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Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 08:02
von ExUserIn-2026-04-08
Ich bin eine Wasserratte und ich mag mir nicht vorstellen, ohne Baden auszukommen. Ich gehe heute zwar seltener ins Wasser, aber niemals in der Badehose. Ich war früher öfters im Badeanzug und Perücke schwimmen, aber da hat mich die Perücke einfach nur genervt. Dann ließ ich mir die Haare wachsen und das war schon viel besser. Aber ich wollte auch einen Bikini haben. Jetzt habe ich drei Paar. Wichtig dabei war, dass die Oberteile die Einlagen gut überdecken und die Hose im Schritt breit genug sind. Muster und dunkle Farben helfen, das zu kaschieren, was zu kaschieren ist. Und dafür gibt es ja auch ein paar weitere Tricks. In der Reha war es soweit. Zum ersten Mal im Schwimmbad im Bikini schwimmen. Ich habe mich frei gefühlt wie nie.

Wenn Du glaubst, du seiest eine Zumutung für die Damenwelt, ist das eine Vermutung, die ich früher auch geteilt habe. Das ist aber eine Brille, die Du Dir selber aufsetzt. In der Zwischenzeit habe ich verstanden, dass ich durchaus akzeptiert werde. Ich habe mir darüber viele Gedanken gemacht und bin der Meinung, dass das völlig unnötig ist. Es mag Frauen geben, die uns als Zumutung sehen. Aber sind diese wirklich maßgeblich ? Wenn ich mir klar mache, dass ich genauso viel wert bin, wie jede Cis-Frau und jeder Cis-Mann, kann ich nur zu dem Schuss kommen, dass auch mein Transdasein die gleiche Lebensberechtigung habe. Wer hat also das Recht, mich in meinem Wesen einzuschränken ?

Ich habe lange gebraucht, um mich von meinen Einschränkungen zu befreien und mich in der Welt ein Stück weit zu emanzipieren. Es erhöht die Lebensqualität, auch wenn es nicht immer einfach ist. Der Bikini in der Öffentlichkeit ist ein kleines Stück davon.
Beverly hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 07:58 Er blebt ER und ich als Trans-Frau bin eine SIE!
Diese Idee funktioniert aber nur, wenn man davon ausgeht, dass es nur ein "er" und eine "sie" gibt. Diese Sichtweise unterschlägt jede Form, die dazwischen, überlagernd oder sonstwie gibt ...

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 09:09
von Bianca Ontour
Ich gehe gerne an einem Baggersee oder in der Donau schwimmen. Ich suche mir dann Stellen mit wenig Publikumsverkehr. Als Mann bin ich leider immer zu erkennen, im Badeanzug oder Bikini, das ist dann auch egal. Meinen Penis klebe ich schon seit Jahren immer zwischen die Beine, da sieht man dann nichts. Mein kleines Geschäft kann ich so auch erledigen. Zum Glück gibt es Bikinis mit herausnehmbaren Einlagen, oder Bikinis für Frauen mit Brust-OPs . Da verutschten die Sillis dann auch nicht.
Der größte Hemmschuh ist gerade mein Gewicht. Seit dem Sommer habe ich aber 4 Kg abgenommen. Im Bikini sieht man das Übergewicht leider deutlich, ein Grund mehr etwas dagegen zu tun. Der Bikini, war der Grund für diese Motivation.
Ich sehe auch keinen großen Unterschied zwischen Bikini und Badeanzug, die Wampe sieht man in Beiden also warum keinen Bikini?
Die Haare werden zum Schwimmen mit einer Klammer hochgesteckt, das macht jede Frau auch so. So bleiben sie beim Brustschwimmen trocken.
Ins Schwimmbad gehe ich allerdings nicht.
Bisher habe ich keine negativen Äußerungen erhalten.
Ich hoffe das bleibt auch so.
Fazit:
Ich werde weiterhin auch im Bikini, Tankini oder Badeanzug baden gehen, wenn mir danach ist.

Blöde Kommentare erhalten auch übergewichtie CIS Frauen.

