Reißverschluss links, nicht zu hohen Schuhen und schönem Halstuch.

Und nein, ich stelle meine Mimik, Gestik, Körpersprache nicht auf Mann um. Ich bewege mich genau so, wie ich es zu Hause im Rock oder im Kleidchen
als Paulinchen gewohnt bin. Nicht affektiert, übertrieben, sondern ganz normal; wie Du schon sagtest, Beine übereinander, kleinere Schritte, aus der Hüfte gehen,
Arm-, Hand- und Fingerhaltung..... das ist schon in mir drin, läuft automatisch, und ich fühle mich wohl dabei, wenn es mir hin und wieder bewußt wird.

Oft begegne ich nachdenklich musternden Blicken (ist das jetzt 'n Mann?) oder auch einem wissenden Lächeln der fremden Biofrauen, die mir über den Weg laufen; dann geht mir das Herz auf, dann fühle ich mich paulinisch, und sauwohl.

LG Pauline (snow)

Tante Edit hat noch'n paar Sachen bemeckert, jetz ist sie zufrieden :roll:
Zuletzt geändert von Pauline am Fr 6. Dez 2013, 21:18, insgesamt 1-mal geändert.
Frida
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Re: Männerkleidung...und Verhalten

Post 21 im Thema

Beitrag von Frida »

Hallo,

also ich trage meistens Männerkleidung, bin aber dabei das etwas zu ändern.
Im Moment zu Hause habe ich aber eine schöne gemusterte FSH und einen
locker schwingenden Rock an.
Ich habe, obwohl in Männerkleidung, vielleicht auch gerade deshalb,
immer wieder ein Feedback bekommen, dass ich eher ein weibliches Verhalten habe,
was bestimmt auch an meinen wenig männlichen Bewegungen und Gesten liegt
und es deshalb etwas mehr auffällt
Ich bemerke in letzter Zeit, dass ich meinen Gang etwas kontrolliere, weiblicher
gestalte, einfach weil es mir Spass macht, mich so zu bewegen.
Ich glaube, ich habe da ein wenig Talent, muss aber aufpassen, das ich es nicht übertreibe,
sondern es dezent mache. Sieht besser aus und fühlt sich gut an.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich sehr gerne tanze....auch nicht den
männlichen Stil, obwohl in Männerklamotten. Vielleicht habe ich mal die Gelegenheit
das draußen auszuprobieren. Im Rock macht es mir auch mehr Spass, weil es besser zu meinen
Bewegungen passt.
Ich denke, dass ich nicht viel ändern müsste, wenn ich en femme unterwegs wäre.
(aber üben muss ich bestimmt noch, wenn ich mit hohen Absätzen gehe...
leider habe ich noch keine Schuhe)
Irgendwie verhält man sich von selbst auch anders. Das macht man ja auch,
wenn man verschiedene männliche Kleidungen anhat, also z.B. bewegt und verhält man
sich in einem Anzug anders, als in Jeans oder Lederklamotten.

LG Dita (wmue)
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