Liebe Grüße
Bianca

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 09:09
von ChristinaF
Ich schließe mich "Beverlys" Beitrag voll und ganz an. (ap) Als transsexuelle Frau würde ich mich völlig fehl im Schwimmbad oder beim Baden sehen, würde ich nicht dementsprechendes Outfit tragen. Also entweder Bikini oder Badeanzug. Es gehört einfach zu meinem Selbstverständnis und Selbstwertgefühl so zu schwimmen. Und mit meiner Perücke hatte ich dabei noch nie Probleme, da ich beim Baden zwar eine schicke aber doch nicht so teure trage. Probleme gabs dabei noch nie.
LG Christina

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 11:44
von Wally
ChristinaF hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 09:09 Als transsexuelle Frau würde ich mich völlig fehl im Schwimmbad oder beim Baden sehen, würde ich nicht dementsprechendes Outfit tragen. Also entweder Bikini oder Badeanzug. Es gehört einfach zu meinem Selbstverständnis und Selbstwertgefühl so zu schwimmen.
Mit dieser Abgrenzung als TS gegen andere, angeblich nicht transsexuelle Crossdresser habe ich ein Problem.

Schon vor 25 Jahren hatte ich HET und Brustimplantate auf Krankenkasse, von den zwei renommiertesten Gutachtern befürwortet, die es damals im Münchener Raum gab. Seit 5 Jahren lebe ich komplett 24/7 als Frau, mit Namens- und Personenstandsänderung, (Gottseidank) noch nach TSG, mit zwei Gutachten und Gerichtsurteil. Ich bin also ohne jeden Zweifel transsexuell. Und seit ich endlich offiziell als Frau lebe, ist es für mich auch genauso selbstverständlich geworden wie für ChristinaF, in weiblicher Badekleidung zu schwimmen. Alles andere wäre einfach grotesk.

Nur: ich bin nicht erst seit 5 Jahren transsexuell! Ich war's auch schon in den 20 Jahren, die ich mit 2 x 500 ml Brustimplantaten offiziell weiter als Mann gelebt und gearbeitet habe. Ich war's auch schon in der ganzen, ersten Hälfte meines Lebens, als ich's noch gar nicht wusste und mich bloß für einen "perversen" Mann hielt. Ich war's schon als Kind, als ich heimlich, mit maximal schlechtem Gewissen, Mutters BH anprobierte.

Worin unterscheide ich mich da jetzt von anderen Crossdressern hier im Forum? Vermutlich in gar nichts! Natürlich kann ich anderen Leuten nicht in den Kopf gucken; die Lebenserfahrung sagt mir aber, dass hinter ähnlichen Verhaltensweisen meist auch ähnliche Motive stecken. Die Motive und Bedürfnisse, die angebliche nicht-TS hier als Crossdresser umtreiben, sind mit allergrößter Wahrscheinlichkeit den meinen als TS prinzipiell ähnlich - nur dass sie bei mir halt intensiv und dringend genug waren, um mich schließlich konsequent die Hürden überspringen zu lassen. Vielleicht aber auch, weil bei mir diese Hürden weniger hoch waren: so richtig konsequent habe ich's ja auch erst getan, seit mit der Verrentung die Hürde der Berufsausübung weggefallen war. Und seit ich das große Glück habe, mit einer Frau verheiratet zu sein, die mich da liebevoll befürwortend unterstützt und begleitet...

Ich trage nicht deshalb weibliche (Bade-)Kleidung, weil ich transsexuell bin - sondern einfach deshalb, weil es mir ein tief sitzendes, grundlegendes Bedürfnis ist: weil ich es regelmäßig und immer wieder als befreiend und emotional hoch befriedigend erlebe, mich offen so zu zeigen. Und zwar unabhängig davon, wie's bei anderen Leuten ankommt: ob die das gut finden oder nicht, ob die mich für eine Frau oder für einen "verkleideten" Mann halten - geschenkt. Das ist deren Problem, nicht meines. Ich kann und muss nicht jedem gefallen; mir gefällt auch nicht jeder. Ich habe das Bedürfnis und genieße es, mich offen so zu zeigen, wie ich mich selber sehe und empfinde, wie ich mich selber am liebsten mag, wie ich mich authentisch fühle. Das ist der Punkt, allein darum geht's: ich darf auch öffentlich so sein, wie ich mich fühle; ich muss mich damit nicht mehr ängstlich verstecken.

Ob wir das, was dabei am Ende herauskommt, "TS", "TV" oder "CD" nennen, kennzeichnet doch eigentlich nur die Intensität und Konsequenz, mit der wir das letztlich praktisch verwirklichen - oder auch nur die Höhe der Hürden, die uns individuell daran hindern :-( Das dahinter stehende "WARUM" ist - zumindest abschnittsweise im Rahmen einer großen Bandbreite - bei allen dasselbe.

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 12:26
von ChristinaF
Liebe Wally,
mit meinem Beitrag möchte ich mich keinesfalls abgrenzen oder andere diskriminieren. Mir gings nur um eine schlichte Anwort auf die Frage "Was ich niemals machen würde...".
LG Christina

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 13:55
von Wally
ChristinaF hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 12:26 Liebe Wally,
mit meinem Beitrag möchte ich mich keinesfalls abgrenzen oder andere diskriminieren. Mir gings nur um eine schlichte Anwort auf die Frage "Was ich niemals machen würde...".
Liebe Christina,

Mir ging's auch gar nicht darum, Dir persönlich zu widersprechen. Dein Posting (eigentlich eher Beverlys gelöschter Ursprungspost) war für mich nur der aktuelle Anlass, um hier mal einer Vorstellung zu begegnen, die aus der bisherigen Diskussion schon ganz von Anfang an mehrfach herauszulesen war: nämlich der Vorstellung, man müsse wohl transsexuell sein, um als erkennbarer "Mann" in weiblicher Badebekleidung herumlaufen zu wollen/können/dürfen.

Man muss garnix - außer einfach die Sehnsucht danach in sich zu spüren - und sich dann ein Herz zu fassen und es wirklich zu tun :-) Man braucht auch keinerlei körperliche Mindestvoraussetzungen dazu, und schon gar nicht irgendwelchen Aufwand mit Schminke, Perücke etc. Perfektion als Frau ist sowieso nicht erreichbar, und auch gar nicht nötig. Auch von den cis-Frauen, die da im Badeanzug rumlaufen, sind die allermeisten von Perfektion weit entfernt...

Ich kann's nur empfehlen; ich mache seit Jahren gute Erfahrungen damit. Es lohnt sich sehr, sich da mal einen Ruck zu geben und sich das endlich zu trauen! :()b

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 16:56
von Fiona
Wally hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 13:55 [...]man müsse wohl transsexuell sein, um als erkennbarer "Mann" in weiblicher Badebekleidung herumlaufen zu wollen/können/dürfen.
Man muss garnix - außer einfach die Sehnsucht danach in sich zu spüren - und sich dann ein Herz zu fassen und es wirklich zu tun :-)[...]
Ich kann's nur empfehlen; [...]Es lohnt sich sehr, sich da mal einen Ruck zu geben und sich das endlich zu trauen!
Liebe Wally, wie wahr!
Es sind oftmals die Blockaden im eigenen Kopf die es dir 'verbieten'.
Ich liebe es im Bikini am Strand oder im Schwimmbad zu liegen. Es ist halt nur Kleidung, wie meine Frau immer wieder korrekt anmerkt. Natürlich gebietet es die Ästhetik soweit wie möglich keine Beule im Schritt zu haben aber das mache ich wohl ganz 'ordentlich' sagt meine Frau :D
LG Fiona

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 17:07
von Knäckebrötchen
Fiona hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 16:56 Natürlich gebietet es die Ästhetik soweit wie möglich keine Beule im Schritt zu haben
Womit wir quasi wieder am Dreh- und Angelpunkt dieser Diskussion angekommen sind: warum "natürlich"? Und "Ästhetik" ist nunmal Geschmackssache und damit rein subjektiv - und ein gefährliches Pflaster, oder auch: dünnes Eis.

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 17:55
von Fiona
Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 17:07
Fiona hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 16:56 Natürlich gebietet es die Ästhetik soweit wie möglich keine Beule im Schritt zu haben
Und "Ästhetik" ist nunmal Geschmackssache und damit rein subjektiv...
Ich redete nur von meinem Empfinden. Genau, rein subjektiv. Was für mich passt, muss nicht für jede Person passen.
LG Fiona

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 18:11
von Joo
Hallo Ihr,
hier mit der "Ästhetik" zu argumentiern ist keine gute Idee. Die gehört nämlich allen und niemandem. Immanuel Kant spricht hier von der subjektiven Objektivität und die lässt viel Raum. Auch denke ich, dass Transmenschen sich nicht nur aus ästhetischen Gründen für die eine oder andere Art der Badebekleidung entscheiden. Ich denke, da greift das persönliche Geschmacksurteil zu kurz.

LG Joo

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 23:02
von Nicole Fritz
Wally hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 01:39 Darum geht's doch auch gar nicht.
Hallo Wally,

es ging ironisch darum, was denn bitte eine "echte" Frau sein soll. Da passte dieser Auftritt irgendwie. Es war noch ziemlich am Anfang, wo ich die schrägsten Sachen ausprobierte. Den Bikini trug ich dort im Schwimmbad nur für ein paar Fotos. Sonst sah es dort so aus:

DCFC0114_1.jpg

LG Nicole

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 23:48
von Wally
Joo hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 18:11 hier mit der "Ästhetik" zu argumentieren ist keine gute Idee. Die gehört nämlich allen und niemandem.
Beides falsch: was mich und mein persönliches Outfit angeht, gehört sie MIR :-)

Ich habe mich da mittlerweile nicht nur bezüglich der Genderrolle emanzipiert: ich bin z. B. auch rotgrünblind, ich sehe Farben deshalb anders als die Mehrheit - und lasse mir da auch nicht mehr vorschreiben, bestimmte Farbkombinationen zu meiden, weil sich das angeblich "schlägt". Ich seh's anders, mir gefällt's - und da es MEINE Klamotten sind, ist es halt so, basta. Andere Menschen muten mir ja auch oft Farbkombinationen zu, die ich "unmöglich"finde. Dem Diktat der Mehrheit beuge ich mich nur noch insofern, als ich nicht mehr mit meiner roten Seidenjacke zu einer Beerdigung gehe, seit mir jemand gesteckt hat, dass die rot ist; bis dahin hatte ich die nämlich für schwarz gehalten :mrgreen:
Joo hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 18:11 Immanuel Kant spricht hier von der subjektiven Objektivität und die lässt viel Raum. Auch denke ich, dass Transmenschen sich nicht nur aus ästhetischen Gründen für die eine oder andere Art der Badebekleidung entscheiden. Ich denke, da greift das persönliche Geschmacksurteil zu kurz.
Selbstverständlich ist Crossdressing nicht bloß eine ästhetisch-modische Variante; ihre Bedeutung und die Motivation dazu stammt aus sehr viel tieferen, archaischeren Schichten unseres Hirnkastels: Sex und Erotik spielen da eine riesengroße Rolle, aber auch vielerlei geschlechtsspezifische Aspekte unseres sozialen Verhaltens und unserer Selbstdarstellung. Der Wechsel ist ja nicht ohne Grund so "heikel" und angstbesetzt: da geht's um unendlich viel mehr als bloß um einen Modetrend!

Trotzdem ist auch die Ästhetik dabei ein wichtiger Aspekt: nämlich mein persönliches, ästhetisches Empfinden. Ich beziehe mein Selbstbewusstsein als Frau im Alltag nicht zuletzt daraus, dass ich mich konsequent so kleide, wie ich mir (!) im Spiegel am besten gefalle. Nach meinem, subjektiven Urteil ist das ästhetisch: ich finde, "man kann so rausgehen", ich kann mich so sehen lassen. Mir kommt dabei zugute, dass ich halbwegs schlank bin (weshalb ich da auch konsequent drauf achte), dass ich mit meinen 1,75 für eine Frau groß (aber auch nicht zu groß) bin und dass ich mich mit meinen 76 Jahren immer noch aufrecht halten und mich geschmeidig bewegen kann. Mit Hüftpolstern, Silis und einer in seriösem Rahmen betont weiblichen, figurnahen Kleidung "mache" ich so im Wortsinn sogar eine bessere, harmonischere Figur als die meisten meiner cis-Altersgenossinnen: für mein Empfinden ästhetisch, und auch ein bisschen sexy - auch das gehört untrennbar zu weiblicher Ästhetik. Nur der unversteckt männliche Kopf darüber wirkt auf den ersten Blick natürlich irritierend. Aber daran kann man sich gewöhnen. In meinem gesamten, männlichen Leben habe ich mein Gesicht im Spiegelbild immer gehasst, ich empfand mich immer als abstoßend hässlich. Wenn ich mich heute im Spiegel anlächle, im Sommerkleid, mit Perlenkette und Ohrhängern, dann finde ich mich insgesamt - inklusive männlichem Kopf - auch nicht gerade "schön", aber doch immerhin sympathisch, ansehbar. Erst als Frau konnte ich endlich Frieden mit meinem eigenen Gesicht schließen, obwohl das als Einziges an meiner Alltagserscheinung männlich geblieben ist... Es hat wohl damit zu tun, dass ich in der weiblichen Rolle insgesamt mehr mit mir selber im Reinen bin; das zeigt sich dann auch in der unterbewussten Mimik, die wirkt seitdem harmonischer.

Bezüglich Ästhetik fällt mir da gerade noch etwas ein, was mich in früheren Jahrzehnten sehr verblüfft hat. Ich habe mir ja schon vor 27 Jahren die Brust aufbauen lassen, mit immerhin 2 x 500 ml - und obwohl das für mich gut und richtig war, und es mir damit dauerhaft sehr viel besser ging als vorher ohne, glaubte ich, das für meinen männlichen Alltag unter weiten Männerhemden verstecken zu müssen; "sozialkompatibel" nannte ich damals diesen Kleidungsstil, unter dem zwei undefinierbare Bollen an meiner Brust herumschwabbelten. Wenn ich mir - schon damals, bis heute - Fotos davon anguckte: einfach SCHEUSSLICH :shock: Nur im Auslandsurlaub traute ich mich dann manchmal, in einem Hemd rumzulaufen, das zwar in Stoff, Muster und Machart genauso aussah wie meine gewohnten Männerhemden, das aber figurnah auf eine weibliche Oberweite zugeschnitten war. Da wölbten sich also meine Brüste schön proper symmetrisch nach vorne raus und zogen magisch die Blicke auf sich. Die Fotos in diesem Hemd waren nahezu die einzigen, auf denen ich mich selber halbwegs ästhetisch ansehbar fand, auf denen ich mich selber mochte!

Was habe ich daraus gelernt? Dass ein weiblicher Busen an einem Mann unästhetisch, hässlich wirkt, wenn er wie ein Betriebsunfall, wie eine krankhafte Verwachsung notdürftig unter Männerkleidung versteckt gehalten wird. Dass aber derselbe Busen schön und ästhetisch wirkt, sobald er offen und stolz als solcher zur Schau gestellt wird - auch als Mann, auch im Gesamtbild, trotz des vermeintlichen, geschlechtlichen Widerspruchs! Deshalb wähle ich heute ganz bewusst und systematisch Kleidung, die die Brüste optisch nochmal extra hervorhebt und gezielt den Blick darauf lenkt - und ich trage noch zusätzlich zu meinen Implantaten Silis im BH. Für mein ästhetisches Empfinden - allein darauf kommt's letztlich an! - ist das einfach schön, ich mag mich selber so, ich fühle mich wohl darin, für mein Empfinden ist mein Erscheinungsbild damit insgesamt harmonisch. Und meine liebe Frau, die sonst mein Outfit durchaus auch schon mal aus ihrer ästhetischen Sicht kritisch kommentiert, widerspricht mir da zumindest nicht. Da ich mich in diesem Outfit selber mag, da ich es als authentisch empfinde und mich darin wohl fühle, zeige ich mich darin auch sehr gerne; das gibt Selbstbewusstsein. Und dieses gesunde, stabile Selbstbewusstsein im emotionalen Ausdruck bewirkt wiederum Akzeptanz in der Alltagsumgebung - weit mehr, als es ein krampfhaft auf "man trägt das so" angepasster Kleidungsstil je könnte. Die direkte, optische Signalwirkung von Kleidung wird nach meiner Erfahrung maßlos überschätzt.

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Di 19. Aug 2025, 23:54
von Wally
Nicole Fritz hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 23:02 Sonst sah es dort so aus:
Genau das meinte ich: so ist es - für mein subjektives Empfinden! - stimmig. Schönes Foto!

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Mi 20. Aug 2025, 06:49
von Violetta-TransFlower
Liebe Wally,

Du beschreibst genau das, was ich auch fühle und sprichst mir damit aus meiner Seele.
Vielen Dank dafür. (ki)
Auch wenn wir jetzt schon ein wenig am Thema hier vorbeirauschen, so möchte ich doch zwei Kernaussagen von Dir sehr gern kommentieren.
Wally hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 11:44 Ich trage nicht deshalb weibliche (Bade-)Kleidung, weil ich transsexuell bin - sondern einfach deshalb, weil es mir ein tief sitzendes, grundlegendes Bedürfnis ist: weil ich es regelmäßig und immer wieder als befreiend und emotional hoch befriedigend erlebe, mich offen so zu zeigen. Und zwar unabhängig davon, wie's bei anderen Leuten ankommt: ob die das gut finden oder nicht, ob die mich für eine Frau oder für einen "verkleideten" Mann halten - geschenkt. Das ist deren Problem, nicht meines. Ich kann und muss nicht jedem gefallen; mir gefällt auch nicht jeder. Ich habe das Bedürfnis und genieße es, mich offen so zu zeigen, wie ich mich selber sehe und empfinde, wie ich mich selber am liebsten mag, wie ich mich authentisch fühle. Das ist der Punkt, allein darum geht's: ich darf auch öffentlich so sein, wie ich mich fühle; ich muss mich damit nicht mehr ängstlich verstecken.

Das Selbstbewußtsein, daß Du in vielen Jahren entwickelt hast, ist bemerkenswert.
Ich bin gerade auf dem Weg dorthin, denke auch immer mal über das Eine oder Andere zuviel nach, aber das wird schon noch, denke ich.
Ich habe das auch schon vielen Leuten gesagt, DAS BIN ICH, DAS IST MEIN WESEN.
Und Sie staunen dann oft, wenn ich erzähle, daß ich DAS schon als Kind gefühlt habe und mir Klamotten von der Wäscheleine der Nachbarin "ausgeliehen" habe, weil meine Mutter nichts für mich passendes im Schrank hatte.
Das habe ich auch meinen beiden Metal-Freunden am vergangenen Samstag erzählt und deren Augen wurden immer größer, aber ich denke, nur so kann ich es Leuten, die nicht so empfinden wie ich, halbwegs begreiflich machen, was "mit mir los ist".
viewtopic.php?f=79&t=30378&p=409439#p409259
Mit vielen Erklärungen von meiner Seite, versteht dann auch meist mein Gegenüber bei Gesprächen, worum es mir eigentlich geht und was mich ausmacht.
Wally hat geschrieben: Di 19. Aug 2025, 23:48 Ich beziehe mein Selbstbewusstsein als Frau im Alltag nicht zuletzt daraus, dass ich mich konsequent so kleide, wie ich mir (!) im Spiegel am besten gefalle. Nach meinem, subjektiven Urteil ist das ästhetisch: ich finde, "man kann so rausgehen", ich kann mich so sehen lassen. Mir kommt dabei zugute, dass ich halbwegs schlank bin (weshalb ich da auch konsequent drauf achte), dass ich mit meinen 1,75 für eine Frau groß (aber auch nicht zu groß) bin und dass ich mich mit meinen 76 Jahren immer noch aufrecht halten und mich geschmeidig bewegen kann. Mit Hüftpolstern, Silis und einer in seriösem Rahmen betont weiblichen, figurnahen Kleidung "mache" ich so im Wortsinn sogar eine bessere, harmonischere Figur als die meisten meiner cis-Altersgenossinnen: für mein Empfinden ästhetisch, und auch ein bisschen sexy - auch das gehört untrennbar zu weiblicher Ästhetik.
(super) (sym)

Von unserer Größe sind wir durchaus vergleichbar, Ich bin 172 cm klein.
Wenn ich mich nach dem Ankleiden im Spiegel anschaue und meine optische Erscheinung für mich alltagstauglich empfinde, so ist das völlig ok für mich, ich muß mir zuerst selbst gefallen, das ist das Wichtigste.
Kurz danach denke ich manchmal darüber nach, bist Du jetzt etwas Overdressed ?
Aber in den meisten Fällen denke ich, "Nein, bist Du nicht ! Du bist schön !"

Wenn ich mich in 21 Jahren, so weit sind wir beide vom Alter auseinander, noch "geschmeidig bewegen kann", und die Violetta ausleben darf,
so bin ich GLÜCKLICH. 🍀

findet Dich sehr sympathisch
Deine Violetta 💜

Re: Was ich niemals machen würde....

Verfasst: Mi 20. Aug 2025, 07:28
von Magdalena
Hallo,

ich bin schon immer gerne baden gegangen. Und so war es unausweichlich, damals noch CD, auch ins Schwimmbad zu gehen. Da es Einelkabinen gibt, war das Umziehen ganz einfach. Meine Silis lagen gut im Badeanzug. Auch den Penis konnte ich recht gut verstecken. So war der Besuch eines Schwimmbades recht schmerzfrei. Und ich bin so auch mit Freundinnen, Biofrauen, zum Schwimmen gewesen.

Inzwischen liegt meine GAOP hinter mir. Und so kann ich jetzt auch ganz unbekümmert an den FKK-Strand gehen. Was ich auch schon machte.

Viele liebe Grüße von Magdalena